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24. Schlußworte

 

24.1  Unvergessene Heimat

Gara ist und bleibt für viele Geflüchtete, Vertriebene und Verschleppte die unvergessene Heimat, die sie in ihren Träumen immer wieder erleben.

Dies trifft für die Generation zu, die einen Großteil ihres Lebens in Gara verbrachte und jäh aus ihrer Heimat gerissen wurde. Sie trägt noch sehr viele Erinnerungen an die Kindheit, die Schule, an das Erwachsenwerden, an die heile Welt der Heimat und das dörfliche Leben in sich, wie auch an die lieben Toten, die sie dort im örtlichen Gottesacker zurücklassen mußte.

Diese Generation wurde, egal wohin sie das Schicksal verschlagen haben mochte und wie glücklich sie es dort angetroffen hatte, in der neuen Heimat nie mehr heimisch; sie träumte ihren Traum von der alten Heimat bis in den Tod. Die Menschen dieser Generation wären, solange sie lebten, jederzeit bereit gewesen, in „ihre Heimat" zurückzukehren, auch wenn es ihnen dort noch so schlecht ergangen wäre, denn dort war einst der Mittelpunkt der Großfamilie, in der sich jeder geborgen fühlte.

 Diejenigen, die die Heimat von heute auf morgen verlassen mußten und viele Jahre nicht zurückkehren konnten, waren manchmal besser dran als die wenigen, die zurückbleiben und die Wandlung bzw. den Verfall der Heimat hautnah miterleben mußten und nicht eingreifen konnten.

Aber auch für die Garaer in der Fremde war es schwer, wurden sie doch aus der gewohnten Umgebung gerissen und in der weiten Welt zerstreut.

Sie mußten zusehen, daß sie wieder Boden unter die Füße bekamen und ihren Platz in der neuen Umgebung fanden. Dies war für viele mit Sicherheit schwer und beschränkte sich oft nur auf eine wirtschaftliche Eingliederung. Ein wirkliches Heimatgefühl konnte sich bei vielen der Vertriebenen nicht mehr einstellen. Sie waren oder fühlen sich immer gewissermaßen als Fremde in ihrer neuen Umgebung.

 

24.2  Vergessene Heimat

Zu dieser Generation gehören alle die, die noch in Gara geboren wurden und dort ihre Kinderjahre erleben konnten. Wenn diese Jahre bereits in die Kriegszeit oder, was noch schlimmer war, in die Nachkriegszeit fielen, so war dies für die Kinder, da sie das ganze Geschehen noch nicht begreifen konnten, schlimmer als die Kriegszeit, die sich in Gara nicht so schlimm auswirkte.

Schmerzlich für die Kinder und vollkommen unverständlich war, wenn ihre geliebte Mutter oder/und der Vater sie von einem Tag auf den anderen verlassen mußte, bzw. verschleppt wurden und sie diese nie im Leben wiedersahen. Zumeist erst viele Jahre später begriffen sie, welch Schicksalschlag ihre Eltern traf und daß sie irgendwo in unbekannter russischer Erde begraben sind. Großteils liegen sie in völlig unbekannten Massengräbern und warten dort  auf den  Tag der Auferstehung  und  auf die Wiedervereinigung mit ihren Lieben, die sie so früh und unerwartet und sinnlos verloren hatten.

Für alle, die nur wenige Jahre ihrer Kindheit in Gara verbrachten, aus denen noch keine bleibende Erinnerungen gewachsen waren, oder für die, die schon in der Fremde zur Welt gekommen sind, bildet Gara keine Heimat mehr. Diese Generation kennt den Ort nur aus den Erzählungen der Eltern, der Großeltern.

In dieser Generation verblaßt immer mehr der Gedanke an die Heimat, denn sie ist in einer anderen Umgebung, die nun ihre Heimat ist, aufgewachsen, mit eigenen Erlebnissen. Für sie ist Gara ein fremder Ort, von dem sie nur wissen, daß ihre Eltern und Vorfahren jahrhundertelang dort lebten.

Die Kinder der „alten" Garaer werden auch vielleicht eine Zeitlang noch mit ihren Familien ab und zu dorthin fahren, um die Heimat ihrer Eltern bzw. Vorfahren zu sehen und den Kindern zu zeigen. Aber diese Besuche werden einmal aufhören bzw. Gara wird in die Vergessenheit versinken.

Mancher dieser Nachkommen wird erst wieder über diese Zeit und die Heimat der Vorfahren sich Gedanken machen, wenn ihm eines der Heimatbücher von Gara in die Hände kommt und er dort einiges liest, was die Neugierde weckt, die ehemalige Heimat Gara kennenzulernen.

Sollte es mir gelungen sein, das Interesse bei denjenigen zu wecken, die den Ort Gara, in dem 200 Jahre zwei bzw. drei Nationalitäten friedlich miteinander lebten, nicht kennen, dann ist der Zweck des Heimatbuches erreicht.

 

 

   
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