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KARL MANHERZ

Beiträge zur volkskundlichen Beschreibung des Weberhandwerks in Pula (Plattenseeoberland)

 

Die Aufzeichnungen dieses Handwerkes stammen aus Großwaschon (ung. Nagyvázsony) aus den Jahren 1969, 1970. Mein Gewährsmann, Augustin Sauer, 73 Jahre alt, übte sein Handwerk in seinem Geburtsort, in Pula aus, arbeitete aber seit einigen Jahren in dem Museum von Großwaschon.1 Das Handwerk hat er in Pula von seinem Vater erlernt. Seine Sprache ist eine ostdonaubairische Mi-Mundart, in die aber Elemente der ungarndeutschen Berufssprache eingedrungen sind. In die Beschreibung des Weberhandwerkes bediente er sich jeweils der Pulaer Ortsmundart.2

1. Der Rohstoff

In Pula wurde der Hanf in dem Krautgarten {krautkoartn ,Gemüsegarten') der Bauern angebaut.3 Hier diente er zugleich als Schutzpflanze, indem die Schmetterlinge sowie die Raupen den Geruch der Hanfpflanze scheuen. Nach dem Schnitt beginnt man zuerst den Blütenhanf (pliahaunif ,Sommerhanf, Femel-hanf) herauszurupfen (harausrupfa oder tsiar\ ,ziehen'). Der herausgezogene Hanf kommt in Bündeln (pindl) in die Röste (rets). In Pula diente als Wasserröste ein Graben {krom, kloas loux ,kleines Loch') neben dem Bach (pox). Der Graben war 3 m lang, 2 m breit und 70—80 cm tief. Der Femelhanf kam also ins stehende (štehandi) Wasser. Mit Brettern (preidra) und Steinen (štoana) wurde der Hanf niedergeschwert (nidakšwart ,beschwerť). Nach zwei, drei Wochen ist er dann freigelegt worden (okšwad ,abgeschwerť). Die herausgezogenen Hanfbündel wurden dann an Ort und Stelle ausgewaschen (auskwošn) und auf der Wiese oder auch zu Hause im Hof (häuf), auf dem Gartenzaun (kartltsku) getrocknet.

Nach 4—6 Wochen wurde auch die weibliche Pflanze, der sog. Samenhanf (säumhäunif ,WinterhanP) herausgezogen, in einem Schober zusammengestellt (šouwar), damit der Samen gut nachreifen kann; er mußte abfaulen (obarfkuln ,abherfaulen'), schimmeln (šimpln), so fielen die Körner (kcean) leichter heraus.

Befestigen des Querholzes

Der Samen wurde dann auf einer ausgebreiteten Plaché (ploxa) oder auf einem gewöhnlichen Tuch (tuix) mit dem hölzernen Waschpracker (wošprakar fan hults) abgeklopft (oklopft). Der Samenhanf kam dann auch in die Röste, die weitere Arbeitsweise ist dieselbe, wie bei dem Femelhanf. Nach dieser Arbeit kommt der Samenhanf unter die einzungige Brechel (prexl). Durch das Brechen sollten die holzigen Teile des Hanfstengels zerquetscht und in kleine Stückchen gebrochen werden. Was übrig bleibt, ist das Werg (wearix). Aus dem Werg werden dann Säcke und Piachen gewebt.

Der Blütenhanf kommt aus der Röste auch unter die Brechel, aber unter eine sog. Putzbrechel (putsprexl), die ist eine zweizunginge Brechel. Nach dem Brechen wird der Hanf durch die Hechel (hhunifhaxl) gezogen, und so ausgerecht (ausrexlt). Was aus dem Blütenhanf bleibt, ist die Reiste (reisin ,ein Büschel aus Hanf). Aus der Reiste, dh. aus dem schönen Garn (šeini koan) wurden Leintücher, Anziehgewand (äutsikwäunt) u. a. gemacht.4

Sowohl das Werg als auch die Reiste kommen in Büscheln (pišl, auch Handvoll hkundfol genannt) auf den Rocken (rouka), und werden mit dem Spinn-raderl {Spinral ,Spinnrad') gesponnen. Das Spinnraderl besteht aus einem Raderl (ral) und aus dem Trittling (tridling), mit dem das Raderl in Bewegung gesetzt wird. Das klare (kloari) und grobe (kroubi) Werg wird dann gesondert behandelt.

2. Der Zettelkasten

Nach dem Spinnen folgt das Weißmachen (weismoxa ,Bleichen')5. Das gesponnene Garn wird mit dem Haspel (hošpl) in Stränge (štreing auch motring, ,dass.' ung. motring ,dass.' genannt) aufgewickelt (aufkwiklt) bzw. aufgehaspelt (aufkcošpľt). Diese Stränge werden dann in ein Geschirr (kšiar), meistens in ein Faß (fasl) hineingelegt. Asche (ošn) und siedendes (siadigs) Wasser kommt darauf. Nach zwei-drei Tagen wird das Garn linder (Jinda), es ist also nicht mehr so resch (res). Aus dem Faß herausgenommen wird es wieder gewaschen, getrocknet und im Winter mit einem Garnwickelbock (koanwiklpäuk ,eine Art Haspel') auf Kukuruzkolben (kukarutskculm ,Maiskolben') oder auf ein Stück Holz (wiklhults ,Wickelholz') in Knollen (knoln) gewickelt, und später mit dem Haspel in einen größeren Kranz (krkunts) aufgefädelt (aufkfadľd). Diese Kränze kommen zum Weber.

2. Das Zetteln

Zum Zetteln (tseidln) bedient sich der Weber eines 2 m hohen, 1 m breiten Zettelrahmens (tseidlrama) und eines Zettelkastens (tseidlkQostn). Der Zettelrahmen besteht aus vier Latten (lotn), je zwei sind unten und oben mit einem Kreuzholz (kraetshults) versehen. Es wird in der Stube (Mum) aufgestellt: andem Durchzug (turixtsug .Querbalken') ist ein Stück Leder (leda) hingenagelt (hiknogľt), die Stange (Itkunga) des Rahmens bzw. Rahmenrades wird oben in diese Lederschlinge, unten, auf dem Fußboden, ins Loch eines viereckigen Klotzes (klouts) gesteckt. Auf einer Seite des Rahmens wird oben ein Brett mit drei, unten eins mit zwei Holzzähnen (predl mit holtstseind ,Brettel mit Holzzähnen') an den Rahmen gebunden. (Abb. 1.)

3. Das Zettelbrett

Der Zettelkasten besteht aus zwölf Fächern, in jedem Fach (fox) hegt ein Knollen. (Abb. 2.)

Nach den Vorbereitungen wird zuerst ein jeder Faden in das Zettelbrett (tsedlpredl) (Abb. 3.) hineingefädelt (einikfaďld ,einhingefädelť) (Abb. 4.). Das Zettelbrett hat der Weber selbst geschnitzt und 12 Löcher hineingebohren. Die Anfänge der 12 Fäden werden dann in einen Knoten zusammengebunden und um die Holzzähne am oberen Ende des Rahmens gehängt. Der Weber dreht inzwischen diesen um. Dabei muß das Zettelbrett mit den Fäden am Rahmen entlang niederwärts geführt werden, damit das Fadenbündel auf dem Rahmen aufgewickelt wird. Unten angekommen werden die Fäden an die Holzzähne angehängt. Diesen Prozeß nennt der Weber einen Gang (käung). Jetzt dreht der Weber den Rahmen umgekehrt und führt die Fäden nach oben (Abb. 5.). Diese Gänge werden so oft wiederholt, bis er die gewünschten Ellen (öln; eine Elle: 78 cm) der Fäden erreicht hat6. Hat er zehnmal die 12 Fäden nach oben und unten geführt, also 5 Gänge gemacht, erreicht er 120 Fäden, das ist ein Büschel (pill). Eine vollständige Kette kann aus 5 bis 10—12 Büscheln bestehen.

Nach dem Zetteln wird die Kette (kcetn, auch kceitfon .Kettfaden' genannt) bzw. in der Pulaer Mundart der Schweif (Iwoaf) von dem Rahmen abgeklaubt (pwarklaubt ,abhergeklaubť) und zum Aufbäumen (aufpama) vorbereitet (Abb. 6.). Durch das Aufbäumen werden die Fäden (fan) auf den Garnbaum (koanpam) im Weberstuhl aufgetrieben (auftrim).

Vor dem Aufbäumen werden je 12 Fäden in je einen Zahn (tsaund) des Scheidekammes (šoarkcampl, Lesekamm') eingeklaubt (ef'/7íA7aw/>r, einhingeklaubť). Der Scheidekamm sichert ein gleichmäßiges Auftreiben. Die Fäden dürfen nicht abrütten (obiriatn ,abhinrütten'). Diese Arbeit erfolgt meistens mit einer Hilfe (hülf ,Gehilfe'). Wenn der Weber allein arbeitet, so muß er zuerst die Fäden in den Scheidekamm einklauben, dann mit einer Hand das Kammrad (kcamrod) treiben, mit der anderen den Scheidekamm halten und die Fäden führen. Am Garnbaum befindet sich an der Mantelfläche eine Nut, in welche eine Leiste (leistn) paßt. Mit Hilfe von Seilenstücken werden die Knoten der Fäden an diese befestigt; die nennt der Weber Ausarbeiter (ausoarwada), denn sie helfen die Kette fast bis zum Ende auszuarbeiten. (Abb. 7.)

Wenn in dem Webstuhl von der vorigen Arbeit nichts zurückblieb, oder die neue Kette viel breiter oder schmaler ist als die vorige, dann muß der Schweif noch ins Zeug (tseix ,Geschirr') und Blatt(el) (pla'l .Webblatt') eingefädelt werden. Dazu dient in diesem Fall eine Ziehnadel (tsiaxnodl) bzw. Einziehnadel (aetsiagnodl), die der Weber aus Draht (trod) macht. Beim späteren Aufbäumen — wenn dieselbe Art der Ware gewebt wird — ist diese Arbeit überflüssig, dann wird der neue Schweif an den alten angedreht: diesen Vorgang nennt man das Andrehen (äutra) und Durchziehen (tuarixtsan). Jene Fäden, die von der vorigen Ware im Webblatt und im Zeug zurückbleiben und an die die neuen angedreht werden nennt man das Trümmer (triamad); es ist meistens 25—30 cm lang. Ein jeder Faden muß einzeln angedreht werden, die überflüssigen Knoten werden mit einem Stuhlmesser (štulmesaj abgeschnitten.

4. Einfädeln ins Zettelbrett

Nach dem Andrehen wird der neue Schweif durch das Zeug und Webblatt gezogen (tuarixs tseig, tuarixs plďl,durch das Zeug, durch das Blattei') und ans Ende des Begleiters (beglaetar, auch Anländer aunlae'ndar genannt: es ist ein Stück Leinen, was auf dem Tuchbaum gewickelt ist, und es wird herausgenommen, wenn das neue Gewebe schon genügend lang ist) gebunden. Die nächste Arbeit ist das Schrankklauben (šräunkläum): paarweise werden die Fäden zwischen dem Garnbaum und dem Zeug durch 4 Schäfte und ein Staberl (fir šeftn unt oa štawal) geführt um die Kameraden (kcumarodn ,je zwei Fäden') zu sortieren (Abb. 8.). Die Schäfte werden auch Schrankstecken (šráunšteka) genannt. Dann folgt das Ausspannen (ausšpauna), dabei werden die Fäden mit einem Örtl (eatl ,Ahle') auf ihren richtigen Platz gerückt. Das nennt man Daraufrichten (träufrixtn).

5. Zetteln
 
6. Abklauben der Kette von dem Rahmen

Nach dem Aufbäumen wird die neue Kette von dem Garnbaum, durch die fachbildenden Teile (Zeug, Webblatt) durchgezogen und am Leinwandbaum (leimatpam ,Tuchbaum') befestigt. Um den stark beanspruchten Kettfäden größeren Widerstand zu verleihen, bestreicht man noch den jeweils zwischen Garn- und Leinwandbaum ausgespannten Teil der Kette, d. h. eine Stuhllänge (štulleing), mit einem Klebstoff, der Schlichte (šlixt). Während dieser Arbeit wird die Kette von dem Leinwandbaum auf den Garnbaum zurückgetrieben (tsruktrim).

Zur Schlichte braucht der Weber Getreidemehl (troadmöl ,Roggenmehl'), was er in einen irdenen Hafen (eartana heiwa) tut. Auf ein 1/2 kg Mehl wird siedendes (siadixs) Wasser gegossen. Die so erhaltene Schlichte kommt in eine Mulde (multar), und wird dort aufgelöst (aufk löst). Mit zwei Wurzelbürsten (wuatsnpiarstn) wird dann je eine Stuhllänge aufgebürstet (aufpiašt gestrichen')! Die Fäden werden oben und unten bestrichen. Um deren Zusammenkleben zu vermeiden, gebraucht man Untertreibtücher (untartreibtiaxar), die zwischen die Schichten der geschlichteten Fäden gelegt und mit diesen auf den Garnbaum gewickelt werden. Vorher werden diese Tücher auf dem Backofen (im Sommer in der Sonne) warm gehalten, so fördern sie zugleich das Trocknen der Kette. Wenn das Garn aufgeschlichtet (aufkšlixt) ist, wird es oft mit der Schmalzbürste (šmoltspiaštn) fettgebürstet (fetnpiaštn ,mit Fett bestreichen'), damit es linder (linda) wird und die Arbeit erleichtert.

7. Die „Ausarbeiter"

4. Die Albeit am Webstuhl

A) Der Webstuhl

Der Web(er)stuhl (wewarštul, wébarštul, webštul) (Abb. 9.) ist aus Buchholz (puixholts, puxholts)7 von den Zimmerleuten (tsimarlae'd) gebaut. Die vier Füße (fias, Sg.: fuis) des Webstuhles werden unten und oben von je vier Riegeln (fir ouwari rigl ,4 obere Riegel' fir untari rigl ,4 untere Riegel') zusammengehalten. Die Länge und die Höhe des Webstuhles beträgt etwa 2 m, die Breite 1,7 m. Der Webstuhl wird in der Stube, an der Seitenmauer (saetnmauar) so aufgestellt, daß der Weber auf dem Sitzbrett sitzend hinter seinem Rücken (hinta säen pugl ,hinter seinem Buckel') das Blindloch (plindloux) leicht erreichen kann (vgl. Abb. 9.). Hier werden verschiedene Geräte, wie die Bürsten, Schmalzlöffel (smoitsle'fl), Schuhörtl aufbewahrt.

8. Die Schäfte

Zum richtigen Aufstellen verhilft eine Weberwaage (we'barwog).

Zum Weben sind vier Einrichtungen unerläßlich8:

1. Eine Anlage zum Ausspannen der Kette. Dazu dient der Garnbaum mit den Gewichten (kcugl ,Kugel'). Letztere sichern die nötige Bremskraft. Der Garnbaum liegt an beiden Enden in sattelförmigen, hölzernen Dockerin (touka'l ,eine Art Gestell(teil)').

2. Eine Vorrichtung zur Bildung des Faches: Dazu dient das Zeug (tsaeg)9 mit den Häuseln (haezl,Gehäuse') aus Zwirngarn (tswiantskon ,gezwirntes Garn'). Die Häusel werden auch Auge (äug) genannt.

Den Zeugzwirn macht auch der Weber: aus dem klaren Garn werden drei Fäden (trae'fan) gezwirnt (tswiant), und aus diesem Zwirn die Zeuge (tsaeigar, tsaeixa ,Helfen') gestrickt (kštrikt). Die Häusel werden mit Hilfe von Staberln auf dem Zeugstrickstuhl (tsaeixštrikštul) mit den Zeugstricknadeln (tsaeixštrik-nodl) hineingestrickt (einikštrikt ,einhingestrickť) (Abb. 10.). Die so angefertigten Zeuge kommen dann in den Webstuhl, wo sie mit zwei Schäften ausgespannt und geschlichtet werden. Zur gewöhnlichen Schlichte wird in diesem Fall Leim (laeim) hinzugegeben. Das Leimwasser (laeimwosa) wird mit den Wurzelbürsten auf die Zeuge aufgetragen, damit sie steif (steif) werden.

Zur Fachbildung werden die Zwirngarne mit je zwei Schäften in einem Rahmen vereinigt: diesen Rahmen nennt man auch Zeug. Im allgemeinen verwendet der Weber vier Zeuge, die aber oft paarweise zusammengebunden sind und miteinander bewegt werden. Zur Hebung und Senkung der Zeuge dienen die Zeugschnurradel (tsaeixšnurrrďl) (Abb. 11.), die auf die Zeugstange (tsaeix-štaunga) gehängt sind, und die Schemelhölzer (samlhöültsa). Letztere bestehen aus den unteren Schemeln (untaršaml) oder Tretschemeln (tretšaml) und hängenden Schemeln (haéngadn šaml) oder Hängschemeln (hengšaml).

3. Ein Gerät zum Eintragen des Schußfadens bzw. des Eintrages (aentrog): dazu dient die Schütze(l) (šitsl, auch weibaršitsl ,Weberschiitzeľ genannt). Die Schützen werden von den Drechslern gemacht. In der Schütze befindet sich eine Zwecke (šitsntswek ,Schützenzwecke') worauf die volle Spule gesteckt wird. Die Spulen (špuln) werden vom Weber selbst aus Holler (hular) angefertigt: ein 8—10 cm langes Stück wird abgeschnitten, man nennt es Kern (kcean); es wird mit einem Stößer (štesla) durchgebohren (tuarixkkixlt,durchgelocht'); auf diese Spule wird der Eintragfaden aufgespult (tráufkšpult). Beim Spulen darf der Faden nicht abrütten (oritn). Die vollen und leeren Spulen werden in einem Kastei (špulnkcastl ,Spulenkästchen') aufbewahrt. Es befindet sich neben dem Sitzbrett (sitspreid) des Webers.

4. Ein Gerät zum Anschlagen des Eintragfadens, der Schlagkasten (šlog- kocstn). Er besteht aus der Schlagstange ('šlogštaunga), aus zwei Schlagzungen (šlogtsunga), aus dem Schlagdeckel (šlogteikl) und dem Blattei (pladl ,Web-blatť). Die Schlagzungen halten Zwickel (tswikl) mit dem Schlagdeckel zusammen. Das Blattei wurde früher aus Seerohr (seroar) vom Weber selbst auf dem Blattelbindstuhl (pladlpintštul) gefertigt. Das Seerohr stammte aus dem Plattensee (plotnse); es waren besonders die Wurzeln (roarwuartsn ,Rohrwurzel') dazu geeignet. Später wurden die Blattei aus Böhmen (pömen) gekauft, seit 1932 stammen sie aus Kaposvár (käpošwar), wo eine Blattelstrickerei (pladlšírikaraei) arbeitete.

9. Der Webstuhl
 
JO. Die Zeugstricknadel

Außer den vier Haupteinrichtungen gewährleisten noch einige Geräte den störungsfreien Ablauf des Webens: an einem Ende des Garnbaumes befindet sich ein Kammrad (kcäumrod) mit dem Schnapper (šnepar) (Abb. 14.), auch Rosmarinholz (rozmarihults) genannt. Es dient zum Ausspannen der Kette. Will der Weber die Kette lockern, so zieht er an der Schnur, die mit dem Schnapper verbunden ist; so dreht sich das Kammrad, damit auch der Garnbaum.10

Die fertige Leinwand wird um den waagerechten Brustbaum (prustpam) und die Streifstange (štroafStaunga) geführt, und auf den Leinwandbaum (laeimatpam) aufgerollt. Der Leinwandbaum ist mit einem Spannrad (špäunrod) versehen. Auf dem Spannrad befinden sich sechs Angriffe (äunkrif), mit denen der Weber das Spannrad drehen, somit die fertige Ware auf den Leinwandbaum aufwickeln kann. Zur Sicherung des Spannrades dienen zwei Spannzungen (Spauntsunga), die an dem Gestell des Brustbaumes befestigt sind. Beim Herabnehmen der Ware werden diese Zungen herausgehängt (auskcaeingt ,ausgehängt'), so kann die Leinwand frei herabgerollt werden.

11. Die Zeugschnurradel

B) Die Arbeit am Webstuhl

Beim Weben (weihen) folgen die einzelnen Arbeitsbewegungen in einer bestimmten Ordnung:

  1. Treten (tren) des Schemels, wodurch der Schweif das Fach (fox) bildet.
  2. Durchschmeißen (tuarixšmaeisn) der Schütze mit der rechten Hand (mit ta r ext n haund).
  3. Treten mit dem linken Fuß, wodurch das Zeug die Fäden dazu bringt, ein entgegengesetztes Fach zu bilden. Das Treten erfolgt entweder barfüßig oder in Socken, aber unbedingt ohne Schuhe: der Weber muß die Schemel spüren (kšpian).
  4. Daraufschlagen (traufšlogn) mit dem Schlagkasten, daß der Eintragfaden auf seinen Platz kommt.
  5. Durchschmeißen mit der linken Hand. Von jetzt an müssen die Arbeitsbewegungen 1—5 wiederholt werden.

Nicht so einfach ist die Arbeit, wenn der Weber Muster (muster) bzw. einen Streifen (štroaf) weben will.11 Wenn der neue Schweif schon zum Weben vorbereitet ist, dann webt der Weber zuerst ein Zweckleinen (tsweklaei), das 30—40 cm lang ist. Bei diesem einfachen Leinenweben sind je zwei Zeuge und auch Hängschemel zusammengebunden (tsamkzaeingt). Beim Musterweben mußte man sie einzeln bewegen (pewegn) können. Nachdem das Zweckleinen fertig war, mußte zuerst das Muster in die Schäfte (šeftn) und Staberl (štawal) hineingeklaubt (aeinikláubt ,einhingeklaubť) werden. Der Weber webt z. B. ein Vögelmuster (feglmustar). Der Streifen besteht aus 15x4 Eintragfäden, d. h. aus 15 Reihen (raei). Um die entsprechende Bindung zu sichern, muß er 15 Staberl verwenden. Auf diese Staberl wird ein Ausklaubzwirn (ausklaubt swian: es ist eigentlich ein Zeugzwirn) gebunden und zwischen diesen Zwirnstücken wird in der entsprechenden Reihenfolge das Muster hineingeklaubt (Abb. 12.). Die Weiber (waeibar) diktieren dem Weber vom Musterpapier die Reihenfolge. Wenn eine Reihe hineingeklaubt ist, dann wird mit Hilfe der Tafel (tofl) die Rute (rudn) hineingesteckt: es folgt die zweite Reihe.

Wenn der Weber beim Musterweben keine Hilfe hat, so muß er während der Arbeit die schon hineingeklaubten Fäden der Reihe nach ausheben, mit der Tafel fixieren und den Eintragfaden durch das Fach führen. In diesem Fall dauert das Streifenmachen (štroafmoxa) länger.

Die Breite eines Tuches beträgt im allgemeinen eine Elle (öülnproad ,Ellen-breite 78 cm'). Um die Breite zu sichern, verwendet der Weber einen Spanner (špaeing), der das Tuch spreizen (špraeitsn) soll (Abb. 13.).

12. Die Staberl mit dem Ausklaubzwirn
 
13. Der Spanner

Auch in Richtung der Kette wurden farbige Streifen gewebt (seikstraeif ,Säckstreifen'), die wurden aber schon mit dem gesamten Schweif gezettelt.

Beim Weben kommen auch Fehler (fala) vor. Wenn bei der Fachbildung einige Kettfäden nicht herausgehoben werden können, dann schlüpft die Schütze (ti sitsn tuid slupfa ,die Schütze tut schlüpfen'), und es entsteht in der Leinwand ein Webernest (weibarneist). Das muß der Weber (auf)trennen (traeina).

Ein anderer Fehler ist, wenn die Fäden reißen (raeisn). Das kann verschiedene Ursachen haben. Oft kommt es vor, daß die Bauern zu Hause beim Spinnen und Aufspulen des Garnes zu große Knöpfe gebunden haben, die dann auf dem Webstuhl nicht durch das Zeug und Blattei können und abreißen. Diesen Knopf nennen die Weber Katzenknopf (kcotsnknopf). Der Weber bindet dann das gerissene Garn mit einem Weberknopf (weibarknopf) zusammen. Der Weberknopf ist klein und gleitet durch die verschiedenen Geräte ohne Hindernis. Zum Anknüpfen (auknipfa) dient das Knüpfgarn (knipfkoan), das auf der Zeugstange hängt.

5. Erlernen des Weberhandwerkes

Wenn ein Junge das Weberhandwerk erlernen wollte, so kam er als Lehrbube (lerpui) zum Webermeister. Er mußte die einzelnen Arbeitsvorgänge, wie das Spulenmachen (spulnmoxa), Zeugzwirnmachen (tsaeigtswianmoxa), das Weberknopfmachen erlernen. In der ersten Zeit war er der Zureicher (tsuiroaxa) des Webermeisters. Dann erlernte er die Arbeit am Webstuhl. Wenn er schon Muster weben konnte, dann wurde er freigesprochen (freikspräuxa) und konnte als Geselle (ksöül) weiterarbeiten. Zur Zeit der Zeche (bis 1872) mußte der Geselle zum Erlangen eines Meisterbriefes (moastarpriaf) ein Meisterstück (moastarstuk) vor dem Zechmeister (tsexmoasta) fertigen. Der Zechmeister saß mit zwei, drei Altzechmeistern {oldtsexmesterek, vgl. ung. mester = mester ,Meister'; auch oldtsexmoasta) auf der Eckbank (eikpaung). Auf den Tisch wurde eine Flasche Wein gestellt, der Geselle arbeitete und sie tranken. Bekam er das Meisterstück ohne Fehler fertig, erhielt er den Meisterbrief, gelang es ihm nicht, mußte er als Gehilfe (kehilfe, auch hülf) weiterarbeiten.

Der Webermeister mußte sich nach der Ordnung der Zeche richten. Die Zechmeister gingen jeden Sonntag in die Werkstatt der Weber, um sie zu visitieren {wearkstot wizitian ,besichtigen'). Wenn sie nicht sauber ausgekehrt (auskHart) war, oder ein gerissener Faden hängen blieb, das war ein Anstand (aunstaund) und der betreffende Meister wurde gestraft (kstroft). Wenn der Anstand zuerst vorgekommen ist, so erhielt er einen schwarzen Punkt (swoartsn punkt). Am Silvesterabend, wenn die Weber ihre Tanzunterhaltung (tauntsuntarholding) abhielten, da wurden die Weber — je nach den Punkten — bestraft.

14. Der Schnapper

6. Garnnummer und Fertigware

Das gröbste Garn trägt Nr. 4 (fiara)12, was zum Teppichmachen (tepixmoxa) benutzt wird. Nr. 5 (fimpfar) ist schon klarer (kloara) und zu Säcken (saeik) geeignet. Nr. 6 (seks) wurde zu Leintüchern (laeintiaxar) verwendet. Außerdem webte der Weber Leinwand für Handtücher (haundtiaxar), Simperltücher (sim-paltiaxar), Tischtücher (tistuixa) und für Anleggewand (aunlaeixkwaund). Er hat seine Waren nie auf den Markt gebracht, sondern arbeitete nur auf Bestellungen. In Pula wie in Großwaschon kamen die Leute mit Bestellungen aus der ganzen Umgebung, aus Tschitschau (ung. Balatoncsicsó), Jakobfeld (ung. Szentjakabfa), Erwin (ung. Örvényes) u. a.

LITERATUR

ENDREI, W., 1954. A nagymintás szövés keletkezése (Die Entstehung des Webens von großen Mustern). MTT, 4.

1969. A magyarországi textilmanufaktúrák a 18. században (Textilmanufakturen im 18. Jh. in Ungarn). Budapest.

ERICH, O. A—BEITL, R. 1936. Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Leipzig.

HELL, GY., o. J. Wortschatz der Weberarbeit im Dorfe Kán (Kom. Baranya). Facharbeit an der Loránd Eötvös Universität zu Budapest. Manuskript.

HUTTERER, C. J., 1963. Das Ungarische Mittelgebirge als Sprachraum. Halle/Saale.

MANHERZ, K., 1969. Beiträge zur Fischerei am Neusiedlersee und auf dem Heideboden. ALH XIX, 1—2.

1970. Kerzengießen auf dem Heideboden. ALH XX, 1—2.

1972. Zur Frage der Transkription ungarndeutscher Mundarten. ALH XXII, 1—2.

1973. Die Terminologie der Flachsverarbeitung in den deutschen Mundarten in Westungarn. Annales Univ. Scient. Sectio Linguistica IV.


  1. Die Einrichtungen der Bauernstube in Großwaschon stammen aus Pula.
  2. Vgl. HUTTERER, C. J., 1963, § 48.
  3. In der Transkription wird aus drucktechnischen Gründen eine einfachere Lautschrift verwendet, vgl. dazu noch MANHERZ, K., 1970; MANHERZ, K., 1973; besonders MANHERZ, K., 1972, 196.
  4. Vgl. ENDREI, W., 1969, 67—69.
  5. Vgl. ENDREI, W., 1969, 12 -73.
  6. Vgl. ENDREI, W., 1969, 82.
  7. Die Formen webštul ,Webstuhľ und puxholts ,Buchholz' weisen auf den Einfluß der Berufssprache und somit auf den Einfluß der ostdonaubairischen Verkehrssprache hin, vgl. dazu HUTTERER, C. J., 1963, § 8. Mein Gewährsmann war bestrebt, in der Beschreibung der Arbeitsweise „besser" zu sprechen, d. h. nach der deutschen Hochsprache. Das erklärt das Nebeneinander zweier Formen. Da ins Museum oft Ausländer zu Besuch kommen, erklärt er die Arbeit des Webers hochdeutsch, z. B.: das kantse angelegt, tas wa ein sogenante freilixt-mtizeum. ein altes bauerntsimar, ti ahn möbl ta hir bit. . . ,Das ganze angelegt, das war ein(e) sogenannte(s) Freilichtmuseum. Ein altes Bauernzimmer, die alten Möbel da hier bitte . . .'
  8. Vgl. ERICH, A. O—BEITL, R., 1936, 810.
  9. Vgl. ung. szerszám(=sersam) ,Zeug', worunter sowohl die Schäfte als auch die Weblade in der ungarischen Terminologie verstanden werden. Vgl. noch ENDREI, W., 1969, 70.
  10. Der Name Rosmarinholz entstand durch eine volkstümliche Namengebung: der Weber trieb oft Spaß mit den jungen Mädchen, die ihn besuchten. Er hat sie aufgerufen den Schnapper zu riechen, er rieche nämlich nach Rosmarin. Als sie ihre Nase dann in die Nähe des Schnappers schoben, dann zog er an der Schnur und schlug auf die Nase des Betreffenden.
  11. Vgl. ENDREI, W., 1969, 71.; und ENDREI, W., 1954.
  12. Das Garn wird nach Grobheit verschieden numeriert. Vgl. HELL, GY., o. J.

 

 

   
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