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4. Deutsche Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach der Türkenzeit.

Die Donauschwaben als »deutscher Neustamm«

 

Der Sieg des kaiserlichen Heeres über die Türken vor Wien (1683) und die Einnahme Ofens (1686) markieren den Anfang der Rück-oberung Ungarns. Deutsche Siedlungen bestanden zu dieser Zeit nur in Siebenbürgen, in der Zips, im Gebiet der ober- und niederungarischen Bergstädte, in vereinzelten Gemeinden des ungarischen Mittelgebirges und in der heutigen Slowakei.

Die fast anderthalb Jahrhunderte andauernde türkische Besetzung des Landes hatte weite Teile desselben beinahe vollständig entvölkert. Die östereichische Verwaltung war daher neben den geistlichen und weltlichen Großgrundbesitzern bemüht, Siedler in das zurückgewonnene Gebiet zu ziehen. Das kaiserliche Impopuiationspatent von 1689 ist der erste, umfassende Ausdruck einer planmäßigen An-siedlungspolitik. In den folgenden Jahrzehnten entstanden die deutschen Siedlungsgebiete.

  1. Das südwestliche ungarische Mittelgebirge (Buchenwald, Schildgebirge, Ofner Bergland mit Budapest und Umgebung) zwischen Raab, Donauknie und Plattensee mit dem Zentrum Budapest.
  2. Die Schwäbische Türkei zwischen Platten see, Donau und Drau mit dem Zentrum Fünfkirchen.
  3. Die Batschka zwischen Donau und Theiß mit dem Zentrum Neusatz.
  4. Das Banat zwischen Mieresch, Theiß, Do nau und Transsilvanischen Alpen mit dem Zentrum Temeschburg.
  5. Slawonien und Syrmien zwischen Save, Drau und Donau mit dem Zentrum Esseg.
  6. Sathmar im  Nordosten der ungarischen Tiefebene mit den Zentren Großkarol und Sathmar.

Die deutschen Siedler wurden von ihren magyarischen und slawischen Nachbarn meist abschätzig Schwaben (ung. sváb; serb. sva-ba) genannt, obwohl diese Bezeichnung nur teilweise auf ihre Herkunft zutraf. Nachweislich waren nämlich den schwäbischen Siedlern bald auch solche aus Franken, Hessen, Lothringen und Bayern gefolgt. Erst als sich nach dem Vertrag von Trianon (1920) ein landsmannschaftliches Bewußtsein bei den Deutschen zu entwickeln begann, kam der Name Schwaben bei ihnen selbst zur Geltung und wurde rasch in der zuerst von R. Sieger und H. Rüdiger verwendeten Form der Donauschwaben (1922) verbreitet, während sich der gleichzeitig gebrauchte Name der Donaubayern für die bairische Mundart sprechenden Siedler und der für alle Deutschen angewandte Name Donaudeutsche nicht durchsetzen konnten.

Literatur: Donauschwaben, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 2, Breslau 1936, S. 290-305; A. Tafferner, Die Donauschwaben, Wien 1974; A. Tafferner-H. Schmidt-I. Senz, Die Donauschwaben im pannonischen Becken, München 31981; J. Haltmayer, Die Eingliederung der katholischen Vertriebenen aus Jugoslawien, Ungarn und Rumänien, in: Gerhardsbote 31 (Okt. 1986) S.71f.          

Immo Eberl

 

1. Deutsche Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach der Türkenzeit

Karte

Die Karte der deutschen Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach der Türkenzeit faßt nicht nur die deutschen Siedlungen im Bereich der Donauschwaben zusammen, sondern auch die deutschen Siedlungen in der Bukowina, in Galizien, in Bessarabien, in der Dobrudscha und in Südrußland sowie die aus dem Mittelalter stammende Siedlung in Siebenbürgen, in der Zips und in der Gottschee. Zeitlich wird von ihr der deutsche Siedlungsraum von den Türkenkriegen bis zur Umsiedlung und Vertreibung im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg dargestellt. Es ist ein Desiderat der wissen schaftlichen Erforschung des südosteuropäischen Raums und seiner deutschen Siedlung, eine über alle Gebiete hinweg gleichförmige Kartierung der deutschen Besiedlung vorzunehmen.                                       

Immo Eberl

 

4.1

Deutsche Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach der Türkenzeit

 

 

2. Ungarn Wappen des Königreichs

Photographie

Beschreibung: Der Schild ist gespalten; rechts rot-silbern siebenmal geteilt; links in Rot ein grüner Dreiberg, auf dessen mittlerer Erhöhung eine goldene Krone sitzt, die mit dem silbernen Patriarchenkreuz besetzt ist.

Literatur: J. Siebmacher, Großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 1 Abt. 1 Teil 4: Wappen der deutschen Souveraine und Lande, bearb. von G. A. Seyler, Nürnberg 1921, S. 98 und Tafel 95 Nr. 1.                       

Immo Eberl

 

3. Slawonien. Wappen

Photographie

Beschreibung: In Blau zwei den Schild durchschneidende wellenförmige silberne Fasche, dazwischen im roten Feld ein natürlicher Marder heraldisch nach rechts laufend; im oberen blauen Feld ein sechszackiger goldener Stern.

Literatur: J. Siebmacher, Großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 1 Abt. 1 Teil 4: Wappen der deutschen Souveraine und Lande, bearb. von G. A. Seyler, Nürnberg 1921, S. 98 und Tafel 95 Nr. 2.                       

Immo Eberl

 

4. Siebenbürgen. Wappen

Photographie

Beschreibung: Der Schild ist blau-gold durch eine rote Fasche geteilt; oben ein schwarzer wachsender Adler mit goldenem Schnabel und roter Zunge, beseitet rechts von goldener Sonne, links von silberner Mondsichel; unten sieben (4:3) rote, dreigiebelige Burgen, die durch eine Bastei mit Zinnen und einem daraus aufsteigenden dreigiebeligen, mit zwei Schießscharten versehenen Turm gebildet sind; an der Burg ist ein offenes Tor zu sehen.

Literatur: J. Siebmacher, Großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 1 Abt. 1 Teil 4: Wappen der deutschen Souveraine und Lande, bearb. von G. A. Seyler, Nürnberg 1921, S. 98 und Tafel 95 Nr. 2; A.Arz v. Straußenburg, Beiträge zur siebenbügischen Wappenkunde, (Siebenbürgisches Archiv, Bd. 16) Köln-Wien 1981, S. 9 ff.                       

Immo Eberl

 

 

5. Bukowina. Wappen

Photographie

Beschreibung: In dem blau-rot gespaltenen Wappenschild ein schwarzer Stierkopf mit roter Zunge, neben dem rechts und links sowie darüber je ein sechszackiger, goldener Stern steht.

Literatur: O. Neubecker-W. Rentzmann, Wappen-Bilder-Lexikon, München 1974, S. 200.

Immo Eberl

 

6. Galizien. Wappen

Photographie

Beschreibung: Der blaue Wappenschild ist durch einen schmalen roten Balken geteilt: oben steht eine schwarze Dohle, unten drei (2:1) goldene Zackenkronen.

Literatur: J. Siebmacher, Großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 1 Abt. 1 Teil 1: Die Wappen der Souveräne der deutschen Bundesstaaten, bearb. von O. Titan von Hefner, Nürnberg 1856, S. 7 und Tafel 2.   

Immo Eberl


7. Krain. Wappen

Photographie

Beschreibung: In silbernem Schild ein gekrönter blauer Adler, der auf der Brust eine in Silber und Rot geschachte Mondsichel trägt.

Literatur: J. Siebmacher, Großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 1 Abt. 1 Teil 1: Die Wappen der Souveräne der deutschen Bundesstaaten, bearb. von O. Titan von Hefner, Nürnberg 1856, S.8und Tafel 5.   

Immo Eberl

 

4.2 4.4 4.6
     
4.3 4.5 4.7
     

 

 

8. Das ungarische Mittelgebirge

Tafel

Das zwischen Raab, Donauknie und Plattensee gelegene ungarische Mittelgebirge war beim Vormarsch der kaiserlichen Heere weitgehend entvölkert. Die noch bestehenden Siedlungen waren auf einen Bruchteil ihrer Einwohnerschaft geschrumpft, und selbst die größeren Orte wie Ofen hatten hohe Bevölkerungsverluste hinnehmen müssen. Die vor dem Türkeneinbruch bestehende deutsche Siedlung war bis auf vereinzelte Dörfer (Dt. Pilsen, Lorenzen a.d. Eipel) verschwunden. Die sofort einsetzenden Kolonisationen gingen auf die Initiativen geistlicher und adeliger Grundherren zurück, die von der neugebildeten königlichen Neusiedlungskommission (Neoacquistica Commissio) gefördert wurden. Der Kuruzzenaufstand Franz II. Räköczis (1703-1711) unterbrach nicht nur die Kolonisation, sondern zerstörte auch viele bislang angelegte Siedlungen. Erst nach dem Sath-marer Frieden zwischen dem Hause Habsburg und den Aufständischen (1711) wurde ab 1712 neuerlich in Südwestdeutschland für die Ansiedlung in Ungarn geworben. Neben den staatlichen Behörden förderten wiederum die geistlichen und adeligen Grundherren die deutsche Ansiedlung.

In den folgenden Jahrzehnten dehnte sich die deutsche Siedlung rasch aus, wobei die meisten Siedlungen bis zur Jahrhundertmitte entstanden. Nach den übernommenen ungarischen und slawischen Flurnamen dürften die deutschen Siedler häufig nur die weitgehend entvölkerten Dörfer aufgefüllt haben. Daher ist zumindest in der Ansiedlungszeit von einer Symbiose zwischen Deutschen, Magyaren, Slowaken und Serben auszugehen, die besonders im Ofener Bergland, auf der Csepel-Insel und im Buchenwald nachzuweisen ist. Die im Buchenwald noch 1767 für fast alle Ortschaften feststellbare volkliche Gliederung löste sich in den folgenden Jahren bis zur Wende des 18./19. Jahrhunderts auf, und es sind fast alle Siedlungen rein deutsch, magyarisch oder slowakisch geworden.

Beispielhaft für die Ansiedlung in diesem Raum ist das den Grafen Zichy gehörende Dorf Schambek (29 km westlich von Budapest). Die ersten zwölf schwäbischen Siedler kamen 1714 nach Schambek. Nachdem die dreijährige Steuerfreiheit der Neuansiedler abgelaufen war, nennt die Steuerliste des Komi-tats von 1717 neun Steuerzahler aus Oberschwaben im Dorf, die einen eigenen Richter, d.h. einen auf ein Jahr gewählten Schultheiß besaßen. In den Kirchenregistern wechseln die deutschen Namen, was darauf hindeutet, daß viele Siedler nach kurzer Zeit weiterzogen. Die Gründe dafür könnten im Ablauf der Steuerfreiheit für Neuansiedler, in den 52 Tagen Robot (Frondienst) im Jahr für die Grundherrschaft und in den Zehnten für den Grundherrn und die Kirche gelegen haben, da insbesondere letzteres nicht dem von den Werbern in Deutschland geschilderten Bild entsprach.

Zwischen 1723 und 1725 kamen nach Schambek weitere Einwanderer, die neben den Schwaben in der Schwabengasse in der Neugasse angesiedelt wurden, wobei zwischen beiden noch die Ungarische Gasse lag. Jede dieser Gassen hatte bis ca. 1736 ihren eigenen Richter (Schultheiß). Erst seit diesem Zeitpunkt wurde ein gemeinsamer Ortsvorsteher gewählt, was die Ansiedlungsphase sichtbar abschloß. Die deutsche Einwohnerschaft blieb auch in den folgenden Jahrzehnten fluktuierend, obwohl der Ort aufblühte und, nachdem das Dorf 1766 als alter Kameralbesitz vor der Türkenzeit wieder in staatliche Verwaltung übergegangen war, sogar städtische Einwohnerzahlen erreichte.

Literatur: C. J. Hutterer, Das ungarische Mittelgebirge als Sprachraum (Mitteldeutsche Stu-dien24),     Halle/Saale     1963,     S. 90-105;J. Winkler, Die Bevölkerungsentwicklung des Bakonyer Waldes im Spiegel der Statistik, in: Deutsche Forschungen in Ungarn 6 (1941) S. 209 ff.; J. Weidlein, Deutsche Flurnamen im südlichen Transdanubien, in: Deutschungarische Heimatblätter4 (1932) S. 33f f., S. 241 ff.; Zsämbek, in: Gerlinger Heimatblätter 3 (1985); J. Weidlein, Schwaben und Donauschwaben, in: Hungaro-Suebica. Gesammelte Beiträge, Schorndorf 1981, S. 17 ff.     

Immo Eberl

 

 

9. Schambek. Ruine der Prämonstratenserkirche

13. Jahrhundert

Photographie; Privatbesitz

Die Ruine der im 13. Jahrhundert errichteten Kirche ist 1763 durch ein Erdbeben entstanden und seitdem nicht restauriert worden, obwohl im 19. und 20. Jahrhundert Pläne dazu vorlagen.

Die Kirche war Bestandteil eines Prämonstra-tenserklosters, dessen Mönche aus Peterwar-dein abgerufen worden sind. Für die wachsende Gemeinde, die zum Großteil deutsch war, stellte man 1716 die Schloßkapelle für den Gottesdienst zur Verfügung; 1745 baute man eine neue Kirche.

Literatur: Zsämbek in: Gerlinger Heimatblätter Nr. 3 (1985) S. 2 ff.                      

Ute Richter

 

4.9

 

 

10. Die Schwäbische Türkei

Tafel

Unmittelbar nach der Befreiung durch die kaiserlichen Truppen begann die Neubesiedlung des Gebietes, das seinen Namen erst nach dem Ersten Weltkrieg erhielt, als die deutschen Siedler den im 18. Jahrhundert von den Magyaren für die deutschen Kolonistendörfer in der unteren Branau auf das gesamte Gebietzwischen Plattensee und Donau und Drau übertrugen.

Der Abt von Pecsvärad ließ 1689 in Südwestdeutschland Siedler anwerben, was dazu führte, daß 1700 in einigen Dörfern des Klosters deutsche Bevölkerung nachgewiesen werden kann. Im Zentrum der Schwäbischen Türkei, der Stadt Fünfkirchen, vereinbarten die deutschen Zuwanderer 1691 mit den übrigen Einwohnern, daß jedes zweite Jahr ein deutscher Bürgermeister die Stadt leiten sollte. Auch in Mohäcs und anderen Orten bestanden vor 1700 bereits deutsche Gemeinden. Der Ku-ruzzenaufstand vernichtete die deutsche Siedlung auf dem Land vollständig und ließ selbst in den Städten nur Teile des Deutschtums übrig. Die Zeit vor dem Ende des Aufstandes (1711) ist somit für die Siedlungsgeschichte der Schwäbischen Türkei fast bedeutungslos. Erst ab 1712 lassen sich neuerliche Bemühungen des Adels, dem große Teile des Grund und Bodens gehörten, feststellen, deutsche Siedler anzuwerben. Ladislaus Döry de Jöbbahäza als Grundherr von Tevel beauftragte 1712 seinen Agenten Franz Felbinger in Biberach, Kolonisten anzuwerben. Doch erst in den frühen 30er Jahren hatte er seine Güter mit Deutschen besiedelt. Obwohl weitere Herrschaften in der Schwäbischen Türkei in den Jahren nach 1712 den Bemühungen des Ladislaus Döry folgten, nahm die Ansiedlung erst ab 1722 einen größeren Umfang an, nachdem der ungarische Landtag den Kaiser darum gebeten hatte, deutsche Bauern und Handwerker zu entsenden. Graf Claudius Flo-rimund Mercy erwarb sich als bedeutendster Grundherr besondere Verdienste um die Ansiedlung der Deutschen in der Schwäbischen Türkei. Er konnte wegen seiner besonders großzügigen Ansiedlungsverträge seine Dörfer rasch besiedeln, wobei er darauf achtete, daß die Konfessionen und Nationalitäten getrennt blieben, und die Protestanten besonders begünstigt wurden.

Die Siedlung in den übrigen geistlichen und adeligen Besitzungen vollzog sich ähnlich. Die meisten Dörfer waren bereits vor der Jahrhundertwende besiedelt. Die durchziehenden Kolonistentransporte wurden dabei immer wieder angehalten und einzelne Familien abgeworben. Daher nahm die Einwohnerzahl der Dörfer rasch zu. Zum Beispiel in Paks an der Donau wohnten 1720 neben 35 magyarischen 15 deutsche Familien, 1767 wohnten aber neben 274 deutschen nur noch 230 andere Familien. In Hartau folgten den ersten Ansiedlern 1723/1724 weitere 25 Familien 1725, 144 Familien 1744 und 164 Familien 1760. Das Dorf war zu einem mehrheitlich deutschen Dorf geworden. Wie sich hier und auch in anderen Dörfern zeigt, füllten die deutschen Siedler häufig bereits bestehende Dörfer auf. Bei Neugründungen - wie dem vollständig deutschen Värdomb - wurden alte Flurnamen als Ortsnamen aufgenommen. Unter Kaiser Joseph II. kam es ab 1784 nochmals zu umfangreichen Zuwanderungen. In dieser Zeit entstanden aber nur noch zwei Dörfer neu, während im übrigen die bereits bestehenden Siedlungen vergrößert wurden. Neuerlich hatten die Adeligen und Geistlichen viele der in die Batschka und ins Banat durchziehenden deutschen Siedler zur Niederlassung in ihrem Gebiet bewogen. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Zustrom deutscher Siedler endgültig versiegte, breitete sich das Deutschtum dennoch weiter aus, da zahlreiche nachgeborene Söhne in die benachbarten magyarischen Dörfer zogen. Sogar im 19. Jahrhundert entstanden noch ausschließlich deutsche Dörfer, so 1814 Mike und Kisberki, 1844 Márcadó und 1846 Endröc. Das kroatisch-magyarische Dorf Almáskeresztür wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch deutsche Zusiedlung vergrößert. Bereits in diesen Jahrzehnten gingen auch viele im Magyarentum auf. Beispielhaft sind hier die Entwicklungen in der magyarischen Särköz und Ormányság. Die hier noch 1851 überwiegend kalvinistische magyarische Bevölkerung wurde durch deutschen Zuzug und deutsche Heiraten bis 1930 katholisch, blieb aber in Sprache und Haltung magyarisch.

Literatur: J. Weidlein, Die Schwäbische Türkei t-ll, München 1967-1980; J. Weidlein, Die Neubesiedlung des Beljeer Gutes des Prinzen Eugen von Savoyen, in: Ders., Hungaro-Sue-bica. Gesammelte Beiträge, Schorndorf 1981, S. 13ff.; Hartau und Egyhäzaskozär, in: Gerlinger Heimatblätter 3 (1985) S. 17ff. F. Hengl, Deutsche Kolonisten in der Baranya 1688-1752, Schwiersheim 1985.  

Immo Eberl

 

11. Egyházaskozár. Außenansicht der Kirche und Tympanon

1783

älteste deutsche evangelische Kirche

Photographie; Privatbesitz

Obwohl der deutsche Ort im 18. Jahrhundert nur 1/6 katholische Gemeindemitglieder zählte, versah das Schulamt nicht ein evangelischer, sondern ein katholischer Lehrer (Pfarrer). Erst mit dem Toleranzedikt Josephs II. entspannte sich die Lage. Es schuf die Voraussetzung zum Bau der Kirche. Gegen die Bauvorschrift wurden ein Turm und eine zur Straße liegende Tür konstruiert. Aus Dankbarkeit brachten die Einwohner Egyházaskozärs über der Kirchentür ein Schild mit dem Habsburger Wappen und einem Widmungstext für Joseph II. an (Gott dem Dreieinigen ist diese Kirche geweiht, Josephil, sei dafür gebenedeit). Es mußte zeitweilig aus ideologischen Gründen nach 1918 versteckt werden. (Das Photo zeigt die um 1800 nach einem Brand vernichtete und wieder aufgebaute Kirche mit verdecktem Türschild.) Sie war die Mutterkirche von zwölf Filialen.

Literatur: J. Weidlein, Die Schwäbische Türkei l-ll, München 1967-1980; Gerlinger Heimatblätter 3 (1985) S. 16 ff.               

Ute Richter

 

4.11

 

12. Die Batschka

Tafel

Die Rückgewinnung des Landes wurde durch den Frieden von Karlowitz (1699) bestätigt. Obwohl nur wenige der alten magyarischen Grundherrschaften ihre Ansprüche auf ihren ehemaligen Besitz in der Batschka durchsetzen konnten, wurde die alte Komitatsverfassung 1698 wieder eingeführt. Der größte Teil des Landes blieb Staatsbesitz. Auf einem Teil dieses Gebietes wurde entlang der Theiß und der südlichen Donau die Militärgrenze errichtet, auf deren Gebiet hauptsächlich Serben angesiedelt wurden. Aus Staatsbesitz wurden bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts einige Adelige belehnt. In späterer Zeit nahm die Zahl der Privatgüter immer mehr zu, obwohl die große Aufteilung der Kameralgüter auf private Eigentümer erst zwischen 1797 und 1801 erfolgte. Eine alteingesessene Bevölkerung in der Batschka fehlte beim Einmarsch der kaiserlichen Heere 1687/1688 fast vollständig. Die wenigen slawischen Einwohner waren erst kurz zuvor eingewandert. Die ersten Deutschen kamen als Handwerker und Kaufleute im Gefolge der kaiserlichen Heere ins Land und siedelten sich in der Nähe der militärischen Versorgungs- und Verpflegungslager an. Das eine dieser Zentren war die »Peterwardeiner Schanz«, das spätere Neusatz, die ab 1694 entstand. Von den 1715 dort nachweisbaren 37 Familien waren 15 deutscher, zwei magyarischer, zwei jüdischer und 18 serbischer Herkunft. Stadtrichter waren abwechselnd ein Deutscher und ein Serbe.

Die Einwohner lebten ausschließlich von ihren Gewerben und wechselten rasch. Als die Habsburger 1739 Belgrad wieder verloren, erhielt Neusatz starken Zuzug. Das andere wirtschaftliche Zentrum des Landes war der Donauhafen Baja. 1715 wohnten unter 237 Familien fünf deutsche, die sich bis 1720 auf elf und bis 1726 auf 37 vermehrten. Eine deutsche bäuerliche Bevölkerung fehlte, bis der Kame-raladministrator Gombos 1729 als erstes deutsches Dorf Tschatalja bei Baja gründete. Das Dorf galt bald als Musterdorf und konnte trotz seiner Lage auf unfruchtbaren Böden bei rasch wachsender Bevölkerung Siedler für weitere Dörfer abgeben. Fast gleichzeitig wurden auch magyarische Siedler in zwei Dörfern landeinwärts angesetzt. In den nächsten Jahren entstanden weitere Dörfer, doch erst nach 1748- unter der Leitung des Grafen Anton von Grassalkovich - nahm die Sieldung größere Maßstäbe an (1749 Bukin; 1750 Apatin; 1756 Hodschag; 1756 Kollut). Die Deutschen blieben in dieser magyarisch ausgerichteten An-siediung jedoch in der Minderheit. Von den etwa 5000 angesiedelten Familien in den Jahren 1748-1762 waren nur 1070 deutscher Herkunft, die Hälfte dagegen Magyaren, fast ein Drittel Serben und der Rest Slowaken und Ruthenen. Diese frühtheresianische Kameral-ansiedlung beschränkte sich weitgehend auf die Gebiete an Donau und Theiß, wobei die deutschen Siedler meist in der Nähe der Donau blieben. Als Graf Grassalkovich sich 1762 gegen eine weitere deutsche Kolonisation aussprach, wurde von Maria Theresia Baron von Cothman zum Ansiedlungsleiter ernannt, der auf zwei persönlichen Inspektionsreisen die Ansiedlung deutscher Bauern förderte.

Neue Dörfer wurden nur für Deutsche gegründet, da die angesiedelten Magyaren sich bald mehr durch Fischfang in der Donau als durch Ackerbau ernährt hatten. Bis 1767 waren 13 ganz oder überwiegend deutsche Kameralorte in der Batschka entstanden, die von drei Privatansiedlungen und den Städten Baja und Neusatz ergänzt wurden. Die fortdauernde deutsche Einwanderung wurde bis 1771 in diese Ortschaften gelenkt. Die gegen Coth-mans Bemühungen gerichteten Bestrebungen der ungarischen Behörden, die zur Ansiedlung tauglichen Prädien als erschöpft zu betrachten und den Rest als Weideland für die Viehzucht zu erhalten, hatten 1771 den Erfolg, daß die staatliche Ansiedlung eingestellt wurde und nur noch deutsche Handwerker in den Städten zuzogen.

Joseph II. förderte ab 1784 die deutsche Ansiedlung. Es wurden dabei 7 deutsche Dörfer mit insgesamt rund 2000 Häusern gegründet, zuerst 1784 Torschau. Ferner wurden in zahlreichen bestehenden magyarischen und serbischen Dörfern deutsche Familien angesiedelt. Ein Beispiel dafür ist das Dorf Bäcsalmäs. Wie die Dörfer Gara, Csävoly und Bajmok beweisen, folgten die adeligen Grundherren der staatlichen Ansiedlungspolitik. Csävoly wuchs z.B. von 450 Einwohnern (1762) auf 1487 (1783). Nach der Massenkolonisation der josephinischen Zeit war die spätere Ansiedlung geringfügig und ergänzte meist nur schon bestehende Dörfer. Das Deutschtum wuchs im 19. Jahrhundert weiter an, da sich der landlose deutsche Bauernnachwuchs durch Heirat oder Kauf in vielen Dörfern der Batschka niederließ. Doch waren diese vereinzelten deutschen Siedler aufgrund ihrer Situation meist bereit, im Magyarentum aufzugehen, zumal wenn dadurch gesellschaftliche oder finanzielle Vorteile winkten.

Literatur: H. Rüdiger, Die Donauschwaben in der südlichen Batschka, (Schriften des Deutschen Ausland-Instituts Stuttgart A28) Stuttgart 1931; K. Schünemann, Batschka, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Bd. 1, Breslau 1933, S. 291 ff.; P. Flach, Goldene Batschka, ein Heimatbuch der Deutschen aus der Batschka, München 1953. J. Eimann, Der deutsche Kolonist oder die deutsche Ansiedlung unter Josef II. in den Jahren 1783-1787 besonders im Königreich Ungarn in dem Batscher Komitat, hg. von F. Lotz, München 1965; J. V. Senz, Die Deutschen im Batscherland, Wien 1984.

Immo Eberl

 

13. a) Bácsalmás (Heimersdorf). Sallasch (Aussiedlerhof)

Photographie (1935)

Peter Glöckner, Backnang

b)csalmás. Bauernhaus in der Husarengasse

Photographie

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

c) Bácsalmás. Sallasch (Aussiedlerhof) im Trieb

Photographie (1975)

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

Ute Richter

 

4.13b 4.13c

 

14. Das Banat

Tafel

Durch die siegreiche Schlacht bei Peterwar-dein (1716) öffnete Prinz Eugen den Weg in das Banat. Wenige Wochen später konnte die Festung Temeschburg eingenommen werden (12. Oktober 1716). Prinz Eugen setzte Graf Claudius Florimund Mercy als Kommandant der im Banat liegenden Regimenter ein und bestellte damit die für die künftige Entwicklung des Gebietes richtungsweisende Person. Nach dem Frieden von Passarowitz (1718) wurde das Land als kaiserliche Provinz verwaltet. Das Temescher Banat oder Banat stand bis 1751 unter Militärverwaltung und wurde erst 1778 mit Ungarn vereinigt. Von der 1779 eingeführten Komitatsverfassung blieb die 1765-1768 gebildete Banater Militärgrenze frei, die erst 1873 zu Ungarn kam. Die Türken hatten sich in den letzten Jahren ihrer Herrschaft um eine Ansiedlung bemüht, die 1717 immerhin zu einer bei 21 089 gezählten »Rauchfängen« geschätzten Bevölkerungszahl von ca. 80000 Personen führte. Nachdem diese Bevölkerung unter den Kriegslasten geflohen war, blieb nur noch ein Rest der Einwohner, aus Rumänen und Serben bestehend, zurück. Es war daher eine systematische Ansiedlungspolitik in dem stark versumpften Gebiet notwendig. Graf Mercy empfahl diese in seinem »Einrichtungsprojekt« schon 1718, um das Land wirtschaftlich und kulturell zu heben. Die Landesbehörde bemühte sich, die rumänischen und serbischen Einwohner zu fördern, um sie durch Zuzug zu vermehren. Auch die Ansiedlung von Magyaren und Bulgaren wurde gefördert. Die ersten Deutschen waren als Beamte, Handwerker und Ingenieure im Gefolge des Heeres ins Land gekommen. In den Städten bildeten sich rasch deutsche Siedlungen handwerklich-bürgerlichen Charakters. Temeschburg erhielt zum I.Januar 1718 einen deutschen Magistrat.

Daneben entstanden vor 1722 einige deutsche Bergmannsiedlungen, wie Ora-witza, Bokschan und Dognatschka. Graf Mercy war von 1718-1720 als Heerführer in Sizilien. Nach seiner Rückkehr begann er ein Kolonistenanwerbungssystem zu entwickeln, um das Banat zu besiedeln. Mercy selbst hatte auf seinen Gütern in der Schwäbischen Türkei Schwaben angesiedelt, und der erste von ihm in Wien für das Banat vorgeschlagene Werber, Johann Franz Albert Craußen, war dabei schon für ihn tätig gewesen. Neben diesem wurde seit 1723 der kaiserliche Administrationsfiskal und Amtmann in Worms, Johann Franz Falckh, als Werbeleiter und Transportkommissar tätig. Die Bemühungen führten zum ersten Schwabenzug (1722-1726), von dem nur ein Teil im Banat eintraf, da viele Familien unterwegs in Ungarn abgeworben worden waren. Insgesamt sollen 46 Dörfer mit deutschen Kolonisten besetzt worden sein. Die Zahl der angesiedelten deutschen Kolonisten wird dabei auf 15000 geschätzt. Als 1726 der für die Ansiedlung vorgesehene Budgetposten von 10000 fl. jährlich gestrichen wurde, hatte Mercy sein Ziel erreicht. Die deutschen Kolonien brachten 1736 schon 30000 Gulden Abgaben ein. In den Jahren 1726-1733 hat Mercy keine deutschen Kolonistendörfer mehr angelegt.

Die auch wirtschaftlich überaus positive Entwicklung (Graf Mercy hatte in Temeschburg eine Tuchfabrik eingerichtet, er förderte die Seidenindustrie, die Glashütten und auch das Berg- und Hüttenwesen) wurde durch den ausbrechenden Krieg mit den Türken empfindlich gestört. Die Bevölkerung floh, und das im südlichen Banat bestehende geschlossene deutsche Sprachgebiet mit 55 Orten wurde halbiert. Verdichtungspunkte blieben um Wer-schetz, Weißkirchen und Pantschowa bestehen, obwohl sie hohe Bevölkerungsverluste erlitten hatten. Nach Norden zu wuchs die Zahl der bestehengebliebenen Siedlungen kontinuierlich. Nach Ende des Krieges kehrten die Siedler nicht an ihre ursprünglichen Wohnorte zurück.

In den ersten Regierungsjahren Maria Theresias wurde die Siedlungspolitik Mercys nicht wiederaufgenommen. Erst ab 1744 wurden Bauernwerber aus den Reihen der Kolonisten nach Deutschland geschickt, um Landsleute anzuwerben. Es gelang bis 1752, auf diese Weise 2500 deutsche Siedler ins Banat zu ziehen, die entweder zur Verstärkung bestehender Gemeinden benützt wurden oder neue Siedlungen (z. B. Neubeschenowa und Sankt-andres) anlegten. Dazu setzte auch der »Te-meschburger Wasserschub«  ein,  der von 1744-1768 zweimal jährlich aus Wien Leute, die man aus ihrem Heimatland entfernt haben wollte, wie z.B. Landstreicher, Wildschützen u.a., ins Banat abschob.

 

4.14a

 

Gerade diese Institution wurde von den örtlichen Behörden ungern gesehen, da sie das Banat in Verruf brachte und das Anwerben von Kolonisten erschwerte. Unter den ins Banat Deportierten befanden sich auch die Hauensteiner, die aus der im Schwarzwald gelegenen Grafschaft Hauenstein stammten und die Aufrührer der Salpete-rerrevolten gewesen waren. Nach den 1728, 1737-1739 und 1744/1745 gegen das Kloster St. Blasien unternommenen Aufständen wurden die Rädelsführer von den österreichischen Behörden zwangsweise ins Banat und nach Siebenbürgen ausgesiedelt. 1754/1755 wurden nach einem neuerlichen Aufstandsversuch 112 Personen ins Banat deportiert, wo sie sich standhaft weiter gegen die Maßnahmen der Behörden wehrten. Die weitere Besiedlung des Banats wurde nach den ersten Versuchen unter Maria Theresia aus finanziellen Gründen unterbrochen. Insbesondere die Provinzialverwaltung, die 1751 eingeführt wurde, und die vom Präsidenten der Banater Landesadministration, Graf Villana-Perlas, betriebene Politik ließen die Siedlungsmaßnahmen ins Stocken geraten. Zwischen 1754 und 1762 kamen daher nur 299 Familien ins Land.

Doch wohnten 1763 etwa 24000 Deutsche im Banat. Obwohl sich Graf Perlas gegen die Wiederaufnahme der Siedlungspolitik sträubte, kamen 1763 und 1764 fast 1000 Familien zur Ansiedlung. Sie wurden aber trotz gegenteiliger Anweisungen ausschließlich in den bestehenden Dörfern angesiedelt, um die Weidegründe einiger Viehzüchter zu schonen. In einzelnen Dörfern verdoppelte bzw. verdreifachte sich daher die Zahl der Einwohner, so in Neubeschenowa, Mercydorf und Guttenbrunn, was gerade in letzterem dazu führte, daß ein neues Dorf neben dem alten angelegt wurde. Die Ansiedlung nahm in den folgenden Jahren im sogenannten zweiten Schwabenzug (1763-1770) ständig zu und belief sich 1766 auf 2294 Familien. Seit 1765 begannen wieder Gründungen neuer Dörfer, so z.B. Hatzfeld und Landstreu, Billed, Csätad (später Lenauheim) und Großjetscha. Streitigkeiten innerhalb der Verwaltung ließ die Zahl der Zuwanderer 1767 auf 505 und 1768 auf 480 Familien zurückgehen. Doch stieg sie 1769 auf 781 und 1770 sogar auf 3276 Familien. Die Gesamtbevölkerung des Banats belief sich 1770 auf 317928 Personen, von denen 181639 Rumänen, 78780 Serben, 43201 neue Ansiedler aus dem Westen, 8683 Bulgaren und 5625 anderer Volkszugehörigkeit waren. Die Schwierigkeiten in der Verwaltung und die daraus entstehenden Mängel in der Unterbringung der Kolonisten führten zu zahlreichen Todesfällen unter diesen, z.B. starben vom I.Dezember 1770 bis Ende Februar 1771 allein 1159 Personen.

Mit dem Übergang des Banats an Ungarn (1778) wurde der bisherige Kameralbesitz aufgeteilt und an Privatpersonen verkauft. Obwohl sich Banater Schwaben gegen diese Maßnahme aussprachen, da damit im Gegensatz zu den ihnen gewährten Privilegien die adelige Gutsherrschaft wieder eingeführt würde, wurden neben zahlreichen Orten auch 40 Schwabendörfer verkauft, was dem Wiener Hof über 2 Millionen Gulden erbrachte. Die deutschen Siedler wurden Hörige des Käufers und waren in Zukunft zu den Hand- und Spanndiensten verpflichtet und mußten auch den Neunten der Naturalien abliefern. Joseph II. regte durch sein Patent von 1782 eine nochmalige Einwanderungswelle an, die etwa 3000 deutsche Familien anzog, von denen aber ein Teil aus Banater Kolonistenfamilien stammte. Es wurden immerhin sechs neue schwäbische Kolonistendörfer angelegt. Unter Franz II. kam es ebenfalls noch zur Ansiedlung deutscher Kolonisten in eigenen Dörfern, so Karlsdorf (1803), Großscham (1809) und Franzfeld (1790 und 1802). Auch im Banat, wo die schwäbischen Siedler einen großen Anteil der Bevölkerung stellten, lebten sie in dauernder Verbindung zu den neben ihnen angesiedelten anderen Volksgruppen.

Literatur: F. Griselini, Versuch einer politischen und natürlichen Geschichte des Temes-warer Banats in Briefen an Standespersonen und Gelehrte, Wien 1780 (Nachdruck [auszugsweise] München 1969); F. Wilhelm und

lungsgeschichte in Südosteuropa, München 1932; K. Schünemann, Banat, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Bd. 1, Breslau 1933, S. 207ff.; J. Kallbrunner, Das kaiserliche Banat, München 1958; J. Wolf, Wie kamen im 18. Jahrhundert deutsche Kolonisten ins Banat? in: Forschungen zur Volksund Landeskunde 16/2 (1973), S.5ff.; Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens, Bd. 1, hg. von C. Göllner, Bukarest 1979, S. 277ff.; H. Mraz, Die Einrichtung der kaiserlichen Verwaltung im Banat von Temesvar, phil. Diss. Wien 1984.        

  Immo Eberl

 

a.  Banat. Landstraße bei Jahrmarkt

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

b.  Banat. Cerna-Tal

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

c.  Banat. Cerna-Tal

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

d. Banat. Im Osten

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

 

4.14b 4.14c
   
4.14d
   

 

15. Claudius Florimund Graf Mercy (1666-1734), Generalfeldmarschall

nach 1720

Portraitstich

Photographie

Österreichische Nationalbibliothek Wien

Das Portrait zeigt Mercy in verwundetem Zustand, der linke Arm ist verbunden, der rechte verstümmelt. Mercy hatte sich in zahlreichen großen Schlachten, er war als Sproß einer lothringischen Adelsfamilie bereits 1682 als Volontär in die Armee eingetreten, zahlreiche Verletzungen zugezogen. Bis zu seiner Ernennung zum Gouverneur des Temescher Banats (1720-1733) machte er sich im Spanischen Erbfolgekrieg verdient und erblindete auf einem Auge völlig, auf dem anderen verlor er die halbe Sehkraft. Das Portrait dürfte also nach 1720 entstanden sein. In den Türkenkriegen zeichnete Mercy sich durch besondere Verdienste um den Sieg bei Peterwardein und die Einnahme von Temeschburg (1716) aus, so daß Prinz Eugen von Savoyen ihm nach dem Frieden von Belgrad 1718 die Kommandantur des Banats übertrug. Er hatte sie mit drei Unterbrechungen bis 1734 inne. Nach 164jäh-riger Türkenherrschaft machte Mercy sich um die Kultivierung und politische und wirtschaftliche Eingliederung des Banats in die österreichische Monarchie verdient. Das Banat stand unter direkter Verwaltung der Wiener Hofkammer, d.h. es galt als Krön- und Kammerdomäne, die Grundherrschaft wurde direkt verwaltet, die Komitatsverfassung ausgeschaltet. Das hatte den Vorzug, daß die fiskalischen Abgaben höher waren. Sitz der zentrali-stischen Organisation war Temeschburg. Die Stadt gehörte zu dem Ring befestigter Städte, die Mercy zum Schutz des Banats anlegen ließ.

Der Wunsch der Ungarn, dieses Gebiet in ihr Königreich einzugliedern, ging zunächst nicht in Erfüllung. Mercy betrieb Populations- und Wirtschaftspolitik, ordnete das Rechtswesen und setzte sich für die Einrichtung neuer Erwerbszweige und die Sicherung und Befestigung der Region ein. Ihm ist auch der Bau des Begakanals zwischen Temeschburg und Groß-Betschkerek zu verdanken, der die Aufnahme der Flußschiffahrt ermöglichte

Literatur: J. Kallbrunner, Ein Lothringer als Träger deutscher Kultur im Banat, in: Schicksalswege am Oberrhein, hg. von P. Wentzcke, Heidelberg 1952, S. 165 ff.; S.Jordan, Die kaiserliche Wirtschaftspolitik im Banat des 18. Jahrhunderts, München 1967. Ute Richter

 

4.15

 

16. Slawonien und Syrmien

Tafel

Die kaiserlichen Heere befreiten 1687 Slawonien aus türkischer Hand und nahmen am 5. Okober 1687 Esseg ein. 1688 drangen sie auch nach Syrmien vor. Der Frieden von Karlowitz (1699) brachte Kroatien und Slawonien an Österreich, während der letzte Teil von Syrmien erst im Frieden von Passarowitz folgte. Die eroberten Länder wurden der Hofkammer und dem Hofkriegsrat unterstellt. Der 1700 an den Adel ergangene Aufruf, ihr Familienrechte anzumelden, fand kaum Resonanz, da die meisten Familien ausgestorben waren oder keine gültigen Rechtstitel vorlegen konnten. Infolgedessen wurden einzelne Herrschaften an die meistbietenden Adeligen verkauft. Die alte Komitatsverfassung wurde 1718 wieder hergestellt.

Slawonien besaß um 1700 kaum mehr als 140000 Einwohner, und Syrmien hatte fast keine Bewohner. Vor allem die Städte hatten ihre Bevölkerung durch den Abzug der türkischen Bewohner weitgehend verloren. Diese Situation forderte, Handwerker anzusiedeln. Im Gefolge des kaiserlichen Heeres sind die ersten deutschen Siedler ins Land gekommen. In Peterwardein und Esseg haben sich die ersten deutschen Gemeinden gebildet. Esseg erhielt bereits 1690 Stadtrecht. Der weitere Zuzug von Handwerkern und Kaufleuten aus den österreichischen Gebieten nach Esseg hat im 18. und 19. Jahrhundert angehalten und der Stadt ein deutsches Gepräge verliehen. In Semlin ließen sich die ersten deutschen Sied-ler nach dem Frieden von Passarowitz (1718) nieder Als sich die Deutschen mit dem kaiser-lichen Heer 1739 aus Nordserbien zurückziehen mußten, zogen sie in großer Zahl nach Semlin. Peterwardein, Karlowitz und Esseg. Die Deutsche Gasse in Karlowitz und das Schwabendörfel in Peterwardein deuten auf eine Ansiedlung in besonderen Stadtteilen. Das Klima und die Seuchen haben in dieser Zeit die deutschen Siedler zahlenmäßig so dezimiert, daß Esseg und Peterwardein als •Gräber der Deutschen« bezeichnet werden tonnten.

Die bäuerliche Besiedelung des Landes erfolgte weniger planmäßig und in weit lockerer Form als in der Batschka und der Schwäbischen Türkei, da das Land noch weitgehend von Urwald oder Morast bedeckt war, und neben der Wolfsplage noch andere Widrigkeiten herrschten, die gegen eine bäuerliche Siedlung sprachen. Dazu waren die Angebote für die Ansiedler nicht sehr verlockend, denn sie wurden vom Heeresdienst und den übrigen Abgaben nur für drei Jahre befreit und mußten sich zumeist noch den Grundherren als Hörige übergeben. Nur wenige Adelige sahen die Bedeutung der Ansiedlung ein und gewährten den Kolonisten Freizügigkeit. Nachdem auf der Domäne Valpovo schon 1745 Handwerker aus Kempten angesiedelt worden waren, wurden zwischen 1785 und 1787 Josefsfeld-Kula und Josefsdorf-Porec als Siedlungen des Staates angelegt. Die Lage der herrschaftlichen Bauernsiedlungen the-resianischer Zeit in Slawonien war günstiger. Der deutsche Bevölkerungsanteil wurde durch die Nachsiedlung im späteren 18. und im 19. Jahrhundert vergrößert. Siedler aus Württemberg gründeten 1792 die Neustadt Essegs und hatten 1791 in Neu-Pasua in Ostsyrmien eine deutsche Gemeinde gebildet. Auch unter den zwischen 1790 und 1794 in Karlowitz, Ruma und Bukowitz zuziehenden Familien lassen sich Württemberger nachweisen. Nachdem Slawonien und Syrmien im 18. Jahrhundert nur eine sehr lockere deutsche Ansiedlung erhalten hatten, nahmen diese Gebiete im 19. Jahrhundert den Menschenüberschuß in den donauschwäbischen Gebieten nördlich der Drau und Donau auf. Doch kam es weder in Slawonien noch in Syrmien zur Gründung neuer Dörfer. Die zuziehenden Deutschen wurden nur in bestehenden Siedlungen angesiedelt, meist allerdings vom serbischen Ortsteil vollständig getrennt. Im Gegensatz zu den übrigen donauschwäbischen Gebieten blieb die Siedlungsbewegung in Syrmien und Slawonien überaus lange lebendig, wie die fortgesetzte Aufnahme neuer Siedler beweist.

Literatur: V. Oberkersch, Die Deutschen in Syrmien, Slawonien und Kroatien bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Stuttgart 1972; C. Bischof, Die Geschichte der Marktgemein de Ruma, Freilassung 1958.       

Immo Eberl

 

17. Sotin. Donaumühle

Photographie

Haus der Donauschwaben, Sindelfingen

 

4.17

 

 

18. Sáthmar

Tafel

Die mittelalterliche deutsche Siedlung in Sath-mar erlosch, da sich die deutschen Einwohner assimilierten oder den Tataren und später den Türkenkriegen zum Opfer fielen. Die Burg in Sathmar wurde 1565 durch Lazarus von Schwendi als Generalkapitän der kaiserlichen Truppen in Ungarn neu errichtet. Graf Alexander Kärolyi ist der Begründer der neuzeitlichen deutschen Siedlung in Sathmar. Nach den Verwüstungen durch den Kuruzzenaufstand rief er 1712 durch Werber katholische Schwaben aus den Gebieten um Biberach und Ravensburg auf seine Güter, um ein Gegengewicht gegen die kalvinistischen Ungarn zu schaffen. Es kamen insgesamt 1400 Kolonisten. Der Graf traf die anreisenden Schwaben in Preßburg und schloß mit ihnen eine Vereinbarung. Doch schon die Fahrt nach Karol wurde zur Katastrophe, da weder die Beförderungsmittel rechtzeitig bereitstanden, noch die Versorgung gesichert war. Anscheinend hatte Graf Károlyi nicht mit einer so hohen Zahl von Kolonisten gerechnet. Fast 1000 Personen haben enttäuscht Sathmar wieder verlassen.Von den zurückbleibenden 450 Schwaben waren 200 durch die Notlage gestorben. Statt der vier geplanten Dörfer hatte der Graf nur eines besiedeln können. Daher wartete er acht Jahre, bis die verbliebenen Schwaben in so guten Verhältnissen lebten, daß er sie 1720 nach Oberschwaben zu neuerlichen Werbungen senden konnte. Anton Elmajer warb 20-25 Familien an, die er nach Karol brachte. Ein zweiter Werber führte ebenfalls 20 Familien nach Karol. In den folgenden Jahren kamen jedes Jahr eine Reihe von Familien nach Karol, um sich im Gebiet von Sathmar niederzulassen. Bis 1726 wurde bei der Ansiedlung von Kolonisten die magyarische Bevölkerung aus den Dörfern abgezogen. In dem 1726 besiedelten Dorf Erdeed wohnten erstmals Schwaben und Magyaren zusammen. Graf Alexander Kärolyi hat bis zu seinem Tode (1743) acht Siedlungen mit Schwaben angelegt. Sein Sohn gründete zwischen 1743 und 1752 weitere Siedlungen, und auch sein Enkel förderte die schwäbischen Siedlungen. Teilweise war das schwäbische Element in den einzelnen Dörfern führend geworden: in Karol standen 1774 z.B. 231 schwäbische Bauern 141 anderer Nationalität gegenüber, bei den Häuslern jedoch nur 121 gegenüber 226. Obwohl die Sathma-rer Schwaben in den ersten Jahrzehnten zahlreiche Belastungen hatten hinnehmen müssen und im 19. Jahrhundert versucht wurde, die ihnen zugesagten geringen Frondienste von 15-25 Robottagen an die allgemein üblichen 52 Tage Zug- und 104 Tage Handrobot anzugleichen, was sie erbittert zurückwiesen, hat sich in der kleineren Herrschaft der Grafen Kärolyi eine wirtschaftlich gefestigte, zahlenmäßig nicht überaus große, aber doch vor der Assimilierung weitgehend sichere Gruppe der Donauschwaben gebildet. Diese zog immer wieder neue Siedler nach; von 1712-1838 kamen etwa 2072 schwäbische Familien nach Sathmar, von denen ca. 75 % aus dem Raum der heutigen Landkreise Biberach und Ravensburg stammten. Auch aus dem Banat zogen im späten 18. und 19. Jahrhundert einzelne Kolonisten nach Sathmar.

Literatur: I. Vonhäz, A Szatmármegyei német telepites, Pecs 1931 ;S. Wieser, Wir zogen aus Schwaben nach Osten, in: Heimatbuch der Sathmarer  Schwaben,    1952,   S.5ff.;   Ge-schichte der Deutschen aus dem Gebiete Rumäniens, hg. von C. Göllner, Bukarest 1979, S.321ff.; S.Koch, Die Sathmarer Schwaben - Oberschwaben im Südosten, Laupheim 1984.                                              

Immo Eberl

 

19. Lazarus von Schwendi (1522-1584), kaiserlicher Feldobrist

1560/1570, süddeutscher Maler

Öl auf Leinwand 105 x 95 cm

Kunsthistorisches Museum Wien

Photographie

Die Bedeutung, die Lazarus von Schwendi für Sathmar hatte, lag in der Besetzung des Gebiets 1565, die er als Kommandant des kaiserlichen Heeres gegen Johann Sigismund von Siebenbürgen erreichte. Die zerstörte Burg in Sathmar ließ er neu errichten. Die folgende Auseinandersetzung mit den Osmanen ließ den gebürtigen Schwaben aus Mittelbiberach weitreichende Überlegungen zur Reorganisierung der Verwaltung Ungarns und des Heeres konzipieren. Darunter fielen z.B. der Ausbau eines Festungsgürtels entlang der Landesgrenzen und die Umstellung des Verteidi-gungswesens vom Söldnerheer zum Volks-aufgebot. Schwendi hat auch, was nicht unerwähnt bleiben sollte, die Tokay-Traube am Kaiserstuhl eingeführt. Seine Hauptwerke sind »Bedenckhen das wider den Türggen fürzu-nemen und wie man sich verhalten möchte« (1566) und »Kurtzer Begriff eines gantzen Kriegswesens« (1577/1578).

Literatur: J.König, Lazarus von Schwendi 1522-1584 (Diss.) Tübingen 1933; E. v. Frauenholz, Lazarus von Schwendi. Der erste deutsche Verkünder der allgemeinen Wehrpflicht, Hamburg 1939; Porträtgalerie zur Geschichte Österreichs von 1400-1800, Wien 1976, S. 256 ff.                             

Ute Richter

 

4.19

 

20.  »Mutter Anna«

18.Jhdt.

Holzskulptur

Bad Wurzach/Baden-Württemberg

Photographie; Privatbesitz

Die Holzskulptur wurde von deutschen Siedlern aus Oberschwaben im 18. Jahrhundert nach Scheindorf (Sathmar) mitgenommen und nach der Vertreibung der Deutschen wieder nach Oberschwaben zurückgeführt.

Literatur: St. Koch, Die Sathmarer Schwaben - Oberschwaben im Südosten, Laupheim 1984.                                              

Ute Richter

 

4.20

 

21. Die deutsche Nachbesiedlung Siebenbürgens

Tafel

Das Einströmen deutscher Kolonisten in Siebenbürgen ging im wesentlichen noch im Mittelalter zu Ende. Später kam es nur noch gelegentlich und aus bestimmtem Anlaß zu Nachsiedlungen in größerem Maße und zur Einwanderung einzelner Familien und Personen. Manchmal merkt man es schon an deren Namen, denn nach dem Üblichwerden von Familiennamen im Spätmittelalter wird man in Siebenbürgen z.B. als »Teutsch« eher einen Neuankömmling aus dem Deutschen Reich als einen alteingesessenen Siebenbürger Sachsen bezeichnet haben. Öfters erlangten gerade Fremde höchste Ämter in der sieben-bürgisch-sächsischen Volksgemeinschaft. So war der erste evangelische Bischof der fast geschlossen zum Luthertum übergewechselten Siebenbürger Sachsen ein um seines Glaubens willen aus Krain vertriebener Exulant namens Paul Wiener (1553-1554), und aus der Zips bzw. aus Preschau stammte, der unglückliche Sachsengraf (1697-1703) Johannes Zabanius, geadelt als Sachs von Harteneck, dessen Vater ebenfalls aus Glaubensgründen nach Siebenbürgen gekommen war, und der sein Amt in den harten Zeiten nach Siebenbürgens Übergang an das Haus Habsburg (1690) auszuüben hatte.

Auch größere deutsche Siedlergruppen sind meist aus religiös-konfessionellen Gründen in das durch eine besondere Toleranzgesetzgebung ausgezeichnete Siebenbürgen eingeströmt. So waren es 1621 ff. Huterische Brüder, also Anhänger des Tiroler Täuferpredigers Jakob Huter (+ 1539), die durch die Gegenreformation aus Mähren und der Slowakei nach Siebenbürgen vertrieben und hier zur Ansiedlung in dem seines deutschen Charakters weithin entblößten Ort Winz nächst der Hauptstadt Weißenburg zugelassen wurden. Nach Missionserfolgen und der Gründung weiterer Bruderhöfe in Siebenbürgen hat man sie 1767 doch zur Flucht in die Walachei gezwungen, von wo sie bald nach Rußland weiterzogen. Die österreichische Regierung nützte im 18. Jahrhundert die siebenbürgische Toleranz, um die in den habsburgischen Erblanden nicht geduldeten Protestanten abzuschieben und gleichwohl als wirtschaftlich nützliche Untertanen unter eigener Herrschaft zu behalten: statt Emigranten ins Ausland wollte man lieber Transmigranten in ein anderes Kronland. Diese Zwangsumsiedlung brachte in den Jahren 1734-1737, 1752-1756 und 1773-1776 die »Landler« nach Siebenbürgen, so genannt, weil sie in der Mehrzahl aus dem »Land ob der Enns«, aus Oberösterreich, stammten, sich freilich auch aus Steiermark und Kärnten rekrutierten. Zu den meist in der Umgebung von Hermannstadt angesiedelten Landlern zählten mehrere Tausend Personen.

Sie stellten somit die stärkste deutsche Nachsiedlergruppe in Siebenbürgen. Nebst diesen österreichischen Zuwanderern kamen im 18. und 19. Jahrhundert auch schwäbisch-alemannische Kolonisten. Im Hotzenwald in der Hauensteiner Grafschaft am Oberrhein hatte es seit den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts Unruhen unter den Bauern gegen die Herrschaft der Habsburger und des Klosters St. Blasien gegeben. Nachdem man schon 1739 die nach dem Beruf ihres Anführers auch Salpeterer genannten Rebellen nach Ungarn und ins Banat verbannt hatte, wurden nach Niederschlagung eines neuen Aufruhrs 1745 rund 30Hotzen-Familien auch nach Siebenbürgen gebracht. Für Mühlbach und Umgebung bedeutete 1749 und 1770 der Zuzug weiterer - mehr als 300 - Kolonistenfamilien vom Oberrhein Gewinn. Sie kamen meist aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Markgräflerland, von Baden-Durlach, aus dem Breisgau, aus dem zu Hessen gehörigen Hanauer Land und aus der badisch-nassauischen Herrschaft Lahr-Mahlberg in der Ortenau und aus dem Elsaß. Zuletzt hat sich der berühmte siebenbürgisch-sächsische Pe-stalozzianer und Reformer Stephan Ludwig Roth (+ 1849), Pfarrer in Meschen bei Mediasch, in mehreren Reisen nach Württemberg um schwäbische Neusiedler für Siebenbürgen bemüht, und auf seine Veranlassung übersiedelten 1846 und 1847 tatsächlich fast 2000 Personen nach Siebenbürgen. Eine wesentliche Stärkung des deutschen Elements konnte durch keine dieser schwäbischen Zuwanderungen erreicht werden, und manche Schwierigkeiten der Integration ließen hier wie schon bei den Landlern manche Hoffnungen schwinden.

Literatur: G. Hasetier, Die Streitigkeiten der Hauensteiner mit ihren Obrigkeiten (Quellen und Forschungen zur Siedlungs- und Volks-tumsgeschichte der Oberrheinlande, Bd. 2), Karlsruhe 1940; G. Fittbogen, Stephan Ludwig Roths Kolonisationsversuch im zeitgeschichtlichen Zusammenhang, in: Südostforschungen 6 (1941) S. 283-352; L. Klaster, Die Auswanderung der Durlacher nach Siebenbürgen, in: Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde 50 (1941) S. 90-148; O.Fol-berth, Der Prozeß Stephan Ludwig Roth, Graz-Köln 1959; G. Gündisch, Zur Einwanderung der Baden-Durlacher nach Mühlbach, in: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 2 (1979) S. 59-70; W. Hacker, Zur Auswanderung aus dem südlichen Oberrheingebiet, in: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 2 (1979) S. 59-70; O. Mittelstraß, Das Herkunftsgebiet der Durlacher und Hanauer Transmigranten des 18. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 2 (1979) S. 70-86; K. Reinerth, Die Gründung der evangelischen Kirchen in Siebenbürgen (Studia Transsylvanica5), Köln-Wien 1979; E. Buchinger, Die »Landler« in Siebenbürgen (Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission 31), München 1980; C.Göllner, Siebenbürgisch-sächsische Persönlichkeiten, Bukarest 1981, S. 63-70 (über Sachs von Harteneck); W. Hacker, Zur Herkunft der Hanauer Kolonisten in Siebenbürgen, in: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 4 (1981) S. 73-80; E. Buchinger, Die Geschieh-

te der Kärntner Hutterischen Brüder in Siebenbürgen und in der Walachei (1755-1770), in Rußland und Amerika, in: Carinthia 1172 (1982) S. 145-302; B. Capesius, Die Landler in Siebenbürgen, Bukarest 1982; D. L. Kisch, Holzen in Siebenbürgen, in: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 5 (1982) S. 142-144; M. Kroner, Die Schwaben-Kolonisation in Siebenbürgen von 1845-1846, in: Jahrbuch des siebenbürgisch-sächsischen Hauskalenders 27 (1982) S. 95-106; Jh. Streitfeld, Durlachisch-Hanauisches aus Mühlbach, Bukarest 1984; P. Philipp!, Württembergische Siebenbürger-Zuwanderer aus der Sicht des »Schwäbischen Merkur« 1847, in: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde 8 (1985) S. 70-72.     

Harald Zimmermann

 

22. Stephan Ludwig Roth (1796-1849), Pädagoge, Pfarrer und Politiker

Portraitphotographie

Haus der Donauschwaben, Sindelfingen

Stephan Ludwig Roths Verbundenheit mit seiner siebenbürgischen Heimat prägte seinen Lebenslauf. Er stammte aus einem deutschen evangelischen Pfarrergeschlecht, das um Mediasch ansässig war. Nach dem Gymnasialabschluß begann er 1817 in Tübingen (Württemberg) ein Philosophie- und Theologiestudium, das er unterbrach, um in der Schweiz bei Pestalozzi eine Ausbildung zum Pädagogen wahrzunehmen. Obwohl er Angebote auf dem Gebiet der Pädagogik erhielt, lehnte er sie mit dem Ziel, in seine Heimat zurückzukehren, ab. Als Lehrer und Schulleiter in Mediasch versuchte er Pestalozzis Ideen nach Siebenbürgen zu übertragen, stieß aber auf Widerstand. Als Pfarrer in und um Mediasch vertiefte er sich in gesellschaftskritische Reformen. So forderte er die Gleichberechtigung für alle Nationalitäten Siebenbürgens im Sinne des übervölkischen Ordnungsprinzips Alt-Österreichs, was ihm die Gegnerschaft Kossuths eintrug, der vehement für die Verwirklichung eines ungarischen Nationalstaates kämpfte. Roth wurde 1849 von einem ungarischen Gericht in Klausenburg zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Literatur: O. Folberth, Der Prozeß Stephan Ludwig Roth. Ein Kapitel Nationalitätenge schichte Südosteuropas im 19. Jahrhundert, Graz-Köln 1959; O. Folberth, Stefan Ludwig Roth - Bibliographie, in: Beiträge zur sieben bürgischen Kulturgeschichte, hg. von P. Philippi, Köln-Wien 1974, S. 110-196; M. Kroner, Stephan Ludwig Roth. Ein Leben für Fortschritt und Völkerverständigung, Cluj-Napoca 1977.                                              

Ute Richter

 

4.22

 

23. Südrußland

Tafel

Katharina II. wollte nach ihrem Regierungsantritt 1762 einen wirtschaftlichen Aufschwung ihres Landes einleiten und die bis dahin brachliegenden Steppengebiete landwirtschaftlich nutzbar machen. Da die russischen Bauern durch die Leibeigenschaft an ihre Grundherrschaft gebunden waren, fehlten der Zarin für diese Absicht die erforderlichen Leute. Deshalb erließ sie am 4. Dezember 1762 ein Manifest, in dem sie Ausländer - ausgenommen jedoch Juden - einlud, sich in den Steppengebieten ihres Reiches als Kolonisten niederzulassen. Da die Zarin dabei keine Aussagen über den Status der Einwanderer und deren Fortkommen machte, hatte das Manifest keine Auswirkung. Sie erneuerte aber am 22. Juli 1763 ihre Einladung und versprach dabei einige wichtige Privilegien: freie Religionsausübung nach den Satzungen und Gebräuchen der Zuwanderer mit dem Recht, die erforderliche Zahl von Pfarrern und Kirchendienern anzustellen; Steuerfreiheit für 30 Jahre in den neugegründeten Kolonien, in den Provinzen und Städten jedoch mit kürzeren Fristen; Bereitstellung der erforderlichen Kredite, um Baumaterial, Vieh, Ackergeräte und sonstiges Material anzuschaffen; Rückzahlung dieser Kredite nach 10Jahren zinsfrei in Raten; Befreiung von Militär- und Zivildienst; Selbstverwaltung in den Kolonien; abgabenfreie Markttage und Jahrmärkte; freie Fahrt nach Rußland und Tagegelder für die Dauer der Reise und das erste Halbjahr des Aufenthalts im Land. Das Manifest wurde durch alle russischen Residenten an den europäischen Höfen verbreitet und führte zu dem gewünschten Ergebnis. Der Gesandte in Regensburg und die Regierungskommissare in Ulm und Frankfurt am Main waren besonders erfolgreich, letzterer wurde wegen seiner Tätigkeit sogar aus der Stadt gewiesen. Gleichzeitig wurden auch Privatunternehmer, die sogenannten »Berufer«, beauftragt, Kolonisten anzuwerben. Bei jenen handelte es sich meist um französische Adelige, die auf diesem Weg rasch zu großem Vermögen zu gelangen hofften, da sie für jeden Angeworbenen einen festen Geldbetrag erhielten und zu Direktoren der von ihnen gegründeten Siedlungen wurden, aus denen ihnen ein Zehntel des Ertrages zufloß. Die russische Werbung fand in den vom Siebenjährigen Krieg verwüsteten deutschen Gebieten ein sehr gutes Echo, zumal Katharina II. selbst eine Prinzessin von Anhalt-Zerbst war; Auswanderer kamen aus Hessen-Kassel und Nassau, aus Nordbayern und Nordbaden, der bayerischen Rheinpfalz, aus Teilen der Rheinprovinz und einer Reihe anderer Gebiete. Neben den deutschen Einwanderern zog das Manifest der Zarin auch kleine Gruppen von Franzosen, Holländern, Schweden usw. an. Der größte Sammelplatz für die Auswanderer entstand in Büdingen bei Frankfurt am Main. Da nur Familien für die Kolonisation gesucht wurden, heirateten viele der Auswanderungswilligen in Büdingen. Allein zwischen dem 24. Februar und dem 8. Juli 1766 wurden 375 Paare getraut. Die Angeworbenen wurden dann in Gruppen von 60-100 Personen mit zwei bis drei Wagen nach Lübeck geführt. Dort entstand ab Januar 1764 eine Übersiedlungszentrale unter Leitung eines Lübecker Kaufmanns. Nach Aufnahme in ein Sammellager wurden die Ausreisewilligen auf Kosten der russischen Regierung untergebracht und verpflegt. Von Lübeck, aber auch von Danzig und anderen Hansestädten aus, wurden die Kolonisten dann zu Schiff nach Kronstadt oder Oranienbaum gebracht. Ehe sie weiterziehen durften, mußten sie den Untertaneneid leisten. Von Oranienbaum zogen die Kolonisten nach Saratow an der Wolga. Von dort aus gelangten sie dann an die Orte ihrer künftigen Kolonie. Die erste deutsche Kolonie, Nischnjaja Do-brinka, entstand am 12. Juni 1764 nördlich von Kamyschin. Auf Kronland folgten auf dem Westufer der Wolga bis 1767 33 und auf dem Ostufer 41 Kolonien. Auf letzterem legten die »Berufer« 1766-1767 insgesamt weitere 52 Kolonien an, zu denen noch 11 auf dem Westufer hinzukamen. Diese Privatkolonien wurden 1779 nach Auszahlung der Direktoren ebenfalls vom Staat übernommen. Die An-siedlung der Kolonisten führte aber in den folgenden Jahren nicht zu dem von der Regierung gewünschten Erfolg. Trotz der intensiven Landwirtschaft aufgrund der neu eingeführten Dreifelderwirtschaft konnte bis zum Ende des Jahrhunderts kein großer Erfolg der Besiedlung erreicht werden. Lediglich die Zahl der Kolonisten und ihrer Angehörigen stieg von 26000 im Jahre 1772 auf 39 200 im Jahre 1798.

Da die Ergebnisse der Ansiedlung hinter den Erwartungen zurückblieben, begann 1785 mit einer neuerlichen Veröffentlichung eines Einladungsmanifestes eine weitere Ansiedlungs-welle, die insbesondere Mennoniten nach Rußland brachte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die unter Alexander I. (1801-1825) wieder aufgenommene Anwerbung von Siedlern besonders im südwestdeutschen Raum erfolgreich, was auf die zwischen dem Zarenhaus und den südwestdeutschen Dynastien bestehenden verwandtschaftlichen Beziehungen zurückgehen dürfte und auf die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten im südwestdeutschen Raum nach der Säkularisation und während der andauernden Kriege. 1804 und nochmals im Jahr der großen Mißernte 1816/ 1817 kam es zur größten Auswanderungsbewegung aus Württemberg nach Rußland, die feststellbar ist. In diesen Jahren entstanden die schwäbischen Dörfer bei Odessa, auf der Krim und die schwäbischen Siedlungen im Südkaukasus und bei Berdjansk. Katholische Auswanderer aus der Pfalz, dem Elsaß und aus Nordbaden gründeten neben den Siedlungen der vielfach pietistischen Württemberger die katholischen Dörfer bei Odessa. Aus dem Banat und der Batschka wanderten einzelne Familien in Rußland ein. Die Ansiedlung von Bauern und Handwerkern setzte sich im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und umfaßte ungefähr 55000 Personen, obwohl die russische Regierung bei den Kolonisten einen gewissen Vermögensstand voraussetzte. Die im frühen 19. Jahrhundert entstandenen deutschen Kolonien entwickelten sich erfolgreich. Auch die Wolgakolonien wuchsen zu Beginn des 19. Jahrhunderts rasch. Die zunehmende Bevölkerung in den deutschen Kolonien führte bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs zur Gründung zahlreicher Tochterkolonien. Allein im Gebiet der späteren Wolgarepublik bestanden 1922 227 Kolonien mit 427400 Einwohnern.

Der seit dem Krimkrieg (1853-1856) in Rußland zunehmende Panslawismus begann insbesondere nach Gründung des Deutschen Reiches 1871 die Privilegien der deutschen Siedler zunehmend einzuschränken. Die Kolonisten wurden ab 1871 der Allgemeinen Bauernordnung von 1861 und der Landschaftsordnung von 1869 unterstellt. Die deutsche Selbstverwaltung wurde damit stark beschnitten und auch die Befreiung vom Militärdienst 1874 endgültig aufgehoben. Diese Änderung ließ ab 1874 bis ins frühe 20. Jahrhundert einen guten Teil der in Rußland ansässigen Mennoniten in die USA und nach Kanada auswandern. Aber auch katholische und evangelische Kolonisten begannen auszuwandern. Nach einer Zählung in den USA 1920 lebten zu dieser Zeit 106535 Deutsche im Land, die in Rußland geboren waren. Die öffentliche Meinung in Rußland forderte immer weitere Schritte gegen die Kolonisten. Das 1887 veröffentlichte Fremdengesetz beschränkte den ausländischen Grundbesitz, erhöhte die Steuern der Kolonisten und schränkte ihre Rechte bei den lokalen Wahlen ein.

Das neue Kolonistengesetz von 1892 verhinderte den Grunderwerb durch Ausländer. Alle diese Bemühungen konnten die Kolonisten nicht dazu bewegen, sich russifizieren zu lassen oder zur orthodoxen Kirche überzutreten. Die 1910 und 1912 in der Duma beratenen Gesetzentwürfe, die den Kolonistenbesitz in Wolhynien, Podo-lien, Ukraine und Bessarabien zurückdrängen sollten, mußten zurückgezogen werden. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges konnten diese Bestrebungen nicht mehr verhindert werden. Ein Erlaß des Zaren stellte den Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit unter Strafe (18. August 1914). Ein weiterer Erlaß vom 22. September 1914 hob den Grundbesitz feindlicher Ausländer auf, womit nicht nur die Angehörigen der Feindstaaten, sondern auch die Kolonisten ausländischer Abstammung enteignet wurden. Diese ersten Maßnahmen wurden durch weitere Erlasse 1915 noch verschärft. Obwohl die Angehörigen der deutschen Kolonien zum Kriegsdienst eingezogen wurden und allein aus den Wolgakolonien rund 40000 Mann fielen, wurden die Enteignungen trotz zahlreicher Widerstände russischer Kreise zum guten Teil durchgeführt und die Existenzen der deutschstämmigen Kolonisten damit weitgehend vernichtet. Erst als der Zar 1917 abdankte, fand diese Politik ein Ende.

Literatur: G. Leibbrandt, Die Auswanderung der Schwaben nach Rußland 1816-1823. Ein schwäbisches Zeit- und Charakterbild (Schriften des Deutschen Ausland-Instituts Stuttgart Reihe A21), Stuttgart 1928; K.Stumpp, Die Auswanderung aus Deutschland nach Rußland in den Jahren 1763-1862, Tübingen 1962, dort S.1017 umfassende Literatur; J. Schramm, Das Weiterwandern deutscher Kolonisten aus dem Banat und der Batschka zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Rußland, in: Südostdeutsches Archiv4 (1961), S. 48ff.; A. Eisfeld, Die Deutschen in Rußland und in der Sowjetunion, Wien 1986.

Immo Eberl

 

24. Katharina II. (1762-1796), Kaiserin von Rußland

1855

Kupferstich von James Hopwood

Photographie; Privatbesitz

Geb. 1729, gest. 1796, ursprünglich Sophie Auguste Friederike Prinzessin von Anhalt-Zerbst. 1745 vermählt mit dem späteren Zar (1762) Peterill, von Rußland. Innenpolitisch förderte Katharina die Privilegien des Adels und begann mit der Kultivierung öden Landes. Um den Grundherren nicht ihre an die Scholle gebundenen Bauern zu entziehen, ließ sie 1764 das Wolgagebiet mit angeworbenen Deutschen besiedeln. Ihre Außenpolitik war vor allem gegen das Osmani-sche Reich gerichtet, denn ihr schwebte die Vision eines neuen Byzanz unter russischer Führung vor.

Nachdem sie 1768 von der Pforte angegriffen worden war, gelang ihr die Besetzung der Donaufürstentümer Moldau und Walachei sowie die Eroberung der Krim, die im Frieden von Kütschük Kainardsche 1774 als unabhängig erklärt wurde. Für die Donaufürstentümer und Bessarabien wurde Rußland Interventionsrecht zugestanden. Dessen ungeachtet annektierte Katharina 1783 die Krim, worauf die Türken erst vier Jahre später bei einer Krimreise der Kaiserin reagierten. Ihr Ziel, bis nach Konstantinopel vorzustoßen und die Stadt dem christlichen Glauben zurückzuführen, scheiterte an den Friedensverhandlungen nach dem Tode Kaiser Josephs II. 1790, die sie führen mußte, da Leopold II. ihr seine Unterstützung versagte und sie ohne seine Hilfe und die der übrigen europäischen Großmächte nicht stark genug war.

Literatur: H. Petersberger, Rußlands Orientpolitik in den letzten zwei Jahrhunderten, Stuttgart 1913; G. S. Thomson, Catherine the Great and the expansion of Russia, London 1950; G. P. Gooch, Catherine the Great, Toronto 1954; E. Hösch, Das sogenannte »griechische Projekt« Katharinas II.,in: Jahrbuch der Gerschichte Osteuropas, NF 12, 1964, S. 168-206.                                   

Ute Richter

 

4.24

 

25. Bessarabien

Tafel

Bessarabien gehörte bis 1812 zur Moldau, von 1812-1917 als Gouvernement zu Rußland. Nachdem die Provinz durch den Frieden von Bukarest an Rußland gefallen war, wandte sich Zar Alexander I. in einem Manifest am 29. November 1813 in erster Linie an die deutschen Kolonisten im Herzogtum Warschau und sicherte ihnen bei einer Einwanderung in Bessarabien Religionsfreiheit, Befreiung vom Kriegsdienst, zehnjährige Steuerfreiheit, 60 Desjatinen (= 66 ha) Land für jede Familie und Geld für den Hausbau zu. Die angesprochenen Kolonisten waren um 1800 überwiegend aus Südwestdeutschland in den damals preußischen Teil Polens eingewandert und hatten unter den Kriegswirren sehr gelitten. Das Manifest des Zaren wurde daher von ihnen sehr gut aufgenommen. Schon 1814 kamen unter Führung russischer Werber die ersten deutschen Einwanderer nach Bessarabien, denen in den folgenden Jahren teilweise unmittelbar aus Süddeutschland und Württemberg weitere Kolonisten folgen sollten. Mit den 1814 angelegten ersten Kolonien Borodi-no und Tarutino wurden bis zur Einstellung der staatlichen Siedlungstätigkeit 1842 insgesamt 24 Kolonien deutscher Siedler angelegt.

Die überwiegende Zahl der Einwanderer strömte zwischen 1814 und 1817 ins Land. Später ließ der Zustrom merklich nach, und die seit 1818 entstehenden Kolonien hatten weniger Einwohner als die zuerst gegründeten. Die Siedlungsbehörde befaßte sich mit der Ordnung und dem Ausbau der Selbstverwaltung in den neugegründeten Kolonien. Jede Gemeinde erhielt sofort nach der Gründung das Schulzenamt oder Schulzengericht, das aus dem Dorfschulzen und zwei Beisitzern bestand, die von der Gemeindeversammlung gewählt wurden. Schon bald nach dem Ende der Anlage neuer Kolonien machte sich bei den Siedlern Landmangel bemerkbar, der seit der Gründung von Josefsdorf (1851) dazu führte, daß insgesamt 40 weitere Dörfer entstanden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten die deutschen Bauern nochmals neuen Grundbesitz erwerben und darauf einige Kolonien in den Jahren 1905-1914 gründen.

Literatur: G. Leibbrandt, Die deutschen Kolonien in Cherson und Bessarabien. Berichte der Gemeindeämter über Entstehung und Entwicklung der lutherischen Kolonien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1926; C. Kalmbach, Bessarabien, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslandsdeutschtums, Bd. 1, Breslau 1933, S. 399-402.

Immo Eberl

 

26. Zar Paul I. (1796-1801) und seine Gemahlin Maria Feodorowna, gebürtige Sophie Dorothea von Württemberg (* 1759, +1828)

beide Gemälde von Johann Baptist Lampi,

1797

Photographie; Privatbesitz

Maria Feodorowna war die Schwester König Friedrichsl. von Württemberg (+ 1816). Aus ihrer 1776 geschlossenen Ehe mit Pauli, gingen die Söhne Alexander und Nikolaus hervor.

Die Tochter Nikolaus'I., Olga (1822-1892), wurde 1846 wiederum mit einem Deutschen, Karl I. von Württemberg (1864-1891), verheiratet.

Den familiären Beziehungen zwischen der württembergischen und der russischen Dynastie ist die Einwanderung deutscher Kolonisten nach Rußland am Ende des 18. Jahrhunderts unter anderem zuzuschreiben.

Literatur: Caroline Luise Markgräfin von Baden 1723-1783, Ausstellungskatalog, Stuttgart 1983; Carl Friedrich und seine Zeit, Ausstellungskatalog, Baden-Baden 1981.

Ute Richter

 

4.26

 

27. Alexander I. (1801-1825), Kaiser von Rußland

nach einem Gemälde von Philipp Dawe

(um 1750-1785)

Photographie; Privatbesitz

Geb. 1777, gest. 1825, vermählt 1793 mit Luise Marie von Baden, Enkelin des ersten Großherzogs von Baden, Karl Friedrich; Eltern: Zar Paul I. und Sophie Dorothea Auguste von Württemberg.

In bezug auf die Türkenfrage setzte Alexander I. die Politik seiner Großmutter Katharina II. fort. Auch er war daran interessiert, die Schwarzmeerküste in den russischen Machtbereich einzugliedern. Die politische Lage zwang ihn 1812 zum Frieden von Bukarest, wobei er sich Bessarabien und den östlich des Pruth gelegenen Teil der Moldau sicherte. Dorthin ließ er deutsche Siedler anwerben, die wie seine Mutter und Ehefrau aus dem südwestdeutschen Raum stammten.

Literatur: N. v. Sementowsky-Kurilo, Alexander I. von Rußland, Frankfurt/Main 1967.

Ute Richter

 

4.27

 

28. Bukowina (Buchenland)

Tafel

Österreich erhielt 1775 die Bukowina infolge des Friedens von Kütschük Kainardsche (1774) zwischen Rußland und den Türken, von den letzteren als russischer Bundesgenosse. Nach der 1776 durchgeführten Zählung wohnten 18101 Familienhäupter- d. h. rund mindestens 75000 Personen-im Land. Die Einwohnerzahl stieg von 125000 (1786) auf 511 964 (1869). Neben den alteingesessenen Gruppen der Rumänen und Ukrainer standen Deutsche, Juden, Polen und einige kleinere Gruppen. Das Deutschtum in der Bukowina gehörte zur deutschen Kolonisation des 18. und 19. Jahrhunderts. Die geringe Untertanenlast und die bis 1830 bestehende Rekrutierungsfreiheit zog Siedler aus Galizien und der Moldau an, wo das Bauerntum sehr gedrückt wurde. Die ersten schwäbischen Bauernfamilien kamen 1782 aus dem Banat in die Bukowina. Die insgesamt 20 Familien umfassende Gruppe wurde in den rumänischen Dörfern Rosch, Molodia, Mitoka-Dragomima und Zuczka untergebracht. Sie mußten sich dabei z. B. der eigentümlichen Agrarverfassung beugen, die individuellen Grundbesitz nicht kannte, sondern die Grundstücke jährlich im Frühjahr verteilte. Dabei wurden die deutschen Kolonisten häufig übervorteilt, bis diese Agrarverfassung 1835 endgültig aufgehoben wurde. Die Bukowina wurde 1786 Galizien angegliedert und daraufhin viele zur Ansiedlung nach Galizien kommende Deutsche in die Bukowina weitergeleitet. 1787 kamen schon 74 evangelische deutsche Familien aus Galizien in die Bukowina und wurden auf verschiedene Kolonien verteilt.

Eine zweite Gruppe bildeten die deutschen, überwiegend Zipser Arbeitersiedlungen im Gebirge, die gegründet worden waren, um Bodenschätze zu erschließen. Eine dritte Gruppe deutscher Ansiedler stammte aus dem Böhmerwald und war teils Glashüttenarbeiter, teils Bauern. Dadurch konnten 1793 und 1797 Glashütten errichtet werden. Die deutsch-böhmischen, fast vollständig katholischen Bauernsiedlungen entstanden erst nach 1835. Obwohl das Los der Kolonisten hart war, konnten sie sich in den selbständigen Gemeinden freier entfalten, als es in den schwäbischen Siedlungen möglich war. Neben den von amtlichen Stellen gegründeten Siedlungen (Bori 1835; Lichtenberg 1835) wurden auch einige private deutsche Siedlungen angelegt (Glitt 1843; Augustendorf 1850). In einer Reihe bestehender Dörfer entstanden deutsche Minderheiten, so in Adäm-cata, Stanestie und Jadova. Die Bauerndörfer in der Ebene waren durch ihre Lage und wirtschaftliche Situation kräftiger als die Wald-bauemdörfer oder Zipser Gebirgsdörfer. Zu der planmäßigen Kolonisation kam ein mit der Besitznahme des Landes einsetzender Zuzug städtischer Bevölkerung aus ganz Österreich. Insbesondere die Hauptstadt der Bukowina, Czernowitz, wurde von diesem Zuzug von Beamten, Handwerkern und Kaufleuten erfaßt und erhielt einen hohen Anteil deutscher Bevölkerung.

Literatur: R. F. Kaindl, Geschichte der Deutschen in den Karpatenländern, Bd. 3, Gotha 1911; F. Lang, Bukowina, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel, H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 620ff.

Immo Eberl

 

29. Czernowitz/Bukowina. Hauptstraße

Anfang 20. Jahrhundert

Photographie; Privatbesitz

Czernowitz war die Hauptstadt der seit 1775 zu Österreich gehörenden Bukowina.

Literatur: Tausend Jahre Nachbarschaft.

Deutsche in Südosteuropa, hg. von der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat Bonn, München 1981, S. 71 ff. und 248 ff.             

Ute Richter

 

4.29

 

29a. Bukowina. Landschaft zwischen den Klöstern Sucevita und Moldovita

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

 

4.29a

 

30. Galizien

Tafel

Galizien kam 1772 durch die erste Teilung Polens an Österreich. Nach 1772 kam es zuerst zu einer zahlreichen Zuwanderung deutscher Städter, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts anhielt. Diese zahlenmäßig große Gruppe ging weitgehend im Polentum auf. An eine Ansiedlung deutscher Bauern wurde anfänglich nicht gedacht, da siedlungsfreie Gebiete wie in Südungarn fehlten. Nachdem der Wirtschaftsdirektor von Sandomir 1782 den Werbeagenten Johann Leon nach Südwestdeutschland gesandt hatte, um 300 Familien anzuwerben, kam der Stein ins Rollen. Die staatlichen Behörden förderten die Einwanderung, indem sie die etwa 13000 einwandernden Deutschen privilegierten. Fast 11000 von ihnen stammten aus dem pfälzischen Raum.

Die dichte Vorbesiedlung Galiziens machte eine Erschließung des Landes unmöglich und forderte so die Schaffung einzelner, über das Land verstreuter Mustersiedlungen, die Joseph II. entschieden förderte. Mit seinem Tode endete die Hauptperiode der staatlichen Siedlung. Der zwischen 1801 und 1804 auf Drängen Erzherzog Karls gemachte Versuch, die staatliche Förderung wieder aufzunehmen, führte nur zu einigen Einsiedlungen in ukrainischen Dörfern. Eine Tochterkolonisation der Dörfer begann um 1810. Diese Dörfer waren kleiner als die Stammdörfer. Die Siedler erhielten das Land frei gegen die Übernahme von Zins- und Frondienstleistungen. Von diesen Siedlungen entfielen vier auf das polnische Sprachgebiet und 46 auf das ukrainische. Von diesen befanden sich die meisten im Streifen zwischen Dnjestr und Karpaten, so im Bezirk Dolinn unter anderem Diamantheim, das 1901 als letzte pfälzische Tochtersiedlung entstand. Insgesamt bestanden um die Jahrhundertwende 249 junge deutsche Volksinseldörfer, von denen 1938 noch 161 existierten.

Literatur. W. Kuhn, Galizien, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C.Petersen, P.H.Ruth, O.Scheel, H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 27ff.

Immo Eberl

 

31. Joseph II. (1765-1790), römisch-deutscher Kaiser

Portrait, Öl auf Leinwand, 107x79 cm

Wien, Niederösterreichisches    Landesmuseum Inv.Nr. A37/79

Photographie

Geboren 1741 als Sohn des späteren Kaisers Franz I. und Maria Theresias, gestorben 1790. Im innenpolitischen Bereich war Joseph II. gezwungen, bis zum Tode seiner Mutter die von ihm im aufklärerischen Sinne konzipierten Reformpläne zurückzuhalten. Außenpolitisch setzte er eine Beteiligung an der Teilung Polens durch, die ihm Galizien einbrachte (1772).

Die erworbenen Gebiete ließ er mit Deutschen besiedeln. Die Einwanderung von Deutschen nach Ungarn sollte unter ihm einen letzten Höhepunkt erreichen. Nach 1780, nach dem Tode seiner Mutter, konnte er seine reformerischen Ideen verwirklichen. Für Ungarn bedeutete das unter anderem die Einführung des Deutschen statt des Lateinischen als Amtssprache und die Aufhebung der Komitatsverfassung. Die meisten seiner Reformen, die er zugunsten der Staatsgewalt durchführte, mußte er kurz vor seinem Tod zurücknehmen.

Literatur: F. Feztö, Joseph II., Kaiser und . Revolutionär, Stuttgart 1956; E. Bradler-Rott-mann, Die Reformen Kaiser Josephs II., Göppingen 1973; Österreich zur Zeit Kaiser Josephs II., Mitregent Kaiserin Maria Theresias, Kaiser und Landesfürst, Wien 21980.

Ute Richter

 

4.31

 

32. Dobrudscha

Tafel

Der Frieden von San Stefano (1878) hatte den nördlichen Teil der Dobrudscha an Rußland gebracht, das ihn sofort im Tausch gegen Teile des 1856 verlorenen Bessarabiens an Rumänien abtrat. Der südliche Teil gelangte nach dem zweiten Balkankrieg an Rumänien. Die deutsche Siedlung begann ohne private oder staatliche Förderung durch fließende Bauerneinwanderung aus den unter Landmangel leidenden deutschen Siedlern Südrußlands (seit 1840). Das 1843 gegründete Malcoci war die ältste Kolonie in der nördlichen Dobrudscha. Eine andere Gruppe ließ sich vorübergehend im türkischen Dorf Akpunar (1842-1848) nieder und eine dritte in Tulcea, einen eigenen Stadtteil bildend (1842). Eine weitere Gruppe hatte in Berceni bei Ploiesti in der Walachei die Siedlung Blumendorf gegründet, die bald wieder aufgegeben wurde. Der Gouverneur von Bräila, Oberst Arnold von Jakobson, siedelte viele dieser Siedler in der Nähe der Stadt als Pächter an. Die Niederlassung erhielt 1844 den Namen Jakobsonstal. Bei Atmagea entstanden schon früh evangelische Dörfer.

Aussiedler aus diesem Dorf und aus Jakobsonstal gründeten 1857 das Dorf Ciucurova. Als 1871 die den deutschen Bauern verbürgte Freiheit von der Heeresdienstpflicht in Rußland aufgehoben wurde, begannen die Deutschen in Rußland auszuwandern. Die dem Aufgebot von 1873 unterliegenden deutschen Bauernsöhne wanderten in die Dobrudscha aus und gründeten dort die beiden Dörfer Cogealac und Tariverde. Teile von deutschen Auswanderergruppen aus Südrußland siedelten sich in Fachria an. Der russisch-türkische Krieg ließ sie nach Cogealac flüchten, doch Anfang der 80er Jahre bauten sie ihr früheres Dorf wieder auf. Die enge Verbindung dieser Kolonisten zum bessarabischen Bauerntum blieb bestehen.

Literatur: P. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha (Schriften des Deutschen Auslands-Instituts Stuttgart 6), Stuttgart 1922, NDr. 1982; T. Steinbrucker, Dobrudscha, in: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel, H.Schwalm, Bd. 2, Breslau 1936, S. 278ff.; H. Petri, Geschichte der deutschen Siedlungen in der Dobrudscha. Hundert Jahre deutsches Leben am Schwarzen Meer, München 1956.                                   

Immo Eberl

 

33. Akpunar. Evangelisches Tauf- und Kirchenbuch

Aufschrift 1847

Photographie

Text der Aufschrift: Tauf- und Kirchenbuch über Die Neugebohrene Kinder welche in der Provens Bulgary im Mertschiner Kata im Dorf Acponar gebohren sind. Dorf Acponar den 8ten February 1847 Das Dorf Akpunar gehört zu den ältesten deutschen Siedlungen in der Dobrudscha.

Literatur: P. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha, Göppingen 1982.     

Ute Richter

 

34. Herkunft der Siedler

Karte (nach: Historischer Atlas von Baden-Württemberg XII.5)

Die vorliegende Karte soll die Herkunft der aus dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg stammenden Auswanderer nach Südosteuropa, Galizien und Rußland im 18. und frühen 19. Jahrhundert aufzeigen. Genaue Zahlenangaben über die Auswanderung in dieser Zeit liegen nicht vor. Erst seit etwa 1870 gibt es verläßliches statistisches Material. Obwohl sich also aufgrund der Quellenlage keine eindeutigen Aussagen machen lassen, bietet diese dennoch die Möglichkeit, gewisse Vergleiche anzustellen und zumindest für die bekannten Auswanderungsfälle die Herkunftsgebiete darzustellen.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert haben mindestens 700000 Menschen den Westen und Südwesten Deutschlands als Auswanderer verlassen. Von diesen ist die größte Anzahl, ca. 300000-500000, nach Südosteuropa und ca. 100000 nach Rußland ausgewandert, während die Auswanderung nach Amerika nur bei etwa 200000 lag. Die Intensität der Auswanderung schwankte, Zeiten überaus hoher Auswanderungszahlen stehen solche mit stagnierenden Zahlen gegenüber. Ebenso unterschiedlich wurden auch die einzelnen Territorien des deutschen Südwestens von den Auswanderungswellen erfaßt. Während die Ungarnauswanderung 1723 Oberschwaben besonders traf, war es um 1750 für Baden-Durlach die Siebenbürgenauswanderung (auf die von Württemberg ausgehende Anwerbung deutscher Kolonisten nach Siebenbürgen ist auf Grund der alleinigen Berücksichtigung einer qualitativ hohen Anzahl von Auswanderern hier nicht eingegangen worden), um 1785 für die Kurpfalz die Auswanderung nach Gali-zien und um 1725 sowie 1763-1771 für das Hochstift Speyer die Auswanderung nach Ungarn. Die Mehrzahl der deutschen Siedler in Ungarn bis etwa 1723 stammte aus Oberschwaben, dem nördlichen Bodenseegebiet, der oberen Donau und dem Südschwarzwald.

Alle nichtösterreichischen Siedler erhielten daher den Namen Schwaben. Die Auswanderung aus Oberschwaben 1689/1693 muß beträchtlich gewesen sein, da z.B. 1692 fast die gesamte Gemeinde Unterwachingen nach Ungarn ausgewandert sein soll oder noch 1697 nach vier Jahren in Binzwangen viele Häuser leerstanden, da ihre Bewohner ebenfalls nach Ungarn abgewandert waren. Die für Sathmar angeworbenen Auswanderer stammten zum großen Teil aus den oberschwäbischen Klosterherrschaften in den heutigen Kreisen Biberach und Ravensburg. Als die habsburgischen Werber 1724 insgesamt 4500 Famililen nach Ungarn holten, nachdem sie schon in den vorhergehenden Jahren zahlreiche Familien geworben hatten, begann in den betroffenen Territorien (Kurpfalz, Kurtrier) der Widerstand zu wachsen. Doch trotz aller Abwehrmaßnahmen konnten die Territorien eine fortgesetzte Auswanderung nach Ungarn nicht unterbinden. In den 30er Jahren kamen die Kolonisten aus der Grafschaft Niederho-henberg und dem Fürstentum Fürstenberg. In der Zeit Karls VI. sind zwischen 50000-60000 Kolonisten nach Ungarn gezogen. In der frühen Zeit Maria Theresias lieferte neben den katholischen Gebieten Südwestdeutschlands das Mosel- und Saargebiet die meisten Auswanderer nach Ungarn. Einen Sonderfall stellt die Einwanderung von protestantischen Bewohnern Baden-Durlachs und Mahlbergs nach Siebenbürgen dar. Unter JosephII. erreichte die Auswanderung nach Ungarn einen neuen Höhepunkt, die Rekrutierungsgebiete in Südwestdeutschland blieben in etwa dieselben wie bislang.

Doch trat seit 1772 als Ziel der Auswanderer auch Galizien auf. Die dorthin ziehenden Auswanderer stammten zumeist aus der Markgrafschaft Baden und dem Herzogtum Württemberg. In den Regierungszeiten Leopolds II. und Franz' II. wanderten nochmals ca. 1000 Personen nach Ungarn aus (1790/1792), die aus dem Hochstift Speyer, der Markgrafschaft Baden und dem Herzogtum Württemberg stammten. Die zwischen 1802 und 1805 in Galizien einwandernden Familien kamen wiederum aus Württemberg und Hohenzollern. Mit ihrem ehemaligen Schultheiß zogen 1805 19 Familien aus Kir-chentellinsfurt bei Tübingen nach Galizien. Bei der Auswanderung nach Rußland (ab 1763) ist festzustellen, daß sich die Werbung des Zarenreiches mehr auf die protestantischen Länder konzentrierte, während die katholischen teilweise gegen sie Widerstand leisteten. Unter den Auswanderern nach Rußland standen eindeutig Angehörige von Alt-Württemberg an erster Stelle. Wie anfänglich auch bei den Ungarn-Auswanderern legte Zar Alexander I. 1804 fest, daß die Kolonisten über ein bestimmtes Barvermögen zu verfügen hätten. Nach 1806 gingen Auswanderer mit württem-bergischer Herkunft wegen des Auswanderungsverbots Friedrichs I. sehr zurück, und an ihre Stelle traten die aus dem Nordelsaß und Baden stammenden Auswanderer, wobei der Rastatter Raum vorherrschte. Ab 1814 zogen nochmals über 15000 Siedler nach Rußland, von denen die Mehrheit von über 10000 aus Württemberg und hier aus Stuttgarts Umgebung kam. Dasselbe gilt für die Auswanderer nach Bessarabien.

Literatur: A. Scheuerbrandt, Beiwort zur Karte XII,5: Die Auswanderung aus dem heutigen Baden-Württemberg, Historischer Atlas Baden-Württemberg, Stuttgart 1985; weitere Literatur vgl. dort S. 46 f.                

Immo Eberl

 

4.34

Herkunft der Siedler

 

 

4.34

Herkunft der Siedler

 

35. Schmerzensmann

18. Jahrhundert

Holzskulptur, ca. 60 cm hoch, bemalt und vergoldet

Wudigeß-Budakeszi (Ungarisches Mittelgebirge), Pfarrkirche

Photographie

Die Skulptur wurde von deutschen Einwanderern Anfang des 18. Jahrhunderts aus Oberschwaben nach Ungarn mitgebracht.

Literatur: F. Follath, Budakeszi-Wudigeß, hg. v. d. Budakeszer Gemeinschaft im Verband der Landsmannschaft der Deutschen in Ungarn e. V., o. O. 1986.                  

Ute Richter

 

4.35

 

36. Siedlungsformen in der deutschen Kolonisation Südosteuropas

Tafel

Die Siedlungsformen werden von der Forschung zu Aussagen über den Zeitpunkt und die Art und Weise der Ansiedlung herangezogen. Bei den Dörfern wird zwischen ungeregelter und geregelter Siedlungsform unterschieden. Dabei wird die mit der Bevölkerungszahl wachsende Siedlung als ungeregelte, die aus geplanter Kolonisation entstandene als geregelte Ortsform bezeichnet. Die zur ungeregelten Ortsform gehörigen Haufendörfer sind durch langsame Zunahme der Bevölkerung aus anfänglich kleinen Hofgruppen entstanden. Sie gelten als die älteste Ortsform der Ansiedlungszeit (vgl. 4.37). Die ersten geregelten Dorfanlagen werden in der in fränkischer Zeit stattfindenden Kolonisation gesehen, die sich - wie das Dorf Langerringen bei Landsberg/Lech beweist - bis heute erhalten haben (vgl. 4.38). Langerringen wurde linear entlang der Heerstraße errichtet. Die Durchgangsstraße hat das Bild der Siedlung geprägt. Neben diese beiden im Herkunftsgebiet der donauschwäbischen Kolonisten verbreiteten Ortstypen trat im 18./19. Jahrhundert als Ausdruck für die vom Staat gelenkte Kolonisation in den absolutistischen Staaten Preußen und Österreich die geregelten, häufig planmäßig angelegten Dörfer.

In der Batschka unterscheiden sich die Dorfgrundrisse der ältesten Gründungen an der Donau, z.B. Neudorf und Kollut (vgl. 4.39) noch kaum von dem eines nach der Türkenzeit wieder besiedelten Ortes wie Baja. Die Anlage der Dörfer ist in dieser frühen Zeit der Ansied-lung noch nicht planmäßig vorgenommen worden. Die Dörfer haben sogar die Siedlungsform der ihnen vorangehenden Anlagen übernommen. Somit war auch das 1729 als erstes deutsches Dorf gegründete Tschatalja (4.40) noch keineswegs planvoll angelegt. Anders war dieses bereits bei dem ab 1750 besiedelten Apatin (4.40). Aus dem Grundriß sind bereits deutlich in spitzem Winkel zueinander gestellte und parallel angeordnete Straßenzüge zu erkennen, die durch Quergassen verbunden sind. Die älteste deutsche Siedlung in der Batschka mit schachbrettartigem Grundriß ist Hodschag, das als Kameralsiedlung 1757 entstand (vgl. 4.41). Selbst der Flurplan des Dorfes von 1783 ist eine am Reißbrett durch Ingenieure geschaffene Anlage (vgl. 4.42). Das in Hodschag schon vorhandene Schachbrettschema des Grundrisses war in der Anlage noch sehr eng gebaut. In der Ansiedlungs-phase ab 1763 wurde das Schachbrettdorf neben der aus der preußischen Kolonisation Friedrichs des Großen übernommenen kreuzförmigen Anlage, wie in Bogojewo (vgl. 4.43), verwendet und erhielt seine endgültige Ausprägung in der josephinischen Zeit mit Dorfanlagen wie den josephinischen Gründungen Tscherwenka (4.44) und Alt- und Neuwerbass (4.45).Im Banat sind die Dörfer in der Regel nach dem Schachbrettmuster angelegt worden, obwohl die Grundrisse der Dörfer Perjamosch und Deutschsanktpeter (4.46) zu Beginn der Kolonisation noch relativ unregelmäßig gestaltet waren. Die Grundrisse sind unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodenverhältnisse relativ gleichförmig. Die Siedlung ist nach außen quadratisch oder rechteckig, wie z.B. Schöndorf am Mieresch (4.47) beweist. Das Dorf ist in zwei Gruppen von Parallelstraßen aufgeteilt, an denen die Häuser direkt aufgereiht sind, und die sich im rechten oder fast rechten Winkel schneiden, vgl. dazu z.B. den Grundriß des Dorfes Billed. Bei kleineren Dörfern fanden sich statt zweier Gruppen von Parallelstraßen auch nur eine, die in der Mitte von einer Hauptstraße geschnitten wurde. Der ausgesparte mittlere Block des Straßenschachbretts schuf den freien Platz für die Kirche, vgl. dazu Schöndorf (4.47), doch konnte auch nur der Schnittpunkt des mittleren Hauptstraßenkreuzes zu einem Platz erweitert sein, wie sich in Alexanderhausen (4.48) zeigen läßt. Gerade der Grundriß des erst 1833 gegründeten Alexanderhausen zeigt die künstlerische Weiterentwicklung der Schachbrettform. Doch auch die Rundform von Charlottenburg (4.49) zeigt eine hohe künstlerische Form. Das Schachbrettdorf mit seiner geometrischen Aufteilung war die Planung der von rationalen Erwägungen geleiteten Ingenieurkolonisatoren des 18. Jahrhunderts. Wie der Grundriß des Kolonistendorfs Alexanderhilf in Südrußland beweist (4.53), war diese Schachbrettartige Anlage des Dorfes auch in Rußland verbreitet. Die deutschen Dörfer der Dobrudscha waren lange Anlagen mit geraden, breiten Hauptstraßen. Wenn die Bebauung der Hauptstraße die Gemarkungsgrenze erreichte, wurden hinter den beiden ursprünglichen Häuserreihen gleichläufige einseitige Straßen angelegt, wie z.B. in Cobadin (4.50). Die Dörfer in der Dobrudscha sind ohne besondere Unterstützung der Behörden entstanden und haben sich in ihrer Regelmäßigkeit im Grundriß an den Siedlungen in Südrußland orientiert. Die deutsche Ansiedlung in Galizien hat in der südlichen Siedlungsgruppe in Podhale und im Sandetzer Becken das Straßendorf und im übrigen das Waldhufendorf verwendet. Sie war im übrigen zu schwach, um dem Land tiefe Siedlungsspuren aufzudrücken.

Die deutschen Siedlungen in Bessarabien bieten wieder das typische Bild geplanter Anlagen. Während jedoch die Schachbrettform bei den deutschen Dörfern nur selten auftritt, vgl. z.B. Gnadental (4.51), aber auch Sarata und Lichtental, die nach 1822 von Kolonisten aus Südwestdeutschland gegründet wurden. Die Dörfer wurden meist als Einstraßendörfer angelegt, was auch die Tochtersiedlungen übernommen haben. Im Steppengebiet Bessara-biens war die Wahl des Dorfplatzes nach vorhandenem Wasser erfolgt. Die deutschen Siedlungen liegen daher in den tiefen und breiten Tälern der Steppenflüßchen, die auch Schutz vor den Stürmen boten. Die strenge Regelmäßigkeit der einstraßigen Kolonien, wie z.B. Teplitz (4.52), wurde beim Anwachsen der Bevölkerung seit dem Bau weiterer Höfe in einer zweiten, parallel zur ersten verlaufenden Straße durchbrochen. Der Dorfgrundriß gibt deutliche Aussagen über die Siedlungsgeschichte des Ortes. Nach der Überlieferung soll Tschanad 1766 von deutschen Kolonisten neu gegründet worden sein. Die Dorfanlage von 1770 beweist jedoch, daß nur eine deutsche Zusiediung stattgefunden hat (vgl. Weidlein, Dorfanlagen, S.29). Ebenso ist in der im Ungarischen Mittelgebirge liegenden Gemeinde Schambek die Zusiediung nach den Plänen von 1783 und 1850 deutlich zu erkennen (vgl. Weidlein, S. 47). Die Verwaltung des absolutistischen Staates bemühte sich laut jüngsten Forschungen, auf die Lebensbereiche der Bauern einzugehen. Sie versuchte dabei, planenden Einfluß zu gewinnen, wie die Siedlungen im südwestlichen Banat in der Militärgrenze beweisen. Gemarkung, Dorfgrundriß und die einzelne Hofstelle sollten den von der Dreifelderwirtschaft gestellten Anforderungen gewachsen sein. Die Verwaltung teilte bei den Neuansiedlungen die landwirtschaftlichen Flächen in Flure, oder besser Zeigen, ein. Die Höfe waren dann im Dorf zusammengefaßt. Dieses wurde von der allen gehörenden Hutweide umgeben, an die sich die drei Ackerfluren und die Wiesen anschlössen.

Jedes Haus erhielt in jeder Flur ein Grundstück zugeteilt. Die Hofstellen im Ort bestanden aus Wohn- und Wirtschaftshof mit den dazugehörigen Gebäuden und einem ausgedehnten Obst- und Gemüsegarten. Aus den gleichen Maßen der Hofstellen entstand das Rechteck der Dorfanlage, das der Militärverwaltung die Aufsicht im Ort erleichterte. Der rechteckige und quadratische Grundriß eines Dorfes entsprach dem Zeitgeschmack, obwohl auch andere Grundrißformen erprobt wurden, wie z.B. Charlottenburg (4.50) beweist. Der Dorfgrundriß brachte auch den sozialen Aufbau im Dorf zum Ausdruck. Um den Dorfplatz waren die kirchlichen und weltlichen Gebäude in zwei Baugruppen angeordnet. Die ersten derartigen geplanten Dörfer entstanden zwischen 1770 und 1776 auf dem erhöhten Ufer der Donau und der Temesch, wobei die Standortwahl auf die Grundrißgestaltung Einfluß hatte. Zu dem genau geplanten Grundriß des Dorfes kamen auch die genau geplanten Haustypen, die sich auf die Lebensordnung der in ihnen wohnenden Bauern auswirkten.

Literatur: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, Bd. 1, hg von C. Petersen, O. Scheel, P. H. Ruth und H. Schwalm, Breslau 1933, S. 241 ff. (Banat), S.319 (Batschka), S. 406ff (Bessarabien); Bd. 2, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel, H. Schwalm, Breslau 1936, S. 287 (Dobrudscha); Bd. 3, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Breslau 1938, S.21f. (Galizien);J. Weidlein, Entwicklung der Dorfanlagen im donauschwäbischen Bereich, Stuttgart 1965; J. Weidlein, Die schwäbische Türkei, Bd. 1, München 1969, S. 175 ff.; E. Roth, Die planmäßig angelegten Siedlungen im südwestlichen Banat (Deutsch-Banater Militärgrenzbezirk) 1765-1821, masch.schriftl. Diss., Aachen 1985.       

Immo Eberl

 

37. Vorderbüchelberg. Plan

Weiler in den Löwensteiner Bergen,

Württemberg

Rodungssiedlung

Photographie

Der Weiler ist neben Waldhufen und Hagenhu-fendörfern ein Beispiel für die älteste Form der Ansiedlung, der Rodungssiedlung. Sie wurde individuell vorgenommen und auf gerodetem, abgeholztem Land angelegt. Die Höfe standen meistens eng aneinander, um sich gegenseitig Schutz zu bieten. Die Siedler waren freie Bauern, die vom König oder Landesherrn zur Urbarmachung berufen worden waren.

Literatur: K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorfals Friedens- und Rechtsbereich, Köln-Graz 1957.                                              

Ute Richter

 

38. Langerringen. Plan

Linear gerichtete Siedlung

im Kreis Landsberg/Lech (Bayern)

Fränkische Kolonisationssiedlung

Photographie

Die Siedlungen, die in fränkischer Zeit angelegt wurden, sind oft geplant und linear an wichtigen Heerstraßen angelegt. Es erfolgte eine gezielte Rodung. Auf Königsgut wurden Königsfreie angesiedelt, die militärische Aufgaben zu verrichten hatten.

Literatur: K. S. Bader, Das mittelalterliche Dorfals Friedens- und Rechtsbereich, Köln-Graz 1957.                                             

Ute Richter

 

4.37 4.38

 

39. Tschatalja, Neudorf und Kollut/Batschka. Dorfpläne

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Petersen, P.H.Ruth, O. Scheel,

H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 307

Die drei Siedlungen, die ersten, die im Zuge der theresianischen Ansiedlung angelegt wurden, sind nicht planmäßig angelegt, sondern bauen auf Siedlungsresten aus karolingischer Zeit auf.

Nowoselo und Kollut sind Uferrandsiedlungen in der Form eines Sporns, Tschatalja hat die Anlage eines Straßendorfes. Während Tschatalja und Kollut Kameralsiedlungen waren, wurde Neudorf von Privathand angelegt.

Literatur: Handwörterbuch des Grenz- und

Auslanddeutschtums, hrsg. v. C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 307.           

Ute Richter

 

4.39

 

40. Apatin/Batschka. Plan

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Petersen, P.H.Ruth, O. Scheel,

H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.113

Apatin ist eine frühtheresianische Kameral-siedlung, die in zwei Phasen ausgebaut wurde. Sie sind im Grundriß zu erkennen. Der Südosten gehört zur ersten Phase der Gründung von 1750-1753. Dieser Teil ist unregelmäßiger konstruiert als der nördliche, welcher die Ansicht einer geometrischen Schachbrettform bietet. Ihre Anlage wird in die Zeit von 1764-1766 datiert. Zwar entbehrt der Gesamteindruck einer konsequenten Bauvorlage, es zeichnet sich jedoch die planmäßige Anlage des neuen Baustils bereits deutlich ab.

Literatur: J. V. Senz, Apatiner Heimatbuch. Aufstieg, Leistung und Untergang der donauschwäbischen Großgemeinde Abthausen/ Apatin im Batscher Land, Straubing 1966.

Ute Richter

 

41. Hodschag/Batschka. Gemarkung um 1900

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Petersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.317

Der Grundriß von 1900 zeigt das Ergebnis der architektonischen Entwicklung des Dorfes. Die Gemarkung ist aus drei Stücken zusammengewachsen. Es sind das Dorf in der Mitte, das erste 1757 planmäßig nach Schachbrettmuster angelegte der Batschka, das 1783 neu vermessene landwirtschaftlich zu nutzende Land und die allgemein zur Verfügung stehende Hutweide.

Literatur: F. Lotz, Hodschag. Geschichte einer deutschen Marktgemeinde in der Batschka, Freilassing21964.                        

Ute Richter

 

4.40 4.41

 

42. Hodschag/Batschka. Flurplan 1783

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Petersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.317

Der Plan verdeutlicht diel 783 vorgenommene Unterteilung des nutzbaren Bodens, die ebenfalls planmäßig nach dem Prinzip des Schachbrettmusters vorgenommen wurde. Der schnelle Bevölkerungszuwachs machte die Neuvermessung nötig. Die Zahl der Kolonisten war in der Zeit zwischen 1762-1783 von 225 auf 316 gestiegen. Es sollte eine gerechte Umverteilung des Landes damit erreicht werden.

Literatur: F. Lotz, Hodschag. Geschichte einer deutschen Marktgemeinde in der Batschka, Freilassing 21964. 

Ute Richter

 

4.42

 

43. Bogojewo, Karawukova und Milititsch/Batschka. Plan 1900

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 305

Während das serbische Milititsch, 1740 angelegt, Züge des Schachbrettmusters aufweist, kündigen die kreuzförmig geplanten Dörfer Karawukova (deutsch) und Bogojewo (magyarisch) eine neue Variante des Bauschemas an. Karawukova ist eine kameralische Gründung von 1766. Die ursprünglich dort wohnenden Magyaren wurden nach Deliki Hegyes umgesiedelt. Hier ist das Kreuz der Anlage noch schief. Bogojewo weist bereits eine geometrische Konstruktion auf.

Literatur: A. Pollinger, Heimatbuch Karawukowo. Werdegang, Blütezeit und Auflösung einer deutschen Großgemeinde in der Batschka, Griesheim, Selbstverlag 1975; M. Schneider, Milititsch, Freilassing 1961.        

Ute Richter

 

44. Tscherwenka/Batschka. Dorf- und Flurbild

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P.H.Ruth, O.

Scheel, H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.314

Das deutsche Dorf entstand 1785 und repräsentiert den voll entwickelten Typ einer Schachbrettsiedlung. Die Straßenzüge sind breit angelegt.

Literatur: J. Albrecht, Tscherwenka. Werden und Vergehen einer batschkadeutschen Gemeinde, Freilassing 1955.   

Ute Richter

 

4.43 4.44

 

45. Alt- und Neuwerbass/ Batschka. Dorf- und Flurbild

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.315

Wie Tscherwenka ist das Dorf ein Beispiel für eine vollendete, schachbrettartige Anlage mit großzügiger Straßenführung. Es wurde 1784/ 85 infolge einer Trennung von Serben und Deutschen angelegt.

Literatur: Werbass 1785-1975. Vrbas. Vers. Zur Geschichte der Doppelgemeinde Altund Neuwerbass, hg. v. Werbasser Heimatausschuß Stuttgart-Fellbach, Selbstverlag 1975.                                              

Ute Richter

 

46. Perjamosch und Deutschsanktpeter/Banat. Dorfpläne

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.241

Die beiden Dörfer wurden bereits unter Mercy planmäßig angelegt und zählen zu den ältesten Dorfgründungen des Banats. Der Umriß ist zwar noch unregelmäßig, die lineare Konzeption jedoch ist schon erkennbar. Die zwischen 1722 und 1726 angelegten Dörfer wurden im Zuge der Nachbesiedlung unter Maria Theresia erweitert.

Literatur: Sächsisch-Schwäbische Chronik. Beiträge zur Geschichte der Heimat, hg. von E. Eisenburger und M. Kroner, Bukarest 1976.

Ute Richter

 

47. Schöndorf/Banat. Plan

Photographie aus: F. Griselini, Versuch einer politischen und natürlichen Geschichte des Temeswarer Banats in

Briefen 1716-1778, Wien 1780, Anhang, Tafel 1

Schöndorf wurde 1766 angelegt, nachdem die dort ansässigen Rumänen transferiert worden waren. Die Siedlung weist eine symmetrische Form auf. Das Rechteck des Schnittpunkts wurde für öffentliche Gebäude freigehalten. Die Erklärung der Zeichen im Dorfplan lautet:

E: Dorfkirche K: Arztwohnung
F: Brunnen L: Landstaße
G: Gärten M: Miereschauen
H: Pfarrhaus N: Miereschfluß
J: Schule    

Literatur: J. Weidlein, Entwicklung der Dorfanlagen im donauschwäbischen Bereich, Stuttgart 1965.                                     

Ute Richter

 

4.45 4.46
   
4.47  
   

 

48. Alexanderhausen/Banat. Plan im Gründungsjahr 1833 (oben) und 1933 (unten)

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 239

Die künstlerische Ausgestaltung der Dorfplanung zeigt sich besonders am Beispiel Alexanderhausens. Der als sogenannte Privatsiedlung 1833 gegründete und mit Banater Deutschen aus den Nachbargemeinden besetzte Ort weist eine akkurate quadratische Form auf, die sich in einem zentralen Kreis in der Mitte konzentriert. Dorthin plazierte man nach und nach die öffentlichen Gebäude. Seit 1859, seit sich das Dorf durch Zuzügler und natürlichen Zuwachs vergrößerte, wurden die Gassen ausgebaut (Bild unten).

Literatur: J. Weidlein, Entwicklung der Dorfanlagen im donauschwäbischen Bereich, Stuttgart 1965.                                     

Ute Richter

 

4.48

 

49. Charlottenburg/Banat. Plan

Photographie aus: F. Griselini, Versuch einer politischen und natürlichen Geschichte des Temeswarer Banats in

Briefen 1716-1778, Wien 1780, Anhang, Tafel I

Ebenso künstlerisch wie Alexanderhausen ist Charlottenburg angelegt. Es ist das einzige Runddorf  im  donauschwäbischen   Bereich. Charlottenburg wurde 1771 als Kleindorf für 30 deutsche Familien angelegt.

Zeichenerklärung:

f: Brunnen       L: Landstraße

Literatur: J. Weidlein, Entwicklung der Dorfanlagen im donauschwäbischen Bereich, Stuttgart 1965.      

Ute Richter

 

50. Cobadin/Dobrudscha. Plan 1936

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 2, Breslau 1936, S. 284

Die Struktur der Dorfanlage ist repräsentativ für die der Dobrudscha. Sie entstand im Kern aus einem Straßendorf, dessen Häuserzeile durch parallel laufende Straßen so ergänzt wurde, daß annähernd eine schachbrettartige Form entstand, also eine geplant gewachsene Anlage. In Cobadin wohnten zuerst Türken, dann kamen Tataren und 1890 Deutsche hinzu, die nach und nach das Territorium aufkauften.

Literatur: H. Petri, Geschichte der deutschen Siedlungen in der Dobrudscha. Hundert Jahre deutsches Leben am Schwarzen Meer, München 1956.                                   

Ute Richter

 

 

4.49 4.50

 

51. Gnadental/Bessarabien. Plan

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O.

Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 407

Gnadental wurde Anfang des 19. Jahrhunderts für Deutsche als Zweistraßendorf mit Quergasse konstruiert. In der Mitte blieb der freie Platz der Kirche und Gemeindegebäuden vorbehalten. Die Siedlung ist später nach allen Seiten ausgebaut worden.

Literatur: R. Rüb, Geschichte der Gemeinde Gnadental, 1830-1930, Nürtingen 1959.

Ute Richter

 

52. Teplitz/Bessarabien. Plan

Photographie aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. v. C. Pe-tersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 407

Das 1818 gegründete deutsche Dorf bestand ursprünglich aus einer einstraßigen Anlage, an deren mittlerer Quergasse sich Gemeindeplatz und Kirche befanden. Später erfolgte der Ausbau, indem sich die Siedlung längs der Straße weiter herauszog.

Literatur: H. Weiß, Geschichte der Kolonie Teplitz, Uelzen, Eigenverlag 1956; Ders., Teplitzer Chronik. Die letzten zehn Jahre des Bestehens der Kolonie Teplitz und die Heim kehr ins Mutterland, Uelzen, Eigenverlag 1958.                                              

Ute Richter

 

53. Alexanderhilf bei Odessa. Ortsplan 1944

Photographie aus: K. Stumpp, Die Rußlanddeutschen. Zweihundert Jahre unterwegs, Frei lassing 1964, S.22

Das Dorf weist eine schachbrettartige Konstruktion mit zwei Haupt- und mehreren Nebengassen auf. Es war für 203 Höfe mit 340 Familien konzipiert.

Literatur: K. Stumpp, Die Rußlanddeutschen. Zweihundert Jahre unterwegs, Freilassing 1964.                                              

Ute Richter

 

4.51 4.53
 
4.52

 

 

54. Plan des Kolonistenortes Guttenbrunn im Banat

Anonyme aquarellierte Federzeichnung, undatiert [1766], 440 x 650 mm Hofkammerarchiv Wien, O 32 Beilage

zu: Banater Akten,   rote  Nr. 149, fol. 67-111, GZ 60 ex februario 1767

Das Banat unterstand verwaltungsmäßig von 1759 bis 1769 der Ministerial-Banko-Hofdepu-tation, der Zentralbehörde für das öffentliche Kredit- und Schuldenwesen. Grund dafür war die Verpfändung der Einkünfte an die Wiener Stadtbank während des Siebenjährigen Krieges.

Nach dem Hubertusburger Frieden von 1763 wurde die Ansiedlung von Deutschen im Banat großzügig aufgenommen. Allerdings kam es dabei zu mehreren Konflikten mit den Landesbehörden in Temeschburg. Daher wurde mit der Prüfung des Ansiedlungsgeschäftes eine eigene Hofkommission beauftragt, die ihre Instruktion am 6. April 1766 erhielt. Der Bericht der Kommissäre - es waren Karl Graf von Clary und Ottokar Ernst Freiherr von Stupan - datiert vom 10. Jänner 1767. Darin wurden eine Reihe von Mißständen bei der Durchfüh-rung der Ansiedlung aufgedeckt. Der Chef der Landesadministration, Franz Graf von Villana-Perlas, rechtfertigte sich in einer Note, der zahlreiche Beilagen angeschlossen waren, am 15. Februar 1767 gegenüber der Bankode-putation. Zu diesen Beilagen gehört der Plan des Kolonistendorfes Guttenbrunn, einer Ortschaft, deren Anfänge früher liegen. Es handelt sich hier um eine Zusiedlung. Ohne im Detail auf die angesprochenen Probleme einzugehen, drängte die Bankodeputa-tion - das Konzept der entsprechenden Weisung ist von dem um die Ansiedlung sehr verdienten Ignaz Freiherrn von Kempfen abgezeichnet - am 23. Februar 1767 die Administration in Temeschburg, »das Impopulations-Geschäfft mit all möglicher Sorgfalt, reiffer Übev\egur\g und Etfev« wettet zu bettefoen.

Literatur: Ausstellungskatalog Maria Theresia als Königin von Ungarn, Schloß Halbturn 1980, Kat. Nr. 276.                  

Gottfried Mraz

 

4.54

 

 

   
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