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6. Die Statistik der deutschen Siedlung Südosteuropas

 

 

ist schwierig, die deutsche Siedlung in Südosteuropa in Zahlen darzustellen. Während die Angaben zum 18. Jahrhundert teilweise auf Schätzungen basieren oder nur die Zahlen der Haushalte bzw. Familien nennen, sind die Zahlenangaben seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zumindest teilweise in ihrem Wahrheitsgehalt anzuzweifeln. Die südosteuropäischen Staaten dieser Zeit hatten gemäß ihrer Politik kein Interesse an einem zahlenmäßigen Beleg^ einer umfangreichen deutschen Minderheit. Diese Frage kann hier nicht abschließend geklärt werden. Daher werden die vorliegenden Zahlen im folgenden aus der Literatur übernommen und zur Darstellung herangezogen. Aus ihnen soll die Entwicklung der deutschen Siedlung und deren Stellung innerhalb der südosteuropäischen Vielvölkerfamilie dargestellt werden.          

Immo Eberl

 

1. Vom 17. Jahrhundert bis 1945

Tafel

a) Die Zeit der Ansiedlung

Die ab 1683 von den kaiserlichen Heeren in Ungarn zurückeroberten Gebiete waren weitgehend entvölkert. Die Bevölkerung soll bei etwa 0,6 Einwohnern auf den Quadratkilometer gelegen haben. In der Schwäbischen Türkei wurden 1692 nur 3221 Familien gezählt, von denen noch rund die Hälfte in der Stadt Fünfkirchen lebte. In der Schomodei (Komitat Somogy) bestanden 1671, noch unter türkischer Oberherrschaft, nur 106 bewohnte Bauernhöfe. Die deutsche Siedlung setzte mit der Rückeroberung ab etwa 1686 ein, begann aber wegen des Türkenkrieges und des Ku-ruzzenaufstandes erst nach dessen Ende (1711) größere Maßstäbe anzunehmen. Im ungarischen Mittelgebirge (Buchenwald, Schildgebirge, Ofener Bergland mit Budapest und Umgebung) entstanden nach ersten, vereinzelten Ansiedlungen deutscher Kolonisten zwischen 1688 und 1699 überwiegend in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts etwa 130 Gemeinden mit deutschen Mehrheiten. Neben ihnen wohnten in diesen Dörfern Magyaren, Serben und Slowaken. Die deutsche Bevölkerung befand sich in den ersten Jahrzehnten in starker Fluktuation, da die Forderungen der adligen und geistlichen Grundherren viele Kolonisten nach kurzer Zeit weiterziehen ließen. Deswegen konnten die Einwohnerzahlen nur langsam wachsen.

Noch 1722 wurden im Komitat Veszprim von 937000 Joch Ackerland nur 240000 angebaut und im benachbarten Komitat Stuhlweißenburg von 765000 Joch nur 187000. Beispielhaft für die demographische Entwicklung der Bevölkerung in diesem Raum ist die Stadt Ofen. In Ofen wurden 1688, zwei Jahre nach der Eroberung durch das kaiserliche Heer, 91 Häuser gezählt, was auf eine etwa vier- bis fünfmal so große Bevölkerungszahl schließen läßt. 1715 bestanden in der Stadt 1365 Häuser mit 1539 Haushalten, von denen 701 deutscher, 68 magyarischer, einer italienischer und 769 serbischer Nationalität waren. Die wirkliche Bevölkerungszahl ist jeweils etwa viermal größer anzusetzen, was die aus kirchlicher Statistik überlieferte Einwohnerzahl von etwas über 5000 Seelen bestätigt. Die Serben stellten 1715 den größten Anteil an der Ofener Bevölkerung. Die in den folgenden Jahrzehnten einsetzende deutsche Zuwanderung ließ das deutsche Element rasch zunehmen. Die Bevölkerung der Stadt stieg bis 1820 auf 27471 Einwohner und bis 1850 auf 32118 Einwohner. Die Zahl verteilte sich auf die einzelnen Nationalitäten folgendermaßen:

 

Deutsche Magyaren Juden Slowaken Serben Rumänen gesamt
22122 6182 1537 1124 1145 8 32118

 

Ofen war 1850 eine Stadt mit rund 70% deutscher Bevölkerung. Daraus wird verständlich, weshalb in dieser Zeit die Namen von Straßen und Plätzen in Ofen deutsch waren. Nach den Volkszählungen von 1880 ist für die Gemeinden mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung im ungarischen Mittelgebirge eine ähnliche Entwicklung anzunehmen. Die Schwäbische Türkei war von der Türkenherrschaft stärker betroffen worden als das Mittelgebirge. Noch ein Jahrzehnt nach Beginn der intensiven Ansiedlung wurden im Komitat Tolnau 1722 von 1 093000 Joch Ak-kerland nur 150000 angebaut und im Komitat Branau von 1 718000 Joch 420000. Die Ansiedlung deutscher Kolonisten war vor 1712 über geringfügige Anfänge nicht hinausgekommen. Vor den deutschen Kolonisten hatten sich in der Schwäbischen Türkei Serben angesiedelt. Während in der Branau serbische Siedlungen teilweise im Verhältnis 5:2 gegenüber den magyarischen Siedlungen überwogen, blieben die Magyaren und Slowaken im Komitat Tolnau in der Überzahl. Dieser Vorgang läßt erkennen, daß die aus dem Norden zugewanderten Magyaren zahlenmäßig nicht in der Lage waren, auch die Branau zu besiedeln. Die deutschen Kolonisten kamen ab 1712 in großer Zahl ins Land, allein 1712 sollen es rund 14000 Personen gewesen sein.

In Fünfkirchen lebten 1715 schon 70 deutsche Familien, was 18% der Gesamtbevölkerung entsprach. Die Anwerbung deutscher Kolonisten ist von den geistlichen und adligen Grundherren durch eigene Beauftragte durchgeführt worden. Aber auch der erste Schwabenzug (1722-1726) kam der deutschen Siedlung zugute, da durchziehende Kolonisten abgeworben wurden. Die deutsche Siedlung in diesem enttäuschte Kolonisten nach kurzer Zeit wieder abwanderten und ersetzt werden mußten. Entsprechend langsam wuchs die deutsche Siedlung. Obwohl die im zweiten und dritten Schwabenzug (1763-1773,1782-1787) nach Ungarn kommenden Kolonisten nicht für die Schwäbische Türkei bestimmt waren, gelang es immer wieder, Kolonistenfamilien für die einzelnen Dörfer zu gewinnen. Neugründungen von Dörfern finden sich nur wenig, in der Regel wurden die bestehenden Dörfer erweitert. Als später die Zuwanderung von Kolonisten aus dem Deutschen Reich endete, kam es zu einer Binnenkolonisation, die zur weiteren Ausdehnung der deutschen Siedlung führte, sich jedoch in mehrheitlich magyarischen Dörfern in kurzer Frist assimilierte. In den Komitaten Tolnau und Branau lebten 1767 13200 Familien oder rund 75000 Deutsche. Inder Batschka waren die ersten deutschen Siedler Handwerker, die sich neben ihren serbischen Berufskollegen niederließen. Die Bevölkerung lag 1699 bei etwa 20000 Einwohnern, was 1-2 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. Nach der Konskription von 1715 wohnten in der Peterwardeiner Schanz, dem späteren Neusatz, 37 Familien.

Von diesen waren 15 deutscher, 18 serbischer, zwei magyarischer und zwei jüdischer Nationalität. Auch in der Batschka läßt sich eine starke Fluktuation der Bevölkerung nachweisen. In Baja, dem zweiten Wirtschaftszentrum des Landes, lebten 1715 unter 237 Familien nur 13 deutscher Herkunft. Die seit 1729 beginnende bäuerliche Siedlung nahm nur langsam zu. Dies ließ die bei Massenansiedlungen üblichen Schwierigkeiten ausbleiben. Das Wachsen der Gemeinde Apatin ist z.B. in der Aufstellung über die Zuwanderungsjahre der einzelnen Familien ausgedrückt, obwohl diese nicht vollständig ist.

 

Jahr Familien Jahr Familien Jahr Familien Jahr Familien Jahr Familien
1748 2 1753 46 1757 14 1761 14 1765 64
1749 1 1754 25 1758 17 1762 12 1766 51
1750 36 1755 18 1759 38 1763 34 1767 28
1751 20 1756 9 1760 46 1764 53 1768 4
1752 72

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kolonisation vollzog sich nach der Jahrhundertmitte teilweise rasch, wie der Bau von 200 Häusern in Neu-Kollut (1756-1763) und von 300 Häusern in Hodschag (1760-1763) zeigt. Der die Ansiedlung von 1749-1762 leitende Hofkammerpräsident Anton von Gras-salkovich siedelte etwa 5000 Familien an, von denen 2000 magyarischer, 2000 slawischer und etwas über 1000 Familien deutscher Herkunft waren. Sein Nachfolger Anton von Coth-mann beschleunigte aus merkantilistischen Gründen die Besiedlung. Während des zweiten Schwabenzuges siedelte er etwa 2500 deutsche Familien mit 10000 Personen an, von denen etwa ein Drittel Handwerker waren. Laut einer Aufstellung von 1768 waren seit 1763 2025 Kolonistenhäuser errichtet worden. Neben den sich 1768-1770 auf eigene Kosten ansiedelnden 362 Familien wurden auf Staatskosten angesiedelt:

 

Jahr 1763 1764 1765 1766 1767 1768 1769 1770 1771
Familien 450 260 270 280 200 209 138 313 66

 

Die Kolonisten stammten durchweg aus katholischen Gebieten, waren aber keineswegs nur Schwaben. Etwa die Hälfte von ihnen kam aus den Reichskreisen West- und Süddeutschlands, 15 % aus Lothringen, je 10 % aus den österreichischen Erbländern und den älteren deutschen Siedlungsgebieten Ungarns und der Rest aus den übrigen deutschen Ländern sowie aus dem Heer des Siebenjährigen Krieges. Ein Achtel der Einwohnerschaft in den deutschen Siedlungen war nichtdeutscher Abkunft und von diesen etwa die Hälfte Tschechen bzw. Slowaken. Nach dem Tode von Cothmanns wurde 1771 die staatliche Förderung für die Ansiedlung aufgehoben, was zum fast vollständigen Erliegen derselben führte. Erst während des dritten Schwabenzuges unter Joseph II. wurde die Kolonisation 1784 wieder aufgenommen und wuchs rasch. Nachdem aber die Einwanderung auf Staatskosten 1786 neuerlich eingestellt worden war, kamen fast keine Kolonisten mehr aus dem Reich, wie die folgende Aufstellung über die einwandernden Familien in den einzelnen Jahren beweist:

 

Jahr 1784 1785 1786 1787 nach 1787
Familien 246 899 1450 456 37

 

Zu den 3051 Familien, die zwischen 1783 und 1786 einwanderten, sind rund 1000 weitere Familien anzunehmen, die auf Privatgütern angesiedelt wurden. Die ca. 4000 Familien haben einer Zahl von 15 000-16 000 Personen entsprochen. Neben ihnen wurden im Verhältnis 3:2 auch nichtdeutsche Kolonisten angesiedelt. Die Beschränkung auf katholische Kolonisten wurde unter Joseph II. aufgehoben. Es kamen daher mehr evangelische als katholische Kolonisten aus dem Reich, insbesondere aus der Pfalz und aus Hessen, in die Batschka. Diese wurde 1787 (ohne Berücksichtigung der Militärgrenze) von 184081 Einwohnern bewohnt, unter denen etwa 40000 Deutsche waren. Die deutsche Bevölkerung wuchs im 19. Jahrhundert rasch weiter. Dabei drangen Deutsche in alle 128 Gemeinden der Batschka ein, wie die Volkszählungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert bewiesen. Die Besiedlung des 1718 an Österreich gefallenen Banats vollzog sich in drei Abschnitten: der karolinischen, theresianischen und jose-phinischen Kolonisation. Durch den ersten Schwabenzug (1723-1726) kamen etwa 4000 Familien mit etwa 15000 Personen zur Ansiedlung, nachdem schon 1718 zahlreiche Handwerker zum Bau der Festungen und öffentlichen Gebäuden ins Land gekommen waren, denen schon bald Bergleute folgen sollten.

1721 wurden bereits 87 deutsche und 80 rumänische Bergleute erwähnt, denen sich 1722 nochmals 247 Tiroler zugesellten. Bis zum Beginn des Türkenkriegs 1737 waren 20000 deutsche Kolonisten in 55 Dörfern angesiedelt. Der Türkenkrieg (1737-1739) vernichtete fast die Hälfte der Dörfer und brachte zahlreiche Kolonisten ums Leben. Erst ab 1744 wurde die Kolonisation wieder aufgenommen und brachte bis 1752 etwa 2500 deutsche Kolonisten ins Land. Für 1763 wird die deutsche Bevölkerung auf 24000 Personen geschätzt, nachdem die Kolonisation bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges etwa zehn Jahre fast vollständig geruht hatte. In den folgenden Jahren des zweiten Schwabenzuges (1763-1768) kamen neuerlich zahlreiche Kolonistenfamilien ins Banat:

 

Jahr 1763 1764 1765 1766 1767 1768 1769 1770 1771 1772 1773
Familien 432 541 1045 2096 505 480 781 3276 408 1385 52

 

Schon 1769 gelang es nicht mehr, alle Kolonisten anzusiedeln, und als 1770 die 3276 Familien mit 10594 Personen eintrafen, dauerte es zwei Jahre, bis die von den Seuchen verschonten Kolonisten in eigene Häuser ziehen konnten. Die Werbung im Deutschen Reich hatte 1770 aufgehört, doch dauerte es über zwei Jahre, bis der Strom der Kolonisten zurückging. In der theresianischen Kolonisationszeit sind etwa 11000 Familien mit ca. 42000 Personen ins Banat eingewandert, von denen die Zahl der Siedler abgezogen werden muß, die kurz nach der Ankunft im Banat starben. Die Zahl der Sterbefälle in den Siedlertransporten stieg andauernd:

 

Jahr 1762 1763 1764 1765 1766 Juni 1769-Juni 1771 1. Dezember 1770-Ende Februar 1771
Sterbefälle 16 28 160 334 790 2187 1159

 

Die Gesamtbevölkerung des Banats betrug 1770 ohne den Bereich der Militärgrenze 317928 Einwohner, von denen 43201 Ansiedler aus dem Westen (darunter ca. 3000 Italiener und Franzosen, der Rest Deutsche) waren. Der Anteil der deutschen Bevölkerung lag bei 12,6%. Temeschburg hatte um 1778 ca. 6700 Einwohner, es bestand aus mehreren um die Festung liegenden Orten. Die Stadt wurde am 31. Dezember 1781 zur königlichen Freistadt erhoben.

Die 1773 abgebrochene Kolonisation des Ba-nats wurde erst 1782 mit Beginn des dritten Schwabenzuges wieder aufgenommen, der mit dem Einstellen der Ansiedlung auf Staatskosten am 13. März 1787 sein Ende fand. In dieser Zeit sind im Banat 14 Dörfer neu entstanden und 13 vergrößert worden. Die eingewanderte Bevölkerung ist mit 2700 Familien und etwa 13500 Personen angesetzt. Auch im Banat waren unter Joseph II. zahlreiche evangelische Kolonisten angesiedelt worden, so z. B. entstand mit 200 evangelischen Familien 1786 das Dorf Liebling. Mit dem Tode Josephs II. endete die Einwanderung deutscher Kolonisten angeblich. Das rasche Wachstum der Bevölkerung bis 1785 auf 550 409 Einwohner und bis 1806 auf 636198 Einwohner läßt jedoch den Schluß zu, daß sich zwischen 1790 und 1806 die Kolonisation in einem geringeren Umfang fortgesetzt haben muß. Die Ansiedlung von etwa 2072 schwäbischen Familien in Sathmar erfolgte 1712-1838 in 32 Gemeinden. Die Kolonisten stammten zu drei Vierteln aus den Kreisen Biberach und Ravensburg.

Als Slawonien und Syrmien endgültig 1699 an Österreich fielen, besaß ersteres etwa 140000 Einwohner, während letzteres fast ohne Bewohner war. Die Städte waren ebenfalls weitgehend entvölkert, da sich die türkischen Einwohner mit ihrem Heer über die Save zurückgezogen hatten. In Esseg und Peterwardein begann sofort der Zuzug deut-scher Bürger. Esseg erhielt schon 1690 Stadtrecht. Deutsche Handwerker und Kaufleute, vor allem aus Österreich, siedelten sich im ganzen 18. Jahrhundert in Esseg an. In Sem-lin, Mitrowitz, Slawonisch-Brod, Karlowitz und 1 Peterwardein bildeten sich eigene deutsche Stadtteile. Bei Vukovar wurde 1723-1725 Neu-Vukovar angelegt und mit 33 deutschen Familien besiedelt. Die von 1745-1873 bestehende slawonisch-syrmische Militärgrenze erhielt in St. Lukas (Lukatsch) bei Wirowitz (um 1750) und Deutsch-Bresnitz bei Naschitz (1770) deutsche Soldatendörfer. In der theresianischen Kolonisationszeit entstanden Ru-ma, Sotting und Jarmin - deutsche Dörfer, die später noch größere Zusiedlungen erhielten. In dem 1746 entstandenen deutschen Dorf Ruma ließen sich 1784 im dritten Schwabenzug allein ca. 700 Deutsche nieder. In derselben Zeit bekam Neu-Slankamen (1783) und die Semliner Josephsstadt (1787) deutsche Siedler.

Die deutsche Siedlung in Slawonien und Syrmien erhielt noch nach Ende der eigentlichen Siedlungszeit umfangreichere Zuzüge, so 1791 in Neu-Pasua in Ost-syrmien durch evangelische Württemberger, 1790-1794 in Karlowitz (36 Familien), Ruma (26 Familien) und Bukowitz (20 Familien) durch Siedler aus dem Elsaß,  Lothringen, Württemberg, Basel, Baden und Nassau. Auch im 19. Jahrhundert entstanden noch einige deutsche Ansiedlungen, deren Kolonisten zum großen Teil aus deutschen Siedlungen im Banat oder in der Batschka kamen, so z. B. die ersten Siedler in Franztal bei Semlin aus La-zarfeld im Banat und in Neudorf bei Winkowitz aus der Batschka. Die vorliegenden Zahlen über Slawonien und Syrmien sind bis ins 19. Jahrhundert ungenau. Die Bukowina fiel 1774/1775 an Österreich. Eine'Volkszählung ergab 1776 18101 Familien, was einer Bevölkerung von rund 75000 Einwohnern entsprechen dürfte. Die kaiserlichen Behörden begannen für das von Rumänen und teilweise von Ukrainern bewohnte Gebiet einen Einwanderungsplan zu erarbeiten und siedelten nebst Deutschen Ungarn, Ukrainer, Polen und Armenier an. Die deutsche Ansiedlung beschränkte sich in den ersten Jahren auf Beamte und Handwerker. Erst 1782 kamen 20 Familien aus dem Banat als bäuerliche Kolonisten, die auf die rumänischen Dörfer verteilt wurden. Ihnen folgten 1787 dann 74 überwiegend evangelische Familien, die zu zwei Dritteln aus Württemberg, im übrigen aber aus Franken und dem Rheinland stammten. Die Kolonisten wurden in acht bestehenden Dörfern untergebracht. Als Bergleute wanderten 1786/1787 Deutsche aus der Zips ein, 1796 folgten 40 deutsche Familien.

Aus dem Böhmerwald kamen 21 Familien von Glashüttenarbeitern, die sich in zwei Dörfern ansiedelten (Althütte, Neuhütte). Ab 1835 folgten deutsch-böhmische Bauern mit 54 Familien und 1843 nochmals 16 Familien mit 200 Personen. Die deutschen Einwohner in den Städten der Bukowina sind im Unterschied zur ländlichen Bevölkerung nicht im Rahmen einer planmäßigen Ansiedlung eingewandert, sondern meist aus eigenem Antrieb. Die staatliche Förderung für die Ansiedlung wurde mit den Siedlungen der 30er und 40er Jahre aufgegeben. Galizien kam durch die erste polnische Teilung 1772 an Österreich. Zu diesem Zeitpunkt fand sich nur eine kleine deutsche Volksinsel vor, die etwa 5000 Personen umfaßte und seit dem Mittelalter bestand. Zu diesen Deutschen schlesischer Herkunft kam in den folgenden Jahren bis 1786 eine Ansiedlung pfälzischer Kolonisten, die als Schwaben bezeichnet wurden. Diese 13000 Neusiedler bestanden aus 6800 evangelischen und 5200 katholischen Personen. Zu diesen gesellten sich noch neue Gruppen, die teilweise aus den deutschen Siedlungen Böhmens und aus Schlesien stammten. Der Entwicklung der deutschen Siedlung und der Gesamtbevölkerung gilt untenstehende Statistik von 1772-1880.

 

Jahr Gesamt-bevölkerung Bevölkerungs dichte je km2 dt. Gesamt-bevölkerung Prozent an der Gesamt-bevölkerung alte Volksinsel Pfälzer ev. neue Herkunft kath. Kolonisten schlesischer Herkunft deutsc-hböhmischer Herkunft
1772 2600000 33 - - - - - - -
1786 2950000 38 18000 0,61 % 5000 7800 5200 - -
1812 3700000 48 26000 0,70 % 7000 11700 6800 300 200
1846 4734427 61 49300 1,04 % 9500 23600 13800 2000 400
1869 5444689 70 - - - - - - -
1880 5958907 77 71000 1,19% 13800 37000 14000 5000 12000

 

 

In folgenden Gemeinden ließen sich die meisten Familien nieder:

Gemeinde Beginn deutscher Siedlung Familienzahl
Großkarol 1720 466
Erdeed 1733 308
Maitingen 1722 275
Fienen 1720 178
Schöntal 1712 146
Kaplau 1735 127
Bildegg 1730 53
Wahlei 1747 49
Tusterebesch 1745 48
Kalmandi 1752 44
Petrifeld 1742 38
Trestenberg 1750 38
Hamroth 1781 32

 

Die deutsche Siedlung in Bessarabien hatte 1814 begonnen, als das Manifest Alexanders I. von 1813 zur Kolonisation der 1812 im Frieden von Bukarest erworbenen Provinz führte und die ersten Ansiedler deutscher Herkunft aus Polen und den preußischen Provinzen Posen, Pommern und Westpreußen eintrafen, die dort aber überwiegend aus Südwestdeutschland eingewandert waren. Mit staatlicher Förderung entstanden bis 1842 24 deutsche Siedlungen. Als die staatliche Förderung 1842 eingestellt wurde, bewirkte dies eine Unterbrechung der Kolonisation. Ab 1851 setzte eine selbständige Siedlungstätigkeit ein, die mit der ersten Niederlassung Josephs-dorf begann und mit Gründung von über 40 Dörfern im Jahre 1914 ihr Ende fand.

 

Deutsche Siedlungen in Bessarabien 1814-1842

 

Gründungsjahr Gemeinde Zahl der Familien
1814 Borodino 119
1814 Tarutino 136
1815 Krasna 112
1815 Klöstitz 133
1815 Kulm 108
1815 Leipzig 122
1815 Malojaroslawetz 1/Wittenberg 138
1816 Arzis 124
1816 Brienne 82
1816 Beresina 140
1816 Paris 119
1816 Fere-Champenoise 1/Alt-Elfi 126
1818 Teplitz 100
1821 Katzbach 65
1822 Sarata 101
1823 Malojaroslawetz 11/Alt-Posttal 69
1825 Fere-Champenoise 11/Neu-Elfl 63
1825 Neu-Arcis 42
1830 Gnadental 80
1833 Friedenstal 88
1834 Dennewitz 64
1834 Lichtental 80
1839 Plotzk 39
1842 Hoffnungstal 85

 

Das Wachstum der deutschen Bevölkerung Bessarabiens (nach Karl Stumpp)

 

Jahr Personen
1827 9355
1857 22330
1858 24159
1861 33501
1890 42681
1897 59998
1919 79000

 

Die deutsche Siedlung in der Dobrudschai begann 1840, als einzelne Familien aus Bes-sarabien einwanderten. Die deutschen Siedler erhielten später bis in die 70er Jahre Zuzug von den deutschen Siedlern in Südrußland. Sie konnten neben den zahlreichen anderen Volksgruppen jedoch keine besondere Position einnehmen, da ihre Zahl zu geringfügig war. Dies bestätigt die untenstehende Statistik über die Einwohner der Dobrudscha 1863 und 1886. 1883 betrug die Zahl der Deutschen etwa 3000 Personen, 1922 nur 8534 Personen, samt den Einwohnern der bulgarischen Süddobmdscha rund 9400 Personen. Die deutsche Ansiedlung in Südrußland begann mit dem Manifest der Zarin Katharina II. 1763. Die Werbung war sehr erfolgreich: 1763-1767 kamen fast 30000 Kolonisten aus Südwestdeutschland, Hessen, dem Elsaß, der Pfalz und der Schweiz nach Rußland. Von ihnen wurden etwa 27 000 an der Wolga, um Saratow und in der Steppe des Kirgisengebiets angesiedelt. Die harten Anfangsjahre führten zu einem Rückgang der Kolonistenzahlen. 1769 war die Zahl der Kolonisten auf 6433 Familien mit 23100 Personen zurückgegangen und bis 1775 fiel sie sogar auf 5500 Familien. Erst in den 80er Jahren begann die Ansiedlung durch neue Zuwanderung wieder zu wachsen, was sie im ganzen 19. Jahrhundert kontinuierlich tat, obwohl seit den 70er Jahren eine Auswanderungswelle begann.

 

Jahr Gesamt-bevölkerung Deutsche Rumänen Bulgaren Tataren    Türken Russen Griechen Juden Sonstige
1863 169500 3250 12000 25000 82000 7000 20000 4000 - 16250
1886 185634 3024 46140 38420 68268 17045 4768 3546 4422

 

Deutsche Siedlung in Südrußland

1861       218000 Einwohner

1909       584000 Einwohner

1914       über 600000 Einwohner in 204 Dörfern

Eine große Zahl der Kolonisten in Südrußland kam aus Württemberg, wie die Statistik über die aus Württemberg nach Rußland auswandernden Personen beweist:

 

Jahr Personen
1792 326
1804 3067
1815 12
1816 1071
1817 9394
1818 1016
1819 471
1820 289
Gesamt 15485

 

Zusammenfassung

Das Jahrhundert der deutschen Kolonisation in Südosteuropa hatte zahlreiche Siedler nach Ungarn und weiter ostwärts bis nach Südrußland geführt. Besonders auffallend waren in dieser Siedlungsbewegung die durch besondere Anwerbung erzeugten drei Schwabenzüge, von denen der erste (1723-1726) etwa 10000-15000 Personen nach Ungarn brachte, der zweite von 1763-1768 insgesamt 6130 Familien, was etwa 25000 Personen bedeutet, und von 1769-1773 nochmals 19108 Personen, in seiner Gesamtheit also rund 45000 Personen in Ungarn einwandern ließ, und der dritte (1782-1787) allein 1784-1787 22283 Personen. Für das 18. Jahrhundert waren diese Siedlungsbewegungen, die eine weite Landschaft für die deutsche Kolonisation erschlossen, von größter Bedeutung. Insgesamt wird veranschlagt, daß unter Karl VI. 15000, unter Maria Theresia 48000,  unter Joseph II.  45000  und  unter Franzi!. 7000 Kolonisten eingewandert sind, was zusammen rund 115000 Personen ausmacht, von denen seit 1740 100000 nach Ungarn und 17500 nach Galizien ausgewandert waren.

 

b) Das 19. und 20. Jahrhundert

In Ungarn wurden vor dem ersten Weltkrieg 1851, 1880, 1890, 1900 und 1910 Volkszählungen abgehalten, die die einzelnen Nationalitäten berücksichtigten. Das Kriterium für die Nationalität war die Muttersprache, d.h. die Sprache, die der Befragte als die Seinige einbekannte und am liebsten sprach. Laut der Statistik des Königreichs Ungarn von Alexius von Fenyes, Pest 1843, S.39, hatte Ungarn um 1840 folgende Einwohner:

 

  Einwohner
Ungarn und seine Nebenländer 11367091
Siebenbürgen 1513315
gesamt 12880406
Aufteilung nach den Sprachen:
  Seelen
Ungarn 4812759
Slowaken 1687256
Deutsche 1273677
Walachen 2202542
Kroaten 886079
Raizen 828365
Schokatzen 429868
Winden 40864
Ruthenen 442903
Bulgaren 12000
Franzosen 6150
Griechen/Zinzaren 5680
Armenier 3798
Montenegriner 2830
Clementiner 1600
Juden  244035
gesamt 12880406

 

Jahr derZählung: 1851
Raum der Zählung: Ungarn ohneKroatien-Slowenien
Zahl derDeutschen: 1763000

 

Aufteilung der Deutschen Bayern/Österreicher 769000
nach ihrer Schwaben 599500
Stammeszugehörigkeit: Franken 85000
  Sudetendeutsche (Deutschböhmen,Schlesieretc.) 71500
 
  Sachsen 238200

 

Die Volkszählungen 1880-1910:

 

Jahr der Volkszählung Einwohner 1880 1890 1900 1910
davon deutsch Einwohner davon deutsch Einwohner davon deutsch Einwohner davon deutsch
Ungarn (ohneSiebenbürgen) 11644574 1593669(13,7%) 12854982 1765312(13,7%) 14322302 1764096(12,3%) 15536360 1666957(10,7%)
Siebenbürgen 2084048 204704( 9,8%) 2278512 223267( 9,8%) 2476998 233019 ( 9,4%) 2678367 234 085 (8,7%)
Fiume 20981 859 ( 4,1 %) 29444 1495( 5,1%) 38955 1945( 5,0%) 49806 2315(4,6 %)
Kroatien und Slawonien 1892499 83139( 4,4%) 2186410 117493( 5,4%) 2416304 136121 ( 5,6%) 2621954 134078(5,1 %)
gesamt 15642102 1882371(12,0%) 17349398 2107567(12,1%) 19254559 2135181(11,0%) 20886487 2037435(9,8 %)

 

Die Nationalitäten verteilten sich bei der Volkszählung 1910 folgendermaßen (in Klammern Prozentzahlen):

 

Nationalitäten Ungarn Kroatien-Slawonien gesamt
Magyaren 9944627 ( 54,5%) 105948 (4,1 %) 10050575 (48,1 %)
Deutsche 1903357 ( 10,4%) 134078 (5,1 %) 2037435 (9,8 %)
Slowaken 1946357 ( 10,7%) 21613 (0,8%) 1 967970 (9,4 %)
Rumänen 2948186 ( 16,1 %) 846 (0,0%) 2949032 (14,1 %)
Ukrainer 464270 (    2,5%) 8317 (0,3%) 472587 (2,3 %)
Kroaten 194808 (    1,1%) 1 638354 (62,5%) 1833162 (8,8 %)
Serben 461 516 (    2,5%) 644955 (24,6%) 1106471 (5,3 %)
Sonstige 401412 (    2,2%) 67843(2,6%) 469255 (2,2 %)
Gesamt 18264533 (100,0%) 2621954(100,0%) 20886487(100,0%)

 

Die deutsche Bevölkerung im Ungarn des Friedensvertrages von Trianon und den abgetrennten ehemals ungarischen Gebieten aufgrund der Volkszählungen von 1910 und 1920/ 1921:

 

Jahr der Volkszählung 1910 1920/1921
Gebiete nach Trianon Gesamt-bevölkerung Anteil Deutscher Gesamt-  bevölkerung Anteil Deutscher
Ungarn 7606971 554237 ( 7,3%) 7980143 551211( 6,9%)
zur Tschechoslowakei 3523886 260614 ( 7,4%) 3602837 150206( 4,2%)
zu Rumänien 5232024 533902(10,6%) 5063224 534427(10,6%)
zu Jugoslawien 4120954 438078 (10,6%) 3994351 450687(11,3%)
zu Fiume 49806 2315 ( 4,7%) 45000 2115* ( 4,7%)
zu Österreich 291 800 217072(74,4%) 299419 221185 (75,1 %)
gesamt 20825441 2026218 ( 9,7%) 20984974 1909831( 9,1 %)
Vorkriegsungarn 20886487 2037435 ( 9,8%)
Differenz 61046 11217  * berechnet

 

Nationalitäten(nach Muttersprache) 1910 Jahr der Volkszählung 1941
1920 1930
Magyaren 6723000 (88,4%) 7157000(89,5%) 8001 000 (92,1 %) 8657000 (93,2 %)
Deutsche 554000 (7,3%) 552000 (6,9%) 479000 (5,5%) 465000 (5,1 %)
Slowaken 165000 (2,1 %) 142000 (1,8%) 105000 (1,2%) 76000 (0,7%)
Kroaten 42000 (0,6%) 37000 (0,5%) 28000 (0,3%) -
Rumänen 29000 (0,4 %) 24000 (0.3%) 16000 (0,2%) 14000(0,15%)
Serben 26000 (0,3%) 17000(0,2 %) 7000 (0,1 %) -
Andere 68000 (0,9%) 62000 (0,8%) 53000 (0,6%) -
Südslawen (Kroaten, Serben,Slowenen, Bulgaren) - - - 45000 (0,48%)
Ukrainer (Ruthenen) - - - 4000 (0,05%)
Juden - - - 47000(0,5%)
Gesamt 7607000 (100,0%) 7991000(100,0%) 8689000 (100,0%) 9319000 (100,0%)

 

U n g a r n führte 1920,1930 und nach Gebietserwerbungen von 1938/1940 auch 1941 Volkszählungen durch. Unter Berechnung der Einwohnerzahlen von 1910 und 1941 auf das Staatsgebiet Ungarns nach dem Friedensvertrag von Trianon ergibt sich ein guter Überblick über Entwicklung und Verhältnis der deutschen Siedlung in Ungarn (Zahlenangaben teilweise abgerundet) (vgl. Tabelle oben).

Bei den ungarischen Volkszählungen wurde nach der Kenntnis einer zweiten, dritten etc. Sprache gefragt. Nach der Zählung 1930 benutzten Deutsch

als Muttersprache 

478630 ( 5,5%)

dagegen als zweite Sprache

837481 (10,4%)

gesamt 

1316111(15,9%)

Laut dieser Angabe erscheint es wahrscheinlich, daß viele Personen deutscher Abstammung sich in der Volkszählung als Magyaren bekannt hatten.

Im Königreich Serbien hatte es vor dem I.Weltkrieg eine zahlenmäßig sehr geringe deutsche Bevölkerung gegeben. Durch die Gebietsabtretungen der Donaumonarchie an das sich 1918 bildende Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wurden die Deutschen in dem neuen Nationalitätenstaat zur stärksten Minderheit. In Jugoslawien fanden 1921 und 1931 amtliche Volkszählungen statt. Nach den 1923 und 1934-1936 festgestellten Geburtenüberschüssen der deutschen Volksgruppe sind die Endzahlen zu korrigieren. Neben den amtlichen Zahlen bestehen für 1939 und 1944 aufgrund der 1939/1940 glaubhaft korrigierten Bevölkerungszahlen allgemein anerkannte Schätzungen der deutschen Bevölkerung (siehe unten).

Die seit dem Mittelalter bestehende deutsche Sprachinsel Gottschee südlich der Save nahm dabei folgende Entwicklung:

1910

1921

1931

14300 deutsche Einwohner         

9900 deutsche Einwohner         

9300 deutsche Einwohner

Die Zahlen von 1921 und 1931 waren unrichtig, denn eine private Umfrage ergab 1930 die Zahl von 14500 Personen. Da 1941 rund 14000 aus der Gottschee umgesiedelt wurden, kann die Zahl der Gottscheer für 1939 mit etwa 15000 und für 1944 mit 15400 Personen angenommen werden.

In Rumänien lebten 1912 rund 29400 Personen deutscher Volkszugehörigkeit, was einem Prozentsatz von 0,4% der Gesamtbevölkerung entsprach. Nach den Gebietserwerbungen Rumäniens 1919/1920 wuchs die deutsche Volksgruppe stark an. Erst 1930 wurde jedoch eine amtliche Volkszählung durchgeführt, die dann für die folgenden Jahre bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges und den damit einsetzenden Umsiedlungen hochgerechnet wurde. Da sich in dieser Zählung ein Unterschied zwischen den Deutschen nach der Volkszugehörigkeit und nach der Muttersprache zugunsten letzterer ergab, diese Zahl aber in der Statistik fortgeschrieben worden war, ist die erstere von höherer Glaubwürdigkeit. Auf ihrer Basis wurden auch die Schätzungen bis zum Zweiten Weltkrieg durchgeführt (siehe S. 145 oben.)

 

Jahr Gesamtbevölkerung Deutsche Schätzungen der deutschen Bevölkerung
1921 11984900 505790(4,2%)  
1931 13934000 499969(3,6%) 524100(3,7%)
1939 15596000 - 536800
1944 - - 550000

 

Jahr Gesamtbevölkerung Deutsche Deutsche nach Muttersprache Deutsche nach Volkszugehörigkeit Schätzung nach W. Krallert
1919/1920 15775900 715900(4,5%)      
1931     760687 745421  
1939         782200

 

Eine besondere Stellung in der deutschen i Siebenbürgen ein. Die deutsche Bevölkerung entwickelte sich Siedlung Rumäniens nahm dort folgendermaßen:

 

Jahr Gesamtbevölkerung Deutsche
1600 - ca. 68000
1765 - ca. 120000
1850 - ca. 178000
1880 2084048 211748(10,2%)
1890 2251216 217670 ( 9,7%)
1900 2476998 233019 ( 9,4%)
1910 2678367 234085 ( 8,7%)

 

In Bessarabien nahm die deutsche Bevölkerung zwischen 1930 und 1939 rasch zu (nach Karl Stumpp):

 

Jahr Personen
1930 80192
1938 87641
1939 92758
Oktober 1940 93548 (Aussiedlung)

 

In der Dobrudscha stellten die Deutschen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung:

 

Jahr  Gesamtbevölkerung Deutsche
1901' 259339 8779
1913' 380430 7668
1928 756047 11 092 (1,5 %)
1935   13000
1940/1943   16000 (ausgesiedelt)

 

Im zaristischen  Rußland wurde 1897 die erste Volkszählung  abgehalten.  Insgesamt gaben 1 790489 Personen als ihre Muttersprache Deutsch an, was einen prozentualen Anteil an der auf ca. 125 Millionen geschätzten Gesamtbevölkerung von 1,43% entsprach. Die Deutschen in Rußland nahmen bis 1914 zahlenmäßig zu. Sie verteilten sich auf die einzelnen Landschaften Rußlands 1914 folgendermaßen:

 

Gebiete Personen Prozentualer Anteil an Rußland-deutschtum
Baltikum 165500           6,8%
Raum St. Petersburg-Land 21 800           0,9 %
Wolhynien 200000           8,3%
Kongreßpolen 500000         20,7%
Schwarzmeergebiet 600000         24,8%
Wolgagebiet 600000         24,8%
Städtisches Deutschtum 106000           4,4%
Nordkaukasus 100000           4,1%
Südkaukasus 21 000           0,9 %
Sibirien/Mittelasien 102000           4,3%
gesamt 2416300 100,0%

 

Die Kriegs- und Notjahre ließen die Bevölkerungszahlen fallen. Die sowjetische Volkszählung von 1926 stellte für die gesamte Sowjetunion nur noch einen deutschen Anteil von 1238549 Personen fest, was einem Rückgang von fast 50 % entsprach. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung war auf 0,84% zurückgegangen.

Eines der von Deutschen am engsten besiedelten Gebiete lag an der Wolga. Die Entwicklung der dortigen Bevölkerung läßt die Wirren des Krieges und der Bürgerkriege spüren:

 

Jahr Wolgadeutsche
1914 550000
1919 455500
1922 338500
1925 325000
1938 398000

 

Die Deutschen im europäischen Rußland wurden nach Beginn des Zweiten Weltkriegs 1941 in großer Zahl nach Sibirien umgesiedelt. Die Karpatho-Ukraine gehörte von 919zu Ungarn, 1919-1939 zur Tschechoslowakei, 1939-1944 wieder zu Ungarn und ab 1945 zur UdSSR.

Einwohner:

Jahr Personen
1880 395700
1890 456100
1900 526700
1910 595598
1921 604593
1930 725357
1939 (geschätzt) 830000

 

Die deutsche Bevölkerung in der Karpatho-Ukraine war nicht zahlreich, wenn man von der deuschsprachigen Bevölkerung absieht, da sich zu dieser bis zum Ersten Weltkrieg auch das Judentum zählte. Die Bevölkerung der Karpatenukraine setzte sich nach der Muttersprache (1910) und der Volkszugehörigkeit (1921, 1930) folgendermaßen zusammen:

 

Muttersprache (1910) Volkszugehörigkeit (1921 und 1930) Volkszählung 31.12.1910 Personen Volkszählung 15.2.1921 Personen Volkszählung 1.12.1930
Slowaken 7728 ( 1,3%) 10298 ( 1,7%) 13242 ( 1,9%)
Tschechen 234 ( 0,0%) 9477 (1,6%) 20719 (2,9 %)
Ukrainer 334756 ( 56,2%) 372500 (62,3%) 446916 (63,0 %)
Magyaren 176294 ( 29,6%) 103690 (17,4%) 109472 (15,4%)
Deutsche 63546 ( 10,7%) 10326 ( 1,7%) 13249 (1,9%)
Juden - 79715 ( 13,3%) 91 255 (12,9%)
Rumänen 11 457 ( 1,9%) 10810 ( 1,8%) 12641 ( 1,8%)
Serbokroaten 168 ( 0,0%) 118 ( 0,0%) 69 (0,0 %)
Polen - 298 ( 0,0%) 159 (0,0 %)
Zigeuner - 418 ( 0,1%) 1357(0,2 %)
Sonstige 1415 ( 0,2%) 81 ( 0,0 %) 50 (0,0 %)
Inländer zusammen Fremde Staatsangehörige - 597731 (100,0%) 709129 (100,0%)
- 6862 16228
Anwesende Bevölkerung 595598(100,0%) 604593 725357

 

Die Gemeinden mit absoluter oder relativer deutscher Bevölkerungsmehrheit (1930):

Gemeinde Bezirk Einwohner Deutsche Prozentzahl
Novo Selo (Neudorf) Svalava 163 148 96,10
Berezinka (Birkendorf) Munkatsch-Land 120 114 95,0
Dubove (Dombo) Irsava 203 172 93,5
Zofie (Sophiental) Munkatsch-Land 350 312 93,4
Novo Selo (Neudorf) Munkatsch-Land 522 466 90,9
Nemeckä Kucova Munkatsch-Land 356 305 85,7
Ustcorna (Königsfeld) T'acovo 1222 998 82,2
Paucin (Bausching) Munkatsch-Land 758 596 79,9
Nemeckä Mokrä (Deutsch-Mokra) T'acovo 1027 807 79,3
Sinak (Sinjak) Svalava 461 245 66,0
Dracin (Dorndorf) Svalava 369 204 65,2
Vysni Koropec (Ober-Schönborn) Munkatsch-Land 627 388 62,5

 

Literatur:   A.    von   Fenyes,    Statistik   des Königreichs Ungarn, Bd. 1-3, Pest 1843-1849; J. H. Seh wicker, Die Deutschen in Ungarn und Siebenbürgen,   Wien-Teschen 1881; I. Acsädy, Die Bevölkerung Ungarns zur Zeit der Pragmatischen Sanktion (1720-1721) (Ungar. Statistische Mitteilungen, NF Bd. 12), Budapest 1896; P. Traeger, Die Deutschen in der Dobrudscha (Schritten des Deutschen Auslands-Instituts Stuttgart, Bd. 6), Stuttgart 1922,   NDr. 1982;   W. Winkler,   Statistisches Handbuch des gesamten Deutschtums, Berlin 1927;   Handwörterbuch   des   Grenz-   und Auslanddeutschtums, hg.  von C. Petersen, P.  H.  Ruth,  O.  Scheel und H.  Schwalm, Bd. 1-3,   Breslau   1933-1938;  Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa, bearb. von F. Wilhelm und J. Kallbrunner, München 1936; W. Kuhn, Das österreichische Siedlungswerk des 18. Jahrhunderts, in: Südostdeutsches   Archiv6   (1963)   S. 1ff.; J. Weidlein, Die Schwäbische Türkei, Bd. 1, nchen   1967;  A.   Bohmann,   Menschen und Grenzen,   Bd.  2-3,   Köln   1969-1970; H. H. Frensing, Die Umsiedlung der Gottscheer Deutschen (Buchreihe der Südost deutschen Hist. Kommission, Bd. 24), München 1970; V. Oberkersch, Die Deutschen in Syrmien, Slawonien und Kroatien, Stuttgart 1972; Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens, hg. v. C. Göllner, Bukarest 1979; A. Jinta, Contributiila cunoasterea agriculturii si populatiei din Banat in secolul al XVIII-lea, in: Populatie si societate. Studii de demografie istoricä, Bd. 2, hg. von St. Pascu, Cluj-Napoca  1980; S. Koch, Die Sathmarer Schwaben - Oberschwaben im Südosten, Laupheim   1984;  F.   Greszl,   Ofen-Buda - Entwicklungsgeschichte     der    königlichen Residenzstadt Ungarns im 18. Jahrhundert, München 1984; J. V. Senz, Die Deutschen im Batscherland, Wien 1984.          

Immo Eberl

 

2. Magyarisierung und Auswanderung. Statistische Beispiele aus der donauschwäbischen Siedlung

Tafel

a) Magyarisierung

Noch 1850 war Ofen zu rund 70% deutsch gewesen (vgl. 6.1.). Das sollte sich nach der Bildung der vereinigten Stadt Budapest 1873 zwischen 1880 und 1930 grundlegend ändern, was auch als Erfolg der staatlichen Bemühungen um die Magyarisierung angesehen werden kann. Dazu sei nebenstehende Statistik gegeben.

In fünf Jahrzehnten war aus dem über die Hälfte der Einwohnerschaft Ofens zählenden Deutschen der verschwindende Anteil von 5,5 % geworden, der im Bereich von Budapest insgesamt bei 3,8 % lag.

Obwohl die Magyarisierung in ländlichen Gebieten bei weitem nicht so rasch verlief, war auch hier in den Jahrzehnten vor 1880-1920 der Rückgang der deutschen Siedlung unübersehbar.

 

a) Ofen mit Alt-Ofen (Bezirk I-III)

Jahr Gesamt-bevölkerung Deutsche Magyaren Slowaken Sonstige
1880 74821 39249(52,4%) 31535(42,1%) 2229 (3,0 %) 2,4 %
1890 91620 36360(39,7%) 48938(53,4%) 3097 (3,4 %) 3,5%
1900 115537 31466(27,2%) 77597(67,2%) 3154(2,7%) 2,0 %
1910 162342 24870(15,3%) 128793(79,3%) 3117(1,9%) 3,4 %
1920 196478 20007(10,2%) 170400(86,7%) 2569(1,3%) 1,8 %
1930 228461 12554 ( 5,5%) 211616(92,6%) 1689(0,7%) 1,2 %

 

b) Budapest insgesamt

Jahr Gesamt-bevölkerung Deutsche Magyaren Slowaken Sonstige
1880 355682 122454(34,4%) 201505(56,7%) 21847(6,1 %) 2,8 %
1890 486671 115573(23,7%) 326533 (67,1 %) 27126(5,6%) 3,6 %
1900 703448 98515(14,0%) 559965(79,6%) 24091 (3,4%) 3,0 %
1910 880371 78882 ( 9,0%) 756070(85,9%) 20359(2,3%) 2,8 %
1920 928996 60425 ( 6,5%) 837858(90,2%) 14011 (1,5%) 1,8 %
1930 1006184 38460 ( 3,8%) 948950(94,3%) 7764(0,8%) 1,1%

 

a) Das ungarische Mittelgebirge

Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 123 97 97
Einwohner des Sprachinselgebietes überhaupt 150700 221 035 243458
davon deutscher Muttersprache 114805 126920 140806
Deutscher Anteil an der      
Gesamtbevölkerung 76,2 % 57,4 % 57,8 %
b) Schwäbische Türkei und Branau
1. Ungarischer Teil
Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 186 181 189
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 193663 211 402 203269
davon deutscher Muttersprache 145868 156079 156795
Deutscher Anteil an derGesamtbevölkerung 75,3 % 73,8 % 77,1 %

 

2) Jugoslawischer Teil

Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 8 8 -
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 7862 10138 -
davon deutscher Muttersprache 6268 7674 -
Deutscher Anteil an der Gesamtbevölkerung 79,7 % 75,7 % -
c) Batschka
1. Ungarischer Teil
Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 10 10 10
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 40488 48622 47127
davon deutscher Muttersprache 27673 31906 32128
Deutscher Anteil an der Gesamtbevölkerung 68,3 % 65,6 % 68,2 %

 

2. Jugoslawischer Teil

Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 32 34 -
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 117261 137362 -
davon deutscher Muttersprache 97265 114724 -
Deutscher Anteil an der Gesamtbevölkerung 82,9 % 83,5 % -
d) Banat
1. Ungarischer Teil
Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 2 2 2
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 7075 9384 10044
davon deutscher Muttersprache (Nationalität) 4355 6783 7357
Deutscher Anteil an der Gesamtbevölkerung 61,6 % 72,3 % 73,2 %

 

2. Jugoslawischer Teil

Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 41 39 -
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 108312 126029 -
davon deutscher Muttersprache (Nationalität) 80727 87819 -
Deutscher Anteil an der Gesamtbevölkerung 74,5 % 69,7 % -
d) Banat
3. Rumänischer Teil
Jahr 1880 1910 1920
Zahl der deutschen Mehrheitsgemeinden 91 95 99
Bewohner des Sprachinselgebietes überhaupt 228726 292159 293264
davon deutscher Muttersprache (Nationalität) 172159 204745 223893
Deutscher Anteil an der Gesamtbevölkerung 75,3 % 70,1 % 76,4 %

 

Während der Anteil der deutschen Bevölkerung im ungarischen Mittelgebirge von 76,2 auf 57,8 % gefallen war, hatte sich derselbe in der Schwäbischen Türkei, der Batschka und dem Banat weitgehend erhalten. Im Unterschied zur Hauptstadt Budapest hatten sich die Deutschen in den ländlichen Regionen zahlenmäßig besser erhalten können. Dazu vgl. als Beispiel

a)  in der Schwäbischen Türkei

Tolnau

(1880: 56,5%; 1910: 22,1 %; 1920: 27,4%)

Bonyhád/Bonhard

(1880: 74,8%; 1910: 68,4%; 1920: 66,5%)

b)  Batschka

Apatin

(1880: 89,1 %; 1910: 88,8 %; 1920: -)

Bácsalmás

(1880: 55,3%; 1910: 54,8%; 1920: 61,0%)

c)  Banat

Temeschburg

(1880: 55,0%; 1910: 43,6%; 1920: 35,3%)

Werschetz

(1880: 55,3%; 1910: 49,5%; 1920: -)

Deutsch-Reschitza

(1880: 58,3%; 1910: 54,3%; 1920: 63,9%)

Es läßt sich aus dieser Entwicklung der Schluß ziehen, daß die deutsche Siedlung in den Gebieten den Magyarisierungsbestrebungen am besten widerstanden hat, in denen sie relativ geschlossen war. Die Abwanderung aus diesen Gebieten war schwieriger als aus dem nahe der ungarischen und österreichischen Städte gelegenen ungarischen Mittelgebirge. Auch die Geschichte der Ansiedlung dürfte eine Rolle gespielt haben, sowie vor allem auch das Schulwesen.

b) Auswanderung

Wie in fast allen Siedlungsgebieten gezeigt werden konnte, war die Besiedlung Südosteuropas in der Neuzeit ein keineswegs statischer Vorgang. Die Kolonisten sind in großer Zahl, wenn nicht sogar mehrheitlich wenige Jahre nach ihrer ersten Ansiedlung weitergezogen, vermutlich um am neuen Ansiedlungsort noch- mals die steuerfreien Jahre zu erhalten. Diese »Binnenbewegung« der südostdeutschen Kolonisation im Wechsel von Ansiedlung, Ab-und Weiterwanderung sowie erneuter Ansiedlung ist im folgenden nicht gemeint, sondern nur die endgültige Abwanderung von Kolonisten. Nach den südwestdeutschen Kirchenregistern haben eine Anzahl von Kolonisten Ungarn bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen und sind in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Wenn die Zahl dieser Kolonisten auch nicht genau abzuschätzen ist, scheint sie nach verschiedenen Hinweisen nicht gering gewesen zu sein. Die Ansiedlung deutscher Familien aus der Dobrudscha 1904-1914 in Posen und Westpreußen, besonders in den Kreisen Brie-sen, Schwetz und Kulm, ist als Beispiel einer geordneten Aus- bzw.

Rückwanderung anzuführen. Als sich für die nachgeborenen Söhne bei den Kolonisten Bodenknappheit bemerkbar machte, haben einzelne Familien schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Donaumonarchie verlassen (vgl. dazu 5.29.) und sind nach Südrußland gezogen. Als zu diesen in den deutschen Kolonistendörfern liegenden Schwierigkeiten noch die Magyarisierungsbe-strebungen der ungarischen Regierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hinzukamen, hat sich bei vielen Donauschwaben anscheinend der Entschluß gefestigt, auszuwandern. Über die Auswanderung gibt es erst seit 1900, über die Rückwanderung dieser Auswanderer sogar erst seit 1905 statistische Unterlagen. Die Auswanderung aus der Batschka und dem Banat ist dabei ebenso wie die Rückwanderung beispielhaft für die donauschwäbischen Gebiete.

 

Auswanderung und Rückwanderung der Bevölkerung der Batschka (nach Muttersprache und Ländern)

Jahr 1905-1914 1900-1914
Zahl der Auswanderer insgesamtdavon waren 45226 50667
Deutsche 24223 26595
Serben 6485 7729
Magyaren 8105 8882
Slowaken 3785 4150
Sonstige 2628 3311
davon wanderten aus nachDeutsches Reich 2712 3188
Balkanstaaten 954 1341
sonstiges Europa 384 533
Amerika 40649 45045
anderen Erdteilen 527 560

 

Zahl der Rückwanderer insgesamtdavon waren 10672
Deutsche 5009
Serben 1751
Magyaren 1562
Slowaken 1297
Sonstige 1053
von den Rückwanderernkehrten zurück aus
Deutsches Reich 768
Balkanstaaten 120
sonstiges Europa 13
Amerika 9765
anderen Erdteilen 6

 

Auswanderung und Rückwanderung der Bevölkerung des Banats (nach Muttersprache und Ländern)

Jahr 1905-1914 1900-1914
Zahl der Auswanderer insgesamtdavon waren 136529 153653
Deutsche 77148 89455
Magyaren 9769 10623
Rumänen 26921 28493
Serben 17857 19528
Sonstige 4834 5554
davon wanderten ausnach
Deutsches Reich 4216 4814
Rumänien 4314 5509
Balkanstaaten 2567 4093
sonstiges Europa 1216 1424
Amerika 124110 137 701
anderen Erdteilen 106 112
Zahl der Rückwanderer
insgesamtdavon waren 31 625
Deutsche 16637
Magyaren 1824
Rumänen 5901
Serben 5976
Sonstige 1287
davon kehrten zurück aus
Deutsches Reich 388
Rumänien 380
Balkanstaaten 310
sonstiges Europa 61
Amerika 30484

 

Die Auswanderung ging zu fast 90 % in die Vereinigten Staaten. Sie stieg und fiel zahlenmäßig mit den dortigen Wirtschaftsverhältnissen. Bereits in diesen Jahren entstanden in den USA erste donauschwäbische Ansiedlungen.

 

Einwohner der USA aus Ungarn (mit Siebenbürgen) (nach Wagner)

Jahr Einwandereraus Ungarn Einwandererund Abkömmlinge
1870 3737 -
1880 11526 -
1890 62435 77121
1900 145714 218452
1910 495609 700236
1920 598170 1110905

 

Muttersprache der Einwanderer in den USA aus Ungarn in Prozentzahlen (nach Wagner)

Muttersprache 1910 1920
Magyarisch 47 43
Slowakisch 25 26
Deutsch 15 13
Jüdisch 5 3
Serbokroatisch 3 8
Rumänisch 3 1
Slowenisch 1 4
Russisch-Ruthenisch - 1
andere 1 1

 

Zwischen 1899 und 1913 sind insgesamt rund 203000 Deutsche aus Ungarn (ohne Siebenbürgen) ausgewandert. Ihr Anteil an der gesamten Auswanderung aus Ungarn lag bei 18,4 % und an zweiter Stelle hinter der slowakischen Auswanderung, die einen Anteil von 25 % umfaßte.

Die Rückwanderer kamen auffallenderweise überproportional aus ländlichen Gebieten. Bei der Auswanderung aus ländlichen Gebieten scheint es sich somit nur um einen zeitlich begrenzten Vorgang gehandelt zu haben, um im Ausland soviel Geld zu verdienen, daß man sich dann Land erwerben konnte. Die Deutschen haben unter den Rückwanderern die größten Zahlen gestellt.

Auch aus Bessarabien kam es seit 1857 zu einer zunehmenden Auswanderungsbewegung, die ihre Ursachen ebenso in günstigen Möglichkeiten hatte, Grund und Boden zu verkaufen als auch in Mißernten (z.B. 1925). Die Auswanderung war besonders in dem Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg und wieder ab 1925 zahlenmäßig sehr stark. Zwischen 1857 und 1927 sind ca. 13 000 Deutsche ausgewandert und bis 1939 insgesamt 19152 Personen. Die Verteilung der Auswanderer auf die Zielgebiete zeigt, aaii aucn Dei der Auswanderung aus Bessarabien Nordamerika das bevorzugte Ziel war.

Nordamerika

11326

Südamerika

1898

Rußland/Sibirien

2402

Kaukasus

1446

Rumänien

1342

Deutschland

354

sonstige

402

In Galizien hat die Auswanderung bis 1921 rund 45000 Personen aus dem Land geführt, also fast die Hälfte aller Deutschen des Landes. Die meisten dieser Auswanderer hatten die USA als Ziel.

Die Vorrechte der deutschen Kolonisten in Südrußland wurden nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 aufgehoben: die deutschen Schulen wurden russifiziert, die örtliche Selbstverwaltung aufgehoben und die allgemeine Wehrpflicht eingeführt (1874). Diese Entwicklung führte bis zur Jahrhundertwende zu einer starken Abwanderungsbewegung. Allein 150000 Wolgadeutsche wanderten nach den USA aus, 10000 nach Kanada, 50000 nach Argentinien und 5000 nach Brasilien, ferner siedelten 50000 Wolgadeutsche nach Nordkaukasien über. In der Auswanderung aus Südrußland hat das Ziel USA also ebenfalls die entscheidende Rolle gespielt.

Literatur: J.H.Schwicker, Die Deutschen in Ungarn und Siebenbürgen, Wien-Teschen 1881; P. Traeger, Die Deutschen in der Do-brudscha (Schritten des Deutschen Auslands-Instituts Stuttgart, Bd. 6), Stuttgart 1922, NDr. 1982; W. Winkler, Statistisches Handbuch des gesamten Deutschtums, Berlin 1927; Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1-3, Breslau 1933-1938; A.Bohmann, Menschen und Grenzen, Bd. 2-3, Köln 1969-1970; H. H. Frensing, Die Umsiedlung der Gott-scheer Deutschen (Buchreihe der Südost deutschen Hist. Kommission, Bd. 24), München 1970; Heimatbuch der Bessarabiendeutschen, hg. von A. Kern, Hannover 31976; S. Schmied, Die deutsch-schwäbische Volksgemeinschaft Sathmar. Ein Beitrag zur Geschichte der Sathmarer Schwaben von 1918 bis 1940, Kempten-Leubus 1976; Quellen zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen 1191-1975, bearb. v. E. Wagner (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens, Bd. 1), Köln Wien 21981.                                  

Immo Eberl

3. Evakuierung, Flucht und Vertreibung der Deutschen

Tafel

a) Evakuierung, Flucht und Vertreibung       

Die Deutschen in Südosteuropa haben mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie ein schweres, aber in seiner Belastung doch unterschiedliches Schicksal gefunden. Es soll diesem daher in Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und der UdSSR getrennt nachgegangen werden.

 

Diese Ungarndeutschen stammten aus folgenden Gebieten:

Herkunftsgebiet Ungarn-deutsche zusammen Bundes-republik Deutschland West-Berlin DDR Ost-Berlin übrige europäische Gebiete außerhalb Europas
Westungarn 41988 37175 28 3816 969
Buchenwald-VeszprimSchildgebirge-Gran 10078 6808 2074 256 940
und Komorn 5099 4432 312 186 169
Weißenburger Ebene 11668 10722 377 208 361
Schwäbische Türkei 83196 64914 13814 1684 2784
Budapest u. UmgebungNordungarisches 56911 53976 442 1275 1 118
Industriegebiet 815 620 53 61 81
Große UngarischeTiefebene 35620 32569 1015 766 1270
sonstige ungarischeGebiete 62 59 - 2 1
Ungarn 245337 211 275 18115 8254 7693

 

a) Ungarn

Eine Evakuierung der deutschen Bevölkerung am Ende des Krieges unterblieb. Etwa 50000 Personen ergriffen nach den vorliegenden Schätzungen die Flucht vor den sowjetischen Truppen. Die ungarische Regierung ließ nach dem Potsdamer Abkommen von November 1945 bis Juni 1946 insgesamt 115400 Ungarndeutsche in Massentransporten in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands bringen. Dazu sind weitere 50000 ausgewiesene Volksdeutsche zu rechnen, die teils früher, teils später in das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland kamen. Etwa 35200 Ungarndeutsche wurden von der ungarischen Regierung der UdSSR zur Zwangsarbeit überlassen, wobei etwa 9000 starben. Die regionale Herkunft der in den Massentransporten vertriebenen Ungarndeutschen:

 

Siedlungsgebiet
vertriebene
Westungarn 24000
Mittelgebirge (mit Budapest) 53800
Schwäbische Türkei 16700
Batschka/Banat 11000
Streusiedlung 5900
ohne nähere Angabe 4000
zusammen 115400

 

Allein in der Zeit von 1950-1968 kamen 7801 Aussiedler deutscher Herkunft aus Ungarn in die Bundesrepublik Deutschland. Nach einer Untersuchung des Kirchlichen Suchdienstes lebten Mitte der 60er Jahre 245337 aus Ungarn geflüchtete, vertriebene und ausgesiedelte Volksdeutsche in den westlichen Aufnahmegebieten und in Übersee.

 

Aufnahmegebiet Ungarndeutsche
Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 211 275 (86,1 %)
DDR und Ost-Berlin 18115 (7,4%)
andere europäische Staaten 8254 ( 3,4%)
Gebiete außerhalb Europas 7693 ( 3,1 %)
zusammen                         245337 (100,0%)

 

b) Rumänien

Als Bessarabien und die Nordbukowina 1940 an die UdSSR fielen, wurden aus ersterem 93300 und aus letzterer 43600 Personen überwiegend  (88000  Bessarabiendeutsche und 23900 Buchenlandeutsche) in den Wär-thegau und den Reichsgau Danzig-Westpreu-ßen umgesiedelt. In diese Gebiete wurden auch aus der Südbukowina und der Norddo-brudscha, die rumänisch blieben, und aus Altrumänien 77600 Volksdeutsche umgesiedelt: 52100 aus der Südbukowina; 15400 aus der Norddobrudscha und 10100 aus Altrumänien. Aus der Süddobrudscha kamen 1941 700 Deutsche in die genannten Aufnahmegebiete. Im Anschluß an die Aussiedlung der Deutschen aus der Norddobrudscha wurden auch die Deutschen in Bulgarien 1943 mit rund 1200 Personen umgesiedelt. In Rumänien verblieben 1941 - hauptsächlich in Siebenbürgen und im Banat- etwa 550000 Volksdeutsche.  Rumänien  hat diese nach Beginn    seiner   Kriegshandlungen    gegen Deutschland (23. August 1944) und Kriegsende zwar nicht vertrieben, dafür aber 75000 Frauen und Männer aller Bildungsschichten zur Zwangsarbeit in die UdSSR auf deren Staatsgebiet deportieren lassen, von denen dort 11 000 den Tod fanden.

1951 wurde ein Teil der deutschen Bevölkerung Rumäniens, vor allem aus der nichtkommunistischen, in die Bärägansteppe deportiert und unter entwürdigenden Verhältnissen belassen. Die in der Bundesrepublik Deutschland wohnenden Deutschen aus Rumänien sind überwiegend Umsiedler. Nach dem Abfall Rumäniens 1944 sind 88000 Deutsche aus Siebenbürgen und dem rumänischen Banat vor den sowjetischen Truppen geflüchtet, von denen 22 000 aus dem Nösnerland und Sathmar evakuiert wurden. Die zur Deutschen Wehrmacht und zur Waffen-SS eingezogenen Volksdeutschen konnten meist ebenfalls nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Somit befanden sich 1950 253300 Personen deutscher Volkszugehörigkeit aus Rumänien in den westlichen Aufnahmegebieten:

 

Aufnahmegebiet Ungarndeutsche
Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 189616 (86,1 %)
DDR und Ost-Berlin 23218 (7,4%)
andere europäische Staaten 28003 ( 3,4%)
Gebiete außerhalb Europas 13287 ( 3,1 %)
zusammen                         253524 (100,0%)

 

Zwischen 1950 und 1982 kamen allein 131 969 Aussiedler aus Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland, eine Zahl, die sich bis heute weiter erhöht hat. Die 1950 gezählten Rumäniendeutschen stammten aus folgenden Gebieten:

 

Herkunftsgebiet Rumäniendeutsche zusammen Bundesrepublik Deutschland u. West-Berlin DDR und Ost-Berlin andere europäische Gebiete Gebiete außerhalb Europas
Siebenbürgen Banat (Ost) Sathmar Buchenland* Altrumänien Norddobrudscha Bessarabien 47611 38716 3251 65268 7813 12362 78503 30478 25122 1660 52427 6667 8279 64383 1391 2000


33
5339
259
2276 11920
12199

7463
674
6207
737
363
360
3543

4131 884 1295 150 1444 1840
zusammen 253524 189016 23218 28003 13287

 

c) Jugoslawien

Während   des   Zweiten   Weltkrieges   sind 35812 Personen umgesiedelt - von denen 15008 Personen aus der Gottschee stammten - und etwa 7 % der deutschen Bevölkerung vor den Partisanen evakuiert worden, weiterhin standen 70000 Deutsche aus Jugoslawien in der Deutschen Wehrmacht. Die deutsche Bevölkerung aus Kroatien wurde bis Ende 1944 evakuiert.  Die geplante Evakuierung der deutschen Bevölkerung im Banat, in der Batschka und der Schwäbischen Türkei war durch die rasch vorstoßenden sowjetischen Truppen nicht mehr durchführbar, da sie von den Militärbehörden nicht früher gestattet worden war. Die chaotischen Zustände lassen die genauen Zahlen nicht überblicken, doch müssen etwa 200 000 Deutsche unter sowjetischer Militärverwaltung und jugoslawischer Partisanenherrschaft in den alten Siedlungsgebieten  zurückgeblieben  sein.  

Die  Partisanen (Oberbefehlshaber Tito) hatten bereits am 21. November 1944 im Antifaschistischen Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ) beschlossen, die deutsche Bevölkerung zu enteignen und zu vertreiben. Doch wurde zuvor noch grausame Rache an der deutschen Bevölkerung genommen. Die Deutschen wurden zumeist in Lagern interniert. Im Dezember 1944/Januar 1945 wurden rund 40000 Männer und Frauen in der UdSSR zur Zwangsarbeit deportiert, von denen etwa 16 % starben. In Jugoslawien lebten 1948 noch 56800 Deutsche, 1953 sogar 61 500 Deutsche. Als Kriegsund Nachkriegsverluste der deutschen Bevölkerung wurden 121 209 Personen oder 23,1 % der Vorkriegsbevölkerung festgestellt, diese setzen sich folgendermaßen zusammen:

 

Art der Verluste Personen zusammen Banat Branau Batschka übrige Gebiete
Wehrmachtssterbefälle 29253 9192 779 8364 10918
in Kriegsgefangenschaft 492 119 10 252 111
Wehrmachtstote 29745 9311 789 8616 11029
Zivilverluste:
a)   Bei und als Folge der Vertreibung 55300 23299 1883 23274 6844
gewaltsamer Tod 5538 2864 94 795 1785
in der Verschleppung gestorben 2052 634 5 1002 411
in Lagern der Vertreibungsgebiete verstorben 43274 18570 1636 19869 3199
auf der Flucht umgekommen 1960 171 111 948 730
an den Folgen der Vertreibungverstorben 287 43 16 16 212
b)  Ungeklärte Fälle 36164 11346 878 10379 13562
a+b) Zivilverluste insgesamt 91464 34645 2761 33652 20406

 

In die westlichen Aufnahmegebiete sind bis 1968 aus Jugoslawien 367348 Deutsche gekommen:

Aufnahmegebiet Personen
Bundesrepublik
Deutschland

und West-Berlin DDR mit Ost-Berlin andere europäische Gebiete Gebiete außerhalb Europas

264863 (72,1%)
4795 (1,3%)
74643 (20,3%)
23047 ( 6,3%)
zusammen 367348 (100,0%)

 

Diese Deutschen stammten aus folgenden Gebieten:

Herkunftsgebiet Jugoslawien-

deutschezus.
Bundes-republik Deutschland u. West-Berlin DDR und Ost-Berlin andere europäische Gebiete Gebiete außerhalb Europas
Banat (Ost) 77379 62002 518 10538 4321
Branau 9146 7333 721 921 171
Batschka 127681 107399 1740 12169 6373
Syrmien 39665 27761 631 9399 1874
übr. jugoslaw.Gebiete 113477 60368 1 185 41616 10308
Jugoslawien 367348 264863 4795 74643 23047

 

d) Sowjetunion

Nach der sowjetischen Volkszählung von 1926 bestanden folgende deutsche Ansiedlungen in der Sowjetunion:

 

Gebiet zusammen in Städten auf dem Land
Rußland 806301 126485 679816
Weißrußland 7075 2318 4757
Ukraine 393924 34253 359671
Transkaukasien 25327 17525 7802
Usbekistan 4646 3540 1106
Turkmenien 1276 648 628
Sowjetunion insgesamt 1238549 184769 1 053780

 

Der Anteil der Deutschen an der Gesamtbevölkerung lag bei 0,84%. Aus Propagandagründen kam es 1918 zur Bildung des Autonomen Gebiets der Wolgadeutschen, das 1924 zur Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen umgewandelt wurde. Diese wurde 1941 nach Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und der UdSSR aufgehoben und etwa 300000 Personen, die die ersten Massaker überlebt hatten, über den Ural in den Osten deportiert und dort zur Zwangsarbeit unter härtesten Bedingungen gezwungen, die bei vielen zum Tode führten. Die inner- und außerhalb des Wolgagebietes ansässigen Deutschen waren bereits in den Jahren zuvor im Zuge der sogenannten Entkulakisierung zuerst enteignet, viele danach auch schon in Gebiete östlich des Urals deportiert worden, so z.B. die Deutschen im polnisch-sowjetischen Grenzgebiet 1936. Ein Teil der Rußlanddeutschen wurde vor der Deportation durch die Sowjets von der deutschen Armee überrollt und wurde in den Jahren 1941-1944 von den deutschen Behörden in westliche Gebiete umgesiedelt.

Es handelte sich dabei um 341 000 Personen, von denen 4400 aus dem Raum um Leningrad stammten, 10 500 aus Weißrußland und 326 000 aus dem Ostteil Wolhyniens, der Ukraine, dem Schwarzmeergebiet, von der Krim und aus dem Kaukasus. Fast alle Rußlanddeutschen, die nach Kriegsende im Machtbereich der sowjetischen Verwaltung, also auch in der heutigen DDR, angetroffen wurden, wurden, soweit sie nicht sofort der Todesstrafe verfielen, ebenfalls in den Osten der Sowjetunion deportiert. Es hat sich hier um ca. 150000 Personen gehandelt. Die Zahlenangaben über die Deutschen in der UdSSR beruhen wegen der politischen Situation meist nur auf Schätzungen.

 

Rußlanddeutsche in den westlichen Aufnahmegebieten

(Ergebnisse der Gesamterhebung des Kirchlichen Suchdienstes, München, abgeschlossen am 31. Dezember 1965)

erkunftsgebiet Bundes-republik Deutschland und Berlin (West) DDR und Ostberlin Aufnahmegebiete noch innerhalb Europas außerhalb Europas usammen
Charkow 1140 14 18 113 1285
Dnjepropetrowsk 4312 96 56 1271 5729
Kamenez-Podolsk 337 4 13 53 507
Kiew 2036 18 45 122 2221
Kirowograd 341 5 4 49 399
Nikolajew 3952 125 170 1108 5355
Odessa 12015 308 208 1608 14139
Poltawa 178 5 5 12 200
Saporoschje 5572 141 120 3139 8972
Schitomir 10108 342 142 1230 11822
Sumy 61 - 1 21 83
Donezk 1708 40 56 233 2037
Tschernigow 759 9 5 45 818
Winniza 159 3 2 24 188
Lugansk 193 2 - 26 221
Zusammen 42871 1 112 839 9054 53876

 

Die Karpatho-Ukraine hatte 1930 13249 deutsche Bewohner. Es gelang bis 1966 8158 Volksdeutsche aus der Karpatoukraine namentlich zu erfassen. 3135 Volksdeutsche haben in westlichen Aufnahmegebieten ihren Wohnsitz gewählt, davon allein 2174 in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, 886 sind in der Karpatoukraine zurückgeblieben, 62 sind bis Kriegsende als ungarische Wehrmachtsangehörige gefallen oder gestor-ben, 3901 sind in der Verschleppung in der UdSSR umgekommen, und 134 sind als Folge oder bei der Vertreibung verstorben.

 

b) Die deutsche Siedlung in Südosteuropa nach 1945

Die deutsche Siedlung hat sich - zumindest teilweise oder in Resten - in Südosteuropa - nach 1945 erhalten.

 

a) Ungarn

 

Gebiet Zusammen Deutsche Bevölkerung Rest-bestand
Im alten Heimatkreis Außerhalb des Heimatkreises
Westungarn 5079 4414 655 9,3 %
Buchenwald 8962 7457 1505 40,6 %
Schildgebirge und Komorn 5501 5134 367 42,3 %
Weißenburger Ebene 4158 3416 742 22,8 %
Schwäbische Türkei 51449 36828 14621 30,8 %
Budapest und Umgebung 12928 10474 2454 16,2%
Nordungarisches Industriegebiet 944 894 50 41,3 %
Große ungarische Tiefebene 13547 10620 2927 23,2 %
sonstige Gebiete 7 4 3 -
Ungarn gesamt 102575 79241 23334 24,7 %

 

b) Rumänien

Die deutsche Bevölkerung Rumäniens 1956 in den einzelnen Gebieten nach Volkszugehörigkeit und Muttersprache: (die Prozentzahlen entsprechen dem Anteil an der jeweiligen Gesamtbevölkerung der betreffenden Region)

 

Region Volkszugehörigkeit Muttersprache
Siebenbürgen 173733(14,6%) 179519
Region: Kronstadt 148545(16,4%) 148761
Eisenmarkt 18795 ( 3,3%) 17641
Klausenburg 8335 ( 0,7%) 8332
Region Mieresch 3214 ( 0,5%) 3209
Region Konstanza 1 744 ( 0,3 %) 1624
Region Großwardein 9571 ( 1,1 %) 9233
Region Neustadt 6264 ( 0,9%) 6111
Region Suczawa 4022 ( 0,4%) 5691
Hauptstadt Bukarest 5434 ( 0,4%) 9349

 

c) Jugoslawien

Die deutsche Bevölkerung Jugoslawiens hat gemäß den Volkszählungsergebnissen von 1948 und 1953 57180 bzw. rund 61 500 ausgemacht.

 

d) Sowjetunion

Nach der Volkszählung von 1959, bei der nur für die Russische Föderation und die Republiken Kirgisien und Tadschikistan der Anteil der deutschstämmigen Bevölkerung besonders angegeben wurde, lebten folgende Deutsche in diesem Teil der Sowjetunion:

 

Gebiet Deutsche Anteilan der Gesamt-bevölkerung
RSFSR 820000 0,70 %
Kirgisien 40000 1,94 %
Tadschikistan 33000 1,67 %
übrigeUnionsrepubliken 727000 0,81 %
Sowjetunion insges. 1 620000 0,77 %

 

Literatur: L. Schumacher, Jugoslawien, in: Die deutschen Vertreibungsverluste. Bevölkerungsbilanz für die deutschen Vertreibungsge biete 1939-1950, hg. vom Statistischen Bundesamt Wiesbaden, Stuttgart 1958, S.409ff.; A. Bohmann, Menschen und Grenzen, Bd.2-3, Köln 1969-1970; S.Schmied, Das Schicksal der Sathmardeutschen nach dem Wiener Schiedsspruch von 1940, Kempten-Leubas1978.                         

Immo Eberl


 

4. Alexius von Fenyes, Statistik des Königreichs Ungarn

Titelblatt des I. Teils, Pest 1843

215 x 140mm

Photographie

Alexius von Fenyes hat in seinem dreiteiligen Werk (ungarisch Pest 1842-43, deutsch Pest 1843-49) eine umfassende Statistik Ungarns vorgelegt. Für die vorliegende Ausstellung ist besonders wichtig, daß sich aus dem von Fenyes vorgelegten Zahlenmaterial ergab, daß die Magyaren um 1840 nicht die zahlenmäßige Mehrheit in ihrem Lande gebildet haben. Der aus kleinadeliger ungarischer Familie 1807 in Csokaj (Komitat Bihar) geborene und 1876 in Budapest verstorbene Fenyes war Advokat und Leiter des Statistischen Amtes in Budapest. Er gilt als Begründer der wissenschaftlichen Statistik in Ungarn.    

Immo Eberl

 

 

   
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