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2. Die Geschichte von Gara

 

2.1 Die Geschichte von Gara von der Urzeit bis zur Zeit der Landnahme von Dr. Michael Köhegyi

Die Geschichte von Gara nahm ihren eigentlichen Anfang mit der Gründung einer Siedlung. Die Bildung der Großgemeinde können wir anhand schriftlicher Aufzeichnungen zurück bis zu den Arpaden verfolgen. Neben den schriftlichen Aufzeichnungen sind im Zuge der Altertumsforschungen entdeckte Fundgegenstände als erste Quelle anzusehen. Diese Funde bezeugen, daß auf dem Platz der Gemeinde oder in der unmittelbaren Umgebung schon sehr früh in kleinen oder größeren Siedlungen Völkergruppen lebten. Aus den archäologischen Funden kann nur lückenhaft auf die Kultur und die Febensweise der hier früher lebenden Völker geschlossen werden.

Nach dem derzeitigen Stand der Forschung lebten im Karpatenbecken schon etwa seit 150 000 Jahren Menschen. Dies bezeugen die in „Vértesszölös" gefundenen Spuren einer Urmenschensiedlung und die Überreste in der auf der Gemarkung der Gemeinde Varbo befindlichen Koloman-Fambrecht-Höhle.

Die internationalen geographischen Wissenschaftsuntersuchungen befanden das Karpatenbecken für menschliche Ansiedlungen als bestens geeignete Fläche; hauptsächlich während der Holozän-Zeit. In dieser Zeit war aber das Karpatenbecken noch größtenteils ein Süßwassermeer. Der damals lebende Mensch siedelte daher am Ufer des Meeres (Transdanubisches Mittelgebirge, Mátra, Bükk usw.). Nach dem Abzug des Meeres siedelten in der Tiefebene, besonders an den terrassenförmigen Erhebungen des linken Ufers der Donau sowie in den durch die Theiß-Mieresch-Körös begrenzten Flächen Menschen. Deren Wohnorte lagen immer in der Nähe von Wasser, denn das Wasser hatte, auch als Verkehrsweg, eine sehr große Bedeutung für die damaligen Völker.

 In das Karpatenbecken, hauptsächlich entlang der Donau, wanderten zum Teil von Westen (dem heutigen Spanien, Frankreich und Deutschland) und von Südosten (den heutigen Balkanstaaten und den Gebieten Kleinasiens) Menschengruppen ein, die ihre Kultur mitbrachten.

Aus der Zeit des mittleren Paläolithikums (um 80 000 bis 70 000 J. v. Chr.) wissen wir von Siedlungen kleiner Jägergruppen. Die Siedlungen befanden sich in den durch die Berge geschützten Gegenden (Bükk, Subalyuk barlang, das Mittelgebirge, die Umgebung von Tata, Gemeinde Erd usw.), der offenen Steppe und Waldgebieten. Die Bewohner dieser kleinen Siedlungen befaßten sich mit sammeln und jagen. Ihre Werkzeuge fertigten sie aus Stein oder bearbeiteten Knochen.

In der geographischen Umgebung von Gara lebten die ersten Menschengruppen ca. 18 000 Jahre v. Chr. In Madaras, ca. 18 km von Gara entfernt, stellten Altertumsforscher anhand der entdeckten Funde fest, daß dort eine Mammut jagende kleine Volksgruppe lebte. Die Siedlungen befanden sich während dieser Zeit im Umbruch. Die Jäger wanderten in wildreichere Gegenden ab. Bemerkenswert ist, daß diese Völkergruppen ihre Abstammung von dem Stamm der Mutter ableiteten.

Die nächstfolgende Besiedlung erfolgte in der sogenannten Körös-Kultur. Diese bestand etwa um 4 000 bis 3600 J. vor Chr. in der Nordbatschka. Somit ist zweifelsfrei nachgewiesen, daß die Körös-Kultur der älteste Abschnitt der Jungsteinzeit in der ungarischen Tiefebene war. Ein Teil der Funde in Gara und Vaskút gehören z.B. zur Körös-Kultur.

Zum Ende des Neolithikums, etwa 2500 Jahre v. Chr., entwickelten die hier lebenden Menschen geordnete Siedlungsplätze. Sie betrieben schon Fandwirtschaft, bauten Weizen und Gerste an. Die Ernte wurde in aus Fehm gefertigten 50 —60 Fiter großen Speichern (Schüttkästen) oder in verputzten Gruben gelagert. Man hielt Ziegen, Schafe und sogar Rinder. Die geschliffenen Werkzeuge waren noch aus Stein und Knochen gefertigt.

Die Bekleidung bestand zum Teil aus fadengewobenem Tuch und Fellen bzw. Feder. Gejagt wurden Wildrind, Hirsch, Reh und Wildschwein. Die Menschen wohnten in Häusern. Der Grundriß der Häuser war ca. 4 x 5 oder 4 x 7 m, viereckig und mit Satteldach versehen. Die Hauswände waren aus Holzpfählen, die mit Pflanzen verflochten und verputzt waren.

Die Feuerstelle befand sich in der Mitte des Hauses. Den Ofen kannten die Menschen bereits. Der Ofen wurde aber außerhalb des Hauses als selbständiger Bau gefertigt. Im Haus befand sich auch ein kleines Heiligtum. Im Mittelpunkt die Göttin der Fruchtbarkeit, eine Muttergottheit. In der Familie ging die Führungsrolle immer mehr auf den Mann über. In der Kupferzeit bildete sich das Patriarchat (die großfamiliäre Gruppe) heraus. Bis zum Beginn der Kupferzeit lebten friedliche Völker hier.

Aus archäologischen Funden (2400 — 1400 v. Chr.) ist ersichtlich, daß dann hauptsächlich entlang der Donau neue Völker einwanderten. Ihre Jagd- und Fischereigeräte sind nicht mehr aus Stein, sondern aus Kupfer. Mit ihren entwickelteren Geräten und Waffen haben sie alle hier lebenden Völker besiegt. Sie siedelten in der Gegend zwischen den Flüssen und den Steppen. Neben Jagd und Fischerei betrieben sie auch Ackerbau. Sie hatten bereits Haustiere und hielten Rinder. Über ihre Kultur und Gebräuche wissen wir darüberhinaus dennoch verhältnismäßig wenig.

Etwa im 2. Jahrtausend v. Chr. erschienen in der Tiefebene die ersten von der asiatischen Steppe gegen Westen ziehenden Völkerstämme. Sie haben als erste gezähmte Pferde in die Tiefebene gebracht. Es bildete sich ein typisches Hirtenvolk. Von ihrem Nomadenleben war der Krieg nicht zu trennen, denn nur so konnten sie für ihre Tiere neue Weideflächen erhalten. Im 14. — 13. Jahrhundert v. Chr. ließen sich um Gara ägäisch-anatolische Völker mit Bronzezeitkultur nieder. Sie wanderten von der unteren Donau nach Norden und hatten eine gutentwickelte Fandwirtschaft. So bauten sie schon mehrere Weizensorten, Gerste, Hafer, Roggen, Hirse und Erbsen an. Sie kannten Äpfel, Kornelkirsche, Brombeeren und den Holunder. Sie hielten Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde. Ihre Vierradwagen zogen sie zuerst mit Ochsen, später mit Pferden. Die Pferdehaltung trug im 16. — 15. Jahrhundert v. Chr. viel zur Entwicklung des Pferdegeschirrs bei. Bis zum 13. Jahrhundert v. Chr. lebten diese Völker verhältnis-mäßig friedlich. Während dieser Zeit haben sie ihre Kultur und ihre Erzeugungsverfahren weiterentwickelt. Unter den Grabungsfunden sind bronzene Pfeilspitzen, Säbel, Lanzen, Messer, Sicheln und Handbeile. Des weiteren eine große Zahl von Ziergegenständen und bekleidungsergänzende Stücke. Für die Siedlungen der Batschka (somit vermutlich auch für die Umgebung von Gara) war die von den Archäologen als „Szeremler-Kultur" bezeichnete Lebensweise charakteristisch. Dies gilt für die Gesellschaftsform, Kultur und Lebenshaltung der damals dort lebenden Völkergruppen.

Im 13. Jahrhundert v. Chr. sind in das Karpatenbecken neue Nomadenvölker eingeströmt und vernichteten die etwa 600 Jahre alten bronzezeitlichen Kulturen, darunter auch die Szeremler-Kultur. Die neuen Völkerstämme schufen durch Schanzen geschützte, zentrale Siedlungen. Zu ihrer Lebensführung machten sie sich die Erzeugungsgeräte und die Technik der unterjochten Völker zueigen.

Im 1. Jahrtausend v. Chr. erschienen in den Siedlungen der in der Tiefebene lebenden Völker die ersten aus Phönizien und Griechenland stammenden aus Eisen gefertigten Geräte und Werkzeuge.

Am Anfang des 1. Jahrtausend v. Chr. erreichte das Karpatenbecken eine neue Welle einwandernder Völker, wieder aus den asiatischen Steppen. Sie vertrieben oder unterjochten die in ihren Schanzen lebenden Menschen und eigneten sich deren Wohnsiedlungen an. Nach der Eroberung der Völker übernahmen sie deren Erzeugungskultur und Gebräuche. Auch die Völker vermischten sich im Laufe der Zeit immer mehr. Bezeichnend ist für das 6. — 5. Jahrhundert v. Chr. die Ausbildung der sog. Eisenzeit mit einer verhältnismäßig langen Friedenszeit.

 Im 4. Jahrhundert v. Chr. zogen die nördlich der Alpen lebenden kriegerischen Kelten nach Süden in das heutige Italien und in das Karpatenbecken. Die Tiefebene war dadurch lange Zeit Kriegsschauplatz. Danach kam aber eine ungefähr 2 Jahrhunderte dauernde Friedenszeit. Während dieser Zeit verdrängten die aus Eisen gefertigten Geräte die früher benutzten Bronzegeräte. Typisch für diese Zeit war auch die Verbreitung der Töpferscheibe.

Von der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. an beherrschten die Daker kurze Zeit den südlichen und östlichen Teil des Karpatenbeckens. Im Rahmen der Eroberungen des Römischen Reiches im Jahre 13 v. Chr. hatte sich die römische Reichsgrenze bis zur Donau geschoben. Die Flächen der Gemeinde gehörten nicht zum Römischen Reich. Die längste Zeit lebten hier die von den Römern unterstützten Sarmaten. Zwei ihrer Gräber wurden in Gara 1964 (26. 8. 64) beim Wasserleitungsbau in der Großgasse vom Bajaer Museum gesichert.

Das Römische Reich wurde dann um das Jahr 370 von hunnischen Stämmen bedroht und auch angegriffen. Der Mittelpunkt des Hunnen-Reiches hatte sich im Anfang des 4. Jahrhunderts vom Don auf die Tiefebene verlagert, und unter der Herrschaft von Attila umschloß es die Mitte und den östlichen Teil von Europa. Erst nach dem Tode von Attila im Jahre 453, zerfiel das Hunnen-Reich. Ein Teil der unterjochten Völker gründete einen selbständigen Staat.

Die in der Umgebung von Gara lebenden Gépiden gründeten das Gepidische Königreich, das aber nur kurze Zeit selbständig war, weil die Avarén mit Hilfe der jenseits der Donau lebenden Langobarden im Jahre 565 die Gépiden unterjochten. Die Avarén gründeten im Karpatenbecken ein Avarisches Reich. Daß sie große Macht hatten, zeigt sich auch daran, daß sie sogar die Byzantiner des öfteren zu Steuerzahlungen verpflichteten. Ihre Macht wurde von Karl dem Großen gebrochen, der im Jahre 804 seinen Machtbereich bis zum Ufer der Donau ausbreitete. Anstelle der in östliche Gebiete weiterziehenden Avarén folgten dann die an der Donau aufwärts ziehenden Kämpfer des Bulgarischen Reiches, die die großflächigen, herrenlosen Gebiete und deren Ertragsqualität erkannten und besiedelten. Die landnehmenden Madjaren haben diese Bulgaren auch in der Umgebung von Gara vorgefunden.

Gräber aus dieser Zeit fand man 1964 (26. 8. 64) bei Grabarbeiten für die Wasserleitung bei den Häusern der Großgasse Nr. 131 (ehem. Stefan Minich) und Nr. 132 (ehem. Andreas Kraml). Die Fundstellen und die Funde wurden vom Bajaer Museumsbeauftragten aufgenommen bzw. sichergestellt.

Neben den Skeletten wurden auch einige Gegenstände gefunden, so z. B. 715 Glasperlen in den verschiedensten Farben und Formen.

Desweiteren wurden zwei aus Silber gefertigte Gehänge sichergestellt. Sie besitzen eine außergewöhnliche Form.

 

Silber-Gehänge

 

Das dritte und wahrscheinlich das schönste Fundstück ist eine Fibel (Kleiderspange). Die runde Bronzeplatte war mit Email ausgefüllt. Die herzförmige Erhebung in der Mitte ist dadurch entstanden, daß ringsum die Bronze ausgemeißelt wurde.

 

Fibel

 

Da es sich dabei um römische Anfertigungen handelt, die auf dem Handelsweg aus dem nahegelegenen Dunaszekcsö kamen, ist es möglich, die Gegenstände zeitlich einzuordnen. Aus all diesen Funden ist zu schließen, daß in der Gegend der Großgasse im 2. und 3. Jahrhundert ein großer Sarmatenfriedhof gewesen sein muß.

 

Sarmatische Glasperlen in verschiedenen Farben und Formen.

 

2.2. Die Geschichte von den Arpaden bis zur Türkenzeit (896 — 1526)

In einer Ortsbeschreibung von Gara aus dem 19. Jahrhundert heißt es, daß „Traditionellen Mitteilungen zufolge" das Dorf Gara unter König Ladislaus I. (1077 — 1095) posthumo, durch den Palatin Gara, dem es seinen Namen verdankt, entstand. Zur Zeit der Landnahme wurde Gara geschichtlich noch nicht erwähnt. Entlang der Donau waren damals kleinere slawische und bulgarische Siedlungen. Die Namen dieser Siedlungen haben sich bis heute zum Teil erhalten. Solche sind zum Beispiel: Ilsan, Kanizsa, Szeremlyen, Gerebecz, Pias, Stirisin usw. Nach dem Heimatforscher Kniezsa wäre der Name Gara slawischen Ursprungs.

An der Donau entlang lagen ertragreiche, zum Ackerbau geeignete Flächen sowie viele schöne Wiesenflächen. Dies waren natürlich sehr gute Voraussetzungen zur Tierhaltung und zum Ackerbau. Die Donau und ihre „toten Arme" waren sehr fischreich und stellten somit eine schnelle und sichere Ernährungsgrundlage dar. Der Fluß hatte auch seine Bedeutung als Wasserstraße. Denn auf dem Wasserweg war es der damaligen Bevölkerung möglich, aus größeren Entfernungen wichtige Gegenstände, Material und auch Tiere zu beschaffen.

Die Slawen der damaligen Zeit waren friedliche Bewohner. Sie haben bis zur Landnahme der Madjaren ungestört in kleineren Siedlungen gelebt. Ihr Anführer war Salanus, der seinen Sitz im heutigen Ort Titel hatte.

 

Komitat Bodrog in der Zeit der Entstehung

 

Die Besitzverhältnisse im Komitat Bodrog am Ende des 13. Jahrhunderts

 

Die Madjaren haben während der Landnahme keinen großen Widerstand bekämpfen müssen. Die hier lebende Bevölkerung hatte sich den Ankömmlingen unterworfen. Sie wurden zum Teil Diener und zum Teil zu Freigelassenen.

In der Umgebung von Gara hatte sich das Geschlecht der Botonds angesiedelt. Die Anführer richteten ihre Dauerlager in der Umgebung der Burg Bodrog ein. Es ist wahrscheinlich, daß schon Stephan I., der Heilige, von dem von Botond besiedelten Gebiet aus die Bodroger Burggrafschaft organisierte. In diese erste ordnende Regelung der Siedlungen dieses Gebietes fällt auch die Ansiedlung der Reste des Stammes ,,Jenö Megyer". Der größere Teil der angesiedelten Madjaren hatte eigene Besitztümer und verfügte über Diener. Die Herrschaften bildeten später den madjarischen Adel.

Die Flächen, die von den Geschlechtern nicht in Anspruch genommen wurden, verblieben im Eigentum bzw. in der Schutzherrschaft des Königs. Sie wurden zum Teil von der königlichen Familie und zum Teil von der Kirche verwaltet. Gara gehörte anfangs auch zu des Königs Burggütern.

In der Umgebung der Burg Bodrog, auf dem vom König erhaltenen Grundbesitz, lebte das freie Burgvolk, die königliche Dienerschaft und die Burgleibeigenen. Die letzteren waren verpflichtet, die Burg in einem guten Zustand zu halten, die Wache zu versorgen und im Falle eines Krieges sich unter dem Befehl des auf der Burg residierenden Obergespan den königlichen Truppen anzuschließen.

Aus den Burgleibeigenen gingen später die Dienerschaft des Königs und auch die Kleinadeligen hervor.

Die Adeligen, die Freien und die Burgleibeigenen wurden von dem unterworfenen, bzw. unterjochten Volk und den bestraften Freien bedient.

Die Bevölkerung lebte zum Teil in der Burg oder in kleineren Siedlungen in deren Umgebung. Bekannt sind aus dieser Zeit die Siedlungen Dávod und Bátmonostor.

Aus den Urkunden ist ersichtlich, daß auf diesem Gebiet in jener Zeit eine intensive Viehhaltung und Pflanzenbau betrieben wurden.

Die Burg Bodrog war für die königliche Familie und die sie begleitenden Hochadeligen ein beliebter Aufenthaltsort. Die Umgebung eignete sich gut zur Jagd und Falknerei und somit zur Unterhaltung des Königs. Nach den Aufzeichnungen war zum Beispiel König Ladislaus der Heilige über die Osterfeiertage des Jahres 1095 auf der Burg Bodrog.

In den Jahren 1241 — 42 überrannten die Tataren das Gebiet. Die Bevölkerung flüchtete. Die Einwohner, die von den Eroberern erreicht wurden, Frauen, Männer und Kinder, wurden ausnahmslos ermordet. Nach den Tatarenzügen benötigte die Umgebung von Gara eine lange Zeit der Regeneration.

In dem entvölkerten Land entstanden neue Dörfer, und langsam gestaltete sich das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder so, wie es vor dem Tatarensturm war. Aus dieser Zeit sind neben dem Geschlecht von Botond auch die Geschlechter Haraszt und Hanta mit großen Landbesitzungen bekannt. Auch die katholische Kirche spielte eine große Rolle, da sie neben Landbesitz über die Kirchen und Klöster verfügte.

Budhalma, das urkundlich auch Borhalma geschrieben wird, lag zwischen Acha und Murgo. Diese drei Ortschaften grenzten unmittelbar an Gara an. Weitere angrenzende Orte waren Tarnok und Bezun. Auf jeden Fall handelt es sich bei Gara um einen sehr alten Ort. Die ersten Aufzeichnungen über den Ort bzw. über einige seiner Grundherren (z. B.: Stephan, Peter, Nikolaus und Jakob von Gara), stammen aus dem Jahre 1290. Die Garaer Grundherren waren als Zeugen und Vertrauensleute bei der Übergabe des Budhalmaer Grundbesitzes des Johann von Ache an den Grafen Stephan, genannt Kun, das heißt Kumane, anwesend. Dieser verkaufte den Besitz jedoch schon ein Jahr später an seinen Schwager, Peter von Gara. Im nächsten Jahr (1291) gab das Kapitel Hay in einem Brief bekannt, daß der Ort Bothalma von seinem Eigentümer Stephan Kun an dessen Schwester Margarete und seinen Schwager, dem Garaer Peter Kerne, übergeben wurde.

Eine andere Urkunde, und zwar über den Ort selbst, stammt aus der Regierungszeit König Andreas III. (1290 — 1301). Nach dieser Urkunde schenkt Andreas III. seinen getreuen Burghörigen, namentlich Riemens, Sohn von Kerne, und Michael, Sohn des Poch, das Gut Gara (possessionem sauterram Gara cum ecclesia) mit all seinen Einkünften. Die Genannten wurden für ihre Verdienste in den Adelstand erhoben und mit einem umfangreichen Besitz in Gara und dem Patronat der auf dem Besitz befindlichen Kirche belohnt.

 

Urkunde über den Verkauf von Budhalma im Jahre 1290

 

 

 

 

 

A kalocsai káptalannak 1308-ban kelt átiratából; 1. b., 7.

 

Von nun an können anhand erhaltener königlicher, kirchlicher und grundherrschaftlicher Urkunden, wenn auch nur lückenhaft, die Eigentümer der Gemeinde Gara benannt werden.

Die Familie Becsei war unter der Regentschaft von Karl Robert (1308 — 1342) wegen ihrer Dienste für den König in die neue Aristokratie aufgestiegen. Sie war bis zum Türkeneinfall eine der reichsten Familien im Komitat. Die Familienmitglieder gehörten im 14. und 15. Jahrhundert mehrmals zur Begleitung des Königs. In dieser Eigenschaft nahmen sie auch mit dem König bei dessen Besuch beim Papst teil.

 Von dieser Familie waren noch andere Mitglieder begütert. Diese waren Michael, Sohn des Klemens, und Peter, Sohn des Kerne sowie Peters Söhne Thomas und Stephan. 1334 verkauften Peter von Gara und drei seiner Verwandten ihre Besitzungen in Gara und Budhalma für 100 Mark an die Kinder des Emmerich Becsei (Tőttös und Vessző von Bátmonostor).

 Im Jahre 1342 wurde von dem Probst zu Hajszentlörincz „Gewalttätigkeit" gegen den Garaer Besitz des Tőttös und Vessző verübt, was als Folge einen langwierigen Prozeß zwischen den streitenden Parteien auslöste.

1352 verübte Nagy von Jobbágy eine „andere Eigenmächtigkeit" gegen den Garaer Besitz bzw. gegen die Leibeigenen des Tőttös und Vessző. Jobbágy war ein Ort irgendwo südlich von Gara.

Noch zu Lebzeiten schenkte Tőttös 1359 seinen Garaer Besitz seiner Tochter. Diese verschenkte ihn weiter an ihre beiden Schwägerinnen Klara (Frau des Ladislaus, ein Sohn von Tőttös) und Mago (Frau des Nikolaus, Sohn von Tőttös).

Peter Herczeg von Szekcső hatte die in der Komitatshauptstadt Bodrog üblichen Märkte 1366 nach Daut (Dávod) verlegen lassen und schädigte somit die im benachbarten Gara stattfindenden Märkte. Dadurch verlor der Garaer Markt, der am gleichen Montag abgehalten wurde, viel an Bedeutung. Während der Markt in Gara schon zu Mittag endete, begann der Dauter Markt schon am Samstag und schloß am Dienstag abends. Ladislaus, der Sohn von Tőttös, beschwerte sich deswegen 1366 über Peter Herczeg. Hierzu muß bemerkt werden, daß die Familie Herczeg dem deutschen Geschlecht der Brüder Volfer und Hedrich entstammt. Die Brüder Volfer und Hedrich kamen etwa um 1146 mit 40 bewaffneten Kriegern nach Ungarn und boten dem ungarischen König ihre Dienste an. Obergespan der Komitate Bodrog und Baranya war u. a. auch Heinrich, ein Urenkel Volfers. Auch sein Sohn Johann war Obergespan der beiden Komitate. Peter, ebenfalls ein Sohn Heinrichs, war dagegen nur Obergespan vom Bodroger Komitat. Die Klage führte zu einem Gerichtsverfahren. So wurde 1366 vor dem höchsten ungarischen Gericht dieser interessante und von der damals herrschenden Klasse viel diskutierte Streitfall behandelt.

Da die Beschwerde von Ladislaus erfolglos blieb, sah er sich zu einer gewaltsamen Lösung gezwungen. Er trieb kurzerhand mit einigen bewaffneten Männern die nach Daut gekommenen Kaufleute nach Gara und zwang sie, dort ihre Geschäfte zu tätigen. Die Witwe des inzwischen verstorbenen Peter Herczeg hat gegen diese Gewaltanwendung des Ladislaus Tőttös bei König Ladislaus dem Großen Klage erhoben. Den Fall übertrug der König dem Landesrichter Stephan Bebek. Durch die geschickte Verteidigung des Angeklagten sah er sich gezwungen, zunächst die verbrieften Marktrechte durch das Fünfkirchner Domkapitel feststellen zu lassen. Aber noch vor dem Abschluß dieser Untersuchungen einigten sich die Parteien dahingehend, daß Ladislaus Tőttös der Witwe von Peter Herczeg einen Schadenersatz von 100 Mark zahlte, und die beide Märkte wurden neu festgelegt.

1384 wurden Nyavalyád und Gara unmittelbar miteinander als Besitztümer von Peter Herczeg und Ladislaus Tőttös erwähnt.

Eine organisierte Räuberbande hielt sich 1369 um Gara auf und verunsicherte die Gegend. Sie war eine ständige Gefahr für die staatlichen Salzlieferungen. König Ludwig I. der Große forderte Ladislaus, den Sohn von Tőttös auf, das Gebiet von „den Landstreichern und anderen Schurken" zu säubern, sie zu verhaften und vor den Richter zu stellen.

Der im Jahre 1384 als Besitz der Familie Herczeg genannte Ort Nyavalyád war ein Nachbarort Garas. Er lag in Richtung Dávod und Hercegszántó. Die Ortschaften Nyavalyád, Daut und Szántó waren alle im Besitz der Familie Herczeg. Szántó bekam von daher seinen „Vornamen" und wird seither Hercegszántó genannt.

1400 wird Tőttös erneut in seine Garaer Besitzungen eingesetzt. In einer Urkunde von 1400 werden einige Leibeigene von Ladislaus Tőttös mit Namen genannt. 1413 wurde, gegen den Widerspruch der Witwe von Paul Kajándi, Ladislaus Tőttös vom Palatin Gara in seinen Besitzungen in Gara und Kajánd bestätigt. Kajánd lag südlich von Gara und hatte mit diesem eine gemeinsame Grenze.

Bereits 1415 (nach einer Urkunde vom 6. Oktober) hatte Gara nicht nur eine Kirche, sondern auch eine Pfarrei. An ihrer Spitze stand ein Pfarrer namens Michael.

Aus Urkunden ist zu ersehen, daß die Familie Tőttös während der Jahre 1394, 1400, 1402, 1406 und 1413 die Besitzer von Gara waren.

Mehrere Garaer Leibeigene von Ladislaus Tőttös sind 1449 ohne Entlassungsbrief aus der Leibeigenschaft ihres Grundherren auf das Bokoder Gut der Cikador-Bátaszeker Zisterzienserabtei übergesiedelt. Beim Abt protestierte Ladislaus Tőttös gegen die Aufnahme der unrechtmäßig abgezogenen Leibeigenen.

Das letzte männliche Glied der Familie Tőttös war Ladislaus Tőttös. Nach seinem Tod kam der Garaer Besitz an die Familie Kisvárda. Die Familie Kisvárda entstammte einer deutschen Familie vom Gut Keled. Interessant ist auch, was die Garaer Leibeigenen im Wirtschaftsjahr 1469/70 an ihren neuen Grundherren, den Kalocsaer Erzbischof Stephan Kisvárda an Geld und Sachbezügen abliefern mußten. Für Obst und Wein 40 Gulden, an Weizen 627 Choros (Choros war eine Maßeinheit damaliger Zeit), an Hafer und anderen Getreidesorten 1254 Choros.

Im Jahre 1470 hat die Familie Kisvárda aus wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Gründen Gara mit den umliegenden anderen Besitzungen der Familie den Gutsverwaltern Ladislaus und Elia Oláh unterstellt bzw. anvertraut.

In einer Urkunde vom 20. Dezember 1472 sind folgende Leibeigene aufgeführt: Michael Vajda, Peter Kakuchy, Anton Toht und Georg Toth (alle waren Madjaren). Dies bezeugt, daß Gara bis zur Türkenzeit madjarisch war.

Das Zentrum des Komitats war Bodrog bzw. die Burg Bács. Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts haben ihr die Könige (Sigmund, Mathias, Wladislaus) oft Besuche abgestattet. König Mathias hielt sich während seiner Kindheit viel in dieser Gegend auf.

 

Komitat Bodrog im Anfang des 14. Jahrhunderts.

 

Auch die Palatine verweilten häufiger und gern dort. In der Burg Bács wurde sogar eine Reichstagssitzung abgehalten. Da der Weg bzw. die Straße nach Bodrog oder Bács von Buda über Gara führte, ist anzunehmen, daß die Könige mit ihrer Begleitung mehrmals durch Gara zogen. Zu den Besuchen der Könige wurden Feierlichkeiten und Jagden im Komitat organisiert. Vermutlich gehörte Gara auch zu den Orten, wo die Festlichkeiten stattgefunden haben. Die Gelage wurden von den Aristokraten des Komi-tates nach den Besuchen des Königs oder Palatins auch ohne diese fortgesetzt.

Gara hatte im Mittelalter mehrere Nachbargemeinden bzw. Gemarkungen. Diese waren Bark, Benye, Besze, Kajád, Timak, Nyalvalyád. Sie wurden mit Gara in den Türkenkriegen im 16. Jahrhundert vernichtet, und nur Gara wurde danach erneut aufgebaut. Nach den alten Urkunden ist das Leben in Gara im Mittelalter charakteristisch für die Umstände und Verhältnisse im Komitat.

 

 

Die Nutznießer des Erfolges des Wirtschaftsleben waren die Aristokraten — von Königs Gnaden —. Ihnen folgten, in etwas bescheideneren Umständen und von der Größe ihres Besitzes abhängig, die Adeligen. Ihnen wiederum die Burgleibeigenen und die königlichen Diener. Da die Leibeigenen völlig rechtlos waren, ist es auch verständlich, daß dem Dozsaer Bauernaufstand 1514 auch aus Gara viele Leibeigene angehörten. Sie zerstörten im Heer von Lorenz Mészáros und Anton Nagy viele adelige Wirtschaften, Familienhäuser und Schlösser. Das Heer der Bauern und das Heer der Adeligen traf südöstlich von Kalocsa aufeinander. Die verheerende Schlacht forderte, nach der Zeitchronik, 30 000 Tote. In der Gegend wurde ohne Rücksicht, nicht nur durch die Bauern, sondern auch durch die von den Adeligen ülfe gerufenen Truppen des Blasius (Balázs) ih, Gregor Nagys Albaner und Styanovics Woi-rodes (serbische Truppen) ohne Rücksicht alles vernichtet. Die Serben haben so alles niedergemetzelt (auch Adlige), ausgeraubt und abgebrannt. Nach dem Aufstand wurden die Bauern unbarmherzig bestraft. Urkunden bestätigen, daß mehrere Garaer Bauern, die in der Armee gekämpft haben, streng bestraft wurden.

Gara wird mehrmals in den Jahren 1520 — 1521 neben Mátéháza und Tárnok in den „Zehentlisten" des Komitates Bodrog erwähnt.

Daß Gara in den Zehentlisten enthalten war, dürfte ein Beweis dafür sein, daß es den im Jahre 1514 wütenden Bauernaufstand des Stephan Dozsa überstanden hat, obwohl er in den Komitaten Batsch und Bodrog verheerende Spuren hinterließ.

Der Landesführung größte Sorge waren aber in dieser Zeit die Vorarbeiten zum Kampf gegen die Türken, die sich von Jahr zu Jahr der Landesgrenze näherten. Sulejman II. hatte im Sommer 1526 Peterwardein eingenommen. Paul Tomori Bács-Kalocsaer, Bischof und Obergespan des Komitat Bács, bezog bei Futok (Futak) sein Lager gegenüber den Türken. Die beiden Heere wurden nur durch die Donau voneinander getrennt. Ein Teil des Heeres, das von Norden nach Süden, nach Futok zog, lagerte auch auf der Gemarkung von Gara.

Über die Einwohner von Gara aus dem 14. und 15. Jahrhundert wissen wir wenig. Es ist anzunehmen, daß in der Gemeinde einige auf Eigenflächen wirtschaftende Adelige waren, und aus dem Verleihungsbrief kann auch darauf geschlossen werden, daß der Ort einen Pfarrer hatte. Die Zahl der Einwohner ging bis zur Schlacht von Mohatsch sicher nicht über einige Hundert hinaus.

 

2.3 Die Türkenzeit von 1526 bis 1687

Nach der vernichtenden Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohatsch am 29. August 1526, mußte die bisherige (wahrscheinlich kumanisch-madjarische) Bevölkerung vor den aufziehenden Türken weichen. Sie floh nach Norden und Osten, in noch nicht von den Türken besetzte Gebiete. Viele adelige Familien der Batschka zogen über die Theiß nach Oberungarn. Ein Teil ihrer Leibeigenen zogen mit ihnen, um der Sklaverei oder dem Tod zu entgehen. Nach dem ersten Türkenüberfall und dem Rückzug der Türken war die Batschka fast menschenleer.

Sultan Suleiman II. verwüstete zuerst das Land bis zur Raab. Für den Rückzug ließ er am 19. September 1526 bei Pest eine Brücke schlagen, und am 25. September 1526 teilte er sein Heer in zwei Teile. Der linke Flügel, von Großvezir Ibrahim befehligt, zog die Theiß entlang über Szeged nach Großwardein. Den rechten Flügel des Heeres führte der Sultan selbst. Beide Heeresteile hinterließen beim Rückzug zwischen Donau und Theiß ein geplündertes, verwüstetes Land. Am 9. Oktober 1526 verließen die Türken mit Tausenden Gefangenen das Land in Richtung Peterwardein. Das Heer zerstörte unterwegs alle Siedlungen. Junge Männer, ja Kinder, nahmen sie als Gefangene mit sich. Es ist anzunehmen, daß dabei Gara und die umliegenden Siedlungen auch diesem Heer zum Opfer fielen. Die Wohlhabenden von Gara, die Pferde und geeignete Reisewagen hatten, waren geflüchtet. Sie suchten zum Teil in Österreich, Oberungarn und auch in Siebenbürgen eine neue Heimat. Die Aristokraten und Adeligen hatten in der Regel auch in diesen Landesteilen Besitzungen.

Die Leibeigenen, Handwerker, die verarmten Adeligen blieben am Ort, und dort traf sie auch die Grausamkeit der Türken.

Nachdem die Türken abgezogen waren, trat der Serbe „Schwarzer Ivan" mit seinen Truppen im Gebiet des Komitats auf und raubte und plünderte die verbliebenen Familienhäuser und Gebäude aus. Die leerstehenden Ortschaften wurden niedergebrannt, die restliche Bevölkerung unbarmherzig gemordet. Diese Raubfeldzüge endeten mit dem Tod des „Zaren" im Jahre 1527. Er hieß Jovan Nenad, wurde von den Serben „Crni Jovan", wegen eines schwarzen Striches, der sich vom linken Auge, auf dem er blind war, bis zur Fußsohle zog, genannt. Er soll einmal bei Johann von Zápolya Dienst getan haben. An der Spitze von mehreren Tausend bewaffneter Flüchtlinge, zum größten Teil Serben, zog er durch das Land bis nach Lippa an der Marosch. Die Serben verehrten ihn als Propheten und hofften, daß er ihr Schicksal verbessere. Johann von Zápolya riet ihm, sich in der Batschka niederzulassen. Als Johann von Zápolya dann am 19. November 1526 zum König Ungarns gekrönt wurde, betrachtete Jovan die ganze Batschka als sein, ihm vom König verliehenes Eigentum.

Er ließ sich in der Burg von Szabadka nieder. Ab da strömten die Serben aus allen Gegenden scharenweise in die Batschka.

Zu Schwierigkeiten kam es erst, als die vor den Türken geflüchteten adeligen Grundbesitzer zurückkehrten und ihre Güter von Jovan zurückforderten. Der hatte die Güter jedoch bereits unter seinem Volk aufgeteilt. So erhob die Familie Kisvárda gegen die Wegnahme ihres Besitzes 1574 Einspruch.

Sowohl Kaiser Ferdinand als auch König Johann warben um die neue bewaffnete Macht des „Schwarzen Mannes". Schließlich gewann der Kaiser für mehrere Tausend Gulden den „Schwarzen Mann" für sich. Die Rivalität der zwei Monarchen ging zu Lasten ihres Volkes. Der „Schwarze Mann" starb aber bald. Die eingewanderten Serben blieben, aber nicht als Leibeigene des früheren ungarischen Adels, sondern als eine Art „Eigentümer".

Die weiterhin zuströmenden Serben verdrängten langsam auch die Madjaren, die den ersten Türkeneinfall überlebt hatten. Ab dieser Zeit dürfte die Batschka eine überwiegend serbische Bevölkerung gehabt haben. Damals haben sich wahrscheinlich auch die ersten Serben auf Garaer Gebiet niedergelassen. Das Komitatsgebiet wurde erst 1529 von den Türken richtig besetzt. Mit der Vorbereitung des Sturms auf die- Burg Buda (Ofen) im Jahre 1541 kamen größere Truppeneinheiten ins Land und zogen über das Komitatsgebiet. Ein größeres Truppenquartier war in Baja, wo sich die Truppen von Sulejman Mehmed Beg (Bei) länger aufhielten. Da die Nord-Südstraße (Buda-Kalocsa-Baja-Peterwardein) eine wichtige Militärstraße war, an der auch Gara lag, war es selbstverständlich, daß durch die durchziehenden Truppen und deren Willkür der Ort ein weiteres Mal zerstört wurde.

Der zweite Türkeneinfall 1529 in Ungarn ging verhältnismäßig schnell zu Ende. Als die Türken Wien vergeblich belagerten, zogen sie sich bald zurück. Die endgültige Besetzung Ungarns und somit der Batschka erfolgte erst 1541 — 1543. Das besetzte Gebiet wurde unter türkische Verwaltung gestellt. Damit beginnt die eigentliche türkische Herrschaft in der Nordbatschka. Sie dauerte dann bis zum Herbst 1687.

Erst 1543 wurde das durch die Türken eroberte Land verwaltungsmäßig organisiert. Das besetzte ungarische Gebiet wurde eine Provinz mit dem Namen „Budajer vilajet". An der Spitze stand ein Pascha, der sowohl die militärische als auch die zivile Führung innehatte. Das Gebiet einer „Vilajet" gliederte sich in „Sandschake" auf. An deren Spitze stand ein „Beg". Die „Sandschake" teilten sich wiederum in „Nahijek" (Kreise) auf.

Die vernichtete Gemeinde Gara, die zu Anfang des 17. Jahrhunderts wieder langsam auflebte, war unter der Türkenherrschaft verwaltungsmäßig im „Budajer Vilajet", im „Sandschak" Szeged und im Bajaer „Nahijet".

Mit der Einführung der türkischen Verwaltung war das Komitat Bodrog verschwunden. Die Bevölkerung mußte während dieser Zeit den Türken, der Kirche und dem Grundherren jeweils den Zehnt geben. Dies bedeutete für das Volk eine sehr schwere Belastung.

1590 hatte Gara insgesamt 25 Häuser mit serbischen Einwohnern, die auch mit den anderen Serben der Gegend später nach Gran übersiedelten. Der Burgkommandant von Gran, Michael Pálfy, wollte nach der Rückeroberung Grans durch die kaiserlichen Truppen die menschenleere Gegend mit noch unter türkischer Herrschaft lebenden Serben ansiedeln und ließ diese zu diesem Zweck anwerben. Im Komitat Bodrog lebten zu dieser Zeit fast ausschließlich Serben, von denen viele dem Ruf folgten und umsiedelten. Gara war auch unter den Ortschaften, deren Einwohner nach Gran siedelten.

Serben der Umgebung leisteten unter Anwesenheit ihrer Pfarrer 1598 in Érsekújvár ihren Treueeid. Dies wurde in einer Urkunde bestätigt, in der auch Gara unter den Gemeinden aufgezählt war, die ihren Treueeid leisteten.

Über das Leben in Gara während der Türkenherrschaft gibt die Reisebeschreibung des Belgrader Bischofs Marin Imbrissimivich einen kleinen Einblick. Der Bischof bereiste 1640 die Batschka und berichtete darüber, daß in Gara, Gakovo und in Monostor 58 katholische Familien (Häuser) waren, aber keine Kirche.

1641 kam Gara in den Besitz von Michael Milojkovics. Dieselben Garaer Besitzungen wurden allerdings vom Palatin an Stephan Aszalay und Abraham Komjáthy in den Besitz (durch Beleihung) gegeben. 1643 protestierte Milojkovics gegen dieses Vorgehen. 1663 wurden Michael Bory, Nikolaus Dvornikovics und Georg Szalatnyai Horvát als Besitzer der Ortschaften Katymár, Legyen und Gara sowie der Einöd/Weiler Tompa, Máda usw. eingetragen. Im Frühjahr 1687 begann der große Feldzug der Habsburger, um die Türken endgültig aus dem Land zu treiben. Im Herbst 1687 gelang es dann schließlich. 1669 war Gara in der Zehntliste des Kalocsaer Bistums aufgeführt. Die hier wohnenden Katholiken mußten insgesamt 4 fl an das Bistum zahlen. Nach der Zehntliste von 1700 hatten sie bereits 6 fl zu zahlen, was wahrscheinlich mit dem Anstieg der Bevölkerung im Zusammenhang stand. Die Bevölkerung von Gara war vermutlich klein, denn die nach der Zahl der Bevölkerung zu entrichtende Steuer betrug im Vergleich zu Sombor (50 fl) nur etwa ein Zehntel. Es ist demzufolge anzunehmen, daß die Zahl der Einwohner auch in diesem Verhältnis zueinander standen.

 Mit aller Sicherheit ist das spätere Anwachsen der Bevölkerung auch darauf zurückzuführen, daß nach der Befreiung von Buda (Ofen) unter Kaiser Leopold I. auf dessen Verfügung 40 000 Serben unter der Führung ihres Patriarchen Anton Csernovits in die Batschka zogen. Der Sitz der Woiwodschaft (Provinz) war von 1691 — 1696 in Baja. Der Wiener Hof hatte aus der serbischen männlichen Bevölkerung Soldaten für das Grenzschutzgebiet angeworben. Die Aufgabe dieser Soldaten war der Schutz der Südgrenze des Landes gegen die Türken. Wegen der Wichtigkeit dieser Aufgaben genossen die Serben einige Privilegien, mit denen sie auch Mißbrauch trieben. Belästigungen der Bevölkerung und Störungen der öffentlichen Ordnung waren an der Tagesordnung.

An Gara grenzten mehrere Gemeinden, die teilweise stark bevölkert waren. Es waren sechs Gemeinden bzw. Orte, die vor der Türkenzeit bestanden, dann vernichtet wurden und nach der Türkenvertreibung nicht mehr neu besiedelt wurden.

Der Ort Bark, nicht sehr bedeutungsvoll, wird urkundlich zum ersten Mal 1384 erwähnt. Er hatte den Namen des Edlen Barki. Ein Teil der Familie Barki hatte den Vornamen Szöllösi, und die anderen haben in verschiedenen Zeitabschnitten im 15. Jahrhundert die Vornamen Piski, Aranyani und Szentmiklosi geführt. Die Familie Bartáni hatte im 15. Jahrhundert bzw. 1366 hier ebenfalls Besitzrechte.

Der zweite Ort war Benye, Benyö oder Bénye. Urkundlich kommt der Name erstmals 1345 vor, als der Abt von Báta den Besitz Benye der Familie Töttös in Bátmonostor überließ. 1384 protestiert der Abt von Báta dagegen, daß aus dem Besitz der Abtei in Benye Peter Herczeg mit Zustimmung von Ladislaus Töttös einen Teil ausgegrenzt hatte. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls erwähnt, daß in dem Dorf auch die Familie der Szekcsöer Töttös Besitzungen hatten. Nach der Mohatscher Schlacht war der Ort in den Händen der Familie Herczeg. Ab 1535 gehörte er der Familie Johann Horváth. Gleichzeitig entbrannte ein Streit wegen der Besitzrechte. Danach verlieren sich die Spuren des Ortes.

Von dem Ort Beszen existieren schon von der Zeit Andreas III. Aufzeichnungen. Damals hieß der Ort noch Bezum. Über die Besitzrechte ist nichts bekannt. In einer Uberschreibungsurkunde des Kalocsaer Kapitels vom Jahre 1308 wird es als Stammnachbar von Gara erwähnt. Es dürfte sich hier um eine frühere petschenegische Siedlung handeln.

Die vierte verschwundene Ortschaft war Kajánd. Anfang des 15. Jahrhunderts gehörte der Ort der Familie Bartáni, und schon 1430 war sie im Besitz von Marothi. Die Familie Haraszti dürfte in dem Dorf 1482 auch Besitzrechte gehabt haben. Das Dorf hatte schon im Jahre 1400 eine selbständige Pfarrei und wird als Egyházaskojánd erwähnt.

Timak war das fünfte Dorf, das verschwand. 1466 war es im Besitz der Familie Töttös und später im Besitz der Familie Várdi.

Als letztes verschwundenes Dorf muß noch Nyavalyád erwähnt werden, das von 1351 — 1384 den Familien Herczeg und Töttös gehörte.

Von diesen Dörfern gibt es heute keine oder so gut wie keine Spuren mehr. Sie sind alle in der Türkenzeit vernichtet und später nicht mehr neu besiedelt worden. Ihre Gemarkungen gingen in denen der Nachbarorte auf.

 

2.4 Die Zeit von der Türkenzeit bis zum Einmarsch der Roten Armee

Gara war 1679 in den bischöflichen Steuerlisten aufgeführt und zahlte in den Jahren 1679 und 1700 an den Erzbischof von Kalocsa 4 bzw. 6 Gulden Zehent. 1712 bekam Mathias Urbanecz die Garaer Besitzungen durch Beleihung vom Palatin. 1724 haben die Bajaer Gara gepachtet.

Während des KurutzenaufStandes (1703 — 1711) wurde Gara wahrscheinlich wieder ganz verwüstet, denn als Mathias Urbanecz 1712 damit beliehen wurde, war Gara unbewohnt. Erst nachher wurde es mit Bunjewatzen besiedelt, die vermutlich von Maria Theresiopel kamen. So waren nach dem Verzeichnis der „Conscnptia Domestica inclyti Comitatus Bacsiensis anno 1725/6" 50 Personen in Gara, wovon 32 namentlich aufgeführt sind. Darunter waren einige Familien, deren Namen heute noch in Gara zu finden sind. Außerdem sind Art und Zahl des Viehs und die Ackernutzung aufgeführt.

Schon zwei Jahre später, 1727, als Gara noch kein selbständiger Ort, sondern ein Weiler war, gehörte dieser zu den Bajaer Besitzungen und hatte schon 200 steuerzahlende Einwohner. Am 30. März 1727 bekam die Familie Markus Csobor die Bajaer Herrschaft und damit auch das an Billard verpachtete Gara. 1729 hat Markus Csobor seine Bajaer Herrschaft und mit ihr auch Gara auf vier Jahre an den Vizegespan Johann Radics verpachtet.

Die Garaer Pfarrei wurde im Jahre 1735 gegründet und die erste Kirche nach der Türkenzeit aus Lehm gebaut und zu Ehren des Heiligen Ladislaus geweiht. Markus Csobor verkaufte 1741 die Bajaer Herrschaft mit den dazugehörigen Besitzungen (mit Gara) an den Baron Vajay, der 1745 wiederum den Baron Orczy mit Besitzrechtsanspruch an der Herrschaft beteiligte. Da es sich bald herausstellte, daß auch die Barone Vajay und Orczy die Verpflichtungen nicht erfüllen konnten, löste Graf Josef Csobor den Vertrag und übertrug für 190 000 Fl (Rhein Florin) den Besitz an den Grafen Anton Grassalkovich. Diese Urkunde wurde am 21. März 1750 in Wien unterzeichnet. So gelangte die Bajaer Herrschaft mit allen Besitzungen an den Grafen Anton Grassalkovich.

Auf Grund seines unvernünftigen und verschwenderischen Lebenswandels wurde dem Grafen Josef Csobor danach das Verfügungsrecht über das Dominium endgültig entzogen. Es wurde als königliches Donationsgut Graf Anton Grassalkovich zugesprochen.

So gelangte auch Gara in seinen Besitz. Während dieser Zeit kamen auch die ersten deutschen Siedler nach Gara. In den Kirchenbüchern (Matrikeln) tauchten die ersten deutschen Namen, im Jahre 1735/36 die ersten Taufen, 1748 die erste Trauung (Mischehe) und 1761 die erste rein deutsche Trauung auf. 1739 wurde der erste Tote, ein Soldat, und 1760 der Tod eines ansässigen Kindes eingetragen.

Nach dem in slowakischer Sprache verfaßten Urbarialprotokoll ist ersichtlich, daß noch im Jahre 1772 Herzog Anton Grassalkovich der Grundherr von Gara war.

Er ließ die alte Kirche abbrechen und an ihrer Stelle im Jahre 1780 eine neue Kirche erbauen. Nach dem Tod von Herzog Anton Grassalkovich fiel dessen Besitz an die Wiener Hofkammer zurück. Die Hofkammer verpachtete diesen an Johann Nep und Josef Horváth von Szentgyörgy. Während dieser Zeit brach die Revolution vom 15. März 1848 aus.

 

Fürst Grassalkovichsche Herrschaft in der Batscbka.

 

1848 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, und im Besitz der Herrschaft blieb nur ein Teil der Fläche, der bis dahin nicht in Urbariallisten aufgeteilt war. Mit dem verbliebenen Grund und Boden wurde von der Hofkammer, so um 1850, der Graf Karl Viczay-Khuen von Hedervár beliehen. Dieser verkaufte aber bereits sechs Jahre später seinen Besitz an den Grafen Zichy-Ferraris.

Während dieser Zeit, d.h. im Jahre 1857, wurde das Grundbuch eingeführt. Graf Felix Zichy-Ferraris veräußerte seinen gesamten Besitz an den Israeliten Eilias Kuhner.

Die Gemeinde Gara kaufte 1871 einen großen Teil des herrschaftlichen Besitzes und erwarb gleichzeitig die Patronatsrechte mit dazu. Auf die Bestätigung des Kaisers über diesen Wechsel im Patronatsrecht mußten die Garaer aber noch sechs Jahre warten. Sie wurde unter der Verordnungsnummer 3843 im Jahre 1877 erteilt.

Im Jahre 1877 erwarb die Kirchengemeinde den Rest, 1236 Joch „Járás" des herrschaftlichen Besitzes von Josef Kohn, das Joch für 120 fl. Zugleich schenkte der Veräußerer Kuhn das Ausschank- und Müllerrecht mit dem „Großen Wirtshaus und der Metzgerei" der Kirchengemeinde. Die Schenkung des Großen Wirtshauses und der Metzgerei wurde am 26. November 1878 im Grundbuch eingetragen. Das Große Wirts haus und auch die Metzgerei waren anschließend mehrere Jahre verpachtet.

1884 wurde das Große Wirtshaus für 13 000 fl. und das Gemeindehaus für 7 481 fl. neu gebaut. Beide Gebäude wurden von Josef Orbelt aus Stanaschitz erstellt. Für das Große Wirtshaus wurde sogar 1885 eine Versicherung abgeschlossen.

Am 19. November 1885 wurde in der Gernreichgasse ein Hirsch erlegt, der sich in den Ort verirrt hatte. Das Fleisch wurde von Josef Dinet unter der Bevölkerung verteilt. Das Zwölfer-Geweih bekam der Stuhlrichter Julius Latinovits geschenkt.

Am 24. Juli 1889, morgens um 5 Uhr, ging ein orkanähnlicher Sturm über Gara, der sehr viel Schaden anrichtete. Die in Kreuzen stehenden Getreidegarben wurden weit zerstreut. Die ältesten Bäume wurden entwurzelt und Häuser abgedeckt. Den Kirchturm verbog der Sturm, und die drei Steinkreuze auf dem Kalvanenberg wurden umgeworfen und zerbrachen dadurch.

Am 27. des selben Monats, ebenfalls 5 Uhr früh, kam ein zweiter Sturm. Dieser war nicht ganz so gewaltig, brachte aber viel mehr Regen mit sich. Im September gab es plötzlich einige sehr kalte Tage, so daß geheizt werden mußte. Einen außergewöhnlich kalten Winter gab es 1891. Von Anfang Dezember bis fast Ende März gab es Schlittenwege, und bis Ende April mußte geheizt werden.

1894 schenkte die Kirchengemeinde das Große Wirts haus der Gemeinde, damit diese dort eine Schule ein richten konnte. So wurden dort drei Schulräume und zwei Lehrerwohnungen geschaffen.

Im Oktober 1894 wurde mit den Erdarbeiten am Bahndamm Baja — Zambor begonnen. Am 4. Februar 1895 fuhr der erste £ug in Gara ein. Obwohl es ein Güterzug war, wurde er mit Böllerschüssen und Musik empfangen. Der normale Bahnverkehr begann am 10. September 1895 zwischen Baja - Sombor - Újvidék. Täglich fuhren zwei Züge in Richtung Baja und zwei nach Sombor.

Am 1. Oktober 1895 wurde das staatliche Standesamt eingeführt, und die bürgerliche Trauung wurde Pflicht. 1895 erhielt Gara sein Post- und Telegraphenamt. Ein wassergebundener Schotterweg vom Bahnhof zum Gemeindehaus wurde am 22. November 1897 fertiggestellt. Der Bauträger war die Gemeinde, die für den Weg 15 000 fl. ausgeben mußte. Im Dezember desselben Jahres wurden entlang dieser Straße 18 Lampen in einem Abstand von 60 m aufgestellt. Ladis-laus Erdélyi gründete 1897 die Apotheke „Zur heiligen Dreifaltigkeit".

1944 gehörte die Apotheke dem Apotheker Zoltán Etvel.

Zum Vergleich einige Preise (1897) von landwirtschaftlichen Produkten:

Weizen 1 dz = 7 fl 20 Kreuzer, Mais 1 dz = 3 fl, 1 kg Rindfleisch = 40 Kreuzer und 1 Liter Wein = 32 Kreuzer.

Der erste Kindergarten (Ovoda) ist 1899 entstanden. Kindergärtnerin war Anna Boros, sie hatte ein Mädchen als Gehilfin.

Die Flurbereinigung wurde 1900 für etwa 2/3 der Gemarkung eingeleitet. Die restlichen Flächen wurden 1925/26 zusammengelegt.

Ab 1906 gingen, wegen der zu geringen Verdienstmöglichkeit (niedriger Tageslohn) in Gara, viele Deutsche (ledige und verheiratete) nach Deutschland, um dort 6 bis 8 Monate zu arbeiten. Während dieser Arbeitszeit konnten sie sich bis zu 600 Kronen ersparen. Mit diesem Geld kamen sie nach Gara zurück und kauften sich dort Felder oder Weingärten. Dies taten sie öfter, bis sie sich eine Existenz gesichert hatten. Nicht so die Bunjewatzen; die wanderten samt Familie aus und blieben fort. Zu jener Zeit wanderten auch vier Familien nach Amerika aus. Das spätere Kloster ist 1911 als Schule und Kantorwohnung für 45 000 Kronen erbaut worden. 1930 wurden Schule und Kantorwohnung zu Kloster, Schule und Kindergarten umgebaut. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 geschah in Gara nichts Wesentliches.

Nun kamen die schweren Kriegsjahre von 1914 bis 1918 und gleich anschließend nochmal weitere drei Jahre, 1918 bis 1921, der serbischen Besetzung. Die Besetzung durch die Serben war eine sehr große wirtschaftliche Belastung. So requirierten die Serben im Juli 1919 fast alle Pferde (136 St.) und Kühe (186 St.) und trieben sie nach Indja. Für die weggenommenen Tiere wurde keine Entschädigung bezahlt. Nach einigem Protest konnten im September, sofern die Tiere noch am Leben waren, diese, völlig abgemagert und vernachlässigt, vom Eigentümer zurückgeholt werden. Die Wirtschaft litt sehr unter der serbischen Verwaltung.

Am 19. August 1921 zogen die Serben ab, und Gara kam wieder unter ungarische Verwaltung.

Der Erste Weltkrieg forderte auch in Gara seine Opfer an Menschenleben. Von den Einwohnern in Gara fielen insgesamt 109 Personen, davon 3 (3 %) Madjaren, 36 (33 %) Bunjewatzen und 70 (64 %) Deutsche.

Die Namen der Gefallenen im Ersten Weltkrieg.

Aladzity Márk

Aladzity Mihály

Antalovity Mátyás

Babics Miklós

Babics György

Bédics Marton

Bédics Antal

Bischof Ádám

Bischof Ádám

Bischof János

Bischof József

Bischof Mátyás

Braun József

Braun Ádám

Brigacki János

Cuck György

Dobler András

Dobler János

Dujmov András

Dujmov Jakab

Dujmov János

Einwiller József

Elmer Antal

Elmer István

Elmer József

Elmer Lénárd

Engart Benedek

Engart József

Fleckenstein Márton

Fleckenstein Miklós

Fleischer György

Fleischer György

Fleischer Márton

Gatti Vince

Gojtan Jakab

Gojtan József

Gojtan Mátyás

Gugan Gáspár

Gugan István

Gugan József

Gyalos Mátyás

Haberbusch János

Heibili Ádám

Heibili István

Heinrich István

Heffner András

Heffner József

Heffner Péter

Hegedűs Péter

Heller József

Hager Mihály

Jasenovics Jakab

Jäger Márton

Jelasits Mátyás

Karagity Antal

Karagity Antal

Keiner Sebestyén

Klénanc Mátyás

Knipf György

Kricskovics Ádám

Kricskovics János

Kricskovics Mihály

Kubatov Gergely

Kubatov Vince

Kurta Mihály

Leisztner János

Mészáros István

Mészáros József

Milyacski Antal

Müller György

Müller József

Meisztrovics István

Meisztrovics Antal

Miokovics István

Nuber Fábián

Nuszpl Ferenc

Osztrogonac József

Páncsics Márton

Peller János

Pencz Ferenc

Potz Ádám

Putterer Flórián

Putterer Flórián

Röhm Mátyás

Rutterschmidt József

Rutterschmidt Márton

Rutterschmidt István

Schmidt Antal

Schmidt András

Schmidt Konrád

Schreiner Benedek

Sevarac Mátyás

Sibalin Antal

Sokac Mihály

Staller György

Staller Péter

Szén József

Szén Márton

Szikinger Antal

Túri János

Túri Lénárd

Vuits Mihály

Világos Márton

Wagner Ádám

Wagner István

Weber István

Weber Péter

Zorits András

Das Heldendenkmal wurde 1923 von Josef Hybl gefertigt und am 4. November 1923 feierlich eingeweiht. Hybl bekam für seine Arbeit 50 dz Weizen. Die Kaserne am südlichen Ortsrand der Gemeinde wurde ebenfalls 1923 erbaut. Die Straße nach Baja bzw. nach Vaskút wurde 1924/25 als wassergebundene Schotterstraße ausgebaut. Ebenso wurde 1926 die Straße nach Csatalja ausgebaut. Das erste Kino wurde 1929 in der Schmalzgasse eingerichtet. Da zu der Zeit noch kein Strom im Ort war, mußte mit einer Kraftmaschine der erforderliche Strom erzeugt werden. 1929 wurde auch die sogenannte „stockhohe Schule" (einstöckige) gebaut. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch die Weltwirtschaftskrise auch in Gara gestoppt. In der Krisenzeit von 1927 bis 1933 gerieten einige Betriebe, darunter auch landwirtschaftliche, in finanzielle Schwierigkeiten.

Im Schulwesen gab es 1930 größere Fortschritte. Es kamen Schulschwestern nach Gara, so daß die Kinder in mehreren Klassen unterrichtet werden konnten. Der Kindergarten wurde ebenfalls von den Schulschwestern übernommen.

Nach der Wirtschaftskrise ging es wieder einige Jahre aufwärts, bis zum Zweiten Weltkrieg. Es wurden weitere befestigte Straßen gebaut, so 1934/35 nach Györgypuszta, die dann 1941/42 bis nach Sombor ausgebaut wurde.

Mit der Einführung der Elektrizität in Gara im Jahre 1936 änderte sich manches, denn sie wurde nicht nur zur Beleuchtung, sondern auch als Energie zum Antrieb von Elektromotoren genutzt. Die Einführung der Elektrizität war eine Neuerung größeren Ausmaßes vor dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung.

Die noch bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verbliebenen Jahre dienten den einzelnen zur Festigung und zum Ausbau wie auch zur Modernisierung ihrer Betriebe.

Für Ungarn hatte der Krieg noch nicht angefangen, als Oberungarn am 6. November 1938 und die Ostkarpaten im Frühjahr bzw. am 15. März 1939 von der Tschechoslowakei zu Ungarn kamen. Nicht allzu lange darauf kam auch das nördliche Siebenbürgen (September 1940) von Rumänien wieder zu Ungarn. Die Gebiete wurden von ungarischen Honvéd-Truppén besetzt. Daher wurden die Truppen mit Reservisten aufgefüllt. Auch mehrere Garaer wurden eingezogen. Schon im Frühjahr 1941 verwandelte sich Gara zu einem Heerlager. So waren von Ende März 1941 ungarische Truppen entlang der Grenze zu Jugoslawien aufmarschiert, und viele Soldaten waren in den Häusern in Gara einquartiert. Als das südslawische Königreich sich auflöste, beschloß der ungarische Ministerrat am 10. April 1941 den Einmarsch der ungarischen Truppen in die südliche Batschka.

Als der Krieg am 22. Juni 1941 gegen Rußland begann, hatte sich Ungarn zum ersten Mal aktiv am Krieg beteiligt. Damit begann dann auch das Unglück der Deutschen in Ungarn. Der Kriegseintritt hatte sich sehr bald durch zahlreiche Einberufungen zur Honvédarmee bemerkbar gemacht. Es mußten jetzt weitere Deutsche zur ungarischen Armee. Eine weitere Folge der deutsch-ungarischen Waffenbruderschaft war das Waffen-SS-Abkommen vom 1. Februar 1942. Diesem folgten zwei weitere zwischenstaatliche Abkommen, und zwar am 1. Juni 1943 und am 14. April 1944.

Als Folge dieser Verträge wurden gemischte deutschungarische Musterungskommissionen gebildet, die das Recht hatten, für die Waffen-SS Soldaten zu rekrutieren. Nach dem 1943er Vertrag konnten die Jahrgänge 1912 bis 1925 und nach dem Vertrag von 1944 alle Wehrfähigen bis zu 60 Jahren zur Waffen-SS herangezogen werden.

Eine Musterung war auch in Gara angesetzt, konnte jedoch aus mir nicht bekannten Gründen nicht durchgeführt werden. Die Kommission zog ab, ohne ihre Arbeit getan zu haben. Obwohl in Gara keine Musterung war, hinderte dies die Waffen-SS-Kommandostellen trotzdem nicht, allen Garaer wehrfähigen Männern, die zur Musterung kommen sollten, einen Einberufungsbescheid noch in allerletzter Zeit zuzustellen. Diesen Einberufungen wurde aber nur zum Teil Folge geleistet.

Während dieser Zeit wurde auch die einzige jüdische Familie (Familie Schlesinger) aus ihrem Haus geholt und weggebracht. Ob sie überlebt hat, ist nicht bekannt.

Im Rahmen der Kinderlandverschickung kamen aus Hamburg 1942 und 1943 Kinder nach Gara. Im Herbst 1944 rückte die Front, nachdem die deutsche und ungarische Armee sich bereits über die Donau zurückgezogen hatte, immer näher.

Am 18. Oktober 1944, kamen die ersten russischen Soldaten in den Ort.

Zuerst waren es nur wenige, aber dies änderte sich sehr bald, denn Gara wurde ein Durchgangsort für große Heereinheiten.

Die Unruhe und Bedrohung durch die russischen Soldaten und die Partisanen ist unbeschreiblich gewesen. Mit ihnen kehrten Angst und Schrecken für jedermann ein. Die Frauen und Mädchen waren besonders stark davon betroffen.

Den russischen Soldaten und den Partisanen ging es nicht nur ums Requirieren von Lebensmitteln, Pferden, Wagen usw., die für die Truppen benötigt wurden, sondern sie begannen, alles aus den Häusern zu holen, was ihnen gefiel. Wehe dem, der widersprach. Schon beim Einmarsch der ersten Russen wurde ein bunjewatzischer Mann auf der Borschoder Straße erschossen. Aus welchem Grund, ist nicht bekannt.

In den Kriegswirren bei der Besetzung von Gara durch die Russen und Partisanen und der darauffolgenden Zeit sind acht Personen ums Leben gekommen. Mit dem Einmarsch der Russen begannen für die Deutschen die Robot-Aktionen in Gara und Baja (Flugplatz und Brückenbau).

Einer der schwersten Schicksalsschläge traf Gara bzw. die deutschen Frauen und Männer, die zur Zwangsarbeit nach Rußland verschleppt wurden. Der Transport ging von Baja am 6. Januar 1945 ab und kam am 23. Januar 1945 in Kadjevka an.

Wie später festgestellt werden konnte, wurden aus keinem Nachbarort so viele Menschen nach Rußland verschleppt wie aus Gara. Es wäre sicher interessant zu erfahren, warum dies so war und wer dies zu verantworten hatte. Aus der Gemeinde Csatalja wurde z.B. überhaupt niemand verschleppt.

 

Das Heldendenkmal wurde 1923 von Josef Hybl gefertigt und am 4. November 1923 feierlich eingeweiht.

 

2.5 Die Flucht

Bereits als die Rote Armee die Karpaten überschritt und immer näher kam, stand die Frage offen, was geschehen sollte, wenn sie auch in der Batschka einmarschierten.

Als die Nachricht kam, daß die Rote Armee die Theiß bereits überschritten hatte und in Richtung Donau marschierte, standen die Menschen auf der Straße zusammen und berieten, was zu tun sei. Die Meinung der Dorfbevölkerung war gespalten, aber eine Entscheidung mußte getroffen werden.

Die, die sich schweren Herzens für die Flucht entschieden hatten, mußten sofort mit den Vorbereitungen bzw. mit dem Packen beginnen.

Am 13. Oktober 1944 war es dann soweit. Am Ortsrand, in Richtung Baja, versammelten sich 194 Personen mit 43 Wagen und Pferden. Der Treck wurde zusammengestellt, und es ging gemeinsam in Richtung Baja los. Mit Tränen in den Augen nahmen die Menschen Abschied von ihrer Heimat, und es ging in die Ungewißheit, jedoch noch mit der Hoffnung, die Heimat wiederzusehen.

 

Die erste Einquartierung in Mucsfa nach der Überquerung der Donau

 

Oft mußte im Laufschritt der Kolonne nachgeeilt werden

 

Kleiner Aufenthalt am südwestlichen Rand des Plattensees

 

Die Fluchtroute führte bei Baja über die Donau, dann südlich des Plattensees, durch Sopron, über Österreich und die Tschechoslowakei, zunächst nach Niederschlesien in den Kreis Jauer und dort in die Ortschaften Thomasdorf und Einsiedel. Von den in Gara weggefahrenen 43 Wagen kamen jedoch nur wenige an. Der Treck brauchte für die Wegstrecke vom 13. Oktober bis zum 15. Dezember 1944. hinige Csikerier Familien schlossen sich unterwegs den Garaern an.

Während der Flucht hatten Menschen und Tiere mit vielen Problemen zu kämpfen. Dies fing schon mit den Wagen an. Die ungarischen Pferdewagen hatten keine Bremsen, da diese im Flachland nicht notwendig waren. Jetzt auf den zum Teil sehr gebirgigen Wegen wären aber Bremsen unbedingt notwendig gewesen. So behalf man sich mit Stangen. Ging der Weg bergab, lief jemand immer mit einer Stange neben dem Wagen her und schob diese, falls der Wagen zu schnell wurde, in die Radspeichen, um das Rad zu blockieren. Insgesamt wurden die Wege immer schlechter befahrbar, da es ja Winter wurde. Durch den Winter, die schlechter werdende Versorgung, das Übernachten in den Ställen und Scheunen starben dann auch sehr bald die ersten Menschen. Die ersten waren eine alte Frau und ein Kind. Auch die Pferde litten sehr unter diesen Umständen. Einige Flüchtlinge, bei denen es die Pferde nicht mehr schafften, mußten schon bald von den Pferdewagen auf den Zug umsteigen, andere folgten später. Als man glaubte, endlich einmal länger an einer Stelle bleiben zu können, wurde der Treck nach wenigen Wochen vom Heranrücken der Front eingeholt. Nachts hörte man schon wieder den Frontlärm. Tags darauf kamen die ersten schlesischen Flüchtlinge, überwiegend aus Breslau, durch den Ort. Jetzt mußten die in Thomasdorf und Einsiedel untergekommenen Garaer wieder alles zusammenpacken, und die Flucht ging weiter.

Die Gruppe trennte sich erneut. Einige blieben und einige Familien fuhren von Merzdorf aus Anfang Februar 1945 in einem offenen Kohlenwagen ins Sudetenland. Dort blieben sie bis Mai. Dann ging es weiter nach Bayern und 1946 dann in das Lager Ulm. Von dort aus wurden diese Flüchtlinge nach Erbach eingewiesen.

Die anderen, die noch mit dem Pferdefuhrwerk unterwegs waren, setzten ihren Weg am 21. März 1945 fort, trennten sich aber auch wieder. Einige fuhren nach Bayern und einige wieder nach Ungarn zurück. Die nach Ungarn zurückkehrenden Garaer kamen am 4. Juni 1945 in Sopron an, wo ihnen — mit einer Ausnahme — Pferde und Wagen abgenommen wurden. Sie mußten dann mit der Bahn weiter. Die Flucht war für alle betroffenen Menschen ein schweres Los. Neben den Strapazen der Fahrt mußten sie die Kälte des Winters und auch die der Menschen, die sich vielerorts abweisend den Flüchtlingen gegenüber verhalten haben, ertragen.

Der Fluchtweg, den sie gehen mußten, war und ist heute noch nicht verständlich. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, weshalb die Flüchtlinge zunächst nach Schlesien mußten, um nachher über die Tschechoslowakei nach Bayern zu gelangen. Obwohl die Flüchtlinge sehr viel während der Flucht erleiden mußten, waren sie trotz allem in keiner solch schwierigen Situation wie die nach Rußland Verschleppten. Dazu mehr im folgenden Abschnitt.

2.6 Vom Einmarsch der Roten Armee bis zur Verschleppung bzw. Internierung von deutschen Arbeitskräften nach Rußland Der Einmarsch der Roten Armee am 18. Oktober 1944 hat das Leben in Gara grundlegend geändert. Schon die Zeit nach dem Abzug der deutschen und ungarischen Truppen war sehr unsicher, denn man konnte ja nie wissen, ob nicht von Süden (aus Jugoslawien) die Partisanen noch vor der Roten Armee kommen würden. Von den Partisanen konnte ja nichts Gutes erwartet werden.

Die ansonst so fleißigen Bauern haben schon manche Arbeiten im Herbst vernachlässigt, vieles wurde überhaupt nicht erledigt. So wurde die Maisernte nicht mehr vollständig eingebracht. Auf den Feldern ruhte die Arbeit weitgehend. Die Tiere wurden, solange sie in ihren Ställen waren, noch versorgt. Es herrschte durch die eingerückten Männer und die bereits Geflüchteten ein starker Arbeitskräftemangel, und die Arbeitnehmer, z. B. Tagelöhner, waren nicht mehr bereit, Arbeiten auszuführen. Der Einmarsch der Roten Armee war kampflos vor sich gegangen.

Am ersten Tag, dem 18. Oktober 1944, kamen nur wenige Russen ins Dorf, aber das sollte sich sehr bald ändern. Schon wenige Tage später kamen über die Bácsborsoder Landstraße große Truppenverbände aller Waffengattungen nach Gara und zogen dann in Richtung Donau bzw. Mohatsch weiter. Von den in Richtung Front ziehenden Truppen blieben viele einige Tage in Gara, aus welchen Gründen ist nicht bekannt. Sie wurden hier einquartiert. Die in Gara einquartierten, wie auch die durchziehenden Truppen, haben sich im Ort mit Essen und Wein bedienen lassen.

Diese erste Zeit beim Einmarsch war eine unsichere Zeit, insbesondere für die Frauen und Mädchen. Die jüngeren Frauen taten gut daran, wenn sie sich nicht sehen ließen. Auch der viele Wein, der noch auf Lager bzw. in den Kellern war und von dem die Russen reichlich tranken, verursachte so manches Unheil. Die betrunkenen russischen Soldaten gingen den Frauen und Mädchen nach und randalierten, so daß in einigen Fällen Vorgesetzte Schwierigkeiten mit ihren eigenen Soldaten bekamen.

Während der kurzen Zeit von Ende Oktober bis Ende Dezember 1944 wurde der noch vorhandene Tierbestand, Pferde, Rindvieh, Schweine und auch das Federvieh, dezimiert. Die Russen haben die Tiere auch von den Sallaschen geholt.

Einige Zeit nach dem Russeneinmarsch kamen auch die Tito-Partisanen nach Gara. Diese konnten hier nicht so wüten wie im Banat und in der Südbatschka. In Ungarn wurde nicht so schlimm mit den Deutschen verfahren wie in Jugoslawien. Aus Gara wurde nur ein Dorfpolizist (Szabo) weggeholt, er kehrte nicht zurück. Er wurde von den Partisanen umgebracht. Als die Rote Armee einmarschierte, hat auch für die noch anwesenden deutschen Männer die Arbeit im militärischen Bereich begonnen. Eine der ersten Arbeiten war der Bau eines Militärflugplatzes südwestlich von Gara. Bei den Arbeiten auf dem Flugplatz wirkten außer den Garaern auch Leute aus der Umgebung (Vaskút usw.) mit. Neben dem Flugplatzbau gab es auch andere Arbeiten, die aber keine große Zahl an Arbeitskräften erforderten. Als an der Donau in Baja für die gesprengte Brücke eine Notbrücke gebaut werden mußte, kam es zu sehr großen Arbeitseinsätzen beiderseits der Donau. Im Umkreis von etwa 25 km um Baja wurden die arbeitsfähigen Männer zu dieser Arbeit herangezogen. Zu den Hauptarbeiten gehörten die Erdarbeiten für neue Dämme, das Herstellen von Zufahrten und Brückenköpfen usw. Die alten Zufahrten zu der gesprengten Brücke konnten nicht genutzt werden. Es mußten 500 bis 600 m neue Auffahrten gebaut werden.

Da entsprechende Großgeräte und auch Lkw. fehlten, mußten diese Arbeiten mit enormem Aufwand an menschlicher Arbeitskraft bewältigt werden. Der bereits gefrorene Boden wurde mit Pickel und Schaufel abgebaut und von Hunderten von Menschen mit einer Tragbahre (Nosilki) abtransportiert. Dies wurde bewältigt, indem von zahllosen Menschen eine unendliche Kette mit Nosilkis gebildet wurde, die sich im Kreis herum von der Abbaustelle zum Damm bewegte. Die Nosilkis durften weder zum Beladen noch zum Abladen abgestellt werden. Die Beladung ging so vor sich, daß die Träger an der Abbaustelle vorbeizogen und dort andere Arbeiter jeweils eine Schaufel voll Boden auf die vorbeigetragene Nosilki aufluden, was jedesmal auf die Arme der Träger einen Schlag gab, so daß sie am Abend ihre Arme nicht mehr spürten. So ging es bis Weihnachten und wahrscheinlich für manche noch einige Zeit weiter. Viele wurden vor Weihnachten in ihre Dörfer zurückgeschickt. Nichtsahnend waren sie glücklich, zu Weihnachten zu Hause sein zu können.

Als Weihnachten vorbei war, kam alsbald einer der schwersten Schicksalsschläge: die Verschleppung nach Rußland in die sowjetischen Zwangsarbeitslager. Die bis dahin nur als Gerücht kursierende Schreckensnachricht von der geplanten Verschleppung wurde wahr. Noch vor Jahresende, am 28. Dezember 1944, wurde bekanntgemacht, daß sich alle Frauen der Jahrgänge 1914 bis 1926 und alle Männer der Jahrgänge 1900 bis 1927 im Gemeindehaus mit einer Reiseverpflegung für vierzehn Tage zu melden hätten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren keine Frauen außerhalb des Ortes im Arbeitseinsatz. Als die Menschen im und beim Gemeindehaus versammelt waren, kam der Befehl, daß alle zu Fuß nach Baja gehen müßten. In Baja angekommen, wurden alle in das Gymnasium eingewiesen, und vor dem Gebäude postierte sich russisches Militär. Die Garaer gehörten zu den ersten, die in Baja eingetroffen waren, und so mußten sie dort warten, bis die Menschen aus den Nachbargemeinden auch eingetroffen waren. Als dann am 6. Januar 1945 genügend Menschen für einen Transport beisammen waren, ging es auch unverzüglich los. Während des Aufenthalts im Gymnasium konnten sich die Kranken bei einer Kommission melden. Die Entscheidung der Kommission erfuhren die Kranken erst im Waggon. Als bereits alles einwaggomert war, gingen einige Mitglieder der Kommission den Zug entlang und gaben die Namen der Kranken bekannt, die nach Hause gehen durften. Ähnlich wurden die Personen mit ungarischen Namen behandelt: Es kam ein Zivilist mit einem russischen Offizier und fragte, wer einen ungarischen Namen habe. So konnten noch einige wenige nach Hause. Am 5. Januar 1945 übernahm ein russisches Transportkommando die Menschen im Bajaer Gymnasium. Der Zeitpunkt der Abreise näherte sich. Das zeigte sich schon am nächsten Tag, dem 6. Januar 1945, als das begleitende Militär vor dem Gymnasium aufmarschierte und die im Gymnasium befindlichen Menschen sich mit all ihrem Gepäck vor dem Gymnasium in Viererreihen aufstellen mußten. Als sich alle aufgestellt hatten und das Gymnasium nach versteckten Personen durchsucht worden war, kam der Befehl zum Marsch in Richtung Bahnhof. Bei der Aufstellung des Marschzuges mußten sich die Frauen vorne aufstellen und die Männer dahinter. Die ganze Marschkolonne war von russischen Soldaten mit Gewehren und Maschinenpistolen umstellt. Auf dem Weg zum Bahnhof durfte kein Kontakt mehr mit den Angehörigen oder der übrigen Bevölkerung aufgenommen werden.

Als che Spitze des Zuges im Bahnhof bei dem dort bereitstehenden Güterzug ankam, begann die Ein-waggonierung. Es wurden in jeden Güterwaggon 40 Personen eingewiesen. Der Güterzug war unendlichlang, da er ja auch etwa 1000 bis 1200 Personen aufnehmen mußte; allein aus Gara kamen 296 Personen, von denen 109 im fernen Rußland sterben sollten. Das Verladen so vieler Menschen nahm erhebliche Zeit in Anspruch.

Da nicht bekannt war, wo die Reise hingehen sollte, herrschte eine große Ungewißheit, und das war der beste Nährboden für Gerüchte. Nachdem schon vorher wochenlang Zwangsarbeit geleistet worden war (Flugplatz, Brückenbau usw.), nahm niemand an, daß es nach Rußland zur Arbeit gehen sollte; vielmehr hieß es, daß es zu einem Einsatz hinter der Front gehe. Erst als der Transport in Richtung Osten fuhr, wurde es dem letzten klar, wohin die Reise ging. Der Transport setzte sich am späten Nachmittag, als es anfing, dunkel zu werden, in Bewegung. Zuerst ging es in Richtung Bácsalmás und auf einigen Umwegen nach Szeged. Von dort in Richtung Rumänien bzw. Lugos im Banat. Von da ab war es nicht mehr so leicht, unsere Route zu verfolgen, da wir hauptsächlich in der Nacht fuhren und die Bahnhöfe nicht beleuchtet waren; so konnten die Namen der Stationen nicht gelesen werden. Von Lugos aus ging es dann quer durch Siebenbürgen bzw. Rumänien, wobei die Stationen Kronstadt, Plojescht und Jassy durchfahren wurden. In Jassy mußten die Menschen von der Schmalspur (Euronorm) auf die russischen Breitspurwagen umsteigen.

Da die russischen Waggons größer als die ungarischen waren, mußte auch entsprechend mehr Menschen in jeden der Waggons. Dies bedeutete, daß bis zu achtzig Personen (und noch mehr) in einen Waggon gepreßt wurden.

Der bis hierher mitgereiste ungarische Arzt blieb zurück. Dieser Arzt hat uns von Baja bis zur russischen Grenze begleitet. Leider war er mit viel zu wenig Arzneimitteln versehen, um unterwegs effektvoll helfen zu können. An dieser Stelle möchte ich zu den Güterwagen (Güterwaggons) noch einiges sagen. Diese wurden schon vorher für den Truppentransport eingesetzt. So kam es auch, daß einige Personen bald die ersten Läuse bekamen. Die Wagen hatten zum größten Teil in der Nähe der Tür ein Loch im Fußboden, durch das die Notdurft während des Fahrens verrichtet werden konnte. Dies war nicht unproblematisch, denn man mußte sich in der Mitte des Wagens vor allen andern hinsetzen, und da die Ruhr schon ausgebrochen war und es zu Durchfall kam, reichte dieses eine Loch kaum aus. Der Zug hat auch öfters, aber unregelmäßig auf freier Strecke angehalten, und dann wurden die Menschen von der Wache herausgelassen, um die Notdurft verrichten zu können.

Welch trauriges und beschämendes Bild dies abgab, wenn notgedrungen über tausend Menschen, Frauen und Männer, alle auf einmal, vorm Zug auf einem Streifen von ca. 30 m saßen, kann man sich vorstellen. In den Waggons waren wohl kleine Eisenöfen, aber das Brennmaterial fehlte, und wenn per Zufall irgendwie etwas beschafft werden konnte, war auch nur unmittelbar um den Ofen die Wärme spürbar. Nach der Umwaggonierung in Jassy ging es über Bessarabien nach Dnjepropetrowsk. Da stand der Transport etwas länger; anscheinend mußte noch zuerst geklärt werden, wohin der Transport sollte. In Dnjepropetrowsk hielten noch weitere Transporte, die auch für das Donezgebiet bestimmt waren. Auf einmal wurde der Transport wieder in Bewegung gesetzt, und es ging gleich über den Dnjepr und, wie sich am Ende herausstellte, in Richtung Kadjewka. Nach mehreren Tagen endete der Transport auf einem Industriegleis in Kadjewka bei der Grube „Schacht Iljitsch". Hier mußten alle aussteigen und in Viererreihen Aufstellung nehmen. Dann wurden die Menschen gruppenweise in eine etwa 100 bis 150 m weit entfernte, etwas beschädigte Halle geführt und vom Transportkommandanten an den Lagerkommandanten übergeben.

Es starben während der Fahrt aber auch Leute in den Waggons. Die Toten wurden mitgeführt bis nach Kadjewka. Nachdem alle aus den Waggons ausgestiegen waren, kamen zwei Russen und nahmen von den noch vor den Waggons stehenden Frauen einige mit. Diese mußten die Toten aus den Waggons holen und an den Bahndamm legen. Später in der Nacht wurden sie dann von Männern zu der Halle hinübergetragen und neben diese gelegt. Am nächsten Tag wurden sie beerdigt. Die Zahl der Toten kann nicht mehr genau ermittelt werden, es waren ca. 17 bis 20. Auf der Fahrt durch Ungarn und Rumänien zehrte jeder noch von der mitgenommenen Verpflegung. Erst in Rußland wurde zum erstenmal Brot und ab und zu eine Krautsuppe (Borschtsch) ausgeteilt, obwohl von Ungarn etwas Verpflegung mitgenommen worden war. Es hatte auch jedermann von zu Hause so reichlich Verpflegung mitgenommen, daß manche in Rußland noch einige Wochen Speck oder sonstiges zum Essen hatten.

Der Transport hatte auch einen sogenannten Krankenwaggon, in den die Kranken gehen konnten. In ihm war mehr Platz vorhanden. Solange der Arzt aus Baja den Transport begleitete, gab es noch etwas Pflege, aber später war so gut wie keine Pflege mehr vorhanden und denen, die noch im Krankenwaggon waren, ging es nicht gut. Ein Großteil von ihnen überlebte den Transport nicht.

Als die Übergabe vollzogen war, mußten alle in das in der Halle eingebaute Bad mit Entlausungskammer. Zuerst gingen die Männer ins Bad. Nach dem Baden und Entlausen ging es mit der Lagerwache ins Lager. Dies war noch verhältnismäßig problemlos. Im Lager kamen die ersten Schwierigkeiten, denn die bereitstehenden Gebäude waren nicht geheizt und zum Teil auch ohne Betten. In den Zimmern waren gemauerte Herde, die aber nicht brannten, sondern nur rauchten. So konnten diese nicht in Betrieb genommen werden, sondern sie mußten von den Verschleppten abgerissen und fachgerecht neu gebaut werden.

Aber jetzt nochmal zurück ins Bad. Die Frauen mußten sich auf Befehl eines russischen Offizieres ebenfalls nackt ausziehen und durften nicht einmal ein Handtuch behalten, denn sie mußten ja entlaust werden. Viele der Frauen weigerten sich anfangs, sich auszuziehen, aber es gab kein Pardon. Dieses Bade- und Entlausungsritual wiederholte sich noch sehr oft im Laufe der Jahre. Ja es kam sogar noch schlimmer als beim Baden, denn auch die Haare unter den Armen und in der Schamgegend wurden geschnitten und kontrolliert.

In den Morgenstunden waren dann endlich alle im Lager. Der Weg von der Halle bis ins Lager betrug gut 1,5 km. Dieser Weg wurde in Gruppen und in Viererreihen zu Fuß mit allem Gepäck zurückgelegt, was für viele, die bereits geschwächt waren, gar nicht so einfach war. Die Menschen halfen sich gegenseitig. Erst beim ersten Appell im Lager wurde bekanntgegeben, daß es sich um das Lager bzw. um die Arbeiterbataillone 7144/1204 und 1205 in der Stadt Kadjewka handelte.

Das Lager 1204 hatte einen einzigen Eingang mit einem Wachhäuschen, das Tag und Nacht besetzt war. Es war mit Stacheldraht eingezäunt. Die Höhe des Zaunes war etwa 2,5 m; alle 3 m stand ein Pfosten. Der Stacheldrahtzaun war in der Waagrechten alle 10 cm gespannt und in der Senkrechten nach 25 bis 30 cm verflochten. An den Ecken des Zaunes befanden sich Wachtürme, von denen nicht nur der Zaun, sondern das ganze Lager eingesehen werden konnte.

Im Lager gab es mehrere zweigeschossige Gebäude mit je zwei Eingängen. Die Häuser waren aus Backsteinen gemauert, auch die Fenster waren vermauert bis auf einen etwa 25 cm hohen Streifen. Auf jedem der Flure gab es 5 Räume, jeweils rechts und links zwei, wobei der hintere etwas größer war als der vordere; der kleinste war der der Eingangstür gegenüberliegende Raum.

Jedes Zimmer enthielt Pritschen (hölzerne Lagerstätten) für je vier Personen. Von diesen Pritschen waren je nach Größe des Zimmers 3 oder 4 in einem Raum. So hatten 12 oder 16 Personen bei normaler Belegung Platz, es gab aber Zeiten, wo anstelle von 4 Personen auch 6 Personen sich den Platz teilen mußten. In diesem Falle war es vorteilhaft, wenn nicht alle in einer Schicht arbeiteten. In jedem Zimmer war oder wurde nachträglich ein Herd eingemauert. Mit den Herden gab es einige Schwierigkeiten, denn es mußte noch gelernt werden, wie diese mit der vorhandenen Kohle (sogenannte Fettkohle) beheizt werden konnten. Für das Lager existierte eine gemeinsame große Küche ohne Speisesaal. Die Speisen mußten mit einem Eßgeschirr abgeholt und auf dem Zimmer eingenommen werden. Essenausgabe gab es für jede Schicht nur zweimal. Insgesamt, bei drei Schichten, viermal am Tag, wobei die dritte Schicht zusammen mit der Tagesschicht ihr Essen erhielt. Brotausgabe war täglich nur einmal, sie erfolgte zimmerweise. Die Zimmerinsassen mußten das Brot untereinander selbst teilen, was oft zu Streitereien Anlaß gab, denn jedes Brotkrümelchen hatte seinen Wert.

In den ersten Monaten gab es noch das Lager 1205 neben dem Lager 1204. Dieses Lager bestand aus einem großen massiven mehrgeschossigen Bau. Die beiden Lager wurden aber bereits im April getrennt. Als erster kam der Transport aus Ungarn an, und zwar am 23. Januar 1945; die Reise hatte einschließlich der Einwaggonierung bis zum Tag der Auswaggonierung 18 Tage gedauert — und das im tiefsten Winter. In Ungarn lag die Temperatur wenige Grade unter 0 Grad Celsius. In Rußland sank das Thermometer, je weiter der Transport ins Innere kam, so daß es bei der Ankunft unter —20 Grad C kalt war. Zwei Wochen nach dem Transport aus Ungarn folgte der nächste Transport aus Rumänien mit Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen. Nach weiteren sieben oder acht Wochen kam ein weiterer Transport aus Oberschlesien.

Anscheinend hatte Kadjewka zu wenig Arbeit für so viele Menschen, denn es darf nicht vergessen werden, daß es neben den Zwangsarbeitslagern für Verschleppte auch noch einige große Kriegsgefangenenlager in Kadjewka gab. So wurden aus den Lagern Nr. 1204undNr. 1205 in einer Nacht Ende April 1945 mehrere hundert Personen geholt und mit Lastwagen nach Perwomaika verbracht. Einige Zeit darauf wurde das Lager Nr. 1205 von Kadjewka nach Tschudina verlegt, und das Lager Nr. 1204 bekam Filialen wie: ,,3/3 bis Schacht 36 usw.". In die grubeneigenen Lager kamen so viele Personen, wie für die dortigen Arbeiten benötigt wurden. Sie blieben aber verwaltungsmäßig beim Lager T\i. 1204. Gebäude, die sich durch die Verlegungen leerten, wurden durch die Verlegung des Zaunes aus dem Lager ausgesondert. Das Krankenrevier wurde in ein eigenes Gebäude verlegt, welches von den anderen ein wenig abseits stand. In dieser Zeit richtete man auch eine Teeküche ein, aus der jederzeit ungesüßter Tee geholt werden konnte.

Die Lagerleitung bzw. der Stab bestand nur aus Offizieren der Roten Armee und einem NKWD-(Geheimdienst) Offizier, die Wachmannschaft aus Zivilisten (Frauen und ältere Männer).

Die Offiziere hatten alle ihre speziellen Aufgabengebiete. Der Lagerkommandant zeichnete für das ganze Lager und alle sonstige Bereiche verantwortlich. Die Menschen waren verwaltungstechnisch in Kompanien (Rota) zu 200 bis 250 Personen eingeteilt. An der Spitze stand ein Offizier, in der Regel ein Unterleutnant oder Leutnant.

Ein Offizier war für die Arbeitsbeschaffung und Übe rwachung, ein anderer für die Versorgung des Lagers mit Lebensmitteln und Bekleidung usw. und ein weiterer für die Aufklärung (Propaganda) zuständig. Im Krankenrevier waren eine russische Ärztin und eine Schwester oder manchmal nur zwei Schwestern tätig. Diese wurden noch von zwei deutschen Schwestern unterstützt. Eine kurze Zeit gab es auch einen Sanitäter. Jeder Kompanie-(Rota) Offizier hatte einen Dolmetscher, und ein Dolmetscher stand dem Stab zur Verfügung.

Das Arbeitsleben im Lager lief nur langsam an. Zunächst mußten die Schmiede in die Werkstatt, um für das Lager Feuerhaken und Kohlenschaufeln anzufertigen. Sie blieben auch später in diesen Werkstätten. Als nächste kamen die Tischler und Zimmerleute mit den Maurern zum Einsatz. Die Ungelernten (Frauen wie Männer) kamen zum Kohlentransport, auf die Holzplätze, zu den Baubrigaden oder mußten untertage im Bergwerk arbeiten. Daneben gab es im Lager zwei bis drei Schneider und ebenso viele Schneiderinnen, vier bis fünf Schuhmacher, ein bis zwei Lkw-Fahrer bzw. Begleiter. In der Küche waren einige Frauen sowie sechs bis acht Personen als Heizer in zwei Schichten beschäftigt. Die ersten sechs bis neun Monate waren die schlimmste Zeit. Die Umstellung in der Nahrung, von der es viel zu wenig gab, die große Kälte, die ungewohnte Arbeit untertage, der anstrengende Transport und damit verbundene Krankheiten waren die Ursachen der vielen Toten (täglich bis zu 25 Tote) im Lager, und dies wochenlang. Die ausweglose Situation, die vielen Toten täglich und die deprimierende Lage der Menschen entmutigte auch sehr viele, was sich wiederum sehr negativ auswirkte. Die Toten wurden täglich von einem Lastwagen aus dem Krankenrevier und aus den Wohnblöcken abgeholt und auf den Friedhof gefahren. Auf dem Friedhof wurden von Männern aus dem Lager größere Gruben ausgehoben, in denen die Toten beerdigt wurden. Es gab aber eine Zeit, in der der Boden so stark und tief gefroren war, daß es unmöglich war, die Gräber tief genug auszuschachten, so daß die Toten im Frühjahr umgebettet werden mußten. Als später die Zahl der Toten zurückging, wurden Einzelgräber für jeden ausgehoben. Nach und nach lief die Arbeit dann voll an, und jeder, der arbeitsfähig war, hatte seine Arbeit. Aus dem Hauptlager Nr. 1204 arbeiteten die meisten Männer und Frauen in den Aufbaubrigaden im Schacht Iljitsch, der total zerstört war. Dort mußten Maschinenhäuser für zwei Fördermaschinen und alle dazugehörenden Gebäude (zum Sortieren, Be- und Entladen der geförderten Kohle) errichtet werden. Hinzu kamen noch das große Verwaltungsgebäude und die Umkleideräume mit einem großen Bad. Im Endzustand sollten in der Grube etwa 4000 Personen in drei Schichten arbeiten. Auch auf dem grubeneigenen Holzplatz arbeiteten mehrere Männer. Ihre Aufgabe war es, die Waggons mit Holz für die Grube zu entladen und das Holz auf dem Holzplatz zu lagern, bis es von Arbeitern des Sägewerkes abgeholt wurde.

Eine andere größere Gruppe bestand aus Transportarbeiter/innen. Sie mußten die damals schon in anderen kleineren Gruben geförderte Kohle von den Halden in die Waggons laden. Dies geschah mit Hilfe von Tragen (Nosilkis), die von jeweils zwei Frauen getragen werden mußten. Die Verladearbeiten wurden bei jedem Wetter (weder Kälte noch Regen oder Sturm waren ein Grund, die Arbeit ruhenzulassen) durchgeführt. Erschwerend war, daß die Arbeiten im Freien verrichtet werden mußten und es noch Winter und bitter kalt war. Es gab kaum die Möglichkeit, sich aufzuwärmen; zudem wurde dies von den russischen Aufsehern nicht oder nur in sehr engen Grenzen geduldet. Die Bekleidung, die die Frauen von zu Hause mitgebracht hatten, entsprach nicht den Erfordernissen für den Winter in Rußland. Nach einiger Zeit wurden sie aber dann mit Wattejacken und Hosen bekleidet, und einige bekamen auch Filzstiefel. Die Beladung der Waggons geschah, mangels Technik, so, daß immer zwei Personen, Frauen und Männer, mit einer Trage (Nosilki) die Kohle in die Wagen trugen. Dazu muß bemerkt werden, daß die Normen für die entkräfteten Menschen viel zu hoch waren. Von den Frauen, die in der Mehrzahl waren, wurde pro Schicht die Beladung von 18 Tonnen, von den Männern von 20 Tonnen gefordert. Die Kohle mußte auf die Trage geschaufelt, in den Waggon getragen und dort abgekippt werden. Diese körperliche Belastung hielten die Menschen bei dem schlechten Gesundheitszustand und der Verpflegung nicht durch und wurden von Tag zu Tag schwächer, bis sie bei der Arbeit starben. An den meisten Tagen reichte die normale Arbeitszeit nicht aus, um die Norm zu erfüllen; daher mußten Überstunden gemacht werden.

Die Handwerker, wie Schmiede, Schlosser, Tischler, Maurer und Zimmerer konnten größtenteils in ihren Berufen arbeiten und hatten es dadurch etwas besser. Am schwersten hatten es diejenigen, die gleich in die kleinen Kohlengruben (Notgruben) zur Arbeit eingeteilt wurden. In diesen Gruben wurden die obersten Schichten von Kohle, die in etwa 60 bis 150 m Tiefe lagen, ausgebeutet. Die Arbeit in diesen engen Gruben war für unsere Menschen besonders belastend, denn sie hatten doch als Landwirte immer im Freien, ohne jegliche Einengung, gearbeitet.

Um dies zu erläutern, einige Anmerkungen zu den Arbeiten in den kleinen Gruben. Die Gruben hatten keine senkrechten Schächte zum Ein- und Ausfahren, sondern nur eine schiefe Strecke mit Gleisen, auf denen die Loren mit einer Winde hinunter gelassen bzw. herausgezogen wurden. Es kam kein Förderkorb, so mußte man auch hinunter und hinauf gehen, allerdings erst nach der Schicht. Das Herauskommen war schon sehr beschwerlich. Die Kohlenschichten in diesen Gruben waren in der Regel so um die 60 cm stark und mußten mit dem Pickel, also von Hand, abgebaut werden. Diese Arbeit erledigten die Männer. Die Frauen mußten die Kohle im Flöz bis zum darunter liegenden Gang weiterschaffen, wo sie in die Loren geladen wurden. Der Transport im Flöz war sehr schwierig, wenn es sich um eine nur mit kleinem Gefälle versehene Kohleschicht handelte. In solchen Fällen mußten die Frauen mit einem Stück Brett die Kohle unter sich selbst ziehen und dann mit den Füßen weiter bis zur nächsten Arbeitskollegin stoßen usw., bis die Kohle im unteren Gang war. Die Frauen bekamen durch diese Haltung dicke, wäßrige Knie und Ellenbogen, was natürlich sehr schmerzte. Um solche schwere Arbeit zu verrichten, gab es zu wenig und zu wenig nahrhafte Verpflegung, obwohl die Grubenarbeiter das meiste Brot pro Tag bekamen. Anfangs erhielten sie 1000 gr. später 1200 gr. sowie eine etwas größere Portion Hirse oder Gerstelbräu (Kascha). Zusätzlich gab es ab und zu noch sogenannte „Taloné", für die man ein wenig Speck, Fleisch oder Zucker einlösen konnte. Allerdings wurden diese Taloné sehr sparsam an Leute des Lagers gegeben.

Das wichtigste Nahrungsmittel war das Brot. Die erhaltene Brotmenge richtete sich nach der Arbeit, die der einzelne verrichtet hatte bzw. verrichten mußte. So bekamen die Grubenarbeiter (untertage) 1200 gr., die Holzarbeiter und die Transportarbeiter 1000 gr., die übertage beim Bau Arbeitenden 800 gr., alle anderen 500 gr. Brot. Allerdings gab es Zeiten, in denen diejenigen, die im Lager selbst Arbeiten zu verrichten (Küchenpersonal, Schneider, Schuhmacher usw.) hatten, nur 300 gr. Brot bekamen. Die Qualität des Brotes war nicht die beste, zudem enthielt es sehr viel Wasser.

Der erste Krankentransport ging im Herbst (Oktober/November) 1945 nach Hause. Leider erfolgte er aber für sehr viele zu spät. Der nächste Krankentransport wurde im Herbst 1946 zusammengestellt. Die ersten Nachrichten aus den Lagern, kamen mit dem ersten Krankentransport Ende 1945 zu Hause an. Die kranken Heimkehrer konnten berichten, wer noch lebte oder wer verstorben war. Im Frühjahr 1946 brach Typhus aus. Da das Lager nicht gesperrt (isoliert) werden durfte, mußten alle Typhuskranken nach Irmino in ein Seuchenkrankenhaus gebracht werden. Von dort kamen die wenigsten zurück. Es muß auch bemerkt werden, daß bereits im Frühjahr 1945 Typhus vermutet wurde, woraufhin zwei Baracken im Lager isoliert wurden. Nach zwei Wochen stellte sich heraus, daß der Verdacht unnötig war. Daraufhin wurde der Zaun abgerissen, und das Lagerleben ging weiter. Im Jahre 1946 (Herbst) wurden wieder Kranke nach Hause geschickt, die an Dystrophie litten, d. h. bis auf die Knochen abgemagert waren. Die Kranken wurden zum Teil bei Routineuntersuchungen ausgesucht. Die Untersuchung ging folgendermaßen vor sich: Alle Lagerinsassen mußten vor einer Kommission erscheinen, sich entkleiden, vor die Kommission treten und sich einmal drehen. War eine Person schon sehr abgemagert, so wurde am Gesäß die Haut mit Daumen und Zeigefinger etwas zusammengedrückt, blieb die Haut beieinander, dann wurde der Betreffende als Dystrophiker erklärt, von der Arbeit freigestellt und kam in den Wartestand als sogenannter Heimkehrer. Wenn der Betreffende Glück hatte und noch den nächsten Krankentransport erlebte, konnte er die Heimfahrt antreten. Die Kommission bestand aus einem Arzt, zwei bis drei Offizieren und den Krankenschwestern aus dem Lager. Die Kranken, die organische Leiden hatten, mußten in die Poliklinik zur Untersuchung. Bis zum Frühjahr 1946 bestand überhaupt keine Verbindung mit den Angehörigen in der Heimat. Es durfte weder geschrieben noch konnten Briefe empfangen werden.

Als über die ersten Rotkreuzkarten die Nachricht der Vertreibung in die Lager kam, schwand für viele die Hoffnung, je die Heimat wiederzusehen. Jetzt quälte noch eine weitere schwere Last die sowieso schon geschundenen Menschen: ob und wo sie überhaupt ihre Angehörigen je wiedersehen würden. Die ersten Rotkreuz-Doppelkarten (Antwortkarten) für Kriegsgefangene und für Verschleppte kamen im März/April 1946 ins Lager und wurden verteilt. Es bekamen aber bei weitem nicht alle Karten, um zu schreiben. Die ersten Karten durften nur eine gewisse Zahl Wörter enthalten, später konnte die ganze Karte vollgeschrieben sein. Diese Karten waren sehr lange unterwegs, denn alle mußten über eine Moskauer Zentrale gehen. Nach einigen Monaten durften fast alle Lagerinsassen schreiben, so daß sich der Schriftverkehr zwischen dem Lager und der Heimat normalisierte.

Die ersten Karten aus Rußland brachten für viele Menschen in der Heimat eine ,,gute" Nachricht, denn diese wußten jetzt, daß ihre Angehörigen noch am Leben waren. Aber viele, die keine Post bekamen, traf es hart, denn sie hatten jetzt die traurige Gewißheit, daß ihre Angehörigen nicht mehr am Leben waren. Es gab Familien, die es besonders hart getroffen hat, die zwei oder sogar drei Familienangehörige verloren hatten.

In dieser Zeit erreichte die Schreckensnachricht aus der Heimat die Gefangenen, daß in Ungarn mit der Vertreibung der Angehörigen, auch aus Gara, begonnen wurde. Nach jeder Postverteilung wurde gegenseitig gefragt: ,,Ist deine Familie noch in Gara oder nicht?" Und wenn die Post zwei bis drei Monate ausblieb, war es in der Regel so, daß die nächste Post nicht mehr aus Gara kam, sondern irgendwo aus Deutschland, aus der US-Zone. Eines Tages (1947) erhielten Garaer auch Post aus der russischen Zone, was soviel hieß, daß Garaer auch dorthin vertrieben worden waren. Viele der Lagerinsassen konnten sich gar nicht vorstellen, wo ihre Angehörigen in Deutschland damals waren. Aus den Absender-Orten konnte man auch ersehen, wie weit die ehemalige Dorfgemeinschaft bzw. die Verwandtschaft zerstreut war. Für uns im Lager in Rußland stellte sich die Frage, wie wir jemals mit unseren Familien wieder zusammenkommen sollten, denn im Lager hieß es, daß jeder dorthin zurück müsse, von wo er verschleppt worden war. Gott sei Dank, es kam nicht so. Einige Wochen, bevor die Heimreise im Herbst 1949 anstand, konnte sich jeder melden, der nicht in das Verschleppungsland zurück, sondern zu seiner Familie in den Westen oder auch in die russische Zone wollte. Dies war für viele eine große Erleichterung und ersparte viel Kummer und Strapazen. Diejenigen, die sich nach Ungarn entlassen ließen, mußten jahrelang warten, ehe sie von dort zu ihren Kindern oder Eltern nach Deutschland kommen konnten. Diejenigen Männer, die vormals Dienst bei der Waffen-SS taten, mußten in Ungarn nochmals in ein Lager (Tiszalök) und wurden beim Staudammbau eingesetzt. So war die Situation bis zum Nachsommer 1947. Dann gingen Gerüchte im Lager herum, daß das Lager Nr. 7144/1204 aufgelöst würde. Im August 1947 wurde es ernst mit der Auflösung. Die Filiallager ,,3/3-bis" und „Schacht 36" wurden zum Teil aufgelöst oder an andere Lager angegliedert. Das Hauptlager wurde innerhalb von zwei Wochen nach Tschutina ins Lager Nr. 7144/1205 verlegt. Dies bedeutete auch, daß die meisten Lagerinsassen ihren Arbeitsplatz wechseln mußten. Die Gebäude des Lagers Nr. 7144/1204 wurden wieder zu Wohnungen umgebaut.

Das Lager Nr. 7144/1205 in Tschutina bestand aus einem T-förmigen Hauptgebäude und einem Krankenrevier sowie aus einem Bad mit Entlausungskammer. Es handelte sich um alte massive Gebäude. Das Lager Nr. 7144/1205 hatte einen sogenannten eigenen Schacht, den „Schacht 45" bzw. war ein Schacht eigenen Lagers. In dieser Grube arbeiteten fast alle Lagerinsassen. Nur der Chef (Natschalnik) und ein bis zwei Techniker der Grube waren Russen. Die Grube wurde im wesentlichen von Lagerinsassen geführt. Die Vorarbeiter und Schichtführer waren vom Lager. Diese Grube brachte immer gute Leistungen und die dort Arbeitenden bekamen auch einen relativ guten Lohn.

Hier muß eingefügt werden, daß die Arbeiter in den Zwangsarbeitslagern oder Internierungslagern ihre Arbeit unmittelbar bezahlt bekamen und sich für dieses Geld selbst verpflegen mußten. Für die Unterkunft im Lager, Licht und sonstiges wurde ein Viertel bis zu einem Drittel vom Arbeitslohn abgezogen. Aber schon das Essen in der Lagerküche mußte jeder selbst bezahlen.

Ein erfreuliches Ereignis trat nach dem Umzug nach Tschutina für die Frauen aus Ungarn ein. Diese brauchten in Tschutina nicht mehr zur Arbeit gehen. Sie wurden zur Heimfahrt vorbereitet. Der Transport mit den Frauen ging dann Ende Oktober 1947 in Richtung Ungarn.

Dieser Anfang gab den Zurückgebliebenen ein wenig Hoffnung, daß es für sie auch bald ein Wiedersehen in der Heimat geben würde. Dies sollte sich allerdings nicht bewahrheiten, denn die im Lager Zurückgebliebenen mußten noch weitere zwei Jahre im Lager verbringen.

Das Jahr 1947 hatte noch eine Überraschung parat, nämlich die Währungsreform am 17. Dezember 1947, d. h. die Abwertung des Rubels. Der Rubel wurde 10:1 abgewertet, und gleichzeitig wurde die Lebensmittelbewirtschaftung aufgehoben. Die Lebensmittelkarten, die bis dahin eine sehr wichtige Sache waren, verschwanden. Alle Menschen im Lager hofften jetzt auf eine bessere Zeit bzw. auf eine bessere Versorgung. Fürs erste hatte sich so gut wie nichts geändert. Die Karten waren zwar abgeschafft, und theoretisch konnte man alles kaufen. Das Problem war nur, überhaupt etwas zu bekommen und genügend Zeit zu haben, um es kaufen zu können. Denn von nun an bildeten sich jeden Tag lange Schlangen vor den Magazinen (Läden). Morgens stand man Schlange um Brot und anschließend für andere Lebensmittel. Im Lager wurde noch einige Monate die Küche so weitergeführt wie bisher. Die Situation insgesamt war jetzt doch besser, denn die Qualität des Brotes stieg, und wenn man Glück hatte, konnte man auch ab und zu zu einem Laib Weißbrot kommen. Es dauerte allerdings lange, bis die Versorgung mit Lebensmitteln in den offiziellen Läden einigermaßen besser wurde. Nur auf dem Bazar (Markt) ging es schneller, das Angebot wurde etwas besser, und die Preise gingen herunter.

Auch im Lager Nr. 7144/1205, das ebenfalls zwei Filiallager hatte, („Irmino 1 und Irmino 2") wurde die Lage langsam, aber stetig besser. In der Küche verbesserte sich die Qualität des Essens, denn jetzt war ja niemand mehr gezwungen, in der Küche zu essen. Da jeder seinen Lohn in die Hand ausbezahlt bekam, konnte er sich auch selbst versorgen. Da die Küche besser wurde, ging die Mehrheit der Männer dorthin zum Essen. Es gab schon echten Borschtsch (Krautsuppe), nicht nur Wasser mit etwas Kraut drinnen, und die saure Gurken- und Tomatensuppe verschwand gänzlich. Das Angebot und die Portionen wurden größer. Von nun an gab es auch Fleischgerichte, zwar nicht viele und nicht immer, aber es gab immerhin welche. Man konnte auch ab und zu einmal Kuchen bekommen.

Im Lager existierte eine Musikkapelle, der in den Jahren 1945 bis 1947 nicht allzuviel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Sie kam jetzt immer mehr zu Ehren. Es wurde Musik gespielt und auch getanzt. Im Lager baute man schließlich eine Bühne und davor eine Tanzfläche. Kriegsgefangene und Lagerleute veranstalteten Theateraufführungen und Gesangsabende.

So gingen dann die Jahre 1948 und 1949, in denen das Leben im Lager schon erträglicher geworden war und die Menschen sich mit ihrer Arbeit nicht unbedingt angefreundet, aber abgefunden hatten, vorbei. Ende 1949 (November) sollten die ersten entlassen werden, und zwar die Oberschlesier. Sie waren schon bereit und gingen nicht mehr zur Arbeit, als die bittere Nachricht kam, daß Polen sie nicht einreisen lassen wollte. So mußten sie die Arbeit wieder aufnehmen, und es ist nicht bekannt, wann und wohin sie später entlassen wurden; aber ich hoffe, daß sie es auch wie die anderen geschafft haben, vor Weihnachten zu ihren Familien zu kommen, um Weihnachten 1949 wieder im Familienkreis zu feiern. Als erste wurden dann die entlassen, die nach Deutschland-Ost und West wollten. Wenige Wochen später ging der Transport nach Rumänien und Ungarn. Die traurige Bilanz ist, daß es bei den Lagerinsassen, die aus Gara stammten, nach bisherigen Ermittlungen 109 Tote (82 % Männer und 18 % Frauen) gab, für die es kein Wiedersehen mit der Familie gegeben hat.

Wenn diese Folgerung richtig ist, bliebe zu klären, welches die Gründe der Personen waren, um von Gara so eine große Zahl von Deutschen nach Rußland verschleppen zu lassen.

Bei dieser Gelegenheit muß man sich fragen, wer die Verantwortlichen waren, die damals in Gara die Verschleppung organisierten. Eine Regelmäßigkeit der Anzahl der Verschleppten in Beziehung zur jeweiligen Gemeinde läßt sich nämlich nirgends feststellen. Daraus kann wiederum geschlossen werden, daß nicht die Besatzer die Anzahl der Menschen festgelegt haben, sondern es müssen Personen aus der Gemeinde selbst gewesen sein, die dafür verantwortlich zeichnen.

In den psychischen Zustand der Verschleppten geben die nachstehenden Verse: „Am Rande von Kadjewka", „Gebet in der Fremde" und „Heimweh" einen Einblick. Die Verfasser dieser Zeilen sind mir nicht bekannt. Die Zeilen sind aber von Hand zu Hand gereicht und somit erhalten worden. In den Versen spiegelt sich die Not der Menschen fern von der Heimat wider. Dazu muß angemerkt werden, daß lange Zeit noch die Hoffnung für die Überlebenden bestand, in die geliebte Heimat zurückkehren zu können.

 

Am Rande von Kadjewka

Am Rande von Kadjewka eine Baracke dort stand,

Die armen Internierten, die stehen an der Wand,

Sie klagten ihr Schicksal, ihr Herz war so schwer,

Sie haben keine Heimat, keine Zuflucht mehr.

 

Schau in die Ferne, Du armer Internierter,

Dort warst Du ja glücklich und selig,

Wir sind verbannt auf Rußland hinein,

und Viele von uns, die kehrten nicht heim.

 

Hörst Du eine Sirene, wir müssen auf Arbeitsort,

Dort geht den ganzen Tag 'dawei' und 'bistra' fort.

Mit hungrigem Magen, mit schwerem Sinn.

Sie haben keine Erbarmung und auch kein Gefühl.

 

Die Winde, sie wehen, sie nehmen uns mit,

Unsere matten Glieder, wir haben kein Schritt.

Die Kleider zerrissen, die Schuhe dahin,

Bald gehen wir im Adamskostüm.

 

Nach finsteren Tagen gibt es Sonnenschein.

Der Überrest kehrte in die Heimat heim,

Gekommen ins volle Glück,

Denkt mancher oft an das Schicksal zurück.

 

Schau in die Ferne, Du Heimkehrender,

Dort hast Du so viel bittere Stunden verlebt.

Jetzt bist Du daheim in vollem Glück,

Denkst oft und vielmals an das Schicksal zurück.

 

 

Gebet in der Fremde

Lieber Gott, laß uns nicht untergehen,

die wir heimatlos in der Fremde stehen.

Herr, hilf in dieser Not,

gib uns Obdach und täglich Brot.

Herr, hab Mitleid und Erbarmen

mit uns allen schuldlos Armen.

Alles hat man uns genommen,

Glück und Freude sind zerronnen.

O Herr, gib uns doch die Heimat wieder,

wo wir sangen frohe Lieder,

wo uns Feld und Vogel grüßen.

Dort laß uns die Augen schließen,

daß wir vereint mit unseren Lieben,

die längst schlafen dort in Frieden.

Erst dann finden wir die Ruh,

wenn uns deckt die Heimaterde zu.

 

Heimweh

1. In meiner Heimat, da war es schön, könnt ich nur einmal heimwärts gehn. Ich bin jetzt im fremden Land, ja verschleppt von Feindeshand, doch hoffen wir auf ein Wiedersehen, wer weiß, wann das noch wird geschehen.

2. Wir sind im fremden Land verschleppt, weil der Feind uns hat als Kriegsverbrecher verklagt, doch unser Unschuld wird kommen an den Tag, wir hoffen sehr aufs Wiedersehen, das in der Heimat soll geschehn.

3. Es war ein schwerer Weihnachtstag, als man uns die Botschaft bracht, es war gesagt, auf ein paar Tag soll man auf Arbeit in der Stadt, da hofften wir, das Wiedersehn wird in kurzer Zeit geschehn.

4. So hat man uns so sehr bedroht und mit Pistol fortgeholt, im Winter ja, bei Eis und Schnee, mußten wir von unserer Heimat gehn und hofften auf ein Wiedersehn.

5. Vor meinem Elternhaus dort blühten Blümelein, Blümlein blühten aller Art, dort hat ich meine schönsten Stündlein, die ich erlebt hat, ich hoffe auf ein Wiedersehn, doch Gott weiß, wann das wird geschehn.

6. Die Blümlein hatten alle Farben, sie welken ja längst daheim, weil ich im fremden Land muß sein und nicht mehr zu Hause bin, ich hoffe auf ein Wiedersehn, doch wer weiß, wann das wird geschehn.

7. Mein Herz war einst den Blümlein gleich, jetzt aber ist es tränenweich, die Sehnsucht trieb uns hin und her, das Heimweh quält uns gar so sehr. Ich hoffe auf ein Wiedersehn, das in der Heimat soll geschehn.

8. Wenn von Euch zu Haus niemand weiß auf Erden, was Sehnsucht heißt, wenn man ist im fremden Land und sogar in Feindeshand; ich hoffe auf ein Wiedersehn, das schon viele Jahre nicht ist geschehn

9. Vor meinem Elternhaus dort steht ein Blümlein, das immer sanft und kräftig war, das trauert auch und welket ab, weil ich geschieden bin schon ein Jahr, doch hoffen wir aufs Wiedersehn, wer weiß wann das noch wird geschehen.

10. Alles weint und klagt um mich, weil es mir geht bekümmerlich, die Arbeit ist viel und schwer, wobei es uns hungert so sehr; doch hoffen wir aufs Wiedersehn, wer weiß, wann das noch wird geschehn.

11. Denkt einmal drüber nach, wir sind einmal eine große Zahl, die da weinen und traurig sind, und hoffen auf ein Wiedersehn, Gott weiß, wann das wird geschehn.

12. Oft tragen mich die Engelein im Traum zu meinen lieben Eltern heim, dann ist mein Herz so froh und leicht und glücklich wie im Himmelreich, denk ich an das Wiedersehn.

13. Und wenn ich dann im Schlaf erwacht, dann ist vor mir die dunkle Nacht, dann wird mein Herz mir wieder schwer und muß dann weinen also sehr und hoffe dann auf ein Wiedersehn, das in der Heimat soll geschehn.

14. Oft träume ich von vergangenem Glück und führt uns in die schöne Zeit zurück in unsere freien Stunden, die so schleichend sind dahingeschwunden, wir hoffen auf ein Wiedersehn, das in der Heimat soll geschehn.

15. Der Frühling unser Jugend Jahren muß in Rußland hier vertagen, wir müssen großes Leid ertragen, und so viele werden so jung ins Grab getragen. Sie hoffen alle aufs Wiedersehn, das doch auf Erden nicht mehr kann geschehn.

16. Gar viele unserer Kameraden sind schon hier im fremden Land begraben, kein Blümlein ziert den Grabes Hügel, niemand ist, der eine Träne weinet dort. Sie hofften aufs Wiedersehn, das doch auf Erden nicht kann geschehn.

17. So viele ruhen schon im fremden Land, wo der Tod zerriß den Ehestand, wo eines das andere doch so treu geliebt hat. Sie hofften auf ein Wiedersehn, das nur im Himmel kann geschehn.

18. So mancher Mann noch im Kampfe stand, als sein Weib ihm hier möchte reichen sterbend die Hand. Die Sehnsucht nach der Heimat noch im Tode ringt, weil sie nicht sieht ihren Mann und Kind. Sie hofft noch auf ein Wiedersehn, bis sie schon muß zum Grabe gehen.

19. Wie viele Waisen-Kinderlein fragen, wann kommen meine lieben Eltern heim, wo doch der Tod sie ihnen beide nahm. Ach Gott, wer nimmt sich dieser armen Kinder an, tröstet Euch, es gibt ein Wiedersehn, es wird einst im Himmel geschehn.

20. Es ist gewiß ein großer Schmerz, auch für so mancher Mutter Herz, die ihre Kinder in die Fremde hat gegeben und vielleicht keines mehr davon am Leben. Sie hoffen auch aufs Wiedersehn, es wird im Himmel geschehn.

21. Dieser Krieg, der schrecklich war, er hat die Menschen so zerstreut, daß sie vergessen alle Freud, sie hoffen alle aufs Wiedersehn, doch Gott weiß, wann das noch wird geschehn.

22. Oft sehen wir bei Nacht im Traume unsere Lieben verlassen stehen daheim, alles, wo ihnen alles nahm, und von der Heimat müssen alle fort; wir hoffen auf ein Wiedersehn doch wer weiß, wann das noch wird geschehn.

23. Keine Orgel, keinen Glockenklang hört man hier an keinem Tag; man kann nicht in die Kirche gehen und hoffen auf ein Wiedersehn, das bei unseren Lieben soll geschehn.

24. Dann werden unsere Leiden doppelt schwer, wenn wir denken, wir haben keine Heimat nicht mehr. Wo können wir dann in der blinden Welt unsere Lieben wieder finden? Wo gibt es dann ein Wiedersehn, wenn in der Heimat es nicht mehr kann geschehn?

25. Es ist so traurig hier im fremden Land, es ist nicht zu vergleichen mit unserem Heimatland, die Menschen sind umgekehrt, sie glauben an Gott nicht mehr, darum ist das Leben hier so schwer, ja drum auch so große Not. Wir hoffen auf ein Wiedersehn, das in der Heimat soll geschehn.

26. Ihr könnts ja nicht begreifen, wie groß der Schmerz und Leiden und unser Tränen volles Herz. In der Heimat ist ein Wiedersehn, da scheint es uns, als könnte es nie geschehn.

27. Und kehren wir einst nicht mehr heim, so soll es unser Abschied sein. Lebt wohl, ihr Eltern und Geschwister mein und alle Witwen und Waisenkinderlein. Hofft nur aufs Wiedersehn, das einst im Himmel kann geschehn.

28. Ja, trüb ist unser Lebenslauf, doch wir blicken oft zum Himmel auf und lassen alle grüßen, die Menschen sein, denn helfen kann nur Gott allein.

29. Denkt an uns an einem Tag, weil wir so unbewußt von Euch geschieden und müssen unser junges Leben dem Feind als Kriegsschuld geben, wo viele müssen hier zu Grabe gehn.

30. Wir wollen an Jesus Christus unser Beispiel nehmen, daß auch wir werden auferstehen, dann blühen auf Dornen unserer Leiden Rosen. Wir hoffen auf ein Wiedersehn, wenn nicht so soll es im Himmelreich geschehn, wenn nicht hier, so wollen wir dort ewig beieinander sein. Die Eltern bei ihren Kinderlein. Dort trennt uns kein böser Feind, da wird das Wiedersehn ja niemals mehr vergehen.

 

Das deutsche Küchenpersonal kurz vor der Entlassung der ungarndeutschen Frauen in ihre Heimat
(Herbst 1947)

 

Die begehrten Postkarten, um den Angehörigen ein Lehenszeichen übermitteln zu können.
(Vom 27. Mai 1946 und 5. April 1947)

 

 

 

Entlassungsschein
aus der russischen Internierung bzw. Verschleppung

 

Eine Arbeitsgruppe der Grube („Iljitsch") in Kadievka 1949. Auch sie warten schon auf ihre Entlassung

 

Heldendenkmal mit den Gefallenen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges sowie den in den Arbeitsbzw. Verschleppungslagern verstorbenen Garaern. Neue Beschriftung von Aladzsits Mato

 

2.7 Opfer des Zweiten Weltkrieges

(Neben die Namen der Deutschen wurden — soweit bekannt — die alten Hausnummern (Herbst 1944) gesetzt)

 

Gefallen in der

ungarischen Armee deutschen Armee jugoslawischen Armee

1. Aladzsits Ivan

2. Aladzsits Josso

3. Bundits Josso

4. Brunner Valentin, 464

5. Cupits Andria

6. Danis Ferenc

7. Dorn Josef

8. Dujmov Mato

9. Einwiller Franz, 505

10. Gatti Josef, 77

11. Gatti Peter, 155/56

12. Gugan Stipan

13. Hoffmann Karl, 502

14. Holpert Ferenc

15. KnipfJohann, 366

16. Knipf Stefan, 225

17. Kricskovits Josso

18. Krix Lorenz, 1 1

19. Kubatov Benco

20. Matheis Georg, 289

21. Osztrogonac Antun

22. Peller Josef, 559

23. Probojats Martin

24. Roth Stefan, 42

25. Sibalin Nikola

26. Schmidt Josef, 30

27. Székely József

28. Schopper Georg, 540

29. Sujer Sebastian, 207

30. Tadits Martin

31. Till Johann, 779

32. Wildmann Stefan, 236

33. Wolfart Stefan, 115

34. Zirschka Franz, 268

35. Zorn Johann, 433

36. Zuck Peter, 222

37. Zsemberi Béla dr.

1. Amberg Jakob, 596

2. Braunstein Jakob, 672 a

3. Fleischer Stefan, 808

4. Heringer Sebastina, 558

5. Hiesl Paul, 746

6. Höger Nikolaus, 348

7. Husowitsch Mathias, 696 c

8. Kling Stefan, 130

9. Knipf Georg, 429

10. Leml Anton, 666

11. Matheis Josef, 117 a

12. Mészáros Stefan, 29 a

13. Müller Wendelin, 338

14. Peller Andreas, 769

15. Peller Paul, 213

16. Pentz Andreas, 595

17. Rapits Marko

18. Schafhauser Rudolf, 810

19. Striegl Franz, 471 g

20. Striegl Stefan, 434

21. Till Georg 3

22. Turi Michael, 471 f

23. Turi Peter, 303

24. Wagner Johann, 776

25. Wolf Adam, 472

26. Zuck Johann, 208

1. Andrin Stipan

 

Heldengedenken

Tageshelle neigt sich 'gen Westen,

Sonne hinterläßt Berg und Tal.

Im Abendrot steh'n viele Zeichen,

Weisen uns auf die Tat der Besten.

Ihr Kampf, der war uns Heldentat,

Ihre Zeit der Jugend — kleines Weilen.

Sie waren im Kampf die ersten,

Die ersten, die trugen wir zu Grab;

Sie mußten von uns scheiden.

— Aber Ihr! Ihr ward nicht die letzten.

Euch folget in beispielloser Tat,

Wie es steht dort aufgezeichnet.

Man sieht Euch dort im Leben und Sterben,

Euern ganzen Weg und Lebensbaum.

— Es war am Abend unter den Sternen,

Als ich wieder bei Euch — im Traum!

 

Jakob Rettig

Gara (Batschka)

 

Die in den Arbeits- bzw. Verschleppungslagern Verstorbenen Garaer

1. Augmann Peter, 582.

2. Becher Josef, 4903.

3. Bischof Adam, 502

4. Bischof Andreas, 273

5. Bischof Anton, 92

6. Bischof Anton, 586

7. Bischof Stefan, 302

8. Breitigam Maria, geb. Peller, 503

9. Dorn Katharina, 72

10. Eberhardt Maria, geb. Wolfart, 264

11. Eberhardt Stefan, 179

12. Eifried Stefan, 44

13. Einwiller Anton, 253

14. Einwiller Mathias, 523

15. Eimer Adam, 590

16. Eimer Martin, 565

17. Eimer Peter, 270

18. Engart Johann, 637

19. Engart Josef, 641

20. Engart Martin, 501

21. Engart Wendelin, 641

22. Feldes Anna, geb. König, 644

23. Feldus Josef, 91

24. Feurer Johann, 649

25. Fleischer Adam, 524

26. Follard Theresia, geb. Thiel, 431 a

27. Gatti Johann, 603

28. Gatti Josef, 388

29. Gatti Maria, geb. Knipf, 285/86

30. Ginder Anton, 52

31. Glasenhart Mathias, 572

32. Gauges Katharina

33. Harbeit Anton jun., 554 a

34. Heffner Andreas, 282

35. Heibili Andreas, 565

36. Heibili Anton, 178

37. Henerari Vinzens, 203

38. Heringer Anton, 291

39. Heringer Josef, 291

40. Jung Franz, 41

41. Jung Katharina, geb. Pentz, 384

42. Keiner Johann, 454

43. Keinrath Anton, 290

44. Keinrath Eva, geb. Rutterschmidt, 290

45. Keinrath Stefan, 290

46. Keinrath Stefan, 86 a

47. Kling Anton, 67

48. Kling Josef, 246

49. Kling Peter, 64

50. Knipf Julianna, geb. Eimer, 459/60

51. Knipf Maria, 417

52. Leml Josef, 442 b

53. Locher Georg, 513

54. Locher Josef, 554

55. Locher Peter, 271

56. Lötscher Peter, 493

57. Matheis Elisabeth, geb. Staller, 365

58. Müller Josef, 573

59. Müller Mathias, 177

60. Nicki Theresia, geb. Turi, 308

61. Nuspl Stefan, 442 d

62. Peller Theresia, geb. Pentz, 144

63. Peller Wendelin, 526

64. Pentz Adam, 134

65. Pentz Benedikt, 1 m

66. Pentz Eva, geb. Pentz, 648

67. Pentz Georg, 1 g

68. Petrich Peter, 351

69. Pfaff Stefan, 534

70. Pfaff Theresia, 534

71. Putterer Andreas, 199

72. Putterer Anton, 427

73. Putterer Maria, 391

74. Putterer Martin, 369

75. Rettig Wendelin, 514

76. Roth Adam, 383

77. Roth Andreas, 362 a

78. Roth Josef, 42

79. Ruff Andreas, 639

80. Ruff Mathias, 441

81. Rutterschmidt Andreas, 334

82. Rutterschmidt Georg, 187

83. Rutterschmidt Wendelin, 187

84. Schafhauser Stefan, 164

85. Schmidt Josef, 182

86. Schmidt Peter, 440

87. Schmidt Stefan, 55/56

88. Schnadenberger Karl, 96

89. Schön Josef, 147

90. Schopper Theresia, geb. Weber, 174

91. Schuller Josef, 333

92. Staller Stefan, 11

93. Stehr Michael, 545

94. Striegl Anton, 119

95. Thiel Elisabeth, geb. Feldes, 1 k

96. Wagner Adam, 16

97. Wagner Stefan, 552

98. Walz Franz, 578

99. Weber Andreas, 560

100. Weber Josef, 560

101. Weber Martin, 206

102. Weckerle Johann, 90

103. Wolf an Josef, 250

104. Wolfart Katharina, geb. Engard, 501

105. Wolfart Stefan, 501

106. Zapf Peter, 117

107. Zuck Josef, 205

108. Zuck Maria, 160/61

109. Hastenteufel Mathias (Vaskut)51"

110. Dobler Josef **

 

*) Wurde mit den Garaern verschleppt.

**) Ist freiwillig vor der Verschleppung aus dem Leben geschieden.

Auf der Flucht vor Bomben ums Leben gekommen:

1. Maria Schuler, geborene Zuck 108

2. Katharina Gatti und ihre Mutter

3. Barbara Gatti, geborene Röckl

In den Kriegswirren im Ort, durch die Russen oder Partisanen ums Leben gekommen:

1. Aladzsits Ivan

2. Eimer Stefan

3. Kubatov Stipan

4. Mészáros Rochus

5. Milyacski Rosa, geborene Gugan

6. Szabó Máté

7. Zala (Zegnal) Stipan

8. Babits Ivan

Insgesamt hat Gara im Zweiten Weltkrieg 185 Kriegstote zu beklagen.

Davon sind:

161 oder 87 % Deutsche

19 oder 10 % Bunjewatzen und

5 oder 3 % Madjaren.

Die meisten Toten waren in den Arbeitslagern in Rußland zu beklagen.

So sind in den Lagern Rußlands 110 Personen (darunter viele Frauen) verstorben. Dies waren 60 % der Toten des Zweiten Weltkriegs aus Gara.

3 Personen verstarben auf der Flucht.

8 Personen sind im Ort oder sonstwo in der Heimat durch die Russen oder Partisanen umgekommen.

Gefallen sind im Zweiten Weltkrieg 64 Personen (35 %):

Davon sind:

37 Personen bei der ungarischen Armee

26 Personen bei der deutschen Armee

1 Person bei den Jugoslawen gefallen.

Vermerkt werden muß noch, daß insgesamt 25 Frauen bzw. Mädchen (14 %) dem Krieg zum Opfer gefallen sind.

Aus dieser traurigen Bilanz ist deutlich zu ersehen, daß die deutsche Zivilbevölkerung das größte Opfer im Zweiten Weltkrieg erbringen mußte. Dieses große Opfer der Zivilbevölkerung rührt daher, daß viele Deutsche in die Arbeitslager nach Rußland verschleppt wurden.

Ob die Verschleppung so vieler Deutscher gerechtfertigt war oder nicht (denn von keiner anderen Gemeinde gleicher Größe wurden so viele verschleppt wie aus Gara), ist heute nicht mehr zu klären. Die dafür Verantwortlichen bzw. Schuldigen müssen dies mit ihrem Gewissen ausmachen.

 

Aufmarsch zur Totenfeier eines deutschen Soldaten

 

Aufmarsch zur Totenfeier eines deutschen Soldaten (Stefan Turi)

 

 

2.8 Die Vertreibung der Deutschen aus Gara

Die Vorgänge von 1945 bis 1949, die fast die gesamte deutsche Bevölkerung betrafen, waren die erschütterndsten der neueren Geschichte von Gara. Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 wurde Ungarn die Möglichkeit eingeräumt, die deutsche Bevölkerung auszuweisen, was von der Regierung auch wahrgenommen wurde. Die Folge war, daß etwa zwei Drittel der Deutschen in Ungarn ausgewiesen wurden.

In der Zeit nach dem 2. August 1945, als noch keine Regelung dieser Frage seitens des Staates erfolgte, hatten die einzelnen Gemeindeverwaltungen auf Weisungen vom Ober- und Untergespan oder auch des Innenministeriums gehandelt. Es wurden Regierungsaussiedlungs-Kommissariate (Áttelepítési Kormánybizottság) gebildet. Die Volksbetreuungsämter (Népgondozó Hivatal) wurden bereits im Juli 1945, also schon vor dem Potsdamer Abkommen, beauftragt, sich mit der Lösung der deutschen Frage zu befassen. Als Vorausmaßnahme wurde bereits im April 1945 durch den Obergespan die Weisung erlassen, daß im Rumpf-Komitat Bács-Bodrog die aus Jugoslawien vertriebenen Sekler in den Häusern der Deutschen unterzubringen und bei Bedarf auch mit deren Möbel zu versorgen seien.

Im März 1945 erhielt der Erlaß über die Bodenreform Gesetzeskraft. Damit nahmen dann die großen Veränderungen ihren Anfang. Bereits im April 1945 wurde der Bodenanforderungs-Ausschuß (Földigénylő Bizottság) ins Leben gerufen. So meldete der Obergespan bereits am 1. Juni 1945, daß in Gara 416 Anträge auf Zuteilung von Boden gestellt wurden und nur 3500 Kj zur Verfügung stünden. Daraus wurden zuerst die Bunjewatzen und dann die Sekler befriedigt. Die Versorgung der Sekler zog sich bis zur Vertreibung der Deutschen hin. So wurde von der Gemeinde verlangt, weitere Neusiedler nicht mehr zuzuweisen bis zur Um- bzw. Aussiedlung der Deutschen. Trotzdem kamen im Juli 1945 noch weitere 105 Familien aus Gyoma, wodurch die Situation noch schwieriger wurde, denn die Aussiedlung der Deutschen hatte sich abermals verzögert. Die mit Lebensmitteln für drei Monate vom Volksbetreuungsamt für die Aussiedlung versorgten Schwaben waren noch im Juli 1946 in der Gemeinde Gara.

Während dieser Zeit kam es zu erheblichen Spannungen zwischen den aus verschiedenen Gemeinden stammenden Neusiedlern und der Gemeindeverwaltung sowie den noch hier befindlichen Deutschen. Die Vorbereitungen zur Aussiedlung der Deutschen gingen im Sommer 1946 weiter. Es wurden Listen derjenigen aufgestellt, die mit dem ersten Transport nach Deutschland sollten. Dies war noch annehmbar, denn die Menschen hatten Zeit, sich entsprechend vorzubereiten. Es wurden Wagennummern ausgegeben, und man mußte sich auf Abruf bereithalten. Ebenso wurde bekanntgegeben, daß je Person 20 kg Lebensmittel (Brot, Mehl, Bohnen, Speck usw.) und 80 kg sonstiges Gepäck mitgenommen werden konnte. Außerdem durften je eine Bettstelle, ein Federbett, ein Stuhl und kleines Handwerkzeug mitgenommen werden. Allerdings kam es beim Wiegen zu Schwierigkeiten.

Derjenige, der eine Wagennummer hatte und kontrolliert worden war, konnte im Eisenbahnwagen seinen Platz einnehmen.

Die Leute wurden von den noch zurückbleibenden Bauern zum Zug gefahren. Der Transport stand unter starker Polizeibewachung, damit den Wegfahrenden keine Gegenstände mehr zugereicht werden konnten. In einem Wagen befanden sich etwa 30 Personen. Die Erwachsenen bekamen 800 RM und die Kinder 300 RM. Bevor der Transport abging, wurden alle entlaust, obwohl niemand Läuse hatte.

Dann kam das große Abschiednehmen von all denen, die noch zurückblieben, von Verwandten, Bekannten und auch von der Heimat. Vor der Abfahrt spielte die Musik noch das Lied „Muß i denn aus dem Städtele hinaus". Unter vielen Tränen wurden dann die Wagen von außen verschlossen, und der Transport ging (am 8. November 1946) in Gara ab.

Von Gara ging es zunächst nur bis Baja. Dort stand der Transport über Nacht und auch noch den nächsten Tag. Dann ging es unter Polizeibegleitung über Budapest, Györ bis zur ungarischen Grenze bei Hegyeshalom weiter. Von dort fuhr der Transport über Wien, Salzburg nach Piding.

In Piding wurde der Transport von den Amerikanern übernommen. Die Vertriebenen wurden in deutsche Wagen umwaggoniert. Die ungarischen Wagen gingen zurück und wurden erneut mit Deutschen beladen. Von Piding wurde der Transport über Rosenheim, Nürnberg nach Würzburg geleitet. Hier wurde er geteilt. Ein Teil kam nach Unterfranken in den Landkreis Bad Kissingen. Dort wurden die Menschen gleich auf die Gemeinden aufgeteilt. Der andere Teil ging nach Bad Neustadt an der Saale. Hier kamen die Menschen zuerst ein halbes Jahr in das Lager Oberalsbach, von wo aus zuerst die Familien mit kleinen Kindern in die umliegenden Gemeinden verteilt wurden, die anderen folgten nach. Die Zahl der Deutschen aus Gara, die mit dem ersten Transport nach Deutschland kamen, ist nicht bekannt.

Das war der erste Vertriebenen-Transport aus Gara. Der zweite ließ nicht lange auf sich warten. Schon zwei Wochen später, am 21. November 1946 war es wieder soweit. Am frühen Morgen des 21. standen bereits die Gespanne vor den Häusern derer, die weg mußten. Es wurde in aller Eile zusammengepackt und auf die Wagen geladen, was der einzelne mitnehmen wollte bzw. durfte.

Als alles auf den Wagen war und die betroffenen Namen auf den Vertreibungslisten gestrichen waren, ging es los nach Nagybaracska.

Beim Auszug der Wagenkolonne aus Gara flössen wieder viele Tränen, diesmal auch bei einigen älteren ungarischen und bunjewatzischen Leuten. Nach der Ankunft am Nachmittag in Nagybaracska kamen zwei amerikanische Offiziere und zahlten das sogenannte „Kopfgeld" aus. Diesmal bekamen die Erwachsenen 500 RM und die Kinder 300 RM. Man hoffte, daß die Amerikaner in die Eisenbahnwagen schauen würden, um die schlechte Unterbringung von Kindern und alten Leuten zu beanstanden bzw. zu verbessern. Aber nichts geschah. Noch am selben Tag setzte sich der Zug in Bewegung. Man kam jedoch nicht weit, da schon nach einigen Minuten die Lokomotive wegen eines Defekts ausfiel und der Transport deshalb über nacht in Nagybaracska stehenblieb. Schon in dieser Nacht gab es die ersten Probleme, denn diejenigen, die am Ofen saßen, schwitzten, und die, die nur auf den Säcken bzw. Gepäckstücken lagen, froren mächtig. Die Musiker gruppierten sich erneut, um ein Abschiedslied zu spielen, dann ging es bis Baja, wo wieder ein längerer Aufenthalt eingelegt wurde. Der verzögerte Abschied und die Warterei schlugen aufs Gemüt. Am Nachmittag ging es weiter in Richtung Budapest und von dort zur Grenze. Gegen Abend erreichte der Transport bei Hegyeshalom die österreichische Grenze. Während des Tages wurde weder eine warme Suppe noch Tee oder sonst eine Verpflegung ausgegeben. Man konnte sich auch selbst nichts zubereiten.

Der Transport fuhr die übliche Strecke nach Salzburg, wo es wieder einen längeren Aufenthalt gab. Von Salzburg ging es weiter nach Piding in Bayern. In Bayern erhielten die Vertriebenen zum ersten Mal nach mehreren Tagen Verpflegung (Brot, Pulvermilch) vom Roten Kreuz.

In Piding wurde ein Teil der Menschen ausgeladen und im Kreis auf die Gemeinden verteilt. Der größere Teil des Transportes ging weiter bis ins Lager Allach bei München. Hier wurden alle registriert und auf die Kreise München und Wolfratshausen verteilt. Dies dauerte etwa 12 Tage. Die Menschen waren froh, endlich aus den Eisenbahnwagen herauszukommen. Dies waren für alle schwere und unvergeßliche Tage.

Einige Aussiedler blieben längere Zeit im Lager Allach, bis sie aus eigener Kraft eine Wohnung in der Umgebung von München oder auch in München selbst fanden.

Die genaue Zahl der Garaer, die mit dem zweiten Transport ihre Heimat verlassen mußten, ist, ebenso wie beim ersten, nicht bekannt. Mit den ersten beiden Transporten sollen 990 Personen, darunter 491 Männer und 499 Frauen, ausgewiesen worden sein. Diese Zahlen zu überprüfen, war nicht möglich. Nach diesem Transport trat eine längere Pause ein, denn die Amerikaner verweigerten die Aufnahme von weiteren Vertriebenen. Diese Ruhe täuschte auch die Deutschen, die bis dahin noch in Gara verblieben waren. Sie wurden dann eines Tages jäh aus ihrem Traum gerissen, denn ohne jede Vorwarnung bzw. Vorbereitung setzte die Ausweisung am 17. August 1947 wieder ein.

Während dieser Vertreibungspause spitzten sich die Verhältnisse in Gara immer mehr zu. Bei der Aufstellung des Inventars bzw. bei der Ausgabe der Vermögenswerte der bereits ausgewiesenen Deutschen enstanden erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der Gemeindeverwaltung und der Boden-beanspruchungs-Kommission.

Obwohl die ersten deutschen Familien im Juli 1945 ihre Häuser verlassen mußten, reichte es nicht zur

Unterbringung all derer, die in Gara angesiedelt werden sollten. Die mit großen Versprechungen nach Gara gebrachten Sekler, Makkoer und die Menschen aus der Tschechoslowakei sowie aus Jugoslawien wurden ungeduldig und stellten ihre Forderungen immer heftiger.

Am 27. März 1947 beschloß der Ministerrat, daß die Übersiedlung der Ungarn aus der Tschechoslowakei dadurch zu lösen sei, daß die Schwaben in einigen Orten konzentriert werden und dann die weitere Vertreibung voranzutreiben sei. Daraufhin kamen im Frühjahr 1947 Hanauer Deutsche nach Gara. Es wurde immer deutlicher, daß die Boden- und Häuserwünsche der nach Gara gebrachten Madjaren nur dann erfüllt werden konnten, wenn noch mehr Schwaben (die ihr Vermögen noch hatten) vertrieben werden würden. Deswegen wurden Anstrengungen unternommen, nachdem die Amerikaner niemand mehr aufnahmen, die noch verbliebenen Deutschen in die russisch besetzte Zone abzuschieben. Bei der im August 1947 wieder einsetzenden Vertreibung gingen die Behörden ganz anders vor, als bei den bisherigen Transporten. Wurde dort noch rechtzeitig bekanntgegeben, welche Familien ausgewiesen werden sollten, so wurde jetzt viel radikaler gehandelt. Die Lastwagen fuhren vor den Häusern vor. Die Polizei gab erst jetzt den einzelnen Familien bekannt, daß sie mit 100 kg Gepäck innerhalb einer Stunde bereitstehen müßten.

Sie wurden dann mit Lastkraftwagen nach Baja zum Zug gebracht und dort einwaggoniert. Von Baja ging dann der erste Transport am 17. August 1947 Richtung Pirna. Der Transport führte wieder nach Budapest, aber diesmal nicht in Richtung Österreich, sondern über die Tschechoslowakei in die russisch besetzte Zone, in das Lager Pirna. Vom Lager Pirna sind die Menschen dann in die Sächsische Schweiz und in das Vogtland verteilt worden. Knappe zwei Wochen später, d.h. am 30. August 1947 ging schon der zweite Transport ab. Das Verfahren lief genau wie am 17. August 1947 ab. Die Familien wurden wiederum aufgefordert, in kürzester Zeit zu packen, während die Fahrzeuge bereits vor den Häusern warteten.

Dieser Transport ging ebenfalls über Budapest und Prag in die russische Besatzungszone ins Lager Pirna, von wo aus die Leute diesmal überwiegend in Sachsen verteilt wurden.

Von den Vertriebenen der zwei letzten Transporte sind sehr viele noch vor 1950 in die Bundesrepublik übersiedelt oder auch nach Ungarn zurückgekehrt. Es verblieben aber immerhin einige Familien (ca. 39 Personen) in der heutigen DDR. Aufgrund eigener Erhebungen dürfte die Zahl der Geflüchteten, Vertriebenen und derer, die im Rahmen der Familienzusammenführung aus Gara kamen, insgesamt 1825 Personen betragen. In Gara selbst wohnen heute noch 274 Deutsche. Viele Garaer sind auch innerhalb Ungarns verzogen.

Heute leben  
in Ungarn 28 %
in der Bundesrepublik Deutschland 59 %
in der DDR 2 %
in Österreich 1 %
in sonstigen Staaten (USA, Kanada usw.) 4 %
gefallen oder vermißt sind 2 %
in den Lagern der UdSSR verstorben 4 %
  100 %

Daß die Vertreibung von langer Hand vorbereitet wurde, zeigt z.B. auch, daß den Kindern, deren Eltern zur Vertreibung/Aussiedlung vorgesehen waren, bereits in ihren Zeugnissen auf Seite drei (wie aus der Ablichtung eines Zeugnisses ersichtlich) ein Ausweisungsvermerk eingetragen wurde.

 

 

 

 

Der Vermerk von Seite drei des Zeugnisses:

Ungarischer Wortlaut der amtlichen Eintragung der Schulbehörde auf Seite 3 rechts (im Schulzeugnis):

Jegyzet (............... ................................ );

143-5/1946-47 szám. A mai napig az iskola hatodik osztályának nyilvános tanulója volt, a Szövetséges Ellenőrző Tanács 1945. évi november hó 20. - án kelt és a magyarországi német lakosság Németországba való áttelepítéséről szóló határozati végrehajtásának tárgyában kiadott 12.330/1945. M. E. számú rendelet alapján szüleivel Németországba települt.

Baja, 1946. Okt. 30.

Scultéty Andor

igazgató

 

Eigene Übersetzung des obenstehenden ungarischen Textes:

Vermerk (..................... ....................)

Nr. 143-5/1946-47. Bis zum heutigen Tag war er öffentlicher Schüler der sechsten Klasse der Schule; im Zuge der Durchführung des vom Alliierten Kontrollrat am 20. November 1945 gefaßten und die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung Ungarns nach Deutschland betreffenden Beschlusses ist er auf Grund des unter Nr. 12.330/1945 M. E. herausgegebenen Erlasses mit seinen Eltern nach Deutschland gesiedelt.

Baja, 30. Okt. 1946

Scultéty Andor

Direktor

 

Auf diesem Bild ist deutlich ersichtlich, wie die Vertriebenen 1946 und 1947 sich in ihrer neuen Heimat mit viel Fleiß und schwerer Arbeit eine neue Zukunft schafften.

 

 

   
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