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22. Ethnographisch-topographische Beschreibung des Ortes

 

Kreis Zombor, Bezirk Baja

Dorf Gara

I. Abschnitt

A.  Geschichte des Ortes

Traditionellen Mitteilungen zufolge ist das Dorf Gara unter dem König Ladislaus posthumo, durch den Palatin Gara, dem es auch seinen Namen verdankt, mit ungarischer Bevölkerung entstanden. Nach einer der Eroberungen durch die Türken ist Gara, nachdem sich die früheren Bewohner zurückgezogen haben, durch slawische Völkerstämme, insbesondere Illirier bevölkert worden, und nach Vertreibung der Türken den Kurunern zugefallen und dem genannten Zobor, als Lohn seiner Verdienste um den Staat, zum Geschenke gemacht worden. In den Regierungsepochen der Kaiserin Maria Theresia kam Gara in den Besitz der Fürst Grassalkovits-schen Familie, zu welcher Zeit sich Deutsche aus dem Württembergischen und Badischen angesiedelt haben. — Von dieser an den Grafen Paul Vizay, der es im Jahre 1856 an Felix Graf von Zichy verkaufte. Im Jahre 1793 zählte Gara 162 Grundbesitzer, neben 47 deutschen, die übrigen, mit Ausnahme einiger Ungarn, Bunivatzen.

Gegenwärtig beläuft sich die Einwohnerschaft auf 3968 Seelen, und zwar 3926 Christen der rk. Kirche angehörig,und 42 Israeliten.

Der Nationalität nach   1562 Bunivatzen und 2364 Deutsche. Im Jahre 1735 wurde die Pfarrei errichtet und 1780 die gegenwärtige Kirche erbaut. Die Schule wurde im Jahre 1854 im größeren Maßstab neu aufgebaut.

B.   Lage des Ortes

Gara hegt in einer wellenförmigen Ebene zwischen dem 46. und 47. Grad nördlicher Breite und dem 36. und 37. Grad östlicher Länge. — Die Erhebung über der Meeresfläche ist unbekannt und ist östlich und im Norden von Weingärten, westlich hingegen von stehendem, salzhaltigen Wasser, welches ein Ausmaß von beiläufig 400 Joch einnimmt (Salliterteich genannt) umgeben. Durch dieses stehende Wasser wird eine Insel, Pap Szigeth genannt, begrenzt, welche 26 Joch des besten Ackerfeldes enthält.

Der Ort grenzt gegen Norden an Vaskut, gegen Osten an Borsod, südöstlich an Katymar und Rigyiza, gegen Süden an Gyuntcs, südwestlich an Csatalja und untersteht in politischer und gerichtlicher Beziehung dem Bajaer k. k. Bezirksamte; in militärischer dem k. k. Ergänzungs-Bezirks-Commando des löbl. Ex. Graf Coronini 6. d. Inf. Regieamtes in Neusatz; in kirchlicher dem Kolluther Dechanate in der Kalocsaer Erzdiözese.

C.    Vorhandene Behörden, Ämter, Anstalten und Vereine

Hier befindet sich die Gemeinde-Vorstehung, eine im Jahre 1852 errichtete k. k. privilegierte Zunft sämtlicher Gewerbe, dann eine k. k. Postanstalt.

D.  Kommunikations-Mittel

Diese sind: Landstraßen nach Zombor und Baja; Seitenstraßen nach Csatalja, Borsod, Katymar und Rigyicza;

und wegen Mangel eines festen Unterbaues, bei regnerischem Wetter, besonders im Beginn des Frühjahres und im Spätherbste, beinahe unwegsam; — zu beiden Seiten sind dieselben größtenteils mit Maulbeerbäumen bepflanzt.

Die hier nach Zombor und Baja führenden Straßen sind am meisten befahren.

E.  Gebirge

Keine

F.  Landschaftsbilder

Wenn man auf dem Wege von Gakova nach Gara den höchsten Punkt erreicht,von welchem aus das letztere sichtbar wird, präsentiert sich dasselbe dem Auge als eine sehr anmutige Seelandschaft; wegen der Nähe des erwähnten Sallitersees.

G.  Fernsichten

Von dem höchsten Punkte, östlich vom Orte eine viertel Stunde entfernt, wo eine Pyramide behufs der Katastral-Vermessung aufgerichtet ist, sind alle als Grenzen dieses Dorfes aufgeführten Ortschaften sichtbar, wie auch westlich das ungarische Gebirge, unter welche der nächst Maria Gyüd gelegene Berg durch seine Zuckerhutform sich am meisten bemerkbar macht.

H. Gewässer

Der unter B. erwähnte Salliterteich,welcher durch Regenwasser und im Frühjahr durch geschmolzenen Schnee genährt wird und dessen größten Tiefen 3 Schuh beträgt, trocknet in den Sommermonaten größtenteils aus. Wegen seines Salzgehaltes wird er zum Tränken der Haustiere in Gebrauch gezogen. Südlich eine halbe Stunde von demselben entfernt beginnt der Rohrwuchs im Flächenraume von 26 Joch 495 Qu. Kl., dessen Wasser Blutige] enthält. Jährlich werden gegen 1000 Fuhren Rohr zur Deckung der Häuser gewonnen.

Über den Salliterteich ist ein Damm mit einer Brücke aus Ziegeln ausgeführt, über welcher der Weg nach Csatalja geht.

 

I. Höhlen

Keine

K. Ruinen, Schlösser, Monumente, Dokumente

Auf der nach Borsod führenden Straße ist ein hölzernes, auf jener hingegen nach Baja ein steinernes Kreuz errichtet. Nördlich außerhalb des Ortes befindet sich der umschlossene Kalvarienberg, wohin in der Karwoche Prozessionen abgehalten werden.

 

III. Abschnitt

A. Verteilung, Zustand und Kultur der Bodenfläche

Die gesamte Gebietsfläche enthält 10 167 Joch 521 Qu. Kl.; hiervon entfallen auf

Äcker                         5453 Joch            463 Qu. Kl.

Wiesen                        590 Joch            911 Qu. Kl.

Hutweide                    2814 Joch            738 Qu. Kl.

Rohrwuchs                    26 Joch            495 Qu. Kl.

unproduktive Fläche      822 Joch            988 Qu. Kl.

Darunter 400 Joch unter Wasser.

 

Äcker

Lage teils eine schiefe, teils ebene, der Boden größtenteils Humus von guter Beschaffenheit, nur die gegen Osten gelegenen Äcker und Weingärten bestehen aus sandigem Boden. In der Bewirtschaftung ist die Brache eingeführt. Alle Getreidearten gedeihen und werden angebaut, und das Erträgnis eines guten Jahres lautet:

8000 Pester Metzen Weizen, 1280 P. M. Halbfrucht, 3200 P. M. Gerste, 17 000 P. M. Hafer, 9600 P. M. Kukurutz, — in schlechten Jahren wird kaum ein Drittel hiervon erzeugt.

Die Stoppelfelder werden als Weide für das Vieh benutzt. Das Stroh wird zum Einheizen wie auch zur Ziegelerzeugung verwendet, während das Hafer- und Gerstenstroh bei Heumangel verfüttert wird. In der Feldwirtschaft werden gewöhnliche, einfache eiserne Pflüge, die Egge, mitunter auch die Walze in Gebrauch gezogen.

Die an dem Salliterteich gelegenen Ackerfelder, so auch die Wiesen, stehen während nasser Jahrgänge unter Wasser.

Um den Salliterteich urbar zu machen und hierdurch auch die angrenzenden Ackerfelder und Wiesen von Überflutung zu sichern, hat man versucht, dessen Wasser durch Gräben abzuleiten, was jedoch am Mangel der erforderlichen Courage nicht ausgeführt wurde. Sämtliche Ackerfelder sind Eigentum hiesiger Insassen.

 

Wiesen

Deren Lage ist gleich jener der Ackerfelder. Diese erbringen in guten Jahren 6400 Zentner Heu, in schlechten beiläufig 3000 Zentner. Gromet wird selten erzeugt. Die gewöhnliche Zeit des Mähens fällt in die Mitte des Monats Juni. Eigentümer derselben sind hiesige Grundbesitzer.

An Obstbaumzucht wird im allgemeinen wegen des derselben nicht zusagenden Bodens (salliterhaltig) keiner besonderen Aufmerksamkeit gewürdigt, und selbst die nur in den Weingärten gepflanzten Pfirsich-und Zwetschgenbäume gedeihen nicht sonderlich.

 

B.  Erzeugnisse, Gewerbstätigkeit

Viehzucht

Die Viehzucht wird größtenteils bloß zum eigenen Gebrauch betrieben und von Hornvieh, alte Kühe, welche keinen Nutzen mehr abwerfen, gemästet, und jährlich 100 Stück von den Bewohnern verkauft. Pferde, deren Anzahl 1250 Stück beträgt, sind von gutem, ziemlich kräftigem Schlage, und für die Verwendung, welche gefordert wird, geeignet, ohne aber besonders zu . . . (Text im Original unleserlich) Hornvieh: 1021 Stück ungarische Rasse, jedoch nicht vorzüglich. Schafe 3953 Stück; gemeine Rasse mit grober Wolle. Borstenvieh: 1072 Stück.

Pferde und Hornvieh werden gewöhnlich im Monat März auf die Weide getrieben und verbleiben dort bis Ende Oktober.

Pferde werden sehr frühzeitig, und zwar nach ihrem vollendeten zweiten Lebensjahr zum Zuge, zum Austreten der Früchte auch früher, verwendet. Die Hornvieh- und Schafzucht ist im Abnehmen, und das aus dem Grunde, weil der größte Teil der Hutweide aufgeteilt wurde und die Grundbesitzer aus Mangel an Futter den Viehbestand zu verringern genötigt waren.

Der Preis ein- und derselben Tiergattung ist sehr verschieden und richtet sich nach dem Alter, Güte und Verwendbarkeit des Tieres, und es variiert der Preis beim Pferd pro Stück von 300 bis 40 f. ö. W., ein paar Ochsen sind um 160 — 50 f., eine Kuh um 60 — 20 f. und ein paar Schafe um 12 - 6 f. 0. W. erhältlich. Ein Borstenvieh im Gewicht von 2 Zentner kostet 36 f. ö. W. Jährlich werden gegen 80 Stück gemästete Schweine verkauft.

 

C.  Handel

A.  Getreide

Von dem im Abschnitt III A. ausgewiesenen im Orte produzierten Früchten wird etwas über die Hälfte auf gewöhnlichen Wägen nach Baja auf die Wochenmärkte geführt und verkauft, und zwar zu unterschiedlichen Preisen.

Weizen 1 Preßburger Metzen        4 fr.

Halbfrucht 1 Preßburger Metzen    2 fr. 50

Gerste 1 Preßburger Metzen         2 fr. 42

Haber 1 Preßburger Metzen          1 fr. 75

Kukurutz 1 Preßburger Metzen     2 fr. 80

Im Orte befinden sich 19 Roßmühlen, welche Mehl bloß zum Lokalbedarf erzeugen.

 

B.  Viehhandel

Unbedeutend. Jährlich werden beiläufig 100 Stück Kühe ä 50 - 20 fr., 50 Kälber ä 5 - 3 fr und 200 Stück Schafe ä 5 — 3 fr. verkauft.

 

IV. Abschnitt

Der Mensch

Bevölkerung: nach Konfession: 3926 rk. Christen und 42 Israeliten; nach Nationalität 2364 Deutsche und 1562 Bunjewatzen, nach Geschlecht: 1961 männlich und 2007 weiblich. Die hiesigen Bunjewatzen stammen aus Illirien; während Deutsche unter Regierung Maria Theresias aus Baden und von Württemberg sich hier niedergelassen haben. Das Klima ist für bereits Aklimatisierte günstig und übt auf die Vermehrung der Bevölkerung keinen ungünstigen Einfluß aus, was die von Jahr zu Jahr steigende Einwohnerzahl nachweist. Außer dem epidemisch vorkommenden Wechselfieber kommen bloß periodische Krankheitsformen, am häufigsten Gastricismen und Diarrhem, vor. Die Beschäftigung und der Erwerb der Bevölkerung ist im Feldbau, und nur wenige Familien leben von Gewerbe und die Invaliden vom Handel. Die in Gebrauch gezogenen Nahrungsmittel üben auf die Gesundheit der Bevölkerung keinen nachhaltigen Einfluß aus, sie sind dem Klima und der Gewohnheit entsprechend. Das gewöhnliche Lebensalter, welches durchschnittlich erreicht wird, ist das 50.; Nicht selten kommen Altersfälle über 80 Jahre vor. Das Verhältnis der Geburten zu den Sterbefällen ist beim männlichen Geschlecht 46/229 : 1; beim weiblichen von 9/101 : 1 und im Ganzen wie 47/220:1. Die Pfarre ist im Jahre 1735 gestiftet worden; Patron derselben ist der damalige Grundherr Felix Graf Zichy. Die Seelsorge wird von zwei Priestern (der Pfarrer und dessen Kaplan) verrichtet. Die Kirche und das Pfarrhaus wurden im Jahre 1780 erbaut.

 

Lehranstalten

Hier befindet sich eine Trivialschule mit zwei Klassen, welche durch Gemeindemittel entstanden und auch erhalten wird. Der Unterricht ist zwei Lehrern anvertraut, die jedoch der Anzahl der schulpflichtigen Jugend (über 600) nicht genügen. Die früher unter der Bevölkerung spärlich verbreiteten Elementarkenntnisse gewinnen besonders in jüngster Zeit Zusehens eine größere erfreuliche Ausdehnung. Der Schulbesuch ist vergnügter (?) als sonst, und im allgemeinen ein fleißiger, mit Ausnahme jenes in der Faschingsperiode.

Häuser zählt man 680, sie enthalten im allgemeinen ein vorderes und ein rückwärtiges Zimmer, zwischen welchen sich die Küche_befindet. Die Stellung der Häuser ist mit dem Giebel gegen die Gasse; die Mauern sind aus gestampfter Erde, die Dächer mit Rohr gedeckt; die Ofen sind zur Strohheizung eingerichtet; die Rauchfänger aus Ziegel gebaut; jedes Zimmer enthält gewöhnlich zwei Fenster, von denen die auf die Gasse führenden mit Fensterläden versehen sind, welche meistens mit roter Farbe angestrichen sind. Die Wohnungen werden rein gehalten und die Stallungen mit den Wohngebäuden gewöhnlich unter einem Dache angebracht.

Das Brot ist von vorzüglicher Güte und wird aus Halbfrucht (zwei Drittel Weizen und ein Drittel Korn) bereitet. Zu Fleischspeisen wird meistens welches gesotten, Schweinernes als Geselchtes und schöpimes (?), welches gedünstet wird, gegessen.

An großen Feiertagen, wie zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten sowie bei größten Festlichkeiten wie Namenstag, Hochzeiten, Kirchweihe werden gebratene Enten, Gänse und Indianerhähne aufgetischt. Die gewöhnlichen Mehlspeisen sind Nockerln mit Topfen. Täglich wird dreimal gegessen. Die gewöhnlichen Getränke sind Wasser und Wein.

Die Kleidung bei der Arbeit besteht aus Leinen; an Sonn- und Feiertagen aus einem blautuchenen Spenzer und einer Stiefelhose, im Winter aus einem Schafspelz. Die Kopfbedeckung im Sommer aus ungarischem Hut, im Winter eine Pelzkappe. Die vorherrschende Farbe bei der weiblichen Jugend ist rot, bei den Alten schwarz.

Die Zimmereinrichtung besteht gewöhnlich aus Hängekästen, der erforderlichen Zahl von Bettstätten, Tisch, hölzernen Sessel, bei Wohlhabenden auch aus Kommodekästen.

Was die Vergnügungen anbelangt, beschränken sich dieselben auf Tanzmusiken, welche an erlaubten Feiertagen in den Wirtshäusern abgehalten werden. Zu den sogenannten Groß-Kirchweihen, welche bei den Deutschen gewöhnlich zwei, bei den Bunjewatzen auch 4 Tage dauern, werden die Verwandten und Bekannten der nächsten Umgebung eingeladen.

Was die Mundart anbelangt, werden gebraucht
statt Kücklein — Hingele
statt Fohlen — Hutsch
statt Zimmer — Stube
statt sich setzen — na hocka
statt aufheben — lupa
statt Stier — Wika
statt Zwetschgen — Flauma
statt Geflügel — Geziefer
statt Kirchweihe — Kerweih
statt Kinderspenzer — Mutzi
statt schwere Erkrankung — Krank
statt Zuchtschwein — Los
statt häßlich — wuscht
statt schlimm — streitig
statt weinen — flehn
statt ausleihen — lehnen
statt Indiko — Pujkerl
statt Krähe — krappa
statt Maulwurf — Mauerwolf

Sprichwörter:

„Fürs Kränken kriegt man nichts"

„Jeder soll vor seiner Türe kehren"

„Der letzte hat noch nicht- geschossen"

„Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß"

„Er ist von Federn aufs Stroh gekommen"

„Pfaffengut ist Raffengut"

„Nach dem Mästen kommt Schlachten"

„Versprechen ist herrisch, halten ist bäurisch".

Poesie: gar keine.

Hervorragende Persönlichkeiten: keine.

 

 

 

   
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