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5. Die landwirtschaftliche Erzeugung in der Gemeinde

 

5.1 Die Landwirtschaft im allgemeinen

Betrachtet man die Batschka großräumig, so zeigt diese eine agrarische Siedlungsstruktur.

Die Deutschen in Gara (wie auch in der übrigen Batschka) waren dadurch gezwungen, ihre Leistungen auf dem Gebiet der Landwirtschaft zu steigern. Durch eine wesentlich bessere Betriebsorganisation und die Verbesserung der Agrartechnik konnten im Vergleich mit anderen Gebieten die Ernteerträge sowie die Viehproduktion wesentlich gesteigert werden.

So lagen die Ernteerträge der Bauernschaft in Gara (gleiches gilt für den größten Teil der Batschka) in der Regel weit über dem Landesdurchschnitt.

Im einzelnen sah dies folgendermaßen aus:

Bei Weizen, Roggen, Hafer und Mais lag der Ernteertrag in Gara, wenn es keine Naturkatastrophe wie Hagel oder Dürre gab, etwa 20 bis 40 % über dem Landesdurchschnitt. Dies kam vor allem von einer guten Bodenbearbeitung, entsprechender Sortenwahl und einer gut durchdachten Düngung.

Dabei muß bedacht werden, daß Gara nicht nur die guten Lößlehmböden hatte, sondern westlich der Straße Baja-Sombor auch schwere tonige Lehmböden waren. Außerdem gab es, an den Saliter angrenzend, leichte salitriche Böden. Merkmal der schweren Saliterböden ist der mehr oder weniger hohe Gehalt an kohlensaurem Kalk und Natrium. Auch verschiedene Salze, wie Natriumnitrate, Chloride, Phosphate, Gips und vor allem Natriumkarbonat oder Soda waren vorhanden. Von diesen Böden konnten nur durch eine besonders gute Bodenbearbeitung, Tieffurche mit einer Mindesttiefe von 2u bis 25 cm und sofortigem Eggenstrich und durch starke Stallmistgaben entsprechende Erträge erzielt werden.

Die Folgen der jahrhundertelangen Überschwemmungen und Vernässungen wurden größtenteils durch Entwässerungsmaßnahmen gelöst. Dabei wurde auch der Saliter abgeleitet, was jedoch nicht den erwarteten Erfolg brachte. Die spätere Nutzung des Saliters gestaltete sich problematisch. Durch den „Igal" wurden große Teile der westlichen Markung entwässert und einer intensiveren Nutzung zugeführt. Die im Acker-, Obst- und Gartenbau, für Wiesen und Weingärten am meisten verwendeten Handelsdünger waren: Pétiso (Kalkammonsalpeter mit 17 % N und 50% Ca.), Kalisalz (K20 40%) und Superphosphat mit 18 und 20 % sowie zweifacher Superphosphat mit 38 bis 40%.

 

Die Kommassierung/Flurbereinigung

Nach dem in Gara geltenden Erbrecht, der Realteilung, zersplitterte sich der Grundbesitz der Bauern immer mehr. Auf den so entstandenen, zum Teil sehr schmalen Grundstücksstreifen, auf denen bereits ein Wenden mit dem Pflug, der Sämaschine usw. nicht mehr möglich war, war eine rationelle Bewirtschaftung gegen Ende des vorigen Jahrhunderts nicht mehr möglich. Das Verlangen bzw. der Ruf nach einer Kommassierung wurde immer größer.

Natürlich waren nicht alle Bauern mit einer Umlegung ihrer Grundstücke einverstanden. Sei es, weil sie die „besten Grundstücke" hatten und bei einer Neuregulierung eine Zuteilung minderer Fluren befürchteten oder wegen der bis dahin günstigen Lage und Entfernung ihrer Flächen zur Hofstelle.

Trotzdem entschieden sich die Grundstückseigentümer durch Eintragung in die Abstimmungsliste in der Mehrzahl für die Kommassierung.

Da von den Gegnern keine Abstimmungsliste einging, wurde der Kommassierung auf Ansuchen der Garaer Grundbesitzer am 22. September 1899 vom königlichen Gerichtshof unter der Verordnungs-Nr. 13413/p 1899 zugestimmt.

Dies hatte später noch ein gerichtliches Nachspiel, denn die Gegner der Kommassierung griffen den Beschluß zur Kommassierung an. Die Klage wurde aber vom Gericht abgewiesen.

In das Verfahren waren folgende Gewanne einbezogen: Oberesch, Orlinyák, Régi szérüskertek (Alte Dresch-Trepplätze, Schoberhöfe), Unteresch, Gradina, Zabora, Tonna, Nagyjárás sowie die bereits aufgeteilten Flächen der neuen Dreschplätze, im Verfahren befanden sich insgesamt 6047 Kat. Joch. Die Arbeiten (Vermessungen, Wegebau, Neuzuteilung usw.) gingen zügig voran. Bei der Neuzuteilung bekamen die kleineren Betriebe ihre Hauptflächen in der Nähe des Ortes. Die größeren Betriebe erhielten großzügig zusammengelegte Flächen. Das heißt große Flächen an einer Stelle, aber weiter vom Ort entfernt, bis an die Gemarkungsgrenze. Auf den zusammengelegten Flächen konnten Höfe bzw. Sallasche erstellt werden. So wurde eine große Zahl der Sallasche nach der Neuzuteilung, also vor dem Ersten Weltkrieg erbaut. Dies vereinfachte die Bewirtschaftung. Keine Zeitverluste mehr auf den Wegen, effektivere Bewirtschaftung und somit mehr Gewinn. Im Kommassierungsverfahren wurden auch Entwässerungsarbeiten durchgeführt.

Nach der Neuzuteilung änderte sich bei der Bewirtschaftung der Flächen sehr viel. Da die Dreschplätze nicht mehr erforderlich waren, wurden sie aufgeteilt. Die Bauern fuhren ihre Getreide zum Dreschen auf größeren Parzellen oder auf den Sallaschen zusammen. Nur das gedroschene Gut, soweit es nicht auf den Sallaschen verwertet wurde, wurde in den Ort geführt bzw. gefahren.

Der Rest der Gemarkung, der Vaskúter Járás, kam erst 1923 zur Bereinigung. Dieser wurde mit den Vaskütern reguliert. Dies ging schon leichter, denn die Vorteile der zusammengelegten größeren Flächen für die Bewirtschaftung waren bekannt.

Bei den Kommassierungsverfahren wurden, soweit nötig, auch Feldwege neu angelegt oder verlegt, um besser geformte Grundstücke zu bekommen.

Die gute Entwicklung zeigen die für die Gemeinde bei den Bodenschätzungen ermittelten durchschnittlichen Katastralreinerträge in Goldkronen.

So war der Katastralreinertrag der Gemeinde:

1865 4,96 fl
1883 6,68 fl
1914 13,34 Kr.
1940er J.  16,34 Kr.

Weitere Verbesserungen brachte die Bereinigung der Restflächen und die in der Zeit von 1923 bis 1927 durchgeführten Entwässerungsmaßnahmen. In dieser Zeit wurde auch der Saliter abgeleitet. Auf den trockengelegten Flächen entstanden nur schlechte Weideflächen, zum Teil auch Wiesenflächen. Die Weideflächen trockneten im Sommer vollkommen aus. Es wurden einige Versuche unternommen, die Flächen einer anderen Nutzung zuzuführen, zum Beispiel Reisbau usw., aber ohne Erfolg.

Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 100 Kat. Joch.

1893 7 Betr.
1897 5 Betr.
1903 16 Betr.
1911 17 Betr.
1925 15 Betr.
1937 15 Betr.

Gara war eine der Gemeinden in der Nord-Batschka, in der viele Betriebe über 100 Kat. Joch hatten. Eine Besonderheit soll in diesem Zusammenhang noch erwähnt werden: Während der Kriegsjahre mußten die Bauern nach dem sog. Jurtcsek-Plan ihren Ablieferungspflichten nachkommen. Außerdem gab es eine Preisbindung. Es wurde vom Staat für alle landwirtschaftlichen Produkte ein „Maximalpreis" festgelegt, der nicht überschritten werden durfte.

 

Johann und Stefan Keiner hei der landwirtschaftlichen Ausstellung in Budapest 1942, mit Nikolaus Novotny

 

Nach dem Jurtcsekplan wurde der Betrieb auf Grund des Steuerwerts des Betriebes in Goldkronen nach einer festgelegten Ablieferungspunktzahl eingestuft. Jeder landwirtschaftliche Betrieb bzw. dessen Betreiber, erhielt ein „Gazdakönyv". In diesem war die Größe des Betriebes, das geschätzte Steuereinkommen in Goldkronen und dementsprechend auch die Ablieferungspunktzahl enthalten.

In dieses Büchlein mußte der Bauer alles, was er verkaufte, eintragen lassen. So mußte zum Beispiel der Müller auch eintragen, wieviel für die Bauernfamilie als Eigenverbrauch an Brotgetreide gemahlen wurde. Denn auch hier gab es pro Person Höchstgrenzen. Diese Punktzahl wurde in drei Gruppen aufgeteilt. Und zwar mußte für die entsprechende Punktzahl der Gruppe I Brotgetreide, für die der Gruppe II Fleisch und Fett und für die der Gruppe III frei Wählbares abgeliefert werden. Was in den Gruppen I und II zuviel abgeliefert wurde, wurde in der Gruppe III gutgeschrieben.

In erster Linie wurden in der Gruppe III Hülsenfrüchte, Futtergetreide usw. abgeliefert. Der Jurtcsekplan hat die gesamte Produktion erfaßt. Die Berechnung der Punkte erfolgte auf der Basis der Getreideeinheiten. Für jedes Produkt wurde auf dieser Grundlage eine Punktezahl errechnet und angegeben, zu welcher Gruppe es gehörte. Eine solche Liste mit den entsprechenden Punktezahlen und den Gruppen bzw. in denen diese verrechnet werden konnten, war in jedem Büchlein. Dieses bot ständig eine Übersicht über den Stand der abgelieferten Menge.

In Gara wurde kein Fall bekannt, in dem ein Bauer mit der Ablieferung in Schwierigkeiten gekommen wäre.

 

5.2 Das Jahr des Landwirts

 

Januar

Hof und Stall

In dieser Zeit wurden kleinere Reparaturen im Hofbereich, in Stall und Scheune usw. erledigt. Es wurden Besen aus Besenreisig und Zirok (Besenhirse) sowie Staubwedel aus Schilffahnen gebunden oder auch Körbe geflochten.

Das Saumzeug (Gschirr) wurde repariert oder zur Reparatur zum Sattler gebracht. Werkzeugstiele (für Hacken usw.) wurden vorgefertigt. Eventuell auch noch Geräte oder Maschinen repariert. Im Stall war die Hauptaufgabe die Viehpflege. Beim Rindvieh bedeutete dies, daß die Klauen geschnitten, evtl. auch die Haare geschoren wurden. Fohlen wurden an das Fußheben (Beschlagen) gewöhnt. Die Pferde mußten bewegt werden, damit sie nicht zulange im Stall auf einem Platz stehen mußten. Man konnte auch, bei milderem Wetter, mit der Saatgutvorbereitung (sortieren, beizen usw.) beginnen.

 

Felder und Wiesen

Dünger (Stallmist) konnte gefahren werden. Besonders auf die entfernt gelegenen Felder, damit dieser im Frühjahr (März) an Ort und Stelle war und nur noch auseinandergefahren und zerstreut werden mußte.

Wenn kein Schnee lag, konnten die zu stark gewordenen Weizenfelder durch Schafe oder auch (vorsichtig) durch Schweine, leicht beweidet werden.

 

Garten

Bei mildem Wetter wurde noch umgegraben. Soweit es nicht gefroren war, konnten Löcher für Neupflanzung von Bäumen ausgehoben werden. Die Obstbäume düngte man mit Stallmist oder Handelsdünger.

 

Weingarten und Keller

Sofern es hinsichtlich der Witterung möglich war, konnte für Neuanlagen und Ergänzungen gerodet (rigolt) werden. Die nötigen Pfähle wurden beschafft und gerichtet.

Im Keller mußten die jungen Weine beobachtet, abgezogen und aufgefüllt werden. Die leer werdenden Weinfässer wurden gereinigt und geschwefelt.

 

 

Februar

 

Ein wichtiger Tag war der 2. Februar, Maria Lichtmeß, denn das neue Dienstjahr begann. Die Knechte und Mägde wechselten ihre Stellung (Arbeitsplatz). Die Sallaschleute mußten mit dem Fuhrwerk geholt werden.

 

Hof und Stall

Die ersten Vorbereitungen für die Feldarbeiten wurden getroffen.

Die Jungtiere und Zugtiere konnten bei schönem Wetter kürzere Zeit in die Viehausläufe (Ako) gelassen werden. Die Pferde mußten für die künftigen Arbeiten noch besser gefüttert werden. Mit dem Belegen der Stuten wurde begonnen. Die Hühner fingen an, mehr zu legen und wurden deshalb auch durch Zusatz von eiweißhaltigen Futtermitteln besser gefüttert.

 

Felder und Wiesen

Sobald das Wetter milder war, wurde mit dem Fahren und Ausbreiten des Dunges (meistens vom Fuhrwerk aus) begonnen.

Auf den Wiesen wurde das mehrjährige Unkraut (Wurzelunkräuter) soweit wie möglich beseitigt. Unebenheiten wurden geglättet. Auf Wiesen und Weiden konnte auch schon Handelsdünger (Phosphorsäure und Kalisalz) ausgebracht werden (zum Beispiel auf Luzerne und Klee).

 

Garten

Der Boden wurde für die Früheinsaat vorbereitet. Die trockeneren und wärmeren Stellen konnten bereits Ende Februar bis Mitte März eingesät werden (Karotten usw.). Die Mistbeete wurden (nur in wenigen Fällen) zum Einsäen und Anpflanzen hergerichtet.

Die im Herbst nicht verpflanzten Obstbäume wurden in die vorbereiteten Löcher gepflanzt. Die Winterveredlung der Obstbäume begann. Die Stämme der Obstbäume wurden gereinigt, und die Winterspritzung erfolgte.

 

Weingarten und Keller

Die Düngung und das Sammeln von glatten, zur Veredlung geeigneten Reben, begann. Die veredelten Reben wurden eingeschlagen, bis sie versetzt wurden. Die Weine wurden regelmäßig kontrolliert und immer wieder aufgefüllt.

 

März

 

Hof und Stall

Saatkartoffeln wurden verlesen, die Kartoffeln- und Rübenmieten nachgesehen. Die Lagerkeller mußten gelüftet werden. Das Saatgut wurde soweit noch nicht geschehen, gebeizt und die Drillmaschine (Sämaschine) sowie die Maissetzmaschine mußten eingerichtet werden.

Für gute Stallbelüftung, wie auch in den übrigen Wintermonaten, war zu sorgen.

Die Hennen wurden angesetzt. Waren schon Märzküken da, so mußten diese vor Nässe geschützt werden.

 

Felder und Wiesen

Das Ausfahren des Düngers wurde fortgesetzt, restliche Flächen noch gepflügt. Die Winterfurche war zu eggen und für die Frühjahrssaat herzurichten. Danach erfolgte die Frühjahrssaat. Sehr wichtig waren die Pflegearbeiten der Wintersaaten. Das Abeggen der Getreidefelder war wichtig. Aufgefrorene Saaten mußten gewalzt werden. Schwächere Streifen bekamen Kopfdünger (Salpeter).

Im zeitigem Frühjahr durfte bei der Saatvorbereitung nicht viel im Boden gerüttelt und keine Walzen eingesetzt werden, um die Winterfeuchtigkeit zu erhalten.

Bei guter Witterung konnten schon gegen Mitte/Ende März Sommerweizen, Sommergerste, Hafer, Zuckerund Futterrüben, Mohn, Erbsen, Linsen, Topinambur, Luzerne, Klee, Espersette gesät werden. Weiden und Wiesen wurden angelegt.

Einige Sorten der für die Frühjahrssaaten am häufigsten verwendeten Sommerweizensorten: Eszterházaer, Bánkuter, Garnet, Reward und Perbettier.

Sommergerste als Biergerstsorten: Hanna, Hatvaner, Dioszeger, Danubia, Bavaria und Isaria.

Als Futtergerste kannte man: Sekatscher.

Hafersorten waren: Sekatscher, Fleischmann, Eszterházaer, Lovászpatonyaer, (weiß und gelb), Hatvaner und, als ausländischer, Lochower (gelb). Die Futterrübensorten kamen hauptsächlich von Bábolna, Monor und von Mauthner, wobei es von allen mehrere Varianten unter verschiedener Bezeichnung gab (je nach Rübenform: walzen-, kugel-, tonnen-, plattkugel-, oliven-, spindel-, pfähl- oder zuckerrübenf örmig).

Der Samen der Zuckerrüben wurde überwiegend von den Zuckerfabriken gestellt. Bekannte Sorten waren von den E (ertragreichen): Dickmann, Kleinwanz-lebener, Mansber, Strube usw.

N (Normalertragessorten): Braune Deutsch, Mettegs und Westphal.

Z (zuckerreiche Sorten): Braune Dieckmann, Kleinwanzlebener, Dippe und Strube.

ZZ (Besonders zuckerreiche Sorten): überwiegend Kleinwanzlebener.

Diese Sorten wurden durch Pflanzenzüchter den ungarischen Verhältnissen angepaßt. So zum Beispiel die in Darufalva von Herbert Patzenhoffer gezüchtete Zuckerrübensorte ,,T", die die Trockenheit besser als andere Sorten vertrug.

Es ist unmöglich, alle Pflanzensorten aufzuzählen, die im Laufe der Jahre bei der Frühjahrssaat Verwendung fanden.

Die Wiesen, Weiden, Luzerne, Klee und Esparsette wurden mit schweren Zahneggen abgeeggt. Die lockeren Wiesen (Riedwiesen) mußten gewalzt werden.

 

Garten

Frühbeete/Mistbeete wurden zur Einsaat hergerichtet. Zuerst säte man die Pflanzen, die zur Setzpflanzengewinnung benötigt wurden.

Zum Teil wurden auch schon Frühgemüsesamen ausgesät.

Bei den Obstbäumen war es höchste Zeit zum Beschneiden, Verjüngen und Ausputzen der älteren Bäume.

Außerdem mußten die Veredlungen, möglichst noch in diesem Monat, vorgenommen werden.

 

Weingarten und Keller

Fehlende Weinstöcke mußten ersetzt, Neupflanzungen angelegt werden. Zum Teil konnte man bereits mit dem Aufdecken und Beschneiden beginnen. Düngungen mit Kali und Stickstoff konnten vorgenommen werden. Das Schneiden der Weinstöcke ist außerordentlich wichtig, denn mit dem Schneiden bestimmt man, ob es zum Beispiel niedere Stöcke oder Laubenstöcke geben soll.

 

April

 

Hof und Stall

Das Rindvieh konnte (hauptsächlich auf den Sallaschen) bei schönem Wetter in die Viehausläufe (Ako) gelassen werden. Trockenere Weideflächen konnten auch schon beweidet werden. Es mußte aber noch Trockenfutter, Maisstengel usw. zugefüttert werden. Bei kurzen Weidezeiten fütterte man auch noch etwas Kraftfutter hinzu.

Falls noch nicht geschehen, mußten die Drillmaschine (Sämaschine), der Maissetzer und die Erntemaschinen gerichtet werden. Später war dafür keine Zeit mehr. Die Ställe wurden gereinigt und frisch ausgeweißelt. Dazu verwendete man abgelöschten Kalk. Die Gebäude wurden ausgebessert, der Hof aufgeräumt (Stengel- und Strohreste beseitigt), Unebenheiten planiert usw.

Das Decken der Muttersauen zum Herbstwurf erfolgte. Es war zudem höchste Zeit zum Decken der Mutterschafe für die Herbstlammung. Die Schafschur wurde vorbereitet.

 

Felder und Wiesen

Die Tiefpflugfurche mußte mit schwerer bzw. beschwerter Zahnegge oder dem Kultivator nochmals behandelt und für die Saat von Körnermais, Futtermais, Rüben und Kartoffeln hergerichtet werden. Die am häufigsten angebaute Maissorten waren die „gelben Pferdezahn-Sorten" wie: Bánkuter, Fleischmann, Pettender, Loväszpatoner, Mindszentpusztaer usw.; als weiße Sorte (die wenig gebaut wurde): der Bristol.

Außer den Futtermaissorten kannte man noch eine größere Zahl Speisemaissorten — so zum Kochen, zum Rösten und für Platzkukruz (Popkorn): „Dessertmais" und „Delikatessenmais".

Kartoffeln baute man weniger im Feldbau an. Hauptsächlich gab es sie als Speisekartoffeln, in kleinerem Umfang auch zur Futter- oder zur Stärkegewinnung. Es wurden frühe, mittelfrühe, mittelspäte und Spätkartoffelsorten, je nach Verwendungszweck (Speise, Futter, Stärkeerzeugung), erzeugt.

Von den ungarischen Kartoffelsorten waren bekannt: Gülbaba (mit rosa Schale, weißfleischig) Frühkartoffeln, frühe Eszterházaer edel rosa (rosa Schale und weißfleischig), mittelfrühe Margit (gelbbraune Schale gelbfleischig), mittelspäte Goldapfel (gelbschahg, gelbfleischig).

Weiter gab es: „Gondüzö", eine im September reifende Industriekartoffelsorte. Sie eignete sich auch als Speisekartoffel; „Szeszöntö", eine späte, ausgesprochene Industriekartoffel mit sehr hohem Stärkegehalt.

Es wurden auch deutsche Kartoffelsorten angebaut. Einige Sorten waren: Ackersegen, Altgold, Erdgold, Goldgelbe, Kaiserkrone und Sieglinde sowie viele andere Sorten.

Der Hanf wurde ebenfalls schon gesät. In Gara kannte man fast nur Faserhanf, für den Eigenbedarf angebaut. Als Sorten kannte man Fleischmann Hanf, Batschkaer-Apatiner Hanf und Eszterházaer Hanf. In der Regel wurden nur kleinere Flächen mit Hanf bebaut. In Gara gab es kein Hanfwasser zum Hanfrösten. Der Hanf mußte deshalb in die Nachbargemeinde (Hercegszántó) gefahren werden.

Danach wurde der Hanf in eigenen Betrieben bis zum Endprodukt (Säcke, Planen, auch Bettücher und Strohsäcke) aufgearbeitet.

Felder wurden zum Melonensetzen vorbereitet. Bei guter Witterung, Ende April, eventuell aber auch erst im Mai, begann man mit dem Setzen. Für jeden Melonenstock wurde ein sogenanntes „Nest" angelegt. In das „Nest" kam gut verrotteter Pferdemist, der leicht mit Boden überdeckt wurde und darauf der Melonensamen. Auf Spätfröste mußte stets Rücksicht genommen werden.

Zum Melonenbau eigneten sich hauptsächlich die etwas leichten und sandigen Böden. Die Melonen vertrugen aber auch Lößlehm-Böden. Die Melonen wuchsen schlecht auf kalten Tonböden (oder schweren Lehmböden).

Im April konnten bei entsprechender Witterung noch weitere Pflanzen gesät werden, so: Bohnen, Sonnenblumen, alle Hirsearten und viele mehr.

 

Garten

Die Vorbereitungen für den Anbau des Gemüses (Gurken, Kürbis usw.) wurden getroffen. Zum Teil mußten die Frühsaaten schon zu dieser Zeit gehackt und gejätet werden.

 

Weingarten und Keller

Das Aufdecken und Beschneiden der Reben mußte fortgesetzt werden. Gleichzeitig mußten die an dem Weinstockhals und Kopf sprossenden Augen entfernt werden. Die geschnittenen Reben wurden gebündelt und aus dem Weingarten entfernt, um den Puppen der Spinnraupen und sonstigen Schädlingen keinen Unterschlupf zu geben.

Die gebündelten Reben fuhr man nach Hause. Sie dienten als Brennmaterial für die Backöfen (auch „Batzofen" genannt) sowie als Heizmaterial im Winter.

Spätfröste verursachten in den Weingärten oft sehr große Schäden, vor denen man sich kaum schützen konnte.

Im Keller mußten die Weine beobachtet und notfalls behandelt werden (mit Schwefelkohlenstoff und andere Mitteln).

 

Mai

 

Hof und Stall

Die Zäune der Viehausläufe (Ako) werden ausgebessert. Der „Ako" wurde in den meisten Fällen zugleich als Dunglager (Dunghaufen) für Stallmist genutzt. Es mußte, an einer gut zugänglichen Stelle, die Sommerkrippe aufgestellt werden. Um Zeit zu sparen, fütterte man, wenn bei der Krippe für das Vieh ein genügend großer Unterstand war, schon draußen. Im Sommer wurde sogar hier gemolken. Die noch nicht gedeckten Stuten mußten gedeckt werden, ebenso die Muttersauen und Mutterschafe. Die Schafschur mußte vorgenommen werden. Erstes Grünfutter der Sommerfütterung bestand meistens aus Wintergemenge (Roggen mit Winterwicke oder Wintererbsen), Luzerne, Espersette (Baltacím), Klee usw.

Anfangs mischte man in der Übergangszeit etwas Trockenfutter (meistens Maisstengel, Heu und Maisschrot, später Sonnenblumenkuchen) hinzu.

 

Felder und Wiesen

Das Maissetzen wurde beendet. Die schlecht bzw. nicht aufgegangenen Stellen wurden nachgesetzt. Futtermais wurde in etwa 15tägigem Abstand gesät, um stets gutes Grünfutter zu haben. In dieser Zeit begann das Hacken der Kartoffeln, Sonnenblumen, Rüben und des Maises. Die Hackarbeiten, die von Hand erfolgten, waren von großer Bedeutung und mußten je nach Witterung mehrmals durchgeführt werden. Einige Male kam auch der von Pferden gezogene Hackpflug zum Einsatz. Aus Luzerne und Espersette konnte schon Heu bereitet und mit der Wiesenmahd begonnen werden. Fehlerhafte und zum Umbruch vorgesehene Wiesenflächen (Gründlandflächen) bebaute man mit Futtermais (Tschalamade), Mischling, Mohar (Kolbenhirse) und Hirse (in wenigen Fällen auch mit Feldgemüse). In den Kriegsjahren wurden mit Rizinus und Sojabohnen auf kleineren Flächen Versuche unternommen, allerdings mit wechselhaftem Erfolg.

 

Kleine Pause beim Pflügen; auf dem Pflug Theresia Dobler, geb. Hellenbarth

 

Stefan Keiner beim Pflügen bzw. beim Stoppelsturz

 

Beim Heumachen; zweite von rechts: Maria Keiner, geb. Turi

 

Ein kühler Schluck

 

Garten

In dieser Zeit sind die wichtigsten Arbeiten das Pflegen der Beete und der Pflanzen (jäten, vereinzeln, hacken und die Schädlingsbekämpfung). Die Auspflanzung von Tomaten, Paprika, Kohl usw. wird beendet.

Die Bastard-(Wasser-)triebe an den Obstbäumen werden entfernt. Die Obstbäume sind, soweit möglich, zu spritzen, zu düngen und zu gießen, damit die Früchte nicht abfallen. Vor allem müssen Blattläuse bekämpft werden.

 

Tagelöhner beim Maishacken

 

Transport von Maiskolben

 

Schneiden von Maisstroh

 

Eine besonders gutgewachsene Futterrübe

 

Weingarten und Keller

Im Weingarten muß mit dem Aufbinden begonnen werden. Die Reben wurden gegen Peronospora gespritzt. Nach jedem Regen wurde dies wiederholt. Gespritzt wurde mit Kupfervitriol (rézgalic), das mit Kalkmilch neutralisiert wurde. Der Kalk diente noch zur Haftung der Spritzbrühe am Blatt. Die Grünveredlung wurde vorgenommen. Die Weingärten mußten gehackt bzw. behauen werden. Gegen eventuelle Spätfröste konnte durch „Räuchern" (geschah sehr selten) den Weinstöcken Schutz gegeben werden. Die Weine werden zum zweiten Mal abgezogen (umgefüllt).

 

Freundinnen bei der Feldarbeit; links: Maria Zuck

 

Landwirtschaftliche Arbeiter am Feierabend

 

Juni

 

Hof und Stall

Die Ställe werden, sofern nötig, geweißelt, die Fliegen kämpft. Es durften keine jungen Luzerne verfüttert werden, da Aufblähgefahr für die Rinder bestand. So futterte man Esparsette, Hafer und Wickengemenge. Das aufgenommene Grünfutter reichte für eine durchschnittliche Milchleistung. Bei höheren Leistungen mußte Kraftfutter zugefüttert werden.

Schweine wurden gegen Rotlauf geimpft.

 

Felder und Wiesen

Die Hackarbeiten werden fortgesetzt. Kartoffeln, Sonnenblumen und Mais begann man zu „häufeln". Kartoffeln nicht so hoch, sondern mit mehr breitgewölbtem Damm. Seitlicher Wachstumsraum ergibt einen höheren Kartoffelertrag.

Das Wiesen-, Mohar- und Wickengemengeheu wird aufbereitet und eingefahren.

 

Garten

Jäten, hacken, gießen je nach Wetter.

Die Obstbäume bekommen die Sommerspritzungen gegen Blatt-, Schild-, Blutläuse, Raupen und gegen Pilzkrankheiten. Wenn möglich, wurde das reifende Obst vor Vögeln geschützt.

 

Weingarten und Keller

Wenn möglich, wurden während der Blütezeit keine Arbeiten im Weingarten verrichtet. Im Juni wurde nochmals gehackt, gejätet und geheftet. Dabei mußte darauf geachtet werden, daß die Reben nicht zu fest an den Pfahl geheftet wurden und das Ausbrechen der überschüssigen Triebe muß vorgenommen werden. Weitere Peronosporaspritzungen.

Die noch nicht klaren Weine mußten erneut behandelt werden.

 

Juli

 

Hof und Stall

Auch in der Erntezeit mußte auf dem Hof Ordnung sein. Man säuberte, lüftete, weißelte.

Zur Ernte notwendige Geräte sowie Wagen waren zu prüfen und, wenn notwendig, noch vor der Ernte zu reparieren.

Das Vieh mußte ständig mit genügend gutem Wasser versorgt werden. Die Ställe waren gut zu lüften, Fliegen mußten vernichtet werden.

Auf den Koppeln und Viehausläufen (Ako) mußte für genügend Schatten gesorgt werden (Dächer errichten, Bäume pflanzen).

Die Kühe und Färsen sollten im Juli bis August gedeckt werden, wenn man Frühjahrskalbung anstrebte. Saatgut wurde für den Zwischenfruchtbau vorbereitet.

 

Felder und Wiesen

Beginn der Getreideernte. Die Ernte und der Drusch zogen sich bis in den August hin.

Die Stoppelfelder, sofern sie nicht als Schweineweide benutzt wurden, waren so bald wie möglich zu „stürzen". Ein Teil der abgeernteten Flächen wurde mit Zwischenfrüchten (Mohar-, Hirse-, Mischling Futtermais) bebaut. Bei etwas Regen zur rechten Zeit brachten sie noch eine befriedigende Ernte.

Luzerne wurde das zweite Mal gemäht.

Die Hafer- und Hafer-Wickengemenge-Felder pflügte man ebenfalls für die Winterweizeneinsaat oder den Zwischenfruchtbau (Futtermais). Das „Maishäufeln" wurde beendet.

 

Garten

Die Zwiebelgewächse konnten geerntet, getrocknet und gelagert werden.

Die Raupen, Maulwurfsgrillen (Werren), Engerlinge mußten gesammelt oder bekämpft werden.

Die Obstbäume wurden ständig auf Krankheitsbefall geprüft und nach Bedarf gespritzt.

Kirschen ließen sich im Juli/August propfen und okulieren.

 

Weingarten und Keller

Die Hauptarbeiten waren das Aufrichten, Ausgeizen, Heften und Spritzen der Reben, je nach Witterung. Vor allem warmes feuchtes Wetter war gefährlich.

 

August

 

Hof und Stall

Im Sommer wurden die Zugtiere gut gefüttert, denn es mußte Schwerarbeit geleistet werden. Man gab zur Sättigung Grünfutter und Hafer- und Maiskörner als Kraftfuttergemisch.

 

Felder und Wiesen

Die Getreideernte war beendet. Der Drusch neigte sich ebenfalls dem Ende zu. Der Drusch der Sonnenblumen und Kleearten allerdings begann jetzt.

Die Geiztriebe (Seitenzweige) des Maises waren zu entfernen.

Das Mistausfahren für das Wintergetreide und das zweite Ackern (Rühren) begann.

Der zweite Schnitt der Wiesen („Gromet") und Mohar (Kolbenhirse) erfolgte, und das getrocknete Heu wurde eingefahren. Auch die Bohnen konnten geerntet werden. Der Hanf wurde geschnitten, getrocknet und geröstet. Luzerne sowie Espersette und Hirse für Samen wurden gemäht und gedroschen. Der Inkarnatklee blieb als Schweineweide bis April stehen. Danach wurde er umgebrochen und das Feld für die Futtermaiseinsaat vorbereitet.

Die Grünlandflächen mußten bestellt sein bzw. gesät werden, sofern der Boden noch genügend Feuchtigkeit hatte.

Die Kartoffelernte war vorzubereiten, die Körbe und Säcke herzurichten.

 

Garten

Jetzt begann die Erntezeit für Frühkartoffeln, Mohn, Gurken, Paprika usw. Diese reifen ungleichmäßig und müssen daher konstant eingebracht werden, um den Verlust möglichst gering zu halten.

Überladene Äste der Obstbäume wurden gestützt. Die Erdbeerpflanzungen konnten erneuert werden. Bei den stehenbleibenden müssen die Ausläufer entfernt werden.

Die abgeernteten Himbeersprößlinge konnten entfernt werden, damit die jungen Triebe sich besser entwickeln.

 

Weingarten und Keller

Einige frühe Weintraubensorten reiften bereits und waren als Tafeltrauben willkommen.

Der Weingarten wurde ein letztes Mal gehackt oder bei sandigem Boden auch nur durchgezogen (geschert) und gegen Peronospora gespritzt.

Die Weinlese mußte vorbereitet werden. Die zur Weinlese notwendigen Geräte wurden gerichtet und gereinigt.

Bei den Tafeltrauben lichtete man das dichte Laub, um so eine schnellere Reife zu erreichen.

 

September

 

Hof und Stall

Kartoffel- und Rübenkeller wurden gereinigt, gelüftet und zum Teil ausgeweißelt.

Ende September/Anfang Oktober wurden die Muttersauen gedeckt, die Ende Januar/Februar ferkeln sollten. Zeit des größten Ferkelbedarfs: März/April. Mutterschafe zur Winterlammung (Februar) decken lassen.

Die Klauenpflege der Rinder und Schafe durfte nicht vernachlässigt werden.

Die Ställe wurden für den Winter hergerichtet, gereinigt, ausgebessert und geweißelt.

 

Felder und Wiesen

Die letzten Sonnenblumen mußten gedroschen werden.

Die Kartoffel- und Frühmaisernte begann.

Vorbereitung des Saatgutes für die Wintersaaten. Das heißt, Sortierung (Selektor), beizen; wenn nötig und möglich: Saatgutwechsel vornehmen. Man verwendete Qualitäts- (bei Winterweizen, W.-Gerste, W.-Roggen, Roggen-Wickengemenge) bzw. anerkannte Sorten. (Manchmal nur für einen Teil der Flächen, um aus diesen dann das weitere Saatgut zu gewinnen).

Die bekanntesten Herbstsaatgutsorten waren:

Winterweizen: neben einigen alten Sorten (z. B. Stahweizen) waren weitere ertragsreichere Sorten: Bánkuter, Fleischmann ,,F", Hatvaner, Lovász-patonyaer, Székátscher und Eszterházaer. Es gab auch einige ausländische Sorten. So: Vilmorin, Grosbleu, Sanfermier aus Frankreich, Marquis aus Canada usw.; Wintergerstesorten aus ungarischer Veredlung: Székátscher, Hatvaner, Mezöhegyescher.

Deutsche Sorten: Ackermann-Irlbach, Streng-Aspachhof.

Österreichische Sorten: Loosdorfer, Friedrichswerther.

Winterroggensorten aus ungarischer Veredlung: Fleischmann, Lovászpatonyaer, Magyarovárer.

Deutsche Sorten: Petkuser, Heidenreicher usw.

Handelsdünger (Phosphorsäure und Kali) wurden ausgestreut und vor der Feldbestellung eingearbeitet. Luzerne konnte zum dritten Mal geschnitten werden. Silomais und Mischling (Futtermais) wurde einsiliert. Es gab aber nur einzelne landwirtschaftliche Betriebe, die über Siloraum (z. B. Josef Gatti) verfügten.

Die Kartoffelernte wurde beendet und die Kartoffeln sofort vom Feld abgefahren.

 

Garten

Fortsetzung der Erntearbeiten (Petersilien usw.). Ernte einlagern. Der reife Paprika wurde an einer geschützten, luftigen Stelle zum Trocknen aufgehängt. Später kam er zum Mahlen in die Paprikamühle. Wie die meisten Gemüsearten wurde auch Paprika in der Regel nur für den Eigenbedarf gebaut. Das reife Obst wurde gepflückt, sortiert und aufbewahrt. Aus Zwetschgen und Aprikosen wurde Latwerg (Marmelade) gekocht.

Zwetschgen, Aprikosen und auch Trebe wurden zur Gärung angesetzt. Sie ergaben später ausgezeichneten Schnaps.

 

Weingarten und Keller

Die frühen Tafeltrauben wurden gelesen und verwertet, die Weingärten von den Weingartenhütern gegen Stare und auch gegen Diebstahl geschützt. Mitte/Ende des Monats begann die Weinlese. Die Weine (vom Vorjahr) wurden zum dritten Mal abgezogen.

 

Oktober

 

Hof und Stall

Nicht mehr im Einsatz befindliche Maschinen und Geräte begann man zu reinigen, zu reparieren und für den Winter unterzustellen.

Ältere Hühner wurden geschlachtet oder verkauft. Das Vieh fand auf den Weiden nicht mehr genügend Nahrung. Zum Ausgleich wurden bei trockenem Wetter auch Luzerne- und Esparsettefelder beweidet. Als Zusatzfutter dienten die Frühmaisstengel, bei Bedarf auch Kraftfutter.

Der Stall mußte für die Winterhaltung vorbereitet werden. Bevor das Vieh in den Stall kam, wurde nochmal geweißelt. Die Rinder durften nicht zu lange draußen gelassen werden.

 

Felder und Wiesen

Die Winterweizeneinsaat wurde beendet, ebenso die Kartoffelernte. Die Rübenernte begann; zuerst die der Futterrüben, dann die Zuckerrübenernte. Futterrüben wurden zum größten Teil eingemietet. Konnten die Zuckerrüben nicht gleich abgeliefert werden, mußte der Zuckerrübenhaufen gegen Frost und Austrocknung geschützt werden, ansonsten drohte Zucker- und Gewichtsverlust.

Die Maisernte wurde fortgesetzt. Die geernteten Maiskolben kamen zum Trocknen in den „Gore" (Maisdare oder Maisschuppen).

Beginn der Winterfurche für das Sommergetreide und den Mais. Der Dung wurde untergepflügt, sofern er nicht bereits eingeschält war. In den Kriegsjahren wurde für die Winterfurche vom Staat Prämie bezahlt (10,- Pengö/Kj.).

 

Garten

Die Beete wurden gesäubert, Wintersalatpflanzen gesetzt. Alle Abfälle, Blätter und sonstige Pflanzenreste wurden entfernt und kompostiert oder auf den Misthaufen geworfen.

An den Obstbäumen brachte man neue Leimringe an, und die Bäume wurden mit Draht gegen Hasenfraß geschützt.

Obstvorräte mußten häufig durchgesehen werden. Die trockenen Äste schnitt man noch vor dem Abfall des Laubes aus den Bäumen.

 

Weingarten und Keller

Die Weinlese ging zu Ende. Die zur Vermehrung geeigneten Weinstöcke wurden gekennzeichnet, um von ihnen später Pflanzreben entnehmen zu können. Im Keller, wo bereits die Gärung der Weine begann, war jetzt doppelte Vorsicht geboten wegen der durch die Gärung entstandenen Kohlengasvergiftungsgefahr (CO,).

 

November

 

Hof und Stall

Die restlichen Maschinen wurden gereinigt, ausgebessert und untergestellt.

Das Rindvieh wurde auf Winterfütterung (Trockenfutter) umgestellt. Es bekam Weizen- und Haferspreu, Heu, Gerstenstrohhäcksel mit geschnittenen Rüben und entsprechendem Kraftfuttergemisch. Zusammengemischt und mit etwas Salzwasser begossen gab dies bei einer eintägigen leichten Gärung ein schmackhaftes, von den Tieren gern gefressenes Futter. Danach bekam das Vieh etwas Heu und Maisstroh.

Das Rindvieh in warmen Ställen wurde geschoren. Am Monatsende wurden die Muttersauen für den Frühjahrswurf gedeckt.

Hühner erhielten warmes Weichfutter und abends Körnerfutter.

 

Felder und Wiesen

Beendigung der Maisernte und Zusammenfahren der Maisstengel. Das Tiefpflügen und das Pflügen für die Frühjahrsaat wurde fortgesetzt. Das Land blieb in „rauher Furche" liegen.

Bei Frost konnte auch Mist gefahren werden, der bei offenem Wetter untergeschält wurde. Aufbringen der Winterdecke auf die Hackfruchtmieten mußte erfolgen.

 

Garten

Der Boden mußte geackert oder umgegraben werden. Dünger oder Kompost wurden ausgebracht. Die im Freien überwinternden Pflanzen (Petersilie, Kohl, Spinat usw.) wurden gegen Frost mit Stroh geschützt.

Wenn noch nicht geschehen, wurden die Mistbeete ausgeräumt.

Junge Bäume wurden gegen Hasenfraß (mit Stroh, Akazienzweigen oder Draht) geschützt, Spalierobst gegen Frost ebenfalls.' Die Stämme und starken Äste der Obstbäume reinigte man mit einer Drahtbürste. Die verletzten Stellen wurden behandelt. Die Aprikosen- und Pfirsichbäume band man mit Stroh ein.

 

Weingarten und Keller

Die Weinstöcke wurden zugedeckt. Die für die Veredlung geeigneten glatten Reben wurden gesammelt und im Keller oder einer Grube gelagert (eingeschlagen).

Das Rigolen wurde begonnen (etwa 50 — 60 cm tiefes Umgraben). Die vergorenen neuen Weine wurden aufgefüllt.

 

Dezember

 

Hof und Stall

Die Werkzeuge wurden gesäubert und eingefettet. Geräte und Maschinen instandgesetzt. Die Achsen der Wagen wurden nachgesehen, gerichtet und geschmiert, Eggen geschärft.

Ställe und Keller waren gegen Frost zu schützen. Das Trinkwasser durfte den Tieren nicht zu kalt gegeben werden. Für genügend Einstreu war zu sorgen (Mastschweine und Läufer bekamen Maisstengel). Die Kühe waren täglich zu putzen und mußten rechtzeitig gedeckt werden. Günstigste Stalltemperatur im Winter war +10 Grad bis +15 Grad Celcius.

 

Felder und Wiesen

Bei schönem frostfreiem Wetter wurde weiter gepflügt oder Dung gefahren.

Schlecht klebende Leimringe erneuerte man. Die Obstbäume wurden geschnitten, gereinigt und gedüngt. Weinreben, Pfirsich und Rosen wurden gegen Erfrieren geschützt, Obstvorräte auf Schäden durchgesehen.

 

Weingarten und Keller

Das Rigolen wurde fortgesetzt, die Pfähle für Neupflanzungen hergestellt.

Die jungen klaren Weine wurden das erste Mal abgezogen.

Aus den Trebern und dem zur Gärung angesetzten Obst (Zwetschgen, Aprikosen usw.) wurde Schnaps gebrannt.

 

Freundschaft der Tiere

 

Ungestörter Schlaf in der Frühjahrssonne auf dem Sallasch von Stefan Keiner

 

5.3 Der Pflanzenbau

5.3.1 Der Schnitt (die Getreideernte)

Gleichzeitig mit der Garaer Kirchweih begann für die Bauern im Dorf die wichtigste Arbeit im Jahr. Besser gesagt: für fast alle Dorfbewohner, denn die meisten waren mittelbar oder unmittelbar von der Ernte betroffen.

So wurden im Durchschnitt jährlich immerhin etwa 3900 Kj (2245 ha) Winterweizen, 780 Kj (450 ha) Winterroggen, 54 Kj (31 ha) Wintergerste, 144 Kj (83 ha) Hafer, d. h. insgesamt 4878 Kj (2809 ha) in drei bis fünf Wochen abgeerntet und in weiteren zwei bis drei Wochen gedroschen. Damit waren aber die Erntearbeiten noch nicht erledigt. Es waren auch noch ca. 400 Kj (230 ha) Sonnenblumen und ca. 250 Kj (145 ha) diverse Kleearten, Haferwickegemenge zu bewältigen und im Herbst noch der Mais, Futter- und Zuckerrüben usw. Bei guter Witterung konnte man schon mit dem Schneiden der Wintergerste in der zweiten Junihälfte beginnen. Wenn das Wetter gut war, konnten die Erntearbeiten und der Drusch Anfang/Mitte August abgeschlossen werden.

Das Getreide wurde mit der Sense gemäht. Der Einsatz von Erntemaschinen war nicht erwünscht bzw. erlaubt, um allen Familien die Möglichkeit zu geben, ihr tägliches Brot fürs ganze Jahr zu verdienen. Schon rechtzeitig wurden mit den Erntearbeitern Vereinbarungen getroffen bzw. Ernteverträge geschlossen, um einen reibungslosen Ablauf zu sichern. Die Ernteverträge mußten zeitweise sogar im Gemeindehaus vorgelegt werden.

Die Erntearbeiten begannen mit dem Fertigen von Roggenstrohbändern, die notwendig waren, um die Getreidegarben zu binden. Die Strohbänder wurden größtenteils von Hand gedreht oder mit Hilfe einer einfachen Vorrichtung. Dazu waren aber zwei Personen notwendig.

Der größte Teil der Ernteflächen wurden von Lohnschnittern abgeerntet, und nur Kleinbauern oder Besitzer von kleineren Flächen brachten mit der eigenen Familie ihre Ernte ein.

 

Beim Schnitt (Ernte)

 

Jause (Brotzeit) bei der Ernte; Farn. Hummel und Hutfluss

 

Rechnet man, daß eine Familie (mit zwei oder drei Personen) ca. 10 — 20 Kj bewältigen konnte, so bot die Ernte in Gara 150 — 200 Familien Arbeit. Die Schnitter arbeiteten meist zu dritt. Der Mann mähte mit der Sense das Getreide. Die Frau nahm gleich dahinter mit der Sichel die Klecken bzw. Garben zusammen und legte sie auf die meistens von einem jüngeren Familienmitglied ausgelegten Strohbänder. Waren nur zwei Arbeiter am Werk, so mußten die Strohbänder auch von der Klecken- bzw. Garbenlegerin gelegt werden. Die Strohbänder wurden auf dem Rücken mitgetragen. Die Garben wurden dann gemeinsam gebunden und zu Kreuzen zu je 18 Garben zusammengetragen bzw. gesetzt.

So ein Erntetag war lang. Er begann morgens um vier Uhr. Gegen sieben Uhr wurde auf dem Feld gefrühstückt; um 12 Uhr gab es Mittagessen; jemand aus der Familie brachte das meistens von der Großmutter gekochte Essen aufs Feld.

Da um diese Zeit die größte Hitze war, wurde auch ein wenig geruht. Der Mann dengelte während dieser Zeit seine Sense. Die Schnitterin und die Strohbänderleger/in konnten etwas länger ausruhen. Danach wurde wieder bis zur Jause (Brotzeit), so gegen fünf Uhr nachmittags, gearbeitet. Anschließend arbeitete man weiter, manchmal bis neun Uhr abends. Nach dem Abendessen ging man schlafen, denn am nächsten Tag begann die Arbeit ja wieder sehr früh. Bis zum Abendessen wurde auch alles aufgeräumt. Die Garben mußten zu Kreuzen gesetzt sein, damit in der Nacht weder Regen noch Wind Schaden anrichten konnten. Tagsüber trank man im allgemeinen Wasser, das im Wasserfäßchen (oder Plutzer) im Schatten lag, damit es kühl blieb. Wein wurde meistens nur zum Mittagessen und am Abend getrunken.

In den Kriegsjahren, als schon viele Männer zum Militär eingezogen waren und dadurch Mangel an Arbeitskräften herrschte, wurden auch Erntemaschinen eingesetzt. Zum Teil sogar ganz alte Mähmaschinen, die die Garben noch ungebunden ablegten oder Selbstbinder-Mähmaschinen. Die Schnitter bekamen aber auch in diesem Fall ihren Anteil vom Ertrag.

 

Ernte mit der Garbenbindemaschine

 

Ernte mit der Garbenbindemaschine

 

Einführen (zusammenführen) der Garben

 

Einführen (zusammenführen) der Garben

 

Eine Schnittergruppe bekam den zehnten Teil des von ihr abgeernteten Getreides. Sie erhielt das zehnte Kreuz, welches auch gesondert zum Dreschen gesetzt wurde. War die Menge, wie es z. B. bei der Gerste sein konnte, zu klein, bekam die Gruppe ein Zehntel der gedroschenen Gerste mit entsprechendem Strohanteil. Bei den großen Dreschmaschinen konnten kleine Mengen nur mit unverhältnismäßig mehr Zeitaufwand gedroschen werden, da der Auf- und Abbau der Maschine viel Zeit in Anspruch nahm. Je nach Erntejahr und abgeernteten Flächen erhielten die Schnitter zwischen 10 und 40 dz Getreide (Weizen, Roggen, Gerste und Hafer zusammen).

Ein Beispiel zum Verdienst der Schnitter: Die zwei Schnittergruppen von Stefan Keiner (151) ernteten 1941 insgesamt 29 Kj Getreide. Dafür erhielten sie zusammen 28 dz Weizen, 7,9 dz Gerste und 3,3 dz Hafer.

Die vorerwähnten Schnitter ernteten nach dem Getreide im Herbst auch den Mais. Sie erhielten dafür wiederum den zehnten Teil und verdienten gemeinsam 25 dz Maiskörner und entsprechend Maisstroh.

Schwierig war es, wenn vor der Ernte ein Hagelschlag auf die Getreidefelder herabging. Dann mußten Sondervereinbarungen getroffen werden, denn in diesem Fall konnten die Schnitter nicht um den zehnten Teil ihre Arbeit machen. Hier wurde eine genaue Menge pro Joch vereinbart, sofern sich das Abernten noch lohnte.

Die Schnitter im Dorf verdienten bei den Ernten soviel, daß ihre Familien das ganze Jahr über Brot hatten und sogar noch, je nach Familiengröße, etwas Weizen verkaufen konnten. Die Schnitter-Familien hielten auch Schweine oder eine Kuh und Kleinvieh. Das nötige Futter (Gerste, Mais) verdienten sie ebenfalls bei den Ernten. Außerdem waren sie auch Taglöhner bei den Bauern. Bei allen Arbeiten, die die Bauernfamilie mit ihren ständigen Arbeitern nicht bewältigen konnten, so z. B. bei der Hackarbeit am Mais, den Rüben usw., wurden sie als Verstärkung zusätzlich gegen Lohn beschäftigt. Anfang der 20er Jahre wurden auch Selbstbinder und Garbenlegererntemaschinen beim Schnitt eingesetzt. Dies wurde aber vom Staat bald unterbunden, um den Landarbeitern Arbeitsmöglichkeiten zu geben bzw. zu erhalten.

Die erwähnten Maschinen wurden von einzelnen Großbauern dennoch eine Zeitlang eingesetzt. Sie mußten aber trotzdem den Schnittern ihren Schnittanteil (ein Zehntel) geben. Deswegen stellte nach dem Ersten Weltkrieg die erste von einem Traktor gezogene Selbstbindermähmaschine ihre Arbeit ein.

Der Schnitt mit Erntemaschinen unterblieb später völlig. Erst im Zweiten Weltkrieg wurden sie wieder wegen mangelnder Arbeitskräfte eingesetzt. Die Bauern zogen diese Mähmaschinen mit drei bis vier Pferden oder, falls vorhanden, bereits mit einem Traktor.

Während der Erntezeit legte so mancher Handwerker sein Werkzeug weg, um sich in zwei bis drei Wochen das ,,Jahresbrot" und den Mais für die Fütterung der Hausschweine (die seine Familie benötigte) zu verdienen.

 

Beim Schneiden von Espersette (Baltazim)

 

Martin Gattis Schnitter (Farn. Stark und Farn. Puhl) beim Mittagessen

 

5.3.2 Das Dreschen

Nachdem die Getreidegarben einige Tage „auf Kreuz gesetzt" standen und ausgetrocknet waren, wurde mit dem „Ein- bzw. Zusammenführen" begonnen. Dabei wurde das Getreide bei kleineren Bauern in die Hofstelle im Dorf eingefahren und im Hinterhof (Trepplatz) auf eine „Triste" zusammengesetzt. Größere Bauern haben ihre Getreidegarben meistens auf dem Feld zentral zusammengefahren. Die Bauern, die einen Sallasch hatten, haben natürlich dort das ganze Getreide auf große, lange „Tristen" ein- bzw. zusammmengefahren. Beim Anlegen der Garbentriste mußte beachtet werden, daß die Dreschmaschine neben der „Triste" genügend Platz hatte; weiter, daß das ausgedroschene Stroh gleich dorthin kam, wo man es am besten zu den Viehställen und zum „Ako" (eingezäunte Düngerstätte) bringen konnte.

Sobald einige Bauern das Getreide ein- bzw. zusammengefahren hatten, begann man mit dem Dreschen.

Für die Bewältigung eines Drusches von 4878 Kj (2809 ha) Getreideflächen und dazu noch Sonnenblumen, Klee usw. benötigte man eine größere Zahl von Dreschmaschinen, zumal meistens die Bauern gegen den 15. August mit dem Dreschen fertig sein wollten. In Gara waren 1944 neben einer elektrisch betriebenen Dreschmaschine von Jakob Findeis (129 a), die nur im Ort arbeitete, noch weitere mit Dampf- und mit Sauggas betriebene Dreschmaschinen vorhanden. In der letzten Zeit bzw. schon ab Anfang der 30er Jahre, gab es immer mehr mit Traktoren betriebene Dreschmaschinen. Eigentümer waren: Jakob Bräutigam (503), Josef Eimer (107), Josef Gatti (149), Philiph Giesse sen. (449), Philiph Giesse jun. (449), Stefan Heffner (292), Wendelin Heffner (405), Johann Koos (373), Andreas Lauks (453), Adam Peller (197), Ivan Sokats (713), Katharina Tuffner (653), Antal Zomborcsecvits (226/27), Adam Gegner (241) und Dr. Mathias Keiner/Kling (249).

Diese Dreschmaschinen waren alle „Selbstfahrer" und gehörten Lohnunternehmern. Sie fuhren von Dreschplatz zu Dreschplatz oder von Sallasch zu Sallasch.

Es handelte sich dabei um leistungsstarke Dreschmaschinen, die am Tag (je nachdem ob sie einmal, zweimal oder gar nicht „wandern" mußten) eine Tagesleistung (bei Weizen) von 120 dz bis zu 200 dz und (bei Rekordleistungen) bis zu 280 — 300 dz am Tag verarbeiteten.

Die Dreschmaschinen hatten alle als zusätzliche Einrichtung einen Strohaufzug (Elevator) und zum Teil weitere Zusatzgeräte, z. B. Purifikator (Reiniger) für den Klee oder Geräte zum Sonnenblumendrusch usw. Alle Dreschmaschinen waren „Schlagleisten-Breitdrescher".

Der Arbeitskräftebedarf betrug je nach Leistung der Dreschmannschaft zwischen 14 und 24 Personen; dabei waren für leichtere Arbeiten auch vier bis sechs Frauen eingesetzt.

Vom Unternehmer wurde das Fachpersonal gestellt, so der Maschinist bzw. Maschinenführer, der Heizer, falls er notwendig war, und die zwei Einlasser, die die Garben in die Trommel der Dreschmaschine ließen. Diese wurden vom Unternehmer entlohnt und vom Druschherrn verpflegt.

Die anderen Arbeiten wurden von der Druschgruppe (vielfach auch „Banda" genannt) verrichtet. Sie hatten sich in der Regel für die ganze Saison vertraglich verpflichtet. Die Leitung der Gruppe hatte der Rechnungsführer (Bandagazda), der auch das gedroschene Getreide wog.

Die in der Gruppe Arbeitenden haben sich selbst verpflegt. Sie beauftragten einen Essenwagen, der zu Mittag das warme Essen brachte sowie das, was zum Frühstück und Abendessen notwendig war.

 

Dampfbetriebene Dreschmaschine (von Andreas Lauks) bei der Arbeit

 

,,Dreschgarnitur" von Philipp Giesse beim Drusch

 

Dreschmaschine von Josef Klenenz; Maschinist ist Josef Geiger

 

Die Dreschmaschine von Wendelin Heffner bei der Arbeit

 

,,Dreschgarnitur" von Wendelin Heffner; aufder Leiter der Sohn Andreas

 

Dreschmaschine von Wendelin Heffner auf dem ,, Trepplatz" von Andreas Knipf; mit Fr. Maria Knipf geb. Bischof und Vater Josef Bischof

 

Dreschmaschine von Johann Koose, vormals Pentz/ Kling. Auf den Pferden Maria Kling und Adam Kling und heim Traktor die Brüder Josef und Stefan Kling

 

Die Dreschmaschine von Frau Tuffner am Einsatzort (Mitte der 30er Jahre)

 

Die Dreschmaschine von Dr. Mathias Keiner bei der Arbeit

 

Dreschkolonne und Maschine von Jakob Breitigam

 

Dreschmaschinen mit Traktorenantrieb (Mitte der 30er Jahre)

 

 

Die Entlohnung wurde üblicherweise in Naturalien vorgenommen bzw. in v. H. (%) des gedroschenen Erntegutes.

Die Abmachungen lauteten, wenn der Unternehmer auch die Arbeiterpartei stellte, meistens auf 10 % des Druschgutes. Allerdings gab es hier Schwankungen bis zu 4 % nach unten.

Von diesen 10 % erhielten der Unternehmer 6 %, die Arbeiter 4 %. Wurde um weniger gearbeitet, wurde meistens der Anteil des Unternehmers reduziert, nicht die 4 % der Arbeiter. Nur wenn um 6 — 7 % gedroschen wurde, mußten auch die Arbeiter auf 1/2 bis 1 % verzichten. Dies wurde aber mit den Arbeitern abgesprochen.

Das gedroschene Erntegut wurde bei der Maschine gewogen. Der Anteil des Unternehmers sowie der Arbeiter wurde gleich beiseite gestellt, und der Druschherr war verpflichtet, ihn wegzufahren. Die Arbeiter hatten meistens ein Zimmer oder sonst einen geeigneten Raum, wo sie ihren Anteil bis zum Ende der Druschsaison lagerten. Nach Saisonende verteilten sie das erarbeitete Getreide untereinander. Ein Arbeiter konnte so im Durchschnitt etwa 10 — 14 dz Weizen verdienen. Damit konnte der Ernteverdienst erheblich verbessert werden. In der Regel gingen diejenigen zu den Dreschmaschinen, die beim Schnitt nicht tätig sein konnten oder nicht genug verdienten. Der Unternehmer mußte von seinem Anteil sämtliche Unkosten, wie Betriebs-, Reparaturkosten, Amortisation usw. tragen. Natürlich mußte er auch noch sein Personal bezahlen, deren und seine Versicherungsbeiträge und Steuern tragen.

Wenn ein Arbeiter beim Schnitt und beim Dreschen arbeitete, hatte er das tägliche Brot für seine Familie fürs ganze Jahr verdient. Beim Dreschen wurde genau so hart gearbeitet wie im Schnitt, nur dauerte es nicht so lange. Schnitt und Drusch dauerten insgesamt sieben bis acht Wochen. Der einzelne war aber selten länger als sechs Wochen bei dieser schweren Arbeit. In der Regel wurde jeweds 14 — 15 Stunden am Tag gearbeitet. Nach Beendigung des Dreschens wurden die Maschinen „eingefahren", d. h. sie wurden zurück zu den Eigentümern gebracht. Dort wurden sie repariert und sorgfältig geputzt, damit sie das nächste Erntejahr wieder einsatzbereit waren. Die ersten Dreschmaschinen wurden von einer Dampfmaschine (Dampfkessel) angetrieben. Diese Dreschgarnitur hatten die Gebrüder Lauks 1905/06 in das Dorf gebracht. Es handelte sich dabei um eine Maschine, die von Pferden oder Ochsen von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz befördert wurde. Da das Geschäft mit dieser Maschine sehr gut ging, schafften die Brüder gleich eine zweite dampfbetriebene Dreschmaschine an.

Nach dem Einzug der Maschinen feierte der Eigentümer/Unternehmer ein Dankesfest (áldomás) als Dankeschön für die Arbeiter.

 

Die Dreschmaschine von Josef Eimer mit seinen Arbeitern beim Feiern des Einzuges bzw. des Endes der Dreschsaison

 

Im Maschinenschuppen bei Andreas Lauks; im Vordergrund Johann Knipf und Josef Risbeck

 

Nachdem sich der aus Cservenka stammende Schlosser Philiph Giesse in Gara eine Schlosserwerkstatt eingerichtet hatte, erwarb er auch eine dampfbetriebene Dreschmaschine. Diese baute er so um, daß sie auch aus eigener Kraft fahren konnte. So war sie die erste selbstfahrende Dampfmaschine in Gara.

In der Werkstatt von Philiph Giesse sen. wurden dann noch andere Dampfmaschinen zu Selbstfahrern umgebaut. Diese wurden zum Teil weiterverkauft, oder er setzte gleich mehrere Maschinen für den Drusch ein.

Da während des Ersten Weltkriegs das Heizmaterial (Kohle, Holz) knapp und teuer wurde, wurde mit Stroh geheizt. Da aber die Bauern das Stroh auch für ihr Vieh benötigten, wurden die Maschinen auf andere Treibstoffe umgestellt bzw. andere Motoren eingesetzt, z. B. auf Benzin. Allerdings war das Benzin auch eine teure Angelegenheit. So kam man am Anfang der 20er Jahre auf die Idee, die Motoren mit Sauggas, das aus Holzkohle hergestellt wurde, zu betreiben.

Diese Umstellarbeiten wurden wiederum in der Werkstatt der Familie Giesse vorgenommen. Die Folge war, daß sie mit der Familie Heffner Ende der 20er Jahre bzw. Anfang der 30er Jahre zeitweise bis zu fünf Selbstfahrermaschinen mit Sauggas in Betrieb hatten.

Von den Dampfmaschinen wie auch von den sauggasbetriebenen Maschinen liefen einige bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

In den 30er Jahren kamen dann die Traktoren bzw. schlepperbetriebenen Dreschmaschinen hinzu. Meistens wurden „Hoffer und Schranz"-Glühkopf-Traktoren gekauft.

Es gab nur einzelne mit Benzin betriebene Traktoren, größtenteils amerikanische Fabrikate. Zum Ende der 30er Jahre kam dann noch eine elektrisch betriebene Dreschmaschine nach Gara, die hauptsächlich im Dorf zum Einsatz kam.

 

Dreschmaschine von Philiph Giesse sen. mit Sauggasantrieb

 

Dreschmaschine von Jakob Findeis (mit elektrischem Antrieb); vorne rechts der Eigentümer Jakob Findeis

 

Dampfmaschine von Josef Elmer Anfang der 30er Jahre

 

Die Dreschmaschine von Ivan Sokats bei der Arbeit; bei dem Feuerlöscher Tochter Angela

 

Dreschmaschine auf dem Weg ins Winterquartier

 

Dreschen auf dem Hof von Franz Haberbusch

 

 

Drusch bei Stefan Keiner auf dem Sallasch

 

 

Maisrebler von Riesbeck bei der Arbeit

 

5.3.3 „Maisribbeln" (Maisrebeln)

Die Maiskolben wurden in Maisschuppen/Maisdare (Gore) gelagert bis sie vollkommen trocken waren, dann erst wurden sie geribbelt.

Bei kleinerem Bedarf wurde von Hand auf einem niedrigen Stuhl, in dem ein Flacheisen eingeschlagen war, das etwa auf 10 — 15 cm Länge und 1,5 — 2 cm aus dem Stuhl herausragte, gerebelt. Bei etwas größerem Bedarf wurde der mechanische, handbetriebene Maisrebler benutzt. Dazu waren zwei Personen erforderlich. Eine, die die Maschine ankurbelte, und eine, die die Maiskolben einzeln in die Maschine eingab. Bei ganz großen Mengen wurden die getrockneten Maiskörner mit Hilfe einer mit Motor angetriebenen Maschine (Benzin oder Elektro) von den Kolben getrennt.

In Gara gab es fünf Lohnrebler: Josef Riesbeck (600), Johann Koos (373), Stefan Maidl (478) sowie Philiph Giesse sen. (449) und Jakob Breitigam (503).

Die Leistung dieser Maisrebler mit einem Antriebsmotor von sechs bis zehn PS lag pro Stunde bei 10 bis 15 dz. Zu dieser Arbeit waren sechs bis sieben Arbeitskräfte notwendig. Zwei, die die Maiskolben in den Rebler eingaben. Einer, der die Säcke zuband. Zwei, die die vollen Körbe vom Trocknungslager zum Rebler brachten und noch weitere zwei oder drei, die die Maiskolben in Körben sammelten. Die Arbeiter wurden bis auf den Maschinisten, der gleichzeitig auch Einleger war, meistens vom Bauern gestellt. Der Maschinenbesitzer war in der Regel auch der Maschinist.

Der Antrieb des Maisreblers erfolgte wohl mit Motorkraft; er war aber kein Selbstfahrer. Die Entlohnung der Arbeitskräfte konnte in Naturalien und in Geld erfolgen; wobei das letztere üblich (Tag- bzw. Stundenlohn) war. Was der Unternehmer bekam, wurde von Fall zu Fall ausgehandelt.

 

Maisrebler von Stefan Maidl und Jakob Breitigam

 

 

5.3.4 Die Weinlese

Sobald die Trauben, Ende September oder im Oktober reif waren, wurde mit der Weinlese begonnen. Zuerst mußte alles für die Weinlese vorbereitet werden. Die nötigen Gefäße, hauptsächlich Eimer, aber auch kleine Körbe, mußten in entsprechender Zahl bereitgestellt werden. Der Wagen mußte zur Aufnahme der Trauben mit zwei oder drei Fässern geladen werden. Die große Boding (Bottich) mußte so aufgestellt werden, daß man mit dem Wagen unmittelbar daneben halten konnte, um die Trauben zügig abzuladen. Auf die Boding kam die Traubenmühle. Am Abend, wenn man aus der Weinlese in den Hof kam, mußte alles Schlag auf Schlag gehen. Da es auf der Garaer Gemarkung nur ca. 63 kj (26 ha) Weinbaufläche gab, lagen die Weinbauflächen der Garaer meistens auf Csátaljaer und Bátmonostorer Gebiete. Da diese Weingärten ca. 10 - 15 km entfernt lagen, begann die Weinlese schon sehr früh morgens.

Meistens war es noch finster und kalt, wenn man losfuhr, aber die versammelten Weinleser waren trotzdem fröhlich. Nur die Kinder, die zur Weinlese schulfrei hatten, waren noch nicht richtig ausgeschlafen. Die Weinlese wollten sie aber nicht versäumen.

Wenn alles auf dem Wagen war, die Pferde angespannt und die Leser Platz genommen hatten, ging es los. Bis man im Weingarten ankam, war es schon hell. Nach der Ankunft wurde auch gleich mit der Arbeit begonnen. Der Wagen mit den Fässern wurde auf einen gut zugänglichen Platz gestellt, damit die Büttenträger die Fässer beladen konnten. Das Weinlesen war eine schwere Arbeit, weil in Gara der Weinbau mit Weinstöcken in einer Größe von 80 — 120 cm betrieben wurde. Die Trauben hingen daher in der Regel am unteren Teil des Weinstockes und konnten somit nur gebückt geschnitten werden. Die auf den Boden gefallenen Weinbeeren wurden sauber aufgelesen.

 

 

Maidls bei der Weinlese

 

Bei der Weinlese; im Hintergrund eine Weingartenhütte.

 

Bei gutem Wetter war auch die Weinlesemannschaft in guter Stimmung. Es wurden Witze und Neuigkeiten erzählt oder gesungen. Dies half aber trotzdem nicht darüber hinweg, daß man früher oder später „sein Kreuz spürte".

Gefrühstückt und zu Mittag gegessen wurde im Weingarten. Das Essen brachte man von zu Hause mit, oder es wurde zum Beispiel Speck am Spieß gebraten. Vor allem wurden viele Trauben gegessen. Wer zuviel Trauben gegessen hatte, merkte dies in der Regel auch ziemlich schnell, denn dies führte nicht selten zu Durchfall.

Am späten Nachmittag, wenn die Fässer voll waren, wurde der Heimweg angetreten. Bis der Wagen mit den Trauben im Hof ankam, wurde es schon dunkel. Die Trauben mußten aber noch abgeladen werden. Der Wagen mit den Trauben wurde an die Boding herangefahren, so daß die Trauben vom Wagen gleich in die Traubenmühle gegeben werden konnten. Mit dieser Traubenmühle wurden die Trauben gleich zerdrückt, und die Maische fiel in den Boding. Die Größe der Boding lag bei ca. 10 — 15m3. In Gara wurden hauptsächlich folgende Weintraubensorten gezogen: Burgunder, Csaba Gyöngye, „Ezerjó" (Tausendgut), Gaistuttl, Gutedel, Kadarka, Riesling, Muskat und Slanka.

Sobald abgeladen und alles versorgt war, ging es zum Abendessen, zu dem es meist einen Hammel oder Rindspaprikas (Gulasch) gab. So ging es, bis die Weinlese beendet war, je nach Größe der Weingärten 1, 2 oder 3 und mehr Tage.

Die Maische blieb in der Boding, bis die Weinlese beendet war. Inzwischen wurden auch die Weinfässer gerichtet, gewaschen und, falls notwendig, auch geschwefelt.

Dann wurde von der Boding der Süßmost abgelassen und der Treber abgepreßt. Aus den Weintrebern wurde im Winter ein guter Schnaps gebrannt. Der Süßmost kam in die im Keller bereitstehenden Fässer. Nach einigen Tagen begann der Most zu gären. Während dieser Zeit durfte man nicht in den Keller, denn es bildete sich Kohlendioxid. An diesem Gasgemisch konnte man im Keller ersticken. Es gab aber nur sehr selten Unfälle.

Wenn die Gärung zu Ende war, gab es den jungen Wein. Die Arbeit mit dem Wein war aber noch lange nicht zu Ende. Damit der Wein schön und gut wurde, mußte er mehrmals abgefüllt werden. In Gara wurde meistens Schillerweine und Weißweine gekeltert, nur wenig schwere Rotweine.

 

Bei der Weinlese

 

5.3.5 Der Traubenball

Zum Ende der Weinlese feierte man ein Weinlesefest, den Traubenball. Dieser wurde meistens in einem größeren Saal abgehalten. Der Traubenball dürfte von den Ungarn übernommen worden sein, denn die Aktiven dieses Balles, die Feldhüter, Feldhüterinnen und der Kleinrichter trugen meistens stilisierte madjarische Trachten.

Zum Traubenball wurde der Tanzsaal mit schönen Speise- bzw. Delikateßtrauben und Süßigkeiten dekoriert. Diese wurden so hoch über die Tanzfläche aufgehängt, daß sie nicht leicht herunterzuholen waren. Zweck der Sache war, daß die Trauben und die Süßigkeiten gegriffen (gestohlen) werden mußten, und jeder, der dabei von den Traubenhütern ertappt wurde, mußte Strafe bezahlen. Dies hinderte aber niemanden daran, nach den Trauben und Süßigkeiten zu greifen. Das erlöste Geld wurde immer für einen guten Zweck verwendet.

Nach ca. zwei Stunden waren die Trauben und Süßigkeiten abgeräumt, und das Fest wurde etwas ruhiger. Das Fest, bei dem es mit Tanz bis in den Morgen ging, wurde nur noch durch einen zweiten Höhepunkt, der Wahl des Traubenkönigspaares, unterbrochen.

 

Die Traubenhüter und -hüterinnen mit dem Kleinrichter hei einem Traubenhall

 

Sallasch von Johann Rutterschmidt

 

5.4 Viehzucht

5.4.1 Pferdezucht, Pferdehaltung

Bei den Garaer Bauern hatte die Pferdezucht eine sehr große Bedeutung. So waren Pferde nicht nur als Zugtiere, sondern auch für den Verkauf (hauptsächlich für das Militär, als Reit- und Artilleriepferde) wichtig.

Obwohl die Zahl der Pferde in den letzten Jahrzehnten nicht in dem Maß zunahm wie die der Rinder oder Schweine, so behielten sie doch ihre Bedeutung, denn sie waren ja auch des Bauern Stolz. Welche Pferderassen waren in Gara vertreten? Ein großer Teil gehörte der Noniusrasse an. Noniuse gab es in zwei Größen. Der kleine (bis 168 cm Stockmaß) und der große (über 168 cm) Nonius. Bevorzugt wurden die großen, denn diese waren stärker, kräftiger und für jede Arbeit geeignet. Die Farben waren hauptsächlich braun und schwarz, in allen Variationen.

Weitere Rassen waren das in Ungarn weitverbreitete englische Halbblut, Gidran; das Mezöhegyeser Halbblut und Kreuzungen, zum Beispiel englische Halbblutstuten mit Araberhengsten (vorwiegend vom Stamm Koheilan).

Die Zuchtrichtung wurde weitgehend von den staatlichen Zucht-(hengst)-stationen bestimmt, von wo die Hengste alljährlich auf die einzelnen Dörfer verteilt wurden.

 

Hengste der Zuchthengststation Baja mit Wärtern in Gara, 1940

 

Ein Jährling des Hengstes „Koheila"; Eigentümer Johann Knipf, 1948 vom Staat zur Zucht zugelassen

 

So kamen auch von der Bajaer Zuchthengststation jährlich i.d.R. drei Hengste (die meistens zur Rasse der Noniuse gehörten) nach Gara. Diese waren dann bei der Gemeinde untergebracht. Gepflegt und versorgt wurden die Hengste von den aus Bajaer Zuchthengststationen mitgekommenen bzw. zugeteilten Gestütswärtern. Die Gemeinde mußte sowohl für die Unterbringung und Verpflegung der Gestütswärter als auch der Tiere sorgen. Die Hengste waren vom 15. Februar bis Ende Juni in der Gemeinde. In Gara gab es in den letzten Jahren auch einen mit einem Zuchtzeugnis versehenen, in Privatbesitz befindlichen zugelassenen Hengst. Dieser war im Besitz von Stefan Keiner (151). Es war ein Apfelschimmel mit dem Namen „Koheila" und stammte aus der Kreuzung einer englischen Halbblutstute mit einem Araberhengst der Linie Koheilan. So sah man in den letzten Jahren immer mehr Schimmelfohlen.

Zwei amerikanische Traber befanden sich im Besitz von Stefan Kling (249). Außer den Warmblütlern gab es in Gara auch eine kleinere Zahl Kaltblutpferde (bei der Zählung 1942 waren es 132 Stück).

 

Zuchtstute mit Fohlen; das Fohlen stammt vom Hengst,,Koheila" (Theresia Schmidt mit Sallaschmann)

 

Johann Knipf als Reiter

 

Auf dem Bauernhof von Mathias Dobler. Auf dem Pferd Mathias Dobler, vor dem Pferd Friedrich Dohler und Eva Dohler, geh. jung

 

Amerikanische Traber vorn: Stefan Kling und Dr. Mathias Keiner; hinten stehend: Wendeling Hutfluss und auf dem Wagen Frau Hutfluss

 

Mit den amerikanischen Trabern von Stefan Kling. Bei den Pferden Maria Kling und Adam Kling

 

Vorbereitung und Drusch von Kolbenhirse (Mohar) bei Sebastian Zuck

 

 

 

Fohlen im Auslauf

 

5.4.2 Rinderzucht, Rindviehhaltung

Die Zahl der Rinder hat sich von 1120 Stück (1895) auf 2773 Stück im Jahre 1942 erhöht, was eine Zunahme von fast 150% bedeutet.

Was die Zahl des ungarischen Langhornviehs betrifft, so waren es 1895 noch 1085 Stück. 1942 verschwand diese Rasse ganz aus Gara. Ab 1942 gab es nur noch Fleckvieh (ungarische Rotbunde) und Simmentaler. Das ungarische Langhornvieh eignete sich sehr gut als Zugtier. Die Milchleistung war aber klein und das Körpergewicht deutlich geringer als beim Fleck-und Simmentalervieh.

Die Gemeinde hielt im Schnitt zehn Simmentaler Stiere. Mit ihrer Einkreuzung wurde nicht nur die Milchleistung gesteigert, sondern es wurden auch schwerere Tiere herangezogen.

Die Milchleistung in Gara lag bei den herdbuchführenden Betrieben bei entsprechender Fütterung zwischen 3400 und 4200 Liter (bei Einzeltieren auch darüber). Es gab mehrere Bauern, die der Herdbuchführung beitraten. Diese erbrachten auch die besten Milchleistungsergebnisse.

Auf den Sallaschen wurde im großen Umfang auch Rindviehmast betrieben.

Die erzeugte Milch wurde überwiegend an die örtliche Molkerei geliefert. Dies konnte im Sommer nur vom Ort aus oder von nahegelegenen Sallaschen geschehen. Bei langen Anfahrtswegen wurde die Milch in der Sommerhitze sehr schnell sauer. Es wurde aber auch von den Milchfrauen (,,Kofa" genannt) früh am Morgen von den Bauern Milch gesammelt und mit dem ersten Zug nach Baja gefahren und dort an die Haushalte direkt verkauft. Die Frauen hatten schon ihre Straßenzüge, die sie täglich belieferten.

Auf den weiter vom Ort (mehrere Kilometer) gelegenen Sallaschen wurde die Milch meistens selbst zu Butter verarbeitet. Dies geschah mit einem handbetriebenen Milchseparator (Entrahmer), der die Milch entrahmte. Den Rahm verarbeitete man zu Butter, die entweder auf dem Wochenmarkt oder auch durch die Milchfrauen in Baja verkauft wurde. Die Magermilch wurde im Betrieb zur Ferkelaufzucht verwendet.

 

Bulle auf einem Bauernhof

 

Beim Viehverladen auf dem Garaer Güterbahnhof; links im Bild der Besitzer Stefan Mayer (172)

 

Katharina Schadt, geb. Turi und Sohn Anton Schadt mit einer Kuh der ,,Bonyhader-Rasse"

 

Viehherde

 

Viehherde im Ako (Auslauf) bei Martin Schmid

 

5.4.3 Schweinezucht.

Schweinehaltung und das Schlachten der Schweine

Die Schweinezucht bzw. Schweinemast war eine der wichtigsten Einnahmequellen der Bauern. Stieg doch die Zahl der Schweine ab 1895 von 1554 Stück auf 9259 Stück im Jahre 1942. Dies war eine Versechsfachung des Schweinebestandes. Zu den Rassen gehörte von alters her die Mangolizarasse, die wegen großer Fettproduktion und Widerstandsfähigkeit lange dominierte. Wegen der langen Zeit (12 Monate oder mehr) bis zur Mast und der geringen Ferkelzahl, die sie brachte, wurden immer häufiger andere Rassen bevorzugt, oder es wurden andere Rassen eingekreuzt.

So wurden die Rassen Berkshire-, Cornwall-, deutsches Edelschwein und Yorkshire mit Mangolizaebern gedeckt und die so gewonnenen Ferkel gemästet. Die neuen Rassen wurden auch zum Teil rein weitergezüchtet. Die Tiere aus dieser Kreuzung konnten schon mit sechs Monaten zur Mast eingestellt und schneller ausgemästet werden. Sie erreichten ohne Schwierigkeiten bis zu 200 kg Gewicht (oder auch darüber) und auch eine befriedigende Fettmenge. Dies war sehr wichtig, gab es doch für jedes ausgemästete und gelieferte Schwein, das über 175 kg Lebendgewicht wog, eine Prämie von 10 Pengö.

Die Bauern in Gara mästeten zweimal im Jahr. So kann nach der Viehzählung von 1942, als von 9259 Stück Schweinen 6313 Stück Mastschweine waren, angenommen werden, daß in Gara über 12 000 Schweine gemästet und verkauft wurden (6313 Mastschweine x 2 Perioden). Sie wurden größtenteils mit Lastkraftwagen und Bahn auf den Großmarkt nach Budapest geliefert.

 

Mastschweine im Stall von Johann Knipf

 

Mastschweinestall einfachster Bauart

 

Schweineherde auf der Stoppelweide; links im Bild Maria Mayer, geb. Klenanz

 

Berkshire-Muttersauen

 

 

Das Schlachten der Schweine

 

In Gara wurde im Winter nahezu in jedem Haus selbst geschlachtet. Nicht nur die Bauern, auch die Handwerker und die Arbeiter mästeten und schlachteten in der Regel ein oder zwei Schweine. Sobald es richtig kalt wurde, so im Dezember, manchmal auch schon früher, wurde mit den Hausschlachtungen begonnen.

Schon Tage vorher traf man Vorbereitungen. Sofern man nicht alle Geräte, die für die Schlachtung nötig waren, selbst hatte, mußten diese von den Nachbarn oder Verwandten besorgt werden. Gewürze usw. mußte rechtzeitig eingekauft werden. Am Schlachttag kochte das Wasser bereits, wenn der Schlächter, der meistens ein Verwandter war, kam. Dann wurde ein Schwein nach dem anderen von zwei bis drei Männern aus dem Schweinestall geholt und gestochen. Das Blut wurde unter ständigem Rühren aufgefangen, denn daraus wurde Blutwurst hergestellt. Es wurden zwei bis drei kräftige Männer benötigt, um ein Schwein aus dem Stall zu holen und es festzuhalten, denn die Schweine hatten pro Stück 160 — 200 kg, manchmal über 200 kg Lebendgewicht. Dann kam das tote Schwein in die Brühmulder (Bottich), wo es mit kochendem Wasser übergössen wurde. Mit zwei Ketten wurde es in heißem Wasser solange gewendet, bis sich die Borsten zu lösen begannen. Anschließend wurden mit Schabeisen und alten Löffeln die meisten Borsten sauber entfernt. Das Schwein wurde nun aus der Mulder gehoben und auf Schrägen gelegt, um die restlichen Borsten mit scharfen Messern abzurasieren. Es durfte keine Borste stehen bleiben. Sobald dies geschehen war und das Tier an dem Rechen oder Galgen hing, holte man das nächste Schwein aus dem Stall.

Manchmal wurden bis zu 4 Schweine am Tag geschlachtet — je nach Größe der Familie oder der zu versorgenden (Arbeiter) Personen. Danach wurden die Schweine zerlegt. Inzwischen richteten die Frauen das Essen. Der Hunger war schon groß, denn die Arbeit war schwer. Wenn das Schwein zerlegt war, mußte das Fleisch von den Knochen gelöst und gemahlen (durch den „Wolf" gedreht) werden. Speck wurde geschnitten und Schmalz ausgelassen. Die für Würste benötigten Därme mußten geputzt und gewaschen werden. Während der Schlächter den Wurstteig mischte, wurde dieser gewürzt. Auf die richtige Würze legte man großen Wert.

Im allgemeinen stellte man bis zu vier Wurstsorten (Bratwurst, Fleischwurst, Blutwurst und Leberwurst) und zwei Sorten Schwartenmagen her. Das übrige Fleisch, welches nicht frisch verbraucht wurde, die Schinken, der Speck usw. kamen in einen Zuber (kleiner Bottich) und wurde eingesalzen. Dort blieb es etwa 6 Wochen in einer Salzlake liegen. Später wurde es im Rauchfang mehrere Wochen lang geräuchert. Wichtig war dabei, daß es vom Rauch nicht zu schwarz wurde. Es sollte eine schöne braune Farbe haben.

Nach dem Räuchern kamen Fleisch (Schinken, Speck usw.) und die Würste in einen besonderen Raum (Speisekammer), der luftig und möglichst kühl war. Der Vorrat sollte bzw. mußte ja bis weit in den Sommer oder sogar noch länger (z. B. der Speck), reichen.

Während des Tages standen ständig Wein und Schnaps für die Schlächter bereit.

Am Schlachttag gab es für jeden Arbeit in Hülle und Fülle. Die Arbeit war schwer, so daß alle froh waren, wenn sie am Abend fertig waren und man zum gemütlichen Teil überging.

Wenn die Arbeit getan war, begann mit dem Abendessen der gemütlichen Teil des Schlachttages. Das Abendessen war immer eine sehr fröhliche Angelegenheit. Aufgetischt wurden Metzelsuppe, Metzelfleisch mit Tomatensoße, gebratenes Fleisch und Würste mit Kompott. Als Nachtisch gab es verschiedene Kuchen. Zur Metzelsuppe wurden auch die nächsten Verwandten eingeladen. Nach dem Essen spielte man meist Karten (Schafskopf, Mariasch usw.), und wenn jemand Ziehharmonika spielen konnte, wurde auch getanzt. Zum Teil bis in die Morgenstunden.

 

Schlachtfest in Gara

 

Reiter bei der Gegnerischen Mühle

 

Fohlen von Hengst „Koheila"

 

5.4.4 Schafzucht, Schafhaltung

Die Schafzucht wie auch die Schafhaltung stagnierte in den letzten Jahren. Sie wurde mehr von den Bunjewatzen betrieben.

 

Ante Zomborcsevits und Tochter Mariska mit einem Zuchtschaf

 

5.4.5 Geflügelhaltung

Die Zahl des gesamten Geflügels (Hühner, Gänse, Enten und Truthühner) lag 1895 bei 10 616 Stück. Da im Jahre 1942 das Geflügel nicht gezählt wurde, müssen die Zahlen der 1935er Zählung zum Vergleich herangezogen werden. 1935 gab es insgesamt 25 570 Stück Geflügel, davon 22 890 Hühner, 910 Gänse, 1 747 Enten und 23 Truthühner.

Die Geflügelhaltung trug vorwiegend zur Eigenversorgung bei. Nur ein Teil wurde auf dem jeden Freitag stattfindenden Wochenmarkt in Gara den Händlern verkauft, die auch die Eier aufkauften.

 

Bei der Fütterung

 

Der Stolz der Bäuerin

 

Glucke mit ihren Küken

 

Junggänse

 

5.4.6 Bienen

1935 gab es in Gara 379 Bienenvölker.

 

Bienenkästen und Bienenhütte

 

5.4.7 Seidenraupenzucht

Die Seidenraupenzucht brachte der Familie ein schönes zusätzliches Einkommen in einer Zeit, in der sonst kaum etwas verdient werden konnte. Die Zucht konnte ohne Kapitalaufwand betrieben werden. Die Seidenraupen wurden mit Maulbeerbaumlaub bzw. -blättern gefüttert, das es reichlich im Ort und an den Landstraßen gab.

Das Wichtigste war, daß die Familie einen Raum für die Seidenraupen zur Verfügung hatte. Die Seidenraupen wurden auf einfachen, selbst gefertigten und mit Papier belegten Regalen gehalten. Sie mußten genügend Platz zum Wachsen haben und mußten fleißig mit soviel Laub versorgt werden, wie sie fressen konnten.

Der Seidenraupenzüchter bekam schon die aus den Eiern geschlüpften kleinen Raupen, die er in den vorbereiteten Raum auslegte. Der Anspruch der Raupen an den Raum war nicht allzu groß. Sie benötigten kein Licht, bzw. große Helligkeit. Der Raum mußte gut überschlagen (ca. +17 C bis +23 C) und gelüftet (ohne Zugluft) sein.

Für die von 25 gr. Eiern gezogenen Seidenraupen wurden 60 qm Regalfläche bzw. Zuchtfläche benötigt. Für diese Anzahl von Raupen brauchte man etwa 8 dz Laub bzw. Blätter.

Um den Kokon bilden zu können, benötigten die Raupen entsprechende Mengen Stroh oder Äste (Besenreisig).

25 gr. Eier ergaben ca. 40 — 50 kg Kokone, die klassifiziert und nach Klassen und Gewicht bezahlt wurden. Es läßt sich nicht mehr feststellen, wieviele Familien Seidenraupen züchteten. Nach den Maulbeerbäumen zu urteilen, müssen es viele Familien gewesen sein, denn diese Bäume wurden in manchen Jahren ganz gewaltig gerupft.

 

5.5 Landwirtschaft (Statistik)

Da die Landwirtschaft von Anfang an den Charakter der Gemeinde wie auch den der Einwohner prägte, muß über deren Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ein Überblick gegeben werden. Dies ist ohne Statistik nicht möglich.

Bodennutzung auf der Gemeindemarkung Gara (ha):

  1865 1872 1895 1913 1936

Ackerland 3144 3045 5143 5096 5134
Gartenland 44 37 40
Wiesen 340 319 190 171 181
Weingärten 265 256 65 54 26
Weideland 1619 1569 93 72 310
Wald 1 7
Röhricht 15 14 26 35 1
Grundsteuerfreies Land 474 459 481 532 297

Zusammen 5857 5662 6043 5997 5996

Zahl der Grundbesitzer     791   1244

Bodennutzung in der Gemeindegemarkung Gara 1935 in %: Ackerland 85,62 %, Gartenland 0,67 %, Wiesen 3,02 %, Weingarten 0,43 %, Weide 5,17 %, Wald 0,12 %, Röhricht 0,02 % und grundsteuerfreies Land 4,95 %, zusammen 100 %.

War der Weinbau noch 1865 insgesamt 265 ha groß, so ging dieser wegen der Verbreitung der Reblaus (Phil-loxera) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr stark zurück, so daß 1935 nur noch 26 ha Weinbauflächen auf der Gemarkung von Gara verblieben. Die Garaer waren daher gezwungen, geeignete Flächen in anderen Gemarkungen anzukaufen bzw. anzulegen. Größtenteils geschah dies auf den Gemarkungen von Csatalja, Bátmonostor und Bácsborsod.

Aus obiger Statistik ist auch ersichtlich, daß es nicht nur beim Weinbau, sondern auch beim Ackerbau, Weideland und beim steuerfreien Land ebenfalls grössere Änderungen gab. Während dieser 70 Jahre wurde die Gemarkung durch Kultivierung sehr stark verändert.

In diese Zeit fällt auch die Kommassierung/Flurbereinigung (2/3 der Gemarkung) sowie die Entwässerung des Saliters und noch weitere Kulturmaßnahmen. Durch zusätzliche Entwässerungen konnten weitere Flächen einer intensiveren Nutzung zugeführt werden.

Die Anbauverhältnisse in Gara für die Zeit von 1923 bis 1943 sind aus der folgenden Aufstellung ersichtlich:

Anbauverhältnis   1923/24 1939/40 1942/43

Gesamtfläche der Markung   10415 Kj 10420 Kj 12981 Kj*
  Ackerflächen 9260 Kj 8868 Kj 11093KJ

Winterweizen   2521 Kj 2518 Kj 3907 Kj
Wintergemisch   289 Kj 115 Kj 783 Kj
Wintergerste   28 Kj 43 Kj 54 Kj
Winterwicke   2Kj
Sommerweizen   4Kj
Sommerroggen   2Kj
Sommergerste   5Kj
Hafer   1050 Kj 253 Kj 144 Kj
Sommerwicke   47 Kj 807 Kj 8Kj
Hafer und Wickegem.   523 Kj 693 Kj
Körnermais   3674 Kj 4144 Kj 4299 Kj

Klee   29 Kj 34 Kj 22 Kj
Luzerne   2Kj 96 Kj 100 Kj
Espersette (Baltacím)   180 Kj 150 Kj 169 Kj
Inkarnatklee (Biborhere)   3Kj

Kartoffeln   196 Kj 216 Kj 114 Kj
Zuckerrüben   181 Kj 2Kj 17KJ
Futterrüben   60 Kj 112 Kj 105 Kj

Sonnenblumen   394 Kj

Hirse   lKj lKj
Erbsen     1 Kj
Bohnen   39 Kj 10 Kj 4Kj

Hanf   8Kj

Zuckermelonen   12 Kj 8Kj 11 Kj
Wassermelonen   12 Kj 8Kj 8Kj

Grünmais   131 Kj 205 Kj 214 Kj**
Kolbenhirse   32 Kj 67 Kj 176KJ

Brache   221 Kj 79 Kj 37 Kj

Unter- und Zwischenfrüchte        
Bohnen   114 Kj 920 Kj 600 Kj
Kürbis   25 Kj 660 Kj 600 Kj
Sonnenblumen   400 Kj
Besenhirse   10 Kj

Wiesen   281 Kj 466 Kj

* Mit der Györgypusztaer (Juritscher) Gemarkung. 1 Kj = 0,5754 ha.
** Zum Teil auch Zwischenfrucht.

Aus der Aufstellung der Anbauverhältnisse ist gut zu erkennen, daß der Pflanzenbau weitgehend auf die Tierhaltung (Pferde und Schweine) ausgerichtet war. Erst in den Kriegsjahren wurde der Marktfrüchteanteil (Sonnenblumen) erweitert. Jeder Betrieb mußte 7% seiner Flächen mit Ölfrüchten oder sonstigen Industriepflanzen bestellen.

Tierhaltung 1895 1911 1935 1942
Pferde        
  Fohlen bis zu 1 Jahr 133 64 19 105
  Fohlen über 1 Jahr 154 151 166 201
  Stuten 499 439 434 513
  Zuchthengste 5 7 7 6
  Wallache 150 117 259 263

  Insgesamt 941 778 885 1088

Rindvieh        
  Saugkälber 138 21 83 341
  Jungvieh 323 550 916 1196
  Kühe 605 682 716 972
  Stiere 8 7 15 37
  Ochsen 46 367 84 59
  Mastvieh 12 9 168

  Insgesamt 1120 1639 1823 2773

 

  Tierhaltung 1895 1911 1935 1942

Schweine
  Ferkel 1230 1430 3 067
  Läufer (ab 3 Monate) 186 5592 3 889
  Muttersauen 1251 810 1044
  Zuchteber 184 51 63
  Mastschweine 490 1742 1196

  Insgesamt 1554 3341 9625 9259

  davon Fettschweine 3341 7242 6313
  davon Fleischschweine 2383 2946

Schafe
  Lämmer bis zu 1 Jahr 529 119 486
  Lämmer über 1 Jahr 1
  Mutterschafe 625 208 798
  Vatertiere 61 10 17
  Masttiere 9 25

Insgesamt 1525 1215 346 1327

Ziegen 1 3 29

Geflügel
  Hühner mit Perlhühnern 22 890
  Gänse 910
  Enten 1747
  Truthühner 23

  Insgesamt 10616 25570

  Bienenvölker 16 379

  Tierhalter 899

1935 gab es noch 84 Stallhasen und 553 Tauben.

Diese Aufstellung zeigt, daß die Pferdezucht in ihrer Bedeutung gleich blieb. Gute Pferde konnten immer wieder gut verkauft werden, besonders in den Kriegsjahren.

Die Rindviehhaltung stieg langsam an und gewann zunehmend an Bedeutung. Ebenso stieg in den letzten Jahren neben der Milchviehhaltung auch die Mast.

Am meisten wurde die Schweinehaltung ausgebaut und aufgestockt. Die Zahl der Schweine stieg auf das Fünffache, wobei besonders viel Mastschweine erzeugt wurden.

Die Schafhaltung ging zurück. Erst in den Kriegsjahren wurde sie wieder (wegen der Wolle) aufgestockt.

In den letzten Jahren wurde auch die Geflügelhaltung stark gesteigert.

 

Der Obstbau

 

In den letzten 50 Jahren wurde dem Obstbau immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Es wurden mehr, und vor allem bessere Sorten gepflanzt.

Obstbaumbestand 1895 1935

Äpfel 856 1737
Birnen 690 936
Kirschen 72 599
Weichsel (Sauerkirsch) 251 727
Pfirsich 123 296
Aprikosen 441 761
Zwetschgen 642 1487
Pflaumen 257
Walnußbäume 92 387
Mandeln 14 7
Kastanien (Maronen) 12 12
Maulbeerbäume 2382 1577
Quitten 267
Mispel 10
Ringlotten (Reneklode) 174
Haselnuß 27

Insgesamt 5575 9261

 

Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte nach der Zählung vom Jahre 1935

 

20 Kraftmaschinen (Motoren)

4 davon Traktoren

1 Motorpflug

3 Traktorenpflüge 15 Dreschmaschinen

5 andere Maschinen mit Motorkraft (z.B. Maisrebler)

500 Pflüge

573 Eggen

216 Walzen

1 Kunstdüngerstreuer

176 Sämaschinen und Setzmaschinen (Maissetzer)

323 Hackpflüge

12 Mähmaschinen

31 Getreide- und Saatreiniger

451 Futterbereiter

19 milchwirtschaftliche Apparate

382 weinwirtschaftliche Geräte (Traubenreißer, Weinpressen, usw.)

Viele andere Geräte wurden nicht erfaßt, so: Pferdewagen, Maisrebler, Göpelwerke, Hammerschroter usw.

Dieser Maschinen- und Gerätebestand läßt ebenfalls auf eine intensive Bewirtschaftung durch die Betriebe schließen.

 

Zahl und Größe der Grundbesitze im Jahre 1936 in Gara:

 

Größengruppen     Zahl der Gesamtfläche der Gruppen
    Grundbesitzer Kj ha

Unter 1 Rj ohne Acker   196 40 23
Unter 1 Kj mit Acker   279 143 82
zwischen 1 bis 5 Kj 398 965 555
zwischen 5 bis 50 Kj 339 5254 3024
zwischen 50 bis 100 Kj 18 1184 681
zwischen 100 bis 500 Kj 13 1741 1002
zwischen 1000 bis 3000 Kj 1 1093 629

Zusammen     1244 10420 5996

Die Kataster-Reineinnahmen machten im Jahre 1935 insgesamt 132241 Goldmark aus.

 

5.6 Zusammenfassung (Lohn, Preise und gesetzliche Vorschriften)

Bis jetzt wurde über statistische Zahlen, die landwirtschaftliche Arbeit, über das Jahr und die Tierhaltung geschrieben. Über die Ernteerträge wurde aber noch nichts gesagt.

Nach einer Forschungsarbeit „Der Donau-Karpatenraum" vom „Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim und im Deutschen Auslands-Institut Stuttgart, unter der Leitung von Professor Dr. P. Hesse, Stuttgart-Hohenheim" lagen die Ernteergebnisse in der Batschka bei den deutschen Bauern im Durchschnitt bei mehreren Doppelzentnern pro ha, d. h. über dem Landesdurchschnitt. Dies Ergebnis konnte durch gute Bodenbearbeitung, entsprechende Düngung und gute Sortenwahl erzielt werden. Die Erträge waren je nach Witterung (Niederschläge) Schwankungen ausgesetzt. Genaue Aufzeichnungen liegen für Gara nicht vor. Aber es ist bekannt, daß in extrem guten Jahren zum Beispiel an Winterweizen bis zu 28 — 30 dz/ha geerntet wurden (16 — 17,5 dz/Kj). Zur weiteren Orientierung über die Landwirtschaft werden noch die Löhne und Produktpreise verzeichnet:

Die Löhne der Taglöhner (1941):

  Männer Frauen
Winter 2,— Pengö 1,50 Pengö
Frühjahr 2,50 Pengö 1,80 Pengö
Sommer 3,50 Pengö 2,50 Pengö
Herbst 2,50 Pengö 1,80 Pengö

 

Der Lohn der Sallaschleute

 

Wenn eine Familie auf einem Sallasch arbeitete, auf dem der Eigentümer nur zeitweise wohnte, bekam der Mann vollen Lohn, die Frau halben Lohn, wenn sie beim Füttern und Melken mitarbeitete. Wenn Kinder als Viehhüter (Rinder und Schweine) tätig waren, bekamen sie eine weitere Hälfte Lohn. Die Familie erhielt also insgesamt 2 volle Löhne.

Die höchsten Tagelöhne wurden für das Mähen, Laden und Streuen von Mist, unabhängig von der Jahreszeit, bezahlt. In Einzelfällen gab es Abweichungen.

Die Löhne sind in der Regel in Naturabgaben (bis auf die Tag- bzw. Stundenlöhne) vereinbart worden. Dies war für beide Vertragspartner einfacher und in Krisenzeiten auch am besten. Taglöhner bekamen für bestimmte Arbeiten anstelle von Geld auch 8 — 10 kg Weizen pro Tag und dazu noch freie Kost. Im Hof und auf den Feldern arbeiteten als ständige Arbeiter die Knechte. Ihre Entlohnung erfolgte auch in Naturalien (Weizen, Schuhe, Stiefel, Anzug und Arbeitskleider).

Die Dienstmädchen („das Mensch") wurden schlechter bezahlt. Sie arbeiteten hauptsächlich im Haushalt. Wenn ein Bauer seine landwirtschaftlichen Flächen trotz aller „Familienhilfe" nicht mehr bewirtschaften konnte und eine fremde Arbeitskraft sich noch nicht lohnte, suchte er sich einen sogenannten „Halbscheidbauern", dem er einen Teil seiner Flächen zur Bearbeitung überließ. Der „Halbscheidbauer" war in der Regel ein Kleinbauer mit eigenem Land, eigenen Pferden, eigenem Vieh, Fuhrwerk und allen nötigen landwirtschaftlichen Geräten. Dieser „Halbscheidbauer" mußte für die Feldnutzung je nach Fruchtart die Hälfte (z. B. bei Getreide), zwei Drittel (bei Mais) usw. der Ernte als „Pacht" bezahlen. In den deutschen Dörfern der Nord-Batschka gab es nur staatliche (Monopol-)Genossenschaften wie die „Futura" für pflanzliche Erzeugung und die „Hangya" für die Tiere. Sie waren die Pflichtablie-ferungs- bzw. Annahmestellen.

So zum Beispiel bekam eine Familie für ihre Arbeit insgesamt:

24 dz Weizen

22 dz Körnermais

40 kg Bohnen

12 dz Kartoffeln

200 qkl. Gartenland

Mastschwein (150 kg Lebendgewicht)

1/4 der Geflügelnachzucht

1 Kuh zum Melken und

250 Pengö Bargeld aufs Jahr.

 

Erzeugerpreise von landwirtschaftlichen Produkten (mehrjähriger Durchschnitt):

Weizen 20,- P/dz

Roggen 15,- P/dz

Futtergerste 18,- P/dz

Hafer 19,- P/dz

Kolbenmais 8,- P/dz

Körnermais 18,- P/dz

Luzernesamen 300,- P/dz

Saugkälber für Zucht 0,85 P/kg

Kälber für Metzger 0,80 P/kg

Kalb (6 Monate alt) 40,- P/St.

Kalb (einjährig) 65,- P/St.

Mastschweine 1. 1,20 P/kg

Zuckerrüben 2,50 P/dz

Futterrüben 2,- P/dz

Viehsalz 0,36 P/kg

Frühkartoffeln 14,- P/dz

Speisekartoffeln 12,- P/dz

Futterkartoffeln 7,- P/dz

Wiesenheu 8,- P/dz

Luzerneheu 11,- P/dz

Einstreustroh 3,- P/dz

Mastrind 1,10 P/kg

Magerrind 0,69 P/kg

Gans (mager) 7,- P/St.

Ente 3,50 P/St.

Eier 1,45 P/kg

Zugpferd durchschn. 400,- P/St.

Butter 3,40 P/kg

Superphosphat 9,20 P/dz

Petisalzl7% 17,-P/dz

Petroleum 0,50 P/kg/Liter

 

1 RM (Reichsmark) = 1,15 P (Pengö).

 

Im folgenden ein Bericht von Landsmann St. Gatti aus dem deutlich hervorgeht, wie die Garaer Bauern lebten und arbeiteten:

 

5.7 Unser Leben mit der Landwirtschaft bis zur Vertreibung

 

von Stefan Gatti

Seit der Ansiedlung unserer Vorfahren war die Landwirtschaft deren Lebensgrundlage. Direkt oder indirekt lebten alle davon. Handwerker und Handel wuchsen gleich mit, Gewerbe entwickelte sich nach und nach ab 1900 schnell.

Bis zur Jahrhundertwende waren die Felder in kleine Parzellen zersplittert und weit auseinander gelegen. Erst die Flurbereinigung ermöglichte, daß die Felder zusammengelegt werden konnten und sich dadurch größere und zum Teil sehr große Höfe bildeten, bei uns Sallasch genannt. Die kleineren Bauern hatten ihre Wirtschaft im Dorf, von wo sie täglich zur Feldarbeit auf den Hotter fahren mußten sowie mit Futter und Getreide wieder heim, was die Arbeit sehr erschwerte. Der größte Teil der Felder war in deutscher Hand, so daß die Schnitter und Taglöhner eher von den Bunjewatzen als von den Deutschen kamen, die bei den Bauern ihr Einkommen verdienten. Auch die ärmeren Deutschen hatten ein Haus im Dorf mit kleinerer Tierhaltung und konnten damit ihren Lebensunterhalt verbessern.

Die Feldarbeiten von Hand verrichteten die Tagelöhner im Tagelohn, die Getreide- und Maisernte für 10 % Anteil. Das Getreide wurde mit der Sense von Männern gemäht und von den Frauen hinterher zu Garben gebunden und am Abend zu Mandeln zusammengesetzt. Die Ernte war nach zwei bis drei Wochen beendet und wurde dann mit den Pferden eingefahren. Anschließend wurde gedroschen. Es gab etwa 15 Dreschmaschinen im Dorf.

Bei jeder Maschine waren 12 bis 15 Männer und Frauen etwa 4 Wochen lang zur Dreschzeit fest angestellt. Das Dreschen kostete wiederum 8 — 10 % des Ertrages, wovon die Hälfte auf den Maschinenbesitzer, die andere Hälfte auf die Mitarbeiter fiel. Damit haben alle das tägliche Brot für ihre Familien für das ganze Jahr verdient.

Die Ernte begann Ende Juni mit der Gerste, dann wurden Roggen, Weizen, und gegen Mitte Juli der Hafer geerntet. Zum größeren Teil wurde Weizen gebaut und nur zu Brotgetreide verwendet. Das Futtergetreide (Gerste, Roggen, Erbsen, Hafer) diente bis zur Maisernte als Mastfutter für die Tiere. Ab Oktober begann die Maisernte (Kukruzbrechen), wieder von den Schnittern für 10 % ausgeführt, wodurch sie gleich Futter zur eigenen Tierhaltung hatten. Die Mast von Gänsen, Enten und Schweinen war eine weitere wesentliche Einnahmequelle. Die kleinen Bauern verrichteten ihre Arbeit bis auf das Dreschen selber. Die großen Betriebe hatten auf Jahresfrist beschäftigte Ehepaare (Sallaschleute), die draußen auf dem Hof wohnten, je nach Betriebsgröße auch mehrere Familien. Die Männer arbeiteten mit den Pferden, die Frauen versorgten das Vieh, ihnen oblag vor allem das Melken. Sie erhielten neben Geld auch Getreide, Milch, Eier und Schweine als Deputat. Schwer hatten es die Kinder der Sallaschleute, sie mußten oft bis zu 6 km weit ins Dorf zur Schule gehen.

Einen beachtlichen Teil der Bevölkerung bildeten die Handwerker, die für die Landwirte unentbehrlich waren. Sie hatten die Dreschmaschinen, Maisribbler, machten die Schmiede-, Schlosser- und Wagnerarbeiten für die Bauern; auch alle übrigen Handwerker arbeiteten im Dorf. Tüchtig wie sie waren, hatten sie alle schon Felder und eigene Tierhaltung. Wir hatten eine Dreifelderwirtschaft betrieben, d. h. wir bauten zu je einem Drittel Getreide, Mais-, Futterpflanzen, sich alle 3 Jahre wiederholend. Der größere Teil wurde zur Veredelung verwendet, eine sehr arbeitsintensive Wirtschaft mit hohem Viehbestand. Daneben waren von Bedeutung: Milcherzeugung, Schweinemast sowie beachtliche Kleintierhaltung mit Hühnern, Gänsen, Enten; Gänse und Enten wurden per Hand gestopft, um eine größere Fettleber zu erreichen.

Das Brotgetreide lieferten wir größtenteils nach der Ernte an die Mühlen (Gegner-Fetzer) oder an Futura (staatliche Getreidehandlung). Das Futtergetreide wurde nach Bedarf geschrotet und an Milchvieh oder Schweine sowie an Gänse, Enten und Hühner verfüttert.

In den 20er Jahren wurde im „Saborra" ein groß angelegter Zuckerrübenbau betrieben. Auf einem extra dafür angelegten schmalen Gleis wurden die Zuckerrüben mit von Pferden gezogenen Loren zum Verladeplatz gebracht. Dieser befand sich nördlich der Gemeinde. Dort gab es eine, an der Strecke weitere zwei Waagen.

Die Pflegearbeiten bei der Zuckerrübe: hacken, vereinzeln, mit der Gabel rausstechen, köpfen, verladen, ist von den Schnittern auch zu einem Drittel des Ertrages durchgeführt worden. Dies war eine so schwere, zeitraubende Arbeit, daß nach 10 Jahren der vertragliche Zuckerrübenanbau wieder eingestellt wurde.

Der Futterrübenanbau für Eigenbedarf wurde weiterbetrieben (für das Vieh im Winter). Geplant war der Bau von Silobehältern, so daß Mais, Luzerne und beim Zuckerrübenanbau auch die Blätter mit Köpfen zum Silieren gekommen wären, dazu die als Abfall zurückgelieferten Trockenschnitzel. Dies hätte die Viehfütterung wahrscheinlich revolutioniert. Der schon verlorene Krieg hat das dann leider verhindert.

Sonnenblumen mußten wir die letzten Jahre zur Ölgewinnung anbauen. Die tellergroßen Scheiben wurden abgeschnitten, auf der Erde ausgelegt und nach einigen Tagen des Nachtrocknens mit der Dreschmaschine gedroschen. Die Körner preßte man in der Fabrik zu Ol aus. Die ausgepreßten Ölkuchen waren geschrotet ein sehr eiweißreiches Milchfutter. Schmetterlingsblütler wie Luzerne, Klee, Esparsette, Erbsen und Wicken waren Stickstoffsammler und als Vorfrucht für Weizen geeignet. Außerdem das eiweißreichste Futter für die Tiere; im Sommer als Grünfutter, im Winter als Heu.

Zum Weizen hat man noch Superphosphat als Kunstdünger gegeben, um hohe Ernteerträge zu erreichen. Da die Ernte bei uns schon im Juli stattfand, war eine Unkrautbekämpfung nicht notwendig. Der Mais wurde bei uns 70 cm in der Reihe und ca. 120 cm zur Pflanze gebaut (dabei 2 — 3 Stengel beieinander), was sehr große Kolben brachte. Nach dem Kukruzbrechen im Oktober hat man die Maiskolben eingefahren und abends in der Scheune vom Laub geschält. Oft war das ein kleines Fest. Freunde, Nachbarn haben mitgeholfen, auch Mädchen und Burschen waren dabei, und es wurde gesungen, Spaß gemacht und Wein getrunken. Da in dieser Zeit die Weinlese gerade vorbei war, war der Wein oft noch Most, ein köstliches Getränk.

In den großen Betrieben wurde der Mais noch auf dem Feld am Stengel gebrochen und entschält, im Gori (Maisschuppen) gelagert und im Laufe des Jahres verfüttert.

Es war selbstverständlich, daß wir Selbstversorger waren. Das Brotgetreide war immer für ein Jahr vorhanden. Im Sommer hatten wir das Geflügel als Frischfleisch. Eier, Gemüse und Obst waren genug da, und ab Herbst schlachtete man je nach Familie mehrere Schweine. Speck und Schinken wurden gepökelt und geräuchert und dienten das ganze Jahr der Ernährung.

Das Brot wurde von der Hausfrau gebacken. Die Wäsche für die Familie mußte auch mit der Hand gewaschen werden, gerubbelt auf der Waschrubbel. Gebügelt hat man mit Glut im Bügeleisen und die größeren Wäschestücke mit Holzrollen gemangelt. Haushalt, Gemüsegarten, Weingarten, Geflügel: überall mußten die Frauen mithelfen. Die Leistungen der Hausfrauen wurden allerdings nicht genug geschätzt.

Es war auch Aufgabe der Frau, für die Wintervorräte zu sorgen. Jede Familie hatte einen eigenen Weingarten mit allen denkbaren Obstbäumen. Die Ernte begann Ende Mai mit den Kirschen; es folgten Aprikosen, Weichsel, Pfirsiche, Pflaumen und Zwetschgen, von denen kesselweise Lekvár gekocht wurde. Birnen und Äpfel wurden für den Winter eingelagert. Auch für Wasser- und Zuckermelonen war das Klima hervorragend; es gab bis zu 15 kg schwere Wassermelonen; daneben erntete man Quitten, Walnüsse sowie Paprika und Tomaten. Die Paprika wurden sauer eingeweckt und die Tomaten eingekocht. Die Weingärten gediehen wegen der Filoxera nur auf Sandboden, und da es im Garaer Gebiet keinen Sand gab, waren die meisten Weingärten in der Nachbargemeinde Csatalja, 6 bis 8 km entfernt, von Akazienbäumen umsäumt. Eine Fahrt in den Weingarten war nicht nur Arbeit, sondern gleichzeitig ein romantischer Ausflug. Die Weinlese begann Ende September. Jeder kelterte im eigenen Keller, und der Wein wurde größtenteils von der Familie verbraucht. Im Weingarten waren auch die meisten Obstbäume gepflanzt. Damals mußten wir schon im Obst- und Weinbau im Jahr 8 bis 10 mal gegen Pilzbefall sowie gegen saugende und beißende Schädlinge spritzen. Es gab kupferhaltige Mittel gegen Pilz, arsen- und nikotinhaltige gegen sonstige Schädlinge. Die Weltwirtschaftskrise 1929 brachte eine starke Rezession. Die Industrieländer Deutschland und Italien waren wegen der hohen Arbeitslosigkeit nicht mehr in der Lage, unsere Produkte abzunehmen. Die Preise fielen. Ein Doppelzentner Weizen brachte 8 Pengö (5 Reichsmark). Ein Kilogramm Mastvieh 40 Filier (30 Pfennig). Damals gab es keine Preisgarantie oder Subventionen; jeder war auf sich selber gestellt. Die Milchprodukte waren besser absetzbar, das Milchgeld brachte monatliche Einnahmen, und so gründeten die Bauern die Milchgenossenschaft. Bis dahin wurde eine kleine Molkerei privat von Schwitter betrieben (der einen sehr guten Emmentaler Käse produzierte). Sie war aber nicht mehr erweiterungsfähig.

Die Bauern kauften dem Bahnhof gegenüber ein Anwesen und bauten es zu einem leistungsfähigen Milchverarbeitungsbetrieb um. Butter, Weich- und Hartkäse fanden in der Kreisstadt Baja guten Absatz. Es gab noch Milch-Kofen (Milchfrauen), die die Milch in der Frühe beim Bauern einsammelten und mit der Bahn in die Stadt direkt zur Kundschaft brachten. Die Wirtschaftskrise dauerte 10 Jahre, und es war für alle eine harte Zeit. Erst 1939, als der 2. Weltkrieg begann, gab es schlagartig einen wirtschaftlichen Aufschwung. Wir konnten gar nicht mehr genug produzieren. Die Regierung beschloß, einen nach dem damaligen Wirtschaftsminister genannten Plan — Jurtszekplan — zu erlassen, der nach einem ausgeklügelten Punktesystem den Anreiz zur Produktion förderte.

In den 30er Jahren wurde das Straßennetz zu den Nachbardörfern ausgebaut. Wir bekamen im Dorf auch elektrischen Strom; auf dem Hotter allerdings brannte die Petroleum-Lampe weiter. Durch die nun vorhandene Energie wurden auch Technik und Gewerbe mehr entwickelt. Ein bis dahin verbreiteter Maschineneinsatz wurde von der Regierung absichtlich gebremst, um für jeden Arbeit zu schaffen. Neben den bis dahin absolut notwendigen Landwirtschaftsgeräten wurden erst, nachdem die meisten Männer eingezogen waren, Grasmäher, Bindemäher und Traktoren in den größeren Betrieben angeschafft. Im Jahre 1934 wurde in Jánoshalma auch die Landwirtschaftsschule gegründet. Viele Garaer Bauernsöhne besuchten die Schule. Die Absolventen haben mit dem Erlernten viel zur Produktionssteigerung beigetragen. Auf Anraten der Schulleitung haben wir die Milchleistungskontrolle eingeführt, und es erwies sich, daß durch Beratung und richtige Fütterung die Milchleistung auf das Doppelte gesteigert werden konnte.

Die Landwirtschaftsschule hielt auch jährlich in je zwei Dörfern sogenannte Vándorgyűlés ab (Bauernberatung), bei denen die Schüler über die verschiedensten Themen der Landwirtschaft referierten. So auch 1937 in Gara.

Gleichzeitig sind zahlreiche Bauern auch dem Herd-buchführungs-System beigetreten. Wir züchteten ungarisches Fleckvieh. Die Gemeinde leistete sich eine sehr wertvolle Zuchtbullenstation von 10 Simmentaler Stieren, die aus der Schweiz importiert worden waren. Die Zucht über 6 Generationen mit unseren Kühen und diesen Stieren ergab das Simmentaler Vollblutrind mit sehr hoher Fleisch-, Milch- und Fettleistung. Die Dorfkühe wurden im Sommer auf die Weide auf den am Dorfrand gelegenen Saliter getrieben. Dieser Sali-ter (Sosto), auf der Westseite des Dorfes gelegen, war bis 1926 ein großer See, sehr romantisch, mit einer bunten Vogelwelt, Fröschen und Störchen; ein Feuchtbiotop nach Wunsch! Die Behörde ließ diesen See entwässern, um Getreide anzubauen, was wegen des zu hohen Salzgehaltes mißlang; zurück blieb eine schlechte Weide.

 

Die Garaer Molkerei-Genossenschaft mit Belegschaft

 

Mitglieder der Milchleistungskontrolle: Maier Stefan, Dujmov, Gatti Stefan, Gatti Josef, Maier Josef, Turi Thomas, Schön Josef, Gatti Peter, Gatti Toni und Dr. Keiner.

Im Dorf züchteten und mästeten wir die fette Mangalica-Schweinerasse, deren 10 — 12 cm dicker Speck sehr gefragt war. Die Gemeinde unterhielt auch 10 Zuchteber dieser Rasse. Auf dem Hotter allerdings hatten schon die Fleischrassen der Cornwall und Berkshire Einzug gefunden.

Die Pferde waren natürlich die dem Bauer liebsten und wichtigsten Tiere, denn sie mußten die sämtlichen Zug- und Transportarbeiten verrichten. Nebenbei züchteten wir hauptsächlich das ungarische Halbblut mit den von der Zuchthengststation in Baja zugeteilten Hengsten, die auch der ungarischen Halbblut-Nonius-Rasse angehörten.

Auf dem Zabora, das war das Gebiet westlich des Saliters, war ein besonders edler Anglo-Araber-Schimmelhengst zum Decken zugelassen (im Besitz von Stefan Keiner). In den letzten Jahren sah man immer mehr schöne Schimmelfohlen, deren Vater dieser Hengst war.

Beim Einzug der Russen wurden die bis dahin vom Militär verschonten trächtigen Stuten entwendet und in Richtung Westen zu Tode geritten. Auf dem Zabora haben die jugoslawischen Partisanen abgeräumt. Der schöne Hengst von Keiner und die noch vorhandenen Stuten wurden über die Grenze entführt. In Baja war jedes Jahr viermal Jahrmarkt, und das war immer ein neues Erlebnis. Am Sonntag früh sind die Bauern aus den umliegenden Dörfern mit den Pferdewagen in die Stadt zum Marktplatz gefahren.

Dort gab es ein großes Treffen von Freunden und Bekannten; man handelte um Pferde und Kühe. Auch Haushalts- und Landwirtschaftsgeräte sowie Bekleidung waren angeboten; für die Zerstreuung der Kinder war ebenfalls gesorgt.

In Gara wurde jeden Freitag in der Großgasse ein Wochenmarkt veranstaltet; Lebensmittel, Obst, Gemüse, Eier und Kleinvieh wurden angeboten. Für viele war der Markt ein Treffpunkt zu einem Plausch und zum Austausch von Neuigkeiten. Erinnern sollten wir uns an Gatti Joschi (Josef), Diplom-Landwirt, der am Aufbau der Molkerei sowie der Milchleistungsprüfung führend beteiligt war. An Winterabenden hielt er auch Vorträge vor der Jugend über verschiedene zeitgemäße Themen; für uns interessierte Bauernsöhne gab es auch Reitunterricht. Sein engagierter Einsatz war durch seinen Einzug in die Armee nach Rußland zu früh beendet. Danach hat Dr. Keiner sich für die Belange der Landwirtschaft eingesetzt. Die Südbatschka wurde in dieser Zeit wieder Ungarn angegliedert. Dort hatten die Deutschen in der jugoslawischen Zeit mehr Rechte, und die Landwirtschaft war weiter entwickelt. Dr. Keiner schickte uns immer wieder nach Futok, wo in der deutschen Landwirtschaftsschule Wochenseminare stattfanden. Technik, Silage, Milchwirtschaft etc. waren die Unterrichtsthemen; darüber berichteten wir dann daheim. Am 25. Oktober 1944 zogen die Russen in Gara ein. Das neue Regime beschloß, die Deutschen zu verschleppen, zu enteignen und auszuweisen. Die Lebensgrundlage war den Deutschen somit entzogen.

 

Stefan Keiner mit seinem Apfelschimmel-Hengst ,,Koheilan" bei der landwirtschaftlichen Ausstellung in Budapest 1941

 

 

   
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