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Elisabeth Hajdú

Die Volkstracht in Schambek

EINLEITUNG

Schambek/Zsámbék war bekannt für seine farbenprächtige, rokokohafte Bauerntracht,1 die kurz vor und nach 1920 noch eine späte Hochblüte erlebte. Bis zum Ende des zweiten Weltrieges wurde sie von Jung und Alt getragen. (Erst 1944/45 fingen unverheiratete Frauen an, werktags bequemere städtische Kleidung zu tragen.) Aus diesem letzten Zeitraum stehen uns reiche Fotobelege zur Verfügung. Auch können uns noch die mesiten älteren Schambeker die abwechslungsreiche Tracht dieser jüngsten Periode mehr oder weniger genau schildern. (Abb. 1.)

Die ursprüngliche Kleidung der deutschen und magyarischen Ansiedler in Schambek kennen wir nicht2 wohl aber die Tracht vor der oben erwähnten letzten Periode in unserem Jahrhundert. Sie ließ keine ethnische Herkunft mehr erkennen, wich jedoch in Details nicht unwesentlich von der späteren Tracht ab. Obgleich wir relativ wenige alte Bilder besitzen, können wir sie uns auch auf Grund von Beschreibungen der Alten genau vorstellen. Diese ältere Tracht hatte sich sicher recht lange gehalten, schon deshalb, weil man das Gewand oft vererbt bekam und es Generationen überdauern mußte. Erst in unserem Jahrhundert konnte sich die Tradition sprunghaft ändern, als mit den billigeren Fabrikstoffen eine breitere Palette von Farb- und Qualitätenvielfalt auf den Markt kam.-3 Jetzt erst gestattete es auch die wirtschaftliche Lage unserer Dorfbewohner in der Nähe der Hauptstadt, eine anspruchsvollere, nüanciertere Tracht herauszubilden.

Man kann also in der Entwicklung der Schambeker Kleidung drei Perioden unterscheiden: eine nicht berücksichtigbare, weil nicht bekannte, auf ethnischer Vielfalt beruhende frühe Zeit, dann jene schon auf Einheitlichkeit beruhende mittlere vor der Jahrhundertwende und die neuere Periode; wobei man sich die Übergänge sicher fließend vorstellen muß.

Übrigens trugen die Dorfleute in Schambek ein Gewand/G 'wand 4; man sagte, sie gingenwährend Stadtleute und die sich schon an ihnen orientierenden Handwerker, weil sie Herrenleute/Hean/etd waren,  gingen und  trugen. - ,.Kleider machen Leute" sagt ein altes Sprichwort und das ist auch für die Schambeker Tracht vollkommen zutreffend, denn die Kleidung brachte recht vieles zum Ausdruck. Man legte großen Wert darauf, immer dem Anlaß entsprechend „angelegt" = angezogen zu sein. Damals war noch nicht alles gleichgemacht wie heute -behaupten die alten Leute. Selbst wenn man werktags zur Arbeit ging, zog man für den Weg eigens dasan, das auf dem Feld abgeelegt wurde.

DIE FESTEN BESTANDTEILE UNSERER VOLKSTRACHT

a) Bestandteile der Frauentracht

1) Als Unterkleidung trug man (stets ohne Beinkleider und BH) das Hemd/ Es reichte nicht bis zu den Knien, hatte einen kurzen Schlupf mit etwa vier Knöpfen und links und rechts von der Leiste mit vier Zwirnknöpfen und einigen (zwei bis vier) Schmie-  = Biesen, die unter der Brusthöhe mit einer Querspange abgesteppt waren. Das Hemd war hochgeschlossen und mit einem kleinen spitzenbesetzten versehen. Auch die engen, kurzen Ärmel waren mit Spitzchen verziert. Der Stoff bestand früher aus gröberer hausgesponnenen Leiawand/Leimad, später überwiegend aus Baumwolle.

Dasunterschied sich vom alltäglichen durch die langen Ärmel und der reicheren Schmieselzahl sowie der spitzchengesäumten Knopfleiste; es bestand aus ganz feiner Leinwand,-5 wurde gebleicht und sehr gestärkt. Die langen Ärmel wurden in Querfältchen gelegt, über den Ellenbogen geschoben und mit einem eingezogenen farbigen Bändchen/Mascherl festgebunden. Das „klare Hemd" war Bestandteil der Festtracht. (Abb. 2.)

2) Über das Hemd zog man bei festlicheren Gelegenheiten den an. Dieser aus Flaenell genähte, mit Wattelinfüllung (ähnlich unseren Steppdecken) abgesteppte Riedel diente dazu, der Tracht rokokohaftere Form zu geben und eine größere Anzahl von Unterkiedeln überflüssig zu machen. Im Sommer oder wenn man nicht ganz so festlich wirken wollte, wurde der Wattekiedel durch eine sogenannteersetzt.6 Der Vorderteil dieses vom Namen anschaulichen Kleidungstückes war ähnlich wie beim Wattekiedel nicht mit Watte gefüttert. Beide wurden mit zwei nicht gekreuzten Trägerbänden gehalten.

3) Über Wurst oder Wattekiedel wurden die(in der Bedeutung des mhd. leitet, Einzahl ebenfalls Kiedt) getragen. Der Kiedel bestand aus einem der Körperlänge angepaßten, weit unter die Knie reichenden, freihängenden zylindrischen Rohr, dessen oberes Ende (mit Ausnahme am Vorderteil) in Falten gezogen war. Im Umfang betrug der Kiedel ungefähr 4 bis 4,5 m, der Faltenkiedel etwa S m. Er wurde aus mehreren Stoffbah nen, sogenanntenzusammengesetzt. Zum bequemeren Anziehen (immer über den Kopf) war an der Vorderseite links ein Schlitz angebracht, der mittels eines Hef- tels/Hafils geschlossen wurde. Zur Verstärkung des Saumes wurde ein 10-12 cm breiter Stoff (meist anderer Art), ein sogenanntes Blech/Blech, eingenäht, von dem außen nur die Nahtlinie sichtbar war. Nur die Kiedel älterer Machart trugen einen Außensaum aus Samt, aber ein (=Stoßband) oder Spitzensäumchen war oft angebracht. Eine Tasche war nur in die Wertagskiedel rechts eingenäht.(Abb. 3.) Es wurden fast immer mehrere Kiedel getragen;und Unterkie-  gehörten zur Tracht. Zur festlichen Tracht wurden die Unterkiedel sehr hart gestärkt, sonst trug man auch, wie zu zeigen sein wird, gebrauchte alte Kleidung als Unterkiedel. (Abb. 4)

4) Das Oberteil des Gewandes hieß7 von dem es zwei Formen gab. Die eine Form war sehr auf den Leib geschnitten, betonte die Brust (da man ja keinen BH trug) und hatte am (aus mehreren Stücken genähten) Rückenteil ein das in zwei Falten mit Zierknöpfen gelegt war. Die Knöpfe sollten farblich passen; man verwendete entweder teure Spiegelknöpfe (mit spiegelndem gläsernen Einsatz), Posamen oder einfachere Perlmuttknöpfe. Wie es unsere Bilder zeigen, sollte das Schößerl auf dem Kiedel schön aufliegen. Dieses Oberteil zum Gewand hieß „dreiteiliges8 Es war mit Baumwollstoff gefüttert und rundum sowie an den Außenseiten der Ärmel reichlich mit breiten Maschinenspitzen verziert. Die engen Ärmel waren bei diesem Röckel mit drei sogenannten Schop- = Fältchen eingesestzt, um die Wirkung von Puffärmeln zu erzielen. (Abb. 5)

Das nicht in die Taille geschnittene, lose Röckel hieß einfach nur Re'ckl oder  mit eineem jüngeren Ausdruck(von pfludern = flattern, lose hängen) oder einfach Pantschuaii9 Hier bestand der Rückenteil aus einem Stück. - Beide Röckelarten hatten ein kleines Stehkrägelchen, das mit Spitzchen verziert sein konn-te.(Abb. 6.)

5) Über das „klare Hemd" wurde das(Diminutivum: angezogen. Sein Rückenteil bestand wie beim „dreiteiligen Röckel" aus mehreren Stük-ken. In früherer Zeit wurde es aus schwarzemgetragen und hatte nur am Rückenteil ein ganz dicht in Falten gezogenes kurzes Schößel. Erst in neuerer Zeit wurde das Festtagsleibel auch aus rotem, glänzenden Stoff angefertigt und mit Palletten und Glasperlen besetzt, wobei der Einfluß einer operetthaften Vorstellung „magyarischer" Tracht nicht zu übersehen ist. BaumwoUeibel ohne Schößel wurden unter dem Röckel als Unterkleidung oder wenn man hemdsärmelig ging. getragen.(Abb. 7,8.)

6)10 = Vortuch gehörte zum Schambeker Gewand, dagegen wurde einenur von den Dienstmädchen bei Herrenleuten und eventuell noch von Handwerkerfrauen getragen. Das Frauenfürter bestand aus einem quadratischen Stück dunkelblauer oder schwarzer auf Hochglanz pollierter, sogenannter Rumburger Leinwand. 11 Mit weißem Faden wurde oben und unten ein schmaler Saum genäht, während seine Breite der Stoffbahn entsprach; zur Festtracht war in den oberen Ecken in Rot, Blau und Weiß das Monogramm der Trägerin eingestickt.

Das „weißewurde nur zu allerfestlichsten Anläßen von Ledigen getragen. Die weiße Leinwand hatte mehrere, aber mindestens drei Reihen Streifeneinsät- sotz aus selbstgehäckelten oder industriellen Spitzen und war von Hand umhäckelt; im Bund konnte es in Falten gezogen werden. Es wurde sehr hart gesteift und der Länge nach in minutiös kleine Stehfalten gelegt, die mittels Nähfaden an mehreren Stellen quer zusammengezogen und unter Leinentüchern gepreßt wurden; die Fäden wurden erst beim Anziehen gezogen.

7) Verheiratete Frauen verließen das Haus kaum ohne das akkurat gebundene Kopf  während Kinder und Jugendliche es für gewöhnlich nur bei kaltem Wetter trugen. Bei Tanzveranstaltungen, wo ein Kpftuch lästig gewesen wäre, trugen die Schambeker Frauen aus (kunst-) seidenen Tüchern mit unterlegtem Papjer gebundene haubenartige, Schopt/Schoupf genannte Kopfbedeckung. Im Winter trug man statt eines Jankers oder Mantels ein schwarzes, quadratisches flauschiges Umhangtuch/  aus Wolle, das auch Berliner Tüchel genannt wurde; dreieckig gefaltet wurde es vor der Brust von einer großen Nadel, evtl. Sicherheitsnadel, zusammengehalten.12 (Abb. 9., 10., IL, 12.)

g) Zur Tracht gehörten blaue und grüne Strümpfe, die mit einem gestrickten Band/Bandl unter den Knien gebunden wurden; Gummistrumpfbänder kamen erst später auf. Ledige trugen zur Festtracht auch weiße Strümpfe. Diese Strümpfe kamen aus den bedeutsamen heimischen Strickereien. Sogenannte Patentstrümpfe13 wurden meist auf dem Markt erstanden. - Die schwäbische Frau trug nie Stiefel, sondern entweder „Halbschuhe" oder hohe „Schnürschuhe". Ältere Frauen liebten besonders die speziell in Schambek hergestellten gestrickten14 (Abb. 13.)

b) Die Bestandteile der Männertracht

1) Auch zur bäuerlichen Männertracht gehörte als Leibwäsche das (ohne Unterhemd getragene) Hemd. Es war so kurz geschnitten, daß es knapp in den Hosenbund reichte. Wie das Frauenhemd hatte es eine nicht allzubreite Knopfleiste und Biesen, die unter dem Brustansatz von einem Querriegel abgeschlossen wurden. Es hatte lange, nicht allzu weite mit Manchetten geschlossene Ärmel, die auch aufgestülpt getragen wurden. Das Stehkrä gelchen mit zwei Knöpfen und einen umgelegten Latz, wurde immer geschlossen getra gen. Ursprünglich aus handgewobener Leinwand, wurde das Hemd später auch aus pflege leichteren Baumwollstoffen hergestellt. Auch für die Männer gab es ein hartgesteiftes „klares Hemd" aus feinerem Leinen oder feiner weißer Baumwolle. Die Knopfleiste war auch hier mit Spitzchen besetzt.

2) Die lange Unterhose,(von ungar. gatya = Leinenhose) ge nannt, wurde früher ebenfalls aus grober Leine gefertigt, später für den Winter auch durch Barchentstoffe ersetzt. Sie wurde durch ein eingezogenes Band/Bandl gehalten und ein Schlitz an den Knöchern mit Bändern zusammengebunden, um das Hineinschlüpfen in die Stiefelhose zu erleichtern. Mit sehr weiten Beinen nach Art der (von der Pusztaromantik bekannten) ungarischen Hirte wurde sie im Sommer zur Arbeit auch als Oberkleidung getragen. (Abb. 14.)

3) Über der Gatjahose wurde eine Stiefelhose mit Latzschlitz eine Husarenlatzhose, getragen, die oft nach Husarenart (Posamenten) verziert war. Ihre Taschen waren quergestellt und der Hosenriemen lief im Bund. Man kannte auch lange, weitere Hosen, die nicht für Stiefel geeignet waren, und Pan genannt wurden. Sie gehörten nicht zum Festgewand. (Abb. 15.)

4) Der zweite Bestandteil des Gewandes war der Janker/'Jang", für den es zwei Schnittarten gab, ohne jedoch wie in Wudersch/Budaörs mundartlich zwischen ungari schem und deutschem Stiefelgewand zu unterscheiden, auch wenn es de facto so war. Bei der einen Art waren Janker wie Hose reich durch Posamentenschnüre15 verziert und der Kragen nicht zu einem Revers umgelegt, aber meistens mit Brehm/Bra/im = Pelz oder Samt besetzt. Der magyarische Einfluß scheint auf der Hand zu liegen, ist aber nicht nachgewiesen, da Posamente in der Barockzeit allgemein üblich gewesen zu sein scheinen. Eher deutscheren Eindruck erweckt der zweireihige Janker mit großem spitzen Revers ohne Brehm. Beide Arten waren jedoch wamsartig kurz geschniten und wie die Hosen aus dunkelblauem oder schwarzem Tuch gefertigt.(Abb. 16., 17.)

5) Das Wortblieb, in der Zusammensetzungdem recht kur zen Wintermantel und der Oberkleidung ganz kleiner Kinder vorbehalten. Der Winterrock hieß auch Jaß. Er war zweireihig, ohne Schnurverzierungen, dick mit Wattelin gefuttert und hatte einen Pelzkragen. Da die Schwaben des Ofher Berglandes keine Schafzucht be trieben, war der magyarische fcwuia/Pelzmantel zwar bekannt, aber nicht üblich. Ein gro ßer,(von ungar. köpenyeg) genannter, paletotartiger Umhang aus Tuch wurde zum Beginn des Jahrhunderts schon nur mehr ganz selten getragen. - Der gehörte zur „herrischen" Kleidung.(Abb. 18.)

6, Das Leibel/Laiwö der Männer war ganz aus Tuch wie das Gewand. Es war in die sem Jahrhundert nicht mehr hochgeschlossen sondern zweireihig mit kleinem Revers; es hatte zwei kleine Täschchen unten und links zusätzlich eines oben. Im Sommer wurde es auch statt des Jankers getragen.(Abb. 19.)

7, Außer zur Kirche hatte der schwäbische Bauer in Schambek immer sein Fürter um, zum Arbeiten ein einfacheres, ausgewaschenes, Sonn- und Feiertags ein am Brustteil mit dem Monogramm besticktes dunkelblaues Rumburger Fürter.(Abb. 20., 21.)

8) Die Fußbekleidung bestand aus den einnähtigen Rohrstiefeln, den sogenannten  (vom ungar. csizma = Stiefel),16 zu denen man gerne Fußlappen,  trug. Socken gehörten eher zu den Schnürschuhen bei der Pantalonhose. Zum Gewand gehörten keine Pantoffeln,sie trug man zur Arbeit.(Abb. 22.)

c) Die Kindertracht

  1. Säuglinge im= Steckkissen bekleidete man mit einem am Rücken offenen Hemd mit einem spitzchenbesetztenhalskrausenartigem Kragen.(Abb. 23.)
  2. Sobald das Kind auf den Arm genommen wurde oder aufsitzen konnte, zog man ihm einen auf dem Rücken zu knöpfendenan, dessen Ober- und Unterteil zusammengenäht war. Das Halskrösel des Hemdes wurde über seinen Kragen gestülpt. Jungen und Mädchen trugen den Rock in gleicher Weise bis sie etwa drei bis vier Jahre alt waren, dann wurden sie wie Erwachsene gekleidet.(Abb. 24.)
  3. Kleinkinder trugen als Kopfbedeckung zum Rock einemeist sogar eine seidene Oberhaube und eine waschbare Leinenhaube darunter. Sobald der kleine Bub gehen konnte, unterschied ihn einzig der Hut und das kleine Fürter über dem Rock vom Mädchen.(Abb. 25.,26.)

DIE ÄLTERE TRACHT

a) Die Frauentracht

Die ältere, sehr dunkle Kleidungsweise aller Frauen trägt vermutlich noch viele charakteristische Züge ursprünglich deutscher Tracht. In dieser Gestalt oder ganz ähnlicher Art wurde sie bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts in fast allen ungarndeutschen Gemeinden nicht nur der Umgebung getragen. 17

Den auffallendsten Bestandteil der alten Tracht in Schambek bildete ein jankerartiges Röckel, (wohl auch noch Janker genannt) das meist aus einem dicken, glänzenden Stoff, jedoch nicht aus Tuch, bestand. Es war gefüttert und nur mit einem schmalen Aufputz, manchmal auch mit einem dunklen Samtsaum ringsherum verziert. Ob es eventuell Abkömmling eines magyarischen Frauenkleidungsstückes ist, müßte erst untersucht werden.18 Es wurde nicht geknüpft, sondern so geheftelt, daß es über der Brust offen blieb, damit das darunter getragene Kaschmir-Brusttuch sichtbar war. Das Brusttuch wurde vor der Brust gekreuzt und in der Taille nach hinten in das Fürter gebunden, so daß Zipfel und Fransen unter dem Röckel heraushingen.

Zur Festtracht gab es ein ähnlich dunkles „dreiteiliges Röckel" mit schmalem Aufputz, das aber schon geknöpft wurde. Das Brusttuch wurde darunter auch hier so getragen, daß Zipfel und Fransen hervorschauten. Beim meist aus dunkelblauer Atlasseide bestehende Brautgewand war das dazugehörende Röckel kleingeblümt, der Riedel aber ungemustert.

Der Kiedel mit schwarzem Samtsaum, oft aus karriertem = „quadniliertem" Tuch, reichte fast bis zu den Knöcheln. Die Figur wirkte schlanker, da die Frauen wohl weniger Unterláedel wie bei der jüngeren „Mode" trugen.

Auf einem alten Foto (vergleich das beigegebene Bild) sehen wir das große Kaschmir-Kopftuch turbanartig über der Stirn zu einem Schopf geknotet.19 Fotos um 1870 zeigen eine weitere Art, den Schopf zu binden, bei der es die größeren, nur einmal geknoteten Kopftücher ermöglichten, die Zipfel asymmetrisch hängen zu lassen. Nach Invánfi hieß er  die vorgenannte Art aberEine dritte Art, derauch „fliegender Schopf genannt, weil die kleineren akkurat gestellten Zipfel wie Flügel aussahen, blieb aber bis zuletzt erhalten. Er wurde auch früher schon zu festlichen Anläßen wie Tanz und Hochzeit von den Verheirateten getragen, während die zwei anderen Arten auch den Mädchen zustanden.(Abb. 27., 28., 29.)

An ihren Füßen trugen unsere Ahnein blaue „Harrasstrümpfe20 mit roten Zwickern in den Fersen. Die dazu passenden Samtschuhe zur Festtracht waren die „gekrausten Schu- mit einem kleinen farbigen Stoffgekröse.

Die Werktagskleidung bestand oft aus selbstgesponnenem Hanf, aus Haosleimad, die man weben und färben Iieß.21 Weber und Blaufärber dazu gab es im Dorf. Die Alten sagten: „Sebstgesponnen und selbstgemacht, ist die schönste Bauerntracht". Werktags trug man keine Unterkiedel und ging oft hemdsärmelig zur Arbeit.(Abb. 30., 31.)

Der Wiener Malerin Erna Pffl22 verdanken wir eine Darstellung der kunstvoll geflochtenen, dachförmig aufgebauten Haartracht der Schambeker Mädchen aus früher Zeit, die aus Anlaß der Ausstellung 1925 von alten Frauen nocheinmal verlebendigt wurde. Die komplizierte Art des Haarflechtens hieß „häckeln", die Frisur war „Scheitel ge  Normalerweise trug man die Haare in zwei Zöpfe geflochten und zu einem „Nest", einem runden Kranz auf dem Hinterkopf, zusammengesteckt. Für die Festtage ließen sich die Mädchen von geübten Frauen ein kompliziertes „Nest" stecken; dazu wurden sechs bis zehn Zöpfe geflochten, aus denen der Haarkranz gesteckt wurde. Mit einem Zierkamm mit Glitzerwerk, einem sogenannten Tschatt (von Ungar, csat = Spange) und kleineren glänzenden Spangen wurde die Frisur verschönert.(Abb. 32.)

Als Schmuck trugen die Alten goldene, glocken- bzw. tropfenförmige Ohrringe und eine vielreihige Perlenkette, " Hoitskettn, die hinten mit Seidenbändern gebunden war, zierte ihren Hals. Das schön bestickte/„ausgenähte"so gefaltet und getragen, daß man das Monogramm gut sah, gehörte wohl schon immer zur Sonn-und Feiertagstracht. Zum Gang in die Kirche (und zum Fototermin) gehörte der Bettn genannte Rosenkranz und evtl. das Gesangbuch traditionell dazu.(Abb. 33.)

b) Die ältere Männertracht

Für die alte Männertracht war der zweireihige Janker mit spitzen langen Zipfeln des Revers, die angeknöpft waren, charakteristisch. Die Wohlhabenderen hatten überzogene Knöpfe oder hellblaue Kamelhaarknöpfe an ihrem Janker. Dazu gehörte ein schwarzseidener krawattenartiger Schal „doppelt Mascherl gebunden" d.h. in Doppelschleife getragen. Es gab auch den ganz schmalschultrigen, sehr kurzen und den üppigeren, an die magyarische mente erinnernden Janker mit Schnüren/Posamenten und Pelzkragen. Das zweireihige Leibel hatte zum Teil noch Rollen = Metallknöpfe und Goldbortenschnüre (daher Bourtenleiwö oder Rujnleiwö), war jedoch nicht mehr hochgeschlossen, sondern statt mit einem Stehkragen schon mit einem kleinen Revers versehen. Der runde nicht eingeteilte Hut aus Seide hatte eine sehr schmale Krampe. Bei den älteren war bis zur Jahrhundertwende auch ein breitkrempiger Hut aus Langhaarfilz üblich. Beide Hutarten kamen im ersten Weltkrieg ab. Winters trug man dieSchochtlkappö aus Pelz. Zu den = Husarenhosen trug man die Dollenstie- feVDujntschisma.23 Das gestärkte weiße Schneuztüchel trug man bei der Sonntagstracht noch quer durch den Latz des Hosenschlitzes, so daß dessen Zipfel hüben und drüben her-aushingen.(Abb. 34., 35., 36., 37.)

DIE BÄUERLICHE TRACHT DER NEUZEIT

a) die Frauentracht

Wie schon erwähnt, führten mehrere Faktoren zur Wandlung der Tracht, die im folgenden beschrieben werden soll. Zur Garderobe einer wohlhabenden Frau gehörten jetzt mindestens sechs bis sieben Gewänder (mit passenden Kopftüchern) die aus Seide, Brokat, Lüster, Samt, Stoff, Tuch, Popeline, Delin usw. bestanden. Die Stoffe wurden meist in Budapest, oft auch in der Nähe Grans (z.B. Párkány in der heutigen Slowakei) beschafft. Zu den ganzen Gewändern, bei denen von jetzt Kiedel und Röckel aus dem gleichen Stoff bestanden, kamen variablere Einzelstücke, die für verschiedene Anlässe kombiniert werden konnten. Soziale Unterschiede zeigten sich bei der Auswahl von Stoffart und Qualität, sogar bei der Stoffmenge und der Anzahl der verwendeten Unterkiedel mehr. Je mehr Unterkiedel eine Frau trug, desto eleganter galt ihre Kleidung.

1) Die Festtracht wurde fast nur mehr zum Kirchgang getragen und geschont. Siewurde aus teurem Material angefertigt; ein Brautgewand konnte wegen des noch teurerenAufputzes den Bauer schon ein Kalb kosten. Bei dieser teuren Tracht war das Röckel immer „dreiteilig" und aus dem gleichen Stoff wie der dazugehörende Kiedel. Die Röckelwaren gefüttert und mit breiten Spitzenborten ringsum und an den Ärmeln besetzt; meistens war es mit Spitzchen im gleichen Farbton auch eingefaßt. Darunter trug man entweder ein weißes „dreiteiliges Röckel" aus Damast, von dem die Spitzchen am Kragen alsKrösel und an Ärmeln und Schößel herausschauen mußten; bei Hitze durfte es auch einnur eingeheftetes weißes Halskröselchen und ein weißes Schößel zum Umbinden sein.

Der Kiedel des Festgewandes war in den dreißiger und vierziger Jahren häufig nur mehr gezogen und fiel frei herab, während der eigentliche und früher fast ausschließlich getragene der auf unterlegtem Tüll in viele Falten gelegt war,immer seltener wurde.(Abb. 38., 39., 40.)

Die verheirateten Frauen trugen dazu immer das Rumburger Fürter; die Ledigen bei Anlässen, wenn sie als Kranzelmadel gingen, (also an Fronleichnam, bei Hochzeiten oder der Beerdigung eines Jugendlichen) das „weiße Fürter", sonst auch ein schwarzes Fürter mit reichem Monogramm. Schwarze Samt- oder Lackschuhe mit Schnallen und Schleifen sowie BerlinerStrimpf (wieil sie „Berliner blau"waren), bei Ledigen auch weiße Strümpfe, gehörten dazu.

Unter dem Festgewand trug man über dem Wattekiedel drei bis vier hartgestärkte Unterkiedel mit Spitzensaum; gelegentlich wurden schon auch mal abgetragene farbige Oberkiedel für diesen Zweck verwendet.(Abb. 4L, 42.)

2) Als Brautgewand wurde eigentlich nur ein Festgewand in dunklerem Ton (weil esim Frauenstand weiter benützt wurde), jedoch mit besonders vielen Unterkiedeln getragen. Zum letztenmal trug die Braut das weiße Fürter mit einer weißen und blauen Schleifeunter dem Schößel des Röckeis. Es symbolisierte, wie auch das Kranzel, ihre Unberührt-heit.24 Daher galt es als große Schande, wenn sie beides nicht mehr tragen durfte. Waisenund Halbwaisen trugen jedoch auch nur ein Rumburger Fürter. Der diademartig geflochtene Myrtenkranz aus Wachsperlen und glitzerndem Flitterzeug war hinten mit zwei biszum Kiedel reichenden, übereinander zur Schleife gebundenen breiteren Bändem/Maschnin weißer und blauer Farbe geschmückt. Die Kranzehnaschen der Kranzelmadel warenweiß und rosa - wie auch die schmalen Mäschchen am Bruststrauß der Jungmänner. Zur

Brauttracht, die sich also nicht von der Tracht der Kranzelmadel/Brautjungern unterschied, trug man weiße Strümpfe undaus Samt (mit zwei oder drei Spangen). Gebetbüchel mit Rosenkranz, sowie das Schneuztüchel mit einem Rosmarinzweig ergänzten die Brauttracht. - Um 1940 gingen einige Bräute aus dem Mädchenkreis/leanykör erstmals in weißem Brautgewand.

Zur Erstkommunion trug man ganz weiße Kleidung mit weißem Fürter und offene Haare mit einem Wachskränzchen ohne Mascherl. Als absolut nicht zur Tracht passend muß der weiße Schleier, den die Schwestern in den dreißiger Jahren den Mädchen verteilten, bewertet werden. Die Kommunionkerze war nicht eingeftihrt.(Abb. 43., 44., 45., 46.)

  1. Die Tanzkleidung. Es ist von den Deutschen in Ungarn bekannt, daß sie Musik undTanz sehr mögen. Bei den öffentlichen Tanzveranstaltungen, die zu besonderen Festen(Neujahr, Fasching, Ostermontag, erster Sonntag im Mai, Pfingstmontag, Kirchweihtag/Kiritog, = 15. August und amKatharinentag) veranstaltet wurden, war die ganze Dorfjugend anwesend. Am Faschingund am Kirchweihsonntag gingen die Mädchen für die ersten Tänze in einem Seidenkiedel mit „klarem Hemd", Leibel, gekreuztem Kaschmirtuch und dem „weißen Fürter" insGasthaus, (das Rumburger Fürter konnte es jedoch auch sein). Nach den ersten Tänzenging man nach Hause und legte den Seidenkiedel und das Kaschmirtuch ab und zog sichganz weiß an. Frauen gingen in leichten hellen Sommergewändern zum tanzen. Zu ihrerTanztracht gehörte der schon beschriebene Schopf; die Mädchen tanzten ohne Kopf-tuch.(Abb. 47., 48., 49., 50.)
  2. An gewöhnlichen Sonntagen gingen Mädchen und Frauen dem Wetter entsprechendin Stoff-, Tuch-, Popeline- oder Baumwollgewand in die Kirche. Man verwendete jedochnicht so kostbare Stoffe, aber sie durften einfarbig glatt, gestreift, geblümt, getupft oderkariert (ma. quadruliert) sein. Kiedel und Pfluderröckel mußten nicht aus gleichem Stoffbestehen. Es waren auch nicht so viele Unterkiedel obligat wie bei der Festtracht. DieMädchen durften ohne Kopftuch zur Kirche,25 während die Frauen ein zum Gewand pas sendes Kopftuch trugen. (Abb. 51.)

An den Fastensonntagen zog man zum Kirchgang dunkleres, des öfteren wie z.B. am Karfreitag sogar schwarzes Gewand an. In dunklerer Kleidung ließ man sich auch, weil man besser aussehe,= fotografieren.

Auch die ersten Sonntage des Monats, die früheren Neumondsonntage, die jetzt Herz-Jesu-Sonntag hießen, verlangten gewähltere Kleidung. Im Sommer trug man auch bei größter Hitze Gewand und Kopftuch aus Stoff. Im Winter war man im Damentuchkiedel oder im quadrulierten Kiedel und einem Samtröckel der Norm entsprechend gekleidet. Unter diesem Samtröckel trug man ein weißes Spitzenkrösel; dazu paßte ein großes dickes Samtkopftuch. Auch ein violettes, in der ma. geveigeltes/g'vaiglts, Gewand war für diese ersten Monatssonntage und auch für die Marienfeste angemessen.

Zur nachmittäglichen „Litanei", bzw. zum „Segen" = Andacht trug man noch einfachere Sonntagskleidung. Zum Spazierengehen, zum Kartenspielen oder zum Plaudern auf dem Bankerl vor dem Haus zog man jedoch das Kirchengewand aus und trug ein noch gutes Werktagsgewand. Es war im Winter ein Barchentgewand, im Sommer aus geblümten Blaudruck, sogenanntes.(Abb. 52.,53.)

5) Als Ausgehkleidung für Werktage dienten einerseits abgetragene Sonntagskáedel und -röckel, anderseits neue Gewänder aus billigeren Stoffen wie Barchent, Blaudruck und Baumwolle. Man trug keinen Watterkiedel und die Röckel hatten bescheideneren Aufputz, manchmal sogar nur aus schmalen Borten. Das Fürter war aus blauer, gestärkter Leine und weniger bestickt.

Im Sommer war auch ein kurzärmeliges Röckel möglich. Bei sehr großer Hitze konnte man sogar mit einem farbigen Baumwolleibel über dem Hemd aus dem Haus gehen. Die Strümpfe waren nicht aus Wolle und durften auch braun sein, sogenannte Patentstrümpfe aus Baumwolle.

6) Am einfachsten waren die Schambeker Frauen auf dem Feld und bei der Hausarbeit angezogen. Man trug abgetragene Ausgehkleidung aus Färberzeug.

Das blaue Leinenfürter war unerläßlich, das hier nicht nur die Kleidung schützte, sondern auch als einfachstes Transportmittel benützt wurde. Auf dem Feld arbeiteten die Frauen im Sommer oft barfuß nur mit demund einem leichten Kiedel bekleidet.

B) DIE MÄNNERTRACHT DER JÜNGEREN ZEIT

  1. Die Männertracht hat sich kaum wesentlich verändert. Die Janker mit dem großen Revers waren allerdings ganz abgekommen. Statt des tuchenen  wurden auch leichtere schwarze oder blaue Stoffe verwendet; die Knöpfe waren dann nicht mehr Posamentenknöpfe sondern flache schwarze Holzknöpfe. Das Bräutigamsgewand war jedoch meist noch das mit Schnüren verzierte Tuchgewand.
  2. Seidenhüte waren abgekommen; die Form des Filzhutes hat sich gewandelt: er wurde flacher und die Krampe weniger breit. Im Sommer war besonders zur Arbeit auch der Strohhut bekannt. Mütze, sogenanntes Kappel/Kappö, trugen meist nur Kinder und junge Leute. Im Winter schützte die außen aus schwarzem, innen aus weißem Schaffell bestehende Pelzmütze, deren oberer Teil eingedellt wurde, vor der Kälte. War das Schaf fell besonders fein, hieß die Mütze Astragani.(Abb. 54.)
  3. Außer in die Kirche, wo es sich immer ziemte, einen Janker zu tragen, zogen die Männer bei wärmerem Wetter und zum Tanz keinen Janker an, sondern gingen hemdsär melig mit Leibel, womit sie schon ,j&nge\egC'laung'leigt waren, d.h. als „angezogen" gal ten. Für kühleres Wetter hatte man aber auch eine aufknöpfbare farbige Strickjacke bereit, einen sogenannten(vom engl, sweater). War es warm, warf man manchmal Janker oder Zweiter dolmanartig lässig über eine Schulter. So ging man vor allem auch sonntags zur nachmittäglichen Männerpartie in die Preßhäuser beim Weingarten.26(Abb. 55.)
  4. Werktags trug der Mann abgetragene Sonntagskleidung oder dunklere Stiefelhosen aus Stoff, meist aus schwarzem Cord, den man Samt nannte. Ohne Fürter war er, außer beim Kirchgang oder einem offiziellen Gang ins Rathaus, nie zu sehen; es bot bei der Ar beit vielfache nützliche Anwendungsmöglichkeiten. Wenn es störte, z.B. beim Mähen hinderlich war, wurde ein Zipfel einfach hochgenommen und in der Taille in die Fürter- bändel gesteckt. Von ausgedienten Stiefeln schnitt man einfach die Schäfte ab und ließ neues Fußwerk daran machen, während man den Unterteil noch zur Arbeit verwenden konnte. Nagelschuhe mit kleinen Hufeisen an den Absätzen trug man ebenfalls zur Arbeit; sie hießen nach dem ungar. bakancs Bogantschn; dazu mußte man freilich Pantalonhosen aus Cord anziehen. Die Männer gingen im Sommer wenigerda kamen Schlappschuhe zu ihrem Recht.

5) Die Haartracht der Männer war recht einfach. Die Haare wurden kurz geschnitten und mit Scheitel oder als Bürstenschnitt getragen. Der Schnurbart war üblich. Die älteren trugen ihn lang und hochgezwirbelt (und legten nachts, damit er besser stand, eine Bartbinde um), die Jüngeren bevorzugten einen kurzgeschnittenen Oberlippenbart.(Abb. 56.)

c) Die Tracht der Handwerker

  1. Ursprünglich stellte die Tracht der Handwerker einen bis zuletzt erhalten gebliebe nen Übergang zwischen Bauerntracht und bürgerlich-städtischer Kleidungsweise dar, de ren Elemente zwar viel Ähnlichkeit mit der gängigen Volkstracht, aber auch schon Bie dermeierzüge aufwiesen. Sie war in letzter Zeit schon sehr selten, da sich vor allem die Jüngeren schon ganz nach der jeweiligen Mode „herrisch" kleideten.
  2. Die Handwerksfrauen trugen ansonsten auch Kiedel und Röckel, jedoch von abwei chender Machart. Das lockerere Röckel wurde durch das nichtleinene Fürter in die Taille gebunden, hatte einen Schulterteil, war also auf Brust- und Rückenteil waagerecht geteilt und auf der Vorder- und Rückseite mit Biesen verziert. Man trug weniger Unterkiedel un lange Oberkiedel. Zur Festtracht gehörte nicht unbedingt das Fürter.
  3. Auch der Anzug der Männer zeigte schon bald städtische Züge und war nie mit Po- samentenschnüren verziert. Der Sakko war einreihig gearbeitet. Die Krawatte gehörte schon bald zur Bekleidung. Stiefel kamen schon sehr bald ab, an ihrer Stelle wurden Schuhe, Zugschuhe (Stifeletten) oder Halbschuhe, getragen.(Abb. 57., 58., 59.)

d) Die Kindertracht

  1. Sie hat sich in der neueren Periode geegenüber der eingangs geschilderten nicht verändert. Das Baby wurde in dreifache Windeln gelegt: in eine auf Dreieck gefaltete, darüber in eine viereckig gefaltete und in neuer Zeit noch in eine Gummiwindel. Für fest lichere Anlässe steckte man das Kind in einen weißen Langpolster, sonst aber tat es auch ein blaugestriefter - beide Arten aber mit Spitzen versehen und mit zwei Bändern zu bin den.
  2. Der Rock der Kinder bestand im Sommer aus Baumwolle, im Winter aus Flanell oder Barchent und hatte immer einen breiten Saum, der herausgelassen werden konnte, um so den Rock jeweils dem Wachstum des Kindes anzupaßen. Der festlichere Rock war am Haisauschnitt, auf der Brust, den Armein und am Saum mit Litzen oder Borten ver ziert. Unter den Rock aus Stoff wurde meist ein weißer Unterrock angezogen. Wie schon gesagt, unterschieden Buben von Mädchen nur durch den Hut und das kleine Rumburger Fürter, das man ihnen anzog.
  3. Etwa ab Kindergartenalter wurden die Kinder im allgemeinen wie Erwachsene ge kleidet. Die Mädchen trugen aber in letzter Zeit länger, manchmal bis zum Schulalter, den „herrischen", d.h. kürzeren Rock (in Schambeker Bedeutung) oder ein Schürzenkleid. Bu ben trugen seltener wie in früherer Zeit Stiefel, sondern meist lange schwarze Cordhosen und eventuell auch einen Cordjanker, oft aber auch nur einen Zwetter (Strickweste). Kin dern zog man im Winter gerne eine warme Leib-und-Seel-Hose (Unterwäsche, mit zu sammengenähten Ober- und Unterteil, auf dem Rücken zuzuknöpfen), die man  nannte.

Die Mädchen trugen die Haare mit einem= Rundkamm, bis sie für ein „Nest" lang genug waren, zum Zopf gekämmt. Die Jungen waren meist kahlgeschoren oder trugen einen Bürstchenschnitt.(Abb. 60.)

PFLEGE UND AUFBEWAHRUNG DER KLEIDUNG

Die Kiedel hingen in der Kiedelseite des zweigeteilten Schrankes auf Haken. Auf der sogenannten Röckelseite mit Fächern wurden Röckel, Kopftücher und Fürter „zusammengelegt" = gefaltet aufbewahrt, aber auch Wäsche, sofern sie nicht in der Schublade = Kommode verwahrt wurde. Im der „vorderen  (=Paradestube) wurde das „weiße Fürter", die gesteiften Unterkiedel sowie die Festagsgewänder aufbewahrt. Auch die tüchemen Gewänder der Männer und der Winterrock hatten meist hier ihren Platz.

Sonntags- und Festtagsgewänder wurden nie gewaschen; Werktagskleider dagegen gehörten sowohl gewaschen wie gut gestärkt, schon auch damit sie eher den Schmutz abstießen. Seife dazu und für die Körperpflege wurde als Hausseife, eine Art Kernseife, in jedem Haus selbst bereitet, obgleich es Seifensieder gab. Diesewurde durch Kochen von Fettresten, Schwarten etc. mit Lauge hergestellt. Auch die nötige Stärke gewann jede Hausfrau selbst, indem sie geriebene Kartoffel in Wasser auslaugte.

Das „roheder gestärkten „weißen Fürter" und der Unterkiedel war eine besonders mühsame und anstrengende Arbeit, denn die halbtrockene Wäsche wurde in rohe, mit Borax vermischte Stärke getaucht, anschließend kurz in ein trockenes Tuch gewickelt und alsogleich mit einem Holzkohlenbügeleisen (meistens mit Glut von Maiskolben gefüllt), gebügelt. - Gegen Motten legte man Tabak, Lavendel oder Naphtalin in den Schrank.

1. So sah die Malerin Erna Piffl. die Festtagstracht der Schambeker Frauen 2. „Klares Hemd" - die langen ännein sind in Querfältchen gelegt
   
3. Kiedel älterer Machart mit einem Außensaum aus Samt 4. Festtracht mit hart gestärkten Unterkiedeln und „dreiteiligem" Röckel
   
5. Das Rückenteil eines „dreiteiligen" Röckeis 6.Pfluderröckel bzw. „dreiteilige" Röckel
   
7. Leibel mit weissem Fürter 8. Schwarze Rumburger Fürter
   
9. Kopfutch mit schräg gestellten Zipfeln 11. Junge Mädchen mit Schopf
   
10. Schopf (Die stehenden Frauen mit senkrecht gefaltenen Fürtern)
   
12 Alte Frauen mit Umhangtuchem
   
13. Bauerinnen Sonntag nachmittag beim Kartenspiel; Die Frau links tragt gestrickte „Patschkerl".
   
14. Gatjahose - im Sommer als Oberbekleidung zur Arbeit getragen
   
I5. Husarenlatzhose bzw. Pantalonhose
   
16. Drei Arten vom Janker 17. Janker Anfang des 20. Jhs. - reich mit Posamentenscbnüren verziert
   
18. Wintermäntel
   
19. Leibel bzw. Fürter mit gesticktem Monogramm
   
20. Werktagsfürter
   
21. Rumburger Fürter für Fest- und Sonntage
   
22. Stiefel
   
23. Säugling im Langpolster 24. Kleines Mädchen mit auf dem Rücken zu knöpfenden Rock
   
25. Bub mit Rock, Fürter und Hut
   
26. Kinderreiche Familie im Jahre 1911 (Bub in Rock)
   
27. Alte Tracht mit Kaschmir-Brusttuch und turbanartigem Butterschopf 28. Alte Tracht ( um 1870) mit Schweifschopf
   
29. Zipfelschopf oder „fliegender Schopf" 30. Schmaler Aufputz (= Verzierung) charakterisiert die alte Tracht
   
31. Kurz nach der Jahrhundertwende 32. Die ganz alte Haartracht wurde bis zum I. Weltrieg getragen
   
33. Erna Piffl: Mädchen in Festtracht 34. Männertracht um 1886 - 5 Rekruten
   
35. Ältere Männertacht - zweireihiger Janker mit spitzen langen Zipfeln des Revers
   
36. Janker mit angeknöpftem Revers bzw. Schachtelkappe 37. Zweireihiges Leibel mit Rollenknöpfen
   
38. Festtracht der Mädchen beim Platzkonzert am Ostersonntag vor der Schule - um 1942
   
39-40. Festtracht zum Kirchengang an großen Feiertagen (schwarze Samt- oder Lackschuhe mit Spangen)
   
41. Kranzenmadel in Festtracht mit weißem Fürte 42. Spangenschuhe
   
43. Brautpaar
   
44. Hochzeit im Jahre 1930
   
45. Brautfuhrerin (in der Hand: Bingerl mit der Pomerantsche) 46. Junggesellen mit Bruststrauß (Rosmarin und Schleifen)
   
47-48. Tanzkleidung mit Brusttuch
   
49. Weiße Tanzkleidung
   
51. An gewöhnlichen Sonntagen
   
52. Sonntag nachmittags
   
54. Die alte Blasmusikkapelle von Schambek
   
50. Junges Ehepaar 53. Das Schambeker gestrickte Röckel
   
55. Aufknöpfbare Strickjacke („Zweiter») 56. Hochgezwirbelte Schnurbartmode
   
57. Handwerkerehepaar 58. Handwerkerbraut 59. Handwerkermädchen
   
60. In den 40er Jahren zeigte sich besonders bei den Knaben eine Änderung in der Festbekleidung: der sog Bocskai-Anzug kam in Mode.

  1. Die Schambeker Tracht stach heraus, stand dennoch nicht isoliert da, sondern in einigen Nachbargemeinden wurde sogar eine Variante mit nur leichten Abweichungen getragen. Größte Ähnlichkeit war mit der Edeker zu erkennen, gefolgt von der Kleinturwaller, Kowatscher und der fürheren Schaumarer Tracht. Alte Fotos zeigen jedoch, daß ursprünglich für das ganze Ofher Bergland (wenn nicht sogar für die meisten deutschen Gemeinden in Ungarn) so etwas wie ein gemeinsames Erbe anzunehmen ist. Aus diesem haben sich sogar direkte Nachbargemeinden mit gleicher geschichtlich-kultureller Entwicklung anders als Schambek entwickelt. In der einstigen Tochtergemeinde Perbál haben sich z.B. in neuerer Zeit bezüglich Fürter und Röckel ganz andere Formen entwickelt, - eine „Slowakisierung" hat stattgefunden, die wir auch in anderen Gemeinden im Pilisch wahrnehmen. Interessante Vergleiche bietet die Arbeit von K. Major, Zur Beschreibung der Volkstracht der Deutschen in Werischwar/Pilisvörösvár. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen. Bp. 1985, 203-272.
  2. Untersuchungen darüber gibt es nicht, aus welcher mátrix gemeinsame Trachten im Ofher Bergland entstanden sind. Über die Bauerntracht der Magyaren im letzten Jahrhundert liegt jedoch ein auch in deutscher Sprache erschienenes Buch mit reichem Tafelteil vor: M. Kresz, Ungarische Bauerntrachten (1820-1867). Berlin und Bp. 1957.
  3. Kresz (a.a.O.S. 81 ff.) setzt das Aufkommen für Fabrikstoffe, auch für den einfachen Mann erreichbar, schon um ca. 1820 fest. In Schambek läßt sich die größere Vielfalt erst in die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum ersten Weltkrieg beobachten.
  4. In der Transkription der mundartlichen Ausdrücke verwendete ich keine genaue phonetische Umschrift, sondern habe die Buchstaben des Alphabets und die Regeln der deutschen Orthographie beibehalten und die Reduktion der Vokale durch Hochstellung bezeichnet. Der volkstümliche süddeutsche Sprachgebrauch, der auf der mittelalterlichen Bedeutung beruht (mhd. wat, gewaete) und die Gesamtheit der Kleidungstücke meint, die jemand anhat, aber auch ein einzelnes Kleidungsstück, blieb damit im Dialekt erhalten. Im engeren Sinn meinte dann Gewand die Oberkeleidung im Gegensatz Leibwäsche. Die Begriffe Kleid oder Kleider werden, weil sie in Schambek als Unterscheidendes zur bäuerlichen Volkstracht empfunden wurden, in dieser Arbeit vermieden und dafür der allgemeinere Ausdruck Kleidung verwendet.
  5. Kresz, S.27 ff. über die Leinenarten. Als besonders fein galt nach ihr die schlesische, mährische, böhmische und polnische Leinwand, die zunächst durch Hausierer und Spitzenhändler vertrieben wurde.
  6. In Schambek hieß sie nur „Wurst" und nie „Hansl".
  7. Um Mißverständnisse und Verwechslungen zu vermeiden möchte diese Arbeit die Begriffe in der Schambeker Mundart (und nicht die in der Literatur üblichen Ausdrücke) verwenden; diese spiegeln nämlich oft auch noch die mittelhochdeutschen Bedeutungsinhalte wieder. So ist z.B. in Schambeker Mundart ein Kiedel kein Rock; und selbst das Röckel bedeutet keinen kleinen Rock im heutigen Sinn. Die auf -el endenden Wörter wie Kiedel, Röckel, Leibel etc. wurden nicht als Diminutivformen empfunden (wie es zum Beispiel bei Leibchen assoziiert wurde); die Verkleinerungsform hieß mit einem hörbaren r z.B. Röckerl, Leiberl etc. Bezeichnungen wie Bluse, Jankerl oder Juppel waren in Schambek nicht Verwendung, jedoch bekannt.
  8. Warum dieses Röckel dreiteilig genannt wurde, ist nicht mit Sicherheit auszumachen. Neben Ärmel und Korpus des Röckeis war vielleicht der „dritte Teil" das Schößel. Man muß jedoch möglicherweise auf das Althochdeutsche zurückgreifen. Schößel kommt von mhd. schoz, während and. driscoz ursprünglich den Zipfel (mit der Konnotation von etwas Dreieckigem) als unteres Ende eines Kleidungsstückes meinte. £>riscoz=dreiteilig=Röckel mit Zipfel?
  9. Herkunft des Ausdrucks Pantschuarl ist ebenfalls nicht geklärt.
  10. Hier klingt das mhd. vürtouch=V oitach, Fürtuch an. Der Begriff Schurz ist (wie Schürze) bekannt, meint jedoch alles nicht Fürterähnliche zum Vorbinden.
  11. 11Edlere Leinwand wurde oft aus Böhmen bezogen. Die auf glänz präparierte schwarze oder dunkelblaue Leinwand kam offensichtlich aus Rumburg in Böhmen. Sie war nicht nur bei den Deutschen sondern auch anderen Nationalitäten in Ungarn beliebt.
  12. 12Karrierte Decken mit Fransen an zwei Seiten (Plaids) entsprechend den Kotzentüchel der Tschawamer oder Werischwarer (Vgl. Major, S. 246) waren nicht üblich. (Mit Kotzcn/Koutzn deckte man Pferde und Wagensitze zu und „Knechte" benützen diese statt Federbetten als Zudecke, wenn sie im Stall auf dem aus Stangen gezimmertem Beittl schliefen.) Solche Decken wurden in der Umgebung z.B. in Tschawa oder Bicske auch nicht diagonal gefaltet wie das Umhängtüchel, sondern rechteckig.
  13. Der Ausdruck patent (vgl. auch Patentknopf, Patentnadel, die man kannte) dürfte aus der Studentensprache des letzten Jahrhunderts stammen, wo er „fehl, elegant, in seiner Art vollkommen" bedeutet; er kam sicherlich mit böhmisch-mährischen Handwerksburschen nach Schambek oder Ungarn. Patentstrümpfe sind also wohl die eleganteren, leichteren Industristrümpfe aus Baumwolle.
  14. Diminutivum von iJo/äcWfca=ausgetretene Schuhe oder Pantoffel. Zur Erklärung muß man wohl nicht auf das ung. bocskor/Bundschuh aus einem Stück Leder zurückgreifen; im Alemannischen bedeutet patschen auch schlurfend gehen und eine Patsche ist ein Pantoffel.
  15. Für diese Verzierungen verwendete man allerdings nur den Ausdruck Schnüre/Sc/inia beim Janker und Pölsterl bei der Hose. Es gab jedoch Posamentenknöpfe/PaÄcAame/Vi/nJbieip/ überzogene Knöpfe, die am Männergewand immer auf einer kleiner Rosette saßen.
  16. In die Bauerntracht Schambeks sind die Tschismen wohl über die magyarischen Mitansiedler gekommen. Schwäbische Frauen trugen sie jedoch nie. Tschismen wurden auch nicht von gewöhnlichen Schuhmachern hergestellt, sondern von den coturnarii = csizmadia/Stiefelmachem, die in Schambek schon sehr früh eine eigene Zunft hatten.
  17. En Blick in die Heimatbücher belegt das. Franz Brückner, Torbágy. Ulm 1984; Franz Walper, Csobanka. St. Polten 1986; Wudigeß/Budakeszi. Heidelberg 1986. Wie selbständig und vielfältig sich die Trachten des Ofher Berglandes entwickelt haben, wird jedoch auch belegt In den Beiträgen zur Volkskunde der Ungarndeutschen finden sich einige Abhandlungen, die das ebenfalls unterstreichen: E Szeitl, Die Volkstracht der ungarländischen Deutschen (Bd. 1, 105 ff.); L. Hentz, Die deutsche Volkstracht in Mezőberény (Bd. 1, 121 ff.); I. Hambuch, Volkstracht der Fuldaer Siedlung Mutsching/Mucsi (Bd. 3, 67 ff.).
  18. Vgl. Kresz, a.a.O., S. 55, über den mente. Geht man von Weglassung des Schnuraufputzes und von Verwendung von Samt statt des Pelzes aus, könnte man an eine Verwandschaft denken. Es ist jedoch auch bedeutsam, daß diese Art Röckel in den Nachbargemeinden längere Zeit als in Schambek auch Janker hießen. Sie waren ja in Wirklichkeit zum überziehen.
  19. Z.B. Wudigeß/Budakeszi, SS. 183,184, 224. Brückner, Torbágy. S. 63 oben.
  20. Herkunft des Namens nicht geklärt
  21. Das Spinnen kam nach dem ersten Weltkrieg ab, nachdem die Hanfbeartbeitung im Wasser sicher zu vielen Gesundheitsschäden geführt hat. Der letzte Weber verstarb auch um diese Zeit.
  22. Ema Piffi, Deutsche Bauern in Ungarn. Berlin 1938. Piffl bringt drei interessante Aquarelle aus Schambek, die sie um 193S gemalt hat.
  23. Bei den Dollenstiefeln hing statt des aus Leder geflochtenen Knopfes an der Vorderseite der Tschismen eine kleine Quaste=Dollen.
  24. Unzweifelhaft gleicht die spätere Form des Kranzeis in Schambek mehr der magyarischen p rta als irgendeiner deutschen Form von Brautkrone. Zur párta vgl.: Kresz, a.a.O. S. 43.
  25. In alten Zeiten hatte die Frau gemäß biblischer Weisung den Kopf in der Kirche zu bedecken. Noch in den sehr ausfuhrlichen und aufschlußreichen Praliminarakten zur Kanonischen Visitation 1817 rügt und tadelt Pfarrer Gaál jenen „Mißbrauch/abusus, daß die Jungfrau-Mädchen an Sonntagen und Festen mit aufgestecktem Háarkranz (gemeint ist sicher die Nest genannte Frisur) nicht nur zum Gottesdienst erscheinen, sondern ganz unschuldig sogar auch noch so zur Eucharistie gehen." (V.C. 1817, p 34 s)
  26. Die heimische Strickwarenherstellung hat lange Tradition in Schambek. Der Vater des berühmten Musikers Josef Gungl war ein bekannter Strumpfwirker, wie der Beruf damals noch hieß. Auch die Firma Jelinek war zunächst eine bescheidene „Fabrik" für Strickwaren. Die Produkte unserer Stricker waren in allen Nachbardörfern anzufinden und wurden gerne getragen.

 

 

   
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