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Katharina Wild

Der Hutzelsonntag in Südungarn (I) Hutzelsingen, Hutzellieder

 

1. DAS WESEN DER HUTZELSONNTAG-BRÄUCHE

Der erste Fastensonntag - Sonntag Invocabit - wird in beinahe 50 Ortschaften des südöstlichen Transdanubien, vorherrschend in den sog. Stiffollcr (Stift Fuldaer) Dörfern1 , Hutzelsonntag (Hutzelsonndok) genannt. Dem Sonntag und seinem Brauchtum gaben höchstwahrscheinlich die Hutzeln (Dörrobst) den Namen, die an diesem Tag in jedem Haus gekocht und in der Regel mit Faschingskrapfen (Foschingskreppel) als Nachtisch oder am Nachmittag dieses Tages verzehrt wurden. Die Hutzeln, das sind gedörrte Kirschen, Weichsein, Zwetschgen sowie Apfel-, Birnen- und Quittenschnitten, stellten eine beliebte Winterspeise der Deutschen in Südungarn dar. Sie wurden entweder in Wasser gekocht, oder als eingebrannte Hutzeln bzw. Hutzelsoße zubereitet und mit Hefegebäck oder Knödeln gegessen. Man hat die Hutzeln besonders in fleischlosen Zeiten, in der Fastenzeit, oft aufgetischt. Mit dem Hutzelsonntag, dem ersten Fastensonntag, nahm eigentlich das große Hutzel-Essen seinen Anfang (Wild 1991, 462).

Auf deutschem Sprachgebiet ist der Name dieses Tages sehr unterschiedlich. Er wird in süd- und westdeutschen Gegenden meistens Funkensonntag genannt, weil das Fastnachtsfeuer erst an diesem Sonntag angebrannt wurde. Den Funkensonntag kennt man u.a. in Voralberg, in der Schweiz, im Bodenseegebiet, im Schwarzwald und im Odenwald (SPAMER 1940,40; MAHR 1936,34).

Man findet aber für diesen Sonntag auch andeie Bezeichnungen wie Kässonntag, Holepfannsonntag im Etschtal (BEITL 1933, 223) Kräppel- oder Gelleschneersonntag (= Pfannkuchen mit Semmelschnitten) im fränkischen Niederhessen (HEßLER 1904, 95), Burg-, Hütten-, Schoof- oder Fackelsonntag in der Eifel (RIEDER 1937, 3D, Scheibensonntag in alemannisch-schwäbischen Gegenden (SCHMIDT 1929, 196).

Die Bezeichnung Hutzelsonntag und seine Bräuche - wie sie bei den Deutschen in Südungarn bekannt waren und zum Teil heute noch sind - findet man nur im Fuldaer Land. Nach MAHR (1939, 34) beschränkt sich das Brauchtumsgebiet des Hutzelsonntags auf den katholischen Teil der ehemaligen Fürstabtei Fulda. „Es umfaßt die preußischen Kreise Fulda, Hünfeld und einige Orte des Kreises Schlüchtern, dazu einen Teil des thüringischen Kreises Eisenach und der bayrischen Bezirksämter Neustadt a.d. Saale und Brückenau." Vereinzelt findet man aber hier auch andere Bezeichnungen wie Kräppel- oder Blässontag. KOLBE (1888, 35) gibt als Verbreitungsgebiet des Hutzelsonntagsbrauchtums die Dörfer zwischen Vogelsberg und der vorderen Rhön an. Diese Gebiete decken sich im großen und ganzen mit der Ursprungslandschaft der Stiffoller in Südungarn.2

Der Hutzelsonntag kann als Verlängerung des Faschings betrachtet werden, seine Bräuche bilden einen organischen Bestandteil des Faschingsbrauchtums. Darauf weisen auch die bei den StiffoUern in Südungarn bekannten anderen Bezeichnungen dieses Tages - Faschingsschwanz (Foschingsschwanz) und Nachfasching (Nochfosching) -, sowie das Begehen dieses Festes (Tanz, Speiseordnung) hin. Die Bräuche des Hutzelsonntags gehen - genauso wie die der Faschingszeit - auf das uralte Fest der Wintervertreibung und des Frühlingserwartens zurück. Im Mittelpunkt dieses Brauchtums stehen auch Abwehr- und Fruchtbarkeitsriten, die in unserem Arbeitsgebiet in Südungarn vor allem im sog. Hutzelfeuer, aber auch in den Heischeliedern, Hutzellieder genannt, zum Ausdruck kommen (WILD 1991, 462).

Für die Geschichte des Hutzelsonntags auf deutschem Gebiet liegen nur aus der jüngsten Zeit Belege vor, obwohl sein Brauchtum solche Elemente enthält, die zweifellos in den vorchristlichen Zeiten wurzeln. Die ersten Zeugnisse, und zwar Feuerräderverbote, stammen aus den Jahren 1768-76 bzw. 1786, d.h. also, daß von den Hutzelsonntagsbräuchen am frühesten der Brauch der Feuerräder belegt wurde. In der Literatur wird der Hutzelsonntag erst im 19- Jahrhundert erwähnt, die erste bedeutende Darstellung stammt von JÄGER aus dem Jahre 1803 (MAHR 1938, 19; 1939, 11-12, 39).

OTTO MAHR, Erforscher und guter Kenner des Hutzelsonntags, wies in Anlehnung an den Forschungen von HACK (1934) darauf hin, daß der Hutzelsonntag von den im 18. Jahrhundert nach Ungarn ausgewanderten StiffoUern, in geschlossenen Siedlungen lebenden Rhönern, in gleicher Weise begangen wird wie in dem Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Fulda. Demzufolge müssen die Bräuche des Hutzelsonntags schon im 18. Jahrhundert zur Zeit der Auswanderung nach Ungarn im Fuldaer Land bekannt gewesen sein. Frühere Zeugnisse seien nach MAHR (1938,19; 1939, 43-45) nicht bekannt.

Der vorliegende Beitrag hat sich zum Ziel gestellt, über das bei den Deutschen in Südungarn bekannte Brauchtum des Hutzelsonntags einen zusammenfassenden Überblick zu geben. Die Bräuche werden von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart, mit Rücksicht auf ihre Veränderungen und ihr Schwinden, dargestellt. Angaben dazu wurden aus 43 Dörfern herangezogen. Die Zusammenstellung beruht zum größten Teil auf dem von der Verfasserin gesammelten Material aus den Jahren 1976-95. An der Sammelarbeit beteiligten sich auch Lehrerkollegen und Studenten. Außerdem werden im Beitrag auch die Angaben der Veröffentlichungen über den Hutzelsonntag in Südungarn verwendet.

Von dem reichen Brauchtum dieses Festes sollen hier nur zwei Momente behandelt werden: das Hutzelsingen sowie die Hutzellieder. Der zweite Teil der Arbeit wird im nächsten Band der Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen erscheinen und die folgenden Bräuche beschreiben: Hutzelfeuer, Fackelschwingen, Feuerräder und Scheibenschlagen.

Die Angaben stammen aus den folgenden Ortschaften:

Ahlaß/Olasz

Altglashütte/Óbánya

Baar/Bár

Bawaz/Babarc

Beiland/Hercegszentmarton

Boden/Fazekasboda

Bohl/Bóly

Boschok/Palotabozsok

Deutschmarok/Márok

Dusch/Dúzs

Duwocke (heute mit Ketschinge in Görcsönydoboka vereinigt)

Feked

Geresch (heute mit Lack in Geresdlak vereinigt)

Großnaarad/Nagynyárád

Großbudmer/Nagybudmér

Haschad/Hásságy

Illutsch/Ilocska

Ketschinge/Ráczgörcsöny (später: Cselegörcsöny)

Kemend/Máriakéménd

Kschnaarad/Kisnyárád

Lack/Lak

Lappantsch/Lapáncsa

Lantschuk/Lánycsók

Lippowar/Lippó

Litower/Liptód

Maisch/Majs

Mutsching/Mucsi

Nadasch/Mecseknádasd

Nimmesch/Himesháza

Numjo/Nyomja (heute mit Surgetin in Szederkény vereinigt)

Palkan/Palkonya

Sawed/Závod

Sawer/Székelyszabar

Sewing/Szebény

Siar/Szűr

Surgetin/Szederkény

Tiedisch/Töttös

Warasch/Apátvarasd

Wemend/Véménd

Werschend/Versend

Willan/Villány

Wiragisch/Virágos

Zicko/Cikó

Wie dieser Liste zu entnehmen ist, war der Hutzelsonntag auch in manchen Nicht-Stiffoller-Dörfern bekannt wie in Nadasch, Dusch sowie in einigen nicht fuldischen Siedlungen an der kroatischen Grenze. TAFFERNER (1973, 336) veröffentlicht sogar aus der Nordschomodei einen Hutzelspruch. Der Grund für das weite Verbreitungsgebiet des Brauchtums ist wohl darin zu suchen, daß die Bräuche des Festes -Heischegänge, Feueranbrennen — unter den Jugendlichen sehr beliebt waren und ihnen gute Unterhaltungsmöglichkeiten boten.

2. DAS HUTZELSINGEN

Ein Heischegang, das sog. Hutzelsingen (Hutzelsenge), war in der überwiegenden Mehrzahl der untersuchten Dörfer bekannt und fand meistens am Abend nach dem Abbrennen des Feuers, manchenorts vor diesem statt. Am Heischegang waren hauptsächlich größere Schuljungen oder jüngere Burschen (14 bis 16 Jahre alt) beteiligt, die zugleich auch als Veranstalter dieses Festes galten. Kleinere Gruppen von Jungen, 4 bis 5 an der Zahl, teilten sich im Dorf auf und zogen von Haus zu Haus. Die Heischenden hatten meistens eine Stange, einen Stock oder einen Pfahl bei sich. Unter dem Straßenfenster oder im Hof eines jeden Hauses sangen sie das Hutzellied „Komm Sil-jus, komm Erwus" oder „Hutzelkrelje" (s. nachfolgend). Die Jungen wurden für das Singen mit Hutzeln, Äpfeln, Nüssen, Kräppeln, Eiern, Würsten, Speck, selten auch mit ein wenig Geld beschenkt. Die Gaben sammelten sie in einem von zwei heischenden Jungen getragenen Korb. Manchenorts wurden die Hutzelsinger einfach nur bewirtet, den Kindern bot man Kräppel und Hutzeln, den Burschen auch Wein an.

Nur in wenigen Ortschaften wie Bohl, Feked, Surgetin (RAVASZ 1993, 8) gingen außer den Jungen auch die kleineren Schulkinder, ebenfalls Jungen, „hutzelsingen". Sie versammelten sich schon in der Frühe des Hutzelsonntags, zogen in kleineren Gruppen von Haus zu Haus und trugen das Lied „Hutzelkretje" vor. In Lantschuk trafen sich die Schuljungen am Abend nach dem Fackelschwingen vor der Kirche. Während des Abendläutens beteten sie gemeinsam, anschließend begannen sie, mit einem Stock in der Hand, den Heischeumzug. Beim singen des Liedes „Komm Riljus, komm Raljus" schlugen sie mit ihrem Stock im Takt auf den Erdboden (LADUVER-SIPOS 1981, 24).

In Kschnaarad dauerte das Fackelbrennen gewöhnlich bis zum Abendläuten. Danach liefen die Jungen vom Berg ins Dorf hinunter, beteten in der Kirche den „Engel des Herrn" und zogen durch das Dorf. In jedem Haus stießen sie vor Beginn des Sin-gens mit ihrem Stock an die Haustür (HORAK 1984, 206).

In Baar banden die Hutzeljungen vor dem Heischegang Stroh um ihre Stange und zündeten dieses an, denn die Stange mußte beim Hutzelsingen schwarz, angekohlt sein. Wo niemand zu Hause war, zeichneten sie mit der angekohlten Stange drei Kreuze an den Hausgiebel, ein Zeichen dafür, daß die Hutzelsinger da waren3.

In Sawer hielten die Jungen ihre Stöcke in das am Berghang angezündete Feuer und ließen sie schwarz werden. Beim Hutzelsingen bekamen sie nämlich nur dann Gaben, wenn ihre Stöcke aschig und schwarz waren, denn daran erkannte man, ob sie am Feueranbrennen teilgenommen hatten oder nicht4.

In Duwocke brannten die Jungen während des Abendläutens auf dem steilen Rasenberg ihre mit Stroh umwundenen Stangen an und zogen, den „Engel des Herrn" laut betend, dem Dorfende zu. Mit ihren brennenden Fackeln gingen sie in den Hof des ersten Hauses hinein und stimmten das Lied „Treten wir in diesen Hof an5.

In der Willaner Gegend stellten sich die Hutzelsinger im Hof der einzelnen Familien im Kreis auf, die zwei Korbträger wurden in die Mitte genommen, die anderen faßten sich an den Händen, drehten sich im Kreis und sangen dabei das Hutzelied „Annakrelje, Hutzelkrelje" (SCHMIDT 1993, 4).

In Nadasch haben die Burschen durch die Achse eines mit Stroh umwundenen alten Wagenrades, Hutzelrood genannt, eine Stange gesteckt, zwei Burschen rollten es beim Hutzelsingen, an der Stange angefaßt, von Haus zu Haus. Es kam auch vor, daß das Rad von einem Burschen mit der Hand getrieben wurde6

In Mutsching gingen die Mädchen „hutzelsingen" und Gaben sammeln (STRIGENS I960, 18). Es ist somit das einzige Dorf, in dem der Heischegang von Mädchen durchgeführt wurde.

Für die erhaltenen Gaben bedankten sich die Hutzelsinger in der Regel mit dem Wiederholen der letzten Zeilen des Hutzelspruches, so in Eaar:

Habt ihr uns die Gaben 'geben,

sollt ihr auch in Freude leben,

ihr und eure Kinder.

In Duwocke sangen sie beim Hinausgehen aus dem Hof (SZIEBERT 1994, 4):

 

Komm Siljus, komm Lehrjus

mit Hutzelbrih geschmälzt.

Jetzt soll eier Paam viel Birnen tragen,

viel mehr noch wie Vornjahr (vor 'm Jahr).

Wenn sie für das Hutzelsingen nichts bekommen haben, was sehr selten der Fall war, oder mit den Gaben nicht zufrieden waren, schrien sie beim Hinausgehen laut und wiederholt einen Spottvers. Konnte man die Hutzeljungen (Hutzeljounge) erwischen, so wurden sie dafür mit einem Topf Wasser überschüttet. In Fcked lautete der Spottvers (KUSZTER 1939, 27):

Terehouf, terehouf.

Wann tr uns kha Hutzel kept,

soul aier Kickel vreck!

In den meisten Dörfern, so in Baar, Duwocke, Großnaarad, Nimesch und Sawer, schimpften sie mit dem folgenden Vers über die ganze Familie oder nur über ein Familienmitglied:

Tirrhof, Tirrhof!

Der Hausfrau ihn Oa... (Hintern) brennt.

Die Bedeutung des Wortes Tirrhof 'Dörrhof (= schlechte Ernte) ist in den meisten Ortschaften nicht bekannt. Es wird entweder als Tiar auf' 'Türauf bzw. Tiar, Hof'Tür, Hof gedeutet oder als sinnlos betrachtet. Dieser Spruch wird in Deutschland in der Umgebung von Meiningen auch in der Gegenwart noch gesagt mit dem Unterschied, daß die dortigen Kinder ihre Zufriedenheit mit den Gaben durch ein langgedehntes „Fetthof', ihre Unzufriedenheit wiederum durch ein ebenfalls langgedehntes „Dürrhof' zum Ausdruck bringen (DÖRSMANN 1989, 24).

Wenn die Hutzelsinger in Lantschuk kein Geschenk erhielten, schlugen sie mit ihrem Stock an die Tür. In Nadasch ließen sie in solchen Fällen etwas von ihren gesammelten Gaben im Haus als Beschämung der Familie wegen ihrer Geizigkeit und schimpften dabei recht laut über sie.

Am Ende des Heischeganges teilten die Jungen die Gaben brüderlich untereinander auf. In Nadasch wurden aus den gesammelten Lebensmitteln in einem Keller Speisen zubereitet, gemeinsam verzehrt, und anschließend spielte eine Musikkapelle zum Tanz auf. In Mutsching wurden im Haus eines Mädchens aus dem Gesammelten folgende Speisen zubereitet und aufgetischt: Hirsebrei mit Hutzeln, gekochte Eier, Würste und Kräppel. Zum Schmaus luden die Mädchen auch die Burschen ein, und es wurde auch hier noch einmal lustig getanzt (STRIGENS I960, 18).

3. HUTZELLIEDER

Bei den Deutschen in Südungarn sind bzw. waren die folgenden zwei Hutzellieder bekannt: „Hutzelkrelje" und „Komm Siljus". Daserste wurde in der Regel von den kleinen Kindern, das zweite von den größeren Schulkindern, Burschen und auch Er-

wachsenen gesungen. In der überwiegenden Mehrzahl der Dörfer waren beide Lieder zu finden.

 

3.1. Siljus-Lied

Komm Siljus, komm Erwus

(Elisabeth Albrecht) Bawaz

 

Im Fuldaer Land waren beide genannten Lieder, vor allem das Silies-Lied (bei uns Siljus-Lied genannt) weit verbreitet und wurden von allen Generationen mit Vorliebe gesungen. Es wurde aufgezeichnet, daß sich die eingeborenen Fuldaer in allen Erdteilen daran freudig erkannten, wenn sie dieses Lied anstimmten (MAHR 1939, 40).

Zum Vergleich soll hier eine Variante des genannten Hutzelliedes aus dem Fuldaer Land angeführt werden (HACK 1927, 37):

Zom Selges gale Aerbes

mit Huitzelbröh geschmälzt.

On bann ihr ons kei Huitzel gatt,

soll euch der Baum kei Bien me troa.

Drobe in dem Fiescht,

do hänke de lange Wiescht,

gatt ons nur de lange

on losst de koeze hange.

Henge in der Riesigseck

do steht en Kuerb voll Kreppel,

on gatt ihr ons kei Kreppel,

do mache mer euch e Gedeppel.

Drobe in dem Schornstei,

do henke de lange Säubei.

Gatt ons nur de lange

on losst de koeze hange.

Drobe off der Dais,

do steht en Kuerb voll Eier.

On gatt ihr ons kei Eier,

do mache mer euch eh Gebaier!

In unseren Stiffoller-Dörfern heischte man mit dem Siljus-Lied Hutzeln, Fleisch (Würste, Speck, Schweinehaxen), Eier und Geld. Für die vierfache Spende enthält das Hutzellied je zwei Zeilen.

Für Hutzeln:

 

Krom Siljus, krom Saljus

mit Hutzelbrih geschmalzt.

Pann der uns kai Hutzel kat,

to soll ain Baam ka Bian meh tra'.

 

Für Fleisch:

 

Trowe in der Fiascht,

do hänkt en Kuerp voll Wiascht.

Kat er uns die lange,

die kueze loßt er hange.

 

Für Eier:

 

Trowe in der Schaier,

do steht en Kuerb voll Eier.

Kat er uns die fresche,

die aide loßt er wesche.

 

Für Geld:

 

Drauß um Falt,

do steht en Kuerp voll Galt.

Kat er uns es Nai,

es Alt loßt er lai.

Beim Spenden machte man einen Unterschied zwischen wohlhabenden und armen Leuten, und dieses enthält in den meisten Dörfern auch das Ende des Liedes:

Liewes Fraaje, said'r reich,

kat's gleich!

Seid'r oarm,

soll eich Gott erboarm'.

(Eva Heil)

Nimesch

Der Ton des Siljus-Liedes - alle seine Varianten inbegriffen - ist eher drohend als bittend, in ihm kommen sowohl Verwünschungen als auch Drohungen vor, falls nichts gespendet werden sollte, so:

Pann der uns kha Hutzel kat,

do soll ain Baam ka Bian meh tra.

Diese Zeilen sind übrigens in allen Varianten dieses Liedes zu finden:

Oder:

Bann dr uns kha Wiascht net kat,

noch steche mer eich a Loch ins Haus. (KUSZTER 1939, 27)

In einigen Ortschaften - so in der Willaner Gegend - endet das Lied mit Segensund Fruchtbarkeitswünschen, wie:

Schulrad, Schulrad,

euer Frucht soll all gerat'! (SCHMIDT 1993, 4).

Auffallend ist der unterschiedliche Anfang des Hutzelliedes. Die erste Zeile ist zersungen und hat in unserem Untersuchungsgebiet folgende nicht gedeutete Varianten: Komm Silijus, komm Lerijus (Altglashütten), Komm Siljes, komm Lerjes (Bohl), Komm Silius, komm Lerus (Wemend), Komsilius, komsalius (Feked), Komm Seliges, komm Leriges (Tiedisch), Krom Siljus, krom Saljus (Boschok, Nimesch), Komm Ziljus, komm Zeljus (Palkan), Komm Silies, komm Selies (Sawer), Komm Siljus, komm Serwus (Ohlos), Komm Siljus, komm Erwus (Bawaz), Kumm Zilius, kumm Zalius (Ketschinge), Komm Rilius, komm Ralius (Kschnaarad), Komm Riljus, komm Raljus (Lantschuk), Eljus, Khureljus (Kernend), Siljes, Khureljes (Mutsching).

Dasselbe findet man auch in den Silies-Liedern des Fuldaer Landes, dort weist die erste Zeile die folgenden Varianten auf- Silier kal Ärwes; Silies kal Ärtves; Zum Silies kallErives; Koch Selges, gal Erbes (MAHR 1939, 20-22) und wird folgenderweise erklärt bzw. gedeutet: Bei Heßler (1904, 341) ist hinter dem Wort Sillges in Klammern die Anmerkung „verschieden gedeutet", nach gal Erbes „gelbe Erbsen" zu finden. KOLBE (1888, 35) glaubt diese Zeile folgenderweise deuten zu können: „koch Sülze, gelbe Erbsen", denn in vielen Gebieten Deutschlands war es üblich, an diesem Tag Schweinehaxen zu kochen. HÖHL (1892, 148) meint, daß Ziljes sowie Silljes identisch sei mit Sieblos, einem Dörfchen bei Abstroda, das hier spottweise zitiert werde.

Das Siljus-Lied weist in manchen Dörfern Verkürzungen auf. Die kürzeste Variante des Liedes, zugleich mit einem anderen Beginn, wurde in Waraschd belegt:

Tschiderom, tschom tschederom

mit Hutzelbrih geschmälzt.

Wann dr uns ka Hutzel gebt,

noch soll der Baam ka Bian mehr trach'.

(Katharina Keller)

Das Hutzellied in Baar und Duwocke weicht in seinem Aufbau von den in Südungarn üblichen Siljus-Liedem ab, indem an seinem Anfang Zeilen aus anderen Sprüchen stehen. Im Lied von Duwocke ist außerdem auch ein Refrain zu finden.

In Baar:

Treten wir in den Hof hinein, Hof hinein.

Porinzilein, porinzilein,

wie sauber ist das Mädilein, Mädilein.

Wenn dr uns was geben wollt,

so gebt uns gleich,

seid ihr auch so kude Lait.

Kumm Holroot, kumm Holroot,

kumm hoher, hoher Berich.

Kumm Zilius, kumm Lerijus,

kumm Hutzelbrih un schmälz.

Wenn dr uns ka Hutzel gebt,

soll ain Baam ka Bian meh trache

Drowe uff dr Schaier

steht ein Kuerp voll Aier

Gebt'r uns die frische,

loßt die aide lieche.

Drauß um Feit

steht ein Kuerp voll Gelt.

Gebt'r uns die Silwerzehner,

laßt die aide Kraizer lieche.

Drowe in der Fiaschte

hängt e' Stange voll Wiaschte.

Gebt'r uns die lange,

loßt die kueze hange.

Gebt'r uns des Dunkel von den grünen Walt,

Dunkel von den Walt.

Habt ihr uns die Gaben 'geben,

sollt ihr auch in Frieden leben,

ihr und aire Kinder.

(Maria Reisz)

In Duwocke:

Treten wir in diesen Hof- Silberstrauß.

Klein Ringelein, wie sauber ist das Madelein - Silberstrauß.

. Schlaft der Herr oder wacht der Herr? - Silberstrauß.

Komm Siljus, komm Lerjus mit Hutzelbrih geschmälzt.

 

Drowe in dr Schaier - Silberstrauß,

steht 'n Kuerp voll Eier - Silberstrauß.

Gebt uns nur die frische,

die alte laßt nur wische - Silberstrauß.

I: Komm Siljus,...

 

Drowe in Fiascht - Silberstrauß,

hängt 'n Kuerp voll Wiascht - Silberstrauß.

Gebt uns nur die lange,

die kurze laßt nur hange - Silberstrauß

|: Komm Siljus,...

 

Drauß um Feit - Silberstrauß,

steht 'n Kuerp voll Gelt - Silberstrauß.

Gebt uns nur die Silwertaler,

die Kraizer laßt nur liege - Silberstrauß.

I: Komm Siljus,...

 

Und wann dr uns ka Hutzel gebt - Silberstrauß,

so soll ein Baam ka Bian net trach' - Silberstrauß.

I: Komm Siljus, .

 

Seid'r reich, so gebt uns gleich!

Seid'r oarm, soll Gott erboarm!

Wann'r uns wollt geben,

so schenkt euch Gott das Leben,

euch und euren Kidern.

(Andreas Bauer)

Auch andere Erweiterungen des Siljus-Liedes wurden belegt. In Bohl und Mut-sching ist es mit Zeilen aus bekannten Kinderliedern verbunden, diese stehen am Ende des Liedes

In Bohl:

Hockt e Vegelje auf en Dach,

hot sich ball zu tot gelacht.

Mächt gean esse,

hot ka Messer.

Fällt es Messer owe rop,

un fällt uff sain Keppje,

noch blut's drei Treperje.

In Mutsching:

Towe off m Telje steht die schwarze Kuh.

Die Madl musse melke, die Buwe schaue zu.

In Sawer wurden dem Ende des Hutzelliedes vier Zeilen aus dem bekanntesten Neujahrspruch in Südungarn hinzugefügt:

Stall voll Hinaer,

Bude voll Khenner,

Baitl voll Gelt

regiert die ganze Welt.

In der Willaner Gegend beginnt das Siljus-Lied mit den ersten vier Zeilen des Liedes „Hutzelkrelje".

Die Verbindungen der Hutzellieder mit anderen Sprüchen oder mit deren Teilen sind auch im Fuldaer Land zu finden. Dies ist dort meistens für die Lieder „Hutzelstiele" und „Die Hutzel sen gesotte" (bei uns nicht bekannt) charakteristisch, weniger für das Silies-Lied. Verbunden wurden sie in der Regel mit dem Heischespruch „Ich bin ein kleiner König" (MAHR 1939, 23-29). In unseren Stiffoller-Dörfern 'tritt dieser Reim als Liederweiterung nicht auf.

In Altglashütten ist außer dem Siljus-Iied auch ein anderer Hutzelspruch bekannt. Beim Heischegang sangen die Burschen zuerst das Lied „Komm Silius", anschließend trug ein Bursche noch den folgenden Spruch vor:

Der römische Kaiser werd ich genannt,

das Schwert führ ich in meiner Hand.

Mit dem Feind will ich ringen,

den Tod will ich schwingen

Oh Herr, ich hab was vergessen,

eine Schüssel voll Essen,

ein Trinkglas voll Wein,

dann kann Herr und Frau dabei lustig sein

Hoch sollen sie leben,

der Hausherr und die Hausfrau!

Vivat!

(Johann Kovács)

Die gekürzte Variante dieses Spruches ist noch im Hutzellied von Nadasch zu finden, anderswo nicht.

3.2. Hutzelkrelje

Komm Siljus, komm Erwus

(Elisabeth Albrecht) Bawaz

Dieses Lied ist ebenfalls in fast allen Belegorten bekannt und wurde früher - wie darauf verwiesen — in der Regel von kleinen Kindern gesungen. Die erste Zeile des Liedes hat in unserem Untersuchungsgebiet ebenfalls mehrere Varianten, aber bei weitem nicht so viele wie das Siljus-Iied. Die folgenden Liedanfänge wurden gefunden: Annakrelje, Hutzelkrelje; Margretje, Hutzelkretje; Hutzelkrelje, Hutzelkrelje; Hut-zelmännje, Hutzelmännje; Hutzelmännje, quack, quack, quack.

Das Verbreitungsgebiet dieses Liedes in Deutschland ist der obere Ulstergrund, Simmershausen, vereinzelt ist es im Kreis Hünfeld und um Fulda zu finden. Die Anfangszeile lautet dort „Hutzelstiele" bzw. „Hutzelstielje" (MAHR 1939, 27-29, HÖHL 1892, 149)

Die oben besprochenen zwei Lieder wurden nicht nur während des Heischeganges gesungen, sondern öfter auch im Laufe des Hutzelsonntags. Um das abendliche Hutzelfeuer standen oder tanzten die Jugendlichen im Kreis und wiederholten das Hutzellied so lange, bis das Feuer abgebrannt war. Dasselbe machte man auch während des Fackelschwingens. Am Nachmittag und am Abend ertönte das Hutzellied oft auch in den Kellergesellschaften der Erwachsenen. In manchen Ortschaften — so in Bawaz und Siar — versammelten sich am Nachmittag die kleinen Schulmädchen bei einer Kameradin, aßen gekochte Hutzel sowie Kräppel und sangen dabei das Lied „Hutzelkretje".

Dieses Lied sangen die Erwachsenen auch an Winterabenden beim Hutzelessen den kleinen Kindern.

In einigen Dörfern - wie Bawaz und Sawer - begrüßten sich die Erwachsenen am Hutzelsonntag:

Komm Siljus, komm Erwus

mit Hutzelbrih geschmälzt.

 

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Baranya megye földrajzi nevei II (Geographische Namen in der Branau, Band II). Pécs 1982.

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Sitte und Brauch im Februar. In: Neue Zeitung 1993 Nr. 7. Budapest, 8.

RIEDER, HANNES:

Rhöner Hutzel-Sonntag und Eifeler Burg-Sonntag. In: „Buchenblätter". Beilage zur „Fuldaer Zeitung" für Heimatfreunde. Jg. 18. Fulda 1937, 31.

SCHMIDT, HEINRICH:

Über einige Volksbräuche der nördlichen Baranya. In: Deutsch-ungarische Heimatblätter, Jg. 1 (1929), 195-199.

SCHMIDT, KARL:

Der „Hutzelsonntag" in der Villányer Gegend vor 35 Jahren. In. Neue Zeitung 1993, Nr. 9. Budapest, 4.

SPAMER, ADOLF:

Sitte und Brauch. In: PEßLER, WILHELM (Hrsg.): Handbuch der deutschen Volkskunde, Band II. Potsdam 1940.

STRIGENS, ALOIS:

Volkskundliche Beobachtungen in der Gemeinde Mucsi. Pécs I960 (Diplomarbeit)

SZIEBERT, FRANZ:

Hutzelsonntag in Duwocke. In: Neue Zeitung 1994, Nr. 8. Budapest, 4.

TAFFERNER, ANTON:

Heimatbuch der Nordschomodei. München 1973.

WEBER, CLARA:

Die Heischelieder zu Fastnacht im Rheinlande. Köln 1933.

WILD, KATHARINA - METZLER, REGINE: Hoppe, hoppe Reiter. Budapest 1982.

WILD, KATALIN:

„Das Hutzelfeuer" im Frühlingsbrauchtum der Deutschen in Südungarn. In: Nemzetiség-Identitás (Nationalität-Identität). Békéscsaba - Debrecen 1991, 462-464.

 


  1. Darunter verstehen wir die etwa 40 Dörfer zwischen Fünfkirchen/Pécs und Mo-hatsch/Mohács (Komitat Branau), deren deutsche Kolonisten im 18. Jahrhundert in liberwiegwender Zahl aus der Fuldaer Gegend eingewandert sind.
  2. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen sowie Eintragungen in Kirchenbüchern (nur in Großnaarad, Niemesch und Mutsching) bestätigen, daß die Ursprungslandschaft der meisten StiffoUer östlich bzw. südöstlich von Fulda zu suchen ist.
  3. Mündliche Mitteilungen von Maria Reisz
  4. Mündliche Mitteilungen von Josef Weber
  5. Mündliche Mitteilungen von Andreas Bauer
  6. Mündliche Mitteilungen von Theresia Gradwohl
  7. First = Holzgestell für Würste und Speck
  8. Ern = Diele

 

  
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