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Márta Müller

Wörter und Sachen im Gewerbe des Tapezierers

(Werischwar/Pilisvörösvár)

Lexikalisch-semantische Eigenschaften eines

mundartlichen Tapezierer-Fachwortschatzes

 

I.Einführung

Die lateinische Fügung Homo Faber hebt die Eigenschaft des Menschen hervor, dass der Mensch seine Existenz mit Hilfe von hergestellten Werkzeugen und technischen Hilfsmitteln sichert und durch diese die ihn umgebende Natur bewältigt und kultiviert. Bei dieser Beschäftigung erwies sich die handwerkliche Tätigkeit fundamental, da eben die ersten Handwerkerstände mit ihrer Arbeit, ihrem Wissen und mit der Weitergabe ihres Wissens die Grundlage für die spätere Entwicklung der Technik und damit verbunden der Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur geschaffen haben.

Der Begriff Fach rührt auch von einem der ältesten Handwerkerberufe her, von dem der Bauhandwerker, da Fach ursprünglich 'etwas Zusammengefügtes, Gebundenes, Geflochtenes, ein Stück einer Wand, mit Flechtwerk stabilisierte und ausgefüllte Teile einer Mauer, Umrahmung' bedeutete. (Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001, s.v. 'Fach') Auch die ursprüngliche Bedeutung von Fach, das heißt die umschließende Bewahrung von etwas - wie das auch Kal-verkämper (1998: 28) bemerkt - nimmt die spätere Bedeutungserweiterung 'Gebiet, auf dem sich jmd. ausbildet, ausgebildet, spezialisiert hat, auf dem jmd. speziell arbeitet' vorweg. Die Aufgliederung von Arbeitsprozessen in Teilverrichtungen und deren Verteilung auf verschiedene Erwerbszweige und Berufe, ist ein Grundzug schon einfachster Kulturen gewesen, aber in Europa entstand das arbeitsteilende Prinzip allmählich in dem 14. Jahrhundert. Die Spezialisierung der Arbeit verengte die Bereiche der handelnden Tätigkeiten, zugleich forderte von den diese Tätigkeiten Ausübenden ein tieferes, gründlicheres sowohl praktisches als auch theoretisches Wissen und Können, welches sich in der Benennung für die Spezialisierung dringend nötige Kommunikationsform, in der Fachsprache bzw. in dem Fachwortschatz niederschlug.

2. Anmerkungen zum Handwerkerstand und dessen Dialektgebrauch in Pilisvörösvár/Werischwar im 20. Jahrhundert

Die Position der Handwerker und deren Familien in der lokalen Gesellschaft wies im 20. Jahrhundert große Unterschiede auf: es gibt vereinzelt Beispiele dafür, dass manche Handwerker ihre Existenz ausschließlich auf ihre Handwerkertätigkeit aufbauten, vielmehr war aber der Usus verbreitet, auf zwei Beinen zu stehen, d. h. neben dem Handwerk auch das sich im Besitz der Familien befindende Feld zu bebauen. In Pilisvörösvár/Werischwar besaß die Handwerkertätigkeit keine Zunfttradition, die örtlichen Handwerker versorgten mit ihren Produkten in erster Linie die Bauern. In den 1930er Jahren ist eine gewisse Handwerkerkonjunktur zu verzeichnen, im Jahre 1900 waren insgesamt 90 Handwerker (z. B. Schmied, Riemer, Seiler, Bürstenbinder, Fassbinder, Bäcker, Fleischhauer, Schneider, Schuster, Maurer, Zimmermann, Möbeltischler) mit 45 Angestellten tätig, dafür arbeiteten 1930 bereits 131 Handwerker selbständig im Dorf (Varadi 1994: 113f.). Zwar merkt Gehl (2000: 18) an, dass Werischwar/Pilisvörösvár zu den namhaften Wirtschaftszentren der donauschwäbischen Siedlungsgebiete im Ungarischen Mittelgebirge gehört habe, aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war für die hiesigen Handwerker nicht mehr typisch, Arbeitskontakte außerhalb des Dorfes, in der (Klein-)Region zu pflegen, denn das Absatzgebiet der handwerklichen Produkte bzw. Tätigkeiten beschränkte sich zu jener Zeit nur noch auf das Dorf. Aus diesem Grund waren manche der Handwerker, wenn auch nur vorübergehend, gezwungen, in dem Bergwerk als Zimmermann, Maurer oder Schneider zu arbeiten (Varadi 1994: 116). Das eine bescheidene Existenz bietende Bergwerk schien oft sicherer zu sein als die selbständige Handwerkertätigkeit, vor allem in den saisonabhängigen Berufen und in den Fällen, in denen die Handwerkerfamilien nicht genügend Land besaßen, um durch die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten hindurchzukommen, so dass sich manche endgültig der Bergarbeit verpflichteten. Trotz dieser zwar geringen, aber dennoch vorhandenen gesellschaftlichen Mobilität kann man in der Gesellschaft von Pilisvörösvár/Werischwar bis zum zweiten Weltkrieg die Schichten der Bauern, der Handwerker sowie der (Berg)Arbeiter nicht klar voneinander trennen, die Werischwarer Handwerker wie Bergleute hielten - wie dies auch Váradi (1994: 201) bemerkt - an der bäuerlichen Lebensform fest, sie legten ihre Ersparnisse in Grundstücken an. Aus diesem Grund gab es auch in ihrem Dialektgebrauch keine gravierenden Abweichungen, die auf Standesunterschiede hindeuten würden. Zwar waren die allerersten Ansiedler in Werischwar/Pilisvörösvár im 17. Jahrhundert Schwaben, im Sprachgebrauch der Dorfbewohner gewann aber die bairische Mundart der im nächsten Jahrhundert Nachkommenden die Oberhand. Dass einerseits der Ortsdialekt selbst ein ostdonaubairischer ist (Manherz 1986: 85), andererseits dass die ortsansässigen Handwerker rege wirtschaftliche Kontakte mit - dem vor dem Zweiten Weltkrieg noch teilweise deutschsprachigen - Budapest und mit Wien pflegten, davon zeugen die auch im Tapezierer-Korpus vorhandenen bairisch-österreichischen Elemente wie 'Bindfaden, Spagat', 'kleben, picken','Klebstoff, Pickstoff''Tapezierhammer,

Pracker'. In den 1930er Jahren nahm die Zahl der (Berg-)Arbeiter, die ihr Einkommen ausschließlich aus der Bergarbeit bezogen, im Dorf zu, so dass auch die Zahl derjenigen Handwerker (z. B. der Fleischhauer, Bäcker) zunahm, die durch ihre Tätigkeit die Arbeiterschicht bedienten. An der Handwerkerarbeit beteiligten sich - im Gegensatz zu den ungarischen Handwerkerfamilien, in denen die Geschlechterrollen eindeutiger verteilt waren - auch die Ehefrauen. Ein Indiz hierfür ist die Erfahrung während der Interviews, dass im Verlauf des Abfragens der Fragebücher die Ehefrauen manchmal mit ihren einwandfreien Bemerkungen den im Antworten kurz innehaltenden Handwerkern ausgeholfen haben.

Der Zweite Weltkrieg sowie die darauf folgenden Repressalien haben die Gesellschaft von Pilisvörösvár/Werischwar umgeschichtet, auch wenn das Dorf von der Vertreibung der Ungarndeutschen nicht in dem Maße betroffen war, wie das Ungarndeutschtum z. B. in Südungarn. Die bis dahin selbständig arbeitenden Handwerker waren gezwungen, ihre Tätigkeit aufzugeben und in den Fabriken der Hauptstadt oder in den umliegenden Bergwerken zu arbeiten. Viele nahmen neben ihren hauptberuflichen Beschäftigungen private Aufträge zum Zweck des zusätzlichen Erwerbs entgegengenommen, da die kleineren Werkstätten und die Werkzeuge nicht enteignet wurden, aber diese privaten Bestellungen (meistens nur Reparaturen) hielten sich im Rahmen. Wie vor dem Zweiten Weltkrieg die Feldarbeit die zusätzliche Quelle des Lebensunterhalts war, so wurde nach 1945 die (früher hauptberufliche) Handwerkertätigkeit zur zusätzlichen Einnahmequelle geworden. In den 1970er und 1980er Jahren, in denen sich sowohl die politische Situation im Allgemeinen als auch bezüglich der Ungarndeutschen zu lockern begann, wurden die Voraussetzungen zur Gründung von wirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaften geschaffen, so dass einige Handwerker eine Werkstatt (wiederaufbauen konnten.

3. Erläuterung der zu verbalisierenden Rohstoffe, Werkzeuge, Arbeitsvorgänge und Endprodukte des erhobenen Handwerkerberufes

Um im weiteren Verlauf des Beitrags auf die lexikalisch-semantischen Eigenschaften des mundartlichen Tapezierer-Fachwortschatzes eingehen zu können, sollen die zu analysierenden Fachwörter bzw. die Gegenstände und Handlungen, auf die sie verweisen, unter volkskundlichem Aspekt vorgestellt werden. Im Mittelpunkt dieses Abschnittes steht die Beschreibung der während der Arbeit benutzten Rohmaterialien, Werkzeuge, Kunstgriffe und der am häufigsten angefertigten Endprodukte des Tapezierer-Handwerks. Die den binnendeutschen Termini entsprechenden mundartlichen Fachausdrücke (nicht markiert, d. h. Substantive im Nominativ/Singular, Verben in der Infinitiv-Präsens-Form usw.) werden im Text in Klammern angeführt.

Tapeziererwird heute der Handwerker genannt, der Sitzmöbel (s  mit Stoffenbespannt, polstert Darüber hinaus übernahm der Tapezierer vor dem Zweiten Weltkrieg die Dekorierung der Wände mit Gardinen (kárpit) bzw. das Überziehen der Wände mit Papiertapeten

Der Tätigkeitsbereich des Tapezierers hat sich mit der Zeit gewandelt: anfangs wurden nur Textilien oder Lederstücke auf einen Rahmen (räume) genagelt, später wurde die Sitzfläche, um die Bequemlichkeit zu erhöhen, mit Stroh bzw. im 20. Jahrhundert mit Schaumstoff gepolstert. Das einfachste Sitzmöbel, das tapeziert wird, ist die SitzbankFrüher wurde auf die Bank einfach nur ein Kissen, Polstergelegt, das später in die Sitzfläche der Bank eingearbeitet wurde. Das Kissen wurde entweder mit Stoff oder mit Lederüberzogen. Aus der gepolsterten Bank entwickelte sich der Di- wan (divari), d. h. das niedrige Liegesofa ohne Rückenlehne, das Kanapee  das Sofadas Rückenlehne und Armlehnen hat und Platz für mehrere Personen bietet bzw. die Chaiselongue (se zlon), die gepolsterte Liege mit Kopflehne. Das einfachste Sitzmöbel für eine Person, das gepolstert wird, ist der Stuhl (stüi). Wenn der Stuhl bequem ist und eine hohe Rückenlehne hat, wird er Lehnstuhl genannt. Wenn der Stuhl außer der Rückenlehne noch zwei Armlehnen hat, wird er als Armstuhl, Sessel (fote 1) bezeichnet. Dahingegen wird der gepolsterte Hocker, der weder Rückenlehne und Armlehnen noch Beine hat, als Puff (puf) bezeichnet.

Die Palette der von dem Tapezierer benutzten Werkzeuge ist nicht groß, am häufigsten wird der gabelförmig in dem Geißfuß auslaufende Hammer  der Tapezierhammer, Pracker gebraucht. Darüber hinaus werden noch folgende Werkzeuge bei der Polsterarbeit benutzt: die Schere  das Stemmeisendie Feileder Bohrer der Zirkeldie Gürtelzangeder Gurtenspanner  der Haarzieher der Vorschlager und Nadeln verschiedener Größe und Form, wie die HeftnadelDop- pelspitznadelGarniernadel, Federaufnähnadel (krödi nöl), Nähnadelund die runde Nadel (krumbi  nöl). Das Polstern selbst wird entweder auf einem Bock, Schrägen (pauk) oder auf der Tischplatte  durchgeführt.

Hinsichtlich der Art der Polsterarbeit unterscheidet man: die Füllung  glattes Polsternund geheftetes Polstern  Bei der einfachen Füllung werden auf ein Gestell aus Hartholz kreuzweise Gurtegespanntund mit Gurten- stiftenangenagelt  Auf diese Gurte werden die Sprungfederneingestellt und mit 4-5 Stichen (stix) aufgenähtUm den Federn Halt zu geben, werden sie miteinander verbundenDie Federn werden nicht senkrecht einge- stellt, sondern so ausgerichtet, dass sie erst beim Niederdrücken der Sitzfläche die senkrechte Stellung einnehmen. Schließlich wird die Schnürung auf den Sitzrahmen genagelt. Es haben sich verschiedene Schnürtechniken entwickelt, die bekanntesten sind die deutsche und die französische Schnürung. Die auch Matratzenschnürung genannte deutsche Schnürung wird bei tiefen, geraden Sitzen oder Liegemöbeln angewandt und sie ist an der diagonal verlaufenden Zwischenschnur erkennbar. Die französische Schnürung wird für kleinere Möbel mit höchstens 4-5 Federreihen verwendet. Nach dem Federschnüren  wird ein Bezug, die Federleinwandaufgebracht, mit den Federn festgenäht, und mit Kardätschennägelnauf den Rahmen genagelt. Darauf folgt die sogenannte Faconarbeit, Formarbeit  das SchoppenAuf das Gewebe der Federleinwand wird ein lockeres Material aus Pferdehaaroder Crin d'Afrique  aufgebracht und gleichmäßig verzupft. Um den Auftrag des Materials zu erleichtern, wird der Einhängstich, ein Lassierstich angewandt, wobei Fächer entstehen, in denen das Füllmaterial eingebracht wird. Es folgt eine weitere Lage Faconleinwand, die sich an die gewünschte Form anpasst, ohne Falten zu schlagen. Diese Faconleinwand wird anschließend garniert, das heißt, dass das Füllmaterial mit der Hand in Form gebracht wird. Schließlich wird in das Polster mit der Doppelspitznadel ein Spiegel gemachtund die Leinwand wird auf den Rahmen genagelt, nun ist die endgültige Form des Polstermöbels fertig gestellt. Der letzte Schritt des Polsterns, in dem um den Sitzkomfort zu erhöhen eine weitere Schicht aus Rosshaargleich- mäßig verzupft auf die Sitzfiäche gelegt wird, wird Pikieren genannt. Den Abschluss bildet eine Lage weiche Polsterwatte, die verhindert, dass das Pferdehaar den Überzug durchdringt. Zum Überziehendes Polsters werden verschiedene Textilien oder Lederstreifen gebraucht. Wenn das Polster mit Damasten oder Brokaten überzogen wird, empfiehlt es sich, zwischen die weiche Polsterwatte und die feinen Überzugstoffen einen Weißbezug zu legen, damit dieser die Haltbarkeit der feinen Überzugstoffe verlängert. Der Möbel stoff, mit dem das Polster überzogen wird, wird zuerst nach Maß zugeschnitten  und ausgeglättetDer Überzug wird danach mit kleinen Stiften (stift) abgeheftet, damit sich der Möbelstoff beim Festnagelnnicht verziehtNach dem Fest- nageln des Möbelstoffes können die Nagelköpfe mit Borten, Gimpen oder Bordüren versteckt werden. Die geheftete Polsterarbeit unterscheidet sich von der glatten Polsterarbeit nur in der Hinsicht, dass beim gehefteten Polstern das Polster selbst mit Hilfe von Abheftstichenund Knöpfen in verschiedene Formen gebracht wird. Um die Abheftstiche herum entstehen Faltenaufgrund deren Gestalt man die Muster des Abheftens feststel- len kann. Am häufigsten werden bei der gehefteten Polsterarbeit das Karo- bzw. das Schiffelmusterbenutzt.

4. Lexikalisch-semantische Eigenschaften des mundartlichen Tapezierer-Fachwortschatzes

4.1. Materialgrundlage und Erhebungsmethode

Das der Analyse zugrunde liegende Korpus wurde durch die klassische Methode der mundartlichen Datensammlung gewonnen. Von der Gewährsperson, dem Tapezierermeister László Wittmann, wurde ein, auf die Spezifik des handwerklichen Wortschatzes eingehendes Fragebuch (zusammengestellt aufgrund Bogdan 1984; Bogdan: 1989; Frecskay: 2001; Gehl: 1997; Gehl: 2000) abgefragt und das Material auf Tonband aufgenommen. Der Aufnahme ging die teilnehmende Beobachtung der spontanen Äußerungen über die Ausübung des Handwerks des Tapezierers voran, welche Beobachtung - da sie in der Tapeziererwerkstatt des Informanten stattgefunden hatte - ebenfalls auf Tonband bzw. auf Fotos festgehalten wurde. Im Anschluss an die letzte Befragung wurde ein strukturiertes Interview über die allgemeinen Beschaffenheiten der Werkstatt und über die persönlichen Daten durchgeführt. Die erhobenen sprachlichen Daten wurden dem Transkriptionssystem von Hutterer (1991: 30-37.) entsprechend transkribiert. Das Korpus enthält 210 Einheiten in der ungarischen und deutschen Sprache, von denen 176 in der Mundart wiedergegeben werden konnten. Das dieser Arbeit zugrunde liegende Korpus bildet einen Teil einer größeren, 2608 Einheiten umfassenden Materialsammlung. In letzterer wurden mit derselben Methode die mundartlichen Handwerk-Fachwortschätze von insgesamt zwölf Berufen (Bäcker, Drechsler, Fassbinder, Fleischhauer, Maurer, Möbeltischler, Schlosser, Schmied, Schneider, Steinmetz, Tapezierer, Zimmermann) in Werischwar/Pilisvörösvár festgehalten.

4.2. Synonymie, Polysemie, Homonymie

Im Gegensatz zur Terminologielehre beschäftigt sich die Sprachwissenschaft nicht mit übersprachlichen Begriffen, sondern mit den an das sprachliche Zeichen gebundenen Bedeutungen. Semantische paradigmatische Beziehungen unter den Termini wie Synonymie, Polysemie und Homonymie werden von der traditionellen Terminologiearbeit als kommunikationsstörende, der ökonomischen fachlichen Verständigung entgegenwirkende Erscheinungen abgelehnt, wobei die Bedeutungsvielfalt die Fachkommunikation nicht in dem Maße hindert, wie es von vornherein angenommen wurde (Fraas 1998: 429). Wenn formal verschiedene Benennungen zur Bezeichnung desselben Referenzobjektes benutzt werden und die formal verschiedenen Lexeme inhaltlich übereinstimmen, d. h. in der gleichen syntaktisch-kontextuellen Umgebung vorkommen können, dann liegt Synonymie vor. Synonyme sind - auch wenn sie von der Terminologienormung abgelehnt werden - aus den fachsprachlichen Wortschätzen nicht wegzudenken, häufig existieren neben entlehnten oder lateinischen Benennungen auch muttersprachliche, neben Kurzformen Langformen oder neben gemeinsprachlich-laienhaften Benennungen auch fachsprachliche (Fraas 1998: 431). Im Korpus des Tapezierers fand sich - im Gegensatz zu den sprachlichen Daten der anderen 11 Handwerkberufe - nur ein einziges Synonym 'Riemen' zum mundartlichen Fachwort'Lederstreifen'.

Genau die oben bereits zur Sprache gebrachte Tilgung der Synonymie durch von Fachleuten in die Wege geleitete Neudefinition kann zur Polysemie führen, d. h. zum Vorhandensein von verschiedenen Bedeutungsvarianten von formal gleichen Fachwörtern. Mehrdeutigkeit kann hervorgerufen werden, wenn Begriffe uminterpretiert, wenn ein Begriff durch Vertreter verschiedener theoretischer Ansätze unter unterschiedlichen Gesichtspunkten definiert oder wenn eine treffende Benennung aus einem Fachgebiet mit modifizierter Bedeutung ins andere übernommen wird (Fraas 1998: 432). Wird die Mehrdeutigkeit von dem fachlichen Kontext nicht eindeutig aufgelöst, wirkt sich Polysemie auf die Kommunikation mehr hemmend aus als Synonymie. Polyseme Fachausdrücke sind auch in den mundartlichen Fachwortschätzen keine Seltenheit, sie sind aber für den Tapezierer-Fachwortschatz nicht typisch, der Informant hat das mundartliche Fachwort sezlon bei der Abfragung sowohl des Wortes 'Chaiselongue' als auch des Wortes 'Ottomane' genannt, wobei unter dem Begriff 'Chaiselongue' eine gepolsterte Liege mit Kopflehne und unter dem Begriff 'Ottomane' ein niedriges, gepolstertes Möbelstück ohne Rückenlehne verstanden wird.

Wenn formal gleiche Lexeme unterschiedliche Bedeutungen aufweisen, handelt es sich um Homonymie. Homonyme können zufällig oder durch Übertragung des Bezeichneten auf ein anderes Bezeichnetes entstehen (Hoffmann 1976: 319; Fraas 1998: 432). Die Meinungen darüber, ob es ein bestimmtes Kriterium gibt, nach dem eine klare Grenzziehung zwischen Polysemie und Homonymie möglich wäre, gehen auseinander. Geht man bei der Unterscheidung nur von semantischen Kriterien aus, so ist es „unmöglich Homonyme von polysemen Wörtern zu unterscheiden" (Schippan 2002: 168). Der überwiegende Teil der in dem zwölf Handwerkberufe umfassenden Korpus gefundenen Homonyme unterscheidet sich „in seiner Wortart und in seinem Formenbestand" (Schippan 2002: 168). Die je zwei Belege aus dem Tapezierer-Fachwortschatz sind morphologisch verwandt, in beiden Fällen wird die Infinitiv-Form des Verbs auch als Substantiv gebraucht:im Sinne von 'ausstopfen' und 'Füllung' sowie im Sinne von 'begurten' und 'Gurt'. Andere Homonyme sind aufgrund der phonologischen Regelmäßigkeiten des den Fachmundarten zugrunde liegenden Ortsdialekts entstanden, so z. B.: paurj 'Bogen' im Möbeltischler-Fachwortschatz und 'Bank' im Tapezierer-Fachwortschatz. Zwar beeinträchtigen Synonymie, Polysemie und Homonymie die Genauigkeit der fachlichen Kommunikation, aber nicht in dem Maße, dass die von ihnen hervorgerufene Mehrdeutigkeit mit kontextueller Unterstützung nicht eingeschränkt werden könnte.

4.3. Metaphorisierung

Der Gebrauch von Metaphern ist ein Grundprinzip der menschlichen Wissens-speicherung und -Verarbeitung, die mit Hilfe von Analogiebildungen zu bestehendem Vorwissen operieren. Metaphern sind sprachliche Zeichen, die aus einem anderen semantischen Bereich (Spendbereich) als dem aktuell besprochenen (Empfangsbereich) stammen. Da für das wichtigste Kennzeichen der mundartlichen Fachsprachen unter anderem „ihre Lexik mit starker metaphorischer und affektischer Komponente" (Fluck 1996: 29) gehalten wird, bin ich davon ausgegangen, dass der erhobene mundartliche Tapezierer-Fachwortschatz eine große Anzahl an Metaphern aufweisen wird. Die untersuchten mundartlichen Fachwortschätze weisen aber entgegen meiner Erwartungen nur eine sehr geringe Anzahl an Metaphern auf (insgesamt machen die Metaphern des ganzen Korpus etwa 1% aus), und das Korpus des Tapezierers beinhaltet nur eine im nominalen Bereich, deren Quellenbereich nach Jakob (1998: 146) der Bereich der menschlichen Organe, Körperteile ist:Arm, Armlehne' bzw. eine im Bereich der „artifiziellen Organe" des Menschen:'Spiegel', unter dem'der mit Füllung versehene oberste Teil der Sitzfläche' verstanden wird.

4.4. Entlehnungen, Austriazismen

Im Korpus kommen auch Lexeme fremder, vor allem französischer Herkunft vor. Weidlein (1933: 248f.) merkt in seiner Arbeit über die Donauschwaben im Banat an, dass sie mehr französische Lehnwörter als (madjarisierte) serbische und rumänische Wörter haben. Die Existenz von französischem Wortgut in den donauschwäbischen Mundarten erklärt Schramm (1967: 20) einerseits mit der Ansiedlung elsässischer Franzosen im 18. Jahrhundert an der mittleren Donau, denen neben ihrer französischen Muttersprache auch die elsässische Mundart geläufig war. Andererseits merkt er ebenda an, dass die deutsche Amts- und Militärsprache des 18. Jahrhunderts mit einer Reihe französischer Wörter die deutsche Umgangssprache und durch diese die deutschen Mundarten bereicherten. Mangels Ansiedler französischer Herkunft in der Gegend von Pilisvörös-vár/Werischwar können primäre französischsprachige Kontakte und damit verbunden unmittelbare Übernahmen aus dem Französischen ausgeschlossen werden. In Übereinstimmung mit Wild (2003: 63) werden die französischen Lehnwörter im Korpus zu den Austriazismen gezählt, ungeachtet dessen, dass manche dieser Elemente (und zwar diejenigen, die noch vor dem 18. Jahrhundert in den deutschen Wortschatz gelangten) aus den Herkunftsgebieten der Siedler mitgebracht worden waren. Die im Korpus vorhandenen Lehnwörter waren in dem ganzen Habsburgerreich als Kulturwörter bekannt und der österreichische Einfluss hat zu ihrer weiteren Erhaltung auch im untersuchten mundartlichen Tapezierer-Fachwortschatz beigetragen. Die folgende Tabelle zeigt die mundartlichen Lehnwörter des Korpus, welche im 17. Jahrhundert bzw. später Einzug in die deutsche Sprache gefunden haben (EWB1) und welche auch im mundartlichen Tapezierer-Fachwortschatz vorhanden sind:

Im Falle der oben angeführten mundartlichen Lehnwörter lassen sich höchstens Vermutungen anstellen, ob sie von den Mundartsprechern bereits mitgebracht, in der neuen Heimat aus dem Ungarischen übernommen, oder aber durch die wirtschaftlichen und auch sprachlichen Kontakte aus dem Bairisch-Österrei-chischen nach der Ansiedlung in Ungarn entlehnt worden sind. Die Bezeichnungensind sowohl im Ungarischen (TESz2) als auch im Binnendeutschen im selben, im 17. bzw. 18. Jahrhundert erschienen, dementsprechend kann es nicht eindeutig bestimmt werden, aus welcher Sprache sie in die Tapezierer-Fachmundart entlehnt worden sind. Die Bezeichnungensind im Binnendeutschen früher verzeichnet (17., 18. bzw. 19. Jahrundert), als im Ungarischen (18., 19. bzw. 20. Jahrhundert), demgemäß ist anzunehmen, dass diese Entlehnungen entweder von den Siedlern mitgebracht oder durch die bereits erwähnten österreichischen Kontakte übernommen worden waren. Lediglich im Falle von dem sani&paunt kann keine Hypothese aufgestellt werden, zwar wurde Scharnier im Deutschen bereits im 18. Jahrhundert schriftlich festgehalten, aber im ungarischen historisch-etymologischen Wörterbuch ist dieses Wort (vgl. ung. zsanér) nicht registriert. Auch Wild weist in Zur komplexen Analyse der,Fuldaer' deutschen Mundarten Südungarns daraufhin, dass sich „die Hintergründe der Entlehnungen [in zahlreichen Fällen] nicht erhellen" lassen (2003: 62). Dass die Mehrheit der aufgeführten mundartlichen Entlehnungen der französischen Sprache entstammen, hängt damit zusammen, dass dieser Beruf bzw. seine Gegenstände, die Tischlerprodukte den sich relativ rasch ändernden Stilrichtungen stärker ausgesetzt waren, als die Tätigkeit und die Produkte der anderen erhobenen Berufe. Die überwiegende Mehrheit der entlehnten Lexeme im Fachwortschatz des Tapezierers (aber auch des Möbeltischlers) sind französischen Ursprungs, was nicht verwunderlich ist, da auch die Herstellung der deutschen Möbel unter französischem Einfluss stand, mehr noch, sogar das Wort Möbel ist aus dem Französischen meuble zu mobil 'bewegliches Stück' entlehnt übernommen worden.

4.5. Ungarische Elemente im Korpus

Es liegt im Wesen von Sprachinselmundarten, dass sie „ein sehr hohes Kontaktpotential aufweisen]" (Erb 2002: 39) und da Pilisvörösvár/Werischwar in der Nähe von Budapest liegt, wäre es zu erwarten, dass seine Mundart, und daraus folgend auch der Wortschatz der mundartlichen Varietät des befragten Handwerkers dem ungarischen Einfluss sowohl qualitativ als auch quantitativ mehr ausgesetzt ist, als zum Beispiel die Mundarten der kompakteren ungarndeutschen Siedlungen Südungarns. Darüber hinaus ist der heutige sprachkommunikative Alltag der Mundartsprecher - mitsamt meinem Informanten - in Pilisvörösvár/Werischwar einerseits von einer mundartlich-ungarischen Diglossie, andererseits von einer die Sprach- und Kommunikationsstrukturen betreffenden zunehmenden Labilität gekennzeichnet. Diese Labilität findet - gestärkt durch die immer wirksamer gewordene Hinwendung zum Ungarischen - auch in dem abgefragten Fachwortschatz in ungarischen Wörtern ihren Niederschlag, wenn auch nicht in dem Maße, wie man es aufgrund der sprachlichen Umstände erwarten würde, denn im Tapezierer-Korpus konnten nur fünf ungarischsprachige Bezeichnungen belegt werden. Diese ungarischen Elemente werden in der nachfolgenden Tabelle gezeigt, dabei wird hinter den binnendeutschen und ungarischen Entsprechungen das Jahrhundert aufgeführt, in dem diese Bezeichnungen in den zwei Sprachen Deutsch und Ungarisch zuerst schriftlich verzeichnet waren:

Es ist anzunehmen, dass die niedrige Anzahl der ungarischen Elemente im Korpus eine Folge des begrenzten fachlichen Kommunikationsradius der Informanten ist: die Gewährspersonen tauschten bzw. tauschen sich über dieselben außersprachlichen fachlichen Gegenstände in dem mehr oder weniger selben Kreise, das heißt in der Werkstatt mit Kollegen, mit Familienmitgliedern (vor allem mit Ehefrauen) und mit den des Ortsdialektes mächtigen Auftraggebern aus. Das Reden über das Selbe erfordert ein klar abgrenzbares sprachliches Repertoire, das nur weniger Innovationen bedarf. In der Befragung wurde nur auf die Wiedergabe einzelner Benennungen in der Mundart eingegangen, die Beobachtung spontaner mündlicher handwerkbezogener Äußerungen würde am Prozentsatz der ungarischen Elemente im Vergleich zu den mundartlichen wahrscheinlich vieles ändern. Die ungarischsprachigen Bezeichnungen im Korpus, die in dem Falle der mundartlichen Handwerk-Fachwortschätze höchstens als usualisierte, respektive okkasionelle Kodewechsel-Phänomene betrachtet werden können, lassen sich nur aufgrund ihrer ungarischen Aussprache als solche identifizieren, da sie morphologisch nicht einmal, oder nur in einem sehr geringen Maße von den binnendeutschen Äquivalenten abweichen.

Auf jeden Fall ist die Vermittlerrolle des Deutschen zu betonen, da die Entlehnungen szófa, matrac, fotel, afrik und drapéria - wie darauf auch in den betreffenden Artikeln im TESz hingewiesen wird - aus dem Französischen durch die Vermittlung des Deutschen in das Ungarische entlehnt worden sind. Es ist möglich, dass manche dieser Bezeichnungen durch deutsche - auch ungarndeutsche - Kontakte in den Wortschatz der ungarischen Sprache gelangten und sie dann madjarisiert in die mundartlichen Fachwortschätze rückentlehnt wurden. Die Vermutung der Rückentlehnung könnte durch den Umstand untermauert werden, dass ein erheblicher Teil der ungarischen Handwerk-Fachwortschätze deutschen Ursprungs ist. Die ungarischen Handwerkermeister verwendeten daher madjarisierte deutsche Entlehnungen zur Bezeichnung der Rohstoffe, Kunstgriffe und Arbeitsprodukte, welche Bezeichnungen von den ungarndeutschen Lehrlingen als ungarische Lexeme empfunden und mit ungarischer Aussprache angeeignet worden sind.

4.6. Zusammensetzungen

Die Expansion von Ausdrücken, d. h. die Bildung von Zusammensetzungen passen sich den Ansprüchen an, die aus dem Bedürfnis erwachsen, dass man sich bemüht, die fachlichen Inhalte möglichst genau wiederzugeben. Die Zusammensetzung von bereits vorhandenen Fach- oder gemeinsprachlichen Wörtern, die dann zu Termini werden, ist ein sehr produktives, flexibles und im Deutschen sehr beliebtes Mittel der Fachwortschatzerweiterung. In dem aus 176 Einheiten bestehenden Tapezierer-Korpus finden sich 29 zweigliedrige Zusammensetzungen, d. h. ungefähr 17% der erhobenen Tapezierer-Fachwörter sind zweigliedrige Komposita. Es wurde festgestellt, dass die Zusammensetzungen, die die kritische Grenze von 3-4 Bestandteilen überschreiten, von den an der Fachkommunikation Teilnehmenden als schwerfällig, ja unverständlich empfunden werden (Fraas 1998: 436) und diese Komposita bei der mündlichen Kommunikation gemieden werden, bzw. auf ihre Kurzformen rekurriert wird (Fluck 1996: 49). Diese Erkenntnis untermauert auch die Tatsache, dass im Tapezierer-Korpus nur eine einzige dreigliedrige Zusammensetzung - in der zwei mundartliche Komponenten popiB und tapetnc mit einer ungarischen kontaminiert wurde - gefunden werden konnte:  'Tapete aus Papier'.

4.6.1. Semantische Typologie nominaler Zusammensetzungen

Zusammensetzungen werden meistens auf zweierlei Weise geordnet: entweder aufgrund ihrer Struktur oder aufgrund ihrer inhaltlichen, d. h. semantischen Bedeutungen. Die inhaltliche Klassifizierung von Zusammensetzungen kann je nachdem weiter differenziert werden, wie umfangreich das herangezogene Wortmaterial ist, ob in die Analyse nur zwei- oder auch mehrgliedrige Komposita einbezogen werden, ob die Klassifizierung nur auf eine bestimmte Wortklasse als erstes Glied beschränkt wird oder ob als erste Konstituente alle Wortklassen berücksichtigt werden. Eine umfassende Klassifizierung würde an den Rand des Unüberschaubaren geraten, dennoch wird im Weiteren auf eine semantische Typologie nicht verzichtet, da dieser Bereich für die fachsprachliche Wortbildungsforschung repräsentativ ist.

Die im Nachfolgenden dargestellte semantische Einteilung der nominalen (bzw. weiter unten der adjektivischen und verbalen) Wortbildungen wurde aufgrund Engels semantischer Typologie unternommen (Engel 1992: 521f).

Im Bereich der nominalen Komposita ist der semantische Typ, in dem das Bestimmungswort eine Konkretisierung der Basisgröße liefert, als Wortbildungstyp im Tapezierer-Korpus mit zwölf Belegen recht produktiv:

Von der Häufigkeit her, mit sechs Belegen an der zweiten Stelle steht der semantische Typ, in dem das Bestimmungswort einer Finalbestimmung entspricht:

Der semantische Typ, in dem das Bestimmungswort einen Teil oder den charakteristischen Inhalt der Basisgröße kennzeichnet, ist im Korpus ebenfalls mit sechs Belegen vertreten:

Schließlich ist der semantische Typ, in dem das Bestimmungswort und das Grundwort in einer Teil-Ganzes-Relation stehen, fünfmal belegt:

Es liegt im Wesen der Zusammensetzungen, dass die Kompositionsglieder die Bedeutung des Grundwortes näher bestimmen. Sichtet man aber die zweigliedrigen Komposita des Tapezierer-Korpus, stellt sich heraus, dass manche semantische Typen im nominalen Bereich frequenter belegt sind, als andere. So zum Beispiel sind die semantischen Typen, in denen das Bestimmungswort das von der Handlung Betroffene bezeichnet, eine durch die Handlung bewirkte Eigenschaft nennt, die Handlung modifiziert, einer Zeitbestimmung, Kausalbestimmung oder Direktivergänzung entspricht, eine Eigenschaft des Grundwortes oder eine geeignete Vergleichsgröße kennzeichnet, im Tapezierer-Korpus nicht präsent. Dahingegen konnten Komposita gefunden werden, in denen das BeStimmungswort das Grundwort konkretisiert, in dem es den Zweck, den Inhalt oder einen Teil des durch das Grundwort bezeichneten Gegenstandes angibt. Dass bestimmte semantische Typen nicht vorhanden sind, lässt sich mit den Arbeitsumständen der Handwerker erklären. Es ist — um nur einige Beispiele zu nennen —, für die Handwerker irrelevant, während der ohnehin Sprachökonomie fordernde Werkstattkommunikation davon in Erfahrung gesetzt zu werden, wer oder was von der Handlung betroffen wird (nämlich das Werkstück), oder ob ein benutztes Werkzeug oder Material nach dem Prinzip der Kausalität benannt worden ist.

4.6.2. Semantische Typologie adjektivischer und verbaler Zusammensetzungen

Die überwiegende Mehrheit der von den Informanten abgefragten Adjektive sind einfache,    (,blau', ,fein\ ,flach', ,grob'). Im ganzen, zwölf Handwerkberufe umfassenden Korpus konnten im Sinne von Engel (1992: 576-581) nur zwei adjektivische Zusammensetzungen gefunden werden, im Tapezierer-Korpus aber keine einzige. Zusammensetzungen mit verbalen Konstituenten treten sowohl in der Gemeinsprache als auch in den Fachsprachen weitaus seltener auf als präfigierte und suffigierte Verben. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass verbale Zusammensetzungen im Tapezierer-Korpus ebenfalls nicht belegt werden konnten.

4.7. Mehrworttermini - Fach-Phraseologismen

ICKLER zieht es vor, statt des Begriffs Mehrwortterminus von „Fach-Phraseologismen" oder „Mehrwort-Lexemen" zu sprechen, die jede Fachsprache aufweisen kann, am meisten ausgeprägt ist aber die Fach-Phraseologie derer, deren zeitgenössischer begrifflicher und dogmatischer Bestand auf weit zurückreichender, historischer Überlieferung basiert (Ickler 1997: 118). In dieser Arbeit werden auch die Einheiten des Tapezierer-Korpus zu den Fach-Phraseologismen gezählt, die für den Beruf typische Kollokationen darstellen (z. B. glatte Polsterung) bzw. die von dem Informanten — wahrscheinlich entweder um No-minationslücken oder aber um Wissenslücken zu decken — in Form von Prä-positionalgefügen oder syntaktischen Strukturen genannt worden waren. Von dieser Behauptung Icklers ausgehend und in Anbetracht dessen, dass die Wurzeln mancher der erhobenen Handwerkfachwortschätze (z. B. die des Bäckers, Fassbinders, Fleischhauers, Maurers, Möbeltischlers, Schmiedes, Schneiders, Steinmetzen oder des Zimmermanns) in das Mittelalter oder in noch frühere Zeiten reichen, bin ich davon ausgegangen, dass mein Korpus relativ viele Mehrwort-Lexeme beinhalten wird. Stattdessen stellte sich bei der Sichtung des Materials heraus, dass die Zahl der mundartlichen Mehrwort-Lexeme sich in Grenzen hält, es konnten nur 14 Belege gefunden werden. Die Belege habe ich der besseren Übersicht wegen je nachdem strukturiert, ob sie ein Substantiv, Verb, Adjektiv, Funktionsgefüge oder Präpositionalgefüge enthalten bzw. in einem einzigen Fall hat der Informant mit einem Satz geantwortet.

Von den aufgeführten fachmundartlichen Phraseologismen können einige eindeutig als Kollokationen bezeichnet und darüber hinaus in Opposition miteinander gestellt werden:versus ('gerade Nadel'versus 'krumme Nadel') ('abgesteckter Polster' versus 'glatter Polster'). Es ist unmissverständlich, dass im Bereich der Polstererarbeit außer demund demkein anderes Adjektiv mit dem Substantivkombiniert werden kann. Im Falle der Strukturen Verb + Präpositionalgefüge und Funktionsverbgefüge ist es ebenfalls klar, dass z. B. das Präpositionalgefügebzw. das Subs- tantiv nur zur Konkretisierung der Verbbedeutung von bzw. dient. Im Falle des 'Federdeckel'-s haben wir mit einer Um- schreibung zu tun. Der Federdeckel ist mit der Federleinwand gleich, die ausgespannt auf die Federn eines Sitzmöbels befestigt wird, um damit die Federn zu bedecken. Entweder aus subjektiven Gründen (dem Informanten war zum Zeitpunkt der Abfragung die mundartliche Entsprechung für 'Federdeckel' nicht gegenwärtig) oder aus objektiven (diese Bezeichnung existiert in der Fachmundart nicht), konnte die Gewährsperson die Bedeutung von 'Federdeckel' nur umschreiben. Aus diesem Ausweichmanöver ist der Strukturtyp Substantiv + Relativsatz, aber auch die Umschreibungen vi az stét für 'Stellung' und  für 'durchsitzen' entstanden.

4.8. Kurzwortbildung, Wortkürzung

Wesentliches Kennzeichen von fachsprachlicher Kommunikation sind die mechanischen bzw. semantischen Abkürzungen. Je nachdem, welcher Teil der Zusammensetzungen weggelassen wird, werden Klammerwort, Kopfwort und Schwanzwort (Ickler 1997: 113f) voneinander unterschieden. Man kann im Tapezierer-Korpus weder auf Klammerwort- noch auf die in Fachwortschätzen viel öfter verbreiteten Schwanzwortbildungen stoßen, auch die Kopfwortbildung ist nur mit zwei Belegen repräsentiert: durch dopl spits 'Doppelspitz-nader und foäm 'Faconarbeit, Formarbeit'

4.9.  Ableitungen

Als Derivate werden diejenigen Ergebnisse des Wortbildungsvorgangs betrachtet, die durch Suffigierung, Präfigierung, Zirkumfixierung oder durch implizite Derivation zustande gekommen sind. Die Bildung von Ableitungen ist ebenfalls ein sehr produktives sprachliches Mittel, da z. B. jedes Präfix bzw. Suffix in Verbindung mit einem Stammwort einen neuen Terminus ergeben kann. Das durch die Präfigierung bzw. Suffigierung gewonnene Fachwort kann einerseits mit weiteren Präfixen und Suffixen kombiniert werden, wobei durch die Regelmäßigkeit der Bildung die Bedeutung des abgeleiteten Wortes leicht erschließbar ist, weil die morphologische Motivation erheblich dazu beitragen kann, dass der Begriffsinhalt aus der Form des Fachwortes ermittelt wird. Andererseits können abgeleitete Wörter zu Konstituenten weiterer Zusammensetzungen werden. Im Weiteren wird auf die Hauptarten der Derivation gesondert eingegangen, wobei die implizite Derivation nicht berührt wird, da dieser Wortbildungstyp nur in dem Maße für die Erweiterung des Fachwortschatzes von Belang ist, wie er für dieselbe des gemeinsprachlichen ist.

4.9.1. Suffigierung

Durch Suffigierung werden durch Anfügung eines Suffixes an den Wortstamm komplexe Wörter gebildet. Im Weiteren wird untersucht, in welchem Maße die für die binnendeutschen technischen Fachsprachen typischen Suffixe, d. h. die Suffixe -er, -el, -ei, -ung, -heit, -keit, -schaff, bzw. Suffixoide wie -los, -reich, -arm, -frei, -fest und -sicher (Roelcke 2005: 74; Fluck 1996: 52f; Mohn/Pel-KA 1984: 17), im mundartlichen Fachwortschatz des Tapezierers belegbar sind, beziehungsweise ob die Suffixe, die für mundartliche Fachwortschätze charakteristisch sind - im Sinne von Bretz (1977: 87) die Suffixe -el und das Diminutivsuffix -, auch in meinem Korpus vorfindbar sind.

4.9.1.1.   Das Suffix -er

In der Mehrheit der Belege wird das Suffix -er zur Bildung von Nomina instru-menti benutzt. Wie auch Bretz (1977: 88) bemerkt, ist es bezeichnend für die mundartlichen Fachwortschätze, „daß sie viele Benennungen für Werkzeuge (...) enthalten, die analog zu den Nomina agentis durch Personifikation aus Verben entstanden sind". Hierfür bietet auch der Tapezierer-Fachwortschatz einige Beispiele: Darüber hinaus verbinden sich die Ableitungen oft als Grundwörter mit anderen Wörtern zu Komposita wie spanß in kuBtn, spanu oder tsige in hoBtsige.

4.9.1.2.   Diminutivbildungen

In der einschlägigen Fachliteratur werden häufige Diminutiva kennzeichnend für mundartliche Fachwortschätze gehalten (Bretz 1977: 88). Die in den Werisch-warer Fachwortschätzen auffindbaren Verkleinerungsformen wurden mit dem für die ostdonaubairisch-österreichischen Varietäten charakteristischen Diminutivsuffix -el gebildet. Alle der in dem Tapezierer-Fachwortschatz gefundenen Diminutiva sind auch in dem gemeinen Wortschatz der Dialektsprecher von Werischwar vorhanden wie'Leiterbaum, zu Stufe', 'Lederstreifen, zu Riemen' , und 'Ring'.

4.9.1.3. Das Suffix -ieren

Im verbalen Bereich sind in den erhobenen mundartlichen Fachwortschätzen nur die Verben mit dem Fremdsuffix -ieren von Bedeutung. Diese Verben gleichen einander in der Hinsicht, dass sie überwiegend von fremdsprachiger (französischer, italienischer) Basis abgeleitet worden sind. In dem alle zwölf Handwerk-Fachwortschätze umfassenden Korpus ist dieses Suffix durch acht Belege vertreten, von denen einer aus dem Tapezierer-Fachwortschatz stammt:  'garnieren'.

4.9.2. Präfigierung

4.9.2.1.   Präfigierung des Substantivs

Unter der Präfixbildung versteht man die Anfügung eines Präfixes vor dem Wortstamm. Ein präfigiertes Substantiv besteht aus einem gebundenen Morphem, dem Präfix, das reihenbildend vor ein freies Morphem, Grundmorphem oder eine Morphemkonstruktion tritt. Im Korpus sind zwar präfigierte Substantive präsent, aber ihre Zahl ist im Vergleich zu der Anzahl der einfachen, zusammengesetzten bzw. suffigierten Substantive bescheiden. Manche mundartliche Belege sind substantivierte Infinitive oder Partizip-Perfekt-Formen.

Im Korpus kommt das Präfix aus- in den Bedeutungen 'die vollständige Bearbeitung eines Objektes' und 'Richtung nach außen' in zwei Fällen vor:  'HeftnadeF und 'Füllung'. Ebenfalls zweimal ist das Präfix überin der Bedeutung 'etwas bedecken' vertreten:'Überzug' und'Lederüberzug'. Im nominalen Bereich ist das Präfix vor- in der Bedeutung 'Modellhaftes, Vorbildliches' einmal belegt: 'Vorzeichnung, Muster'.

4.9.2.2.   Präfigierung des Verbs

Vor allem in den Fachsprachen der Produktionssphäre bzw. in den Handwerkersprachen werden Basisverben mit dem Ziel präfigiert, die Bedeutung des Verbes durch die Präfixe weiter zu spezifizieren: abladen, aufladen, ausladen, beladen, entladen (Bretz 1977: 98; Jakob 2002: 927). In der Tat überragt die Anzahl der präfigierten Verben die der einfachen Verben in dem, alle zwölf Handwerkfachwortschätze umfassenden Korpus beträchtlich: gegenüber den 125 einfachen fachmundartlichen Verben stehen 344 verbale Präfixbildungen. Demgemäß ist es nicht überraschend, dass im Tapezierer-Korpus das Verhältnis von einfachen Verben und präfigierten Verben noch größer, nämlich 6 zu 38 ist. Im Weiteren werden die im Tapezierer-Korpus auffindbaren präfigier-ten Verben einerseits nach den in ihnen vorkommenden Präfixen, Halbpräfixen bzw. Verbzusätzen gegliedert aufgeführt, und gleichzeitig im Sinne von Bretz 1977: 98-101, Engel 1992: 439-440 und DUDEN-Grammatik 1995: 445-456 semantisch geordnet.

4.9.2.3. Trennbare, betonte Halbpräfixe

4.9.2.3.1. Die Halbpräfixe ab-, an-, auf-, aus-, ein-

Ab- drückt in einer Präfixbildung ein Unterbrechen eines Vorgangs, eines Zu-standes aus, bzw. in zwei präfigierten Verben signalisiert ab- die Intensivierung des Verbinhaltes:

Das Halbpräfix an- markiert in einem Beleg den Anfang eines Geschehens:

Das Halbpräfix auf- markiert in einigen fachmundartlichen Präfixbildungen ein nach oben gerichtetes Geschehen bzw. das Einwirken auf etwas von oben herab, weiterhin bedeutet das Halbpräfix auf- das Öffnen, Auseinandergehen, Aufteilen von etwas:

Das Halbpräfix aus- markiert eine Bewegung von etwas weg, eine Handlung mit Richtung nach außen, außerdem drückt aus- eine völlige Beendigung, Bearbeitung eines Arbeitvorganges, eines Arbeitsobjektes aus. Schließlich hat aus-, vereinzelt belegt, eine ornative Bedeutung:

Das Halbpräfix ein- markiert eine Bewegung in einen Raum hinein, eine Richtung nach innen:

4.9.2.4. Halbpräfixe, in festen wie auch unfesten Bildungen

Einige Halbpräfixe kommen sowohl als feste, untrennbare Verbbestandteile als auch in unfesten Bildungen vor. Die Vertreter dieser Gruppe in den untersuchten mundartlichen Fachwortschätzen sind durch-, um-, unter- und über-, von welchen im Tapezierer-Korpus nur um- und über- vorkommen.

4.9.2.4.1. Die Halbpräfixe um- undüber-

Das Halbpräfix um- drückt eine Bewegung in eine andere (oder in die entgegengesetzte) Richtung aus:

In folgenden Fällen drückt über- das Bedecken von etwas aus:

4.9.2.5. Verbzusätze zwischen Halbpräfix und Kompositionsglied: nach-und zu-

Halbpräfixartige Verbzusätze, die eine dominante räumliche Bedeutung haben, aber auch den Zusammensetzungen nahe stehen, sind im gesamten Korpus durch bei-, nach-, vor und zu-, im Tapezierer-Korpus jedoch nur durch nach-und zu- vertreten. Im Falle dieser beiden Belege signalisiert nach-, dass etwas in der Intensität schwächer wird, bzw. zu- ein zielgerichtetes Tun:

4.9.2.6. Die Verbzusätze (da)rauf-, nieder- und zusammen-

Unter einem Verbzusatz versteht man den nichtverbalen Teil (meist Partikeln, Adjektive oder auch Substantive) einer unfesten Zusammensetzung mit einem Verb als Grundwort. Im Gegensatz zu den Präfixen, die als selbstständige Wörter nicht mehr vorkommen (z. B. be-, ent-, ver-), gehen die Verbzusätze mit dem Verb eine lose Verbindung ein, d. h. sie sind nur in den infiniten Formen (Infinitiv, 1. und 2. Partizip) mit dem Verb fest verbunden. Im Korpus sind folgende Verbzusätze vertreten: (da)rauf-, dazu-, her-, (he)raus-, herum-, (he)runter-, hin-, nieder-, weg- und zusammen-, von denen im Tapezierer-Fachwortschatz die Verbzusätze darauf-, nieder- und zusammen- belegbar sind. All diesen fachmundartlichen Verbzusätzen ist gemein, dass sie zum Verb hingetreten die Bedeutung dieses in räumlicher Hinsicht spezialisieren.

Trotz der umfangreichen Datenbasis sind sowohl im gesamten, als auch im Tapezierer-Korpus nur bestimmte trennbare bzw. untrennbare Präfixe, Halbpräfixe und Verbzusätze belegt wie ab-, an-, auf-, aus-, be-, bei-, darauf-, dazu-, durch-, ein-, her-, herauf-, heraus-, herum-, herunter-, hin-, nach-, nieder-, um-, unter-, über-, ver-, vor-, weg-, zu- und zusammen-. Die im Tapezierer-Korpus vorhandenen Präfixe, Halbpräfixe und Verbzusätze konkretisieren die Bedeutung des Verbs insofern, dass sie die zeitlichen, räumlichen Umstände bzw. die Intensität der Handlung oder des Vorganges spezifizieren. Durch sie wird näher bestimmt, ob die Bedeutung des Verbs das Anfangen, die Unterbrechung oder die Beendigung einer Handlung ausdrückt; in welche Richtung die vom dem Verb bezeichnete Handlung abläuft bzw. durch das Verb das Öffnen, Bedecken oder das Schließen von etwas genannt wird; ob das Verb die Steigerung oder die Abschwächung der Intensität der Handlung bezeichnet. Alle präfigier-ten Verben überschneiden sich in der Hinsicht, dass ihre Bedeutung durch den Vorgang der Präfigierung zur effektiven Ausführung der Werkstattarbeit nötige Inhalte gewonnen haben. Darüber hinaus ist im Korpus ein Verb vorhanden, das sich mit drei verschiedenen Präfixen, Halbpräfixen bzw. Verbzusätzen verbindet, wodurch seine Bedeutung jedes Mal weiterdifferenziert wird: 'festnageln', 'annageln' und'niedernageln'.

5. Zusammenfassung

Den Gegenstand dieser Arbeit bildeten einerseits die kurze volkskundliche Beschreibung der Tapezierertätigkeit, andererseits die Analyse des mundartlichen Tapezierer-Fachwortschatzes.

Das aus 176 Einheiten bestehende Tapezierer-Korpus ist ein Teil einer größeren, insgesamt zwölf mundartliche Handwerk-Fachwortschätze beinhaltenden, 2608 Einheiten umfassenden Materialsammlung. Es wurde versucht, die erhobene fachmundartliche Lexik aufgrund der in der einschlägigen Literatur festgelegten allgemeinen Beschaffenheiten von technischen und handwerklichen Berufswortschätzen zu untersuchen. Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass sich die lexikalisch-semantischen Merkmale des Tapezierer-Fachwort-Schatzes sowohl qualitativ als auch quantitativ mit denen des gesamten Korpus überschneiden. Im Tapezierer-Korpus sind die Phänomene der Synonymie bzw. der Metaphern genauso in 1% der Einheiten vertreten, wie im gesamten Korpus, und die Anzahl der lexikalischen Einheiten, die sich polysem oder homonym erweisen, ist ebenfalls in beiden Korpora auf einige Belege beschränkt. Dementsprechend leisten die mundartlichen Handwerk-Fachwortschätze dem Ökonomie-Prinzip der fachsprachlichen Kommunikation Genüge, denn sowohl Polysemie als auch Homonymie würden die zielgerichtete, effektive und präzise Kommunikation während der Arbeit stören. Innerhalb des Bereiches der Lehnwörter überwiegt sowohl im gesamten als auch im Tapezierer-Korpus die Anzahl der Entlehnungen französischer Herkunft. Bei den, im Tapezierer-Korpus nachweisbaren Lexemen fremder Herkunft, kann nicht eindeutig geklärt werden, ob sie durch das Deutsche oder durch das Ungarische vermittelt in den untersuchten mundartlichen Fachwortschatz gelangten. Den etymologischen Weg dieser Lexeme betreffend kann man höchstens Vermutungen anstellen, dass zum Beispiel zur Übernahme der Fachwörter, die im Ungarischen später als im Deutschen erschienen sind, auch die deutschen Dialektsprecher (etwa durch die mit den Ungarn gepflegten Handelskontakte) beigetragen haben mochten. Im Tapezierer-Korpus liegen auch ungarischsprachige Lexeme vor, die jedoch nur aufgrund ihrer ungarischsprachigen Artikulation als solche identifiziert wurden. Diese Lexeme sind internationale Kulturwörter, die durch die Vermittlung des Deutschen ins Ungarische übernommen worden waren und die von den ungarndeutschen Handwerkern als ungarische Lexeme empfunden und aus diesem Grund mit ungarischer Aussprache in den Handwerk-Fachwortschatz aufgenommen wurden.

Das Tapezierer-Korpus wurde auch auf für Fachsprachen typische Wortbildungsmittel hin untersucht. Als produktives Wortbildungsmittel erwiesen sich die Bildung von Determinativkomposita (von maximal zweigliedrigen Termini im Bereich der Werkzeug- und Rohmaterialbezeichnungen) und der Gebrauch von Mehrworttermini. Zusammensetzungen in adjektivischem und verbalem Bereich sind generell für den gesamten, so auch für den Tapezierer-Korpus untypisch, im letzteren konnte keine einzige belegt werden. Auch die Abkürzung war im Tapezierer-Korpus - merkwürdigerweise durch zwei Kopfwörter dargestellt - ein unterrepräsentiertes Wortbildungsmittel. Dass Abkürzungen in der Werkstattkommunikation gemieden werden, hängt damit zusammen, dass der Gebrauch der zahlenmäßig relativ oft vertretenen zweigliedrigen Komposita von ihrer Länge her noch nicht zeitaufwändig ist, dafür identifizieren diese Komposita die ihrer Bezeichnung zugrunde liegenden Denotate schon ausreichend genug. Neben der Zusammensetzung zeigte sich die Ableitung, innerhalb letzterer die Präfigierung vor allem der Verben als ein produktives Wortbildungsmittel. Die Präfigierung der Verben, die vor allem in den technisch-industriellen Fachsprachen zur Erweiterung des Fachwortschatzes genützt wird, ist auch in den mundartlichen Handwerk-Fachswortschätzen reichlich belegbar.

Der fachsprachliche Wortschatz ist seit den Anfängen der Fachsprachenforschung als primäres konstituierendes Merkmal, als wesentliches Mittel der Fachsprachen betrachtet worden. Fachliche Inhalte werden durch Fachwörter ausgedrückt, denen im Gegensatz zu gemeinsprachlichen Wörtern höhere Präzision und Kontextautonomie zugeschrieben wird und die in differenzierten Terminologien zusammengefasst werden. Die Frage nach der Differenzierung des Fachwortschatzes stellt sich im Bereich der handwerklichen Fachwortschätze nicht in dem Maße, wie sie sich im wissenschaftlich-technischen Bereich stellen würde. Auch die der Produktion zugewandten Fachsprachen beinhalten Fachwörter, deren Inhalt durch Definition festgelegt ist. Zwar sind die Festsetzungsdefinitionen der handwerklichen Fachausdrücke leicht verständlich formuliert, nichtsdestoweniger beinhalten sie aber alle Aspekte, die für die eindeutige Eingrenzung ihrer Bedeutung und für ihre Abgrenzung gegenüber anderen Fachausdrücken bzw. deren Inhalten erforderlich sind. Zu der Terminus-Problematik der Handwerkfachwörter fügt Fluck (1996: 71; auch Gehl 1997: 19) hinzu, dass auch wenn „die dialektale Fachsprache keine fest definierten Termini kennt, (...), so hat der einzelne Fachausdruck doch terminologischen Charakter". Meines Erachtens wäre auch im Bereich der mundartlichen Fachwortschätze eine differenziertere Betrachtung vonnöten. Auch wenn die Handwerker in ihrer alltäglichen Fachkommunikation abweichende Geräteausführungen unter einer Bezeichnung subsumieren, deutet dies noch lange nicht darauf hin, dass sie nicht imstande sind, zwischen den verschiedenen Denotaten auch durch verschiedene Designate zu unterscheiden. In der dieser Arbeit zugrunde liegenden Befragung konnte mein Informant sowohl sprachlich als auch begrifflich die zu einer Kategorie gehörenden Referenzobjekte auseinander halten, ihm war bewusst, welche Aspekte die Grundlage für die Unterscheidung zwischen den benannten Geräten, Werkzeugen, Rohstoffen und Handlungen sind. Dass der Termincharakter vieler handwerklich-fachspezifischer Bezeichnungen verborgen bleibt, ist eher auf die simplifizierende Werkstatt-Fachkommunikation zurückzuführen, nicht aber auf die fälschlich vermuteten terminologischen Defizite der Fachausdrücke.

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A szerző a pilisvörösvári kárpitosmesterség nyelvjárási szakszókészletét vizsgálja abból a szempontból, hogy a direkt kérdőíves lekérdezés segítségével összegyűjtött korpusz a belnémet nyelvterület sztenderdizált technikai-ipari szakszókészletével összevetve, milyen közös és milyen eltérő lexikális-szemantikai tulajdonságokat mutat.

A kutatás eredményeinek bemutatása előtt a szerző kitér a helység iparosainak a 20. században betöltött társadalmi szerepére, nyelvhasználatuk általános jellemzőire valamint ismerteti a kárpitosmesterség nyersanyagait, szerszámait, munkafolyamatait és termékeit. Az ezt követő elemzés alapját képező korpusz egy összesen tizenkét mesterség nyelvjárási szakszókészletét vizsgáló tanulmány része. A lekérdezés módszerének bemutatása után a vizsgált korpuszban fellelhető szinonímia, poliszémia, homonímia, metaforizáció, szóátvétel, szóképzés és szóösszetétel jelenségeinek részletes szemléltetése áll az elemzés középpontjában. Az elemző munka eredményeként a szerző az általános szaknyelvi szókészletre érvényes nyelvi jellemzőket összegez.

 


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