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V. VOLKSBRÄUCHE, TRADITIONEN, SACHKULTUR

 

1. Sitten und Bräuche im Jahreslaut

Die Beschreibung der Jahresbräuche erstreckt sich auf die drei großen, von Deutschen bewohnten Gebiete Ungarns, darüber hinaus auch auf einige Streusiedlungen. Soweit es die Fachliteratur zuließ, wurde auch versucht festzustellen, welche Bräuche die Ungamdeutschen aus ihrer deutschen Heimat mitgebracht und welche sie sich in der neuen Heimat von den anderen Nationalitäten - vor allem von den Ungarn - angeeignet haben.

Ein Teil der im folgenden dargestellten Bräuche wird auch heute noch unverändert gepflegt oder wurde in den letzten Jahren neu belebt; der größte Teil ist jedoch schon in Vergessenheit geraten bzw. lebt nur noch in der Erinnerung der älteren Leute. Mit dem differenzierten Gebrauch der Zeitformen Gegenwart und Vergangenheit soll darauf hingewiesen werden, welche die noch lebenden bzw. neu belebten und welche die schon ausgestorbenen Sitten und Bräuche sind.

Die Behandlung der Jahresbräuche erfolgte nach den Jahreszeiten, d. h. nach den Einheiten, den Arbeitsperioden des Wirtschaftsjahres.

 

Winter

Die Weihnachtszeit, die mit der Andreasnacht (30. November) beginnt und bis zum Dreikönigstag (6. Januar) dauert, spielte und spielt auch heute noch im Jahresbrauchtum eine sehr wichtige Rolle.

Die Einleitung der weihnachtlichen Festzeit ist der Advent {Atwent, Apfent), der mit dem vierten Sonntag vor dem 25. Dezember beginnt. Innerhalb dieser Periode ist der Andreastag (30. November) der erste bedeutende Tag für die Zukunftsbefragung. In der vorausgehenden Nacht versuchen junge Mädchen ihren Zukünftigen durch Werfen von Schuhen und Pantoffeln, durch Bettrücken, durch Bleigießen usw. .auszuforschen".

Vom Wetter des Andreastages heißt es:

Antreasschnee tut Kuen un Waatz net weh.

Andreasschnee tut Korn und Weizen nicht weh.

Auch der 4. Dezember, der Barbaratag, eignet sich für das Weissagen. Zu Mittemacht oder in der Früh gehen - vielerorts auch heute noch - die Mädchen und die Frauen in den Garten oder in den Hof hinaus und brechen sich einige-meistens drei - Zweige eines Aprikosen-, Apfel-, Mandel-, Kirsch- oder Pfirsichbaumes ab. Dies muß „unbeschrien" [unbeschria) - ohne mit jemandem zu sprechen oder angesprochen zu werden - geschehen. Die sogenannten Barbarazweige {Barbaratswaich, Lewetswaich) werden in einem Einmachglas an einen warmen Platz gestellt. Wenn sie zu Weihnachten blühen, wird das Mädchen, das sie gepflückt und gepflegt hat, im nächsten Jahr heiraten. Wurden die Zweige von einer Frau gebrochen, erwartet sie im kommenden Jahr eine reiche Ernte. Das Nichterblühen der Zweige bedeutet Unglück.

In der Hl. Barbara verehrten auch die Bergleute und das Militär ihre Schutzpatronin. Dieser Tag wurde in Ungarn bis 1945 auch staatlicherseits offiziell unterstützt und gefeiert, seit einigen Jahren wir dieses Fest wieder begangen.

Auf deutschem Sprachgebiet tritt der Nikolaus als Gabenspender und Kinderfreund erst seit dem 16. Jahrhundert auf. Seit dieser Zeit ist der Brauch bezeugt, daß die Kinder ihre Schuhe vor die Haustür stellen, in die der Nikolaus dann nachts seine Gaben hineinlegt.

Zu den ungamdeutschen Kindern kam der Nikolaus {Niglo, Nikioos, Niklasch) in früheren Zeiten .persönlich". Er hatte meistens einen nach außen gekehrten Schafspelz und eine lange Leinenhose an. Auf dem Kopf trug er eine tief ins Gesicht gezogene Pelzmütze und an den Füßen große Stiefeln. Damit ihn die Kinder nicht erkannten, hatte er auch einen Schnurrbart und einen Bart aus Hanf.

Der Nikolaus erschien aber nicht überall als alter, gutmütiger Mann, sondern auch als Schreckgestalt. In den Dörfern des Ofner Berglandes trug er eine Teufelsmaske. In Hajös/Hajosch, wo sich meistens Frauen als Nikolaus verkleideten und ihr offenes Haar über den Pelzmantel fallen ließen, hatte der Nikolaus auf seinem Kopf eine Pelzmütze mit zwei Federwischen,

Bevor der Nikolaus das Zimmer betrat, rasselte er draußen mit seiner Kette, die er entweder als Gürtel benutzte oder in der Hand trug. Die Kinder mußten dem Nikolaus Gebete und Verse aufsagen und Lieder singen. Die meisten dieser Verse und Lieder preisen den Nikolaus und fordern ihn zum Gabenspenden auf wie:

Nikolaus; Nikolaus, lieber Mann,   Wir sind brav, drum bitte schön,
klopf an unserer Türe an!   laß die Rute draußen stehn!
    (Elek)

Nachdem die Kinder ihr Können gezeigt hatten, wurden sie vom Nikolaus mit Dörrobst {Hutsein), Nüssen, Äpfeln, später auch schon mit Süßigkeiten beschenkt. Unter ermahnenden Worten nahm er die Geschenke aus seinem Sack oder Rucksack heraus und verstreute sie im Zimmer. Oft brachte der Nikolaus auch eine Rute (Stecke, Geatf) und gab damit den Kindern, die die Geschenke voreilig vom Boden aufhoben, einige Hiebe. In manchen Dörfern Südungarns erschien der Nikolaus mit seinem Knecht, mit einem Krampus, der schwarz gekleidet war und sein Gesicht mit einem schwarzen Tuch verhüllt hatte. Der Nikolaus verteilte die Geschenke und der Krampus die Rutenschläge.

Luzia ist im Brauchtum und Volksglauben vieler Völker Europas bekannt. Bei einigen mitteleuropäischen Völkern - so auch bei den Ungarn und in manchen süddeutschen Gebieten (z. B. in Ostbayern) - erfuhr dieser Kalendertag eine Personifizierung. Die Luzia war meistens als häßliches Wesen gedacht, das die Kinder erschreckt und die Erwachserlen bestraft, wenn diese an ihrem Tag bestimmte Verbote unbeachtet ließen. Eine solche Personifizierung war auch bei den Deutschen im Ofner Bergland bekannt. Am Vorabend des 13. Dezembers ging die Luzia mit Weißpinsel und Kalktünche im Dorf hemm und beschmierte die Vorübergehenden. In Edek/Etyek zogen verkleidete Burschen durch die Dorfstraßen und erschreckten die kleinen Kinder. In manchen Dörfern arbeitete man an diesem Tag überhaupt nicht, denn man fürchtete sich vor Luzias Strafe. In Hajosch sollte man mit dem Spinnrad (Konkl) nicht in die Nachbarschaft gehen, denn der Luzimwind reißt das Spinnrad in die Luft und man findet es nicht mehr.

Die Luzia wurde auch als eine freundliche, Gaben spendende Frau vorgestellt. In den deutschen Dörfern Westungarns bekamen die Kinder am Morgen des 13. Dezembers von der Lutzetfrau oder Pudelfrau allerlei Süßigkeiten.

Nach dem Volksglauben haben in dieser Nacht, die bis zum 16. Jahrthundert für die längste Nacht des Jahres gehalten wurde, die Hexen eine große Macht. Um sie von Mensch und Tier fernzuhalten, verwendete man gegen sie verschiedene Abwehrmittel. Vielerorts wurden sie durch Räuchern der Wohnräume und Ställe .vertrieben". In Wudersch/Budaörs und Umgebung legte man auf eine Müllschaufel Glut, streute Weihrauch darauf und räucherte damit das ganze Haus aus. Während des Räuchems wurde in KalaschlBudakalasz das folgende gesagt:

Ti bösn Kaista traip i aus,   Die bösen Geister treib ich aus,
un's Chriskindl sull aikean ins Haus.   und das Christkindl soll einkehren ins Haus,

In der Baranya verwendete man angezündete Weihbüschelkräuter zum Räuchern. Am 13. Dezember war männlicher Besuch gern gesehen, denn man glaubte, daß er Glück bringe.

Die folgenden Bräuche, die auch bei den Ungarn wert verbreitet waren, sollten zur Förderung der"Fruchtbarkeit dienen. Der Brauch des Luzia-Weizens (Lutsiawaats) ist mancherorts auch heute noch lebendig.

Den Luziatag nannte man mancherorts auch Hühnertag, denn ein Großteil der abergläubischen Bräuche, die an diesem Tag ausgeübt wurden, hing mit der Hühnerhaltung zusammen. In Elek glaubte man, daß die Hühner am 13. Dezember ihren Namenstag haben, deshalb wurden sie von der Hausfrau mit einem Spruch begrüßt, und sie bekamen den sog. Luziakuchen, der aus Maisschrot, Gerstenmehl, Weizen und Hafer gebacken wurde. Es war auch üblich, das Hühnerfutter in einen Reifen oder eine kreisförmig gelegte Kette zu streuen, damit die Hühner das Jahr über die Eier nicht veriegen.

Bei den Deutschen in Südungarn wurde vereinzelt auch dir ungarische Brauch das kotyoläs „Brüten" belegt. Dies war ein Heischegang von kleineren Jungen, die durch ihr „Brüten" die Hühner „verzauberten", damit sie viel legten.

Auch Liebesorakel knüpfen sich an diesen Tag. In Elek zündeten die Mädchen die verfilzten Teile des Hanfes oder Flachses an, um aus der Richtung, in die die Asche fiel, feststellen zu können, wo ihr Liebster wohnte. In vielen Ortschaften war an diesem Tag auch das Bleigießen üblich.

Auch die Thomasnacht, die Nacht auf den tatsächlich kürzesten Tag des Jahres (21. Dezember), galt als zauberkräftig und wurde für Orakelbefragungen genützt.

Vielerorts stießen die Mädchen vor dem Schlafengehen mit ihren Fußspitzen an den Bettfuß, oder sie rüttelten diesen um Mittemacht und sagten dabei einen Spruch, der in Hetfehel/Hetvehely so lautete:

Bettstatt, ich tritt tich,   Bettstatt, ich trete dich,
hailiger Thomas, ich pitt' (ich,   heiliger Thomas, ich bitte dich,
sag mir in main Traimelein,   sag mir in meinem Träumelein,
wer main Ehmann sol sain.   wer mein Ehemann soll sein.

Die Nächte zwischen Weihnachten (Wainocht, Krestook) bis Dreikönig (6. Januar) werden im deutschen Brauchtum Zwölfnächte genannt. Zu dieser Zeit, besonders aber in der diese einleitenden Christnacht (Hailige Nocht, Krestoogsnocht) - die Nacht auf den 25. Dezember - erreicht nach dem Volksglauben das Geistertreiben seinen Höhepunkt. Als Abwehr gegen diese feindlichen Mächte galten jetzt vor allem Peitschenknallen, Schießen, Blasen und Räuchern.

In einigen Dörfern Südungams zogen die Hirten {Halter), am Abend des 24. Dezembers (Krestoogsowed, Hailiga Owed), Peitschen knallend und Viehglocken läutend, durch das Dorf. Von den Bauern bekamen sie an diesem Tag Lebensmittel und Wein als Geschenk. Auch bei den Ungarn wurde dieser Brauch vielerorts ausgeübt. Bei den Deutschen in Westurigam war das sogenannte Waihnochtsainkleschn verbreitet: Burschen versammelten sich hinter den Häusern und knallten mit ihren Peitschen, wie es die Hirten in der Heiligen Nacht getan hatten. Im Ofner Bergland stellten sich die Hirten (Holdar) nach der Christmette (Meffa, Kresmetta) dem Kircheneingang gegenüber auf und begrüßten mit Peitschenknallen (kleschn) und Hornblasen (tudla) die Teilnehmer an der Christmette. In vielen Ortschaften dieses Gebietes war am Christabend auch das Schießen in die Luft und das Ausräuchern der Häuser und Ställe üblich.

Zum Weihnachtsfest gehört auch der Weihnachtsbaum (Kristpaam, Krespaam, Paam), der fast auf der ganzen Welt als Symbol dieses Festes gilt.

Bei den Ungarndeutschen wurde zu Weihnachten in der Regel ein Wacholderbusch (Wachollerpaam, Kraunawaitn) aufgestellt und mit Ketten aus buntem Papier, Dörrobst und Puffmais {keplatste Kukrutz) sowie mit Nüssen -meist vergoldet oder versilbert -, Äpfeln, Feigen, Lebkuchenfiguren, Gebäck, später auch mit „Salonzucker" (Pralinen, Bonbons) behängt. Auch Kerzen und Wunderkerzen wurden am Baum angebracht, und an seiner Spitze war der Morgenstern zu sehen. Die Spiegel und Bilder in der Wohnung schmückte man ebenfalls mit grünen Zweigen.

Die Bescherung der Kinder geschah und geschieht auch heute noch am Abend des 24. Dezembers. Das Christkindl (Kristkindli, Kreskenje), eine ganz in Weiß gekleidete Gestalt, brachte den Kindern früher außer dem Weihnachtsbaum oft auch noch selbstgefertigte Geschenke wie: gestrickte Schals, Socken und Handschuhe, aus Hefeteig gebackene Figuren, selbstgebastelte Puppen, Puppenwagen, Pferde und anderes Spielzeug. Auch von den Pateneltem (Teet, Godl und Pheter, God) erhielten sie zu Weihnachten Geschenke, meistens Lebkuchenfiguren, Äpfel, Nüsse und Dörrobst, gelegentlich auch ein Kleidungsstück.

Die Bescherung zu Weihnachten dürfte auf die römische Sitte der Neujahrsbescherung zurückgehen. Teile dieses Brauches scheinen in einigen Dörfern erhalten geblieben zu sein. In Sier/Szür bekamen die Kinder auch zu Neujahr Geschenke, der Gabenspender hieß dann Neujahrsmännchen (Najoaschmenje). In Feked wurden die Kinder von ihren Patenteltem nicht zu Weihnachten, sondern zu Neujahr beschenkt.

Zur Weihnachtszeit wurde in den ungarndeutschen Dörfern auch das Christkindl- oder Bethlehemspiel aufgeführt. Schulmädchen und jungen zogen von Haus zu Haus; sie stellten Engel, Hirten, Maria und Josef und auch einen

Wirt dar und waren auch dementsprechend gekleidet. Sie hatten einen Weihnachtsbaum oder die Abbildung des Stalles von Bethlehem bei sich, stellten beides auf den Tisch und trugen das Spiel mit verteilten Rollen vor. Meistens wurde es gesungen, bestimmte Strophen aber auch gesprochen, InSüdungam hat man einen Teil des Bethlehemspiels - mancherorts auch das ganze - sogar in der Christmette vorgetragen. In vielen Ortschaften dieses Gebietes wurde das Adam-und-Eva-Spiel, auch Paradiesspiel genannt, aufgeführt, das die Geschichte des ersten Menschenpaares im Paradies vorstellt. Beide Spiele haben auch bei den Ungarn ihre Entsprechungen.

Die Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig sind nach Meinung der Alten für die Wetterprophezeiung bedeutsam; denn nach dem Wetter an diesen 12 Tagen soll sich das Wetter der einzelnen Monate im neuen Jahr gestalten. Mancherorts wird dies auch von der Zeit zwischen dem Luziatag und Weihnachten behauptet.

Allgemein bekannt sind die folgenden Regeln:

Waißer Krestok, grine Ouster.

Weiße Weihnachten, grüne Ostern.

 

Krestok in Klee, Ouster in Schnee.

Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee.

 

Krestok naß, leat Schaier un Faß.

Weihnachten naß, leert Scheuer und Faß.

 

Helle Kresmette, dunkle Schaier,

dunkle Kresmette, helle Schaier.

Helle Christmette, dunkle Scheuer,

dunkle Christmette, helle Scheuer.

 

Auch zahlreiche die Fruchtbarkeit fördernde Handlungen führte man früher zu dieser Zeit aus.

In Berzel/Cegtedbercel ging der Hirt am Tag vor Weihnachten in die Häuser und ließ die Kinder aus den mitgebrachten Weidenruten eine herausziehen. Mit dieser Rute schlugen die Kinder am ersten Weihnachtstag die Erwachsenen „frisch und gesund". In Kirwa/Mariahalom, wo dieses Rutenziehen ebenfalls bekannt war, glaubte man: Je mehr Verzweigungen die Rute habe, desto größer werde die Vermehrung der Haustiere im nächsten Jahr. Bei den Ungarn, Serben und Kroaten wurde dieser Brauch mancherorts auch am Georg- (24. April) oder am Martintag (11. November) ausgeübt.

Am Johannistag (27. Dezember) fand in vielen ungamdeutschen Dörfern die Weinweihe statt. Vom geweihten Wein tranken alle Familienmitglieder, sie hofften dergestalt, im nächsten Jahr keine Halsschmerzen zu bekommen. Man goß davon auch in die bereits gefüllten Fässer, damit es im neuen Jahr eine reiche Weinernte gäbe. Der Rest des geweihten Weines wurde in einer kleinen Flasche aufbewahrt, er diente während des Jahres als Arznei gegen Halsschmerzen. In dem Wielander Weingebiet (Vllläny) wird dieser Brauch heute wieder ausgeübt.

Am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder (Kinsteltog, Kengltog) gingen die Kinder und Burschen schon in der Früh mit einer Rute in der Hand zu den Verwandten und guten Bekannten. Mit der Rute schlugen sie zwei-drei-mal jede Person, der sie begegneten, besonders aber die Mädchen und Frauen. Zu diesem „Kindein", „Fitzeln" (Kengle, Aufkindeln, Fitse) benutzten sie die vom Nikolaus oder vom Christkindl gebrachte Rute oder die Barbarazweige, mancherorts auch eine aus Weidenruten geflochtene Karbatsche. Beim Schlagen sagten sie folgendes:

Presch un gsont,   Frisch und gesund,
fresch un gsont,   frisch und gesund,
eßt es Najooh delepst.   daß du das Neujahr eriebst.
    (Bawaz/Babarc)

Die letzte Nacht des Jahres, die Silvesternacht, war für Liebesorakel günstig. In Südungam holten die Mädchen aus dem finsteren Keller Holzstücke herauf und zählten sie in der Küche. Wenn die Zahl dieser Holzstücke eine gerade Zahl war, bedeutete dies, daß das Mädchen im nächsten Jahr heiraten würde.

In Bogdan/Dunabogdäny wandten sich die jungen Mädchen mit folgender Bitte an den Kalenderheiligen:

Heiliger Silvester,   Heuer bin ich übrig geblieben,
laß mich nicht als Letzte.   aufs Jahr wird es mir wieder so gehen.

In Elek schälten die Mädchen vorsichtig Äpfel ab, dabei darauf achtend, daß die Schale in einem Stück blieb. Dann warfen sie die Schale über die Schultern nach hinten und dachten dabei an ihren Liebsten. Zeigte die auf die Erde gefallene Schale den Anfangsbuchstaben seines Namens, war das ein Zeichen dafür, daß das Mädchen im neuen Jahr heiraten würde.

 

Neujahr

Am 1. Januar besuchen einander die Verwandten und Freude, um sich das neue Jahr „anzuwünschen". Dieses „Anwünschen" [Onwintschn, Ouwinsche)i war und ist auch heute noch besonders für die Kinder ein großes Erlebnis. Sie machen sich schon in aller Früh aus den Federn, denn es heißt: Wer am 1. Januar lange im Bett bleibt, wird das ganze Jahr hindurch faul sein. Das frühe Aufstehen hat aber noch einen anderen Grund: Der erste „Glückwünscher" des Hauses wird am reichsten beschenkt. Die Kinder gehen zuerst zu den Großeltern, dann zu den Pateneltem und Nachbarn und schließlich zu den anderen Verwandten und Bekannten und „wünschen das neue Jahr an", indem sie die meistens von den Großeltern gelernten Sprüchlein vortragen. Für ihre Glückwünsche wurden sie früher mit Äpfeln, Nüssen und Backwerk beschenkt, heute bekommen sie Geld dafür.

Der folgende wohlbekannte Neujahrsspruch wird von kleineren Kindern aufgesagt:

I wintsch, i wintsch, i waß naid wos.   Ich wünsch, ich wünsch, ich weiß nicht was.
Kraifts in Sock unt kaipts ma wos!   Greift in den Sack und gebt mir was!
    (Wudlgeß/Budakeszi)

Im Volksglauben werden der Dreikönigstag (6. Januar) und die diesem vorangehende Nacht für eine Wunderzeit gehalten. Die Dreikönige betrachtet man als Beschützer in allen Nöten. In den katholischen ungarndeutschen Dörfern fand früher schon am Vorabend ihres Kalendertages die Wasserweihe statt. Man ließ auch Kreide, Salz, Knoblauch, Brot, mancherorts auch Zucker und Äpfel weihen. Von dem geweihten Wasser nahm jede Familie eine Flasche voll mit nach Hause, dieses wurde dann im Laufe des Jahres zu verschiedenen Zwecken verwendet, wie dem Besprengen des Hauses, des Stalles oder der Toten. Mit der Kreide schrieb man noch an demselben Abend die Anfangsbuchstaben der Dreikönigsnamen nebst zwei Kreuzen und der jeweiligen Jahreszahl an die Haus- und Stalltür: 19 C = M = B 98, bei den Ungarn: G = M = B. In einigen Dörfern zeichnete man statt der Kreuze den Drudenfuß (Trudefuß) oder das Hexenkreuz (Hexekraits) an die Türen zwischen die Anfangsbuchstaben der Könige. Man war der Meinung, daß diese Zeichen als Schutz gegen Hexen und andere das Haus bedrohende Mächte wirke. Dem Anschreiben der Dreikönigszeichen ging mancherorts das Ausräuchern der Räume, die Einweihung des Hauses voraus. Der geweihte Knoblauch wurde für Krankheitsfälle aufbewahrt, das Salz in der Küche verbraucht und auch unter das Viehfutter gemischt. Die anderen geweihten Lebensmittel wurden von den Familienmitgliedern gemeinsam gegessen.

Am 6. Januar fand auch ein Heischegang der Schuljungen statt. Drei als Könige aus dem Morgenland verkleidete Jungen zogen mit einem Stern von Haus zu Haus und trugen ihr Lied von der Geschichte der Dreikönige vor. Sie wurden dafür mit Nüssen, Süßigkeiten oder mit Geld beschenkt. Dieser Brauch ist sowohl auf deutschem Sprachgebiet als auch bei den Ungarn seit dem 16. Jahrhundert bekannt.

Die wichtigsten Tage in der zweiten Januarhälfte deuten schon auf die baldige Ankunft des Frühjahrs hin.

Am 20. Januar wird gesagt:

Uf Fabian un Sebastian schießt de Soft in Paam.

Am Fabian und Sebastian schießt der Saft in den Baum.

Nach Beobachtung der Alten ist ein gutes Weinjahr zu erwarten, wenn es am Vinzenztag, dem 22. Januar, taut:

Vinzenz Sonnenschein,

bringt viel Kuen (Korn) und Wein.

Der 25. Januar, Pauli Bekehrungstag, gilt als Wintermitte. Es heißt:

Pauli bekehr,   Pauli bekehr,
dr halwet Wender hii,   der halbe Winter hin,
dr halwet her.   der halbe her.

 

Vorfrühling und Frühling

Die Zeit von Lichtmeß (2. Februar) bis Ende April, in der Winter und Sommer um die Herrschaft kämpfen, gilt im Brauchtum des Jahres als Vorfrühling. Diese Zeit ist reich an Bräuchen, in denen die Freude über das Scheiden des Winters und das Wiedererwachen der Natur zum Ausdruck kommt,

Der 2. Februar wird zum Teil noch als Wintermitte aufgefaßt, deshalb soll der Bauer mit dem Viehfutter sparen. Man sagt:

Uf Maria Lichtmeß muß dr baut Hai un Hoower mess'.

Zu Maria Lichtmeß muß der Bauer Heu und Hafer messen.

Eine andere Erfahrung macht darauf aufmerksam:

Maria Lichtmeß hell un kloar, kit's ain fruchtboares Joahr.

Maria Lichtmeß hell und klar, gibt es ein fruchtbares Jahr.

Nach Beobachtungen des Volkes soll auch der Matthiastag (24. Februar) über das Wetter der darauffolgenden Zeit entscheiden. Die allgemein bekannte Wetterregel lautet:

Matheis, prech Ais!   Matthias, brich Eis!
Hostkans, so mach trans!   Hast keins, so mach dir eins!

Fasching ist die süddeutsche, besonders in Bayern und Österreich übliche Bezeichnung für die der Fastenzeit vorangehenden Wochen.

Den Höhepunkt der Faschingszeit bildeten auch bei den Ungamdeutschen die letzten drei Tage vor Aschermittwoch, vom Faschingssonntag bis Faschingsdienstag. Für die Bedeutung der drei Faschingstage spricht, daß früher zu dieser Zeit die Arbeit ruhte und in den Schulen der Unterricht ausfiel. Die Erwachserien kleideten sich festlich und besuchten ihre Freunde und Bekannten. An jedem Abend der drei Faschingstage wurde ein Ball veranstaltet, der immer bis in die Früh dauerte. Am dritten Tag, also unmittelbar vor dem Beginn der Fastenzeit, ging der Ball bereits um 11 Uhr abends zu Ende. Mit dem Faschingstanz war früher die abergläubische Vorstellung verbunden, je höher man beim Tanzen springe, desto länger wachse der Hanf im nächsten Jahr. In Hajosch nannte man den letzten Tanz am Faschingsdienstag - bei dem man besonders hoch hüpfen sollte-deshalb auch Hanftanz.

An den letzten drei Faschingstagen gab es überall reichliche Mahlzeiten. Eine beliebte Faschingsspeise war das Kraut, das man mit Schinken oder Wurst kochte und als gefülltes Kraut zubereitete. Das übriggebliebene Kraut wurde am Aschermittwoch den Hühnern mit verfüttert, und zwar innerhalb eines Faßreifens oder eines kreisförmig gelegten Strickes, damit sie das ganze Jahr hindurch ihre Eier nicht verlegten. Das übliche Gebäck der Faschingstage waren und sind auch heute noch die Kräppel.

In vielen Dörfern begannen die Faschingslustbarkeiten schon am Donnerstag vor Faschingssonntag. In Arpad/Nagyärpäd fand an diesem sogenannten schmutzigen Donnerstag (schmotsich Durschtik) - bei den Ungarn köv§r csütörtök - im Wirtshaus ein Kindertanzfest statt.

Zu den Faschingsumzügen kam es bei den Ungamdeutschen meistens am Faschingsdienstag.

In Elek versammelten sich früher die verheirateten Männer am Vormittag dieses Tages in etwa 4-5 Wirtshäusern. Die Grundlage für die einzelnen Männergruppen bildete im allgemeinen ein Freundeskreis. Hier verkleideten sie sich als Frauen oder zogen Tierkostüme an und beschmierten ihr Gesicht mit Ruß, Farbe oder Schuhcreme. Der Umzug der einzelnen'Gruppen begann um 10 Uhr und hatte eine traditionell festgelegte Ordnung. An der Spitze des Zuges ritten zweimal zwei in ungarischer Tracht gekleidete Männer, ihnen folgte unmittelbar der Wagen zum Sammeln der Gaben. Auf diesem Wagen stand unter anderem ein Weinfaß, in das der gesammelte Wein hineingegossen wurde. An dem Wagen wurde auch die Stange jenes Rades angebracht, auf dem zwei Puppen - Hansl und Kredl-einander gegenüberstanden. Beim Fahren drehte sich dieses Rad. Diese Puppen tauchen auch beim Blochziehen in Südwestungam auf und symbolisieren die Fruchtbarkeit. In Pula nannte man das Brautpaar des Maskenumzuges Hansl und Kredl.

Im Eleker Umzug bewegten sich die Maskierten, Faschingsnarren genannt, in der Nähe des sogenannten Faßwagens. Sie gingen in ein jedes Haus hinein und ließen sich ihren Krug mit Wein füllen und auf ihren Spieß Kräppel stecken. Auch Eier wurden ihnen geschenkt. Die Faschingsnarren sorgten auch dafür, daß die Zuschauer in die Faschingsnarretien einbezogen wurden. Der laute, fröhliche Umzug ging am frühen Nachmittag zu Ende. Die am Tage gesammelten Gaben wurden am Abend auf den Binkelbäilen (Pingalisbal!) der einzelnen Umzugsgruppen verzehrt. Seit 1960 werden diese Faschingsumzüge; mit kleineren Veränderungen, neubelebt.

Die in West-und Südwestungam bekannte Form des Faschingsumzuges, das Blochziehen (Blochtsoign, Plouchtsiagn), ist zugleich auch ein Fruchtbarkeitsumzug. Da der Fasching die bevorzugte Zeit für Heiraten war, ließ man in deutschen Sprachgebieten schon seit dem 15. Jahrhundert die ledig gebliebenen Mädchen als scherzhafte Strafe einen Pflug, eine Egge oder einen Baustamm durch die Straßen oder über die Äcker ziehen. Eine Variante dieses Brauches, der in ganz Europa verbreitet war, ist das Blochziehen. Dieser Brauch wurde früher nur dann begangen, wenn in der Gemeinde ein ganzes Jahr hindurch keine Hochzeit stattgefunden hatte. Der Bloch ist ein großer, mit Bändern und Reisig aufgeputzter Stamm, der von den Burschen unter den Klängen der Musik durch das Dorf gezogen wurde. In der Umgebung von St.Gotthard/Szentgotthärd zogen noch um die Jahrhundertwende die unverheirateten Mädchen den Bloch. Sie wurden von den Burschen abgefangen und „als Strafe für ihr Ledigsein" vor den Bloch gespannt. Es bestand der Glaube, daß das Blochziehen eine baldige Heirat zur Folge habe. Im Volksglauben galt der Baum als Träger und Bringer der Fruchtbarkeit. Mit ihm sollte Fruchtbarkeit ins Dorf gebracht werden. In Fidisch/Räbafüzes setzte man den ältesten Burschen des Dorfes auf den Bloch, er wurde mit Wein getränkt und verspottet. In dieser Gegend ist das Blochziehen auch bei den Ungarn bekannt. In der jüngeren Zeit wird der Bloch auf einen Pferdewagen geladen und von Maskierten und Lärm machenden Burschen durch das Dorf begleitet. Oft endet der Zug mit einer „Hochzeit", indem das „Brautpaar" (meistens zwei verkleidete Burschen) - im Wirtshaus von einem „Priester" getrau» wird.

In Altglashütten/Öbänya gab es am Faschingsdienstag das Kukuruzstrohtreiben. Die älteren Burschen des Dorfes wurden zusammengeholt und jeder bekam eine Kuhglocke umgehängt. Der Zug ging zur allgemeinen Belustigung von einem Dorfende zum anderen. In Nadasch/Mecseknädasd holten die Burschen die Mädchen zusammen und trieben sie auf die Ackerfelder.

Zu den Fruchtbarkeitsriten des Faschings gehörte auch der Schlag mit der Lebensrute. In Westungarn wurden die Mädchen in der Tanzstube mit einer Rute, auch mit einem Kochlöffel oder mit der bloßen Hand „frisch und gesund geschlagen". In Kirwa übte man diesen Brauch zu Ostern aus.

Ein verbreiteter Brauch der Faschingszeit war auch das Hahnenschlagen. Ein Hahn wurde in einem Erdloch so tief eingegraben, daß nur noch sein Kopf herausstand. Ein Bursche, dessen Augen mit einem Kopftuch verbunden waren, mußte den Kopf des Hahns mit einer Sense abschlagen. Gelang es ihm nicht, so durfte es ein anderer versuchen. Der Sieger wurde gefeiert und der Hahn im Wirtshaus für die Burschen zubereitet.

Als ein Relikt alten Frauenrechts ist der Brauch des Weiberfaschings (Waiwerfasching) zu betrachten. Am Faschingsdienstag gehörte in einigen deutschen Dörfern Süd- Und Westungams der Kellerschlüssel den Frauen, d. h. sie hatten das Vorrecht in den Kellerreihen. In Marok/Erdösmarok traten sich nach dem Mittagessen die Spinnstubengruppen und gingen von einem Kellerhaus zum anderen. Überall wurden das Backwerk der Hausfrau und auch ihr Wein gekostet. Zu dieser Zeit durfte kein Mann in die Nähe der Frauen kommen. Wer es dennoch wagte, wurde strengstens bestraft. In Sa wer hatten die Frauen das Recht, auf den Straßen die Sauberkeit der Männerkleider zu überprüfen. In Arpad hielten die Frauen am Faschingssonntag ihren Ball ab; dieser Tag wurde hier Weibertrunksonntag (Woibrtrunksunntik) genannt.

Ein wichtiger Bestandteil des Faschingsbrauchtums ist das Faschingsbegraben, das ursprünglich nichts anderes als das Eingraben, Verbrennen oder Ersäufen des Winters bedeutete. Es fand meistens kurz vor Mittemacht des letzten Faschingstages statt, nachdem die vorangegangene Tanzunterhaltung um 11 Uhr durch das Fastenläuten (Fostelaide) beendet worden war.

Vielerorts wurde eine Strohpuppe im feierlichen Leichenzug herumgetragen und schließlich in einen Brunnen oder Bach geworfen. In LeinwarA-eänyvärwwde vor Mitternacht ein Bursche, der den Fasching verkörperte, in einen Trog gelegt und mit einem weißen Tuch zugedeckt. Als Pfarrer, Schulmeister und Ministrant verkleidete Burschen trugen den „Toten" durch den Tanzsaal und sangen dabei ein scherzhaftes Lied. Schließlich wurde der Bursche durch einen deftigen Wasserguß aus seinem „Sarg" getrieben. In Wudersch symbolisierte noch um die Jahrhundertwende eine Flasche Wein den Fasching. Diese wurde um Mitternacht unter dem Parkett des Tanzsaales „begraben" und erst am Ende des nächsten Faschings wieder herausgenommen. Mit dem Begräbnis des Faschings und dem Schlag der Mittemachtsstunde nimmt die Fastenzeit ihren Anfang.

An die drei Faschingstage knüpfen sich auch einige Verbote. Es durfte kein Brot gebacken werden, weil sonst im laufenden Jahr jemand aus der Verwandtschaft gestorben wäre. Verboten war auch das Kochen von Bohnen, weil man dann Geschwülste bekommen hätte. Es durfte auch nicht genäht werden, weil die Hühner dann nicht gut gelegt hätten. Von den letzten Faschingstagen glaubt man, daß sie über das Wetter der kommenden Jahreszeiten entscheiden. Es wird gesagt: Wie der Faschingssonntag, so das Frühjahr; wie der Faschingsmontag, so der Sommer und wie der letzte Faschingstag, so der Herbst. Es heißt auch: Wenn man die Faschingskrapfen in der Sonne ißt, muß man die Ostereier in der Stube essen.

Der erste Fastensonntag (Sonntag Invocavit) wird in einigen Dörfern der Baranya Hutzelsonntag (Hutzelsonndok) genannt, weil man an diesem Tag in jedem Haus Hutzeln (Dörrobst) aß. Die Jungen und Burschen gingen am Nachmittag oder am Abend von Haus zu Haus und sangen Hutzellieder, von denen das Lied „Komm, Siljus, komm, Erwus mit Hutzelbrüh geschmälzt" - mit geringfügigen Unterschieden - in fast allen diesen Dörfern bekannt war. Für das Hutzelsingen, denn so nannte man diesen Heischegang, bekamen sie Geld, Hutzeln, Krapfen oder Äpfel. Auf deutschem Sprachgebiet wurde dieser Heischegang in der Gegend von Fulda belegt.

Am Nachmittag dieses Tages gingen die Burschen auf einen Berg in der Nähe des Dorfes und trugen dort Holz, Reisig und leere Maisstengel zusammen. Wenn es dunkel wurde, zündeten sie das Hutzelfeuer und die mit Stroh umwickelten, an Fackeln erinnernden Stangen oder Maisstengel an. Mit diesen „Fackeln" liefen sie über die Saatfelder und schlugen mit ihnen Kreise und Schlangen in der Luft. Dies nannte man mancherorts Pläsprenne (Blas Fackel). In einigen Dörfern wurden auch alte, mit Stroh umwickelte Räder angezündet und vom Berg heruntergerollt. Diese Hairäder- auch Hellräder genannt - beendeten ihren Weg dann in einem unten vorbeifließenden Bach oder auf der Wiese. Am Abend war das ganze Dorf auf der Straße und schaute dem Hutzelfeuer zu, das bis in die späten Abendstunden dauerte. In Altglashütten gingen die Jungen erst am Abend nach dem Hutzelfeuer von Haus zu Haus und sprachen den oben genannten Hutzelspruch. Anschließend trug ein Junge noch einen anderen Reim vor.

Auch der in einigen südlichen Gebieten Deutschlands verbreitete Brauch des Scheibenwerfens

(Schaiwewerfe, Schaiblschlaa) war in manchen Dörfern Südungams bekannt. Die runden Scheiben wurden aus Holz oder aus Brettern gemacht und hatten in der Mitte ein Loch. Durch dieses Loch steckte man einen Stecken und hielt die Scheibe so ins Feuer. Mit der glühenden Scheibe schwang man Kreise in der Luft, sagte dabei einen Spruch und warf sie dann von der Anhöhe in Richtung Dorf: In Marok lautete dieser Spruch folgendermaßen:                   

Schiewe, schiewe Schaibe!   Schiebe, schiebe Scheibe!
Wen so1 die Schaiwe sain?   Wem soll die Scheibe sein?
Die Schaiwe soll tr (ten)... sain.   Die Scheibe soll der (dem)... sein.

Hierbei wurde der Name der bzw. des Geliebten gesagt, denn die Scheiben wurden meistens für die Geliebten, aber auch für den Segen der Fluren geworfen. Am Ende wurde noch hinzugefügt:

Fliecht se net, sokilt se net,   Fliegt sie nicht, so gilt sie nicht,
fliecht se, so kilt se.   fliegt sie, so gilt sie.

In Hajosch, wo man diesen Tag „Scheibensonntag" (Schoiblasunntik) nannte, schleuderte man nach dem Spruch auf Holzspieße gesteckte glühende Kartoffeln weg. Das Scheibenwerfen kannten auch die Deutschen im Komitat Szatmär. Hier wurde dieser Brauch auch von den Ungarn übernommen und als sajboläs bezeichnet.

Das Ende der Fastenzeit bildet die Karwoche, die mit dem „Palmsonntag'' (Palmesonndok, Polmsunntok) beginnt. Dieser trägt seinen Namen nach der Palmenweihe der katholischen Kirche. Statt Palmen verwendet man sowohl bei den Ungarn als auch bei den Ungarndeutschen Weidenzweige mit Kätzchen (Ketsje, Polmkatsl, Polmketsl), mancherorts auch Haselnußzweige, die meist zu einem Strauß zusammengebunden werden. In Hajosch banden früher die Schuljungen die Palmen an einen langen Stock und trugen sie so zur Kirche. Auch für die nahen Verwandten und Bekannten ließen sie je einen Palmenstock weihen, dafür bekamen sie dann Eier oder Geld. Diese Palmenstöcke wurden zunächst in einen Zaun gesteckt und erst am Karsamstag vormittag zur Aufbewahrung auf den Dachboden getragen.

Nach dem Volksglauben besitzen die geweihten Palmen - ähnlich wie die Johannis- und Weihbüschelkräuter Heil- und Abwehrkraft. Sie wurden früher im Haus und auf dem Hof aufbewahrt, damit sie Mensch und Tier vor Krankheiten und das Haus vor Gewitterschäden schützten; sie galten auch als Schutzmittel gegen Hexen. Im Ofner Bergland aßen nach der Palmenweihe alle Familienmitglieder - meistens auf nüchternen Magen - je drei Kätzchen der geweihten Palme, damit sie während des Jahres keine Halsschmerzen bekämen. In Südungam und auch im Ofner Bergland steckte man am zweiten Ostertag zwei, drei geweihte Palmen zum Schutz gegen Blitz und Hagel in jedes Ackerfeld. Vielerorts werden an diesem Tag auch heute noch Palmen auf die Gräber der verstorbenen Angehörigen gelegt.

Der eigentliche Osterfestkreis beginnt mit dem „Gründonnerstag" {Kriantunnestok, Grine Donnerschtok). An diesem Tag ißt man gern etwas Grünes wie Grünkohl, Feldsalat, Spinat oder grüne Zwiebeln, obwohl er seinen Namen nicht von den grünen Speisen bekommen hat. In katholischen Dörfern verstummen am Gründonnerstag die Kirchenglocken, man sagt scherzhaft „sie fliegen nach Rom". Das Glockengeläute wurde früher bis Karsamstag vormittag durch Ratschen ersetzt. Etwa 4-5 Schuljungen gingen, wenn es Zeit zum Läuten war, mit Ratschen durch die Straßen des Dorfes. Von den Ratschen schreibt A. Spamer (Sitte und Brauch, 1940, S. 59), daß sie einst wahrscheinlich Lärminstrumente zur Dämonenabwehr waren, und somit bis in die heidnische Vorglockenzeit zurückreichen:

Am Karsamstag vormittag läuten dann alle Glocken, und es heißt, die Glocken kommen „zurückgeflogen". Während des Läutens schüttelte man früher in einigen Ortschaften die Obstbäume, damit es keine Maikäfer, wohl aber viel Obst gäbe.

Am Nachmittag dieses Tages zogen die Schuljungen, die während der drei Tage geratscht hatten, mit einem Korb von Haus zu Haus und verlangten Eier oder Geld für das Ratschen. In Sawer sprachen sie dabei den folgenden Spruch:

Es kleppet, es kleppet um ti Aier,   Es klappert, es klappert um die Eier,
es kleppet, es kleppet ums Geld.    es klappert, es klappert um's Geld.

Die für das Eierklappem - so nannte man diesen Heischegang in Südungam - erhaltenen Eier sammelte ein Junge in einem Korb. Die Eier und das Geld verteilten sie am Abend untereinander.

Die kirchliche Entsprechung des Osterfeuers ist die Feuerweihe (Schaidelwaihe, Schaitlwail) am Karsamstag vormittag. Das vor der Kirche angebrannte Karsamstagsfeuer, zu dem man früher im allgemeinen die morschen Holzkreuze vom Friedhof benutzte, wird auch Judas- bzw. Judenverbrennen (Judasverprenne, Jutverprenne) genannt. In Westungam verbrannte man in diesem Feuer eine Strohpuppe, die den Judas symbolisierte. Vielerorts brachten die Schuljungen Holzstücke zur Kirche mit, die sie im Feuer ankohlen ließen. In Kokosch gingen sie mit dem „Juden" {Jut), einem etwa 50 cm langen, vom Vater geschnitzten Holzstück, zur Feuerweihe. In Hajosch ließen die Kinder mehrere auf Draht aufgefädelte Holzscheite verkohlen, die sie dann für erhaltene Gaben unter den Verwandten und Bekannten verteilten. Diese angekohlten Holzstücke wurden vielerorts bei Gewitter ins Herdfeuer gelegt, damit der Blitz nicht ins Haus einschlüge. In der Baranya nahm man sich aus dem geweihten Feuer ein kleines Stück Holzkohle mit nach Hause, und in der Walpurgisnacht schrieb man damit gegen die Hexen drei Kreuze an die Tür.

Stark war auch der Glaube an die Kraft des Osterwassers bzw. Ostertaues. Nach dem Volksglauben sollte es Gesundheit, Schönheit, Stärke und Glück verleihen. Wenn am Karsamstag die Glocken wieder läuteten, gingen die Leute schnell an ein fließendes Wasser und wuschen sich darin, damit sie keine Hautkrankheiten und Sommersprossen bekämen. In Südungam wurde dies auch am Grünr donnerstag, beim „Abflug der Glocken" gemacht. In Jink/Gyönk wurde gesagt: Wer sich am Ostermontag mit klarem Bachwasser wäscht und dabei in die aufgehende Sonne schaut, der verliert seine Sommersprossen. In Tschiep I Szigetcsep ging man am Ostersonntag bereits vor Sonnenaufgang auf den Kalvarienberg und wusch sich im Ostertau, um sich so vor Krankheiten zu schützen. Dies mußte in völliger Stille geschehen, sonst verlor der Ostertau seine Zauberkraft. In vielen Dörfern wusch man sich auch im Ostertau des Hofes oder Gartens. In Elek gingen die Dorfbewohner am Ostermontag in der Früh auf den Friedhof, um den taufeuchten Rasen des Friedhofs zu betreten, damit sie gesund blieben. Dieser Brauch war in vielen ungarndeutschen Dörfern bekannt. In Feked glaubte man: Wer sich wortlos im Ostertau wälzt, der bekommt kein Kreuzweh. In Wudersch wurden die Kühe und Schweine schon früh auf die Weide getrieben, damit auch das Vieh die heilsame Wirkung des Ostertaues erführe. Die Burschen ritten auch mit ihren Pferden hinaus. Das im ganzen Land übliche Bespritzen (Schitte, Ouspretze, Spritsn) mit Parfüm oder Wasser war früher bei den Ungamdeutschen nicht bekannt; dieser Brauch verbreitete sich erst in den letzten Jahrzehnten.

In vielen katholischen Dörfern fand am ersten Ostertag die Speisenweihe statt. Man schickte meistens die Kinder in der Früh mit gekochtem Schinken, Eiern, Brot, Kren und auch Kuchen in die Kirche zur Weihe. Auch den geweihten Speisen wurden besondere Kräfte zugeschrieben. So trug man die Speisenreste in Kischludt/Kislöd auf das Weizenfeld, damit es eine gute Ernte gäbe.

Der Osterhase kommt im allgemeinen am Ostermontag in der Früh. Das Nest wird entweder schon am Karsamstag oder erst am Ostersonntag aus frisch gerupftem Gras gebaut und mit Veilchen oder anderen Frühlingsblumen geschmückt. Zum Nestbauen benutzte man früher auch Stroh; in Murgau/Murga legte der Osterhase die bunten Eier in den sogenannten Hasenstall, den die Kinder in der Karwoche aus kleinen Pfählchen angefertigt hatten.

In Südungam rufen die Kinder den Osterhasen mit einem Lied oder mit einem Spruch, gehen danach ins Haus zurück und warten ungeduldig. In Nimisch/Himeshäza lautet dieser Spruch wie folgt:

Hainz, Mainz, Hoos,   Heinz, Heinz, Has,
lech mr e Ai,   leg mir ein Ei,
e grines, e rodes, e bloes...!   ein grünes, ein rotes, ein blaues...!

In Nadasch ruft man den Osterhasen mit dem folgenden Lied:

Has, Has lech mr a Ai,   Has, Has, leg mir ein Ei,
krichst a e Vaigele.   kriegst auch ein Veigelchen.
Has, Has kumm!   Has, Has, komm!

An die Ostereier knüpfen sich viele Spiele, die meist von den Kindern, mancherorts auch von den Jugendlichen gespielt wurden. Diese Spiele waren größtenteils Wettspiele und gingen auf einen Gewinn aus. Weit verbreitet war das Eierpicken (Aierstutze, Aierpecke), das in den südlichen und westlichen Gebieten Deutschlands auch als Eierspecken bekannt war. Bei diesem Spiel hielt jeder Partner ein Ei in seiner zur Faust geballten Hand. Dann stießen beide mit der Spitze der Eier so lange aufeinander, bis die Schale eines Eis zerbrach. Das beschädigte Ei gehörte dem Sieger. Weit bekannt war auch das Eierwerfen mit Geld, in Pula Eiereinhacken genannt. Dies geschah wie folgt: Der eine Partner hielt mit seinem Daumen und Zeigefinger ein Ei fest, der andere warf mit einem Geldstück nach dem Ei. Wenn das Geldstück im Ei steckenblieb, so gehörte das Ei dem Werfer, wenn nicht, so gehörte das Geld dem Besitzer des Eis. In Murgau warf man das Geldstück gegen ein auf der Erde liegendes geschältes Ei.

In Kokosch traf sich die Jugend am Ostermontag auf der Wiese. Hier warfen die Burschen die den Mädchen weggenommenen Eier in die Höhe, und andere Burschen versuchten diese aufzufangen. Auch Mädchen warfen Eier, meistens aber so, daß sie der Auserwählte auffangen konnte. Zu diesem Zweck wurden manchmal auch hölzerne Eier verwendet.

Zuletzt soll noch das Eierrollen, Eierschieben (Aierrolle, Aierschaibri) erwähnt werden. Bei diesem Spiel wurden die Eier von einem Hügel nach unten gerollt, und derjenige, dessen Ei während des Hinabrollens nicht zerbrach, wurde zum Sieger erklärt. Vor dem Rollen mußte man die Eier im Gras reiben, damit sie besser gleiten konnten.

In vielen Dörfern war auch der Brauch Nach-Emmaus-Gehen - ins Freie gehen - bekannt. Am Nachmittag des zweiten Ostertages geht in Bohl/Böly groß und klein in die Weinkeller und verbringt den Tag bei frohem Spiel, mit Trinken und Plaudern. In Hajosch tanzte die Jugend den ganzen Nachmittag in der Kellerreihe. In Feked nannte man den Besuch der Verwandten in den Nachbardörfern Emmaus-Gehen. Im Omer Bergland wurde gesagt: Am Ostermontag gehen wir eben aus („Emmaus"), d. h. man trug die geweihten Palmen in den Weingarten und auf den Hotter. In Pula gingen die Frauen auch Emmaus, sie machten einen Spaziergang in die Nachbardörfer.

Im Mai, dem fünften Monat des Jahres, feiert die Menschheit schon seit altersher den endgültigen Sieg des Frühlings über den Winter. Bevor aber am 1. Mai der Sieg des Frühlings endgültig entschieden ist, versuchen sich - nach dem Volksglauben - in der vorausgehenden Walpurgisnacht die Hexen noch einmal mit aller Macht zu betätigen.

Auch bei den Ungamdeutschen wurden in der Walpurgisnacht zahlreiche Abwehrmittel verwendet. In manchen Ortschaften Südungams machte man mit einem Stück geweihter Kohle drei Kreuze an die äußeren Türen, damit Mensch und Vieh nicht behext würden. Vielerorts stellte man am Vorabend des 1. Mai zwei Besen über Kreuz in die Tür, steckte in alle Schlüssellöcher, Ritzen und an die Fenster, vor allem an die Stallfenster, grüne Birken- und Holunderzweige, um so den bösen Geistern den Eingang zu verwehren. Zu diesem Zweck streute man auch verschiedene Körnerfrüchte wie Erbsen, Mais, Bohnen und Wikken auf die Treppen und Türschwellen. Man glaubte, die Hexen würden auf diesen Körnern ausrutschen und könnten so nicht ins Haus gelangen.

Auch das in Westungam verbreitete sogenannte Mai-Anknallen war ursprünglich ein Abwehrmittel. Am Vorabend des 1. Mai versammelten sich die Burschen auf den Straßen und veranstalteten einen Wettkampf im Peitschenknallen. Dieser Lärm sollte die Hexen und andere böse Geister vertreiben.

Die Walpurgisnacht wurde auch als eine Nacht betrachtet, in der man ungestraft allerlei derbe Scherze machen durfte. In dieser Nacht hängten die Burschen Türen und Tore mancher Häuser aus, verschleppten sie samt anderen Gegenständen wie Schubkarren und Pflügen in die Nachbarschaft oder stellten sie auf die Hausdächer bzw. Strohschober. In Südungam brachten die Burschen ihre Abneigung einem Mädchen gegenüber dergestalt zum Ausdruck, daß sie ihm eine Vogelscheuche aufs Dach steckten oder an einen Baum aufhängten. Das Bestreuen des Hofes oder der Straße vor dem Haus mit Stroh, Spreu, Reisig, Reben oder Maisstengeln verfolgte dasselbe Ziel. Der letztgenannte Brauch wurde mancherorts auch in der Osternacht ausgeübt. Auch diesen Sitten mag ursprünglich eine magische Bedeutung zugrunde gelegen haben, nämlich die Täuschung der Hexen.

Weit verbreitet war und ist auch heute noch der Brauch des Steckens bzw. Setzens von Maien, sowohl in der Form von grünen Zweigen als auch von großen Maibäumen. Unter Maien versteht man im allgemeinen den Grünschmuck bei Frühlings- und Frühsommerbräuchen und bei sonstigen festlichen Anlässen wie Kirmes, Emteschluß und Dachbau. Das frische Grün galt nicht nur als Abwehrmittel gegen Hexen und als Zeichen der wiedererwachenden Natur, sondern nach altem Volksglauben auch als Verkörperung des Wachstums und der Fruchtbarkeit. Die Maien sollten auch Gesundheit und Glück bringen. Zum 1. Mai, mancherorts zu Pfingsten, wurden die Häuser und Wohnungen mit grünem Laub - meistens mit Holunder- und Fliederzweigen - geschmückt, es wurden 'Maie gesteckt'?

Der Maibaum {Maipaam), der in der Walpurgisnacht aufgerichtet wird, ist unter anderem auch ein Sinnbild der Liebe. Deshalb wird er vor allem dem geliebten Mädchen gesetzt, aber auch besonders geachtete Persönlichkeiten des Dorfes bekommen einen geschmückten Baum. Früher stellte man den Maibaum auch auf Dorfplätzen auf. Er wird am Vorabend des 1. Mai aus dem Wald geholt. Man wählt dazu einen besonders hochgewachsenen Baum und befreit seinen Stamm bis auf einen kleinen Wipfel Von den Ästen. Dieser Wipfel wird dann mit Papierbändem, Blumen, Flaschen, Gebäck und mancherorts auch mit verschiedenen Geschenken geschmückt. Der Maibaum muß in aller Stille und möglichst schnell aufgestellt werden, damit es die Bewohner des Hauses nicht bemerken. Bis heute ist es noch üblich, den Maibaum in der ersten Nacht zu bewachen, damit ihn andere Burschen nicht beschädigen oder gar stehlen, denn das wäre eine große Schande für die Betreffenden. Statt eines Maibaums wurde in S/er ein mit bunten Bändern geschmückter Strauß am Gartenzaun oder Hoftor des geliebten Mädchens befestigt.

Am letzten Maisonntag, gelegentlich auch zu Pfingsten, wird der Maibaum „ausgetanzt", d. h. unter Begleitung von Musik und Tanz gefällt.

Das Wort Pfingsten (Pfinkste, Phinkste) geht auf griech. 'pentekoste' zurück, das den 50. Tag nach Ostern bedeutet. An dieses Fest knüpfen sich bei den Ungarndeutschen vor allem der Brauch des Pfmgstlümmels, auch Pfingstkatze genannt, und der des Pfingstkönigs. Sowohl Pfingstlümmel als auch Pfingstkönig galten als Personifizierung des siegreichen Frühlings, der Lebenskraft der Natur.

In Südungarn tauchte der Pfingstlümmel (Phinkstlimmel, Pfinkstlimmel) in mehreren Formen auf. Mancherorts bezeichnete er einen Langschläfer, dem man am Pfingsttag einen Brennesselkranz um den Kopf legte oder ihn mit Wasser bespritzte, damit er erwachte. In einigen Dörfern der südlichen Baranya gehörte der Pfingstlümmel bzw. die Pfingstkatze (Phinkstkatz) zu einem Umzug durch das Dorf, dem Pfingstreiten, auch Pfingstlümmelreiten, Pfingstkorbumfahren oder Putzreiten genannt. Dieser Umzug lief in Bawaz und Umgebung folgendermaßen ab: Am Nachmittag des zweiten Pfingsttages versammelten sich die Burschen im Zentrum des Dorfes und gingen von dort aus durch das Dorf. An der Spitze des Zuges ritten auf geschmückten Pferden die jüngeren Burschen, ihnen folgten die Pfingstburschen - diejenigen Burschen, die noch im selben Jahr zum Militärdienst einberufen wurden -, sodann die Musikkapelle und am Ende des Zuges auf einem Wagen unter dem sogenannten Pfingstkorb (Phinkstkuerp) die Pfingstkatze. Dieser Pfingstkorb wurde am Morgen des zweiten Pfingsttages aus grünem Rohr oder aus Ästen mit Laub geflochten und mit bunten Bändern geschmückt. Er war etwa 3-5 m hoch und lief oben in einer Spitze aus. Man stellte ihn auf einen Pferdewagen, und die Pfingstkatze - ein kleiner Junge oder ein Zigeuner - mußte unbemerkt unter diesen Korb schlüpfen.

In der oben geschilderten Aufstellung zogen sie dann durch das Dorf. Zuerst wurde bei den Gemeindevorgesetzten haltgemacht, anschließend auch vor den Häusern, wo größere Mädchen wohnten. Überall mußte erraten werden, wer unter dem Korb steckte. Das war aber nicht leicht, denn die Pfingstkatze durfte nicht reden, sondern nur pfeifen, miauen oder schreien. Wer es dennoch erraten hatte, bekam nach Beendigung des Umzugs den Pfingstkorb, mußte dafür aber einen .Aldemasch" (Kauftrunk) zahlen. Auch wer falsch geraten hatte, mußte einige Münzen geben. Der Umzug dauerte bis zur Fütterungszeit und endete vor dem Wirtshaus bzw. Kulturhaus. Hier wurde der Pfingstkorb vom Wagen heruntergestürzt, und die vielen Neugierigen konnten erfahren, wer die Pfingstkatze gewesen war. Dem Umzug folgte der Tanz im Wirtshaus. In Seik/Szajk wird das Pfingstreiten jedes Jahr veranstaltet.

Nur in wenigen Dörfern Südungarns war der Brauch des Pfingstlüm-melsingens, ein Heischegang von Schulmädchen, bekannt. Am Pfingstmontag gingen etwa 8-10 festlich gekleidete Mädchen von Haus zu Haus, bildeten im jeweiligen Hof einen Kreis und sangen ein Lied. In der Kreismitte stand ein weißgekleidetes Mädchen mit einem Schleier und einem Blumenkranz auf dem Kopf - mancherorts war ihr Kopf auch mit einem weißen Tuch bedeckt -, sie stellte den Pfingstlümmel dar. Mit dem Brauch des Pfingstlümmelsingens war auch ein Fruchtbarkeitszauber verbunden: Nachdem die Mädchen Eier, Geld oder andere kleinere Geschenke bekommen hatten, hoben sie mancherorts den Pfingstlümmel hoch und riefen: So hoch soll euer Hanf wachsen !

Bei den Ungarn war ein ähnlicher Heischegang der Mädchen unter dem Namen pünkösdöles bekannt. Auf deutschem Sprachgebiet übte man diesen Brauch vor allem in mitteldeutschen Gebieten aus. Die Führerin des Mädchenumzugs nannte man bei den Ungarn Pfingstkönigin, bei den Deutschen in der alten Heimat Maibraut oder Pfingstbraut.

In Dörötschke/Somogydöröcske war auch ein Heischegang der Burschen, der PTingstländler, bekannt. Am Pfingsttag in der Früh gingen etwa 12-15 Burschen von Haus zu Haus, trugen einen Spruch vor und bekamen dafür Eier oder Geld. An der Spitze dieses Zuges ritt der schwarz gekleidete Pfingstkönig, der von den anderen Burschen gewählt wurde. In seiner Hand hielt er eine große Fahne, sein Hut war mit einem langen Band und mit einem Strauß geschmückt. Zur Gefolgschaft des Pfingstkönigs gehörten sowohl Reiter als auch Fußvolk. Die Reiter waren wie die ungarischen Räuber - betyärok - gekleidet, ihr Gesicht war mit einem weißen Tuch verdeckt. Auch die Fußgänger, die.das Pferd des Pfingstkönigs führten und die Gaben einsammelten, waren maskiert. Zum Umzug gehörten auch ein sogenannter Laubfrosch, ein Junge unter einem mit grünem Laub umflochtenen Korb, und ein Schweinehirt, der mit seiner Knallpeitsche die Kinder von den Pferden fernhielt. Die Gestalt des Laubfrosches war auch in mitteldeutschen Gebieten bekannt und wurde dort Pfingstquack genannt. Es wird vermutet, daß er den Regenzaubergeist verkörpern sollte (Spamer, Sitte und Brauch, 1940, S. 84-85).

Das Pfingstkönigreiten war auch in den Dörfern des Ofner Berglandes bekannt. Diesem Heischegang ging das Pfingstköniglaufen voran, ein Wettlauf der Burschen auf der Hauptstraße oder dem Dorfplatz, dessen Sieger mit einem Blumenkranz zum Pfingstkönig gekrönt wurde.

Auch im Mai gibt es einige besondere Tage. Zunächst soll der Floriantag (4. Mai) erwähnt werden, an dem in Westungam große Feuerwehrfestlichkeiten stattfanden, weil man im Hl. Florian den Patron gegen Feuergefahr verehrte. In der Gegend von Wudersch arbeiteten früher an diesem Tag die Schmiede, Schlosser und Schornsteinfeger nicht. Allgemein verbreitet war am 4. Mai das Bespritzen der Häuser mit Wasser, es sollte als Schutzmittel gegen Feuergefahr dienen.

Wichtige wetterbestimmende Tage dieses Monats sind die Tage der drei Eisheiligen: Pankratius, Servatius und Bonifatius (12.-14. Mai). Nach überlieferten Beobachtungen ist es an diesen Tagen meist kalt, und es gibt große Regen, oft auch Fröste. Es heißt:

Pankraz, Servaz und Bonifaz ohne Regen,

sind für die Winzer große Segen.

Am 25. Mai feierten die Weinbauern den Namenstag ihres Patrons, des heiligen Urban. Nach dem Volksglauben soll dieser Tag über die Qualität der Weinernte entscheiden. Im Hotter mancher Dörfer wurde dem Weinheiligen auch eine Statue errichtet. Wenn das Wetter am 25. Mai schön war, bespritzten die Weinbauern die Statue mit Wein und schmückten sie reichlich mit Blumen. Bei schlechtem Wetter wurde sie zur Strafe mit Wasser begossen. Der Grund dafür ist, daß die Weinstöcke erst Ende Mai blühen, und wenn es zu dieser Zeit req-net, gibt es wenig Wein. Der Urbantag wird auch heute noch in einigen Siedlungen gefeiert. Das Urban-Fest in Hajosch ist besonders berühmt.

 

Sommer

Am Anfang dieses Brauchtumskreises gibt es eine Nacht und einen Tag, die nach altem Volksglauben von gespenstischem Treiben erfüllt sind:' die Johannisnacht und der Johannistag am 24. Juni. Dieser Festtag beinhaltete zahlreiche, z. T. sehr alte Bräuche zur vorangegangenen sommerlichen Sonnenwende. Wie bekannt, fällt die astronomische Sommersonnenwende auf den 22. Juni, die damit verbundenen heidnischen Bräuche werden aber seit der Christianisierung am 24. Juni, dem Johannistag, ausgeübt.

Das wichtigste Ereignis dieses Festes war das über ganz Europa verbreitete Johannis- oder Sonnenwendfeuer. Von diesem Brauch wird auf deutschem Sprachgebiet schon seit dem 12. Jahrhundert berichtet, in Ungarn, wo es szentiväni tüz genannt wird, seit dem 15. Jahrhundert. Bei den Deutschen in Südungam scheint dieser Brauch schon um die Jahrhundertwende im Schwinden gewesen zu sein, denn nur bejahrte Leute können sich noch aus ihrer Kindheit an das Anzünden des Sonnenwendfeuers auf den Anhöhen, an das Herabrollen der mit Stroh umwickelten Feuerräder und an das Überspringen der Flammen erinnern. Besonders in den Dörfern dürfte dies der Fall gewesen sein, wo auch am ersten Fastensonntag, dem Hutzelsonntag, ein Feuer angezündet wurde.

Um den 24. Juni blühen die meisten Heilkräuter und Blumen, vermutlich deshalb wurde der Johannistag zu einem Kräutertag. Nach dem Volksglauben sollten die am Vorabend des 24. Juni gepflückten Blumen und Kräuter reich, glücklich und gesund machen, gegen Verhexung und Zauberei schützen und sich auch zu allerlei Orakeln benutzen lassen. Die gepflückten Feld- und Wiesenblumen wie Kornblumen, Klatschmohn, Kamillen, wilde Margaretenblumen u. a. wurden zum Kranz bzw. Strauß gebunden, oder man fädelte die Köpfe der Blumen auf einen langen Faden auf und machte eine Girlande daraus. Diese Kränze, Sträuße und Girlanden nannte man Johanniskränze, in manchen Ortschaften der Baranya auch Khans- bzw. Hanskränze. Die Blumen, aus denen sie angefertigt wurden, hießen hier Khansblumen. Den am Vorabend gefertigten Johanniskranz mußten die Mädchen oder die Frauen in der Früh des 24. Juni unpschria (unberedet) über die Eingangstür hängen. Man ließ ihn solange dort, bis er dürr wurde oder bis ihn Wind und Wetter zerstört hatten. Wenn es im Haus eine Braut gab, legte man in Potsch/Pöcsa den dürren Kranz unter ihren Strohsack, und wenn ihre Hochzeit war, wurden kleine Stücke von diesem Kranz in ihre Schuhe getan, damit sie nicht verhext würde. Auch Weihbüschelkräuter wurden zu diesem Zweck verwendet. Der Brauch des Johanniskranzes war besonders bei den Serben Südungams verbreitet. Auch die Ungarn banden aus Wiesenblumen Kränze und hängten sie als Abwehrmittel gegen Feuerbrände über die Eingangstür.

Am 15. August (Maria Wiatswaih, Maria Kraidewaih) hatte die Kirche ihren Kräutertag. Die aus verschiedenen Feld- und Wiesenblumen sowie heilkräftigen Kräutern gebundenen Sträuße, Weibbüschel oder Kräuterbusch (Waihpischel, Kraidepuschn, Lusstock) genannt, wurden an diesem Tag in der Kirche geweiht. Auch den Weihbüschelkräutem schrieb man geheimnisvolle, segenspendende und unheilvertreibende Kräfte zu, deshalb wurden sie sehr vielseitig verwendet. Unter den Strohsack gelegt oder im Stall aufbewahrt, sollten sie Mensch und Tier vor Hexen und Krankheiten beschützen. Übers Fenster oder über die Tür gehängt, dienten sie als Abwehrmittel gegen Blitz und Feuer. Auch als Räuchermittel wurden sie gegen Blitzschlag und böse Geister verwendet. Kranken Menschen und Tieren kochte man aus Weihbüschelkräutem einen heilsamen Tee. In Bawaz wurde den kleineren Kindern ein kleines Kissen, gefüllt mit Weihbüschelkräutem, einer Zehe Knoblauch und einer Münze um den Hals gehängt oder unter ihren Strohsack gelegt, damit sie nicht verhext würden.

Der Brauch der Kräuterweihe, der in Deutschland seit dem 10. Jahrhundert nachweisbar ist, war bei den Ungarn nicht bekannt.

Peter und Paul machen dem Korn die Wurzeln faul - heißt es am 29. Juni, und dies bedeutet, daß die Erntezeit gekommen ist. Früher galt die Ernte (dr Schnitt) als die schönste, zugleich aber auch als die schwerste Bauernarbeit. Während der Erntezeit gab es keine Lustbarkeiten, denn alle Kräfte mußten für das schnelle Einbringen des Getreides eingesetzt werden. Es gab demzufolge auch wenig Bräuche zu dieser Zeit.

Nur der Abschluß der Ernte wurde gefeiert, vor allem auf den Großgrundbesitzen. Die Emtearbeiter (Schnitter) banden aus Ähren einen Kranz oder eine Krone, diese wurde dann auf einem geschmückten Wagen oder in einem feierlichen Zug zum Hof gebracht und dort dem Gutsherrn überreicht. Am Ende der Ernte - gewöhnlich am Wochenende - gab der Gutsherr seinen Schnittern auch ein Festessen, und darauf folgte der Schnitterball. Auch die einzelnen Bauemfamilien fertigten am letzten Erntetag Kränze oder Kronen aus Ähren an, die dann im Haus, Stall oder auf dem Dachboden bis zum nächsten Jahr aufbewahrt wurden. In Kokosch flocht man aus Ähren ein Kreuz, das dann das ganze Jahr über an der Decke über dem Küchentisch hing.

Auch in solchen Familien, wo außer den eigenen Familienmitgliedern noch einige Tagelöhner in der Ernte beschäftigt waren, wurde ein kleines Erntefest, verbunden mit einem Schmaus, gehalten. In Arpad nannte man dies Sichelhenke, denn nach der Ernte wurde der aus Ähren gebundene Kranz an die Sense, früher an die Sichel gehängt und so nach Hause getragen.

In einigen fuldischen Dörfern der Baranya wurden die heimkehrenden Schnitter mit vollen Wassereimem erwartet und beschüttet, d. h. vom Staub der Ernte befreit.

In Sawerfeierte das Dorf gemeinsam den Abschluß der Ernte; die Jugend veranstaltete einen Festzug durch das Dorf. An der Spitze des Zuges trugen einige Burschen eine aus Ähren geflochtene große Krone, hinter ihnen gingen festlich gekleidete Mädchen, die je eine Schüssel Obst und eine Sichel bei sich hatten. Den Zug beschlossen Burschen mit geschmückten Sensen auf ihren Schultern.

Nach überlieferten Beobachtungen wird die große Hitze der Erntezeit Ende Juli durch heftige Regenfälle unterbrochen. Man sagt: Magdalena weint gern, und es bedeutet, daß der 22. Juli oft ein regnerischer Tag ist. Er galt mancherorts auch als Unglückstag, so durfte man z. B. in Bogdan an diesem Tag nicht baden, denn es wurde gesagt, daß Magdalena die Badenden ins Wasser ziehe.

 

Herbst

Mit dem September beginnt der herbstliche Brauchtumskreis, in dessen Mittelpunkt das Einbringen der Früchte und die Vorbereitung des nächsten Wirtschaftsjahres stehen.

Anfang September machen sich auch die Zugvögel auf den Weg nach Süden; am 8. September wird gesagt:

Maria Geburt

fliegen die Schwalben tuet (fort).

Wenn sie aber bis Ende September, bis zum Michaelitag (29. September) bleiben, so ist ein schöner, langer Herbst zu erwarten.

Nach dem Ernteschluß, wenn in der Feldarbeit eine gewisse Ruhepause eintritt, steht das Kirchweihfest, im mitteldeutschen Sprachgebiet vorwiegend Kinnes, in den ungamdeutschen Mundarten Kinnes, K\rwai, Kilbik, Kirito genannt, vor der Tür.

Die Wörter Kirchweih und Kirmes bedeuten zunächst die Einweihung einer Kirche, das Kirchenweihfest, sodann auch das jährliche Erinnerungsfest an die Kircheneinweihung. Diesem Jahrestag schlössen sich jedoch schon im Mittelalter vielfach ein Markt und mit diesem verbundene weltliche Belustigungen an. Im Laufe der Zeit wurde die kirchliche Bindung dieses Festes immer lockerer, und die Kirmes entwickelte sich zu einer weltlichen Feier, zu einem Volksfest. Als Termin der Kirmes wird der Herbst bevorzugt, so daß sie vielfach mit der Erntefeier zusammenfällt. Die bekanntesten Kirmestage bei den Ungarndeutschen sind die folgenden: 29. Juni, 26. Juli, 15. August, 12., 14. und 29. September, 11. und 19. November.

In vielen ungamdeutschen Dörfern feiert man im Jahreslauf zwei Kirmessen, eine im Sommer und eine im Herbst. Während die Sormmerkirmes auch früher nur einen Tag lang dauerte, erstreckte sich die Herbstkirmes, die Hauptkirmes, über drei, mitunter sogar über acht Tage. Die Herbstkirmes galt nicht nur als Abschluß der Sommer- und Herbstarbeiten, sondern auch als Fest der Verwandtschaft und der Gemeinde, zu dem die auswärtigen Verwandten und die einstigen Dorfbewohner zusammenkamen. Die gute, erfolgreiche Arbeit der Bauern wurde mit reichlichem Essen und Trinken gefeiert, deshalb nannte man diese Kirmes auch Freßkirmes. Vielerorts schloß sich acht Tage später eine Nachkirmes an, an deren Lustbarkeiten nur die Dorfbewohner teilnahmen.

Die Vorbereitungen zur Kirmes begannen im allgemeinen eine Woche vorher, denn das ganze Haus mußte von innen und außen getüncht und aufgeräumt werden. Auch für Essen und Getränke mußte man rechtzeitig sorgen.

Die Reihe der Lustbarkeiten nahm in vielen Dörfern Südungams schon am Sonnabend mit dem Ausgraben der alten Kirmes (Ausgroowe dralt Kirmes) ihren Anfang. Die Kirmesburschen {Kirmespuescht, Kerwebersch, Kilbikpuwe), die die eigentlichen Veranstalter der Kirmes waren, gingen mit den Musikanten zu dem Ort, wo sie im vorigen Jahr oder am Vortag die Kirmes, symbolisiert durch eine Flasche Wein, begraben hatten. Mit dem feierlichen Ausgraben der Flasche wurde die Kirmes eröffnet. Darauf folgte die Aufrichtung des Kirmesbaumes (Kirmespaam) vor dem Dorfwirtshaus. Dieser Brauch war auch in Westungam bekannt, der Baum hieß hier Buschbaum (Puschpaam,). Der Kirmesbaum, in dem eigentlich der Maibaum wiederkehrt, war entweder eine lange Stange, ein Heubaum, oder ein bis zum Wipfelbusch entästeter und entrindeter hoher Baum, dessen Stamm mit grünem Rohr oder grünen Ästen umwunden und von unten nach oben mit Bändern und Blumengirlanden umwickelt war. An den Baum befestigte man in gleicher Entfernung drei bänderbehängte Faßreifen unterschiedlicher Größe, die wie Räder aussahen. Der kleinste befand sich unter dem Wipfelbusch, der größte ganz unten arrj Baum und der mittlere zwischen den beiden. Am mittleren Reifen hing eine volle Weinflasche, die nach dem Niederlegen des Baumes als Symbol der alten Kirmes eingegraben wurde.

Den Baum schmückte man in einem Hof oder am Dorfende, und unter großem Jubel trugen ihn die Burschen auf ihren Schultern vor das Wirtshaus. Nach der Aufrichtung des Baumes spielte die Musik drei Stücke, dies nannte man die Kirmes anspielen (die Kinnes ouspiele). Anschließend tanzte die Jugend bis Mittemacht unter dem Baum. Dieser Abend wurde mancherorts auch Antanzabend (Outanzowed) genannt. In Dörfern, wo keine Kirmesbäume aufgestellt wurden, geschah sowohl das Ausgraben als auch das Anblasen der Kirmes erst am Sonntag gegen 11 Uhr. In Arpad spielte die Musik im Hof des Wirtshauses drei Reigen, danach zogen die Kilbikbuben unter Musikbegleitung in vier oder fünf Höfe, um das Kilbikglas auszugraben, das sie am Vorabend mit Erlaubnis des Hausherrn vergraben hatten. Die gefundene Weinflasche schmückte der Hausherr mit Bändern und einem Rosmarinkränzchen, und er gab auch ein Geldgeschenk. In Feked war das Anblasen der Kirmes mit einem Heischegang der Burschen verbunden. Sie gingen mit der ausgegrabenen Flasche zu den Gemeindevorstehenden und zu den größeren Mädchen, wo sie Geld bekamen und mit Gebäck und Wein bewirtet wurden.

Der Wein in der ausgegrabenen Flasche wurde entweder gleich nach dem Ausgraben oder während des Heischeganges getrunken. In Arpad hängte man die Flasche an der Decke des Tanzsaales auf, und sie wurde erst am Ende des Festes von den Burschen ausgetrunken.

Am Sonntag nachmittag gegen drei Uhr begann der Tanz, dazu gab die Musik mit drei Märschen das Zeichen. An diesem Ball, der oft bis in die Früh dauerte, nahm groß und klein teil. Gegen Abend dieses Tages kam es in vielen Dörfern Südungams (meistens in solchen, wo kein Kirmesbaum aufgestellt wurde), zur Verlosung eines Kaschmirhalstuches, das die Burschen im voraus gemeinsam gekauft hatten. Schon während des Mittagessens gingen die Kirmesburschen, die mit Bändern und Rosmarin geschmückte Hüte trugen, von Haus zu Haus und verkauften Losnummern. In einer Tanzpause wurde dann das Tuch folgenderweise ausgelost: Ein Kirmesbursche stellte sich einen Hut oder einen Teller voller Maiskörner, unter denen auch ein rotes war, auf seinen Kopf und warf sodann unter Abzählen die einzelnen Kömer auf den Boden. Derjenige Zuschauer, auf dessen Nummer das rote Korn fiel, bekam das Halstuch, und er mußte anschließend die Kirmesburschen im Haus oder im Keller bewirten. Statt eines Halstuches verloste man in einigen Dörfern wie Petschwar/Pecsvärad, Altglashütten und Berzel ein bzw. zwei Lämmer. Aus dem Erlös dieses Loskaufes wurden die Kosten bestritten.

Die Kirmes wurde im allgemeinen am Montag mit einem Ball beendet. Den Kirmesbaum ließ man bis zum nächsten Sonntag, zur Nachkirmes, stehen. Am Nachmittag dieses Tages wurde der Baum unter Musikklängen gefällt und die Weinflasche, als Symbol der Kirmes, in das Loch des umgekippten Kirmesbaumes eingegraben. Dies nannte man Eingraben der Kirmes (Kirmes aigroowe), es bedeutete das Ende dieses Festes.

Die Kirmes, dieses alte Volksfest, hat sich zwar bis auf den heutigen Tag erhalten, aber sie hat von ihren alten Bräuchen sehr viel verloren. In einigen Dörfern wie Agendori, Brennberg, Großnarad/Nagynyäräd werden die alten Kirmesbräuche seit einigen Jahren wieder neubelebt, ihre Dauer ist aber nur auf einen einzigen Tag, auf den Sonntag, zusammengeschrumpft.

Das Weinlesefest, auch Winzerfest genannt, gehörte ebenfalls zu den Erntefesten. Es wurde in den Weingegenden am Sonntag nach dem Abschluß der Weinlese veranstaltet. Auch bei diesem Fest spielte die Jugend die führende Rolle, und sie veranstaltete in vielen Dörfern einen Festumzug. In Bogdan hatte der Festzug die folgenden Bestandteile: Auf einem geschmückten Wagen (Lesewagen) wurden ein großer Bottich und andere bei der Weinlese verwendete Geräte gefahren. Hinter diesem Wagen gingen in landesüblicher Tracht gekleidete Buttenträger, Weinleserinnen und Weingartenhüter. Die größte Sehenswürdigkeit des Zuges war die Riesentraube, die vier kräftige Burschen mit Hilfe zweier Stangen auf ihren Schultern trugen. Diese aus vielen großen und schönen Weintrauben gefertigte Riesentraube war mannesgroß und hatte ein beträchtliches Gewicht. Der Festzug ging zum Dorfwirtshaus, wo die Riesentraube in der Mitte des Tanzsaales aufgehängt und gegen Mitternacht versteigert wurde. An der Decke des Tanzsaales hingen außer dieser Traube noch zahlreiche Weintraubengirlanden, von denen die Burschen während des Tanzes immer wieder einige zu stehlen versuchten. Jeder Weintraubendieb, der von den Weingartenhütem erwischt wurde, erhielt eine Geldstrafe.

Ähnliche Festzüge waren bzw. sind auch in Westungarn bekannt; besonders in Ödenburg/Sopron haben die Lesefeste eine lange Tradition. In manchen Dörfern wurde das Winzerfest ähnlich wie bei den Ungarn gefeiert, hierbei handelt es sich um eine Übernahme dieses Brauches: Einige in ungarische Volkstracht gekleidete Paare fuhren auf geschmückten Kutschen durch das Dorf. Vor ihnen ritten in Schambeck Husaren, Betyaren oder Tschikoschen. In der letzten Kutsche saßen der Richter und die Richterin - ein Junge und ein Mädchen -, die für diesen Tag gewählt wurden. In Warkon/Zengövärkony machte der Zug in bestimmten Abständen halt, und der Richter las dem Publikum einen humorvollen Brief vor. Zum Festzug gehörten hier auch noch zwei Possenmacher, die die Zuschauer, besonders aber die Kinder mit Schuhpaste einschmierten oder ihr Gewand mit Mehl bestreuten. Den Festzug beschloß eine Zigeunerkapelle. In vielen Weinbaudörfern Südungams verknüpfte sich mit dem Weinleseball (Traiwelbalf) kein Festzug.

Im letzten Monat des herbstlichen Brauchtumskreises, im November, gibt es noch zwei wichtige Tage. Am Martinitag, dem 11. November, feierte man früher noch einmal den Abschluß des wirtschaftlichen Arbeitsjahres, deshalb haben viele Dörfer an diesem Tag ihre Kirmes. Die Aussage Martini kommt auf dem Schimmel geritten deutet nicht nur darauf hin, daß an diesem Tag gewöhnlich der erste Schnee fiel, sondern vor allem darauf, daß die kirchlichen Bilder den Heiligen so darstellen.

Am 25. November, dem Katharinatag, wurde die letzte Lustbarkeit vor dem Advent, der Katharinaball (Kotraiball), veranstaltet. Von diesem Tag an bis zum zweiten Weihnachtstag gab es keine Tanzunterhaltungen. Es hieß: Kothrai schließt die Geige ein mit ihrem großen Rosmarein.

Nach dem Katharinatag nimmt der Advent und damit auch der winterliche Brauchtumskreis seinen Anfang.

 

2. Eßgewohnheiten

Die Eßgewohnheiten der Ungarndeutschen sind heute bei weitem nicht identisch mit denen der Ansiedlungszeit. Ihre Küche, sich den Gegebenheiten der neuen Heimat anpassend, ist weder deutsch noch ungarisch, sondern speziell ungarndeutsch. Die Grundlage dieser Küche bilden die durch Generationen vererbten deutschen Eßgewohnheiten, ergänzt durch die von den Ungarn, Österreichern und den hier lebenden anderen ethnischen Gruppen entlehnten Bräuchen. Die Ungarndeutschen bewahrten die speziellen, hauptsächlich aus Mehl und Kartoffeln bereiteten Speisen ihrer Herkunftslandschaften. In der Art ihrer Zubereitung ist aber der Einfluß der neuen Umgebung stark zu spüren, vor allem im Gebrauch des Gewürzpaprikas. Tischt man z.B. Kartoffelbrei mit Knödeln auf, so wird auf den Brei eine Paprika-Zwiebel-Schwitze gegeben. Genauso verfährt man beim Bohnenbrei und Bohnengemüse. Der Brot-, Einbrenn-, Nudelsuppe usw. wird ebenfalls Gewürzpaprika hinzugefügt. Die Beispiele könnten noch beliebig fortgesetzt werden. Der Paprika als Gewürz und als Gemüsepflanze zog in die ungarndeutsche Küche ein und wurde zu einem unentbehrlichen Bestandteil vieler Speisen. Außer Paprika lernten die Deutschen in Ungarn auch andere Pflanzen kennen wie Tomaten, Bratkürbisse, Melonen, Mais (auch als Nahrungsmittel), und diese wurden dann zu vielfältigen Speisen verwendet. Die Speisen übernahmen sie meistens mit ihren Benennungen. Von den einheimischen Ungarn wurden in erster Linie Paprika-Zwiebel-Gerichte entlehnt, die zu den Leibspeisen der Ungarn gehören, wie Paprikahuhn (ung. csirkepaprikäs), Gefüllte Paprikaschoten (ung. föftöff paphka), Letscho (ung. lecsö), Gulasch (ung. pörkölf). Das Pörkölt verbreitete sich erst in der Zwischenkriegszeit. Als sein Vorläufer kann die mit geräuchertem Fleisch oder mit Eiern zubereitete Tunke (Tunges) betrachtet werden, die man früher zu Mittag als zweites Gericht oder zu Abend gegessen hat. Hier lernten die Ungamdeutschen auch die Palatschinken sowie den aus Maismehl gebackenen Kuchen, die sogenannte Mali, Kukruzmali (ung. male) kennen. Die Mali ist rumänischen Ursprungs und gelangte vermutlich durch ungarische Vermittlung in die ungarndeutsche Küche. Die Speisen Schmarren, Faschiertes, BuchtelnA/Vuchteln, Gugelhupf entstammen der österreichischen Küche, sie sind auch bei den anderen Völkern der ehemaligen Donaumonarchie zu finden. Gebackene Mehlspeisen aus der österreichischen Küche wurden im 19. Jahrhundert durch Kochbücher bekannt, zuerst in den Städten, später auch in den Dörfern.

Das Zusammenleben von Volksgruppen bzw. Völkern anderer Sprache und Kultur führt naturgemäß zu Wechselbeziehungen. So haben auch die einheimischen Ungarn von ihren Minderheiten, so auch von den Deutschen, Speisen übernommen. Im südlichen Transdanubien ist z.B. die Wurstspezialität der sogenannten Stiffoller sehr beliebt. (Die Stiffoller siedeln in der Branau/Baranya zwischen Mohatsch/Mohäcs und Pecs/Fünfkirchen; ihre Vorfahren sind aus der Umgebung von Fulda eingewandert.) Bei den Ungamdeutschen heißt diese Fleischwurst Stiffulder, bei den Ungarn stifolder. Im Herkunftsgebiet unserer Stiffoller bereitet man beim Schweineschlachten diese Wurst genauso, wie man es in Südungarn tut, nur mit dem Unterschied, daß man in Deutschland Pfeffer statt Gewürzpaprika verwendet.

Von älteren Leuten wissen wir, daß die vorwiegend pflanzliche Kost der ungarndeutschen Bauern um die Jahrhundertwende allmählich abwechslungsreicher wurde. Zu dieser Zeit wurde es Mode, daß ungarndeutsche Mädchen ein oder zwei Jahre lang bei wohlhabenden deutsch sprechenden Familien in den Städten als Dienstmädchen arbeiteten, um 'Manier' zu lernen und ihr Wissen in der Kochkunst zu erweitern. Durch ihre Vermittlung gelangten viele neue Gerichte, so auch Speisen österreichischen Ursprungs in die Dörfer. Die städtischen Familien orientierten sich nämlich nicht nur im Sprachgebrauch, sondern auch in ihren Eßgewohnheiten nach Wien.

Für die früheren Eßgewohnheiten der Ungamdeutschen waren Sparsamkeit und Einfachheit charakteristisch. Selbst die wohlhabenden Bauern aßen relativ anspruchslos. Sie bereiteten ihre Speisen fast ausschließlich aus selbsterzeugten Produkten, nur Gewürze wurden im Geschäft gekauft, selten auch Fleisch. Unter den Nahrungsmitteln stand das Mehl an erster Stelle. Auch den Bohnen, dem Kraut und den Kartoffeln fiel eine wichtige Rolle zu. Man bevorzugte solche Speisen, die leicht, billig und schnell zubereitet werden konnten und zugleich auch sättigend waren. Deshalb wurden oft Mehlspeisen gegessen. Früher war es nämlich vor allem die Küche, die Nahrung, an der sie am meisten sparen konnten und mußten, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können oder gar um zu einem gewissen Reichtum zu kommen. Dies macht auch eines ihrer Sprichwörter deutlich: In den Magen sieht man nicht, aber auf den Kragen.

In den ungamdeutschen Bauernfamilien galten zahlreiche Sitten, die das Gemeinschaftsleben regelten; zu diesen gehört auch die für die einzelnen Wochentage festgelegte Speiseanordnung. Das bedeutete, daß an einem bestimmten Tag der Woche immer dieselben Speisen gekocht wurden. So ergab sich ein regelmäßiger Wechsel der aus verschiedenen Rohmaterialien zubereiteten Speisen. Dies hatte auch den Vorteil, daß sich die Speisen innerhalb der Woche nicht wiederholten. In vielen Dörfern erhielten die Wochentage von den an ihnen zubereiteten Speisen auch ihren Namen. Dieser Wochenspeisezettel lautete in der Umgebung von Mohatsch folgendermaßen: Montag - Nudeltag, Dienstag - Krauttag, Mittwoch - Fleischtag, Donnerstag - Knödeltag, Freitag - Bohnentag, Samstag - Kartoffeltag, Sonntag - Feiertag.

Die Suppe war und ist bei den Ungamdeutschen ein unerläßlicher Bestandteil der Hauptmahlzeiten. Früher kamen Suppen schon zum Frühstück auf den Tisch. So war noch vor einigen Jahrzehnten bei ärmeren Familien die Einberennsuppe das alltägliche Frühstück. Aus der Brühe gekochter Mehlspeisen und Kartoffeln wurde unter Zugabe einer Paprika-Mehlschwitze zu Mittag oft eine Suppe bereitet. Sie war schnell fertig, billig und konnte zu jeder Jahreszeit als Vorsuppe gereicht werden. Aus denselben Gründen aß man oft auch Röst-, Einbrenn- und Brotsuppe. Die aus geräuchertem Schweinefleisch gekochten Suppen waren ebenfalls beliebt; sie wurden in erster Linie im Winter oder bei schweren Arbeiten zu sich genommen. Im Sommer aß man auch verschiedene Gemüsesuppen, diese Art der Suppen wird in der letzten Zeit immer häufiger gekocht.

Die Mehlspeisen spielten in der Ernährung der Ungamdeutschen eine besonders wichtige Rolle. In der Woche wurden zwei-dreimal gekochte oder gebackene Mehlspeisen in der Regel nach der Suppe als zweites Gericht aufgetragen. Bevorzugt werden die gekochten Mehlspeisen, die selbstgekochten Nudeln, Knödel und Nockerln. Sie bildeten die Grundlage vieler Hauptgerichte, man reichte sie aber auch als Beilage zu verschiedenen Gemüsen. Knödel wurden z.B. mit gedünstetem Kraut, Kartoffelbrei, Bohnengemüse, einer Soße, sauren Gurken bzw. Paprika als Hauptgericht aufgetragen. Man aß sie auch mit Mus, einer Paprika-Mehlschwitze oder gerösteten Bröseln und Zucker vermengt. Eine altüberlieferte Spezialität der Stiffoller sind die Hefeknödel, gekocht oder auch gebacken. Sie wurden früher mittwochs oder freitags zubereitet und mit Bohnengemüse, einer Soße, mit gekochten bzw. eingebrannten Hutzeln (Dörrobst) oder Kompott gereicht. Im Ungarischen Mittelgebirge gelten die Semmelklöße als Leibspeise der dort lebenden Deutschen, und sie werden ebenfalls vielfältig verwendet.

Das Kleingebäck und die Torten verbreiteten sich erst vor einigen Jahrzehnten. Sie kamen in der Regel nur bei größeren Festen auf den Tisch. Am Sonntag wurden Mohn-, und Nußstriezel, Salzkipfel, Buchteln, Gugelhupf sowie Strudel gebacken. Als Nachspeise reichte man auch Kompott, gekochtes Dörrobst oder Hirsebrei.

Gemüse kochte man früher hauptsächlich aus trockenen Bohnen, Kartoffeln und Kraut. Es wurde meistens als Hauptgericht verzehrt, mit Brot oder Mehlspeise gereicht, und nur selten als Fleischbeilage verwendet. Speisen aus trok-kenen Bohnen kamen gewöhnlich zweimal in der Woche auf den Tisch, am Mittwoch und am Freitag. Man kochte sie gleichzeitig als Suppe und Gemüse. In der Suppe wurden so viel Bohnen gekocht, daß daraus auch ein Gemüse als zweites Gericht bereitet werden konnte. Dieses Verfahren war ökonomisch, denn in kurzer Zeit hatte man sowohl Suppe als auch Gemüse. Auch beim Kochen von Kartoffeln und Mehlspeisen verfuhr man so. Zum Bohnengemüse gab man am Freitag eine Mehlspeise, am Mittwoch in der Regel gebratenes Rauchfleisch. Der Rest des Bohnengemüses wurde am Abend oder am nächsten Tag mit gedünstetem Kraut verzehrt. Aus den gekochten Bohnen vom Mittag machte man am Freitagabend häufig einen Bohnensalat. In den letzten Jahrzehnten allerdings werden Bohnengerichte in der ungamdeutschen Küche nicht mehr ganz so häufig gekocht, so daß es nur noch selten vorkommt, daß man zu Mittag 'Bohnen mit Bohnen' ißt, d.h. Bohnensuppe und Bohnengemüse.

Kartoffeln wurden ebenfalls vielfältig verwendet. Im Winter aß man fast jeden Tag gebratene oder Pellkartoffeln. Als Hauptgericht galten u.a. Zwiebel-, Blech-, gedünstete und saure Kartoffeln. Der Grundstoff vieler Krautspeisen war Sauerkraut. Man bereitete daraus häufig gedünstetes Kraut und trug es mit Bohnengemüse, Knödeln oder gebratenem Speck auf. Gefülltes Kraut ist auch heute noch die traditionelle Speise beim Schweineschlachten und bei größeren Festen.

Von den Soßen sind folgende besonders beliebt: Tomaten-, Knoblauch-, Weichsel- und saure Soße.

Es wurde schon darauf hingewiesen, daß die Ungarndeutschen wenig Fleisch aßen. Ihre Fleischspeisen bereiteten sie hauptsächlich aus geräuchertem Schweinefleisch. Früher wurden in einem jeden Haus mehrere Schweine geschlachtet, daraus deckte man den größten Teil des Jahresbedarfes an Fleisch. Frisches Fleisch wurde in der Regel an Feiertagen und bei größeren Arbeiten wie Ernte, Weinlese, Hausbau gegessen. Vom frischen Fleisch bereitete man Faschiertes, Pörkölt, Braten oder paniertes Fleisch. Die letztgenannte Fleischspeise lernten die Ungamdeutschen erst in den Zwanzigerjahren kennen.

Nachfolgend sollen zehn alte Mittagsmenüs der Werktage aus Südungam vorgestellt werden:

An Sonn- und Feiertagen gab es im Vergleich zu den Werktagen reichliche Mahlzeiten, bei denen das Fleisch und das Gebäck nicht fehlen durften. Das Mittagsmenü an Sonntagen war traditionell, es bestand meistens aus Fleischsuppe, Suppenfleisch mit Soße sowie einem Hefegebäck. Kleingebäck kam erst später auf den Sonntagstisch. Von den größeren Festen wurde vor allem die Herbstkirchweih mit reichlichem Essen und Trinken gefeiert, deshalb nannte man sie auch Freßkirchweih. Den Höhepunkt des Festessens bildete das Mittagessen am ersten Kirchweihtag; die zubereiteten Speisen und ihre Reihenfolge beim Auftischen waren in den meisten Dörfern die folgenden: Fleischsuppe, Suppenfleisch mit einer Soße, gefülltes Kraut, Strudel oder Hirsebrei mit gekochten Hutzeln oder Reisbrei mit Zimt und Rosinen, gebratenes und paniertes Fleisch sowie Hefe- und Kleingebäck. Diese Reihefolge der Speisen ist bis auf den Strudel bzw. Hirse- oder Reisbrei auch heute noch üblich.

Die Lebensweise der Ungamdeutschen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bedeutend verändert, was mit sich brachte, daß sie einen Großteil ihrer durch Generationen vererbten Eßgewohnheiten relativ schnell aufgaben. In dieser Zusammenstellung wurde die ungarndeutsche Bauemküche der ersten Hälfte und der Mitte des 20. Jahrhunderts charakterisiert. Von einer typisch ungarndeutschen Küche kann eigentlich nur bis in die Sechzigerjahre gesprochen werden, denn nach dem Zweiten Weltkrieg paßte sie sich schnell der ungarischen bzw. der sogenannten modernen Küche an. Aber auch in ihrer heutigen Küche sind einige ungarndeutsche Besonderheiten zu finden, so die Hefeknödel, die Krauthefeknödel, der Strudel, der Stifolder. Die traditionell ungamdeutschen Speisen werden heutzutage in der Regel nur noch von den älteren Leuten zubereitet.

Nachfolgend werden drei Rezepte angegeben. Die Rezepte sind für vier Personen gedacht.

 

Hefeknödel

Zutaten: 500 g Mehl, 30 g Hefe, 1 Ei, 0,3 I lauwarme Milch, 60 g zerlassenes Schmalz, 1 Teelöffel Zucker, 2 Teelöffel Salz, 50 g Grieß

Die zerbröckelte Hefe in 4 Eßlöffel Milch mit 5 Eßlöffel Mehl und dem Zucker verrühren und zugedeckt an einem warmen Ort 20 Minuten gehen lassen. Dann Ei und in lauwarmem Wasser aufgelöstes Salz unterrühren.

In das gesiebte, zimmerwarme Mehl eine Vertiefung drücken, den Vorteig und 20 g zerlassenes Schmalz in die Vertiefung geben und von da aus mit dem Mehl unter Zugabe von lauwarmer Milch zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Den Teig so lange kneten, bis er sich von den Fingern löst und anfängt, Blasen zu schlagen. Wenig Mehl darüberstäuben und die mit einem Tuch bedeckte Teigschüssel für 30 Minuten an einen warmen Platz stellen. Dann den Teig auf ein bemehltes Brett geben, zusammenstoßen und nochmals kurz kneten. In ein fingerdickes Rechteck ausrollen und in 8 kleinere Rechtecke teilen. Die Oberfläche der Teigstücke dünn einfetten, mit Grieß bestreuen, zusammenrollen und schneckenartig auf das Brett setzen oder zu Knoten formen. Mit einem Tuch zugedeckt, auf dem Brett etwa 20 Minuten gehen lassen. Eine Pfanne oder einen Topf mit dickem Rand gut fetten, darin 0,3 l Salzwasser aufkochen, die Hefeknödel hineinsetzen und mit zerlassenem Schmalz bestreichen. Die Pfanne bzw. den Topf mit einer Schüssel bedecken und die Hefeknödel bei mittlerer Flamme 30 Minuten dämpfen. Ist die Oberfläche der Knödel hart, werden sie im Topf gewendet. Etwas Schmalz zugeben und ohne Deckel so lange (etwa 5 Minuten) leise kochen lassen, bis die Flüssigkeit verdampft ist.

Die Hefeknödel können auch in der Röhre gebacken werden. Zur Verfeinerung des Teiges in diesem Fall mehr Zucker zufügen. Die geformten Hefeknödel (Teigknoten) gleich auf ein gefettetes Backblech geben, die Oberfläche mit zerlassenem Schmalz bestreichen und mit einem Küchentuch zugedeckt, 30 Minuten ruhen lassen. Bei Mittelhitze goldbraun backen. Mit Bohnengemüse, Kompott, gekochten Hutzeln oder einer süßen Soße auftragen.

 

Bohnenpogatschen

Zutaten: 500 g Mehl, 200 g gekochte braune Bohnen, 200 g Schmalz, 30 g Hefe, 0,1 I Rahm, 2 Eier, 3 g Pfeffer, 10 g Schmalz

Die gekochten und abgekühlten Bohnen durch den Fleischwolf drehen; die zerkrümelte Hefe in wenig lauwarmem Wasser auflösen. Aus Hefe, Bohnen, Rahm, 1 Ei, Schmalz und Pfeffer einen weichen Teig bereiten. Eine halbe Stunde ruhen lassen, dann das Mehl dazugeben, alle Zutaten zu einem festen Teig kneten und wieder gut aufgehen lassen. Auf bemehltem Brett 2 cm dick ausrollen, die Oberfläche des Teiges mit einem Messer gitterförmig einritzen und mit einer Form die Pogatschen ausstechen. Ihre Oberfläche mit einem verquirlten Ei bestreichen, mit je einer gekochten Bohne verzieren und rotbraun bak-ken.

Die Bohnenpogatschen sind die Lieblingsspeise der Bohnenzüchter (Bohnzichter) in und um Ödenburg/Sopron.

 

Weinsuppe

Zutaten: 0,5 I Weiß- oder Rotwein, 0,5 I Wasser, 100 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Stück Zimtrinde, 3 Nelken, 0,11 süße Sahne, 3 Eigelb

Wein und Wasser in einen Topf gießen, Zimtrinde, Nelken hinzufügen und aufkochen lassen. Die Eigelb mit Zucker und Vanillezucker gut verrühren, mit der Sahne vermengen und unter ständigem Rühren in die kochende Flüssigkeit geben. Einige Minuten kochen lassen und abseihen. In Tassen servieren.

Die Weinsuppe galt als Festspeise. Sie wurde am Heiligen Abend, am Silvesterabend und auf der Hochzeit nach Mitternacht aufgetragen. Wöchnerinnen bekamen zur Stärkung von ihrer Gevatterin ebenfalls Weinsuppe.

 

3. Heimathäuser und Museen

Die Heimathäuser präsentieren die typische Sachkultur einer ethnischen Einheit.

Im Freilichtmuseum für Volkskunde in Szentendre sind deutsche Gebäude zu finden: die Kapelle von St. Johann/Jänossomorja (Mosonszentjänos), Hof, Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude aus St. Peter/Mosonszentpeter, die Scheune aus Wolfs/Balf, Wohnhaus mit Reihenhof und Scheune aus Harkau/Harka. Im Museumsdorf in Szombathely ist ein Wohnhaus mit dem offenen Kamin und Holzschomstein aus Pemau/Pornöapäti zu finden, das nach dem Hauptbalken des Zimmers 1792 gebaut wurde.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren wollten immer mehr Gemeinden die ehemalige Kultur der engeren Umgebung in einem Dorfmuseum präsentieren. Man kaufte dazu das möglichst typischste Gebäude der Gemeinde, das dann meistens von Spenden eingerichtet wurde.

Die meisten und bedeutendsten Heimathäuser befinden sich in der von den Deutschen am dichtesten bewohnten Branau/Baranya. In Nadasch/ Mecseknädasd wurde im ehemaligen Wohnhaus und Wirtshaus der Gastwirtfamilie Gungl eine Wohnung eingerichtet, die uns an das Ende des 19. Jahrhunderts erinnert. Es wird das bekannte Kleingewerbe der Gegend, nämlich das Töpfergewerbe von Nadasch/Mecseknädasd, Altglashütte/Öbänya und Maratz/Mörägy, das berühmte Faßbindergewerbe und die Klumpenanfertigung von Nadasch/Mecseknädasd gezeigt. In Ofalo/Öfalu wurden Stühle mit geflochtenem Sitz hergestellt, gedrechselt, die in bäuerlichen Haushalten im ganzen Transdanubien benutzt wurden. Für das Heimathaus kaufte man das Haus des Kleinhäuslers Johann Hahn, und das ärmliche Wohnhaus und die Werkstatt wurden hier eingerichtet. In Altglashütte/Öbänya, im berühmten Töpferzentrum, sind die Werkstatt, die das Töpferhandwerk zeigt, das Wohnhaus und eine kleine Ausstellung von Produkten zu sehen.

Auch in der Tolnau/Tolna sind mehrere Heimathäuser zu finden.

In Maratz/Mörägy wurde ein Töpferhaus eingerichtet. In Bonnhard/Bonyhád, als Teil des Talbodener Museums (Völgysegi Müzeum), sind Ausstellungen zu sehen, die die deutschen Einrichtungen und das Wirtschaftsleben darstellen. In Jink/Gyönk befindet sich ein Heimathaus, das die Sachkultur des Tolnauer Deutschtums vielleicht am vollständigsten präsentiert. Das Heimathaus in Badesek/Bätaszek zeigt Wohnhauseinrichtungen und volkstümliches Handwerk.

In Hartau/Harta, im Komitat Bäcs-Kiskun sind, neben einer Sammlung, die bemalte Möbel und Volkstrachten ausstellt, die Werkzeuge der Blaufärberei.'des Spinnrad-, und Wagnerhandwerks, der ehemaligen Kleingewerbe der Gemeinde, und die damit verbundenen Arbeitsvorgänge zu sehen. Die reiche Volkstracht- und bemalte Möbel-Sammlung ist in Form einer Wanderausstellung zu besichtigen. Die Ausstellung ist zur Zeit in Baje/Baja.

In Iklad im Komitat Pest befindet sich ein kleinbäuerliches Lehmhaus aus dem Jahre 1903, in Schambek/Zsämbek eine Sammlung reich bemalter Möbel.

In Sulk/Szulok in der Schomodei/Somogy zeichnet sich das Privatheimathaus des Bürgermeisters Josef Wirt durch seine hervorragenden Möbel und Textilien aus. Das Haus ist das älteste Haus im Dorf.

Das Dorfmuseum im Komitat Fejer präsentiert die berühmte Weinkultur in Moor/Mör.

Neben den Heimathäusern gibt es in vielen von Deutschen bewohnten Gemeinden reiche Dorfsammlungen. (Z. B. in Werischwar/Pilisvörösvär, Schorok-schar/Soroksär, Harast/Dunaharaszti, Edek/Etyek usw.) Man sollte noch die deutschstämmigen Familien erwähnen, die Sammlungen von landesweiter Bedeutung gründeten: so die Zettl-Langer Sammlung in Ödenburg/Sopron. Bayerische Einwanderer kamen 1750 nach Güns/Köszeg, und kauften 1830 das Haus Balfer Straße 11 vom Wagnermeister Anton Ringeisen.

 

Das Ungarndeutsche Landesmuseum (Tata / Totis)

1972 wurde die Museumswerkstatt unter dem Namen Nationalitätenmuseum für Volkskunde gegründet, um die Volkskunde der im Komitat Komärom-Esztergom lebenden Deutschen und Slowaken zu studieren und zu präsentieren. Das Ministerium für Bildung und Kultur beauftragte mit seinem Beschluß vom Jahre 1974 drei Museen, um die Volkskunde der einzelnen Nationalitäten im ganzen Land zu erforschen. Diese werden im Fachjargon „Basismuseen" genannt. Diese waren: das Munkäcsy-Mihäly-Museum in Bekescsaba für die slowakische und rumänische, das Kanizsai-Dorottya-Museum in Mohatsch/Mohäcs für die südslawische und das genannte Museum in Tata für die deutsche Volkskunde. (Nach einigen Jahren stieg diese Zahl auf fünf, da das Erkel-Ferenc-Museum in Gyula die Aufgaben bezüglich der Rumänen übernahm.) Seit diesem Zeitpunkt arbeitet das Museum in Tata unter dem Namen Ungarndeutsches Landesmuseum, seine Aufgaben sind, die Geschichte und Volkskunde der Deutschen in Ungarn zu erforschen, zu sammeln, zu bearbeiten und zu präsentieren.

Die Voraussetzungen der Aufstellung des Ungarndeutschen Landesmuseums in Tata unterscheiden sich grundlegend von denen der anderen drei Nationalitätenmuseen. Obwohl die territoriale Verstreutheit für fast alle Minderheiten in Ungarn charakteristisch ist, kamen die slowakischen, rumänischen und südslawischen Institutionen im Zentrum der herkömmlichen Siedlungsgebieten dieser Nationalitäten zustande. Im Falle des Deutschtums kann man ein solches Zentrum eindeutig nicht bestimmen. Es spricht jedenfalls für Tata, daß die Stadt eines der traditionellen Zentren des Ungarischen Mittelgebirges mit bedeutender deutscher Bevölkerung ist. Die erwähnten drei Museen besaßen schon eine bedeutende Vergangenheit, wo die betreffenden Nationalitäten oft durch Kollektionen von mehreren Tausenden Gegenständen repräsentiert waren, somit bedeutete die neue Aufgabe als Basismuseum nur die Erweiterung ihrer Tätigkeitsgebietes. Sie gehen aber dieser Tätigkeit neben den früheren und auch zur Zeit bestehenden Aufgaben eines Regionalmuseums nach. Das Ungarndeutsche Landesmuseum ist dagegen eine neue, ausschließlich für diese Aufgabe errichtete Institution, deren Basis die 38 Exponate bildeten, die 1972 vom Kuny-Domokos-Museum in Tata übernommen bzw. vom Demokratischen Verband der Deutschen in Ungarn geschenkt wurden. Es ist der intensiven Sammeltätigkeit seit 1972 zu verdanken, daß sich mehrere Sammlungsabteilungen (Gegenstandssammlung, Foto- und Tonsammlung, Dokumentation, Bibliothek) herausbildeten. In den Sammlungen werden heute beinahe 20 000 Gegenstände aufbewahrt. Die Sammlung erstreckt sich auf alle von Deutschen bewohnten Gebiete und traditionell wichtigen Landschaften des Landes.

Das Ungarndeutsche Museum arbeitete zwischen 1972 und 1983 im Gebäude der Tataer Miklös-Mühle unter immer schwierigeren Umständen (wegen Platzmangel durch die Zunahme des Materials). Es bekam schließlich 1983 die restaurierten Gebäude der 1785 gebauten Nepumucenus Mühle. Im Hauptgebäude der Mühle befinden sich die Forscherbüros, Buch- , Foto- , Tonsammlungen und die Dokumentation, sowie auf drei Etagen die fast 500 m2 große Ausstellungsfläche. Im ehemaligen Gebäude des Kornspeichers sind das Lager der Gegenstandssammlung und die Restauratorenwerkstatt untergebracht. Die erste ständige Ausstellung des Museums ist mit dem Titel „Nationalitäten im Komitat Komärom" in der Nepumucenus Mühle zu sehen. Die dritte ständige Ausstellung eröffnete im Juli 1997 unter dem Titel „1100 Jahre Zusammenleben - Deutsche in Ungarn von der Landnahme bis zu unseren Tagen". Das Museufn organisierte zwischen 1972 und 1997 93 Saisonausstellungen bzw. Wanderausstellung in den Städten und Dörfern Ungarns, sowie in Deutschland und Österreich. Mehrere Heimathäuser und Dorfmuseen in ungarndeutschen Gemeinden wurden mit dem Leihmaterial bzw. unter der Organisation des Ungamdeutschen

Museums eröffnet. Die Sammlungen des Museums werden regelmäßio. von ungarischen und ausländischen Forschern bzw. Studenten, die aus diesen Themen ihre Diplomarbeit schreiben, benutzt. Bisher wurden 16mal 1-2 wöchige Exkursionswochen für Germanistikstudenten in den verschiedenen Gebieten des Landes organisiert. Das Museum steht außer mit ungarischen Institutionen mit mehreren deutschen Museen bzw. Universitäten in Verbindung. Es verfügt mit Ausnahme der Ausstellungskataloge über keine eigenen Publikationen, die Forschungsergebnisse werden in verschiedenen ungarischen und ausländischen Fachzeitschriften veröffentlicht. Ende der Achtzigerjahre hatte das Museum jährlich etwa 100 000 Besucher, deren Zahl in den letzten Jahren allerdings wegen des allgemeinen Rückgangs des Turismus - ähnlich wie im Fall anderer Museen - abnahm. Die für die Tätigkeit der Institution nötigen Mittel stellt die Selbstverwaltung des Komitats Komärom-Esztergom sicher, die durch das Ministerium für Bildung und Kultur bzw. durch die Unterstützungen von Kulturstiftungen ergänzt werden.

Die Deutschen in Ungarn schufen nach ihrer Ansiedlung eine eigenartige einheitliche Kultur, die auf den von den zusammenlebenden Völkern übernommenen Kulturschätzen und auf den bewahrten ethnischen Eigenarten gleichermaßen aufbaut, die aber von der Kultur der alten Heimat und der der anderen Ethnien in den neuen Siedlungsgebieten eindeutig unterschieden werden kann. Das Ungarndeutsche Museum in Tata möchte - vor allem diese Tatsache im Auge behaltend - so wie bisher auch in Zukunft in seinen Ausstellungen die Volkskultur der Deutschen in Ungarn bzw. deren eigenartige Merkmale präsentieren.

Die Exkursionswochen für Volkskunde trugen und tragen zur Stärkung des Identitätsbewußtseins der Deutschen in Ungarn bei. Der ehemalige Demokratische Verband der Ungarndeutschen und die deutschen Lehrstühle der Universitäten organisierten viele Jahre hindurch mit Studenten Rundreisen in je einer der von deutschen bewohnten Siedlungen bzw. Regionen des Landes, um die noch vorhandenen Elemente der Volkskunde zu dokumentieren. Deutschpilsen /Nägybörzsöny/, Hajosch/Hajös, Moor-Pußtawam/Mör-Pusztaväm, Merk-Wallei IMerk-Vällaj, Trautsondorf/Hercegküt, Sende ISzendehely Altglashütte / Öbänya, Willand I Villäny usw. waren die wichtigsten Stationen dieser Rundreisen. Die dabei gesammelten Gegenstände kamen in Museen, das historische und folkloristische Material wurde später in Publikationen für Volkskunde bzw. in Monographien veröffentlicht.

 

DEUTSCHE AUSSTELLUNGEN

 

  
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