(Beitrag zur Veränderung der Lebensweise und Kultur
der deutschen Siedlergemeinde in der Schomodei/Somogy 1715-1995)
DIE ANFÄNGE
Sulk/Szulok ist eine Großgemeinde und ein ehemaliger Marktflecken im südlichen Teil der Schomodei/Somogy, im Bezirk Barcs. (Geografisches Wörterbuch von Elek Fényes. II. Pest 1851.166.) Die Bevölkerung war vor dem Zweiten Weltkrieg zu 90% deutscher Nationalität. (St. Közl 1890. Die Bevölkerung betrug 1771 Personen, von ihnen waren 1561 Deutsche und 210 Ungarn.) Wann und wie kamen die Deutschen in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts auf diese mit dichten Wäldern bedeckten Gebiete? Darauf geben die archivarischen Dokumente des Grafen Széchenyi, dem Guttsherren des Gebietes, eine Antwort.
Sulk/Szulok ist eine sehr alte Siedlung. Den Namen der Gemeinde findet man im Brief zur Bekräftigung des Grundbesitzes der Kreuzfahrer in Stuhlweißen-burg/Fehérvár, mit der Bezeichnung ZULUC. Die Beschreibung stellt die Güter genau dar. Im zwischen 1332-37 aufgenommenen Zehntel-Verzeichnis wird die Gemeinde als ZOLOK angegeben. Die blühende Gemeinde fiel den Aufständen der Türken, Serben und Kurutzen zum Opfer. In den Registrierungen nach der Türkenzeit wurde sie als Villa Desertat (vernichtetes Dorf) angegeben. Die kultivierten Äcker wurden zu verwildeten, dichtbüschigen, bewaldeten Gebieten.
Graf Széchenyi, der Gutsherr der Gemeinde siedelte zwischen 1715-1754 aus Württemberg deutsche Bauern zur Kultivierung seiner Äcker an. Über das von den deutschen Siedlern ausgebaute Dorf sowie die Entwicklung ihrer Gemeinde kann man sich auf Grund der Karten der I., II und III. militärischen Vermessungen orientieren.
Die erste militärische Vermessung stammt aus dem Jahre 1784. Die Siedlung wurde im Tal gebaut, wie die deutschen Siedlungen im allgemeinen. Durch das Dorf fließt ein Bach, der auch heute noch in Form eines Grabens existiert. Die beiden Straßen des Dorfes befinden sich an beiden Seiten des Baches.
Die Häuser wurden auf gleichförmigen Grundstücken in regelmäßigen Abständen und zur Straße hin ausgerichtet wie die Zacken eines Kamms aneinandergereiht. Die Mittelachse des Dorfes war breiter, so dass genügend Platz für die aus Holz gebaute Kirche vorhanden war. Der Friedhof befand sich neben dem aus dem Dorf nach Osten führenden Weg. Die Szulky-Tscharda war vom Dorf etwa 1,5 Kilometer entfernt und die Hamuházy-Tscharda - Zentrum des Pottasche-Auskochens -lag in einer Entfernung von 3 Kilometern vom Dorf, in der Mitte von dichten Forstungen.
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| Abb.l. Die I. militärische Vermessung 1782-85 |
Die zweite militärische Vermessung wurde 1856-60 durchgeführt. Die Darstellung der Gemeinde und ihrer Grenze ist wesentlich genauer. Auf den Grundstücken werden bereits die Nebengebäuden angeführt. Außer den an den Grundstücksgrenzen erbauten Häusern erscheinen in der Mitte des Dorfes auch die gebeugten Häuser, die schon auf den verhältnismäßigen Wohlstand der Bewohner hinweisen. Auf der Karte werden 189 Wohnhäuser markiert. Man konnte bereits über drei Brücken den Bach überqueren. Auffallend ist, im Vergleich zur ersten Vermessung (vgl. Abb.l.), dass die bewaldete Fläche stark abnahm sowie dass Äcker, Flurwege und Meiereien erschienen.
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| Abb 2 Die II militärische Vermessung 1856-60 |
In den letzten Jahrzehnten des 19 Jahrhunderts wurde die dritte militärische Vermessung durchgeführt, die für die Penode bis zum Zweiten Weltkrieg gültig war In insgesamt 192 Wohnhäusern lebten 1800 Einwohner Die neuen Wohnhäuser wurden auf den nach Kalmancsa führenden Weg ausgenchtet
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| Abb 3 Die III militärische Vermessung 1880 |
Vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Gebiete nebem dem Bach parzelliert Auf den kleinen Grundstücken bauten Handwerker ihre Hauser Wirtschaftsgebäude konnten auf den kleinen Grundstücken nicht gebaut werden, diese wurden aber auch nicht benötigt.
Zu den ersten Aufgaben der neu angekommenen Siedler gehörten die Abholzung der Walder für die Erwirtschaftung von Bau- und Brennholz sowie der Betneb der Kohlenbrennerei und das Auskochen von Pottasche für die weiter weg liegenden Glasmanufakturen Im 18 Jahrhundert war die Pottasche ein Nebenprodukt der Waldrodungen Die Pottasche (K2CO3) ist eigentlich Kaliumkarbonat, in der Volkssprache auf Ungansch auch „szalajka" genannt Die Bauarbeiten aus Holz, die Kohlenbrennerei und das Auskochen der Pottasche führten besonders Ende des 18 Jahrhunderts zu der starken Verminderung der Waldflache, als die Nachfrage nach Pottasche auch in den westlichen Landern groß war, da der dortige Waldbestand durch Rodungen ebenfalls stark verringert worden war Die Tatigkeit der Pottaschebrenner wurde vom Gutsherren folgendermaßen geregelt „Sie müssen alle Baume, die Eiche ausgenommen, verbrennen Sie müssen weiterhin alle Zweige und Asteverbrennen und den Wald dadurch sauber halten, wo aus der Ausrottung eine Weide entstehen soll." (Vertrag mit den Pottaschebrennern von Orasch/Diósd, 1847.)
In Sulk/Szulok wurde das Urbarium 1767 eingeführt und im gleichen Jahr wurden die Rodeäcker neu verteilt. 73 Fronbauern wurden aufgelistet. Die Urbariale Tabelle hält klar ihre wirtschaftlichen Konditionen und Verpflichtungen gegenüber dem Gutsherren fest. Mehrere Fronbauern flüchteten vor den Verpflichtungen nach Kroatien und mehrere kauften sich mit Geld von ihren Verpflichtungen frei.
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| Abb.4. Verzeichnis der Leistungen der Leibeigenenin Sulk/Szulok 1767 |
Der Gebrauch der Rodeäcker und die Erweiterung der Weideflächen im Wald stand ständig im Mittelpunkt der Diskussionen und Streitigkeiten zwischen den Bauern und dem Gutsherren. Lehrreich ist der Vertrag, den die Landwirte von Sulk/Szulok mit dem Verwalter des Gutes, im herrschaftlichen Zentrum, in Csokonya, 1814 über den Gebrauch der aus den Rodeäckern errichteten Weiden abgeschlossen haben.
(Landesarchiv Kaposvár, Archiv der Familie Széchenyi)
Die Flurregelung in Sulk/Szulk zwischen dem Gutsherrn und den Bauern erfolgte 1859 durch einen Prozess. Laut dem Urteil gab es in der Gemeinde 14 urbariale Grundstücke, 29 Häusler-Grundstücke sowie, je nach Grundstück, 15 Joch Weiden und 3 Joch Wald (Klára T. Mérey: A somogyi parasztság útja a feudalizmusból a kapitalizmusba /Der Weg der Bauern in der Schomodei aus dem Feudalismus in den Kapitalismus. Budapest, 1965. 208.).
Da schriftliche Quellen fehlen, muss angenommen werden, dass die ersten Häuser der Württemberger Siedler, ähnlich wie in den ungarischen Dörfern, „aus Holzstamm gebaut und mit Schlamm verputzt wurden" (Mátyás Bél: Description Comitates Castri Ferri. Mitgeteilt von Vasi Szemle. 1976. Nr. I. 108-125.). In der Schomodei/Somogy wurden in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts sowohl die Wohn- als auch die Wirtschaftsgebäude bzw. die Gemeinschaftshäuser und sogar die Kirche aus Holz gebaut (József Körmendy: Fa és sövénytemplomok a Veszprémi Egyházmegye területén a 18. században /=Holz- und Zaunkirchen auf dem Gebiet der Wesprimer Diozöse im 18. Jahrhundert/. Veszprém Megyei Múzeumok Közleményei. =Mitteilungen der Museen des Komitates Wesprim. Veszprém 1971. Nr. 10. 61-95.).
Auf Grund der raschen Verminderung der Waldflächen, wurden die Holzbauarbeiten der Bauern von Maria Theresia im Jahre 1769 an eine Genehmigung des Gutsherren gebunden. Ähnlich wurde im benachbarten Komitat Sala/Zala am 27. August 1800 an einer Hauptversammlung der Beschluss gefasst, dass die Wände der Bauernhäuser wegen der großen Waldrodungen aus Schlamm gebaut werden sollten (ZÁL. Közs.Ir.l8cs.).
Die Holzbeschränkung wurde auch an den Széchenyi-Gütern eingeführt. Im Jahre 1787 durften die Leibeigenen in Sulk/Szulk nur in den Wintermonaten Bauholz fallen. Beim sparsamen Umgang mit Holz mussten die Verwalter der Güter mit gutem Beispiel vorangehen. Dabei fallen jene Leibeigenen von Sulk/Szulk auf, die 1800 ihre Häuser auf hölzernen Fundamenten errichteten, die Wände jedoch aus Schlamm bauten (OL. 623 Széchenyi es. Lt. III k. 37 sz. H.). Zur Dachkonstruktion der Häuser erwarteten sie das Holz vom Gut, deshalb schrieben sie: „Auf Grund der Anordnung des hochgeborenen Herren haben wir unsere Häuser aus Ziegeln und Lehm gebaut. Zu diesen Gebäuden erbitten wir nun Dachstuhlholz. Eure demütigen armen Diener." (OL. P. 127.)
Die Balken der Schwellenhäuser wurden aus gespaltenem und behauenem Eichenholz gezimmert. In die Schwelle wurden die Winkelbalken gezimmert, von denen an die Stelle der Türen und Fenster je ein Paar kam, diese bildeten zugleich die Pfosten. Die Konstruktion wurde von oben durch eine mit dem Grundbalken paralelle Mauerbank zusammengehalten. Die Winkelbalken wurden an den Ecken auch mit Schiefstützen in der Schwelle verankert. Die Wände wurden mit aus Spreu und Pferdemist gemischten Schlammknödeln gebaut.
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| Abb. 5. Konstruktionszeichnung eines Schwellenhauses in Kisbajom. (Somogy Megye Népművészete/Die Volkskunst der Schomodei. Kaposvár 2001. 45.) |
Das letzte Schwellenhaus wurde in Sulk/Szulok im Auftrag des Landesaufsichtamtes für Kunstdenkmäler im Jahre 1965 von László Szabó registriert. Das 1926 festgehaltene Straßenbild zeigt noch Straßen mit Schwellenhäusern. Laut Jahreszahl, die in den den Querbalken des vorderen Zimmers des Hauses gemeißelt wurde, wurde das Haus im Jahre 1834 mit einer Einteilung in Zimmer-Küche-Zimmer-Kammer gebaut. Der Fußboden der Räume ist ein gestampfter Boden, der mit gelbem Lehm bestrichen wurde. Die Küche ist eine Rauchküche. Der Dachstuhl ist aus Pfetten gebaut und das Haus hat ein Strohdach. Dieses Haus wurde 1968 abgerissen.
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| Abb. 6. Das obere Dorfende. Heute Dózsa György Straße. NMF. 57.049. Sándor Ebner 1926. |
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| Abb. 7. Schwellenhaus. Dózsa György Straße 23. RRM.6818. Aufnahme von L. Kósa,1965. |
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| Abb. 8. Rauchküche mit einem halbkreisförmigen Ofen.NMF.57.048. Sándor Gönyey 1926. |
Eine eigenartige deutsche Bautechnik ist „die Wickler-Decke". Sie wird in der 1857 erschienenen Arbeit von József Csorba als deutsche Spezialität erwähnt (József Csorba, Somogy vármegye ismertetése./=Die Bekanntmachung der Schomodei/Pest 1857. 87.) (Im Jahre 1994 erwähnt diese Technik auch der 83 Jahre alte Maurermeister András Nikolausz als eine Decke, die dem Feuerbrand widersteht.). „Der Dachboden bestand bei vielen aus dünn gespalteten Rebenpfahlen, die nacheinander mit Stroh und Schlamm glatt geschmiert wurden - Wickelboden -, und diese bildeten geweißt die Stukkatur." András Nikolausz erinnert sich nach beinahe 150 Jahren folgendermaßen: „An die Rebenpfahle wurden Stroh und Schlamm gewickelt, dann wurden die halbtrockenen Rebenpfahle eng nebeneinander gelegt. Sie bildeten die Decke des Zimmers. Die Häuser wurden in dieser Zeit aus Lehmziegeln gebaut, die der Hausbesitzer mit seiner Familie in der „Lameloch" Tongrube gestrichen hat, die Reicheren stellten jedoch aus den ungarischen Dörfern 'Kothtagelöhner' ein. Aus den Lehmziegeln wurden die Wände des Gebäudes gebaut, die Ecken wurden jedoch als 46 cm breite Säulen aus Ziegeln gebaut. Diese Häuser hatten noch ein Strohdach. Die Strohdachdecker kamen aus Boldigaß/Boldogasszonyfa und Istvandi. Zu einer Gruppe gehörten 4-5 Männer, die auch das zum Strohdach verwendete Roggenstroh gedroschen haben.
In der volkstümlichen Bauweise von Sulk/Szulok brachten zunächst die Ziegel, dann das Eternit eine große Veränderung. In Ungarn erfolgte das Bauen mit und die Produktion von Ziegeln zuerst auf den herrschaftlichen Güter. Die Wohngebäude und die Stallungen der Güter und Wirtschaftszentren wurden bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Ziegeln gebaut. Die meisten Güter hatten einen eigenen Ziegelstreicher. Als Beispiel kann der Meierhof Szántód erwähnt werden, der als Teil der Abtei von Tihany zur Erzabtei Martinsberg/Pannonhalma gehörte und als Wirtschaftszentrum in der Schomodei/Somogy galt, wo es eine herrschaftliche Ziegelbrennerei gab, die nicht nur den eigenen Bedarf befriedigte, sondern auch die Dörfer in der Nachbarschaft mit Baumaterialien versah (Ágostházi-Boross, Die Baugeschichte von Szántódpuszta. Bp. 1985.202.). Die Güter beschäftigten Ziegelstreicher von deutscher Herkunft, die Ziegeln verschiedener Größe und Form herstellten (Marietta Boross, Beiträge zu der Herausgestaltung der herrschaftlichen Ziegelei deutschen Ursprungs in Ungarn. BVUD. 2001. 1.7.). Die Verbreitung der Verwendung von Ziegeln wurde landesweit durch herrschaftliche Bauarbeiten und herrschaftliche Ziegelwerke gefördert (Dorottya Cs. Dobrovits, Bauarbeiten in Ungarn im 18. Jahrhundert. Bp. 1983.20.).
Für die Gebäude in Sulk/Szulok wurden die gebrannten Ziegel aus Istvándi gebracht, wo es eine Ziegelbrennerei gab und aus Kadarkút, wo sich die Ziegelfabrik von Lipót und Samu Ring befand. Die Dächer wurden mit Dachziegeln aus Apatin bedeckt. Das Verschwinden des alten Dorfbildes beschleunigten die Feuerbrände. Im Jahre 1803 brannten 64 Häuser nieder und auch in den nächsten Jahrzehnten gab es Feuerbrände. 1917 brannten 17 Häuser nieder.
Zu den Bauarbeiten aus Schlamm und gebrannten Ziegeln brauchte man qualifizierte Maurer. Die Häuser in Sulk/Szulok wurden von Maurern aus den Nachbardörfern gebaut, von denen sich viele in Sulk/Szulok niederließen. Der Großvater des schon erwähnten András Nikolausz war auch Maurer und kam 1871 nach Szulk/Szulok. Die Sulker Häusler János Neumüller und Géza Lutz schlossen 1925 bei Nikolausz die Lhere ab. Die Maurer gehörten zu den ärmeren Schichten des Dorfes. Ihre Häuser befanden sich am Bachufer, wo ab der Jahrhundertwende kleinere Grundstücke verteilt wurden, auf denen keine Wirtschaftsgebäude errichtet werden konnten. Die Handwerker versuchten neben ihrem Handwerk ein paar Joch große Grundstücke zu erwerben, von deren Ertrag sie ihre Mastschweine und ihr Geflügel versorgen konnten. Im Sommer halfen die Maurer einige Wochen lang bei den Großbauern bei der Ernte aus, um ihre Familien mit Brot für ein Jahr versorgen zu können. Zwischen den beiden Weltkriegen erhielten der Maurer für seine Tagesarbeit 16 Kg und sein Gehilfe 14 Kg Weizen. An einem Haus arbeiteten 2-3 Maurer, die Gehilfen, die „Zulager" waren die Familienmitglieder des Hauseigentümers. Mit der Präzision eines Ingenieurs wurden - nach den Vermessungen des Bauingenieurs István Cser - zwei Hostel-Häuser vermessen. Das eine ist das Haus eines Großbauern mit wirtschaftlichen Nebengebäuden und das andere das Haus eines Schustermeisters am Bachufer.
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| Abb. 9. Petőfi Straße 2. Wohnhaus und wirtschaftliche Nebengebäude. (Vermessung) |
Das Wohnhaus wurde in den 1930er Jahren aus Ziegeln gebaut Auf der Zeichnung wird das „Einwohnerhaus" als Fortsetzung des Gebäudes als Gedingarbeiterwohnung angegeben Es folgen dann Wirtschaftsgebäude, Kammer, Stall, Einfuhr (Wagenschuppen), Schopp und Magazin (Tabaktrockenhaus) Gegenüber den Wohn- und Nebengebäuden waren der schon abgenssene Schweinestall und der ehemalige Ziehheute Radbrunnen.
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| Abb. 10a Radbrunnen Szabadság Platz 1 (Foto M Boross 1994) |
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| Abb. 10b. Straßenfront des Wohnhauses Petőfi Straße 2 (Foto: hl Boross 1994) |
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| Abb. 11. Hoffront des Wohnhauses Petőfi Straße 2. (Foto: M. Boross 1994) |
An der Straßenfront des Wohnhauses gab es zwei Zimmer, ein kleineres mit einem Fenster - das „Stibli" (Stűberl) -, hier wohnten die alten Eltern, die nicht mehr zu arbeiten fähig waren. In der großen „Vordere oder Paradestube" waren die verzierten Möbel, die Kleider, das Bettzeug und das Porzellan. Die Wände schmückten Bilder, meistens Heiligenbilder und Familienbilder in Zierrahmen.
Zu den Häusern der Großbauern gehörte eine Einzimmerwohnung mit Küche, in der gegen Naturalien Handwerker, meistens besitzlose Ungarn aufgenommen wurden. Die Einwohner mussten zur Hauptarbeitszeit im Sommer 30 Tage arbeiten, darüber hinaus erhielten sie vom Wirt für ihre Arbeit an einem Joch Kartoffelfeld 8 q Kartoffel und für die Ernte 1 q Weizen. Die Einwohner, meistens junge Familien halfen auch bei anderen Wirten des Dorfes bei der Ernte aus, wofür sie jede zehnte Getreidepuppe erhielten. Für den Drusch erhielt der Wirt das Stroh. Für den eigenen Gebrauch konnten die Einwohner ein Schwein mästen und auch Geflügel züchten, sie mussten jedoch die Füße des Geflügels markieren, damit diese von den Tieren des Wirtes unterschieden werden konnten.
In Sulk/Szulok lebten auch viele Handwerker. Tischler konnten beispielsweise für die Herstellung eines Schrankes und Bettes ein ganzes Jahr lang die Einzimmerwohnung benutzen.
Nach 1948 beanspruchten die Einwohner die Wohnung, so gab es zwischen dem Wirt und den Einwohnern oft unerfreuliche Zwischenfälle.Die kleinbürgerliche Eklektik der Straßenfront des Hauses spiegelt den Geschmack eines archaisierenden Maurers wider. Die Hoffront beherrscht eine klassizistische Säulenreihe. Das Hostel-Grundstück (im allgemeinen 4000 Quadratklafter) widerspiegelt einen konsolidierten auf Wohlstand beruhenden Rationalismus.
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| Abb. 12. Handwerkerhaus am Bachufer, Béke Straße 54.(Vermessung) |
Das Wohnhaus wurde an die Grundstückgrenze gebaut und besteht aus drei Zimmern und einer Schusterwerkstatt, deren Tür zur Straßenseite hin geöffnet wird. In den beiden Zimmern wohnten die Eltern sowie ihre verheiratete Tochter. In allen Zimmern wohnten je 5 Personen. Der Grundriss des Hauses sowie sein Bausystem entsprechen einem zeitgenössischen kleinbürgerlichen Wohnhaus.
Die Verputzverzierung der Straßenfassade hat einen regelmäßigen Rhytmus und spiegelt den kleinbürgerlichen Geschmack der Bewohner wider. An der Fassade sind die Jahreszahl und der Name MJ 1910 zu finden, das Haus wurde im obigen Jahr von Joseph Maurer gebaut.
Der Wölbungsbogen der ehemaligen Küche mit freiem Kamin ist archaisierend, die Küche wurde unter Beibehaltung des Wölbungsbogens zu einer Kammer und Räucherei umgebaut.
Die an der Straßenfront gebauten Häuser der Wirte hatten nicht selten 6-8 Fenster und demonstrierten auch in ihren Äußerlichkeiten und Verzierungen den Wohlstand der Einwohner. Neben den klassizistischen Fassaden mit Verputzverzierung erscheinen auch die aus Gips gemachten Säulenköpfe und die stilisierten Blumen-und Palmetten-Verzierungen, die in Barcs, in der Zementfabrik von Lajos Ligeti hergestellt wurden.
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| Abb. 13. Wohnhaus, Béke Straße 32. Gebaut im Jahre 1928. Foto von M. Boross, 1994. |
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| Abb. 14. Fassade mit Gipsverzierung. Gebaut im Jahre 1913. Kossuth L. Straße 7. Fotovon M. Boross.1994. |
Die vornehme Verzierung des 1864 gebauten Wohnhauses wurde schon in der Zsolnay-Fabrik in Fünfkirchen/Pécs gekauft.
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| Abb. 15. Wohnhaus eines wohlhabenden Wirtes, über dem Fenster eine Isolnay-Keramik. Dózsa György Straße, Foto von M. Boross.1994. |
Sulk/Szulok gliederte sich, wie alle anderen Dörfer, in das untere und das obere Dorfende. In der Mitte des Dorfes befindet sich auf einem Platz die an die Stelle der alten Holzkirche aus Ziegern errichtete Kirche, die Graf Széchenyi für die Dorfbewohner in den 1800er Jahren bauen ließ.
Die Dreifaltigkeitsstatue vor der Kirche wurde im Jahre 1871 von Josef Sikinger errichtet. Die Statue wurde 1990 von Frau (Sikinger) Somogyvari renoviert und die Blätter mit grüner Farbe bemalt.
Am jenseitigen Ufer des ehemaligen Baches in der ehemaligen Hauptstraße, der heutigen Dózsa György Strasse, steht die Statue des im Dorf sehr verehrten Heiligen Wendelins, die 1905 von Stefan Bauer und seiner Gemahlin Elisabeth Haß errichtet wurde. Auf den deutschen Charakter der Statue weist der Hirtenstab in der Hand des Heiligen hin, der anders als der Hakenstock der ungarischen Schäfer in einer Schaufel endet. Der Eisenhaken unter der Schaufel dient dazu, dass der Schäfer das aus der Herde ausgewählte Schaf fangen kann. Mit der Schaufel kann der Schäfer bei Bedarf einen Klumpen Erde nach dem Unfug treibenden Lamm werfen. Die Statue wurde am Festtag des Heiligen (20. Oktober) jährlich neu bemalt sowie der Garten um die Statue herum umgegraben und mit Blumen geschmückt.
Die wohlhabenden Wirte erinnerten an ihre Verstorbenen auch mit der Aufstellung von Kreuzen an öffentlichen Plätzen. In der Petőfi Strasse steht ein Steinkreuz mit Sargtuch, das die Schmerzensmutter Maria unter dem Kreuz darstellt. Der Erbauer der Statue hat sein Kind verloren und die Aufschrift lautet: „Oh Ihr alle die Ihr da kommet des Wegen bleibet stehen oh ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze Maria Mutter der Schmerzen bitte für Uns 1925". Der Sockel wurde 1990 vom Enkel des Erbauers der Statue renoviert und neu bemalt.
Im Dorf und in der Umgebung sind mehrere Kreuze zu finden, die den tiefen Glauben der Einwohner widerspiegeln. Erwähnenswert ist noch das Kreuz am Dorfrand, das im Jahre 1800, gleichzeitig mit den Bauarbeiten der Kirche aufgestellt wurde. Das Kreuz und der Korpus wurden aus Stein gemeisselt und unter dem Kreuz ist die Schmerzensmutter Maria dargestellt. Das Kreuz wurde 1958 mit einem Traktor zerstört, die Gläubigen haben jedoch die Stücke des Kreuzes aufbewahrt und das Kreuz 1983 wieder am ursprünglichen Ort aufgestellt.
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| Abb. 16. Römisch-katholische Kirche, erbaut im Jahre 1800. Foto von M. Boross 1994 |
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| Abb. 17. Dreifaltigkeitsstatue, errichtet von Josef Sikinger 1871. Restauriert 1990 von Frau Somogyvári/Sikinger. Foto von M. Boross 1994. |
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| Abb. 18. Heiliger Wendelin, errichtet 1905 von Stefan Bauer und Gemahlin Elisabeth Haß. Foto von M. Boross 1994. |
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| Abb. 19. Erinnerungskreuz in der Petőfi Straße. Aufgestellt im Jahre 1925 als Andenken eines verstorbenen jungen Mannes. Foto von M. Boross. 1994. |
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| Abb. 20. Kreuz am Dorfrande. Aufgestellt im Jahre 1800 von den Landwirten des Dorfes. 1958 wurde es zerstört. Wieder aufgestellt im Jahre 1983. Foto von M. Boross 1994. |
Zu den einstigen öffentlichen Gebäuden gehörten die Hirtenhäuser („Halder-haus'"Halterhaus'). In Sulk/Szulok gab es zwei solche Häuser, in dem einen wohnte der Schweinehirt und im anderen der Kuhhirt, beide mit ihrer zahlreichen Familie. Die Hirten kamen immer aus den benachbarten ungarischen Gemeinden in diese Hütten am Dorfrande. Wie die Wirte von Sulk/Szulok erzählten, wurde auf Ungarisch nur mit den Hirten gesprochen. Die Zigeuner des Dorfes wohnten in den Gruben der Sandgrube. Zwischen beiden Weltkriegen wohnten hier fünf Familien, die sich mit Ziegelschlagen und im Winter mit Korbflechten beschäftigten. Die „Weiber" bettelten.
Die Architektur unserer Tage verändert entscheidend das Dorfbild, geht es doch jetzt hauptsächlich um die Nachahmung der städtischen Villenarchitektur. Die Architektur spiegelt auch die sich mit der Zeit verändernde Lebensform wider: Gemeindehaus, Schulen, Kindergarten, Arztpraxis, moderne Geschäfte, Café, Konditorei, Bank, Wasserturm sind neue Bauten. Vor allem die in den 1980er Jahren entdeckten Heilquellen und die neu entstandenen Wochenendhäuser - die teils schlicht, teils niveauvoll sind - sowie die ausländischen (vor allem österreichischen und deutschen) und ungarischen Besucher motivierten die Dorfbewohner, Gäste zu empfangen. Diese Beschäftigung üben viele neben- und sogar hauptberuflich aus. Deshalb werden die Dorfhäuser teils umgebaut, teils abgerissen. Es entstehen neue Häuser, die mit allen Annehmlichkeiten des modernen Lebens ausgestattet sind (Badezimmern, modern gestalteten Wohnzimmern sowie Zwei- und Dreibettzimmern) (Man nennt sie Villen!)
Mag es für uns noch so schmerzvoll sein, das Verschwinden des alten Dorfbildes kann als eine natürliche Entwicklungstendenz betrachtet werden.
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| Abb. 21. Wohnhaus mit Villencharakter, das vermietet wird. Petőfi Straße 54. (Foto vonM. Boross 1994) |
Tabak (Nikotiana) und Kartoffel (Solanum Tubarosum).
Der Erfolg der landwirtschaftlichen Tätigkeit der in Sulk/Szulok sesshaft gewordenen Deutschen hängt mit zwei im 16. Jahrhundert aus Süd-Amerika nach Europa gebrachten Kulturpflanzen - dem Tabak und der Kartoffel - zusammen.
Der Tabak war im 17. Jahrhundert in Europa bekannt. Nach Ungarn kam der Tabak ein paar Jahrzehnte später auf zwei Wegen. Aus Deutschland brachten deutsche Siedler die Kenntnisse des Tabakanbaus mit sich, andererseits haben ihn die Ungarn durch die südslawische und türkische Vermittlung vom Balkan kennengelernt (N.L. I. 594. László KÓsa.).
Der Tabakanbau der angesiedelten Deutschen war im 18. Jahrhundert schon bedeutend. „So wird im 18. Jahrhundert mit Tabakpflanzen begonnen. Tabakbau wurde in grösserem Masse in Fadd, Bonnhard/Bonyhád, Ismi/Izmény und Pari/Pári betrieben. Der Hauptort für 'schwäbisches Toback' war Hedjeß/Högyész. [...] Jährlich in seinem Bezirk Tausend Zenter erbaute" (J.M. Korabinszky, Geographisches und Produkten Lexikon. Pressburg 1780. Mitgeteilt von Rudolf Hartmann: Die schwäbische Türkei im 18. Jahrhundert.).
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erschienen immer mehr in der ungarischen Landwirtschaft produzierte Pflanzen auf den Markt. (Kulturgeschichte. IV. István Bakács: Die landwirtschaftliche Entwicklung 204.) Der Tabakanbau bekam einen neuen Schwung in Ungarn wegen des durch die napoleonischen Kriege verursachten Handelsembargos. Die Gutsherren und die Verwalter der Domänen begannen sich zu dieser Zeit mit dem Tabakanbau zu beschäftigen. Seit dieser Zeit kann man von Tabakgärtnern sprechen, die zeitweilig auf den Gütern arbeiteten. Sie waren landwirtschaftliche Arbeiter mit speziellen Kenntnissen, meistens Agrarprole-tarier. (Lajos Takács, Der Tabakanbau in Ungarn. Bp. 1964, 18.)
Der Tabakanbau hatte in Sulk/Szulok andere Wege. Die Ansiedler brachten die Kenntnisse des Tabakanbaus mit sich, sie hätten jedoch keine Erfolge erzielt, wenn der Boden von Sulk/Szulok für den Tabakanbau nicht geeignet gewesen wäre. Der Boden der Fluren von Sulk/Szulok ist sandig, das Grundwasser steht hoch und dies begünstigt den Wasserverbrauch und das Wachstum der Pflanzen. Der sandige Boden wird in der Frühlingssonne schnell warm, die Entwicklung der Pflanzen ist deshalb optimal.
Der Tabakanbau der Bauern von Sulk/Szulok wurde durch jene Verordnung des Gutsherren unterstützt, nach der sie ihre Fronarbeit mit Geld ablösen konnten. Sie konnten somit freier und erfolgreicher wirtschaften, als die Bauern in den umliegenden ungarischen Dörfern. (Tibor Bognár, Szulok nagyközség társadalma és gazdálkodása a dualizmus első évtizedeiben/=Die Gesellschaft und die Wirtschaft der Großgemeinde Sulk in den ersten Jahrzehnten des Dualismus/Jahrbuch PAB-VEAB, Veszprém 1982. 125.)
Der Tabak wurde zuerst in den zu den Häusern gehörenden kleinen Gärten angebaut. Für diese Felder musste keine Steuer bezahlt werden, die Bauern haben deshalb die größeren Nutzen bringenden Pflanzen angebaut, die einen sorgfältigeren Anbau benötigten (Lajos Takács, A dohánytermesztés Magyarországon/Der Tabakanbau in Ungarn/Bp. 1969.32.). Der Tabakanbau beschränkte sich zunächst auf die urbarialen Felder. Später wurde er auf die Rodeäcker um das Dorf ausgedehnt, mit solchem Erfolg, dass Sulk/Szulok in den Jahrzehnten vor der Aufhebung der Leibeigenschaft bereits als Tabakanbaugebiet bekannt war (István Balogh, Különleges magyar növénykultúrák a magyar mezőgazdaságban/Besondere ungarische Pflanzenkulturen in der ungarischen Landwirtschaft Nyíregyháza 1961.7.). In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab die landwirtschaftliche Fachzeitschrift „Magyar Gazda" („Ungarischer Landwirt") eine detaillierte Beschreibung über den Sulker Tabak. „Der Sulker Wirt liess in der Landwirtschaft alle Nachbarn hinter sich. Den Hauptproduktionszweig der Wirtschaft stellte der Tabak dar. Die Grundlage des erfolgreichen Tabakanbaus bildete die reiche Düngung des Bodens. Die Sulker Wirte brachten nicht nur den eigenen Dünger auf die Tabakfelder, sondern kauften Dünger auch von den Wirten der benachbarten Dörfer sowie von den urbarialen Gütern (Barcsy, A szuloki dohány ./Der Sulker Tabak. Magyar Gazda/Ungarischer Landwirt. 1845.88.).
Um die Tabakanbaugebiete zu erweitern wurde nicht nur auf dem für die Hakker vorbehaltenen Gebieten Tabak angebaut, sondern auch auf den verlassenen Rinderherdenstellungen der Weiden, auf den Rodungen um der Schafhürde im Wald bzw. auch in den benachbarten Gemeinden wurden zu diesem Zweck Felder gepachtet.
Tabak wurde auch an den gerodeten Flächen neben der Drau angebaut. Das Waldgebiet wurde von dem Grafen Széchenyi gemietet. Die Pacht war 10 Jahre lang gültig und dafür mussten 7 Ft bezahlt werden. Nach den 10 Jahren musste das Feld bebaut dem Gutsherren zurückgegeben werden. Der auf den Feldern neben der Drau angebaute Tabak wurde „Waldtabak" genannt. Der im ersten Jahr nach der Rodung angebaute Tabak war ganz grün und sein Rauch war wegen der Ausdünstungen des fauligen Sumpfes widerlich. Der Waldtabak konnte erst 2-3 Jahre nach den Waldrodungen genossen werden.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde außer dem Waldtabak noch der „Gatyás"-Tabak angebaut, dessen Rauch rötlich und Geruch angenehm war. Der Geruch des „Füles"-Tabaks war nicht so angenehm. Das feine Adergeflecht seiner Blätter und die schmalen Blätter machten die Verwendung dieses Tabaks als Umblatt von Zigarren möglich. Die Blätter des „Csukás"-Tabaks waren klein und gelb, sie schmiegten sich an den Stock, sein Geruch war angenehm. Die Tabakarten von Sulk/Szulk wurden in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts allgemein bekannt. Heute ist die Gemeinde die berühmteste Gegend in der Schomodei/Somogy, in der Tabak angebaut wird (Gyula Szeghalmi. Dunántúli Vármegye./Gespanschaften in Transda-nubien. Bp. 1939. 17.). Die Vortrefflichkeit des Sulker Tabaks lobt die Millenieums-monografie aus dem Jahre 1896: „Der berühmte Pfeifentabak kommt aus Mike und Sulk/Szulok, in anderen Gebieten des Komitates gibt es nur Knaster (Somogy vármegye. /Die Gespanschaft Schomodei. Hrsg. Dezső Csánky. Bp. o.J.318.).
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| Abb. 22. Die Trocknung des Sulker Tabaks. 1952. NMF. 107.303., Foto von L. Takács. |
Der Sulker Tabak hat dickere Blätter und fühlt sich fettig an. Er wird außer in Sulk/Szulok noch in Bares, Mike, Deutschlad/Németlad, Deutschneudorf/Németújfalu, Hárságy und Rinya-Szent-Király angebaut.
Einen Meilenstein bedeutete im Tabakanbau das 1851 auf dem Gebiet von Österreich-Ungarn eingeführte Tabakmonopolium. Der Staat schloss vor allem mit den Großgrundbesitzen Verträge ab. Der bäuerliche Tabakanbau wurde nur in den Gemeinden erlaubt, wo der Tabak mindestens auf 20 Katastraljochen angebaut wurde und die einzelnen Wirte zumindest ein zusammenhängendes Gebiet von einem Joch bepflanzten. Ihre Felder mussten für den Tabakanbau geeignet sein und sie mussten über eine den Vorschriften entsprechende Scheune zum Trocknen, und einen Raum verfügen, wo die Schwingung durchgeführt werden konnte (Landwirtschaftliches Lexikon. Bp. 1906.208.).
Die Bauern von Sulk/Szulk beharrten auf den Tabakanbau. Laut einer herrschaftlichen Zuschrift aus dem Jahre 1799 „wurde es den Sulker Einwohnern verboten in der Csillag Tscharda in Istvándi zu trinken, wer trotzdem dorthin geht, wird seine Tabakfelder verlieren" (OL. 34.A.245 cs. 1799.). Im Jahre 1797 meldeten der Pfarrer und der Schulmeister dem Gutsherren, dass die Kinder im Sommer wegen des Tabakanbaus nicht in die Schule gehen (Parochiale Schrifte, Sulk/Szulok.).
Die Bodenverteilungsverhältnisse in Sulk/Szulok waren seit der Wende des 20. Jahrhunderts günstig. Die Güter waren 10-34 Katastraljoch groß. Hervorzuheben ist János Lempel, der über ein Grundstück von 244 Katastraljoch verfügte (Dunántúli Cím és Lakjegyzék./Adressen- und Wohnungsregister Transdanubiens. Bp. 1927.985.).
Der Tabakanbau war unter den ungarischen Bewohnern der benachbarten Dörfer, sogar nicht einmal unter den ungarischen Landwirten in Sulk/Szulok beliebt: „Sie konnten sich überzeugen, dass die Deutschen ihr Vermögen dem Tabak zu verdanken haben" (Barcsy. 1845.88.).
Nach dem Zweiten Weltrkieg erschien der Tabakanbau zuerst in den Hofstellen der Produktionsgenossenschaftsmitglieder, wobei man sich auf die Arbeit der Familienmitglieder stützte. Ab den 1960er Jahren beschäftigten sich auch die Produktionsgenossenschaften mit dem Tabakanbau. Neue Sorten wurden kennengelernt wie zum Beispiel die Tabaksorten „Virginia" und „Havanna".
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| Abb. 23. Tabakvertrag. Sulk/Szulok 1958. |
Interessant sind auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Sulker Produktionsgenossenschaften, die die dörflichen gesellschaftlichen Verhältnisse nach dem Zweiten Weltkrieg widerspiegeln.
Für den Tabakanbau wurde mit der Vorbereitung des Feldes bereits im Herbst begonnen. Besonders günstig ist der Anbau nach der Ährenlese. Im Herbst wurde das Feld stark bedüngt, dann wurde der Dünger mit Tiefpflügen 35-40 cm tief in den Boden eingeackert. Im Frühling, als es keinen Frost mehr gab, wurde der Boden neu nachgepflügt. Vor der Anpflanzung wurde der Boden geeggt, dann mit der Stachelegge eingeebnet.
Vor dem Tabakmonopol wurden die Samen von den Bauern selbst hergestellt. Zehn Tage vor der Anpflanzung wurden die Samen zum Keimen gebracht, so dass die angefeuchteten Samen in dickes Hausleinen gebunden und auf den Balken über dem Herd aufgehängt wurden. Die Bündel wurden täglich angefeuchtet. Die zum Keimen gebrachten Samen wurden ins Frühbett gestreut und ohne Glashülle, nur mit einem Rohrgeflecht gegen den Frost geschützt, gezüchtet. Die Tabaksamen wurden am Joseph-Tag (19. März), von den Älteren am Gertrud-Tag (17. März) gesäet.
Die Sämlinge wurden nach den Eisheiligen (Servatius, Pankraz, Bonifatius, 12., 13. u. 14. Mai) nach einem Regen mit der Hand eingepflanzt. Sie wurden zweimal gehackt. Die Wurzeln wurden zweimal mit Erde aufgefüllt. Nach der Tabakblüte wurde die Blüte des Tabaks an den zu der Samenzucht geeigneten Gewächsen nicht abgebrochen. Wichtig war, im Interesse der schönen Tabakblätter, dass die Seitentriebe nach dem Geizen abgebrochen wurden.
Die Tabakblätter wurden ab Mitte August bis Mitte September abgepflückt. Die Tabakblätter waren reif, wenn ihre äußere Fläche glatt und glänzend war. Zuerst wurden die sogenannten Sandblätter, dann die mittleren Mutter-Blätter und schließlich die Spitz-Blätter, jedoch erst nach dem Morgentau, abgepflückt. Die Blätter wurden dabei sortiert. Die Blätter wurden zuerst in Ballen getrocknet, dann mit Hilfe einer langen, spitzen Nadel aufgereiht und im Tabaktrockenhaus getrocknet.
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| Abb. 24. Tabakscheune mit trocknendem Tabak. 1952. NMF. 107.308. Foto von L.Takács. |
Das Tabaktrockenhaus war unentbehrlich zur Tabakproduktion. Das Tabaktrockenhaus, nach der lokalen Benennung „Magazin" (Lager), wurde neben dem Wohnhaus, der Stallung und der Scheune sogar zum Wahrzeichen von Sulk/Szulok. Die Größe des Tabaktrockenhauses hing von der produzierten Tabakmenge ab. Zur Trocknung der Tabakmenge von einem Feld von einem Katastraljoch brauchte man ein Tabaktrockenhaus mit drei Kästen. Die Beine wurden aus Ziegeln gebaut und im allgemeinen stellte ein Erdwall die Wände dar. Das Dachwerk wurde aus Dachsparren gebaut, die Stangen waren auf den verbindenden Balken. Das Tabaktrockenhaus wurde mit Schilf oder Strohbündeln bedeckt, was ein ausgezeichnetes Klima im Inneren gewährleistete. Die Größe bestimmt die Entfernung der Kästen voneinander. Die Entfernung von zwei Kästen beträgt 4,5-5 Meter. Die Tabakblätter wurden 80 cm unter dem Dachstuhl aufgehängt. Im Tabaktrockenhaus gab es immer eine Lagerstätte, da der Wirt die trocknenden Tabakblätter gegen die Diebe bewachte.
Die andere Marktpflanze der Sulker ist die Kartoffel, deren Anbau in Ungarn an der Wende des 18.-19. Jahrhunderts allgemein verbreitet wurde. Im reichen Archiv der Széchenyi-Familie in der Schomodei/Somogy findet man bereits Ende des 18. Jahrhunderts Hinweise darauf, dass der Verwalter in Csokonya die Bauern an den Anbau der Kartoffel verweist (Klára T. Mérey, Somogy megye mezőgazdasága 1790-1848 /Die Landwirtschaft in der Schomodei 1790-1848/. Kaposvár 1962. 10.-11.).
Die Süd-Schomodei ist die größte landwirtschaftliche Gegend Transdanubiens. Der feuchte, sandige Boden des Barcser Bezirkes war außer für den Anbau von Tabak auch zum Anbau von Kartoffeln geeignet. Nach den Statistiken der Komitate wurden die meisten Kartoffeln im Bezirk Barcs angebaut - zu diesem Bezirk gehört auch Sulk/Szulok (József Nádudvary, Somogy megye szociális és gazdasági helyzete /Die soziale und wirtschaftliche Lage der Schomodei. Kaposvár 1939.64.).
Elek Fényes schreibt in seiner 1836 erschienenen Statistik: „Die Kartoffel wurde von den Gutsherren in großen Mengen angebaut, sie ist auch in den deutschen Gemeinden beliebt, sie ist sogar auch im Kreise der Ungarn verbreitet (Elek Fényes, Magyarországnak s a hozzá csatolt tartományoknak mostani állapotja statisztikai és geographiai tekintetben. Pest 1836-40.1.203.).
Die Sulker Bauern begannen auf ihren Feldern mit einer Verspätung von einigen Jahrzehnten Kartoffeln anzubauen. Sie mieteten Felder, und übernahmen in vielen Fällen sogar den Anbau von Feldern in Halbpacht an den herrschaftlichen Gütern. Felder konnte man in den umliegenden ungarischen Dörfern pachten, vor allem an der Grenze von Istvándi, Kálmáncsa und Homokszentgyörgy. Die zum Anbau der Kartoffel nötige Arbeit leisteten die sogenannten „Einwohner". Die für die Wohnung fälligen Tage mussten die Männer auf den Tabak- und Kartfoffelfeldern mit Hacken abarbeiten, ihre Frauen arbeiteten auf den Feldern nicht, sondern mussten „ähnlich den herrschaftlichen Mägden" arbeiten.
Auch die Kartoffel wurde in den reich gedüngten Boden gesäet, falls möglich nach den Halmfrüchten Anfang April, jedoch spätestens bis zum Festtag des Heiligen Georgs (24. April). Als Saatkartoffel waren Kartoffel mit einem Durchmesser von 3-4 cm und glatter Oberfläche erwünscht. Die Kartoffeln wurden in jede dritte Furche des Ackers mit Hacke (Hake), ab der Jahrhundertwende mit Stizl bzw. Stempfer gesäet, was die Arbeit wesentlich beschleunigte und erleichterte.
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| Abb. 25. Ackerbau für die Kartoffelsaat im Frühling. Foto von M. Boross 1994. |
Für den Anbau auf die Furche benötigte man die abgestimmte Arbeit von drei Männern. Ein Mann hackte das Loch, der andere streute aus dem Korb 2-3 Stück Kartoffel ins Loch, der dritte verschüttete das Loch so, dass die Kartoffel nicht das Dorf „sah", also gut verschüttet war.
Der Stizl stammt aus Sulk/Szulok (L. Kósa, Dél-Somogy burgonyatermelése/=Der Kartoffelanbau in der Süd-Schomodei/Eth. 1968.380.) und wurde vom Wagner hergestellt. Der Kegel am Ende des Stieles wurde mit Blech bezogen, damit die Abnutzung des Holzes verhindert werde.
Die Kartoffel wurde nach dem Keimen geeggt, damit die Egge das nur 1-2 cm hoch wachsende Unkraut herausriss und der Boden aufgelockert wurde. Bei der steigenden Produktion wurden Maschinen zur Erleichterung der Arbeit benutzt. Der Häufel Pflug wurde von den Schmieden des Dorfes Mátyás Mertz und Mihály Haász nach dem Muster des in den Gütern verwendeten Hackpfluges hergestellt.
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| Abb. 26. Hackpflug zur Bestellung von Kartoffel- und Maisfeldern. RRM 6819.Foto von L. Kósa. 1965. |
Nach dem Zweiten Weltrkieg, im Jahre 1947 begannen sich die Wirte mit dem Anbau von sogenannten frühen Keim-Kartoffeln zu beschäftigen, die ausschließlich wegen des Verkaufs auf dem Markt angebaut wurden. Dadurch, dass die Kartoffelknollen zum Keimen gebracht wurden, konnte die Vegetationszeit verkürzt werden und man konnte Frühkartoffeln auf den Markt bringen. Dieser Frühkartoffeln wurde in einer Familie nur auf einem halben Katasraljoch angebaut.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es eine reiche Vielfalt der verschiedenen Kartoffelsorten. Zu erwähnen sind die Frühkartoffelsorten „Kondor" und „Cleopatra", die „Desir" mit roten Schalen, die „Gül Baba", die ,,Kifli"(Kipfel), „Merkur" und ,,Aranyalma"(Goldapfel). In der Zwischenkriegszeit wurde auf dem Markt vor allem die „Ella" produziert, die die anderen Sorten völlig verdrängte.
Die Kartoffelernte dauerte von Anfang September bis Ende Oktober. Die Kartoffel wurde mit der Handhacke, später mit dem Pflug im Boden umgewendet und in drei Gruppen sortiert. Da gab es die größeren (Glise), die gegessen wurden, die mittleren (Steck) sowie die kleineren oder beschädigten (Fuder), die als Futter verwendet wurden.
Die im Herbst nicht verkauften Kartoffeln wurden nach dem Frost im Frühling eingemietet. Gewöhnlich wurde die Kartoffel am Ende des Kartoffelfeldes auf einer glatten Ebene in Prisma-Form angehäuft und dick mit Roggenstroh bedeckt, worauf noch eine schmale Bodenschicht kam. Um das Prisma wurde ein Graben zur Wasserableitung gegraben.
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| Abb. 27. Kartoffelernte. Foto von M. Boross 1995. |
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde der Tabak auf Pferdewagen nach Zagreb, Karlstadt und Fiume gebracht. Auf einen Pferdewagen konnte eine Tabakmenge von 10-12 Zentnern aufgeladen werden. Die Landwirte hatten ausgezeichnete Pferde, wie darüber 1845 berichtet wird: „Die Sulker Wirte haben für ihr Geld gute Pferde erhalten." Dies bedeutete, dass sie die zur damaligen Zeit besten Nonius-Pferde aus Mezőhegyes gekauft haben (Barcsy, A szuloki dohány/Der Sulker Tabak. Magyar Gazda/Ungarischer Landwirt/1845. Nr.88.). Der Tabakanbau war sehr rentabel, für den auf einem Katastraljoch angebauten Tabak bekam man 84 Silbergulden.
Die Tabakfabrik von Ferdinand Spanier wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großkanischa/Nagykanizsa zur Verarbeitung des Sulker Tabaks gebaut. Aus dem Sulker Tabak wurden vor allem Zigarren hergestellt. In Barcs beschäftigten sich Jakob Weisz, David Heinich und Leopoldi Spitzer neben dem Tabak auch mit Getreidehandel. Zwischen den beiden Weltkriegen gab es in Sulk/Szulok eine Tabaksammelstelle. Die Földes-(Fried)-Brüder beschäftigten sich in Sulk/Szulok mit Tabak- und Getreideankauf. Sie betrieben neben dem Getreideankauf auch den Kartoffelanbau in Sulk/Szulok, da sie im Herbst bzw. im Frühling die Kartoffeln für einen guten Preis gekauft hatten. Beim Verkauf der Produkte spielte die Errichtung des Sulker Bahnhofes bzw. die seit einigen Jahrzehnten nicht mehr existierende Zweiglinie aus Barcs eine bedeutende Rolle. Der Sulker Bahnhof wurde 1905 unter großen Feierlichkeiten eröffnet. Der erste Zug wurde auch von den Vorgesetzten, Wirten und den Kindern des Dorfes empfangen und der Sohn des Sattlermeisters begrüßte den Zug mit einem Gedicht und einem Kranz.
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| Abb. 28. Die Eröffnung des Bahnhofes von Sulk/Szulok 1905. |
Beim Verkauf der Produkte - vor allem der Kartoffel und des Getreides - war es ein bedeutender Fortschritt, dass die Wirte Eisenbahnwaggons mieteten und, dadurch den vermittelnden Handel ausschaltend, ihre Produkte auf den städtischen Märkten bzw. den Getreidehändlern verkaufen konnten. Vor allem wurde die Kartoffel dem Getreidehändler Ignác Babos nach Nagyatád geliefert.
Landesweit unterschied sich der landwirtschaftliche Neubeginn der deutschen Gemeinden von den ungarischen Dörfern. An dieser Stelle seien die Erinnerungen eines der bedeutendsten Sulker Landwirte, Johann Lempl über die politischen Veränderungen im Jahre 1994 zitiert, die auf die Landwirtschaft folgende Wirkung hatte: „In Sulk/Szulok starteten die selbstständigen Güter im Jahre 1993. Die Wirte haben nicht ihre ursprünglichen Felder zurückbekommen, für je einem Acker wurden sie entschädigt. Wegen der Arbeitslosigkeit waren auch die Jugendlichen an der Arbeit auf den Äckern beteiligt. Nur die konnten vorankommen, die durch ihre deutschen Beziehungen aus der ehemaligen DDR oder aus der BRD gebrauchte landwirtschaftliche Maschinen beschaffen konnten. Diese Maschinen waren in solch einem Zustand, dass nur diejenigen mit ihnen arbeiten konnten, die sie selbst reparieren bzw. ständig instandhalten konnten. Ich erlernte in der Zeit der Produktionsgenossenschaften, als alle unserer Felder kollektiviert wurden, den Beruf des Maschinenmonteurs und arbeitete an der Maschinenstation. Meine Maschinen waren deshalb immer betriebsfähig. Mein Schwiegersohn verrichtet die Lohnarbeiten, meine Tochter beschäftigt sich mit Milchwirtschaft, sie hat fünf Kühe und deren Zuwachs. Meine Frau arbeitet bei der Selbstverwaltung als Sachbearbeiterin. Mein Sohn ist arbeitslos, er arbeitet deshalb auf den Feldern. Ich habe zwei Häuser, Äcker und Weideland. Es werden vor allem Kartoffeln und Getreide für die Tiere angebaut. Mein Haupteinkommen stammt aus der Arbeit der landwirtschaftlichen Maschinen. Meine Häuser sind so umgebaut, dass ich im Sommer ständig deutsche bzw. niederländische Gäste empfangen kann."
In der Volkskultur des Komitates erscheinen Elemente der Deutschen, Kroaten, Slowaken und diese interethnische Mischung trägt bedeutend zum vielfältigen ethnischen Erscheinungsbild der Schomodei/Somogy bei. Deutsche Kolonisten aus verschiedenen Gebieten Deutschlands kamen in die Schomodei/Somogy, um sich in den entvölkerten Dörfer niederzulassen und die verwilderten Felder zu bearbeiten. Die Fachliteratur, die sich mit der Bevölkerung des Komitates befasste, wurde auf die Unterschiedlichkeit des Deutschtums aufmerksam. „Unter den Deutschen sind die aus Ecseny/Etsching, Bonnya/Bonna, Zselic langsam, ihre Beine sind dünn und lang, ihre Brust ist eng, die aus Mike/Mickendorf und Szulok/Sulk sind stämmig, kräftig und lebhaft" (Somogy vármegye/Die Gespanschaft Schomodei. Szerk./Red. Csánky Dezső. Budapest, oJ. 198.). An gleicher Stelle ist zu lesen, dass die Deutschen auf den südlichen, mittleren und nördlichen Gebieten des Komitates, umgeben von ungarischen Gemeinden leben würden - im Kreis Barcs/Bartz sei Sulk/Szulok die einzige Gemeinde mit deutscher Nationalität. Die Deutschen haben sich vor allem an der östlichen Grenze des Komitates im Anschluss an die Dörfer in der Tolnau-Brana/Tolna-Baranya angesiedelt.
Die Bekleidung der aus Württemberg in Sulk/Szulok angesiedelten Deutschen muss man sich folgendermaßen vorstellen: „Knielange, enge Gatjehose, Joppe aus Wolle; ihr Hut hat eine breite Krempe und eine niedrige Decke. Die Weste wird oben getragen, darunter ist eine enge blaue Joppe. Die Frauen haben einen gefärbten, einfarbigen Rock und ein gleiches Rekl sowie ein Kopftuch an, als ob sie immer trauern würden. Als Schuhwerk tragen sie Klumpen" (Somogy vármegye/Die Gespanschaft Schomodei. Red.: Csánky Dezső. Budapest, o.J. 221-222.).
Die für Sulk/Szulok charakteristische Tracht der Frauen verschwand im Wesentlichen 1944 mit dem Einmarsch der Russen. Als Reaktion auf die Diskriminierung, die ihnen zuteil wurde, versuchte die deutsche Bevölkerung, alle für sie als nationale Minderheit typischen, äußerlichen Merkmale loszuwerden. Die Jugend und die mittlere Generation ersetzten ihre Trachten mit städtischer, bürgerlicher Kleidung. Die Alten behielten ihre traditionelle Kleidung bei - es ist davon auszugehen, dass sie ihre Kleider nicht mehr gegen neue austauschen konnten.
Der Prozess des Sich-Schick-Machens wurde auf einem Foto vom Jahre 1948 festgehalten, welches die Familie Sauer darstellt. Nachdem ihnen ihre Häuser und Felder weggenommen worden waren, zogen ihre verheirateten Kinder in das verbliebene, alte, kleine Haus der Eltern ein. Laut einer auf der Rückseite des Fotos geschriebenen Notiz war die Familie damals noch zusammen gewesen, im Jahre 1951 wurden die Jüngeren dann zum Gehöft Árkus neben Hortobágy ausgesiedelt. Auf dem Foto sind die jüngeren Männer in städtischem Anzug mit Krawatte abgebildet, die Frauen tragen ein einteiliges Kleid. Das Kopftuch trugen sie entsprechend der Mode der benachbarten ungarischen Dörfer. Die alten Eltern haben die traditionelle Sulker Tracht an.
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| Abb. 29. Die Familie Sauer im Jahre 1948. Die verheirateten jungen Leute zogen ins Haus der Großeltern. 1951 wurde die Familie in den Meierhof der Pussta Hortobágy ausgesiedelt. |
Auch die Sulker Tracht war den wirtschaftlichen, sozialen Veränderungen angepasst. Die wirtschaftliche Konjunktur und der Wohlstand zeigten sich an der Bekleidung. Die Tracht des ungarländischen Deutschtums weist im Allgemeinen keine reichen Stickereien oder Verzierungen auf. Charakteristisch sind für sie die dunklen Farben, die Haltbarkeit der Stoffe, die Qualität der Textilien, die Verwendung verschiedener Sorten von Seide sowie der praktische Schnitt der Kleider.
Auf die Entwicklung der Tracht übten die in der Gemeinde tätigen vier Ge-mischtwarenhändler - Armin Fried-Földes sowie Zsigmond und Mátyás Czink—einen bestimmenden Einfluss aus. In ihren Läden hatten sie ein reiches Angebot an Kleidungsstoffen, Bändern, künstlichen Blumen und Perlen hatten. Sie führten den mit Blumen gemusterten Kaschmir, den Brokat und die Seidentücher ein. Sie traten für die Verwendung des im Laden gekauften Schiffons ein, und sie machten ihn auch zur Mode.
Die Entwicklung der Tracht wurde durch die Nähmaschinen beeinflusst, die in den 1920er Jahren in die Gemeinde gebracht wurden, und deren Benutzung in den Winterperioden in Nähkursen erlernt werden konnte. Der Leiter des Nähkurses pendelte aus Barcs in das Dorf. Der Kurs wurde immer im Haus eines Großbauern abgehalten. Dorthin gingen die Töchter der Landwirte und der Handwerker um den Umgang mit der Nähmaschine zu lernen. Die Mädchen, die die Benutzung der Nähmaschine und das Zuschneiden erlernt hatten, nähten dann sich und ihrer Familie die Weißwäsche und die einfacheren Kleidungsstücke selbst. Diejenigen, die geschickter und weniger wohlhabend waren, stellten Näharbeiten her, die sie gegen Agrarprodukte eintauschten.
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| Abb. 30. Nähkurs im Jahre 1938. Die Handwerkertöchter tragen städtische Kleidung, die Bauerntöchter tragen Tracht, in der Mitte sitzt die Leiterin des Nähkurses in einemMantel mit Pelzkragen. |
Die Mädchen - ab dem Alter von 5 Jahren - kämmten ihr Haar nach hinten, angefangen vom Hinterkopf wurde das Haar zu einem Zopf geflochten, der ab Rückenmitte mit einem farbigen, maschinengestrickten Band weitergeflochten wurde, um das geflochtene Haar breiter und länger zu machen. Der Zopf endete in einer schön gebundenen Schleife. Die Haarbänder der größeren Mädchen orientierten sich nach den liturgischen Feiertagen des Jahres. Die Haarflechte der Braut war ganz besonders verziert. Die beiden Seitensträhnen wurden jeweils mit einem weißen und die mittlere Strähne mit einem roten Band umschlungen. Die Schleife war immer rot.
Der besondere Kopfschmuck der Mädchen war der Kranz, welchen sie zur Ertskommunion oder zur Konfirmation bzw. als Brautjungfer trugen. Der am reichsten geschmückte Kranz zierte ihr Haupt bei ihrer Hochzeit. Der Kranz, den die Darsteller des Chriskindelspiels zu Weihnachten trugen, war ebenfalls verziert.
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| Abb 31. Darsteller des Chriskindelspiels im Jahre 1937 RRM8651. |
Die Kränze für die Erstkommunion oder die Konfirmation wurden in den örtlichen Läden gekauft. Diese wurden mit künstlichen Blumen verziert.
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| Abb. 32. Konfirmationsbild eines Mädchens mit Kranz aus weißen, künstlichen Blumen; der Junge wurde mit einem verzierten Ausstecker geschmückt. RRM. 8650. 1936. |
Der „mit Turm versehene" Brautkranz, der sogenannte „Praud Kranz", war der besondere Schmuck der Mädchen von Sulk/Szulok. Die Kränze wurden vor Ort gefertigt. Ihre Meisterin war Katalin Fritz. Der Kranz wurde aus künstlichen Blumen, Blättern und geblasenen Perlen hergestellt. Der Schmuck des Kranzes bildete die silberne Weizenähre, deren Körner auf die Fruchtbarkeit hinwiesen. Der Kranz wurde durch ein breites, maschinengestricktes, im Laden gekauftes Band am Hinterkopf mit einem Knoten befestigt, dessen beide Enden die Haarflechte umrahmten.
Die aus weißem Schiffon gefertigte Haube wurde von den Mädchen und den Frauen unter dem Kopftuch getragen. Der das Gesicht umrahmende Teil der dreieckigen, geschnittenen Haube wurde - obwohl er nie zum Vorschein kam - geluggalt und geschlingelt zum Zwecke der Verzierung, und mit einem Ziehpertl am Kopf befestigt. Über der Haube befand sich das große Kopftuch. Sein Stoff war im Allgemeinen ein gemusterter Blaudruck, die Tücher der Alten wurden nur mit Randverzierungen geschmückt. Die sogennante „Kossuth Tracht" war ein beliebtes Kopftuch. Mit diesem Namen wurden die mit Ölfarbe rot gefärbten Tücher bezeichnet, welche bis zum ersten Waschen einen Teil ihrer Festtrachten bildeten.
Die örtlichen Ladenbesitzer brachten die Kopftücher aus Kaschmir, Delen und Brokat in Mode. Die Frauen bevorzugten besonders jene Kopftücher, die auf rotem Hintergrund mit schwarzen Ringen oder mit bunten Blumen gemustert waren.
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| Abb. 33. Braut mit Brautjungfern im Jahre 1942. MFI |
Die weibliche Unterwäsche wurde bis 1920 aus Hausleinwand gefertigt, welche aus Hanfleinen gewebt wurde. Die Herstellung der Hanffäden war die Beschäftigung der Sulker Frauen im Winter. Mit der Aufarbeitung der Hanffäden zur Leinwand wurde dann der Dorfweber beauftragt. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Webermeister András Kempf und József Hauser am beliebtesten. Sie verwendeten nicht nur die Hanfernte der Sulker für die Herstellung vobn Leinen, sondern sogar diejenige der Bevölkerung der ungarischen Nachbardörfer. -Sie stellten vor allem glattes Leinen, rotgestreifte Tischtücher und Bettwäsche her.
Die Frauen trugen an Werktagen lange Hemden aus Hausleinwand. Dazu wurden drei Breiten Leinwand benötigt. Die Halsöffnung wurde früher mit einer Schnur (Pertl), später mit einem Knopf zusammengehalten. Ein Kreuzband schloss das Ende des Schnittes; das Monogramm des Besitzers sowie die Reihennummer des Hemdes wurden mit Kreuzstich in Rot an das Kreuzband gestickt. (Die Tochter eines wohlhabenden Landwirts besaß bis zu 50 Hemden; sie brauchte viele Hemden, denn gewaschen wurde nur zweimal im Jahr.) Die Ärmel des Hemdes wurden gerade und eng geschnitten, die rechteckigen Hemdsärmel machte man mit dem Einsatz eines viereckigen Zwickels unter den Achsen bequemer. Der Unterrock der Alltagshemden war gröber und strapazierfähiger, er wurde aus Leinen angefertigt.
Die jungen Mädchen trugen an Festtagen ein an den Schultern reich gefaltetes Hemd. Die Hemdsärmel reichten bis zum Knöchel, ihre Breite wurde von einem Band zusammengehalten. Zum Hemd wurden mehrere Unterröcke angezogen. Das Hemd und der Unterrock wurden aus im Laden gekauften Schiffon angefertigt. Die Mode der 3-5 übereinander gelegten Unterröcke verbreitete sich in der Zwischenkriegszeit. Die Unterröcke wurden in Falten gelegt, ein Bandsaum presste sie an die Taille, welcher mit einer Schnur (Pertl) zusammenziehbar war. Die Anzahl der angezogenen Röcke hing von der Figur der Frau ab: Die Dünnen zogen sogar bis zu sechs Unterröcke an, um die gewünschte Körperbreite zu erreichen. Die Unterröcke waren ungeschmückt, mit Ausnahme desjenigen unter dem Oberrock. Dieser wurde mit im Laden gekauften Spitzen gesäumt („Spitz Kittl"). Die Braut zog über den mit Spitzen gesäumten Unterrock sogar einen aus feinem Atlas angefertigten, meistens rot-blau karierten Unterrock („Saffar Kittl") an, welcher den mit einem Blumenstrauß versehenen, weißfarbigen, dünn gewobenen Brautrock zierte.
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| Abb.34. Ein junges Mädchen in einem breitärmeligen Hemd. 1926. NMF. 57.092. Aufnahme von Sándor Gönyey 1927. |
Unter den weiblichen Unterwäschesorten muss auch das Höschen erwähnt werden, welches die Handwerkerfrauen und -töchter Anfang der 1920er Jahre benutzten. Das Höschen wurde aus im Laden gekauftem Schiffon gefertigt, seine Beine reichten bis zum Knie. In der Mitte war es offen. Ab den 1930er Jahren trugen dann auch die Frauen der Landwirte Höschen.
Ein blusenähnliches Kleidungsstück, zugeschnitten auf den Körper. Die „Lewesch" wurden aus teurem Stoff angefertigt, die für den Winter aus Spiegeltuch und Leinen, die für den Sommer aus Kaschmir und Seide sowie die für den Alltag aus Blaudruck, Karton, Pargett und Flanell. Das im Winter zu feierlichen Anlässen getragene Lewesch war mit Hausleinwand, im 20. Jahrhundert schon mit Salonleinwand, gefüttert. Die Dorfnäherin wurde mit seiner Anfertigung beauftragt. In der Zwischenkriegszeit war Veronika Mertz die meistgefragte Näherin. Die verzierten Lewesch wurden an ihren Rändern mit Samt, Seide oder Maschinensaum geschmückt, vorne mit einer Spange zugemacht; die aus leichterem Stoff gefertigten wurden mit dichten Knopfreihen zugemacht. Das Lewesch der Braut wurde immer aus einem einfarbigen schwarzen satinähnlichen Stoff angefertigt. Die schwarze Farbe wurde lange Zeit in Ehren gehalten, sie war die Mode der Jugendlichen im Wesentlichen bis zu den 1940er Jahren. (Gáborján Alice, Magyar népviseletek. Bp. 1960. 11.) Das einfache schwarze Lewesch wurde „Sajde Lewesch" genannt.
Das aus Blaudruck angefertigte Lewesch und der aus demselben Stoff angefertigte Rock dienten zum Kirchgang. Der Rock war lang, er reichte sowohl bei den Älteren als auch bei den Jüngeren bis zum Fußknöchel. Die aus Blaudruck, Karton, Pargett oder Flanell gefertigten Lewesch wurden vorne mit „Smizl" und einer dichten Knopfreihe verziert.
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| Abb. 35. Junges Mädchen in Festtracht (von hinten fotografiert). 1926. NMF. 57046. Foto von Sándor Gönyei. |
Der Oberrock, der zu feierlichen Anlässen getragen wurde, war gerunzelt, derjenige für den Alltag war hingegen gefaltet. Er reichte bis zum Fußknöchel. Die gerunzelten Röcke wurden nach dem Tragen jedes Mal erneut in Falten gelegt und zylinderförmig zusammengezogen aufbewahrt, meistens in der Schublade der Kommode.
Leibl
Der Ursprung des Westetragens wird von Westeuropa abgeleitet. Wahrscheinlich machten deutsche Kolonisten das Ungartum mit diesem Kleidungsstück bekannt. (Hermann, A. Kolonistenleid - Kolonistentod. In: DUHBL. Bd. II. Bp. 1930. 50.) Das praktische Ziel der Weste bestand darin, den Oberkörper warm zu halten und zu formen. In Sulk/Szulok war die aus drei Teilen geschnittene Weste bekannt (Manherz K. - Boross M. Volkstrachten der Ungarndeutschen. Bp. 2000. 72.). Die Westen für feierliche Anlässen waren aus schwarzem Satin, verziert mit kleinen schwarzen Blumen. Die Westen wurden gefüttert, die festlichen wurden mit Spangen, die alltäglichen mit Knöpfen geschlossen. Die Weste wurde über dem Lewesch getragen. Ihre Pracht ergab sich aus dem guten Schnitt und der Qualität des Stoffes.
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| Abb. 36. Besuch der Wöchnerin. Frau im schwarzen Lüsterkleid mit schwarzer Blaufärber-Schürze und mit einem Blaufärber Tuch mit Mustern. 1926. NMF. 57046. Foto von Sándor Gönyei. |
Schürze
In der europäischen männlichen und weiblichen Bauerntracht waren dir Schürzen ab dem 14. Jahrhundert verbreitet. Die Schürze war das einzige Kleidungsstück, das sowohl von Männern als auch von Frauen getragen wurde. Die Alltagsschürzen schützten die Kleidung. Einzelne, speziell geschnittene Schürzen, z.B. die Ernte- und Pflückschürzen, sollten die Arbeit erleichtern; die reich verzierten Festschürzen erhöhten die Pracht der Tracht (MNL. Bd. 3. Bp. 1980. 312.).
Die Festschürze fertigte man aus weißem, im Laden gekauftem Leinen, ihre Zierde waren die zu einem Bandsaum geschlossene dichte Plissierung und die Saimedl, die das untere Drittel der Schürze kreuzten. Die Schürze verdeckte den halben Körper, ihr Band war bei den Jugendlichen rot, bei den Älteren dunkel. Das lange Band kreuzte man hinten übereinander und knotete es dann vorne zur Schleife. Seine beiden herabhängenden Enden reichten bis zum Knie.
Die Festschürze der Älteren fertigte man aus blauem oder schwarzem Stoff, in einem der weißen Schürze ähnlichen Schnitt. Ihr Band war, dem Alter ihrer Trägerin entsprechend, weiß, blau oder schwarz.
Zur Arbeit trug man eine halbe oder Brustschürze, ihr Stoff war blau gefärbte Hausleinwand.
Schultertücher
Zur Winterzeit band man sich über das Lewesch ein Schultertuch um. Vor allem ergänzte das Schultertuch die Tracht und schützte vor der winterlichen Kälte. Die jungen Mädchen banden sich über die Weste ein buntes Schultertuch aus Brokatseide auf eine Art und Weise um, dass sie die Enden des Tuches mit Knopfnadeln ans Kleid festigten (Vgl. Abb. 36.). Die Seidentücher trugen die Frauen unter dem auf den Körper zugeschnittenen Lewesch, die Mädel hingegen über dem Leibchen.
Sie schützten sich vor der Kälte mit dem sogenannten Berliner Tuch, welches aus Wolle angefertigt wurde. Diese Tücher konnten auf den Märkten gekauft werden. Im Alltag trug man noch handgestrickte Wollentücher. Die Alten erinnern sich auch an die großen, karierten Leinentücher (Schafwoll Tuch).
Schuhwerk
Am meisten unterschieden sich die deutschen Frauen Ungarns von den Ungarinnen hinsichtlich des Schuhwerks. Die Strümpfe waren immer handgestrickt. In Sulk/Szulok fertigte man den Schuhstrumpf aus selbst gesponnenem Wollfaden, er reichte bis zur Wadenmitte. Besohlt wurde er mit Hausleinwand und er wurde „Kaupestrimp" genannt. Die festlichen Strümpfe wurden aus Berliner Faden gestrickt. Man trug im Allgemeinen weiße oder schwarze Strümpfe, allerdings waren die gestreiften ebenfalls bekannt.
Die Einwohner der Dörfer der Komitate Tolnau/Tolna, Branau/Baranya und Schomodei/Somogy wurden im 19. Jahrhundert ihren nationalitätenspezifischen Ansprüchen entsprechend von Wollspinnern und -Strickern aus Deutsch-bohl/Németbóly mit Strümpfen, Fußlappen und „Csosza" - ,ein Schuhwerk aus Gummisohle und Lederoberteil' - versorgt. Adolf Weidinger war in Német-bóly/Deutschbol der erste Wollverarbeiter, Strumpf- und Patschkermacher, der seine Firma im Jahre 1827 gründete. Außer ihm arbeiteten noch 22 Patschker- und Strumpfmacher in Deutschbohl/Németbóly in den 1920er Jahren. Adolf Weidinger machte auf die folgende Weise Reklame für sich in den örtlichen Blättern, Kalendern und in dem Transdanubischen Adress- und Wohnsitzbuch: „Ich stelle Tutyis (ung. und mundartlich tutyi ,eine Art Schuhstrumpf) in verschiedenen Farben und in allen Formen, die es gibt, her, ferner Strümpfe und Fußlappen für Männer, ganze Csosza in verschiedenen Farben und Größen" (Dunántúli Cím- és Lakjegyzék/Transdanubisches Adress- und Wohnsitzbuch. Győr. 192?. 546-47.). In den deutschen Dörfern wurden die einfachen schwarzen Tutyis gekauft, die jungen Leute kauften bunt gestreifte Tutyis.
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| Abb. 37. Kleine Mädchen in Tutyis und Berliner Tuch, in Werktagstracht. Auf dem Kopf der Puppe eine sog. „Krause Haube". 1926. Aufnahme von Sándor Gönyey. NMF. 57043 1926. |
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| Abb. 38. Klumpenmarkt in Szigetvár. 1963. NMF. 168.181.Foto von Alice Gáborján. |
Eines ihrer charakteristischen Kleidungsstücke war die Klumpe (Pantoffel), welche aus leichtem Pappelholz hergestellt wurde. Gefertigt wurde sie von den Schellit-zern/Zselic, die sie auf den Märkten verkauften. In Sulk/Szulok hausierten die Klumpenmacher aus Harschad/Hárságy mit ihren Waren. Die Männer trugen Holzklumpen, die Frauen Lederklumpen - deren Oberteil aus Leder, und deren Sohle aus Holz war. Letztere stellten die dörflichen Pfuscher her.
Das beim Handwerker -dem Schuhmacher- bestellte Schuhwerk galt bereits am Ende des 19. Jahrhunderts als Bestandteil der Festkleidung der Frauen. In den 1920er Jahren arbeiteten sieben Schuhmacher in dem Dorf. Feiertags bevorzugte man die Spangel-Lackschuhe. Es wurden auch Halb- und hochgeschossene Schnürschuhe angefertigt. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Farbe der Schuhe schwarz.
Brautkleid
Die Mädchen in Sulk/Szulok erlebten ihre Hochzeit als die Trauer ihres Ledigen-stands. Das Kleid des verlobten Mädels war konventionell. Zur ersten Bekanntmachung in der Kirche band es ein schwarzes, mit grünen Kränzen verziertes Tuch über das Lewesch. Zur zweiten Ankündigung trug es ein hellblaues Tuch, welches mit weißen Kränzen gemustert war. Nach der zweiten kirchlichen Kundmachung lud die das hellblaue Tuch tragende Braut die Gäste zu ihrer Hochzeit ein. Zur dritten Ankündigung trug sie wieder ein schwarzes Tuch mit weißen Kränzelmustern.
Die Braut wurde von ihrer Mutter festlich angezogen. Sie zog ein schwarzes Seidenlewesch {Sadle Lewesch) über das weiße, engärmelige Schiffonhemd. Über dem Lewesch trug sie eine schwarze, kleingemusterte Weste aus schwerer Seide {Sadle Leibl). Das weiße Schultertuch aus Brokat wurde dreieckig gefaltet, seine Enden versteckte man unter dem Band der Schürze. Seine Ränder wurden an den Schultern mit Knopfnageln zur Weste gefestigt. Ein mit Bändern verzierter Rosmarinzweig wurde ihr schräg, in Brusthöhe an das Tuch gesteckt.
Ihrer Figur entsprechend zog die Braut bis zu acht, neun oder sogar zehn Unterröcke an. Der bereits vorher erwähnten Reihenfolge entsprechend zog sie die Unterröcke an, und zwar auf die Weise, dass der obere immer um 1 -2 cm kürzer war als der untere. Über den Unterrock trug sie den auf weißem Hintergrund bunt gemusterten, dünn gewobenen, dicht gerunzelten Rock {Kametsch Kitti). Die Schürze wurde in Falten gelegt, steif gestärkt (sie hieß raschelnde Schürze, bzw. wajs Schorz). Die Länge der Schürze entsprach der des Rocks. Ihr Band war aus roter Seide, es wurde vorne geknotet, seine Enden hingen bis zum Knie herab und ihre V-Form schmückte die Schürze. Die Braut zog weiße Strümpfe entweder aus Wolle oder aus Patent an, darüber trug sie Spangel-Lackschuhe. Ihr besonderer Kopfschmuck war der prächtige Kranz (Praut Kranz).
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| Abb. 39. Braut und Bräutigam im Jahre 1942. RRM. 1080. |
Der Unterschied des Brautjungferkleides zu dem Brautkleid bestand darin, dass das Lewesch der Brautjungfer gemustert war. Die Braut wies jeder Brautjungfer einen Partner (Brautführer) zu.
Die Braut zog sich um Mittelnacht um, sie zog ein dunkles - meistens Blaudruck-- Kleid an, löste ihre Haarflechte, band ihr Haar am Hinterkopf zusammen, setzte sich eine Haube auf, darüber band sie ein glänzendes, gemustertes Blaudruckkopftuch auf das Haupt. Ihre mit einem roten Band versehene Schürze war ebenfalls dunkel, genauso wie ihre Strümpfe und Schuhe.
Die Aussteuer der Braut war im Jahre 1921:
Die Ehefrau des Simon Lämpel, Regina Hebrang, „hat bekommen zum alleingehen 1 Pferd, 1 Kuh mit 1 Kalb, 1 mesz szau, 3 sack weiz, 3 sack korn, 1 Smalz teza, 7 szimbili, 6 szimbili tuher, 7 Hantüher, 4 hitiher(Leintücher), 1 hohes bett mit 2 tuher, 6 polszter, 1 kleine tuhet für 1 polster, 2 tistiher, 1 kneten, 1 sliten, 1 subladkasten, 1 bank, 1 krezer licht, 12 litliher hafen, 2 porcellán sisszel, 2 siszli, 12 teller, 2 bleh tepszi, 1 krazer bild, 2 eize hefen, 3 bettiher, 1 anyagöbet malacokkal [Ferkelsau mit Ferkeln]" (Abschrift aus dem Familiennotizbuch Lempl.).
Schmuck
Die Mädchen trugen weiße Perlen eng um den Hals geschlungen. Nur die Wohlhabenden trugen Ohrringe - meistens aus Silber mit blauem oder rotem Stein. Der Bräutigam kaufte der Braut einen Ring. Die junge Frau hatte ihn dann nach der Eheschließung einige Wochen lang an, dann zog sie ihn vom Finger und setzte ihn in die Sublat (Schublade), wo sie ihn bewahrte.
Männertrachten
Die Männertracht war eintöniger und wurde früher verbürgerlicht als die Frauentracht. Die Beschreibung vom Ende des 19. Jahrhunderts berichtet von einer engen und kurzen Hose, einem Wams und einer Weste aus Wolle, einem Hut mit breitem Rand und niedrigem Oberteil sowie Holzklumpen.
Die Männer gaben die mit sich gebrachten Kleidungstücke eigentlich in den Jahren nach der bürgerlichen Revolution im Jahre 1848 auf, sie zogen sich um, wobei auch die Erfahrungen beim Militär eine Rolle gespielt haben, sie wollten sich jedoch beim Verkauf auf dem Markt an die städtische bürgerliche Tracht anpassen. Ihre Kleidungsstücke wurden, von den männlichen Trachten der umliegenden ungarischen Dörfer abweichend, bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbürgerlicht.
Haartracht und Kopfbedeckung
Über die Haar- und Kopftracht der deutschen Siedler berichten die Steckbriefe und Gerichtsprotokolle. Auch die Sulker Männer trugen lange Haare, der Bericht von Tafferner über die Deutschen im Schildgebirge aus dem Jahre 1941 kann sich somit auch auf sie beziehen: „Die Männer sollen das Haar geflochten und den Zopf mit einem runden Steckkamm festgegaltet haben" (Tafferner, A. Vértesboglár. Egy hazai német település leírása./Boglar. Beschreibung einer ungarndeutschen Gemeinde. Bp. 1941.8.).
Wegen des Militärdienstes hat sich die Haartracht der Männer nach 1848 landesweit verändert. Die Männer trugen danach ihre Haare kurz mit einem Scheitel.
Der Schnurrbart wurde als ungarische Mode betrachtet. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts durften in den deutschen Gemeinden nur die Vorgesetzten Scnurr-bart tragen. Ab der Wende des 20. Jahrhunderts wurde der kurz geschnittene, sogenannter englischer Schnurrbart allgemein verbreitet, einige Landwirte trugen ihren Schnurrbart ähnlich den ungarischen Wirten gewachst.
Kopfbedeckung
Es wurde bereits erwähnt, dass die Hüte eine breite Krempe und eine niedrige Decke hatten. Die Männer wurden vom Barcser Hutmacher, Lajos Baros mit den sogenannten „Sulker Hüten" versorgt. Der Hut wurde aus schwarzer Wolle hergestellt und mit einem Seidenstreifen verziert. Die Burschen trugen ab dem 4 Lebensjahr einen ähnlichen Hut wie die Erwachsenen.
Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts trugen die jungen Männer - vermutlich auf Einfluss des Marktangebotes - an Werktagen eine Schirmmütze aus Stoff und im Winter eine Schirmmütze aus Leder mit Ohrlappen. Auf ungarischen Einfluss war auch die Pelzmütze beliebt, die man auf dem Markt kaufte.
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| Abb. 40 József Sauer und seine Familie, 1918. Von rechts nach links sitzen Wendel Zehagel und Frau Sauer. Stehend Frau Zehagel, Regina Sauer 1909, Elisabeth Sauer l 1911, Simon Sauer 1914, im Schoss Josef Sauer 1918. |
Das Foto stellt die Trachten von drei Generationen dar: die Männer-, die Frauen- ung die Kindertracht.
Das Hemd
Bei den deutschen Männern erfüllte das Hemd oft auch die Rolle des Oberkleides. Statt des Hausleinens und des Leinenhemdes wurde das Hemd „aus Wolle gefertigt und wie ein regelrechter Rock, denn es diente ja auch als Oberkleid" (Hottenroth, F. Bd.I. Frankfurt am Rhein. Deutsche Volkstrachten vom XVI. Jahrhundert an bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts.). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Stoff ursprünglich aus Leinen, später aus Baumwolle hergestellt. Die Hemden reichten bis zum Knie, der Kragen und die Manschette wurden mit einem Band zusammengehalten. Zur leichteren Bewegung der rechteckigen Ärmel verhalf der sog. „Zwickl" unter der Achselhöhle. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Hemden kürzer, reichten bis zur Taille und wurden in die Hose hineingesteckt. Ein schmaler Kragen umfasste den Hals. Der Ausschnitt wurde unten von einem sogenannten „Bauchband" fixiert. Die Ärmel endeten in Manschetten und wurden mit Knöpfen geschlossen. Die Festhemden wurden aus weißem Fabrikleinen, die Werktagshemden aus Hausleinen, Blaufärberstoff und die Winterhemden aus Barchent, Flanell und Stoff, eventuell mit der Hand genäht. Die Festhemden waren geziert, neben den Knöpfen wurden sie mit Saumstichen und am „Bauchband" mit der Hemdnummer und mit dem Namen des Besitzers bestickt.
Gatjehose
Die Männer trugen blaue oder braune Gatjehosen aus Hausleinen, die bis zum Unterbein reichten. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam auf ungarischen Einfluss hin die weite Hose in Mode, die zu festlichen Anlässen getragen wurde. Zur Verfertigung einer weiten Hose wurden 6-8 Breiten Leinen verwendet. Die weiten Hosen wurden in Niklasing/Miklósi und Sulk/Szulok so geschätzt, dass mehrere Landwirte darin begraben wurden (Vgl.:Sammlung Grynaeus). Sowohl die engen als auch die weiten Hosen wurden nach dem Ersten Weltkrieg unmodisch.
Westen
Die Weste ist ein hervorragender Teil der Männertarcht, die sowohl an Werktagen als auch an Feiertagen getragen wurde. Die Werkstagswesten wurden aus Hausleinen, Flanell, Leder und grobem Flausch genäht. Sie wurden hoch geschlossen und hatten die Funktion, den Körper zu schützen und zu wärmen. Die Festwesten wurden aus schwarzem Flausch hergestellt, mit verzierten Knöpfen geschlossen und hatten zwei kleinere Taschen. Nach dem Ersten Weltkrieg trug man an Feiertagen meistens Anzüge, deren Westen aus dem Stoff des Anzuges gemacht wurden. Die sich traditionell kleidenden Männer trugen auch weiterhin schwarze Flauschwesten unter der hoch geschlossen Jacke.
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| Abb. 41. Abbildung. Junges Ehepaar. Der Mann trägt eine hoch geschlossene Jacke, darunter eine den Körperlinien folgende Weste. 1925. |
Mantel, Hose
Die Anzüge der Männer wurden von den örtlichen „deutschen Schneidern" genäht. In Sulk/Szulok arbeiteten drei Herrenschneider in den Wintermonaten. ,In der Tätigkeit der Dorfschneider brachte die Verbreitung der Nähmaschine eine bedeutende Veränderung, die in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Sulk/Szulok bekannt wurde. Die Nähmaschine brachte auch im Schnitt der Kleider und Anzüge eine revolutionäre Veränderung. Es wurde der taillierte, der Körperlinie folgende Schnitt möglich (Vgl.: Károly Manherz - Marietta Boross: Volkstrachten der Ungarndeutschen. Bp. 2000.40.).
Die Handwerker, so auch die Herrenschneider - mehrere von ihnen arbeiteten auch für die Männer der umliegenden ungarischen Dörfer - konnten von ihrem Gewerbe nicht leben. Ihre Häuser befanden sich auf kleinen Grundstücken, in der sogenannten Handwerker-Reihe. Sie wirtschafteten auf Grundstücken zwischen 1-5 Katastraljoch. Im Sommer halfen sie den Landwirten bei der Ernte und Tabakernte, wodurch sie ihr geringes Einkommen ergänzten.
Die Hose der Sulker Männer folgte der städtischen Mode und hatte keinen Aufschlag. Die ärmeren Landwirte trugen die sogenannte „Plumphose". Die Stoffhose wurde mit kariertem Flanell gefüttert. An Feiertagen wurde die Stoffseite nach außen getragen.
In der Männertracht trat an der Wende des 20. Jahrhunderts eine Veränderung ein. Die aus dem sogenannten „Zeig"-Stoff (gekaufter Stoff) gemachten Anzüge und Hosen waren weit verbreitet. Hosen wurden auch aus Kord, aus Englischleder und Düftin gemacht. Diese Kleidungsstücke wurden auf den Märkten gekauft.
Schuhwerk
Man trug handgestrickte Strümpfe, die bis zum Unterbein reichten. Als Material wurden Hanf, Wolle und Wollfaden verwendet. Die Strümpfe wurden mit Hausleinen, später mit Fahrrad-Gummischläuchen besohlt. Ab den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Strümpfe auf den Märkten gekauft, ihr Stoff war dick und filzig. Stiefel trug man nicht. Für die Dorfbewohner arbeiteten sieben Schustermeister, die Schnürschuhe aus schwarzem Boxleder sowie Zugstiefel anfertigten. Gelbe Halbschuhe trugen die Jugendlichen seit den 1930er Jahren. Die Schuhe wurden in den örtlichen Geschäften gekauft.
Die Hose wurde in die dicken, bis zum Unterbein reichenden Strümpfe hineingesteckt und bei schlechten Wetter trug man an den Werktagen einen Holzschuh mit Holzsohle und Leder-Oberteil. Allgemein verbreitet war das Tragen von Holzschuhen aus Pappelholz.
Festgewand
Der Bräutigam trug einen schwarzen Anzug (prajdigam Anzug), ein weißes Chiffonhemd (hemed) und eine schwarze Weste (lajbl). Beim kalten Wetter trug der Bräutigam einen schwarzen Mantel, der bis zum Unterbein reichte (Prajdigam Rock) und einen schwarzen Wollhut (hut) mit weißen Bändern verziertem Rosmarin. Auf den Mantel steckte man einen verzierten Blumenstrauß, von dem zwei weiße Seidenbänder herunterhingen.
Als Mitgift erhielt der Bräutigam im Jahre 1921 nach den Aufzeichnungen von János Lempel folgendes: „Simon Lämpel hat bekommen von seinen Eltern im Jahre 6 Sek, 5 Meter weiz un 4 Meter khorn, 1 polster, 1 hohen khasten."
Kindertrachten
In Sulk/Szulok kleideten sich die Kinder so wie die Erwachsenen. Die Kleider der Kinder an Werk- und Feiertagen waren ähnlich wie die der jungen Mädchen und Burschen.
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| Abb. 42. Kleine Mädchen in Festtracht. NMF.57.044. Foto von Sándor Gönyey. 1926. |
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| Abb. 43. Deutsche Kinder im Kindergarten. NMF. 57.050.Foto von Sándor Gönyey. 1926. |
Die kleinen Kinder - Jungen und Mädchen - trugen bis zu ihrem 4. Lebensjahr Röcke. Die ganz kleinen Kinder trugen auf ihrem Kopf eine sogenannte „Krause Haube" (siehe auch die Abbildungen 36. und 39.). Diese Hauben wurden von den geschickten Frauen des Dorfes für Getreide oder Geld gemacht. Die Form der Haube gab die dicke Grundlage aus Hausleinen, die mit farbigem Stoff bezogen wurde und ihre Ränder ein weißer gesteifter Wellenstreifen umrahmte. Die Haube wurde durch einen Strauß aus roten Seidenbändern verziert.
Nach dem vierten Lebensjahr trugen die Jungen, der Dorfmode entsprechend, einen Hut und die Mädchen ein Kopftuch (Abb.39.). Die Mädchen trugen an Werktagen keine Kopfbedeckung. Sie gingen so in die Kirche. Ihre Haare wurden in Zöpfe geflochten und in verschiedene Formationen gewickelt. Ihre Bekleidung folgte der feierlichen Mode der älteren Mädchen, die Jungen trugen an Werktagen einen bescheideneren und an Feiertagen einen verzierteren Anzug. Über dem Hemd trug man immer auch eine Weste.
An den Füßen trugen sie Strümpfe aus Baumwolle und Wolle. Die Mädchen trugen an Feiertagen Schnürschuhe und Spangenschuhe, die Jungen Holzklumpen, deren oberer Teil aus Leder war. An Werktagen trugen sowohl die Mädchen als auch die Jungen „Tutyi". Die Kleider der Kinder nähten die Dorfschneiderinnen, meistens die Frauen von Handwerkern. Als Lohn dafür erhielten sie fast immer Getreide.
Die Kindertrachten veränderten sich in den 1940er Jahren. Beliebt waren die in den Geschäften gekauften Kinderkleider.
Die Großgemeinde Sulk/Szulok war eine deutsche Gemeinde, die von ungarischen Dörfern und vom ehemaligen Großgrundbesitz umgeben wurde. Die Gemeinde erhielt ihren Rang als Marktflecken im Jahre 1815 und besaß das Marktrecht bereits ab 1813 (Acta Urbarialis et Oeconomica Oppidi Szulok IV. 34.B.P 623. Széchenyi-Archiv.). Elek Fényes registrierte bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zustände in Sulk/Szulok: „Deutscher Marktflecken, der von 1828 römisch-katholischen Deutschen, 8 reformierten Ungarn und 20 Juden bewohnt ist." Er hebt den Tabakanbau hervor, den Tabak haben sie auch auf den Feldern angebaut, die sie von ungarischen Gemeinden gepachtet haben (Elek Fényes: Magyarország geographiai szótára /Das geographische Wörterbuch Ungarns/ Pest 1851.11.166.).
Die Deutschen, die im 18. Jahrhundert aus Württemberg kamen, verfügten über andere landwirtschaftliche Kenntnisse als die ungarischen Bauern, nämlich über die Kenntnisse des Tabakanbaus. Dies entsprach auch den Interessen der Großgrundbesitzes. An der Wende des 19. Jahrhunderts konnten die alodialen Besitztümer ihr Fortbestehen mit der Warenproduktion sichern.
Die Siedler erfüllten ihre Fronpflichten landesweit, so auch in Sulk/Szulok, mit der Abgabe ihrer Marktpflanzen. Aus archivalen Quellen wissen wir, dass die Sulker Bauern den Zehnten-Tabak bis zum 29. September, dem Feiertag des Heiligen Michaels dem Verwalter des Grafen Széchenyi übergeben mussten (OL IV.34.B.) Der Tabakanbau war in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bedeutend. Im Jahre 1814 gab es 205 Bauern, die sich mit Tabakanbau beschäftigten, und sie gaben 315 Zentner Tabak ab. (OL IV.34.B. 2.)
Die Landwirte der umliegenden ungarischen Dörfer - obwohl sie den Nutzen des Tabakanbaus erkannten - folgten dem Sulker Beispiel nicht. Die Sulker Landwirte investierten ihr Geld in den Ankauf von Grundstücken. Vor allem wurden Grundstücke der umliegenden Dörfer - Kálmáncsa, Istvándi, Csokonyavisonta - gekauft, jedoch auch die von den Gütern angebotenen Grundstücke wurden aufgekauft. 1913 wurde auf der Marietta-Heide (in der Flur von Sulk/Szulok) ein Grundstück von 280 Katastraljoch vom Grafen Széchenyi parzelliert und 1927 erhielten die Sulker Landwirte aus dem Grundbesitz des Grafen István Pál Eszterházy in Istvándi auf Grund des § 78 des XXXVI. Gesetzes ein Grundstück von 170 Katastraljoch.
Die Ackerbau-Technik der Sulker Landwirte sowie ihre vermarkteten Pflanzen -Tabak und Kartoffel - waren genauso entwickelt wie die Produktionstechnik der Großgrundbesitzer sowie deren Pflanzen. Ein Beispiel für die landwirtschaftliche Mechanisierung ist, dass 13 Dreschmaschinen im Jahre 1920 im Dorf registriert wurden, die Mehrheit dieser Maschinen wurde mit Pferdekraft betrieben, lediglich zwei Dreschmaschinen hatten einen Motor (Gyula Szeghalmi, Dunántúli vármegy-ék/Die Komitate Transdanubiens/. Bp. 1939.644 1.).
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| Abb 44. Die mit Motor betriebene erste Dreschmaschine des Sulker Landwirtes János Gáspár 1927. RRM. 8652. |
Der Hackpflug, der die Arbeit mit der Hackpflanzen erleichterte, war ebenfalls seit den 1920er Jahren bekannt, jedoch auch der beim Kartoffelanbau verwendete Stock der „cuca", weist auf die Lanwirte von Sulk/Szulok hin (László Kosa: Dél-Somogy burgonyatermelése /Kartoffelbau in der Süd-Schomodei/ Eth. 1968.380.).
Neben der modernen, intensiv betriebenen Landwirtschaft der Sulker Bauern gab es im Dorf auch zahlreiche Handwerker. 1920 wurden 39 Handwerker wie folgt registriert: 4 Tischler, 2 Zimmermänner, 7 Schuster, 1 Fassbinder, 3 Schmiede, 4 Maurer, 1 Lebzelter, 1 Bäcker, 2 Sattler, 4 Herrenfriseure, 3 Metzger, 3 Herrenschneider, 2 Uhrmacher, 1 Drechsler, 1 Seiler. (Dunántúli Cím- és Lakjegy-zék/=Anschnftenbuch und Wohnungsanzeiger Transdanubiens/ Győr 1920. 985.).
Für das Dorf war eine soziale Schichtung nach dem Vermögenszustand charakteristisch. Einige Gesellschaftsschichten versammelten sich in eigenen Vereinen. Die Großbauern (bis zu 20-280 Katastraljoch) bildeten den Ersten Bürgerlichen Klub (Első Polgári Társaskör), die Mittelbauern den Unteren Bürgerlichen Lesekreis (Alsó Polgári Olvasókör) und die Handwerker den Lesekreis der Handwerker (Iparos Olvasókör).
Bei den Eheschließungen wurden die gegenseitig akzeptierten Vermögens- und Gemarkungsgrenzen nur selten überschritten. Die Burschen wählten hauptsächlich Sulker Mädchen und es galt als eine Schande, wenn jemand eine Frau „aus dem Lande", aus Hárságy, Lad oder Barcs holen musste. Die Handwerker heirateten unter sich, meistens heiratete der Gehilfe die Tochter des Meisters.
Die Landwirte schätzten die Handwerker gering, denn die Mehrheit konnte von ihrem Handwerk nicht leben, im Sommer halfen die Handwerker deshalb bei der Ernte, beim Dreschen, beim Kartoffelhacken sowie bei der Tabakernte und -Schwingung aus. Die Handwerker hielten sich - obwohl sie auf die Landwirte angewisen waren - für gebildeter, geschickter und moderner als die Landwirte. Das erste Radio (1927) und die erste Nähmaschine (1910) wurden von Handwerkerfamilien benutzt. Sie abbonierten auch Zeitungen und waren Organisatoren und Akteure der Laienaufführungen.
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| Abb. 45. Das Volksschauspiel „Das Tuch des Betyaren " in der Aufführung des Lesekreises der Handwerker. 1936. Inszeniert vom Gastwirt Mátyás Mertz. Aus dem Familienalbum |
Das Judentum in Sulk/Szulok brachte den Handel der Gemeinde zum Aufschwung. Durch die reiche Warenauswahl ihrer Gemischtwarenläden sowie durch die Verbreitung von neuen Kleiderstoffen hatten sie einen entscheidenden Einfluss auf die örtliche Volkstracht. Sie waren geschätzte Bürger der Dorfgesellschaft, ihr Freidhof befand sich im Dorf, sie besuchten jedoch die Synagoge in Kaposvár. Ihre Kinder besuchten den deutschen Kindergarten und die deutsche Schule. Die Mehrheit der Juden, die sich mit dem Getreide- und dem Gemischtwarenhandel beschäftigten, hatte ein Abitur. Im Ersten Weltkrieg erhielten mehrere von ihnen - z.B. László Földes (Fried) - die Silberne Tapferkeitsmedaille und das Károly-Truppenkreuz. Als Ausnahme kann die Tochter des Getreidehändlers Samu Schwartz erwähnt werden, die den Sohn eines Sulker Großbauern heiratete. Die jüdischen Familien ließen die Gänsekeulen im Kamin der Rauchküche der Landwirte räuchern und ihre Mohntorte wurde zum beliebten Festtagskuchen des Dorfes.
Das Glaubensleben der Sulker Katholiken - 95% der Bevölkerung - war intensiv. Im Jahre 1891 wurde die Rosenkranz-Gesellschaft gegründet, die bis zu unseren Tagen, seit mehr als 100 Jahren existiert. In ihrer Kirche steht die Statue der Jungfrau Maria aus Lourdes, die 1892 vom Tiroler Bildhauer, Josef Rengaldier gemacht wurde. Die handgeschriebenen Gebets- und Gesangsbücher kann man noch bei fast allen Familien finden. Der Kirmesleiter und Vorsänger war István Kriszbaum. Sein Gesangsbuch wurde bei den Kirmessen mit neuen Liedern und Gebeten ergänzt. Der Friedhof wurde 1774 errichtet und 1832 erweitert. Die Grabinschriften und Bilder der Grabsteine würden eine weitere Untersuchung und Bearbetung verdienen.
Die Blaskapelle war Teil des kulturellen Lebens im Dorf, sie spielte sonntags und bei Hochzeiten für Geld. Die Musiker kamen aus der Schicht der Handwerker.
Die Frauentracht wurde - die Männer trugen bereits seit Ende des Ersten Weltkrieges bürgerliche Kleidung - bis 1944 aufbewahrt. Sogar die Töchter der Handwerker trugen an großen Feiertagen ihre Tracht. Nach 1945 versuchten die Dorfbewohner nach der die deutsche Bevölkerung betreffenden schweren Diskriminierung alle Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit aufzugeben, so auch die Volkstracht. Dies war für die deutschen Gemeinden im Land charakteristisch. Zum Beispiel in Hartau/Harta, im bedeutenden Zentrum der bemalten Bauernmöbel, wurden die deutschen Aufschriften (Frakturschrift) auf den Möbeln durch Überstreichen abgedeckt, und die Bücher mit Frakturschrift verbrannt. Aus Sulk/Szulok wurden viele Familien - vor allem die Großbauern auf die Pußta Hortobágy ausgesiedelt und alle ihre Güter und Immobilien ohne Entschädigung beschlagnahmt. In ihre schönen Häuser wurden Häusler aus dem Schellitz/Zselic angesiedelt, die heute anerkannte Mitglieder der Dorfgemeinschaft sind.
Der Aussiedlungsauschuss traf in Sulk/Szulok am 18. Mai 1947 ein, wer sich zur deutschen Muttersprache bekannte, wurde ausgesiedelt. Die Siedlerfamilien kamen am 24. Juni an. Aus den Häusern wurden die Sulker ab dem 13. August ausgesiedelt. Die Mehrheit der Ausgesiedelten kam zurück und viele konnten ihre alten Häuser zurückerhalten. Mehrere Heiraten gab es zwischen den Siedlern und den Deutschen.
Heute bestimmt den Charakter von Sulk/Szulok das Heilbad. Seit 1991 vetritt im Dorf KALMATOURS den organisierten Fremdenverkehr. Im Jahre 1994 wurden bereits in 22 Häusern Gäste empfangen. Damit ging die Modernisierung der Wohnungen. (Badezimmer, Toilette, Fernsehen etc.) einher. In der Umgebung des Heilbades sind eine HB-Bierstube sowie ein Restaurant zu finden. Auf den kleinen parzellierten Grundstücken wurden Wochenendhäuser gebaut. Mehrere deutsche Familien - nicht die Ausgesiedelten - kauften in Sulk/Szulok ein Haus und ließen sich im Dorf nieder. Die alten Häuser wurden von neuen Besitzern umgebaut.
Die deutsche Mundart von Sulk/Szulok wird nur von den Älteren gesprochen, die Jüngeren lernen - durch den Fremdenverkehr angeregt - „Hochdeutsch", um mit ihren Gästen sprechen zu können.
In Sulk/Szulok betrieb ich in den Jahren 1994 und 1995 Feldforschungen unter der Leitung von Dr. Károly Gaál (Wien). Die Aussagen der Gewährspersonen wurden zur vorliegenden Studie - mit archivalen Forschungen ergänzt. Meine Gewährsleute waren in Sulk/Szulok:
Abkürzungen:
BVUD = Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen
DUHBL = Deutsch-Ungarische Heimatblätter
Eth. = Etnográfia
MFI = Magyar Filmiroda
MTI = Ungarischen Nachrichtenagentur
N.L. = Néprajzi Lexikon
NMF = Fotoarchiv des Ethnographischen Museums
OL = Országos Levéltár
PAB-VEAB = Pannon Akadémiai Bizottság - Veszprémi Akadémiai Bizottság évkönyve
RRM = Rippl-Rónai Museum. Kaposvár. ZÁL = Staatsarchiv des Komitates Zala
Sulk/Szulok
Boross Marietta értekezése a dél magyarországi Szulok község újabbkori fejlődésével foglalkozik. A 18. sz.-ban a török háborúk miatt elnéptelenedett falut a Széchenyi grófok telepítettek újra württembergi németekkel. A szerző gazdasági tényezőket is vizsgál, mint pl. a nagyon eredményes dohánytermesztést. Leírja a faluban található háztípusokat, az építkezés módját és a viseletet. A falu lakosai már korán erőteljes hierarchikus társadalmi rétegződést mutatnak. Az iparosok, a módosabb és a szegény paraszti rétegek között ritkán fordult elő házasság. Ez azt bizonyítja, hogy éles határok húzódtak az egyes társadalmi rétegek között a falu közösségén belül. Szulok lakosságának 95%-a hívő katolikus volt. Létezett egy zsidó kisebbség is, amely főként az élelmiszer-, textil- és ruhakereskedelemmel is foglalkozott és ezáltal jelentős befolyást gyakorolt a helyi népviseletre.
This paper is about the development of the village of Sulk/Szulok in southern Hungary between 1715 and 1995. Back in the 18th Century Sulk/Szulok belonged to the estates of Count Széchényi who - following the defeat of the Turks and the massive loss of life in the Hungárián population - welcomed Germán farmers from Württemberg to settle down in the region. The author deals with economic aspects, such as the growing of tobacco, for example, which was a huge success, and also describes different types of houses as well as the way they were built in detail. The inhabitants of the village developed a socially stratified society from early onwards. Marriages between manufacturers, wealthy farmers and farmers of modest means were rare, thus indicating that the borders between these different social strata were respected by the people. 95 % of the population of Sulk were devoted Catholics. However, there was a Jewish minority, too, who was heavily involved in the trade of groceries and garment, thereby having a considerable impact on the look of the traditional costumes worn by the inhabitants of Sulk.