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Marietta Boross

Zur Entwicklung der Lebensweise und Kultur der drei Nationalitäten in Rákoskeresztúr/Kresstur unter besonderer Berücksichtigung der Volkstracht und Volksstickerei der Frauen

 

„Die Großgemeinde Rákoskeresztúr befindet sich am Rákos-Bach und entlang der Bahnlinie in Richtung Pest-Hatvan. Die Anzahl ihrer Bewohner beträgt 6149, und sie besteht aus Ungarn, Slowaken und Deutschen" - so die Berichte am Ende des 18. Jahrhunderts. (Vályi, A.: Magyar Országnak leírása I-III. Buda. 1796-1801. 15.) Rákoskeresztúr/Kresstur konnte seinen Dorfcharakter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bewahren, obwohl es seit 1949 der XVII. Bezirk der Hauptstadt ist.

Die Häuser des Dorfes mit Straßenstruktur wurden mit ihrer Feuermauer wie die Kammzähne senkrecht zur Straße gebaut. Die schmucken geschnitzten Giebelverzierungen der Häuser verdienen die Aufmerksamkeit der Besucher.

Abb. 1. Pesti utca, einstige Fő utca 1957. Foto: Marietta Boross (MB)

 

Das neobarocke Schloss in der Mitte des Dorfes war zuletzt im Besitz der Vigyázó-Grafen, und ist von einem Park umgeben, der einem englischen Garten ähnelt. Das Schloss ragt nicht nur architektonisch aus der Reihe der einge schossigen Häuser heraus, sondern bildet auch eine Trennlinie zwischen dem von Deutschen bewohnten Dorfende und dem von Slowaken bewohntem unteren Dorf (Tabán).

Abb. 2. Geschnitzte Hausgiebelverzierung im Dorfteil Tabán. 1957. Foto: MB

 

Rákoskeresztúr/Kresstur war, wie die meisten Dörfer in der näheren Umgebung, bis zu der Besetzung des Landes durch die Türken eine rein ungarische Gemeinde. Laut Aufzeichnungen wurde sie auch während der Türkenherrschaft nicht entvölkert. Von der Türkenherrschaft zeugt in Rákoskeresztúr/Kresstur die Benennung des Dorfteiles Tabán (tabana) sowie der „türkische Brunnen", der bis zu dem Zweiten Weltkrieg in einem Ausgebäude des Dorfteiles Tabán stand.

Das Dorf wurde 1684 von den Befreiungsarmeen der Stadt Buda/Ofen gemeinsam mit anderen Gemeinden in der Umgebung von Pest sowie der Stadt Pest selbst in Brand gesteckt. Die Verwüstung war perfekt, sogar die Kirche wurde dem Erdboden gleichgemacht. Die zahlenmäßig geringe ungarische Bevölkerung war gezwungen, ihre Häuser zu verlassen.

Mátyás Bél berichtete über die Neubesiedlung der Gemeinde (Bél, Mátyás: Notitia novae historico-geographica 1735-1742.): „Die Bewohner von Rákoskeresztúr sind Ungarn, die unter der Erde in armseligen Hütten wohnen, manche ducken sich in aus Erdboden gemachten Häusern. Es sind noch 18 Leibeigene mit freiem Wegzugrecht ausgestattet sowie neue Siedler da, von denen 7 Ungarn, 15 Slowaken und 14 Deutsche sind."

Die dem Helvetischen Glauben angehörenden Grundherren von Rákoskeresztúr/Kresstur, Graf Gedeon von Ráday und Baron Pál von Podmaniczky empfingen die aus dem Ungarischen Oberland, aus Österreich und aus Deutschland wegen ihres Glaubens verfolgten und fliehenden slowakischen und deutschen Familien mit offenen Armen, damit sie ihre Felder bestellen, denn diese waren mangels menschlicher Arbeitskräfte wertlos. Das lateinische Sprichwort gilt auch hier: „Ubi populus, ibi obulus" (Wo das Volk, dort das Geld).

Die Slowaken, die die Mehrheit der Bevölkerung von Rákoskeresztúr/Kresstur bildeten, waren aus den nördlichen Komitaten des Landes wegen der religiösen Verfolgungen in die ertragreicheren und spärlich bewohnten Gebiete des Landes gezogen. Auch aus Österreich, vor allem aus den Ländern Steiermark, Kärnten und Oberösterreich kamen ebenfalls wegen ihres evangelischen Glaubens verfolgte Bauern nach Ungarn. Die meisten stammten aus den steirischen Dörfern Purg und Tauplitz.

Paul Brandner forschte in seiner 1939 veröffentlichten Studie nach den Gründen für die Vertreibungen und brachte unter anderem aufgrund der Verhörprotokolle die Erklärung von Mátyás Brunner: „Ich zweifle stark daran, dass der katholische Glaube nicht der richtige wäre, da seine Lehren nicht identisch mit denen der Bibel sind." Und schließlich bekräftigt er mit der Entschlossenheit der Glaubensbekenner: „Ich werde lieber mein Leben opfern, ehe ich die neue Religion, die ich kennen gelernt habe, aufgebe." (Brandner, Paul: Beitrag zur Geschichte der Transmigration innerer- und oberösterreichischer Protestanten nach Ungarn Iklad und Rákoskeresztúr. Deutsche Forschungen in Ungarn Jhr. IV. 1939. Heft 1-2. Budapest). Die Antwort der Katholiken von Tauplitz war: „Wir werden den letzten Tropfen unseres Blutes opfern, damit wir die Lutheraner ausmerzen können." (OL. 3066.1781.)

Die Vertreibung der Deutschen aus Österreich ging auch mit schmerzvollen Ereignissen einher. Mehrere Verhörprotokolle bezeugen, dass die Kinder nicht mit ihren Eltern mitgehen durften. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, als die Frauen zwischen ihren zu vertreibenden Männern und zurückbleibenden Kindern jammernd hin- und herliefen und dabei nicht wussten, wen sie wählen sollten. Ihre Bitte, auch ihre Kinder mitnehmen zu dürfen, wiesen die Aussiedlungskommissare mit folgenden Worten zurück: „Reicht es Euch nicht, dass Ihr selber zu Fronarbeit gezwungen werdet, wollt ihr auch noch Eure Kinder unglücklich machen?" (Brandner, Paul: BGT. 1939 Heft 2.)

Das Zurückbehalten der Kinder war in Österreich keineswegs eine isolierte Erscheinung. Es erfolgte laut dem Grazer Forscher Paul Dedic - der die Protokolle studierte - mit Wissen des Hofes. (Dedic, Paul: Die Verpflanzung steirischer Familien nach Ungarn in den Jahren 1752-1765. Buch der deutschen Forschungen in Ungarn. Budapest. 1941. 51.)

Die Siedler aus Deutschland kamen, laut den regionalen evangelischen Matrikelbüchern im Jahre 1778 sowie den darauf folgenden Jahren, d.h. später als die deutschen Siedler aus der Slowakei und aus Österreich. Erzherzog Joseph, der spätere Joseph II., der in Ungarn „König mit dem Hut" genannt wurde, weil er sich in Ungarn nicht hat krönen lassen, förderte die Ansiedlung der Deutschen. Er wollte die Einwohnerzahl der spärlich besiedelten Dörfer mit deutschen Familien heben. Außer spontan errichteten Niederlassungen importierten die die fleißigen Arbeitskräfte vermissenden Grundherren, im Fall von Rákoskeresztúr/Kresstur die Agenten des Grafen Gedeon von Ráday, Siedler aus verschiedenen Ländern Deutschlands. Die meisten kamen im Fall von Rákoskeresztúr/Kresstur aus Württemberg.

Der Grundherr gewährte den deutschen Siedlern Vergünstigungen, damit diese wirtschaftlich stärker werden konnten. Sie erhielten ein Grundstück sowie Baumaterial für den Hausbau, Felder - pro Familie zwei „fertály", d.h. zwei Viertel der Grundstücksfläche (NL. 2. 147) - und wurden für fünf Jahre von der Fronarbeit befreit.

In Rákoskeresztúr/Kresstur waren die Slowaken die dominante Nationalität, sie bildeten im Vergleich zu den Ungarn und auch zu den Deutschen die Mehrheit der Dorfbewohner. Die Priester der evangelischen Kirche waren slowakischer Muttersprache. 1757 waren sie in der Lage, in Rákoskeresztúr/Kresstur eine eigene Parochie zu gründen und gehörten bis dahin zu der mehrheitlich slowakischsprachigen Gemeinde von Cinkota. Jedoch darf auch nicht die Tatsache unberücksichtigt bleiben, dass die deutschen Bauern slowakische Arbeiter einstellten, weshalb sie daher auch Slowakisch können mussten. Zwischen den beiden Weltkriegen gab es keinen einzigen deutschen Landwirt, der nicht Slowakisch und auch Ungarisch gekonnt hätte. Freilich machten sie dabei Fehler und sprachen mit einem Akzent, aber die Mehrsprachigkeit war selbsverständlich.

Abb. 3. Abschlussfeier der Schüler der evangelischen Schule in Rákoskeresztúr/Kresstur im Schuljahr 1914/15. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Abb. 4. Die Einweihung des Turmkreuzes der neu gebauten evangelischen Kirche, 1943. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Die Madjarisierung in Rákoskeresztúr/Kresstur begann um 1900, unmittelbar nach den Milleniumsfeierlichkeiten im Jahre 1896. Nach 1900 wurde in den Schulen der Nationalitätenunterricht abgeschafft. In den 1880er Jahren suchte die evangelische Gemeinde noch Lehrer, die sowohl auf Ungarisch als auch auf Slowakisch und Deutsch gleichermaßen zu unterrichten in der Lage waren. An diese Unterrichtspraxis erinnerten sich die alten Leute in den 1950er Jahren zurück: „Wir mussten schon aufpassen, damit wir die für den jeweiligen Tag vorgeschriebene Sprache und das vorgegebene Lehrmaterial nicht verwechselten. Montags und Mittwochs lernten wir auf Ungarisch, am Dienstag und am Freitag auf Slowakisch und am Donnerstag und am Samstag auf Ungarisch in der Schule."

Abb. 5. Weinlesefest im Jahr 1936. Richter und Gattin. Deutsche in stilisierter ungarischer Tracht. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler

 

Die Deutschen in Rákoskeresztúr/Kresstur sonderte sich innerhalb des Dorfes ab, und zwar nicht nur wegen ihrer Sprache, sondern auch wegen der Vermögensunterschiede zwischen den Grundherren. Die den deutschen Siedlern gewährten Vergünstigungen, ihre kluge Bewirtschaftung und ihre traditionelle Sparsamkeit sowie ihr Fleiß machten sie bald zu den wohlhabendsten und angesehensten Landwirten des Dorfes. Die Häuser des von den Deutschen bewohnten oberen Dorfteiles wurden bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus gebrannten Ziegeln und mit Ziegeldächern gebaut. Ihre Wohnkultur war bereits um 1900 eine bürgerliche, dasselbe gilt auch für die Kleidung der Frauen und der Männer.

Der Vermögensvorsprung der deutschen Familien ermöglichte es ihnen -obwohl sie sich in der Minderheit befanden -, an der Führung des Dorfes teilzunehmen. Die Nennung der Familiennamen Berger, Altziebler und Schleckmann weckte sogar noch im Jahre 1957 Gefühle der Anerkennung und Ehrung bei den ungarischen und slowakischen Familien des Dorfes.

Ab der Wende des 20. Jh.s waren Eheschließungen zwischen den einzelnen Nationalitäten zwar selten, aber aufgrund der Vermögensgleichheit möglich. Wie es einem slowakischen Schwiegersohn in einer deutschen Familie erging, sollen an dieser Stelle die Worte von István Pupek aus dem Jahr 1957 demonstrieren. „1930 heiratete ich E. A. Im Haus meines Schwiegervaters war es verboten, auf Slowakisch zu reden, wenn ich es trotzdem tat, wurde ich stets deswegen mit den Worten „Du Tót (ung.: Slowake), du Bregyo" - verspottet. Ihre Kinder redeten bis zu ihrem Schulalter auf Deutsch miteinander, aber sie verstanden auch Ungarisch und Slowakisch. So richtig lernten sie allerdings erst in der Schule Ungarisch. Als sie erwachsen wurden, wurde in der Spinnstube, auf den Tanzbällen und auf der Straße generell die slowakische Sprache gebraucht.

Die deutsche Sprache wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Gemeinsprache des Dorfes endgültig verdrängt. Die kollektive Schuldzuweisung diskriminierte die Deutschen sowohl in materieller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Daher versuchten die Deutschen sich der nach außen hin sichtbaren Merkmale ihrer Nationalität zu entledigen. In dieser Zeit gaben die jungen Leute unter ihnen die deutsche Volkstracht auf und verbrannten ihre in Frakturschrift gehaltenen Bücher, darunter sogar die Bibel. Auch entfernten sie die in Frakturschrift gehaltene Verzierung aus ihrer Kleidung. Die deutschen Familien zogen sich in ihre vier Wänden zurück - freilich nur diejenigen, die noch die eigenen vier Wände, d.h. ein Haus hatten - und waren bestrebt, den Slowaken und Ungarn ähnlich zu werden.

Die Wechselwirkung der slowakischen und der deutschen Kultur lässt sich am ehesten in der traditionellen Kleidung der Frauen dokumentieren. Bevor ich die Unterschiede in der Bekleidung unter die Lupe nehmen, sollte hier als ein wesentlicher Wirkungsfaktor die Nähe der Hauptstadt erwähnt werden, die auf die Kultur, auf die Lebensweise und auf die Bekleidung gleichermaßen eine Auswirkung hatte.

Die Deutschen bauten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den schlechten, sandigen Feldmarken Roggen und an den Hügeln Weintrauben an, aber das Holz, das sie aus ihren kleinen Wäldern gewannen, deckte kaum ihren Bedarf im Winter. Bereits in den letzten Dekaden des 19. Jh.s gingen sie zum Gemüseanbau für den Markt über. „Sie bauen auf ihren Feldern in den Wiesen Gartengemüse, Kohl usw. an, und wo der Boden sich für die Kultivierung von Melonen eignet, dort kommt der Anbau dieses Obsts sehr in der Mode." Besonders fleißig baute man Wein an. Dieser Wein wird im Handel unter dem Namen „Kőbányai" geführt, benannt nach dem Namen des Nachbarortes Kőbánya - schrieb Károly Galgóczy in seinem 1855 erschienenen Buch (Galgóc-zy, Károly: Magyarország, a Szerb Vajdaság ... mezőgazdasági statistikája. Pest 1855. III. 45.).

Die Trockengarten-Ackerfeldkultur - an der auch die Klein- und Kleinstgrundbesitzer teilnehmen konnten - nivellierte die Gesellschaft und die Nationalitätenstruktur des Dorfes weiter.

Abb. 6. Tomaten liefernder Wagen, vom Markt nach Hause unterwegs, 1957. Foto: MB

 

Ähnlich wie die Dörfer um Pest mit ihren Sandfeldmarken gingen auch die Landwirte von Rákoskeresztúr/Kresstur auf den monokulturellen Tomatenanbau über, was sich als rentabel erwies. (Boross, Marietta: A nagybudapesti és pestkörnyéki paradicsomkultúra gazdasági és néprajzi vizsgálata. [Die wirtschaftliche und volkskundliche Untersuchung des Tomatenanbaus im Großraum von Budapest] NÉ. 1956. 133.) An der Marktproduktion und an dem Handel nahmen sämtliche Gutkategorien und natürlich alle Nationalitäten teil. In der Saison suchten sie mit ihren voll beladenen Fuhrwerken täglich die Pester Märkte auf.

Der Feldgemüseanbau, der viel Handarbeit erforderte, konnte der großen Anzahl der agrarproletarischen Bevölkerung des Dorfes alleine keine ausreichende Beschäftigung garantieren, daher waren viele Dorfbewohner gezwungen, in der nahen Hauptstadt eine Arbeit zu suchen. Die Frauen fanden vor allem im Baugewerbe, die Männer in den Schottergruben innerhalb der Grenzen der Gemeinde eine Arbeit. Die Pendler führten zu einem weiteren Rückgang des traditionellen bäuerlichen Brauchtums und der Nationalitätenkultur des Dorfes. Als Beispiel soll hier die Schilderung der im Jahre 1957 78-jährigen slowakischen Gewährsperson, Frau István Szlaukó stehen, die sich folgendermaßen an die 1910er Jahre erinnerte: „als ich 17-18 Jahre alt war, ging ich nach Pest und arbeitete neben den Maurern in der alltäglichen Bekleidung, die in meinem Dorf üblich war. Ich war die ganze Woche an der Baustelle, und meine Mutter brachte mir mittwochs Lebensmittel. Damals konnte ich nur Slowakisch, die Maurer lachten mich immer aus, da ich sie oft missverstanden hatte." Jene Mädchen, die am Bau arbeiteten, begannen bereits in den 1910er Jahren Höschen zu tragen: „Als sie den Mörtel auf die Baugerüste brachten, wurden sie von den unten stehenden und guckenden Maurern ausgelacht und verspottet. Ich lief am Samstag, als ich den Lohn erhalten hatte, sofort zum Garay-Platz und kaufte mir ein Rumburger-Tuch."

 

BEITRÄGE ZU DER ENTWICKLUNG DER FRAUENBEKLEIDUNG IN RÁKOSKERESZTÚR/KRESSTUR

Die traditionelle slowakische Frauenbekleidung in Rákoskeresztúr/Kresstur lehnt sich eng an die Trachten von Cinkota, Csömör/Tschermer, Kerepes und Tarcsa an. Vergleicht man die Frauenbekleidung in Rákoskeresztúr/Kresstur mit jener der oben erwähnten Gemeinden, so lässt sich feststellen, dass die Trachten in Form und Verzierung einander zwar ähnlich sind, jene von Rákoskeresztúr/Kresstur sind jedoch in der Ausführung bescheidener, zurückhaltender und bürgerlich gemäßigter. Die Bewohner von Rákoskeresztúr/Kresstur selbst hielten die Stickereien an den Trachten der anderen slowakischen Dörfer für zu bunt, und die vielen Unterröcke für zu bäuerlich. Wie sie sagten „ziehen die Bewohnerinnen von Tarcsa um die zwölf Röcke übereinander, und sehen dann aus, wie eine Hütte". Über ihre eigene Tracht stellten sie fest: „Die Kleider der Frauen und Mädchen von Kresstur sind schöner, städtischer. Sie kleiden sich feiner, ihre Bekleidung ist nicht wie die der Bauern."


Abb. 7. Junges slowakisches Ehepaar im Jahr 1957, die Frau in traditioneller Festtagstracht und Sandalen. Foto: MB

 

Abb. 8. Alte deutsche Frau auf dem Weg in die Kirche, 1957. Foto: MB

Im ersten Viertel des 20. Jh.s waren in Rákoskeresztúr/Kresstur die deutschen und die slowakischen Frauentrachten eindeutig voneinander zu unterscheiden. Die Frauen und Mädchen aus dem deutschen Dorfteil trugen weniger und längere Röcke, was von den Slowaken für „schlampig" gehalten wurde. Sie spotteten: „Da kommen die Schwäbinnen in ihren langen Röcken". Sie beanstandeten jedoch nicht nur die langen Röcke, sie fanden, die schwäbischen Frauen wären viel zu flach, würden ihre Blusen bzw. die Brustlappen kaum schmük-ken, und statt schöner bunter Verzierungen einfache Muster mit Kreuzstich auf ihre Brustlappen nähen. „Ihre Kleider sind beinahe trauervoll dunkel. Sie trugen in der Regel dunkelblaue, kaffeebraune und schwarze Kleider. Sie mochten die aus grober Wolle gefertigten Kleider und Barchentröcke, sowie die aus Spiegeltuch und Lüstermaterial angefertigten Sachen."

Nach dem ersten Weltkrieg hielt die deutsche Jugend die dunkle Tracht und lange Röcke für schlampig, unverziert und für zu einfach. Die deutschstämmige Frau Pupek erzählte, dass „in den 1930er Jahren ihre Tochter soviel nach dem kurzen Rock, verzierten Brustlappen und Hemdsärmel geweint hatte", dass sie schließlich nachgab. Der Rock durfte allerdings selbst dann nur bis zur Hälfte des Unterschenkels reichen, an den Blusen, Hemden und Schürzen wurde die Kreuzstich-Stickerei durch das gedruckte und dann das freigezeichnete Muster abgelöst, doch war dieses nicht so farbenfroh wie bei den Slowaken.

Abb. 9. Deutsche Frauen im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs (1915) mit ihren Soldatenmännern. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

HAAR- UND KOPFTUCHTRACHTEN.

Die slowakischen Mädchen trugen ihre Haare nach hinten gekämmt und geflochten. Die Flechtenspitzen wurden mit breiten Seidenbändern „vizivanje sztuhl" fixiert und unter dem Nacken durch eine große Masche bzw. an den Spitzen der Flechten durch kleine Maschen zusammengebunden. Die Mädchen konnten ihre Festhaartracht nicht alleine gestalten. „Im Dorf gab es da vier oder fünf Frauen, die imstande waren, die Haare schön zu flechten und in ein Band zu wickeln. Zu diesen Frauen gingen sonntags in der Früh an die vier oder fünf Mädchen, um sich kämmen zu lassen. Die Frauen erhielten fürs Kämmen Getreide oder jeweils ein Ei." Die Frauen, die fürs Kämmen zuständig waren, wohnten gewöhnlich in den ärmeren Teilen des Dorfes.

Die slowakischen Frauen drehten ihre langen Haare ganz oben auf dem Kopf zusammen und banden einen Knoten, den sie mit einem hufeisenförmigen Kamm, genannt „hreben", befestigten. Den aus Blech gebogenen hufeisenförmigen Kamm kauften sie von den wandernden Slowaken. Den Haarknoten befestigten sie mit einem Kamm und mit einer Haube, dem „csepjecc". Den „csepjecc" konnten alle Frauen selbst machen. Er wurde aus weißem Chiffon aus dem Geschäft angefertigt, wobei die Ränder um das Gesicht durch Schlingen und die Festhauben mit Spitze geschmückt wurden. Über den Rand wurde mit bunter Stickerei das Monogramm der Trägerin zwischen stilisierte Blumenmotive gestickt. Der „csepjecc" bildete einen Teil der Mitgift der slowakischen Frauen. Man glaubte, dass die Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens gebären wird, von der Anzahl der „csepjecc" abhängt, die sie in die Ehe mitbringt. In den 1940er Jahren nahm keine der Frauen mehr als zwei Stück mit ins neue Heim.

Abb. 10. Haube. An den Rändern gehäkelte Verzierung mit bunter Stickerei. 1957. Foto: MB

 

Manche slowakischen Frauen hatten in den 1930er Jahren die geflochtene Haartracht der deutschen Frauen gern und die Haube wurde in den 1950er Jahren nur noch von jenen Frauen getragen, die stark an der Tradition hingen.

 

DAS KOPFTUCH

Die Kopftücher der Frauen standen gleichermaßen für Alter, gesellschaftliche Stellung sowie Vermögensstufe. Aufgrund des Materials sowie der Größe der Kopftücher und der Art und Weise wie man sie band, unterschieden sich die slowakischen Frauen von den deutschen.

Das Kopftuch ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Frauenbekleidung. Die verheirateten Frauen durften ohne Kopftuch nicht auf die Straße gehen, und die slowakischen Mädchen trugen im Winter und sogar in der Arbeit ein Kopftuch.

Abb. 11. Über der Haube getragenes Tuch. Die gehäkelte Verzierung der Haube ist zu sehen. 1957. Foto: MB

 

Abb. 12. Slowakische Frauen im Festkleid am Sonntagnachmittag, 1957. Foto: MB

 

Das Material und die Farbe des Kopftuches signalisierten den Rang des Festes und den gesellschaftlichen Status der Trägerin. Das Material des Kopftuches -Seide, Samt, Kaschmir, Blaufärber - usw. zeigten den Reichtum der Trägerin an, seine Farbe und das Material signalisierten den Rang des Festes. Die Farbe des bei festlichen Anlässen getragenen Kopftuches stimmte mit jener des Kleides überein. Die Trauernden trugen ein schwarzes Kopftuch, das auch in der Fastenzeit von den Frauen und Mädchen getragen wurde. Die slowakischen Frauen trugen am ersten Sonntag eines jeden Monats in der Kirche ein rotes Kopftuch.

Die deutschen Frauen trugen große Tücher, am Wochentag in der Regel ein Blaufärbertuch, das sie von den slowakischen Blaufärbern gekauft hatten, und das „zwar teurer war als die im Geschäft, doch auch seine Farbe länger behielt." Das Material der Festtücher war aus einfarbigem oder kariertem Stoff, an wichtigen Feiertagen trug man Seidentücher, Brokattücher oder Chenilletü-cher.

Abb. 13. Deutsche Mädchen und junge Frauen am Sonntagnachmittag, 1931. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Die Tuchtracht der slowakischen Frauen war lebhafter, farbiger und vielfältiger. Sie kauften die Tücher auf dem Garay-Markt oder im Dorf, beim Händler Mór Seidelberger. Seidelberger bestimmte praktisch die Mode im Dorf. Wenn ein neues Tuchmaterial oder eine neue Verzierung von den Frauen des Dorfes akzeptiert wurde, kamen diese Textilien in Mode, wenn jedoch die Dorfbewohnerinnen keinen Gefallen an diesen Stoffen gefunden hatten, so wurden sie auch nicht gekauft.

Abb. 14. Von Tárcsa durch Heirat nach Rákoskeresztúr/Kresstur gekommene junge Frau in einem Chiffontuch mit durchbrochener Maschinenstickerei. Das Monogramm und die Verzierungen wurden mit rotem Zwirn genäht. In der Hand hält sie ein verziertes Taschentuch, 1957. Foto: MB

 

Die slowakischen Frauen trugen an Werktagen den „Rumburger", ein glänzendes Stofftuch. Seine Farbe richtete sich nach dem jeweiligen Anlass, es gab weiße, rote, schwarze, gelbe, gestreifte und getüpfelte Rumburger usw. Selbst das ärmste Mädchen besaß von diesen Tüchern um die 20-25 Stück. Auf den Saum des Tuches „nähten wir unsere Namen in slowakischen Buchstaben." Die gewaschenen Tücher wurden am Wochentag, die häufig gewaschenen Alltag und bei Schwerstarbeit getragen.

Das aus weißem Leinen angefertigte, mit reicher Stickerei verzierte Tuch, das „visivani" zählte sogar in dem slowakischen Ortsteil zu den Seltenheiten. So ein Tuch wurde von denjenigen jungen Frauen aus Tarcsa, Csö-mör/Tschemer oder Cinkota getragen, die durch Heirat in das Dorf gekommen waren. Die Aufschrift des weißen, löchrig gestickten Tuches sowie der Name seiner Trägerin wurden mit roter Baumwolle genäht, und die Buchstaben wurden durch eine fünfzackige Krone oder durch ein stilisiertes Blumenmotiv getrennt und verziert. Das Mädchen erhielt das Kopftuch, dessen Rand mit einer schlingenförmigen Zierstickerei geschmückt war, im Alter von dreizehn bis vierzehn Jahren und nähte das Muster selbst. Die Braut erhielt das sog. verzierte Tuch, das eine Maschinenstickerei schmückte.

 

DER SCHMUCK

Die Pracht der festlichen Tracht war nur dann vollkommen, wenn über die Bluse mit einem Stehkragen sieben bis achtmal glänzend weiße Perlenketten gelegt wurden.

Die deutschen Frauen trugen goldene Ketten, goldene Anhänger und Ringe mit blauen Steinen. An gewöhnlichen Feiertagen wurden Perlen um den Hals gehängt, aber nur in zwei bis drei Reihen. Nach 1920 erhielten die ungarndeutschen Mädchen anlässlich der Konfirmation den ersten Schmuck von ihren Taufpatinnen. Dieser bestand gewöhnlich aus einer goldenen Kette mit einem Anhänger oder mit einem Kreuz. Die ärmeren Mädchen trugen eine silberne Kette und einen silbernen Ring.

 

DAS SCHUHWERK

Die slowakischen Mädchen und Frauen trugen sowohl an weniger wichtigen als auch an wichtigen Feiertagen Stiefel. Die Juchtenstiefel wurden von dem örtlichen Schuster angefertigt und hinten zusammengenäht. Die von diesen Frauen getragenen Stiefel richteten sich nach westeuropäischen Vorbildern. (Gáborján, Alice: A NM lábbeligyüjteménye. I. Csizmák. NÉ. 1959.) Bis 1914 heirateten die slowakischen Bräute in Lackstiefeln, die deutschen Mädchen in Spangenschuhen.

Das Schuhwerk der deutschen Frauen für den Alltag war der Schuhstrumpf, den man aus dicker Wolle gestrickt hatte, und der mit derber Sackleinen und später mit dem Schlauch von Fahrrädern besohlt war. An Feiertagen trug man hohe Schnürschuhe und Halbschuhe, wobei letztere entweder Schnür- oder Spangenschuhe waren. Ein typisch deutsches Schuhwerk waren die sog. „eve-laszting'VEverlasting-Schuhe. Die aus glänzenden Wollstoff angefertigten Schuhe waren meistens hohe Schnürschuhe, manchmal mit Lackeinlagen.

In den Dörfern entlang des Baches Rákos kamen - durch das Wirken eines Schusters in Rákospalota/Palota - die gestickten Schnür- und Spangenschuhe mit einer samtbestickten oberen Seite in Mode. Diese mit Samt bestickte Oberseite wurde mit Leder und Lack kombiniert und mit einem Stepp-Stich verziert. Die Mädchen durften im Alter von dreizehn Jahren solche bestickten Samtschuhe bekommen. Frauen jenseits der 40 waren jedoch besser beraten, solche Schuhe nicht mehr zu tragen. Die Samtschuhe wurden von den slowakischen und ungarischen jungen Mädchen und Frauen getragen.

Abb. 15. Bestickter Spangenschuh mit einer Verzierung aus Lack und Leder, 1957. Foto: MB

 

In der Zwischenkriegszeit lösten die in den Geschäften gekauften Schuhe das für die Nationalitäten typische Schuhwerk ab. An Feiertagen trug man aus schwarzem Boxleder gefertigte Schuhe mit einer oberen Seite aus Antilopenleder. Im Alltag waren die aus starkem schwarzem Boxleder angefertigten geschnürten Halbschuhe beliebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zunächst die Sandalen für Feiertage, später auch für alltägliche Anlässe in Mode. Für die Arbeit und für zu Hause wurden von beiden Nationalitäten die aus schlechtem Stiefelschaft gefertigten Lederpantoffel getragen.

Im Winter und an Feiertagen trug man Strümpfe, die bis zu den Knien reichten. Die deutschen Frauen strickten die Strümpfe aus Wolle und Hanfgarn. Ab der Wende des 20. Jh.s wurden auf dem Garay-Markt - zunächst nur von den slowakischen Frauen - die dicken Strickstrümpfe gekauft, die bereits in kleinen Betrieben hergestellt wurden. Die Deutschen bevorzugten die Farben Weiß und Schwarz, die Slowaken ebenfalls, und darüber hinaus vor allem die sog. „Blaustein-Farbe", die bis 1945 getragen wurde, danach aber nicht mehr als modisch galt. Die Strümpfe wurden unterhalb des Knies mit einem Strickband, später mit einem Strumpfband aus Gummi befestigt. Die Strümpfe wurden im örtlichen Geschäft und auch von den wandernden Handelsleuten gekauft.

 

UNTERWÄSCHE, HAUSGEWEBTE STOFFE

Das Material aus dem die Unterwäsche - Hemd und Unterrock - hergestellt wurde, war in Rákoskeresztúr/Kresstur wie überall im Land das Hanfleinen. Die Fronwirte teilten untereinander die für den Hanfanbau geeigneten Felder um das Dorf herum in Flure mit den Namen „Gyógyserét" und „Merse" auf. Die Hanfanbaufelder waren meistens im Besitz der deutschen Landwirte des oberen Dorfteiles. „Viele slowakische Mädchen dienten bei den deutschen Landwirten. Sie säeten und bearbeiteten den Hanf, entweder gegen eine Beteiligung oder für einen Tageslohn, und machten daraus Hanfgarn." Man kann die Aufarbeitung des Hanfes eindeutig mit den slowakischen Frauen in Verbindung bringen. Der Beweis dafür ist, dass sich sämtliche Spinnstuben im Tabán, also im slowakischen Ortsteil befanden. Die Frauen hielten hausgewebte Stoffe nach dem Ersten Weltkrieg für zu grob. Aus Hanfgarn wurden weiterhin Säk-ke, handgewebte Planen sowie Textilien angefertigt, die in der Wirtschaft verwendet wurden. Das Garn wurde nicht zu Hause zu Hanfleinen gewoben. János Rubics war vor dem Ersten Weltkrieg in Rákoskeresztúr/Kresstur der Webermeister, der nicht nur einfache, sondern auch stilisierte Vogelmuster webte. János Rubics konnte aber die Nachfrage aus dem Dorf alleine nicht decken, also webten auch die Weber von Péteri (Komitat Pest, Landkreis Gyömrö) viel für die Bewohner von Rákoskeresztúr/Kresstur.

Abb. 16. Tischtuch aus hausgewebtem Stoff mit rotem Muster. Die beiden Ränder des hausgewebten Soffes werden durch Spitze zusammengehalten, 1957. Foto: MB

 

Abb. 17. Das Mangeln des Tischtuches aus hausgewebtem Stoff im Dorfteil Tabán. Das Foto wurde an der „Rakosmenti"-Ausstellung im Jahr 1957 gemacht. Foto: MB

 

UNTERROCK, „RUBÁCSKA"

Die unterste Schicht der Frauenbekleidung ist der Unterroclc (ung. „pendely"), der von den slowakischen Dorfbewohnern „rubácska" genannt wurde. Die Breite des Leinens entsprach gleichzeitig der Breite des Unterrockes. Je nachdem, wie breit das Leinen war, aus dem der Unterrock genäht wurde, wurde letzterer „Drei-" oder „Vier-Breiten-Unterrock" genannt. Diese Planen wurden zusammengenäht, der untere Teil mit Ajourstickerei befestigt. Der Leibbund wurde durch einen gesponnenen Bindfaden an dem Kreuz befestigt. Die Unterröcke für die Feiertage wurden mit aus weißem Garn angefertigter Spitze verziert. Der Unterrock bildete einen wichtigen Teil der Mitgift des Mädchens. Slowakische Mädchen erhielten als Mitgift gewöhnlich fünfzehn handgewebte Unterröcke für den Alltag und zehn aus Leinen angefertigte Unterröcke aus dem Geschäft für die Feiertage.

Die deutschen Frauen trugen keinen Unterrock, sondern dafür ein langes, Kurzarmhemd, das vorne zugeknöpft werden konnte. Die dreieckige Einlage des Hemdsärmels, die „Zwickl" und die Ausweitung des unteren Teiles des Hemds wurden von Hand mit einem Zierstich am Material befestigt. Den Unterrock trugen die deutschen Frauen erst nach der Übernahme der verschiedenen Elemente der slowakischen Tracht.

Das Tragen von Unterröcken gaben um 1916 jene slowakischen Mädchen auf, die neben den Maurern in Pest arbeiteten. „In dieser Zeit trug niemand (unter den Frauen) im Dorf, nicht einmal die deutschen Frauen Hosen. Niemand im Dorf konnte eine Hose nähen. Die Hosen wurden von Näherinnen aus Cinkota für die Mädchen angefertigt, die bei Maurern arbeiteten. Die deutschen Frauen begannen während des Ersten Weltkrieges Hosen zu tragen."

Der fest gebügelte Unterrock gehörte zur Festtracht der slowakischen Mädchen.

Der gebügelte Rock wurde aus Chiffon angefertigt, wobei dafür etwa 4-5 Meter Stoff benötigt wurden. Das Material wurde dabei gerafft und der Saum mit Spitze aus dem Geschäft verziert. In Rákoskeresztúr/Kresstur wurden nicht mehr als drei bis vier Unterröcke getragen. In Cinkota und Csömör/Tschermer wurden gewöhnlich neun Unterröcke von den slowakischen Mädchen getragen.

 

HEMD, „OPLECKO, KOSALA, HEMED"

Das Hemd für den Alltag, slowakisch „kosala" wurde ähnlich wie der Unterrock aus Hanfleinen angefertigt. Die slowakischen Frauen trugen wochentags zusätzlich zum Unterrock ein Hemd mit engen Ärmeln. An der Wende des 20. Jahrhunderts wurden die Hemdsärmel mit einem bunten Garn geschlingert und das Schulterpolster aus Fabriksleinen genäht. Sowohl die deutschen als auch die slowakischen Frauen bevorzugten das Hemd mit eingenähten Ärmeln. (Gáborján, Alice: NL. 2. 629.)

Die Verzierung des Hemdsärmels erfolgte bei den Slowaken mit einer bunten Kreuzstich-Stickerei, während die deutschen Frauen ein blau-schwarzgrünes Garn verwendeten. Gestickt war außerdem das die Öffnung des Hemdes abschließende Bauchband, „haspánt".

Abb. 18. Junge slowakische Frauen mit „Bauchband-Hemd" mit engen Ärmeln und besticktem Mieder, 1957. Foto: MB

 

Auf dieses Bauchband wurde zwischen stilisierten Blumenmotiven das Monogramm genäht. Die deutschen Frauen stickten sogar die Nummer des Hemdes auf dieses Kreuzband. Die Kreuzstich-Stickerei wurde von der gedruckten- und später von der frei gezeichneten Stickerei abgelöst. Die gedruckten Muster wurden durch Plattstickerei und die frei gezeichneten Muster mit Ketten- und Stielstich sowie Plattstickerei genäht. Die Frauen, die die frei gestalteten Muster vorgezeichnet hatten, strebten nach einer naturalistischen Darstellung.

Die frei gezeichneten Muster folgten anfangs den detaillierten Mustern der Druckhölzer. In den 1930er Jahren verbreitete sich die löchrige Stickerei der Hemdsärmel. Nach dem Vorbild der Mädchen aus Tarcsa trugen die slowakischen Mädchen aus Rákoskeresztúr/Kresstur die Ärmel des Hemdes „oplecko" mit einem bunten Seidenband, das in der Form von Schmetterlingen gebunden war.

Die deutschen Frauen und Mädchen trugen vor dem Ersten Weltkrieg keine reich bestickten Hemden. Die Hemden waren lang, in einem geschneidert und hatten enge Ärmel. Die Hemdsärmel wurden von einem gestickten Schwalbenschwanzmuster oder einer bescheidenen Kreuzstich-Stickerei gesäumt. Die Farbe des Garns war bei Jugendlichen blau, bei Personen über 40 lila, schwarz oder braun. Beachtenswert sind die „Zwickl", die der Verbreiterung des unteren Teiles von langen Hemden dienten und die bei den Festtagshemden aus Nadelspitze oder Häkelspitze bestanden.

 

LEIBCHEN, „PRUSZLIK, PRUSZLAK, LEIBL"

Dieses Kleidungsstück ist seit dem 18. Jh. ein unerlässlicher Teil der deutschen Tracht und diente vor allem dazu, der Brust eine bestimmte Form zu verleihen und sie auch abzuflachen. Die deutschen Frauen trugen es unter der Bluse, es wurde aus Hanfleinen angefertigt, hatte eine Fütterung, wurde aus drei oder mehr Stücken genäht und konnte vorne zugeknöpft werden. Das unverzierte „Leibl" wurde außerdem aus Flanell, Barchent, später aus Chiffon genäht. Die einzige Verzierung dieses Leibchens war, dass die einzelnen Stücke mit einem bunten Garn zusammengenäht wurden.

Das „pruszlik" als Festtracht verbreitete sich nach bürgerlichem Vorbild in den letzten Jahren des 19. Jh.s bei den Bauern in Rákoskeresztúr/Kresstur. Das als Oberbekleidung getragene „pruszlik" war verziert. Anfangs wurde nur rotes Garn verwendet, später nahm man das sog. „Csabaer Blaue" Garn. Man verzierte und bestickte das Leibchen zwischen den beiden Weltkriegen mit gelbem, grünem und rosarotem Garn.

Die Verzierung wurde von dem Tragen des Schultertuches bestimmt. Die Stickerei wurde auf dem Rücken des „Pruszlik" platziert, da der vordere Teil ja von dem Tuch bedeckt war.

Die festlichen Mieder der deutschen Frauen und Mädchen wurden aus feinen Materialien, aus Seide, Samt und Brokat angefertigt und mit im Geschäft erhältlichen Spitzenstoffen oder Perlen verziert bei den Slowaken. In den 1930er Jahren wurden auch Mieder mit einem „Richelieau"-Muster angefertigt, deren Futter bunte Atlas-Seide war.

Die zweite Hälfte der 1930er Jahre war ein Meilenstein bei der Verzierung der Mieder; als das Schultertuch zurückgedrängt wurde, wurde das Leibchen zum Oberkleid. Seitdem wurde die gesamte Oberfläche des Mieders verziert.

Die hier vorgestellten Illustrationen weisen auf die Veränderungen der Verzierungen der Mieder in Rákoskeresztúr/Kresstur hin.

1. Schwarzes Mieder mit maschinengesticktem Blumenmuster, mit Leinen gefüttert und mit Spitze verziert. Gehörte zu der feierlichen Bekleidung der deutschen Mädchen.

Abb. 19. Schwarzes Mieder aus Atlas mit goldener Spitzenverzierung, es wurde von den Frauen des deutschen Dorfteiles im Jahre 1914 getragen, 1957. Foto: MB

 

Abb. 20. Trauer-Mieder, 1957. foto: MB


2. Trauer-Mieder. Es wurde mit einem stilisierten Blumenmuster aus schwarzem Garn bestickt. Die Verzierung erscheint - wenn auch bescheiden -ebenfalls am vorderen Teil des Mieders. Dieses Stück wurde von den slowakischen Frauen bei der Trauer getragen bzw. auch wenn sie älter wurden.

Abb. 21. Mit Mustern verziertes, frei vorgezeichnetes Mieder aus weißem Leinen. Die Verzierungen wurden mit einem blauen Faden genäht. Die Slowaken trugen es, wenn sie trauerten. 1957. Foto: MB

 

3. Mieder aus weißem Chiffon mit durchbrochener Stickerei und aus hellblauer Atlasseide, gefüttert. Auf der Rückenseite ist zu lesen: ZUZO 1936. Gehörte zu der feierlichen Bekleidung der slowakischen Mädchen.

Abb. 22. Maschinengesticktes Mieder aus weißem Leinen mit durchbrochener Stickerei und hellblauem Atlaseinsatz. Aufschrift: „ZÚZO 1936." 1957. Foto: MB

 

4. Mieder aus weißem Chiffon. Die Stickerei bedeckt die gesamte Oberfläche und hat lebhafte Farben. Solche Mieder wurden nach dem Zweiten Weltkrieg angefertigt und sowohl von den deutschen als auch von den slowakischen Mädchen getragen.

Abb. 23. Mieder auf weißer Leinengrundlage mit bunter Stickerei. Es wurde von Frau Kovács im Jahre 1943 vorgezeichnet, 1957, Foto: MB

 

JACKE MIT ÄRMELN PELZMANTEL, „PELZJANGEL"

„Den Pelzmantel erhielten die schwäbischen Mädchen als Teil der Aussteuer wenn sie Bräute wurden. Vor 1914 hatten die Mädchen keinen Anspruch auf Grund und Boden, und erhielten als sie heirateten eine Kuh, eine Kiste voll mit Stoffen für Kleider und Haustextilien sowie einen Pelzmantel". Der Pelzmantel wurde von einem deutschen Schneider aus schwarzem Spiegeltuch angefertigt und mit Wattelin bzw. mit flauschigem Flanell gefüttert. Der Samt wurde mit Persianer ausgenäht. Der Schnitt des Pelzmantels wurde bis zur Taille der Figur angepasst. An der Hüfte konnte er mit einer gekräuseltes, plissierten Klammer verschlossen werden.

Pelzmäntel kamen in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg aus der Mode. Neuere wurden nicht mehr angefertigt, die alten Pelzmäntel wurden von den älteren Frauen in der Kirche bzw. später bei der Arbeit zu Hause getragen.

 

DIE BLUSE, „NYÁRIKA, KACAMAJKA, LEVESCH"

Die meisten bürgerlichen Elemente sind in der Bauernbekleidung, und zwar in der Oberbekleidung mit Ärmeln enthalten. Diese wurden nach Schnittmustern angefertigt und die einzelnen Stücke mit der Nähmaschine zusammengenäht. Überhaupt ist es wichtig bei der Entwicklung der bäuerlichen Bekleidung auf die beginnende Verwendung der Nähmaschine hinzuweisen. Dies erfolgte in Rákoskeresztúr/Kresstur 1914, als die slowakische Frau, Kati Petrovszki (1888-1967) für 55 Kronen eine Nähmaschine kaufte. Sie nähte mit dieser Nähmaschine die „Kacamajka" und „die Levesch" der deutschen Frauen bzw. die Blusen, „Nyárika" und Schürzen im slowakischen Ortsteil. Sie nähte gegen Bezahlung und nahm diese in Naturalien nicht an, da auch sie Grund von fünf Katastraljoch besaß. Die Blusen, die den Oberkörper bedeckten, trug man über dem Hemd bzw. dem Mieder.

Abb. 24. Das Foto wurde bei der Silberhochzeit eines alten deutschen Ehepaares im Jahre 1890 gemacht. Auf dem Foto sind András Altziebler und seine Frau Éva Bartók zu sehen. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Tuchmäntel wurden von beiden Nationalitäten getragen und konnten aus Tuch, aus maschinengestickter schwarzer, rosa- oder bordeauxfarbener Seide, aus Brokat, Moldon, Barchent, Lüster, Schafwolle, Karton oder Blaufärberware angefertigt werden. Die „Kacamajka" war ein sehr figurbetontes Kleidungsstück, das mit weißem Flanell und glänzender schwarzer Seide gefüttert war.

Die „Kacamajka" zu feierlichen Anlässen wurde mit Perlen und Schnüren später mit weißem, blauem und grünem Garn gesteppt verziert. Die Anfertigung der „Kacamajka" war also kostspielig. Für die Verzierung war ein fünf Meter langes, mit Perlen besetztes Band notwendig, das beim Schnittwarenhändler Vámos auf dem Garay Platz gekauft wurde, wobei ein Meter dieses Stoffes 2 Kronen kostete. Als Vergleich sei hier mitgeteilt, dass der Tagelohn für Männer damals 1 Krone betrug.

Ein wohlhabendes deutsches Mädchen hatte damals auch noch acht Tuchmäntel, diese verziertenTuchmäntel begleiteten die feierlichen Momente seines Lebens. Die verzierten Tuchmäntel wurden dann an die Töchter weitervererbt. Diese Mode dauerte bis zur Mitte der 1930er Jahre. Sie war zu jener Zeit die Kleidung der älteren Frauen, in diesen Kleidern ließen sie sich begraben.

Abb. 25. Deutsches Mädchen im Festtagskleid. Auf dem Foto ist Katalin Altziebler, die Hebamme des Dorfes im Jahre 1920 zu sehen. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Die „Lewesch" oder „Löwösch" war eine Festtags- und Alltagstracht, ohne Fütterung, eng an der Taille, über der Hüfte gekräuselt, die Rückseite mit einer Saumnaht verziert.

Bluse und „Rekl" wurden von beiden Nationalitäten getragen. Die Mehrzahl der Blusen hatte einen Stehkragen, auf der Brust und auf dem Rücken wurden die Blusen mit einer Saumnaht verziert. Vorne hatten sie eng aneinander liegenden Knöpfe. In den 1930er Jahren kam die Bluse mit Apachenkragen in Mode.

Abb. 26. Slowakische Frau, die eine Bluse mit Stehkragen und eine Haube tragt 1957. Foto: MB

 

Abb. 27. Slowakische Frauen am Sonntagnachmittag im Festtagskleid, 1957. Foto: MB

 

Neu waren in den 1930er Jahren die weißen Grenadine-Blusen, die vor allem bei den Jugendlichen in der Sommerzeit in Mode waren. Sie hatten sie gern, weil das darunter getragene Leibchen mit bunter Strickerei zu sehen war.

 

DER ROCK, „SZUKNYA, RÖCKL"

Der Rock ist dasjenige Kleidungsstück, an dem der Unterschied zwischen den Trachten, die von den beiden Nationalitäten getragen wurden, am offensichtlichsten war. Die Frauen des deutschen Dorfteiles trugen einen bis zum Knöchel reichenden Rock aus dunklem Material. Der untere Rand des Rockes wurde mit einer Bürstenkordel (Paspel aus Borsten) gesäumt, wodurch der untere Teil des Rockes vor Abnutzung geschützt wurde. Das Material der Röcke entsprach eigentlich dem Material des Obereiles. Im Winter wurde der sogenannte „Wohlmut"-Rock getragen, der aus kariertem Stoff oder Flausch geschnitten und mit weißem Flannel gefüttert war. Zum Rock wurden sechs „szél" - im volkstümlichen Sprachgebrauch ein Längenmaß, 1 „szél" = 80-100 cm (NL 4.627)-Stoff gekauft.

Die Röcke der slowakischen Frauen waren kürzer, sie reichten kaum bis zum Knie. Die sechs bis sieben „szél" Stoff wurden an der Taille zu einem Bund gefaltet. Der Vorderteil des Rockes war immer glatt, in der Regel wurde er aus einem vom Stoff des Rockes abweichenden Tuch hergestellt. Die als „Flecken" bezeichnete Einlage stellte genügend Platz für die tiefe Tasche zur Verfügung. In der Tasche trug man die Münzen und das Taschentuch. Die Slowaken säumten den unteren Teil des feierlichen Rockes mit dem „Wiener roten" Stoff. Anfang der 1950er Jahre kaufte man in den staatlichen Warenhäusern bereits „rotes Tuch aus Keresztár" zur Saumnaht der Röcke. Die evangelischen slowakischen Frauen trugen nach ihrem vollendeten 30. Lebensjahr nicht mehr rot eingefasste Röcke, während die Ungarn „auch noch betagt, rotgesäumte Röcke trugen". Die Werktagsröcke wurden mit rotem Stoff und die Feiertagsröcke mit Streifen, Spitze und Samt verziert.

Die rote Saumnaht des unteren Teils der Röcke entwickelte sich aus der Notwendigkeit heraus. Während des Ersten Weltkriegs wurden die abgenutzten Ränder des Rockes eingesäumt, später galt der Rock nur als fertig, wenn er mit rotem Stoff zugenäht wurde.

Für einen Rock wurden sechs bis acht Meter Stoff gekauft. Den Rock haben sich die Frauen selbst genäht. Die meisten Röcke wurden mit der Hand genäht und an der Taille zu einem Bund gefaltet. Die Rockweite wurde durch winzige Falten reduziert.

 

DIE SCHÜRZE. „SURC, FERTUSKA, SATA, SZAKÁCSKA, GLANZSCHÜRZE, BRUSTSCHÜRZE, SCHLINGELSCHÜRZE"

Die vielen Bezeichnungen weisen auf die verschiedenen Funktionen dieses Kleidungsstückes hin, die es in der Tracht der Frauen in Rákoskeresztúr/Kresstur erfüllt hat.

Abb. 28. Gesteppte Schürzenränder (nach der in Cinkota üblichen Technik angefertigt); dienten als Muster für die Entwicklung der Tracht der Slowaken in Räkoske-resztúr/Kresstur, 1926, Foto: Sándor Gönyey, NMF. 70.759.

 

Die aus dem Blaufärber angefertigte Brustschürze, „Sure" wurde von den deutschen Frauen getragen. Die einzige Verzierung der Schürze bestand in einem Schriftzug in Fraktur. Bei älteren Frauen wurden die Anfangsbuchstaben mit grünem und schwarzem Faden auf das Brustteil genäht.

Die aus Blaufärber gefertigte Halbschürze wurde von beiden Nationalitäten während der Arbeit getragen. Die Schürze mit der Bezeichnung „szakácska" wurde aus einem 1,80m langen Stoff genäht. War die Frau kleinwüchsig, dann war das Band der Schürze breit. Bis zum Ersten Weltkrieg war das gefärbte Hausleinen das Material, aus dem die Schürze bestand, ihre Verzierung bestand aus den in zwei Ecken genähte Muster und Namen.

Abb. 29. Blaufärber-Schürze, an den Ecken durchbrochene Maschinenstickerei-Verzierung. Aufschrift: „HAMER ZUZKA". Die Schürze wurde im Jahre 1940 genäht, 1957. Foto: MB

 

Mit zunehmender Verbreitung der in Textilfabriken hergestellten Stoffe wurden die Kreuzstich-Muster mit Hilfe von Tüllaufsätzen auf die Schürze genäht.

Die deutschen Frauen nähten ihren Namen oder ihr Monogramm in die beiden Ecken der Schürze. Der Umfang des Textes richtete sich nach dem Platz des ausbleibenden Stoffes, entweder wurde die ganze Aufschrift oder die ersten drei Buchstaben, später nur noch der erste Buchstabe in Frakturschrift genäht.

Die jungen slowakischen Mädchen nähten um die Monogramme in die beiden Ecken der Schürze einen Kranz oder ein Blumenmuster. Besonders reich bestickt wurden die Ecken der Schürzen, die mit freier Hand gezeichnet wurden. Der untere Rand der Schürze wurde vor dem Ersten Weltkrieg noch flach eingenommen, zwischen den beiden Weltkriegen wurde er aufgrund von Einflüssen aus Cinkota und Tarcsa mit gesteppter Verzierung aus weißer Baumwolle verziert. Nach den Vorbildern aus Tarcsa nähten einige slowakische Mädchen den unteren Teil der Schürze mit einer breiten Girlande aus. Die gewaschene Blaufärber-Schürze konnte man während der Arbeit und auch auf dem Markt tragen.

Die Schlingelschürze, „Fertuska" wurde aus weißem Fabrikstoff hergestellt. Während des Ersten Weltkriegs wurde sie nicht bestickt, die einzige Verzierung war am unteren Rand die besetzte Saumnaht. Später wurde sie mit maschinell hergestellten Stickmustern sowie durchbrochener Handstickerei verziert. Besonders schön waren die Brautschürzen, die mit duchbrochener maschinell und händisch angefertigten Stickmustern dekoriert wurden.

Abb. 30. Deutsche Braut in beigefarbenem Kleid auf Brokatgrundlage mit einer weißen sog. „Fertuska"-Schürze, 1931. Das Hochzeitsfoto von Róza Altziebler und Károly Mirák. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

„Sata" hieß die Festtagsschürze der slowakischen Frauen, zu der man zwei Meter schwarze Kloth brauchte. Die Breite des Stoffes wurde in den Kragen der Schürze „gefaltet" eingelegt. Die weite schwarze Schürze wurde mit maschinengestickten Mustern am Saum verziert.

Die „Glanz"-Schürze war, wie auch der Name sagt, glänzend, sie war in den 1930er Jahren verbreitet, als die Einwohner von Fót damit in Rákoske-resztúr/Kresstur hausieren gingen. Die Grundlage der Schürze war Blaufärberstoff aus Hausleinen, der mit einer Mischung aus Eiweiß und Reisstärke bestri-chen wurde. Sie wurde dann halbtrocken mit einem Glas-„Bügeleisen" gerieben, damit sie glänzen. Diese Schürze trugen die slowakischen Jugendlichen an Feiertagen beim Tanzen. Die Frauen durften sie nach Vollendung des 40. Lebensjahres nicht mehr tragen.

 

DAS UMHÄNGETUCH. „HALSSTICHL"

Das Umhängetuch war ein ergänzendes Kleidungsstück der Frauentracht. In der ungarischen Volkstracht ist es seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jh.s bekannt. (NL. 5. 46f.) Die deutschen Siedler haben das Umhängetuch bereits in ihrer Heimat gekannt. Das Umhängetuch war je nach seinem Stoff ein Kleidungsstück für den Werk- bzw. Feiertag sowie als Schutz vor der Kälte gedacht.

Abb. 31. Junge slowakische und deutsche Mädchen vor der für den Abriss reifen, alten evangelischen Kirche, 1945. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Die deutschen Frauen trugen im Winter große (200cm x 200cm), karierte oder glatte Umhängetücher mit Fransen an den Rändern. Die slowakischen Frauen schützten sich im Winter mit einem Berliner Tuch - aus Berliner-Wolle - oder mit einem handgestrickten Tuch gegen die Kälte.

Tafel I. - Mit rotem Baumwollgarn bestickter Tuchrand. Der Name der Besitzerin „Hegedűs Mari" wurde mit ungarischen und gotischen Buchstaben gestickt.

Zu einer anderen Art von Umhängetüchern gehört das „verzierte Umhängetuch", das zu festlichen Anlässen getragen wurde. Es bestand aus Kaschmir, Seide und Brokat. Das Umhängetuch wurde in ein Dreieck gefaltet und um den Hals gebunden und in viele Falten gelegt. Die Ränder der Tücher wurden gehäkelt und später mit Fransen besetzt. Die Slowaken in Rákoskeresztúr/ Kres-stur waren Meister der Fransenbindung. Aus dem Garn wurden Blumen- und Pflanzenmuster sowie geometrische Formen in die Fransen der Tücher geknotet. Die verzierten Seidentücher, die manchmal auch bestickt wurden, kaufte man auch von den Matyó-Frauen, die mit ihren Tüchern in den Dörfern in der Umgebung von Pest hausieren gingen. Die bestickten Tücher trug man ab den 1930er Jahren in der Kirche und jene Tücher, die weniger verziert waren, wurden beim Nachmittagstanz getragen. Die ärmeren Frauen verzierten ihre Tücher selbst. Das zugeschnittene Umhängetuch ist ein Zeichen der Sparsamkeit mit dem Stoff. (Edit Fél, Népviseletek [Volkstrachten] Bp. 1962.18.)

Abb. 32. Deutsche Mädchen, die Umhängetücher mit Seidenfransen tragen, 1912. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Mit den Slowaken verbindet man die nach dem Vorbild der Trachten in Cinko-ta und Tarcsa gefertigten Tücher aus weißem Batist und Chiffon mit Lochstik-kerei. Diese waren im allgemeinen 150cm x 150cm groß. Die Tücher wurden mit dem aus rotem Garn gestickten Namen sowie mit der den Namen trennenden Verzierung, mit stilisiertem Blumenmuster oder mit der fünfzackiger A-delskrone verziert. Die bestickten Tücher waren die Kleidungsstücke der Mädchen an Feiertagen.

 

DAS TASCHENTUCH

„In der traditionellen bäuerlichen Kultur diente das Taschentuch als Zierde und ergänzendes Kleidungsstück der Festtagstracht." (NL. 5. 631.) Obige Feststellung gilt für die Gewohnheiten beim Gebrauch des Taschentuchs, vor allem bei den slowakischen Frauen und Mädchen in Rákoskeresztúr/Kresstur. Die Mädchen in heiratsfähigem Alter trugen sonntags, wenn sie in die Kirche gingen, ihr Gebetsbuch im verzierten Taschentuch, daneben hatten sie noch eine Blume oder einen Rosmarinzweig in der Hand. Das Taschentuch hatte auch am Nachmittag während der Tanzveranstaltungen eine Funktion. Wenn der Bursche das Mädchen um sein Taschentuch bat und das Mädchen es ihm gab, dann konnte sich der Bursche auch weiterhin noch Hoffnungen machen.

Die Braut schenkte dem Bräutigam an allen drei Sonntagen des Heiratsaufgebotes in der Kirche ein verziertes Taschentuch. Die Mädchen rivalisierten miteinander, wer ihrem Bräutigam ein schöneres und zierlicheres Taschentuch geben kann. Der jeweilige Bräutigam trug das Taschentuch in seiner Westentasche.

Abb. 33. Stecktuch aus dem slowakischen Dorfteil, an den Rändern mit gehäkelter Spitze, über der Saumnaht mit Ajour-Technik gefertigte Stickerei. An den Rändern wurde der Name des Eigentümers mit Kreuzstickerei ausgenäht: „FILI - ZÚZA - FILIP ZUZKA". Die Ecken verzieren die vom Mustertuch genommenen Muster. 1957. Foto: MB

 

Die Taschentücher waren in der Regel 20cm x 20cm groß aus weißem Leinen, die Ränder zierte Handspitze oder Maschinenklöppelspitze. An den Rändern des Stoffes stickten die Mädchen mit einer aus der Bibel oder aus sonstigen Büchern mit religiöser Thematik entnommenen sog. slowakischen Schrift ihre Namen bzw. entsprechend dem vorhandenen Platz soviel von ihren Namen, soviel sich ausging. Der Name des Mädchens wurde in der Regel auf zwei Seiten des Taschentuchs mit ungarischen, und auf den anderen beiden Seiten mit slowakischen Buchstaben ausgeschrieben. Auf der Abb. 33 wurde mit Kreuzstickerei ausgeschrieben: „FILIP ZUZKA - FILI ZÚZA". An den Ecken sind von den Musterstreifen abgenommene stilisierte Blumenmuster, ein Vogel und ein Kranz zu sehen.

Abb. 34. Religiöses Buch in slowakischer Sprache. Auch Textilien wurden mit solchen Buchstaben bestickt. Das Buch wurde 1892 herausgegeben. 1958. Foto: MB

 

Die Taschentücher der deutschen Mädchen waren bescheiden verziert. In der Regel stickten die Mädchen mit weißem Wollfaden auf weißes Leinen ihre Namen und stilisierte Muster. Die Ränder wurden mit gehäkelten Mustern verziert. Zwischen den beiden Weltkriegen stickten und trugen auch die deutschen Mädchen auf Einfluss der slowakischen Mädchen bunte Taschentücher.

 

DIE FESTTAGSTRACHTEN

Die Festtagstracht der Mädchen und Frauen in Rákoskeresztúr/Kresstur passte sich den kirchlichen und familiären Festtagen an. Die verzierten, bunten Festtagskleider gaben Aufschluss über Familienstand und Lebensalter. Die Frauen, die bereits ihr 40. Lebensjahr vollendet und mehrere Kinder hatten, durften keine bunten Kleider, bunt bestickte Leibchen, Hemden, Schürzen und mit Seide bestickte bunte Umhängetücher mehr tragen. Auch an den Festtagen trugen sie dunkle Kleider, mit aus blauer, schwarzer und lilafarbener Wolle genähten Leibchen, Hemden sowie bescheiden bestickten Schürzen.

Die Farben der Kleider, die an den kirchlichen Festtagen getragen wurden, wiesen auf die liturgischen Farben der Kirche hin, der edle Stoff der Kleider betonte die Bedeutung der Feiertage. Am ersten Weihnachtstag und am ersten Osterfeiertag zogen die Frauen und Mädchen Kleider aus blauem Samt und Brokat an, zu Pfingsten trugen sie bordeauxrote und rote Seidenkleider. Ein besonderer Festtag war der Karfreitag, an dem sie schwarze Kleider trugen und auch ihr Koptuch schwarz war. Am Palmsonntag zogen sie mit bunten Verzierungen vor grünem Hintergrund und Blumen geschmückte Kleider an und trugen ein geblümtes Kopftuch aus schwarzem Stoff. Auch ihre Schürze war schwarz.

Die Bekleidung der deutschen Frauen war zurückhaltender. Bis zum Zweiten Weltkrieg trugen sie an den Feiertagen Kleider aus schwarzem, braun-dunkelrotem, dunkelbordeaux-rotem Flausch, Tuch und Lüster (Stoff aus rohem Wollgarn; Idegen szavak szótára [Fremdwörterbuch]. Bp. 1963. 430.). Die Verzierungen des Kleides hoben die die Knöpfe betonenden Verschnürungen, Knöpfe, Spangen sowie Samt- und Pelzapplikationen hervor.

Das prächtigste Festtagskleid war das Brautkleid. Die Heirat war das bedeutendste Ereignis im Leben einer Frau und zugleich ein Anlass, ihren Vermögensstand öffentlich zur Schau zu stellen. In der Tracht von Rákoske-resztúr/Kresstur war das Brautkleid in Schnitt und Form mit der Tracht der Mädchen an den großen Feiertagen identisch. Zum Brautkleid kauften die Eltern des Mädchens den teuersten Stoff und ließen das Kleid von der besten Näherin anfertigen, wobei sie häufig ihre finanziellen Verhältnisse überstiegen.

Die Hochzeiten und Brautfeste veranstalteten die Bauern nach Abschluss der landwirtschaftlichen Arbeiten. Unter den Deutschen wurden die Brautfeste nach Abschluss der Ernte bis zum 25. November veranstaltet. Wie die Alten sagten: „Katharina sperrt die Geige ein". Dann folgte der Beginn der Adventszeit, die Zeit des stillen Wartens, in dieser Periode durften keine Belustigungen veranstaltet werden. Die Hochzeiten fanden im Winter ab dem 6. Januar, nach dem weihnachtlichen Festkreis bis zum Beginn der Fastenzeit, bis zum A-schermittwoch statt. Diese Periode war die richtige Zeit für Hochzeiten. Die deutschen Bräute konnten den als Brautschatz erhaltenen Pelzmantel anziehen, der nicht nur vor der Kälte schützte, sondern auch geeignet war, ihre Vermögensverhältnisse zur Schau zu stellen. Die ärmeren Bräute trugen bei der Trauung ein mit Flanell gefüttertes Oberkleid.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914) trugen die Töchter wohlhabender Landwirte beider Nationalitäten bei der Trauung das dunkelfarbige, meistens schwarze Stóffkleid, das damals ein Novum war. Der Rock reichte bei den deutschen Bräuten bis zum Knöchel und bei den slowakischen Bräuten bis zum Knie. Die Bluse richtete sich nach der Mode. In den 1920er Jahren trug man noch eine Bluse mit Stehkragen, vorderen Knöpfen und gesteppten Verzierungen (Abb. 35.). Zu den schwarzen Schnürschuhen mit Lackeinlagen trug man schwarze Strümpfe.

Ab den 1930er Jahren wurde das Brautkleid aus gemustertem, gedrückten Brokat und aus Seide angefertigt. Der Kragen des Oberteiles wurde in den damals modischen Apachen-Kragen umgestaltet.

Abb. 35. Slowakische Braut und slowakischer Bräutigam. Márton Stramki, 1930. Aus dem Fotoalbum der Familie Stramki.

 

Die deutschen Gebele-Geschwister veranstalteten im Jahr 1938 eine Dreier-Hochzeit. Die beiden Gebele-Brüder arbeiteten in der Landwirtschaft, ihre Bräute trugen Bauerntracht. Mária Gebele trug ein modernes, weißes Brautkleid mit Schleier und einem Myrtenkranz, in der Hand hielt sie einen Blumenstrauß. Ihr Bräutigam war Handwerker, sie befolgten nicht mehr die Regeln der traditionellen Bauerntrachten. (Abb. 37.)

Das weiße Brautkleid wurde bis zu den 1950er Jahren von immer mehr Töchtern von Landwirten bei der Trauung getragen. Ab 1950 zogen nur noch selten einige ärmere slowakische Mädchen die traditionelle weiße Volkstracht an. (Abb. 36.)

Abb. 36. Deutsche Braut und deutscher Bräutigam im Jahr 1928. Auf dem Foto sind Károly Altziebler und Barbara Korda zu sehen. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Die Zierde des Brautkleides war die weiße Schürze über dem dunklen Kleid. In den 1910er Jahren wurde die weiße Schürze noch aus glattem maschinell hergestelltem Leinen gefertigt, die einzige Zierde war der Saum am unteren Teil der Schürze. Ab den 1920er Jahren waren die Schürzen mit Spitzeneinsatz und schweizerischer Madeira-Stickerei allgemein verbreitet. Die weißen Schürzen hatten auch eine symbolische Bedeutung, sie symboliserten die Unschuld der Braut.

In der bäuerlichen Gesellschaft zeigte jahrhundertelang der Kopfschmuck die Wendungen des Schicksals der Frauen an. Die Zierde des Brautkleides war der Kopfschmuck, der Kranz, der vor dem Ersten Weltkrieg aus geziertem Rosmarin gefertigt wurde. Ab den 1920er Jahren war der Kopfschmuck bei beiden Nationalitäten allgemein verbreitet. Dieser wurde mit Kunstblumen, Blättern, Ähren und Silberperlen verziert und bedeckte den ganzen Kopf. Der Kopfschmuck der Braut war ein wertvolles Andenken im Leben der Frauen. Die Mehrheit der Familien bewahrte ihn eingerahmt und unter Glas an der Wand in der reinen Stube auf.

Abb. 37. Die Dreierhochzeit der deutschen Gebete-Geschwister im Jahr 1932. In der Mitte ist Mária Gebele zu sehen, deren Bräutigam ein ungarischer Handwerker war. Mária Gebele trägt keine Volkstracht mehr wie ihre Eltern und Geschwister. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Die Braut in Volkstracht hielt einen verzierten Rosmarinzweig in der Hand. Der Brautstrauß konnte an den weißen Brautkleidern mit städtischem Schnitt befestigt werden. (Némethné Fülöp, Katalin: A párta konttyá változzon. In: Lakodalmi szokások. Bp. 2001. 84-92.)

Es ist nicht uninteressant, das Posieren bei den Hochzeitsfotos in der ersten Hälfte des 20 Jh.s zu untersuchen. Die Braut legt die linke Hand auf die Schulter des Bräutigams, in der rechten Hand hält sie den Rosmarinzweig. Der Bräutigam umarmt mit der rechten Hand die Braut, in der linken Hand hält er den verzierten Hut. Das moderne weiße Brautkleid veränderte auch das Posieren vor dem Fotografen. Die Braut hält mit beiden Händen den Strauß und der Bräutigam beugt sich zu der Braut, gleichsam als Geste der Zusammengehörigkeit.

 

KREUZSTICKMUSTER

Die Verbreitung und Anwendung der Kreuzstickerei ist in Rákoske-resztúr/Kresstur mit der deutschen Bevölkerung verbunden. Bereits aus dem 17. Jh. sind aus dem Gebiet Deutschlands Mustertücher bekannt. (Just, J.: Sächsische Volkskunst. Leipzig 1982. 17.) In keiner der Sticktechniken können die technischen Kenntnisse dermaßen entbehrt werden, wie bei der Kreuzstikkerei, deshalb konnte sie wohl zum frühesten Element der volkstümlichen Stickkultur werden. (Forstner, R.: Kreuzstickmuster aus der Biedermeierzeit. Rosenheim 1982. 78.) Im 18. Jh. waren die Kenntnis und die Übung in der Kreuzstickerei unentbehrliche Elemente der Erziehung der deutschen Mädchen. Dadurch sollten sie zu Fleiß und Ordnung sowie zur gewissenhaften Ausübung der häuslichen Tätigkeiten erzogen werden. (Spitzer, Anne: Stickmustertücher. Leipzig 1987. 7.) Ständige Elemente der Musterstreifen und Mustertücher waren die Randverzierungen, die trennenden Ornamente sowie die Blumen- bzw. seltener die stilisierten Tier- und Menschendarstellungen.

Abb. 38. Band mit Kreuzstickmuster aus dem Jahr 1923.

 

In Rákoskeresztúr/Kresstur erschien die Kreuzstickerei auf den Hemden und auf den Miedern am Anfang des 19. Jh.s. Die bescheidene kleine Randstickerei war auch eine Zierde auf der Unterwäsche der deutschen Frauen. Diese bescheidenen Muster wurden durch die Phantasie der slowakischen Frauen bereichert. Nunmehr wurden nicht nur die Ränder, sondern auch die größeren Flächen mit Kreuzstickereien geschmückt. Als die aus hausgewebtem Stoff gefertigte Unterwäsche aus der Mode kam, wurde diese einfachste Sticktechnik bei der maschinell erzeugten Unterwäsche beibehalten. Auf den maschinell gefertigten Stoffen war die Kreuzstickerei nicht mehr abzählbar, weshalb man Tüll auf die gestickte Fläche nähte. Nachdem die Stickerei fertig war, wurde der Tüll unter der Stickerei herausgezogen.

In den 1920er Jahren wurde die damalige Haushaltsindustrie auf die Stickerei-Kenntnisse der Frauen von Rákoskeresztúr/Kresstur aufmerksam. Es war damals in Mode die Grenadine-Blusen mit „altungarischer" bunter Kreuzstik-kerei zu verzieren. Eine Frau aus Rákosliget stickte mit den ärmsten Frauen des Dorfes im Winter die Blusen und lieferte auch die Muster zu den Blusen. Auf diese Weise gelangten die Zeichnungen der zeitgenössischen Handarbeitsbücher und Mustersammlungen ins Dorf, die die Frauen nach ihrem eigenen Geschmack für ihre Hemden, Mieder, Taschentücher und Schürzen verwendeten.

Die Kreuzstickerei vom deutschen Ursprung war bescheiden, nur eine oder zwei Farben wurden verwendet. Die Slowaken hatten größere Kreuzstickmuster sowie heitere Farben gern, sie stickten mit roter, blauer, gelber und rosafarbener Wolle. Die älteren Frauen verzierten ihre Hemden, die Schürzenecken und ihre Mieder mit blauer, grüner und schwarzer Farbe.

 

DIE DRUCKMUSTER

Tafel II. - Druckmuster 1-6. Druckmuster zur Verzierung von Hemden: Kleeblätter-, Tulpen-, Sonnenblumen-, Vergissmeinnicht-, Polyantharosen- und Knospenmuster. 7. Zackige, gelöcherte Hemdrandverzierung. Dieses Muster wurde auch für die Verzierung von den Rändern von Taschentüchern verwendet. 8-9. Monogramm in einer Schürzenecke.

 

Zur Verzierung der Hemden, Mieder und Schürzen erschienen bereits um die Wende des 20. Jh.s die durch „Drucktechnik" vorgezeichneten Verzierungen. Was versteht man eigentlich unter Druckholz? In einer Platte aus Hartholz wurden aus einer Kupferplatte ein stilisiertes Blumenmuster oder Monogramme ausgestaltet. Die Konturen der Muster bereicherte man mit Kupfernageln. Zum Drucken brauchte man ein Farbkissen, das von den Druckern selbst hergestellt wurde. Man verwendete ultramarinblaue Pulverfarbe auf weißem Stoff. (Die Pulverfarbe wurde unter Zugabe von Leim und Wasser gekocht.) Die Farbe musste beim Drucken lauwarm sein, sonst konnte man mit ihr keine

Kleider färben. Bei den Schürzen verwendete man weiße Farben vor dunklem Hintergrund. Die Druckhölzer konnte man im Dorf bei den Krämern Vámos, Weisz und Kállai kaufen, sie waren jedoch auch auf dem Garay-Markt zu haben.

Die geschickten slowakischen Frauen kopierten die Druckmuster auf die zu verzierenden Flächen, um Geld zu sparen. Unter diesen Frauen waren diejenigen zu finden, die die Druckmuster verändert und dann nach ihren eigenen Vorstellungen neue Muster erfunden haben.

 

FREI GEZEICHNETE STICKEREIEN UND DIE „SCHREIBERINNEN "

In den 1920er Jahren hielten die slowakischen Frauen die Druckmuster für ärmlich und langweilig und empfingen die sogenannten „zeichnenden Frauen", die aus Cinkota, Csömör und Tarcsa durch Heirat ins Dorf kamen und aufgrund ihrer Zierstickereien berühmt waren.

Abb. 39. Frau Kovács aus Tarcsa während der Arbeit im Jahr 1957. Foto: MB

 

Abb. 40. Frau Birányi, die aus Cinkota durch Heirat nach Rákoskeresztúr/Kresstur kam, gemeinsam mit ihrem Enkelkind im Jahr 1940. Aus dem Fotoalbum der Familie Birányi.

Im Jahre 1922 kam aus Cinkota Frau Birányi nach Rákoskeresztúr/Kresstur und zeichnete beihane 30 Jahre lang die Muster auf die Mieder, Taschentücher, Hemdsärmel, Schürzen und Umhängetücher. In vielen Fällen stickte sie die vorgegebenen Muster.

Tafel III. - Hemdsärmelrandmuster 1. Zackiges Blattmuster von Frau Kovács (Kovács Istvánná), 1957. 2. Trichterblumenmuster, wurde auch zur Verzierung von Hemdsärmeln und Taschentuchrändern verwendet, 1910. 3. Zackiges Vergissmeinnicht-Muster von Frau Kovács, 1957. 4. Zackiges Zweig- und Blattmuster, wurde um 1920 verwendet. 5. Gelöchertes, zackiges, maschinengesticktes Muster; angefertigt um 1927. 6. Margareten-Blattmuster zur Randverzierung, angefertigt um 1910. 7. Zackiges Blumenmuster, stammt aus Cinkota, 1922 gezeichnet von Frau Birányi (Birányi Mihályné). 8. Margareten-Blattmuster, angefertigt um 1922.

 

Tafel IV. - Muster an den Rändern der Hemdsärmel 1. Zackiges Traubenmuster, angefertigt um 1921. 2. Zackiges Sonnenblumenmuster mit geschlungenen Rändern, angefertigt um 1910. 3. Knospen-Blattmuster zur Verzierung von Hemdsärmeln, angefertigt um 1921. 4. Geschlungene Lochstickerei mit Maiglöckchen, angefertigt um 1918. 5. Slowakische Buchstaben aus dem Musterbuch von Frau Birinyi. 6. Ungarische Buchstaben aus dem Musterbuch von Frau Birinyi.

 

Tafel V. - Schürzenecken-Verzierungen 1. Rankenmuster mit Polyantharosen, von Frau Birinyi, 1925. 2. Maiglöckchen-Blattmuster von Frau Kovács, 1937. 3. Trauben-Blattmuster, wurde von Frau Kovács nach einem Muster aus Kistarcsa entworfen. 4. Blattmuster mit Kornblumen, von Frau Kovács, 1938. 5. Margaretenmuster, von Unbekanntem entworfen, 1908.

 

6. Blattmuster mit Tulpen, von Unbekanntem entworfen, 1908. 7-8. Blattmuster mit blühenden Rosen und Knospen, von Frau Birinyi, 1927.

 

9.Die untere Randverzierung einer Blaudruckschürze, Muster aus Cinkota, von Frau Birinyi, 1927. 10.Schürzeneckenblattmuster mit Knospen, in der Mitte ungarisches Monogramm, von Frau Birinyi gegen 1930 geschrieben. 11.Schürzeneckenblattmuster mit Kranz, in der Mitte slowakisches Monogramm, von Frau Birinyi, 1938 geschrieben.

 

Tafel VI. - Leibchenmuster („Pruszlik"-Muster) 1. Blattmuster mit Sonnenblumen aus Cinkota, von Frau Birinyi, 1927. 2. Kranzmuster mit Lilien und Blättern, von Frau Birinyi, 1926. 3. Blumenkranzmuster mit Rosen, Tulpen, Kornblumen, Sonnenblumen usw. aus Csömör gegen 1910 entlehnt.

 

Tafel VII. - Festliche weiße Leinenrandverzierung.1.Weißgelöchertes, maschinengesticktes Kranzmuster, Tárcsa. Das Muster wurde 1930 nach Rákoskeresztúr/Kresstur gebracht. 2.Gelöchertes, maschinengesticktes, mit einem Glas vorgezeichnetes Muster, von Frau Birinyi, 1930.

 

Frau Kovács wurde 1912 in Csömör/Tschermer geboren. Noch im Jahr 1957 entwarf sie Muster. Damals wurden die Muster nicht mehr auf Kleidungsstük-ke, sondern eher auf Textillien, nämlich auf Bettzeug, Tischdecken, Vorhänge und vor allem Küchengarnituren vorgezeichnet. (VII. Tafel.)

In den 1930er Jahren entsprachen beiden Nationalitäten in Rákoskeresztúr/Kresstur die lockereren, zierlicheren von den „zeichnenden Frauen" vorgezeichneten stilisierten Blumenmuster. Woher stammt die Vielfalt der verwendten Muster? — könnte man fragen. Laut der Aussage von Frau Kovács erscheinen die Garten- und Feldblumenmuster auf den Kleidern bzw. Textilien in stilisierter Form. Die Benennung der Muster weist auf den Ursprung hin, es gibt Tulpen-, Rosen-, Nelken-, Margareten-, Dahlien-, Maiblumen- und sogar Trauben-Verzierungen. Die Farben der Stickmuster folgten der Farbe der dargestellten Blume, als Element erschienen die die Blumen verbindenden Ranken und Blätter, die dem grünen Farbton folgen. Es muss betont werden, dass die Pollen der Blumen immer gelb waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen diejenigen unter den Deutschen, die unter 50 waren, keine Tracht mehr. Bei der Kleidung der slowakischen Jugendlichen war die der Stickerei von Kalocsa ähnliche Farbenwelt zu beobachten. Es gab einen erhöhten Anspruch auf die Verzierung der Textilien.

In der Mitte der 1950er Jahre überließ Frau Kovács die Kunden Frau Pupek, die aus Kistarcsa durch Heirat nach Ráoskeresztúr/Kresstur gekommen war. Frau Pupek war eine dynamische Persönlichkeit. Sie erfrischte die bescheidenen Stickmuster von Rákoskeresztúr/Kresstur mit den viel reicheren Mustern von Kistarcsa. Die bunten, stilisierten Blumenmuster in großem Format sorgten nicht für allgemeine Freude. Man hielt die Muster für bäuerlich und Frau Pupek war gezwungen, sich den Ansprüchen der Kunden anzupassen. Ihr Zeichentalent und ihre Kompositionsfähigkeit waren ausgezeichnet. Sie hatte - genauso wie ihre Vorgänger - kein Musterbuch. Sie begann damit, auf der zu verzierenden Fläche das Muster zu zeichnen und „die Rosen, Nelken und Maiblumen flössen aus ihrer Hand". Sie selber sagte: „Die Muster zeichne ich nur so aus dem Kopf heraus. Was mir einfallt, zeichne ich. Die Muster erfinde ich erst, wenn ich zu zeichnen beginne, dann kann ich damit kaum aufhören". Sie nutzte ihre Begabung schon früh. Sie war kaum zehn Jahre alt, als sie bereits für die Verwandten und später für die Dorfbewohner Muster vorzeichnete.

Die vorgezeichneten Muster haben die Kunden selbst ausgestickt. Die Sticktechnik war einfach: Stiel- und Plattstick-Technik. Die durchbrochene Maschinenstickerei erschien in den 1930er Jahren, fand jedoch nie allgemeine Verbreitung. Einige Schürzenecken, Mieder und Ränder von Hemdsärmeln bezeugen nur ihre Präsenz. Das eigentliche Gebiet, auf dem die durchbrochenen Stickereien verwendet wurden, war das Gebiet der Textilien. Die Machi-nenstickereien konnten von ein bis zwei Frauen angefertigt werden, die eine dazu geeignete Nähmaschine hatten. Die Hemdärmel-, Lebchen- und Schürzenmuster werden in den Tafeln Nr. III. bis VI. dargestellt.

Die frei vorgezeichneten Stickereien wurden in Rákoskeresztúr/Kresstur von drei slowakischen Frauen, die durch Heirat ins Dorf gekommen waren, verbreitet. Frau Birányi kam aus Cinkota, Frau Kovács aus Csömör/Tschermer und Frau Pupek aus Kerepestarcsa. Sie verwendeten das mitgebrachte Mustergut und passten es den bescheideneren lokalen Wünschen an. Man erinnert sich an ihre Arbeit nicht nur aufgrund ihrer Namen, sondern auch aufgrund der von ihnen entworfenen Muster. Es gibt Stickmuster aus Tracsa, Cinkota und Csömör/Tschermer. Es gibt jedoch auch Schürzen aus Rákoskeresztúr/Kresstur und Fót.

Die Grundlagen der Volkskultur von Rákoskeresztúr/Kresstur brachten die beiden Nationalitäten mit sich und diese Kultur wurde durch die Umgebung sowie durch die Nähe zur Hauptstadt mitgeprägt. Die Lebensbejahung und die Prunksucht der slowakischen Bevölkerung prägten im Laufe des vergangenen Jahrhunderts in erheblichem Maß die Kleidung der deutschen Bevölkerung. Dieser Prozess kann auch in den benachbarten Gemeinden Cinkota und Csömör/Tschermer beobachtet werden, die ebenfalls eine deutsch-slowakische Bevölkerung haben.

Wer waren die Bewahrer der Volkstracht in der Nähe der Hauptstadt, in Rákoskeresztúr/Kresstur, welche Nationalität, welche gesellschaftliche Schicht hat die eigene bunte, ästhetisch harmonische Volkstracht am längsten bewahrt? Auf die Bewahrung der Volkstracht wurde bereits Samu Borovszky aufmerksam. Er schreibt in seiner Monographie über Pilis-Solt-Kiskun:, Alle Mädchen haben viele Kleider, sogar die ärmsten Mädchen haben mehrere Röcke und Seidentücher, es kommt vor, dass die ärmeren Mädchen über mehr Kleider verfügen, da sie ihren ganzen Verdienst dafür ausgeben." In der Mitte des 20. Jh.s trugen nur noch die armen Mädchen und jene Frauen Tracht, die auf gar keinen Fall auf sie verzichten wollten. Sie kauften die Kleidungsstücke, die von den weiblichen Mitgliedern der Familien von Landwirten nicht mehr getragen wurden. Ihr Beharren auf die Tracht könnte damit erklärt werden, dass sie wenigstens in den Äußerlichkeiten ihren Status als Landwirtinnen dokumentieren wollten. Das bäuerliche Niveau war für sie im Dorf unerreichbar, sie hatten keine Äcker, lebten von Lohnarbeit und arbeiteten entweder im Dorf oder an Baustellen in der Hauptstadt. An den Feiertagen zogen sie die prachtvolle Volkstracht von Rákoskeresztúr/Kresstur an und es kann behauptet werden, dass sie in der Mitte des 20. Jh.s die einzigen Träger der Volkstracht waren.

Die Abkehr von der bäuerlichen Tracht begann bei der deutschen Bevölkerung bereits in den Jahren unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Die deutschen Kinder trugen bereits zur Wende des 19. Jh.s bürgerliche Kleider. Das wurde damit begründet, dass die Tracht teuer und bäuerlich war. Diesen Prozess demonstrieren die Konfirmationsfotos im evangelischen Pfarramt. Im Jahr 1930 trugen unter den Jugendlichen bei der Konfirmation nur zwei Handwerker-Kleider, 1945 hat jedoch niemand mehr Tracht getragen. Die Tracht von Rákoskeresztúr/Kresstur gilt heute schon als feierliche Rekonstruktion oder als ein Ausstellungskuriosum.

Abb. 41. Kleines deutsches Mädchen in Matrosenkleid im Jahr 1908. Katalin Altziebler. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

Abb. 42. András Altziebler, 1908. Mit deutschem Hut und doppelreihigen Mantel. Aus dem Fotoalbum von Károly Altziebler.

 

Abb. 43. Kinderkleidung nach bürgerlicher Mode. Altziebler Zsuzsa, Katalin, Gabi und András im Jahr 1911.

 

Abkürzungen:

 

Boross Marietta: Adalékok Rákoskeresztúr három nemzetisége életmódjának és kultúrájának alakulásához, különös tekintettel női népviseletére és a népi hímzésekre.

A három nemzetiségű, magyarok, németek és szlovákok lakta, Rákoskeresztúr 1949 óta a főváros XVU. kerülete, de falusias jellegét egészen a XX. század közepéig megőrizte. Boross Marietta tanulmánya a három különböző eredetű kultúra és életmód egymásra gyakorolt hatását dokumentálja, kiemelve a női népviseleti és népi hímzési szokásokat és azok változását, alakulását.

A köz- és ünnepnapok női népviseletének fényképekkel illusztrált bemutatása keretében a szerző kitér a haj- és kendő viseletre, a lábbelikre és az ékszerdivatra, valamint a fehérneműre és a felsőruházatra. A ruhák és kiegészítők díszítésére szolgáló hímzéseket (keresztszemes, drukkolt és szabadrajzú hímzésmintákat) rajzos ábrák segítségével ismerheti meg az olvasó.

 

Boross, Marietta: Contribution on the development of the culture and the the way of living among the three ethnic groups of Rákoskeresztúr with a particular emphasis  on  traditional femalc  costumes  as well  as  the  traditional embroidery.

In Rákoskeresztúr there are three traditional ethnic communities, namely Hungarians, Germans and Slovaks. Despite the fact that since 1949 it has been a district of the Hungarian capital Rákoskeresztúr kept its rural character for quite a long time. The survey of Marietta Boross is a documentation of the interdependent influences between three different cultures as well as ways of life with a particular emphasis on traditional female costumes and the development of as well as the changes in traditional embroidery.

While providing a thorough description of traditional female costumes meant for every day usage as well as for festive days, which is illustrated by a plethora of pictures, the author also discusses the way women did their hair and what kinds of headscarfs, shoes, jewellery and underclothes they wore. The traditional patterns of embroidery, which served as a decoration for the clothes and the jewellery, are introduced by numerous drawings.

 

  
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