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Zoltán Tefner

Kolonisationsgeschichte der hessischen

Sekundärgemeinde

Kötsching/Kötcse

 

DIE LAGE KOTSCHINGS UND UMGEBUNG ZUR ZEIT SEINER BESIEDLUNG (1700-1730)

Als Besiedlungsdatum Kotschings wird in einem wichtigen Dokument des ortlichen, evangelischen Kirchenarchivs der 11. April 1730 festgelegt Diese namhafte Schrift entstand am 17 Mai 1814 und wurde vom evangelischen Pnester János Laky anläßlich des Besuchs des Superintendanten János Kis und des Superintendant-Archivarius István Hrabovszky verfaßt, denn es war damals bei allen Konfessionen in Ungarn üblich, eine solche „canonica visitatio" anzufertigen, ihr ist es zu verdanken, daß uns sowohl kirchen- als auch siedlungsgeschichtliche Angaben zur Verfugung stehen.

Der erste Abschnitt in Lakys Schrift berichtet von den Ereignissen der Dorfbesiedlung und der Gründung der Kirchengemeinde. 1. Es nahm am 11. Tag im April des Jahres 1730 seinen Anfang, Als die Lutheraner aus dem Imperium Kotschmg-Pußta2 besetzten, genehmigt laut eines Patents Kaiser Karl VI."3 Der Bericht listet 47 deutsche Familiennamen nach ihrer konfessionellen Zugehörigkeit auf, also evangelische und reformierte Deutsche Vor dieser Aufzahlung finden sich noch zwei kürzere Listen, die die Familiennamen und Vornamen der katholischen („Papisten") und der reformierten („Kalvinisten") Ungarn enthalten. Doch muß betpnt werden, daß die Liste keine „originale" ist, denn sie wurde erst 84 Jahre nach dem obigen Besiedlungsdatum erstellt, demzufolge kommt der so erhobene demographische Zustand des Dorfes wohl nicht richtig zum Ausdaick, denn viele Namen, vor allem aber die Vornamen, stimmen oft nicht mit jenen uberein, die spatere Dokumente uberliefern. Wir nehmen an, daß Laky die Angaben auf Weisung von Kis und Hrabovszky vor ihrem Besuch eilig vorbereitete, und nur die ältesten Mitglieder der Kirchengemeinde zu Person und Identität der ersten Ursiedler befragte Diese Liste sei trotz aller kritischen Einwände hier vorgelegt:4

  1. Pápisták, úgy mint: Beretz Pál Bertsik István 1gah Mihály Molnár Ferentz Gulás Pál
  2. Kálvinisták, név szerint Bor Ferentz, Domos Mihály, Fonyó János, Fonyó Ist ván, Juhász István, Járfás Péter, Kántások János, Ferentz, György, Kováts István felső, Kováts István alsó 12 Pap István
  3. Lutheránusok Németek Auman Gáspár, Auman János, Becker Bódi, Bemer András Bruder János György, Bruder József, Fleick János, Gáspárt Friedrich, Gebei Heinrich Gerber[Kerber?] János Henrik, Gutman öreg, Haas Hierommus, Haas János Herrhng Henrik Homer Friedrich, Juhe Henrich, Kerber János, Knoch Jakab, Kruts János, Kurtz Miklós, Landeck István, Losch Jakab, Lux János György, Lux György Henrik, Miller György, Pummer Jakab, Reichert Hermann, Reichert Adam, Roos Jakab Roth Adam, Roth Jakab, Schupp Fndrich, Stark Konrád, Tekman József, Tefner Konrád, Fidrik János, Fidrik Konrád, Fidrik Mukti, Till György, Trimm el Máttyás Ubnk Pál Weisz József, Werbach Gottfried Wiand György WiandJakab 47 Wiand János
  4. Kálvinisták Németek Felde Ádám, Felde Henrik, Felde Wilhelm, Ferber János Ferber Kilián Ferber Märton, Wegman János"

Die der Aufzahlung beigefugte Einleitung stellt eindeutig fest, daß es schon bei der Ankunft der Deutschen in , Kotcse-Pußta" eine ungarische Bevölkerung gegeben haben muß Und wenn wir die demogiaphischen Verhaltnisse des damaligen Ungarn in Betracht ziehen, dann wäre die Anzahl der ungarischen Familien (17) gar nicht so niedrig, angenommen natürlich, daß all diese Familien im Jahre 1730 tatsächlich im Gebiet des Dorfes anwesend gewesen waren Die Anzahl der deutschen Familien (47) wäre sogar ausgesprochen hoch, wenn diese Menschenmenge auf einmal, an einem einzigen Tag, nämlich am 11 April 1730, in die Pußta im Hügelland geströmt wäre Um ein getreues Bild über die demographischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhaltnisse dei Zeit zu bekommen, müssen wii diese Umstände grundlicher analysieren

Dem Dombóer Kreis der Funfkirchner Prefektur gehorten um 1687 etwa 150 Gemeinden an Nach 1686, im Jahr der Ruckeroberung der Budaer Festung von den Türken, dauerte es noch drei Jahre, bis das gesamte Gebiet der Schomodei befreit werden konnte Der Bezirk winde bis dahin fast zur Ganze verwüstet, die Bevölkerung floh aus ihren Dorfern oder kam infolge der Metzeleien türkischer Marodeurtruppen ums Leben Es gab auch welche, die in das Gebiet der Ungarischen Tiefebene flohen, wo sie in der Umgebung von Kecskemét eine verhältnismäßig sichere Unterkunft fanden Die verlassenen Ackerfelder konnte niemand bestellen, außer einigen kaiserlichen Soldnern, die in Transdanubien an den Feldzugen gegen die Türken teilnahmen, wodurch der Lebensmittelnachschub für einen eventuellen Feldzug im darauffolgenden Frühling gesichert wurde5

Im Jahre 1687 finden wir folgende, bevolkerungsmaßig stark dezimierte Dorfer in der Umgebung Kotschings Látrány, Rád, Csepely Túr, Szemes, Ószod, Szárszó Szólád, Kőröshegy, Kereki, Bálványos, Kapoly6 wo stets nur einige wenige Hauser (1-6) anzutreffen waren, wodurch die Siedlungen keinen wesentlichen Unterschied zu Kotcse-Pußta aufwiesen, wo zu jener Zeit, laut einer oft zitierten Stiftkonsknption, insgesamt nur drei Hauser standen

Die Lage verbesserte sich allerdings bis 1695 und in einigen Orten verdoppelte sich sogar die Anzahl der Familien In Szárszó zahlte man 13, in Csepel 12, in Szólád 15 und in Teleki 5 Haushalte 7Die Sicherheit der Lebensumstande verbesserte sich ebenfalls und mit ihr stieg die Zahl dei fest ansässigen Bewohner, auf deren Namen bzw Nachkommen man auch heute noch in diesen Gemeinden stoßt, wie z B in Csepel auf die Familien Tóth, Elek, Szabó, in Szólád auf Lőnncz, Bodo Tar, Varga und in Teleki auf die Familien Cseh und Turzó Die Population in diesen Doitern ist zwar eine vollkommen ungarische, doch nur in Karäd finden wir keinen einzigen sudslawischen, türkischen oder deutschen Namen

Nach 1710 setzte in Szólád eine enorme Entwicklung ein 1715 produzierte der Ort an Weizen, Gerste, Dinkel und Hirse doppelt so viel wie Szarszó und fast das Fünffache der Erntemenge von Szemes Die Weinproduktion stand an der zweiten Stelle im Komitat und überholte damit sogar bevolkeaingsstarkere Siedlungen 8

Ab 1715 müssen erneut Siedler in drei Gemeinden der unmittelbaren Umgebung von Kotsching angekommen sein, denn bis zu diesem Zeitpunkt laßt sich eine neue Ahnenieihe jetziger Ortsbewohner zuruckverfolgen Namen etwa wie Mónos, Urogi, Kis, Parragh, Bekes, Borhi, Koczola und Szűcs 9 In einer Csepeler Getreideliste aus dem Jahre 1728 stoßen wir auf 35 Namen, und obwohl sie nicht alle Grundbauern sind - auch die Kleinhausler sind hiei eingetragen worden - können wii hier trotzdem von einer Ortschaft mit einer hohen Bevölkerungszahl sprechen In dieser Liste tauchen noch heute bekannte Namen auf, wie Turos, Fonyó, Tenta, Vidoczky, Molnár Pintér und Pap10)

Die oben angeführten Listen lassen vermuten, daß die überaus schnelle Errichtung von lmmeihin 47 Haushalten unter den knappen materiellen Verhaltnissen schier unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet haben mußte, denn viele der benachbarten ungarischen Gemeinden weisen einen wesentlich langsameren, ca 20-30-jahrigen Aufbauprozeß auf Die nächsten noch eingehender zu behandelnden Datenquellen verstarken diese Annahme

Im Grunde wohnt in den 1720er Jahren in Kotcse-Pußta keine herausragende Per-sonlichket, d h , daß alle Siedlungen des Komitats ihren eigenen Grundherrn bzw ihre Grundherren adeliger Herkunft als Mentoren hatten Die Familie Antal 11 wird dieses Amt in Kotsching spater bekleiden

Zu jenem Zeitpunkt aber wohnen die Gebruder Antal {János und György) noch nicht in Kotsching György wohnte wahrscheinlich in Csepel,12 János teils in Őszöd, teils in Rad, und man nimmt an, daß beide zuweilen jenseits des Balatons, auf ihrem Gut in Dorgicse lebten Politisch gesehen war von den beiden Brüdern György der bedeutendere, denn er bekleidete immerhin das nicht unwichtige Amt eines Vizeno-tars im Komitat Somogy Trotz seiner Herkunft aus dem mittleien Adel gehorte ei innerhalb der Beamtenhierarchie jenen an, die mit den Bannerherren des Landes, also den Esteihazys und Festetics', standig zusammenaibeiteten Dei Adelsstand der Antals hatte noch keine allzu lange Tradition, denn er wurde erst 1645 in Wien beurkundet Das Gesuch von Tamás und János Antal wurde vom damaligen Kaiser Ferdinand III am 21 Juni 1645 bewilligt und konnte an den ungarischen Kanzler György Szelep-csényi übergeben werden Selbst die Tatsache der Donation wurde in das PiotokoU des Komitats Somogy erst wesentlich spater (85 Jahre!1]) eingetragen, und es war wahrscheinlich kein Zufall, daß diese Eintragung gerade am 18 April des genannten Jahres 1730, eine Woche nach der Besiedlung von Kotcse-Pußta, erfolgte 13

Einer Eintragung vom l6 November 1726 zufolge besaß János Antal zu jener Zeit die vier Pußten (praedium) Csicsal, Pócza, Koche und Rad Diese entrichteten, genauso wie ahnliche Siedlungen in dieser Gegend auch, den Komitatsbehorden die offiziell festgelegte Summe von 2 Forint 50 Kreuzer Kotschings unmittelbare Umgebung war voll mit diesen kleineren Pußten, wie zB Neßde (Nezde), die heute nur noch im Namen einer malerischen Waldflache an der nördlichen Dorfgrenze Erwähnung findet, dort, wo einst Nezde-Puszta gestanden hat, finden wir heute Szóládihegy, einen abgelegenen Vorort der Gemeinde Szólád Als Pußta werden zur Zeit auch Foldvár (Balatonfoldvár) und Bonna/Bonnya erwähnt, die spater bedeutende Ortschaften wurden, Balatonfoldvár sogar ein weithin bekannter Kurort An einige der damaligen Pußten erinnern heute nur noch Flurnamen Cserehát, Barátok und Kechke vár (Kecskevár) 14 Letztere war im Besitz der Grafen Harag (Harrach), denen auch noch mehrere Dorfer (possessio) wie Szólád, Szárszó und Szemes gehorten Zur Wespri-mer/Veszprémer Diözese zahlte man Karäd, Andocs, Koppän (Torokkoppány), Csepel, Görgeteg und Apáti 15, außerdem die Pußten Gerezd, Kisbaár, Nagybaár, Fehéregyháza und Szorosad Auch die Abtei Tihany mit ihren Besitzungen Kapoly (Kiskapoly lmmediate), Endréd und Teleki gehorte zur Diözese, wie einige noch kleinere, die dann zu sogenannten „possessionen" zusammengefaßt wurden Pusztakapo-ly, Szántód, Gyonkod, Kisendréd, Nagyzamárd, Kiszamárd und Barkó Zu den Dorfern, deren Mentor Zsigmond Széchenyi war, zahlten Kőröshegy und Läträny, und die Pußten Szemes 16, Szentgyorgy und Gyugy Etwas abseits lagen die Besitzungen der Familie Lengyel Alsó- und Fölső Ugall, Torvaj, Lulla, Bábony, Hatsch/Hács, Csaba Noch weiter entfernt lagen jene der Familie Perneszy samt den Gemeinden Ádánd, Niklassing/Miklósi, Bálványos und eines Teils von Kapoly 17 Die künftige Kotschinger Gaindbesitzerfamilie, Kenessey, besaß außer der Gemeinde Som auch die Pußta Fiad und die Familie Bárány die Puszta Visz Im Süden umgaben den Raum um Kotcse-Puszta noch weitere Liegenschaften, wie zum Beispiel jene der Vázsonyis in Mocsolád und Kis-Mernye, daran schlössen sich bis hin zur Drau die Dorfer dei Eszterházys Jaad (Jád) Csoknya Aszaló, Magyaregres usw 18

Die von den Türken hinterlassene Verwüstung „verstimmte" auch damalige Reisende So wird immer wieder Antal Verancsics zitiert „ wie verlassen sieht hier alles aus, der Boden ist von Unkraut überwuchert, weit und breit kein Bauernhof, kaum Vieh, überall gähnt die große Ode "19Die Darstellung von Verancsics bezieht sich auf die Branau, doch kann man über die beiden anderen Komitate ähnliches erzählen, wenngleich die Schomodei in der etwas gunstigeren Lage war und ein wenig abseits der Knegsrouten lag So blieb dieser Landstrich von den jahilich vorbeiziehenden Knegsparteien einigermaßen verschont Alter Adel sowie das Bauerntum aus der Är-pádenzeit waren hier fast zur Ganze verschwunden und erst seit den Turkenkriegen tauchten wieder neue Grundbesitzer im ostlichen transdanubischen Raum auf

Es wurde also ein recht düsteres Bild dieser Gegenden gemalt, worin sich auch diesbezügliche Monographien nicht wesentlich voneinander unterscheiden, so will Prinz Eugen von Savoyen von Ofen bis Eszék 20 kein einziges Haus gesehen haben21 Im Süden - entlang der Heeresstraße - soll die Lage ganz fürchterlich gewesen sein, nicht ganz so schlimm allerdings im Plattenseeraum Die Zehntenkonsknptionen beweisen, daß in der sonst dicht bewaldeten Landschaft schon zur Zeit des Rákóczi-Freiheitskrieges alle 6-7 Kilometer eine Hauseigruppe zu sehen war, und so konnte man allein um Kotsching-Pußta in einem Umkreis von 15 Kilometei ungefähr sechs bis sieben Siedlungen zahlen Spater, um das Jahr 1726, grenzte bereits ein Großteil der landwirtschaftlichen Gebiete etwa an die Dorfer Karád, Csepel und S2ólád Es stehen uns keine Daten hinsichtlich des Bestandes und der Große der Waldflachen zur Verfugung, aber in Anbetracht der demographischen Verhaltnisse wäre es vorstellbar, daß sich im Sechseck Karad-Csicsal-Tab-Koroshegy-Szólád-Csepel ausgedehnte Walder erstreckten, in denen sich entlang von Bachen und auf Hügeln kleinere Siedlungen befanden Es ist nicht anzunehmen, daß diese kleinen Siedlungen (Pußten) mit ca 1-6 Haushalten - auf dem damaligen Produktionsniveau - mehr als 100-120 Morgen Bodenflache hatten bebauen können Diese Landflachen konnten aber keinen anderen Anblick bieten, als der Anblick einer größeren Waldlichtung Solch eine große Waldlichtung mußte auch Kotcse-Puszta gewesen sein, irgendwo entlang des Muhlbachs, von dem heutigen Sósdomb bis zum Lúdfészek22 Aber wo genau, bleibt eine offene Fiage

Die Ansiedlungen erfolgten sowohl aus politischen, wie personlichen Erwägungen, mehrheitlich jedoch aus wirtschaftlichen Motiven Ein Schwerpunkt der Habsbur-gerpolitik wäre deren sogenanntes „Verdeutschungsvorhaben", ein von Leopold Kol-lonits erarbeitetes Konzept, das darauf abzielte, daß die Menschen überall dort, wo die rechtliche Souveränität des Habsburgerhauses Gültigkeit besaß, möglichst Deutsch gesprochen werden sollte Ebenso sollten zunickeroberte Landesteile gegen eventuelle türkische Militaraktionen geschützt werden, doch im Grunde standen bei der Durchfuhrung dieses Konzepts ganz nüchterne wirtschaftliche Überlegungen im Vor-dergnind Die Gutswirtschaft Mercystatten/Hidjeß/Högyesz in der Tolnau wechselte 1722 für 15 000 Fonnt den Besitzer23 Zur Gutsherrschaft gehorten 25 Siedlungen, die nicht nur unbedeutende Pußten waren, sondern tatsächliche Possessionen, wie z B Hiewrkut/Keszőhidegkút, Warschad/Varsád, Gallas/Kalaznó, Falschnannen/Felsőná-na, Mutsching/Mucsi, Seumcht/Závod, Lsmin/Lzmény, Kleinmanock/Kismányok usw , durch sie hatte ihr neuer Besitzer, Graf Claudius Flonmundus Mercy, außerordentlic hohe Einkünfte zu verbuchen Der vorherige Besitzet, Graf Zinzendorf Militargou-verneur der Stadt Várasd, hatte zwei Jahre zuvor alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit er diese wunderschonen, fruchtbaren Produktionsbereiche als Entgelt seiner Militarverdienste vom Kaiser bekomme Diese mehr oder weniger leerstehenden Gebiete steigerten nach dei Vertreibung der Türken ihren Wert Unter Zuhilfenahme der Fronabgabetabelle (Urbárium) der Gemeinde Kotsching aus dem Jahre 1767 kann festgestellt werden, daß allein die Pachteinkunfte (ung árenda) der Familie Antal 88 Forint ausmachten, der überwiegende Teil der Gelder, nämlich das Zwanzigfache der Einkünfte aus der Pacht, flößen als Naturairente in Form von Brennholz, Butter, Kappaunen, Huhnern, Eiein usw und durch Arbeitsleistungen (Fronarbeit), außerdem in der Form des Neuntels ein 24 Die Fronaibeit diente der Bebauung der Allodien, und der Absatz der abgegebenen Naturalien bzw der Produkte aus der Allodialwirtschaft vermehrten das Einkommen des Haushalts der Antals Falls der Kaufpreis von 25 Dorfern tatsächlich 15 000 Forint betrug - wenn auch ein Teil der Orte zu klein für diese Summe war - wäre der Realwert der Kotcse-Pußta ziemlich hoch gewesen János Antal hatte eigentlich nur eine vernünftige Alternative, nämlich die der Ansied-lung Denn hatte er seine Besitzungen nicht besiedelt, wäre der dadurch entgangene Gewinn bei der geringfügigen Produktivität seiner mit Waldern umgebenen, von nur ein paar Leuten bewohnten Pußten sehr hoch gewesen Die hohe Umschlagsrate spornte alle Grundbesitzer dazu an, die Verwaltung ihrer Besitzungen anders aufzufassen, als sie dies in der Turkenzeit getan hatten Man mußte über alles rationaler nachdenken Über das „Startkapital", den Auftiag der Werbeagenten, die Organisation und schließlich sogar über die Fragen dei Religion in Zeiten der Gegenreformationspenode Diese Ansiedlungen wurden vom Kaiser gefordert, ebenso vom ungarischen Landtag, dem Komitat und der Kirche Die Familie der Antals mußte dieses Unternehmen vorantreiben, wenn sie dem Stand einer adeligen Landes- und Patriotenfami-lie gerecht werden wollte

Für die neuen Siedlungen gab es überall ausreichend Platz, doch erwies sich das Gebiet von Kotcse-Pußta als geeignetstes, wofür es zwei Erklärungen gibt Zum einen hegt Kotsching ziemlich in der Mitte der Antal-Besitzungen, auf halbem Wege zwischen den Pußten Rád, Csicsal und Poca Denn verbindet man diese Ortschaften auf der Landkarte, so bildet der sud-westliche Dorfrand Kotschings den Mittelpunkt eines gleichseitigen Dreiecks Fiele allerdings das Zentrum, die Domanenverwaltung, nicht auf diesen Punkt, wäre diese Losung wohl nicht die beste Ein zweites Argument, das für Kotsching spiicht, ist das Vorhandensein von Wasser Die Fachliteratui dei Ansied-lungsgeschichte legt den Schwerpunkt im Falle aller Neubesiedlungen auf gesundes Trinkwasser25 Daß man sich dafür entschied, ist verständlich, wenn man nämlich bedenkt, daß die Somfolyó 26 auch damals existierte, und der Wasserstand der Nagyárok (alter deutscher Name Muhlbach) wird damals wesentlich hoher gewesen sein als heute und diese große Wassermenge, die es im Talkessel Kotschings insgesamt gab, lief in diesem tief liegenden Punkt genau so zusammen wie heute Der Mundungspunkt des aus Sudwesten kommenden Budosgáti-árok27 nin den Muhlbach schien um 1730 ein idealer Ort für die Siedler zu sein Es wäre daher nur logisch - und man darf mit einigei Sicherheit davon ausgehen -, daß der alte Siedlungskern in diesem Gebiet tatsächlich in Kotcse-Pußta zu finden ist, wobei das heutige DoifZentrum erst durch den weiteren Bevölkerungszuwachs und der damit verbundenen Dorferweiterung erreicht wurde

Solange es genügend Raum und Platz gab, mangelte es allerdings an Menschen Die wirtschaftlichen Verhaltnisse wurden in den ehemals von Türken besetzten Gebieten immer dmckender und die wenigen zur Verfugung stehenden Arbeitskräfte waren kaum zu finden Hatten die Grundheiren ihre Arbeitskräfte innerhalb des Landes selbst lekrutieren können, wäre es zu einer einfachen internen Umverteilung gekommen, wofür es viele Beispiele gibt Das Einfuhren von Arbeitskräften aus fremden Landern schien zwar längerfristig die bessere Losung zu versprechen, sie war aber auch die umständlichere

Diese Ansiedlungen haben auch manche Entscheidungen in der Politik gewissermaßen beschleunigt Karl VI erließ 1715 ein neues Ansiedlungsgesetz aufgrund einer Reihe von Entwürfen des ungarischen Landtags in Pießburg, der feststellte, daß überall „veiodete Landschaften" zu sehen seien und die Wiederbesiedlung des Konig-reiches nicht nur im Interesse des Souveräns, sondern auch des Landes stehe und man bitte den Kaiser, daß er Patente in seinen Erblanden und im Imperium mit der Bestimmung erlasse, daß diejenigen freien Personen, die den Wunsch hegen in das Ungarische Königreich zu kommen 28, auch tatsachlich kommen können Das Elaborat Nr 3 des Preßburger Landtages schildert, wie der Bevolkenmgsubeifluß in einigen Gebieten anhand einer „Überführung" zum Nutzen des Landes wäre Der Entwurf sieht vor, daß es nur dann zur Aufnahme von Volksangehongen aus anderen Landern und Provinzen kommen29 könne, wenn es im Land selbst keinen Bevolkerungsuber-schuß gibt Die geplanten Verordnungen berufen sich dabei auf die große Verantwortung der Ansiedlungsherren in diesen Angelegenheiten und handeln davon, daß die Besiedlung der Orte sorgfaltig und mit dem notigen Fleiß durchgeführt werden muß 30 Die einzelnen Landtagsentwurfe sehen auch Beschlüsse zu Kooperationen vor, daß zum Beispiel Loyalität und wechselseitige Hilfe unter den Ansiedlern obligatorisch sein muß Dabei wurde vorgeschrieben Sie müssen einander dadurch Hilfe leisten, daß sie nötigenfalls und unabhängig von ihren Umstanden anderen Grundherren Kolonisten zur Verfugung stellen Es wäre jedoch nicht erwunschenswert, so der Entwurf weiter, wenn duich diese Hilfeleistung das eigene Gut „entvölkert" werden wurde Der Landtag betonte die Bedeutung der Pußten allein schon aus praktischen Gründen, denn die neu angekommenen Siedler konnten dort nämlich besser Fuß fassen, wo sie von vornherein auf gesicherte Lebensverhaltnisse stießen und so seien überall, auch im Falle der verlassenen Pußten, die ehemals geflohenen Menschen wieder aufzunehmen31

Um 1730, acht Jahre nach Beginn der ersten Ansiedlungen unter Kaiser Karl VI , fand János Antal bewahrte Strukturen vor, im Rahmen derer er die Besiedlung Kot-schings zu Ende bringen konnte Die natuilichen Gegebenheiten der Gutswirtschaft fielen aufgrund der Vorzuge, wie die Versorgung mit Wasser, des Klimas, der Bodenverhaltnisse und einiger anderer Parameter, überdurchschnittlich gunstig aus So fanden im Kreise der Preßbuger Landtagsabgeordneten die Absichten und Interessen des ungarischen Hochadels, der kleineren Gutsbesitzer und des höheren Offizierkorps mit jenen des Souveräns zusammen, wodurch die Voraussetzungen für den größten Migrationsprozeß der ungarischen Geschichte geschaffen waren, der sich in drei Etappen vollzog, namlich in einer karolinischen, einer theresianischen und schließlich in einer josephtnischen

Von den Auswirkungen dieses gleichsam erdbebenartigen Vorganges blieb natürlich auch das abgelegene Gebiet der Nord-Schomodei um 1730 nicht ganz verschont Die überwiegende Mehrheit der Kotschinger Ansiedler kam namlich nicht unmittelbar aus Deutschland direkt ins Dorf, sondern sie waren sogenannte „Sekundaransiedler" und stammten mehrheitlich aus bereits etwas entwickelteren Dorfern der Tolnau und Branau Die zeitliche Verzögerung machte immerhin sieben Jahre aus, wahrend dieser Zeit stieg jedoch in der Tolnau die Bevölkerungszahl in den von den einzelnen Domänen umgebenen Gemeinden standig an, ja es entwickelten sich sogar einige Knotenpunkte mit einem gewissen Bevolkerungsuberschuß

Um die Wurzeln und den Charakter der ersten Dorfbewohner Kotschings besser verstehen zu können, müssen wir in Betracht ziehen, daß dieses Dorf nur eine Sekun-darsiedlung ist Wenn wir also von der Urheimat und den Ahnen ein wiiklichkeitsge-treues und differenziertes Bild gewinnen wollen, ist es notwendig, uns mit jenen Gebieten in Deutschland zu beschäftigen, aus denen die ersten Bewohner von Tor-masch/Kistormäs, Warschad, Groß-Sackel/Nagyszekely, Jink/Gyonk, Gallas Falsch-nannen, Ismin, Maiesch/Majos, Kleinmanock, Großmanock/Nagymanyok, Seiwicht usw kamen Diese sind die Primarsiedlungen Kotschings, die Muttergemeinden also, die als Basisort für die sekundäre Besiedlung dienten Es bestand sowohl innerhalb diesei Ortschaften eine enge Verwandtschaft, als auch mit einigen Gemeinden der Branau, vor allem aber mit jenen der Nord-Schomodei (Dorotschke/Dorocske, Fiad, Bonna/Bonnya, Etsching/Ecseny, Hatsch/Hács), Groß-Sackel pflegte zum Beispiel mit relativ weit entfernten Ortschaften, wie Wadkert/Soltvadkert und Balmazújváros Beziehungen Das evangelische und reformierte Deutschtum in der Tolnau, Branau und Nord-Schomodei kann - laut des Geschichtsschreibers und evangelischen Pfarrers von Jorking/Gyorkony, Johann Schmidt - gemäß ihrer Verwandtschaftsverhältnisse als eine alleinige große Gemeinschaft aufgefasst werden

Welche Zustande bescherte die alte Heimat ihren Bewohnern und welche Ursachen zwangen sie zur Aussiedlung nach Ungarn' Um diese Fragen zu beantworten, lenken wir unsere Aufmerksamkeit nun auf die deutschen Verhaltnisse zu Beginn des 18 Jahrhunderts

DIE WIRTSCHAFTLICHEN UND POLITISCHEN VERHALTNISSE HESSENS ZU BEGINN DES 18 JAHRHUNDERTS, DIE DEUTSCHE ETAPPE DER BESIEDLUNGSGESCHICHTE KOTSCHINGS

Bei den zwei Urheimaten der in Kotsching niedergelassenen deutschen Siedlei handelt es sich um einzelne Regionen im Land Hessen, die an sich nicht durch Verwal-tungs- oder natürliche Grenzen voneinander getrennt waren

Eine Urheimat ist das Gebiet um den Vogelsberg Dieser Landesteil liegt in Nordbzw Oberhessen und umschließt ein Gebiet von 150 km (von Norden bis Süden) und etwa über 80-90 km zwischen Westen und Osten, welches von den Städten Hanau Fulda, Schwalmstadt, Marburg und Gießen begrenzt wild Der Vogelsberg selbst ist ein wildromantisches Mittelgebirge, wobei sein höchster Punkt, der Taufstein, 774 m, nahe der Stadt Schotten liegt Am Gipfel des Taufsteins entspringen einige kleinere Bache der Gegend, wie die Nidda, die Ohm, die Ulster, die Schwalm und die Fulda Die Dorfer der alten Heimat liegen demnach in Flußtalern versteckt, was uns sehr an Kotsching erinnert, und unter den Halden der Hügel um den Vogelsberg hemm stoßt man auf gepflegte und reiche Siedlungen Einige Dorfei findet man schon an den Auslaufern des Knullgebirges und der Bayerischen Rhön in der Nahe der thüringischen Grenze Infolge der Ausbaus des heutigen Verkehrsnetzes grenzen zwei wichtige Autobahnen dieses Gebiet ab Im Süden die Fulda-Frankfurt-, im Norden die Ei-senach-Gießen-Autobahn An einer Abzweigung der letzteren findet sich die Stadt Alsfeld, ein bedeutender Amtsitz eines bekannten Landkreises, denn die Ahnen vieler Tolnau-Branau-Schomodeier Familien stammen von dieser Stadt ab Der Vogelsberg -dieser Ararat von den aus verschiedenen Orten zusammengefugten Urahnen der Kotschinger Familien - war damals ein ausgewiesener Platz für Viehzucht, Baumrodungen und auch für die Jagd

Die andere, etwas südlicher gelegene Urheimat Kotschings ist zwar in ihrer Ausdehnung kleiner, hinsichtlich ihrer Bedeutung aber von ebensolchem Rang Ihre Nordgrenze fallt praktisch mit der Sudgrenze des Ballungsgebietes von Frankfurt am Main zusammen, ein kleiner Teil reicht jenseits des Rheins hinüber bis in die benachbarte Pfalz , im Osten grenzt sie an die großen Mäander des Mains bei Aschaffenburg und im Süden an den Odenwald, der angeblich noch wilder und romantischer als dei Vogelsberg sei Den nördlichen Auslaufern des Odenwaldes wird aus zwei Gainden eine große Bedeutung beigemessen In den germanischen Zeiten verlief hier namlich die Grenze des alemannischen Herrschaftsgebietes, und zweitens verlauft hier die heutige Sprachgienze zwischen den alemannischen und fränkischen Dialekten Der malerische Fischbachtal und Obernhausen am Eingang des Modautales sind mundartlich gesehen „gemischte Orte", so spricht man in Frankisch-Crumbach zwar noch frankisch, aber in den noch südlicher gelegenen Gemeinden herrscht bereits die alemannische Variante vor Hier befinden sich die Städte Groß-Umstadt, eine einst auch von Kotschingern bewohnte Kreisstadt, weiters Ober-Ramstadt, deren Bewohner sich gegen ihre Lebensumstände auflehnten und kollektiv nach Ungarn auswanderten und die Gemeinde Groß-Bieberau, die für die Geschichte Kotschings im 18 Jahrhundert von großer Wichtigkeit wurde

Sie ist zwar eine etwas kühle, doch von bewaldeten Hügeln und kleinen Bachen besänftigte Gegend, die allerdings wesentlich schlechtere Bodenverhaltnisse als jene in Transdanubien aufweist Ab und zu finden sich heute noch versteckte Hinweise auf den Weinbau, der im 18 Jahrhundert in den Orten wie Gronau, Groß-Umstadt, Klein-Umstadt"32, Reinheim und selbst in Groß-Bieberau noch lebhaft betneben wurde So ist es nicht verwunderlich, daß für die Siedler, die sich in Kotsching niederließen, die Möglichkeit des Weinanbaus bei der Auswahl ihres Ortes ein gewisses Kriterium spielte In Oberhessen konnte aufgrund der klimatischen Verhaltnisse ja kein Wein angebaut werden Vielleicht ist es dem hohen Niveau des Weinanbaus zu danken, daß sich neben den vielen Kolonisten aus Oberhessen auch einige Siedler aus Sudhessen in Kotsching niederließen

Das Land Hessen war zur Zeit der Auswanderungen durch seine zwei Herrscher in zwei Teile gespalten, wobei im Süden Großherzog Ernst Ludwig (1678-1739) regierte, im Norden Karl (1654-1730) Darmstadt war die Hauptstadt im Suden - daher kommt auch der Name des Landes Hessen-Darmstadt Die Hauptstadt im Norden war Kassel (Hessen-Kassel) (Die Gegend des Vogelsberges gehorte zu dem von Ernst Ludwig regierten Darmstadter Landesteil Wenn wir also über Ober-Hessen sprechen, dann sprechen wir über den nördlichen Teil von Hessen-Darmstadt und nicht über Hessen-Kassel )

Hinsichtlich unseres Themas war Ernst Ludwig die wichtigere Persönlichkeit von den beiden Er hinterließ der Nachwelt das Bild eines absolutistischen Herrschers franzosischen Zuschnitts Seine Frau, Dorothea-Charlotte, kam aus dem Hause Braun-schweig-Ansbach Die Grafin liebte das hessische Volk sehr - mehr als ihren Mann1 -und diese Liebe findet ihren Ausdruck dann, daß sich der Vorname Dorothea wahrend ihrer Regierungszeit sehr verbreitete Dieser Brauch scheint auch nach Ungarn mitgenommen worden zu sein, denn auch in Kotsching war Dorothea noch im 19 Jahrhundert ein sehr häufiger Vorname

Beide in Rede stehende Staaten waren Teil des Deutsch-Romischen Reiches, das nach karolingischem Staatsrecht den Kaiser als alleinigen Herrscher anerkannte In der Praxis freilich hatte der Kaiser aufgrund der Zersplitterung Deutschlands über die Fuhrer- und Herrscherschicht der Klein- und Mittelstaaten kaum Macht So konnte Kaiser Karl VI (als unganscher Konig war er Karl III ) sie höchstens um etwas bitten, doch zeigt das standige Hin und Her mit den Aussiedlungen nach Ungarn, daß seine Bitten auch oft unerhört blieben

Die Beziehung Ernst Ludwigs zu seinen Untertanen war durch seinen absolutistischen Regierungsstil äußerst belastet, denn sein karitativ-humanitärer Standpunkt dem Volk gegenüber bestand allein dann, es anderen Souveränen seiner Zeit gleich zu am, indem er franzosische Hofsitten kopierte und seinen Staat zu kostspieligen Unternehmungen veranlaßte So entstanden lagdschlosser, Kirchen, Theater usw , doch die Kosten dafür mußten die Untertanen tragen 33

Mutatis mutandis galten diese hier beschriebenen Zustande auch in den übrigen deutschen Klein- und Mittelstaaten Die Ursachen für die massenhaften Auswande-aingen sind aber dennoch nicht vom Verhältnis dieser Staaten zu seinem Volk abzuleiten Aufschlußreicher sind hier demographische Untersuchungen, die in Deutschland - oder zumindest in einigen Landern - sogar nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges einen Bevölkerungszuwachs feststellten, ein Prozeß, der sich nach dem Friedensschluß von Ryswick, 1697, sogar noch beschleunigte Das Beispiel Groß-Bieberau macht deutlich, wie die Bevölkerungszahl innerhalb einer bestimmten Siedlung nach einem großen europaischen Krieg zunehmen kann Groß-Bieberau wurde vom Krieg und der großen Pestepidemie des Jahres 1645 fast völlig verwüstet Insgesamt sind nur 12 Familien am Leben geblieben, die Einwohnerzahl lag bei knapp 30 Seelen Doch bereits kurz nach dem Westfälischen Fneden stieg die Einwohnerzahl des Dorfes auf ca 350-400 Menschen an und auch nach Abschluß des franzosischen Friedens von 1697 nahm die Bevölkerung standig zu, sodaß man im Winter 1722 beieits mehr als 1000 Einwohner zahlte, womit aber gleichzeitig eine Grenze erreicht wurde, denn das Dorf konnte seine Leute kaum mehr ernähren Um einiges erschwert wurde die Lage der Bevölkerung durch das deutsche Erbfolgesystem, das ein Realverteüungssystem war und dann bestand, daß nur der älteste Sohn erben konnte, nicht aber dessen Geschwister, die, falls es ihnen ihr Schicksal ermöglichte, höchstens eine Lehre antreten konnten, um wenigstens einen Beruf zu erlernen Dieses System war im 18 Jahrhundert mehr oder weniger in ganz Deutschland gültig, wobei der einzige Vorteil in der Verhinderung der Guterzersplitterung lag

Die Lage jenei so aus der Familienerbschaft ausgeschlossenen Kinder war also ziemlich hoffnungslos Auswege daraus gab es vor Luther noch mehr als nach Luther Der große Reformator ließ nämlich die Kirchenorden auflosen, die bis dahin viele dieser mittellosen Menschen aufgenommen hatten, und so blieb jenen aus der Hinterlassenschaft Ausgeschlossenen nichts anders übrig als der Militärdienst oder die Auswanderung, oder oft auch die Kombination beider Alternativen Diese Auswanderungsgrunde spiegelten die allgemeine Krise der westlichen Hälfte Europas wider

Speziell lokale Probleme stellten in Hessen, der Pfalz und in Fulda immer wieder Großbrande dar und die gegen die Franzosen entlang der Grenze errichteten Winterquartiere für Soldnertruppen Diese Soldner verhielten sich wahrend dei langen Wintermonate äußerst gewalttatig gegenüber der Bevölkerung Soldner haben Peter Schutz, Peter Hirsch und Kaspar Arlheilger - spatere Tolnauer Kolonisten - im Winter des Jahres 1713 Kleeheu im Wert von 2 Gulden gestohlen 34Ein spezifisch hessisches oder genauer noch oberhessisches Problem bedeutete die Verbreitung der Parforcejagden Die „Parforce-Jagd" war eine von Ernst Ludwig sehr geschätzte Unterhaltung, die ihren Ursprung in Frankreich hat und sich spater auch in Deutschland großer Beliebtheit erfreute Dabei zogen ganze Jagdtruppen mit mehreren hundert Jagern, Pferden und Hunden quer durch die Acker, wodurch allerdings die mühsame Arbeit der Landbauem, die diese Felder bestellt hatten, zugrunde gerichtet wurde Eine Entschädigung für die auf diese Art zerstörten Saatkulturen wurde freilich nicht in Aussicht gestellt Damit man aber nach etwas jagen kann, wurde eine intensive Wildtier-zucht betrieben, und was Pferde und Hunde noch nicht niedergetrampelt hatten, besorgte der nun großer werdende Wildbestand Im Alsfelder Kreis Hessens, in Rainrod, stand das landgrafliche Jagdschloß, es diente als Ausgangspunkt dieser Jagden Die Bauern der unmittelbaren Nachbarschaft erlitten dabei natürlich die gioßten Verluste, der Umstand, daß sich der Auswanderungsivelle der 1720er Jahre vor allem Ausivan-derer aus eben diesem Raum anschlössen, verwundert daher auch nicht Diese Treibjagden wiederholten sich oft mehrmals an einem Tag und als Treiber fungierten die hiesigen Bauern Zu den weiteren Auswanderungsursachen zahlten noch die Pestilenzen, die den Viehbestand dezimierten, ebenso Saatschaden, die durch Vogelschwarme verursacht wurden und eine grenzenlose Fantasie Ernst Ludwigs beim Erfinden neuer Steuern und bei der Einfuhrung einiger Sondersteuern, wie die der „Dammbausteuer", der „Schloßbausteuer", der „Wildparkabgabe" usw 35

Obwohl das Verhältnis zwischen dem Herrscher und seinem Volk eher feindlich gestimmt war, gibt es auch Beispiele für Versuche, die das Volk schätzte Nicht nur bei Ernst Ludwig, sondern auch beim zweiten hessischen Staatsoberhaupt, Karl von Hessen-Kassel, können solche „volksbegluckende" Charakterzuge beobachtet werden Das Volk versuchte in seiner Verzweiflung und Leichtsinnigkeit nach dem Motto car-pe diem den Sinn des Lebens in ausschweifenden Amüsements zu suchen Kostspielige Veranstaltungen (Hochzeit, Kirchweihe, Taufe, Trauermahl) wurden mit großer Verschwendungssucht begangen, die Feierlichkeiten und besonders die Kirchweihfeste dauerten mehrere Tage lang Der Souverän ersann )edoch eine eigenartige Losung, um seinem Volk zu „helfen", indem er diese Feste per Erlaß einfach verbot Neben Ernst Ludwig und Karl waien der Kurfürst von der Pfalz und der Erzbischof von Fulda ebenfalls nicht ganz frei von deilei „wohlmeinender Gesten", besonders dann nicht, wenn diese kostspieligen Veranstaltungen ihre Steuereinkommen gefährdeten Die Auswanderer allerdings haben diese „vergeudenschen" Brauche nach Kotsching mitgebracht, wo sie von niemandem mehr verboten werden konnten

Die Gute" genannter Herrscher zeigte sich auch dann, als der Kaiser auf deren Untertanen zwecks Ansiedlung Anspruch eihob und sie den kaiserlichen Forderungen auch tatsächlich nachkamen Als aber ein Punkt eri eicht worden wai, der über ihre Vorstellungen hinausging, versuchten sie, die Auswanderungsbestrebungen ihrer Untertanen aufzuhalten, was aber aufgrund des großen Zuspiuchs nicht mehr möglich war Zwar flohen auch schon zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges Menschen voi Seuchen und vor dem Krieg selbst, aber diese bewußte, planmäßige, (man kann auch sagen kampagnemäßige) Aussiedlung - im Vergleich mit jenen von früher - war von ganz anderei Qualltat, denn das Reiseziel war nicht nui Ungarn, das Banat, dei Raum von Branau-Tolnau-Schomodei, die Schivabische Türkei Denn sowohl im 18 als auch im 19 Jahrhundert umfaßt die Migration hessischer Auswanderer die ganze Welt und nui die erste große Welle von 1722/23 war auf das Banat, das Tokaj-Gebiet und infolge einiger abenteuerlicher Ereignisse auf die Schwabische Türkei gerichtet Und schon um 1748/49 beobachtet man eine neue Welle in Richtung Norden, in die von Preußen beherrschten pommerschen und ost-preußischen Gebiete, die mehr odei weniger mit dei amerikanischen Auswandemngswelle zusammenfallt Im Jahre 1754 wird namlich Neiv-England als mögliches Auswanderungsziel des öfteren erwähnt 36 Es war eine allgemein bekannte Tatsache, daß manche Fürsten ihre Untertanen den Englandern zum Militärdienst verkauften, um sie im amerikanischen Freiheitskrieg gegen die Aufstandischen einzusetzen

Eine beachtliche Gruppe bilden die Auswanderer nach Rußland Diese wurden duich die Ansiedlungspolitik von Kaiserin Katharina teils in die sudnissischen Steppen teils an die Wolgau gelockt Unter den Kolonisten nach Rußland duiften sich auch Verwandte vieler Kotschinger Familien befunden haben, wobei hier einige Namen erwähnt werden können, wie Raab, Reichert, Till, Viandt usw 37 Bei den Auswande-mngszielen nach Rußland finden wir keine konkieten Zielbestimmungen, manchmal tauchen Ortsnamen auf, wie Odessa, Moskau, Simferopol

Zwischen 1794 und 1806 brechen hessische Untertanen nach Sud-Afrika auf, im allgemeinen mit dem Ziel, die Kapkolonie (deutsche Kolonie bei Cape Town) zu erreichen Nach der ersten Aufteilung Polens, 1772, wiid auch Galizien ein beliebtes Auswanderungsland, und spater kommen neben mehreren anderen noch recht exotische Ziele wie Surinam und Konstantmopel hinzu Das 19 Jahrhundert, mit seiner industriellen Revolutuion und den Tendenzen, alte Bevolkerungstruktuien umzuwandeln, ubeirollt auch Hessen mit einer Flut von Verandeningen Innerhalb einer Familie stoßen wir dabei auf die unterschiedlichsten Ziele einige der Familienmitglieder fahren nach Liverpool, in das Elsaß, nach Brüssel, Polen Kroatien oder Litauen, andere aber nach Australien Texas Brasilien, Ohio, Kuba oder Griechenland 38 Von manchen weiß man nur den Namen des Seehafens (Cayenne, Marseilles), nichts aber über deren weitere Ziele

Eingebettet in diesen welthistorischen Kontext scheint die Besiedlung Kotschings tatsachlich unbedeutend, aber da sie einen Teilaspekt einer Ganzheit darstellt, ist sie innerhalb deren Grenzen genauso bedeutend wie die großen Auswandeningswellen nach Nordamerika oder zur Kapkolonie Diesem welthistorisch bedeutenden Prozeß mußten allerdings einige Schritte der kaiserlichen Diplomatie vorausgehen

So schrieb Karl VI eigenhändig mehrere Briefe an Ernst Ludwig und an die Staatsoberhaupter von Fulda und des benachbarten Kur-Mainz (Nicht aber an Landgraf Karl von Hessen-Kassel ) Das erste Schreiben schickte er am 20 April 1722 nach Darmstadt, worin er in groben Zügen jenes Konzept auflistete, das dem des Preßburger Landtages sehr ahnlich war das entvölkerte Land, falls es nicht wiederbevolkert wird, kann einem spateren türkischen Überfall keinen ausreichenden Widerstand leisten Kaiser Kall bat Ernst Ludwig därum, daß er diejenigen an der Auswandemng nicht hindern solle, die dazu Neigung verspuren, und er solle sie dann unterstutzen, nachdem sie ihre Schulden (Manumissionsgebuhr, Zoll usw ) abgezahlt hatten

Die Souveräne reagierten auf die Bitte des Kaisers - nachdem der Kaiser den Schutz der christlichen Welt ausdrücklich betont hatte - äußerst positiv und Ernst Ludwig hinderte in keinster Weise seine auswandemngswilligen Unteitanen, Con-stantin von Buttlar, der Erzbischof von Fulda, verhielt sich da schon etwas zunickhaltender, denn er versuchte, seinen Untertanen von einer eventuellen Auswandemng abzuraten Derartige spontane Auswandeningen gab es im fuldtschen Lande schon um 1717 Viele waren damals weggegangen, doch es kamen auch wieder viele verarmt, ausgeplündert und verbittert zunick Constantin von Buttlar erließ am 28 März 1718 ein Patent, in dem er die Erzählung über die ungarnlandischen Verhältnisse eines bestimmten Konrad Roders kundgegeben hatte Roder ließ nach seiner Rückkehr eine Äußerung in dem Sinne fallen, daß er wahrend seines Hin- und Herziehens völlig zugrunde gegangen, sein Hab und Gut aufgezehrt sei, es in Ungarn eine vollkommene Leibeigenschaft gäbe und solche Verhaltnisse herrschten, daß ein Deutscher sich unter den dortigen Umstanden nicht durchzuhelfen vermöge 39

Die größte Bereitschaft zur Mitwirkung zeigte also Ernst Ludwig Er tolerierte sogar das oft freche und aggressive Auftreten jener aus Osterreich und Ungarn kommenden Aussiedlungsiverber Diese Agenten folgten Wiener und ungarischen Weisungen und für die einzelnen Auswanderer erhielten sie ein beträchtliches Kopfgeld An der Spitze der Besiedlungskommission stand General Claudius Florymundus Mercy, Generalverwalter des Banats {Kaiserliche und Königliche Ober-Cammeralverwaltung), der alle Faden dieser Organistaion zog, sodaß die Werber ausschließlich seinen Weisungen zu folgen hatten Das Werbezentmm der hessischen Kolonisten befand sich zuerst - ab März 1722 - am jenseitigen Rheinufer in Worms Johann Albert Kraus war dessen Leiter, der mit kaiserlicher Genehmigung seine Werbetätigkeit betneb Sein erster Auftrag enthielt die Umsiedlung von 100 Familien ins Banat, andere folgten Kraus wurde spater durch Johann Franz Falk ersetzt und auch das Auswandemngsburo bekam mit dem Frankfurter Kaufmann Johann Georg Muller 40 einen neuen Agenten Johann Schmidt zitiert den Brief eines Angestellten des Amtes Umstadt namens Wilheim Ludwig Sterck Sterck berichtet dann nicht am gunstigsten über die Arbeit der Agenten und halt fest, daß sie die Menschen unter verschiedenen Vorwanden zur ungarnlandischen Auswanderung lockten Steck wisse irgendwelche Verfahren gegen sie einzuleiten und fragt seinen Fürsten, was für welche das sein sollen 41 Die Werbei (Missarii), durch das hohe Kopfgeld angespornt, handelten meist in ihrem eigenen Interesse, was wiedeaim die Autorität des hessischen Staates verletzte In der Regel warben sie in Kneipen und auf Markten und hängten ihre Werbeplakate in den Rathausern aus, in denen sie die Vorteile Ungarns übertrieben priesen, um auf dieser Weise Klienten zu finden Die Aushange galten eigentlich als offene Patente, eines dieser Patente kam auch vom Kaiser, datiert mit dem 22 März 1722, das inhaltlich gesehen den früher angebrachten Entwürfen des Preßburger Landtags ähnelt, wie dem kaiserlichen Briefwechsel mit Ernst Ludwig Mercy Claudius verfugte jedoch auch über Patente, die unter seinem Namen erlassenen worden waren Falk und seine Genossen haben die Propaganda oft übertrieben, demzufolge gerieten einige von ihnen hinter Gitter Ein Werber Falks saß kurze Zeit in Siegen im Gefängnis, drei Tage spater wurde er aber untei der Bedingung fieigelassen, daß er die Bevölkerung nicht aufrühren und er sich fortmachen solle42 Nach einer gewissen Schonzeit war das Maß allerdings voll Am 1 November 1723 bittet der Geheimrat (eigentlich der hessische Ministerrat) den Großfürsten um die Aufhebung jeglicher Agententätigkeit Und in der Folge traten mehrere Verordnungen in Erscheinung, die die Kreisbeamten dazu aufforderten, die Werber nicht mehr langer zvi dulden und sie sind zu ihrer Ausweisung zu zwingen43

Doch schlugen all diese Versuche fehl, denn durch die Übervölkerung deutscher Lander, die eine Nahrungsmittelknappheit zur Folge hatte, durch die harten Lebensverhaltnisse also und durch eine Reihe der oben dargelegten Schwieiigkeiten war 1722/23 die soziale Explosion - trotz verordneter Beschwichtigung von oben - nicht mehi zu verhindern und dazu gehorte auch der Auswanderungswille der Untertanen, deren Weggehen nichts anderes als ein Protest war

Man konnte sie nicht zurückhalten und tatsachlich verließen die Auswanderer Deutschland mit oder ohne Genehmigung, mit oder ohne Familie, nach der Entlassug aus dem Militärdienst oder als Fahnenfluchtige, als unschuldige oder als ehemalige Straffällige Sie gingen gebrochen, jedoch mit neuen Hoffnungen in ihrer Seele, manche verließen ihre Heimat mit der Absicht, diese einmal noch wiederzusehen und es gab andere, die mit ihrer Familie wegen des Erbrechts oder mit ihrem intoleranten Fürsten endgültig abgerechnet hatten Einige zogen mit einem beachtlichen Vermögen los, andere wiedeaim waren bettelarm Letztere verursachten denn auch die meisten Probleme, da sie zu wenig besaßen, um die erforderlichen Geldmittel für die Auswanderungsmodalitaten aufzubringen Die fürstliche Schatzkammer hatte zudem rechtzeitig festgestellt, daß die Verluste sehr hoch waren, wenn diese arme Schicht der Auswanderungswilligen ihre Steuerschulden nicht begliche, also die „Manumissions-gebuhr" nicht zahlte So kam es durchaus vor, daß sich einige auf den Weg machten, ohne sich zuvor die notigen Dokumente verschafft zu haben und das Land nur noch illegal verlassen konnten, was in den meisten Fallen auch gelang, obwohl die fürstliche Verordnung eine strenge Stiafe für solche Steuerflüchtlinge vorsah

Ein solches klassisches Flucht-Beispiel war jene Flucht der Ober-Ramstadter im Herbst 1723 Nachts machten sich 38 Familien, ingesamt 83 Personen, auf den Weg und gelangten lmmeihin bis in die Batschka, in ein Dorf namens Langenjeld/ Hosz-szúmező/ Ctmpulung 44Das Deutschtum von Langenfeld lud spater den Sohn von Johann Balthasar Reichard ein, der Priester in ihrem ehemaligen Dorf Ober-Ramstadt war, zu ihnen als Priester zu kommen Karl Reichard verließ kurz darauf Langenfeld, zog nach Warschad, wo er Seelsorger vieler, spater auch nach Kotsching weitergezogener Warschader und Gallaser Kolonistenfamilien wurde Die Erklärung für die Illegalität ihrer Auswanderung liegt einzig in deien materiellen Verhaltnisse begründet denn hatten sie ihre Schulden beglichen, so hatten sie in Ungarn ohne Geld ein neues Leben anfangen müssen und das stellte zur Zeit der ersten karolinischen Ansiedlungen ein zu großes Risiko dar, das niemand eingehen wollte

Nach Fuldaer Quellen mußten diejenigen, die es sich anders überlegt hatten und zunickkehren wollten, ein Vermögen von 200 Forint vorweisen Weidlein zieht daraus den Schluß, daß die Auswanderer mindestens über so viel Geld verfugt haben müssen, weil sie nur in diesem Fall damit rechnen konnten, in Ungarn als Kolonisten angenommen zu werden Er zitiert einen kaiserlichen Werbezettel aus dem Jahre 1736, in dem jene Kosten veranschlagt sind, mit welchen man damals zur Ausstattung eines Bauernhofes rechnen mußte bzw wieviel ein Haus, Wagen, Pflug, Egge, ein Pferdegespann, 4 Kühe, 4 Kalber, 4 Ochsen, Mastschweine und Lebensmittelvorrate bis zur nächsten Ernte kosteten, wovon allein der Preis des Hauses 30 Forint ausmachte45 Wenn also der überwiegende Teil der Flüchtlinge diesen Betrag mitnehmen wollte, wählten sie den illegalen Weg Es gab Familien, für deren Schulden die in der Heimat gebliebenen Verwandten hafteten

Das Vermögen derjenigen, die illegal auswanderten, wurde als verlassenes Gut zur Treuhand der Verwandten überlassen, es sei denn, man konnte es rechtzeitig in Geld umsetzen Wohlhabende Auswanderer konnten naturgemäß mit besseren Aussichten rechnen Johann Konrad Storck aus Groß-Bieberau übergab im Jahre 1723 seinem Bruder Johann Jakob Storck seine Mühle, seinen Bauernhof und sein Haus und kam als wohlhabender Burger im Komitat Tolnau an Eine kurze Zeit halt er sich in Gallas auf, zieht 1730, im Grundungsjahr, nach Kotsching, wo er sich endgültig niederlaßt und wo seine Nachkommen und Verwandten die weitverzweigte Familie der Storck/Starks bildeten46

Heinrich Bucker aus der Gemeinde Semd im Kreis Umstadt - das Heimatdorf der spater in Kotsching angesiedelten Familie Rapp - hatte den Wunsch auszuwandern, was ihm aber nicht gelungen ist, da er zwar ein Vei mögen von 70 Gulden besaß, gleichzeitig aber auch genauso hohe Schulden Laut Aufzeichnungen des Umstadter Schultheiß' mußte er als Hirt mit seinem Verdienst seine Frau und sechs Kinder ernahren47

Untei den illegalen Aviswanderen hndet man welche, die der Stiate entgehen wollten und nach Ungarn fluchteten Johann Schmidt fand im Wai schader Totenregister zum Beispiel einen Fall, der auf einen in der Heimat begangenen Mord hinwies In Gallas wurde Johann Jakob Lang beerdigt, der in dei alten Heimat aus Zufall einen Menschen getötet habe48 und wegen der Angst vor der Stiate nach Ungarn geflohen sei

Nachdem die Auswanderer aber ihre Pflichten ei füllt hatten, konnten sie mit den verschiedensten Veikehrsmitteln nach Ungarn abreisen, wobei ihnen ausgehängte Bekanntmachungen bzw Agenten zur Seite standen Die Menschen beeilten sich, zu den auf den Plakaten genannten Sammelpunkten zu gelangen, um dann an Bord eines Donauschiffes weiterzufahren die Schiffahrt war damals das einzige relativ bequeme und schnelle Beförderungsmittel von Deutschland nach Ungarn Einer der letzten Transporte Falcks im Jahre 1723 durfte laut einer Ausschreibung am 20 Okto-bei von Marxheim aus abgefahren sein Schon bei früheren karolinischen Aussiedlungen dienten die Orte um die Mundung dei Lech als Verladehafen, lnsbesonders die Städte Neuburg, Donauwörth und Marxheim, laut TaJJeriier auch Ehingen und Gunz-burg Spater, zur Zeit dei theresianischen Aussiedlungen, wurde die freie Reichsstadt Ulm ein wichtiger Anlegeplatz für Schiffe in Richtung Osten

Bei den Schiffen handelte es sich um leichte Donaufrachtschiffe mit einem überdachten Last- und Passagierraum und drei Rudein, mit denen man das Schiff gleichzeitig lenken konnte Man nannte sie , Wiener Zille" odei auch , Wiener Schachtel", an deren Bord 30-40 Menschen Platz fanden Der Frachtpreis bis Wien kostete durchschnittlich 1 Gulden Bis 1766 waren bei den Frachtpreisen einige Abweichungen zu beobachten Ab 1764 erhielten die Auswanderer vom Staat ein Fahrgeld, womit die Fahrtkosten bis zum Bestimmungshafen gedeckt werden konnten 49

Schiffahrten, die von Ulm, Marxheim und anderen kleinen Hafen lhien Ausgang nahmen, wurden in der Regel bis Wien nicht unterbrochen Dort erfolgte aber eine zweitägige Ruhepause, teils aus gesundheitlichen Gründen, teils wegen der kaiserlichen Visitierung, weil die Ankömmlinge, als deutsche Reichsuntertanen, durch die kaiserlichen Beamten einer grundlichen Untersuchung unterzogen wurden 50Diese „Musterungen", an denen sogar der Kaiser selbst zugegen gewesen sein soll, fanden am Donauufer in der Nahe von NußdorJ statt Die Mitarbeiter des Hofkammerarchivs erstellten anlaßlich dieser Musterungen leider keine Listen, solche erscheinen im Archiv erst nach 1755 Diese Musterungen brachten jedoch die Jesuiten auf den Plan, willkürliche Bekehrungsaktionen zu starten, um zu erreichen, daß die Provinzen an der unteien Donau immer weniger „ketzerische" Protestanten bekommen sollten Schmidt erwähnt in diesem Zusammenhang, daß die Jesuiten 1724 bei der Musterung der Toi mascher auch deren Bibel beschlagnahmen wollten, diese aber auf der Hut waren und die Bibel in einem Brotbeutel versteckt hielten

Als Zielhafen wurde der untere Donauabschnitt, also das Banat, festgelegt, wo sich auch die gioßen staatlichen Gutei befanden Doch kam es oft schon bei der Abfahrt in Bayern odei bei den Musteiungen in Wien zu .Abänderungen" der Reiseziele Die Fachliteratur behandelt ausfuhrlich, wie weit die Diplomatie des Grafen Meicy reichte und wie er die ursprunglich dem Banat zugedachten Hessener und Fuldaer Kolonistentransporte auf seine Gutei um Hidjeß umleitete 51

Frühere Aussiedlungen schienen weniger organisiert gewesen zu sein als jene der spateren Phase Zur Zeit der josephinischen Aussiedlungen, ab 1789, winden anläßlich der Musterungen nur Kolonisten mit gültigen Reisepapieren in die Liste aufgenommen Sie einleiten anstatt einem Gulden Reisegeld schon zwei Nach der Einschiffung in Wien reisten sie die kurze Strecke bis Preßburg weiter, wo eine Art Vertei-lungszentrum eingerichtet war Hier haben also die Beauflagten der verschiedenen Gutsherrschaften ihre Leute abgeholt Diejenigen, die weiterfuhren, stiegen in Pest erneut aus, hier erhielten sie nochmals einen Gulden Reisegeld, mit dem man bis zum Bestimmungsort auskommen mußte 52

Die Momente der Ankunft und des Empfanges waren unterschiedlich und wuiden mal prosaisch mal erhebend erlebt Die Beschreibungen von Johann Schmidt berichten über den vorhin erwähnten Fall der Tormascher, die eigentlich nicht in die Tolnau gehen wollten, sondern, entsprechend der vorausgegangenen Werbekampagne in ihrer Heimat, ins Banat Unter ihnen sind auch einige Ahnen der spateren Kotschinger Ansiedlerfamilien zu finden, die infolge der Überredungskünste von Agenten die Gutsherrschaft von Meicy haben wählen müssen Schmidt zitiert die Aufzeichnungen des Tormascher Kirchenarchivs wie folgt Sie kamen mit den Schiffen des Kaisers bis nach Tolnau, wo sie ausstiegen Von dort wurden sie mit Kutschen der Mercyschen Gutsverwaltung weiter nach Tormasch gebracht und am 9 Mai 1724 zwischen 7-8 Uhr wurden sie einfach „ins grüne Gras geschüttet", da sie sonst nirgendwo untergebracht werden konnten Als Decke diente ihnen der Sternenhimmel Gottes und als Leintuch die moosweiche Wiese53

DER WEG VON DER TOLNAU BIS ZUM PLATTENSEE

Die Besiedlung der Schwabischen Türkei mit Serben, Slowaken und Deutschen begann bald nach der Vertieibung der Türken Nach dem Rákoczi-Freiheitskrieg ei-folgte die eiste großangelegte Besiedlung dei Schwaben seitens des Tolnauer Gioß-grundbesitzers László Dőiy, dei 1714 durch seine Agenten aus Baden, aus dei Gegend um Bieberach und aus dem Breisgau Kolonisten eingeladen hatte Das Unternehmen mißlang und die enttauschten Wurttemberger mußten nach Deutschland zuruckbefor-dert werden54 Dőiy ließ die Aktion 1718 wiederholen, diesmal aber mit Erfolg János Meszlényi aus Jorking siedelte um 1714 aus der Gegend des Neusiedleisees evangelisehe Deutsche an, die entweder Heidebauer oder - wie sonst im Ort üblich — Hepauer genannt wurden 1718 wiederholten die Grafen Wallis in ihren Besitzungen um Tolnau und Kakaschd diese Art der Besiedlungspolitik, Maiesch, Kleinmanock, War-schad und Seiwicht waren zu dieser Zeit bereits von wenigen deutschen Einsiedlern aus der ersten großen hessisch-fuldischen Ansiedlungswelle bewohnt55 In Pax/Paks, und wahrscheinlich auch in Mutschwar/Mucsfa, Udvari und Groß-Sackel findet sich um 1720 schon eine deutsche Bevölkerung 56 In der Branau und vereinzelt auch in der Schomodei erschienen zu diesem Zeitpunkt die ersten Deutschen 1720 war Szigetvár die einzige Gemeinde im Komitat mit einer vorwiegend deutschen Majontat gegenüber 28 deutschen Familien lebten hier 26 ungarische und serbische Familien57 Die seit 1722 sozusagen gruppenweise einwandernden Deutschen haben in diesem Raum wenige ihrer Landsleute auffinden können Sie hatten hier noch auf die aus dem Komitat Wesprim stammenden Ungarn und eventuell auf aus Slawonien eingedrungene Serben58 stoßen können

Das deutsche Siedlungsgebiet wurde unter Graf Mercy Claudius Florymundus d' Argenteau bedeutend ausgedehnt Hinsichtlich der jüngeren Geschichte Kotschings kann er als die wichtigste Persönlichkeit neben den Antals bezeichnet werden Neben diesen beiden sind für die aus Groß-Sackler stammenden Kotschinger Familien folgende Namen von Bedeutung Graf Styrum-Lymburg aus Simonsturmer/Simon-tornyaer, weiterhin die Familie Magyary-Kossa aus Jink, die vorhin erwähnte Familie Meszlényi, der kaiserliche Oberst, János Monasterly, der serbischer Herkunft war, der Maiescher Grundbesitzer Ferenc Kun und die Bonnharder Familie Perczel

Graf Mercy kam aus dem Elsaß, der urprungliche Wohnsitz der Familie ist jedoch in der belgischen Stadt Liege auszumachen 59 Er zog aus seinem militärischen Talent Nutzen und brachte es so zu hohen Stellungen und wurde zum Generalverwalter des Banats bzw zum Oberhaupt der Kommission ernannt, die zur Besiedlung des Banats befugt war Die Besitzungen um Hidjeß wurden ihm nicht mittels der neoaquistica commission in die Hand gespielt, sondern er erwarb sie durch ein Kaufgeschäft mit dem Grafen von Zinzendorf im Jahre 1722 Noch im selben Jahr begann er mit der Besiedlung jener gerade ubenommenen und von jeher etwas vernachlässigten Oden Vielleicht aus Rucksicht auf seine Verdienste hatte Kaiser Karl VI übersehen, daß Mercy seine Macht mißbraucht und die Kolonistengruppen auf seine Privatguter angesiedelt hatte, wie es das Beispiel mit den Tormascher Kolonisten gezeigt hat Nach seinem Heldentod bei Mantua übernahm sein Neffe und dann der Sohn seines Neffen die Besiedlungsgeschafte, die bis zum Verkauf der Hidjeßer Domäne 1773 an die Familie Apponyi weitergegeben worden waren Die Geschichte Kotschings und seiner Muttergemeinden ist also teilweise mit diesen „wohlklingenden" historischen Namen verknüpft

Den ersten Kontrakt mit den hessischen Deutschen Kleinmanocks schließt Mercy -wie wir gesehen haben - am 22 Juli 1772 1717 wurde Warschad gegründet, 1722 Hidjeß, Falschnannen und Gallas, bis 1730 entstanden noch Maratz/Mórágy, Lado-me/Ladomány, Kleindorog/Kisdorog, Apadi/Bátaapáti, Bonnhard/Bonyhád, Warasch/ Bonyhádvarasd, Ismin, Hiewrkut, Landl/Lengyel, Mosch/Mozs, Mutsching, Großma-nock, Sagetal/Szakadát60 usw , sie erhielten deutsche Kolonisten aus fast allen sudlich gelegenen Landern des Deutschen Imperiums, aus allen drei Konfessionen und aus den verschiedensten mundartlichen Regionen Anläßlich der Entstehung Kotschings im Jahre 1730 müssen wir auch die Orte kleinerer Bevölkerungszahl in Betracht ziehen und feststellen, welche Familien woher in Deutschland kamen und wo sie eine mehr oder weniger lange Zeit wahrend ihres Aufenthaltes in der Branau und der Tolnau verbracht hatten

Die Lage scheint in der Tat kompliziert zu sein, aber nicht so sehr, wie man das nach dem ersten Lesen einei langen Reihe von Ortsnamen vermuten konnte Die konfessionelle Zusammengehörigkeit, das zuweilen gesetzmäßige Zusammentreffen der Vor- und Zunamen, die vergleichende Untersuchung bestimmter evangelischer Kirchenbucher in den Komitaten Branau-Tolnau-Schomodei, die in manchen von diesen vorfindbaren wenigen Eintragungen bezuglich der Herkunft der Familien ab-weichen.wie die Suche nach Daten im römisch-katholischen Kirchenbuch der Kirchengemeinde Karád liefern uns Anhaltspunkte für diese Arbeit Seit 1745 mußten die evangelischen und die reformierten Einwohner Kotschings ins Kirchenregister in Karád eingetragen worden sein Eheschließungen, Taufen, Sterbefalle sind in dieses Buch von verschiedenen Geistlichen in Karád eingetragen worden entweder vom Pfarrer selbst oder von einem der ihm unterstellten Kaplane Bis zum Jahre 1745 61 war das anders, denn bis dahin registiierte diese Angaben Mihael Harmónia (Hárman, Hermán) der erste Lizentiat-Schulmeister Kotschings in einem von ihm selbst eingeführten Büchlein Laut Überlieferungen sollte dieses kleine Buch das erste Kotschinger Kirchenbuch gewesen sein Bei vielen Autoren - unter anderem auch bei Johann Schmidt - findet dieses Heftchen Erwähnung, doch ist es im Laufe der Zeit abhanden gekommen und verschwunden Sollte dieses unersetzliche Dokument wieder zum Vorschein kommen,62 dann konnten auch neue Daten und Zusammenhange ans Tageslicht geholt werden, die die Behauptungen des vorliegenden Aufsatzes gewissermaßen modifizieren oder mit einigen Einzelheiten bereichern wurden

Behilflich bei der Erschließung dieser Zusammenhange waren in Deutschland besonders die Auswandererkarteien des Hessischen Staatsarchivs in Darmstadt, die Dokumente des Ungarischen Staatsarchives, wie der Archive in der Tolnau und Schomodei Aufgaind der Quellen dieser Institute legen wir die Liste vor, die die bisher erschlossenen Angaben der Kotschingei Familien beinhaltet

 

 
 
 
 
 

1-2. Wir wissen nichts Näheres über die Familien Anders und Andresz, nicht einmal, ob etwa die beiden Namen bloß durch eine fehlerhafte Eintragung entstanden sind. Die Variante Andresz läuft gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus, der männliche Zweig der Anders-Linie ist vor einigen Jahren ausgestorben.

3. Kaspar Auman ist einer der Dorfgründer. In Mutschwar lebte zwar eine Familie Auman, aber auch die unmittelbare Auswanderung aus Hessen ist durchaus vorstell bar. In Niedernhausen, Billings und Groß-Bieberau leben noch heute viele Familien dieses Namens. Der männliche Zweig starb mit István Atádi während des Zweiten Weltkrieges aus.

4. Der Name Bauman taucht kurze Zeit im Karáder Kirchenregister auf. Gegen En de der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts ist ihr Name im Dorf nicht mehr zu finden. Die Herkunft der jetzigen Familie Bauman ist Bayern.

6. Johannes Becker geht 1721 nach Moratz.63 1725 ist er in Gallas zu finden, von wo seine Nachkommen nach Kötsching gelangten. Sie sind zwar in der Konskription des Schomodeier Komitats aus dem Jahre 1771 noch nicht zu finden64, wohl aber in der Liste des Kötschinger Pfarramtes. Aus Laky ist uns ein gewisser Bodo Becker überliefert 65, dessen Name allerdings in anderen Schriften nie aufscheint, wohl aber 25 Jahre später der der Familie. Es ist durchaus vorstellbar, daß seine Kinder(?) nicht aus Gallas, sondern unmittelbar aus Tormasch gekommen sind.

11. Andreas Berner kommt am 5. April 1763 als Gevatter bei der Kindstaufe Georg Tills Tochter Dorothea vor. Bei Laky wird er als Dorfgründer erwähnt, doch taucht bis zum obigen Datum kein Berner auf. Der Name läßt sich nach Süd-Hessen zurückverfolgen: um Groß-Bieberau war dieser Name in der Form „Bernius" sehr verbreitet und ebenso in Kötsching bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.66 Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließ man die verwüsteten Darmstädter Orte durch Leute aus der Schweiz besiedeln, unter anderem durch solche aus der Umgebung von Bern, wo während des nlangen Krieges sogar ein Bevolkerugsuberschuß entstand Dieser „Bernius" schweizerischer Herkunft ist wahrscheinlich irgendwann in der ersten Hälfte des 18 Jahrhunderts nach Ungarn ausgewandert Im Gegensatz zu Laky taucht er also erst um die Mitte des 18 Jahrhunderts in Kotsching auf

12 Die Familie Baider aus Worfeiden in der Nahe von Russeisheim ließ sich 1722 in Groß-Sackel nieder Von hier gingen sie nach Kotsching 67 Die Daten von Laky sind genau Josef Bruder finden wir 1730 in Kotsching, sein Sohn heiratet am 19 Januar 1754 eine junge Frau namens Margarethe aus Raitzkosar/Ráczkozár (heute Egyházas-kozár), die zu jener Zeit in der Budosgat-Pußta zwischen Karád und Tekerespuszta lebte 68 Die Budosgat-Pußta existiert heute nicht mehr, nur der Name „Budosgáti Árok" (Budosgát-Kanal, kartographische Benennung Kőnses víz) erinnert an die ehemalige Pußta Mit der Zeit übersiedelten alle Familienmitglieder nach Kotsching, Georg Bruder - wahrscheinlich der Bruder von Josef - tauft seinen Sohn Friedrich am 7 Oktober 1763 in Kotsching 69 Sein Vater, Peter Bruder, der noch in Russeisheim geboren worden war, starb am l6 September 1777, im Alter von 77 Jahren in Kotsching Johann Georg Bruder - vermutlich sein jüngerer Bruder - stirbt 1778, im Alter von 65 Jahren ebenfalls in Kotsching 1783 ist die Familie bereits in fünf Linien verzweigt, im 19 Jahrhundert starb die männliche Linie endgültig aus

15 Die Familie Buchenauer (nach dem Kotschinger Volksmund Pukonár) ist in der Einwandererliste nicht zu finden Erst sehi spat, im 19 Jahrhundert erscheinen sie in den Kirchenbuchern, obwohl sie in Warschad 1722 als Dorfgrunder registriert sind Johann Buchenau kam mit Anna Barbara Buchholz ursprünglich aus Storndorf Sie heirateten 1706 in Ober-Breidenbach 70 Der männliche Zweig lebt heute noch in Kotsching unter dem Namen Bakonyi Der Familienzweig in Somogymeggyes starb 1993 aus

16 Die Familie Buchholz kam über die Familie Buchenauer nach Kotsching, wobei im 19 Jahrhundert einige Trager dieses Namens erwähnt werden (Heinrich, Johann), aber der Name Buchholz kam zuerst durch Barbara Buchholz ins Dorf Die mannliche Linie der Familie allerdings wurde hier nicht seßhaft und wanderte wahrscheinlich aus

18. Der Name Christ war in den Komitaten Branau-Tolnau-Schomodei weit verbrei tet Es ist anzunehmen, daß Leonhardt und Johann Christ von den Warschad-Gallaser Christs stammen, die 1748 bzw 1749 in die Familie Ubnk eingeheiratet haben Es muß zwar noch weiter darüber geforscht werden, aber es ist beinahe sicher, daß der Urva ter der Gallaser Heinrich Chnst71 sein muß Im 19 Jahrhundert hatten sie noch zwei Linien, die aber mannlicherseits bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts ausstarben 72

19. Der Familienname Czinkann gehört zu den alten Namen der Gemeinde Groß- Sackel Sie zogen mit den anderen Groß-Sackler Lutheranern, die aus konfessionellen Gründen den Ort verließen („ausschwärmten"), aus Groß-Sackel in Richtung Süden (Mekenitsch/Mekényes), und die Familie lebte spater in Taufen/Tófű In Kotsching tauchte zwischen 1740 und 1750 eine Person mit diesem Namen auf, aber kurz darauf verschwand sie aus der Gemeinde Die heutige Familie Czinkan (Herkunft Kapoly) soll mit ihm nicht in unmittelbarer Verwandtschaft stehen, aber es wäre möglich, daß ihre Herkunft ebenso Groß-Sackel ist73

20 Mit den Einwanderern namens Decker beschäftigt sich auch Johann Schmidt in dem Gallaser Teil seines Buches ausführlich Es laßt keinen Zweifel daian, daß sie von Gallas nach Kotsching kamen Viel wahrscheinlicher ist es aber, daß sie durch die Familie Heil (Heyl) nach Kotsching gelangten, und zwai so, daß ein Teil der Verwandschaft in Groß-Sackel mit den Heils in Eheverbindungen bzw Gevatterbeziehungen standen Bei László Szita erfahren wir anlaßlich einer Konskription aus dem Jahre 1793/94 etwas über sie, wobei er den Namen von Andreas Decker erwähnt74

22 Die Eckerts waren unter diesem Namen nie im Dorf ansässig Sie waren Groß-Sackler und Maigarethe Eckert kam als junge Frau von Martin Lohi um 1760 nach Kotsching Sowohl sie als auch ihr Mann waren Lutheraner

28. Die Familie Feick lebte bis zu ihrer Flucht in der Umgebung von Ober- Ramstadt Übrige Familienmitglieder, die auch nach der Flucht dort geblieben sind, erscheinen in der Mitte des 18 fahihunderts in Groß-Bieberau, um 1750 taucht ihr Name in Maiesch auf, von wo sie dann weitei wanderten 75 In Groß-Bieberau findet man noch viele Nachkommen der Feicks

29. Stephan Felde heiratet am 23 Januar 1748 Anna Kenyér in Kotsching 76 Laut Schmidts Angaben wählten sie Falschnannen als ihre erste ungarische Station, etwas spater dann noch Kleinmanock und Dorotschke 77 Da Dorotschke erst 1758 gegründet und die Familie schon seit 1748 in Kotsching lebte, scheint einigermaßen sicher, daß jemand von ihnen aus Kotsching nach Dorotschke hinubergekommen war Bei Laky werden drei Familien Felde erwähnt die von Adam, Heinrich und Wilhelm Diese drei Namen kommen in den Kirchenbuchern immer wieder vor, verschwinden aber zwi schen 1748 und 1758, sodaß sich die Frage stellt, ob sie wirklich die Dorfbegrunder gewesen waren, obwohl dies nicht ganz auszuschließen ist Die Familie bleibt bis weit in die 20er Jahre des 19 Jahrhunderts reformiert Die oben erwähnte Eheschließung bnngt die erste bekannte deutsch-ungarische gemischte Ehe in Kotsching zustande (Anna Kényéi war reformiert) Ihr deutscher Heimatort ist uns nicht bekannt

30. Die andere reformierte Familie ist die Familie Ferber Ihr Herkunftsort kann mit Hanau bei Frankfurt am Main bestimmt werden Unter den Begründern von Gallas finden wir eine Familie Ferber Das Familienoberhaupt, Benedikt Ferber, ist in der Konskription von 1723/24 des Tolnauer Komitats eingetragen 78 Zur selben Zeit lebte eine große und kinderreiche Familie mit den Zweigen von Nicolaus, Daniel und Ge org Ferber auch in Groß-Sackel Die Namen Daniel und Johann Georg Ferber tauchen um 1740 in Kotsching auf Sie sind alle reformiert und gehören der Groß-Sackler Linie an In dieser Zeit erscheint hier ein Martin Ferber, er konnte ein Angehöriger des Gal laser Kreises sein Martin heiratete Anna Cathenna Stephan am 2 Januar 1732 in Gallas Johann Ferber heiratete Barbara Lohr, die auch reformiert war Ihren Sohn, Hein- nch, ließen sie am15 September 1748 in Kotsching taufen 79 Martin nimmt die Kot schinger reformierte Margaritha Rosenbecker zur zweiten Frau 1754 taufen sie ihr erste Tochter. Daniel Ferber heiratete am 18. Januar 1757 in die Familie Jung ein. Sie wurden zu einer der größten Familien der Gemeinde, deren Mitglieder nach Dörötschke weiterwanderten. Die Kötschinger Ferbers scheinen im 20. Jahrhundert in anderen Familien auf, die Dörötschkeer wurden 1946 aus der Heimat vertrieben, und leben seitdem in Bietigheim (Baden-Württemberg).

32. Die Familie Firnperger weilte nur eine kurze Zeit in Kötsching; sie traten am 4. November 1772 durch eine Eheschließung in eine engere Verbindung mit der Familie Storck/Stark. Die kirchliche Konskription 1784/93 erwähnt sie nicht mehr, sie dürften mittlerweile abgewandert sein. Sie stammten aus Gelnhausen. Laut der Aufzeichnungen in Deutschland wanderten einige aus der Familie am 10. April 1766 nach Rußland aus. Wir haben den Verdacht, daß sie nicht bis zum Schwarzen Meer gelangten. Gleichzeitig erscheint nämlich in Kötsching ein gewisser Jacob Kayser, dessen Frau nach den Darmstädter Evidenzführungen Elisabeth Firnberger hieß.80

35. 1724 wurde in Warschad der Name Ludvik Franz - mit der Ergänzung, daß er in Warschad im Juni 1722 angekommen ist - eingeschrieben. Der Name Franz ist bei Laky nicht erwähnt, ebensowenig in den Registraturen von 1750. Die erste Eintragung des Namens in Karád erfolgte am 19- November 1766, als Johannes Auraan Elisabeth Francz heiratete. Die erste Erwähnung des männlichen Zweiges fällt auf den 27. August 1775, als Adam Francz und Margarethe Rudolf ihre Hochzeit in Kötsching hielten. 1771 treffen wir Adam Francz schon in der Konskription des Komitats Schomodei. Er soll der Sohn von Ludvik Franz, des Warschader Kolonisten, gewesen sein. Ludvik stand in verwandtschaftlicher Beziehung mit der Familie Franz in Groß-Säckel. (Conrad Franz, das Familienoberhaupt ist mittlerweile nach Simonsthurm/Simon-tornya umgezogen.) 81 Sie bildeten um 1793 vier Zweige in Kötsching: Adam, Heinrich, Wilhelm und Simon.

36. Den Namen Adam Frang (Frank?) notiert Szita in seiner Berufung der Konskription 1794. Weder in den Listen der Komitatsdokumente noch bei Laky finden wir ihn. Man rechnet hier mit einer Fehlschreibung des Namens Franz, der mit der Person von Adam Francz identisch ist. Eines ist sicher: die evangelische Familie Frank taucht um 1820 in Kötsching auf und ihr letztes weibliches Mitglied verstarb um I960.

40. Wir finden drei Familien Friedrich in der Aufzählung Lakys. Gesichert ist aller dings nur eine Pionierfamilie. Es ist die von Johannes Friedrich, der im Steuerausweisdes Komitats 1754 aufgenommen wurde. Konrad war sein Sohn, und Laky hat auch diesen Namen jenen der Familienväter beigelegt. Johann Friedrich starb am 28. Juni 1778 mit 59 Jahren in Kötsching. Sie sind unmittelbar aus Hessen-Darmstadt und aus Rodau eingewandert. Es geht hier nämlich um den ältesten Sohn Johann Peter Fried richs, dessen Frau Anna Ließ geheissen hat.82 Die späteren Beziehungen der FamilienLisz und Friedrich in Kötsching beweisen diese Behauptung.

41. Gaspari: Eine schon im vorigen Jahrhundert in anderen Familien aufgegangene Familie. Friedrich Gaspari starb mit 58 in Kötsching. Bei Laky kennen wir sie als Dorf begründer. Sie stammen aus Oberhessen.

42. Die Familie Gebel dürfte unter der Führung ihres Urvaters Heinrich unmittelbar aus Hessen gekommen sein. Der Herkunftsort der Familie ist nicht geklärt, aber er kann auf die Umgebung von Rainrod eingegrenzt werden. Die Frau Georg Gebeis, Marianna, starb am 11. April 1773 im Alter von 60 Jahren in Kötsching.83

43- Am 23. Juli 1747 erfolgt die erste Erwähnung der Familie Grosch/Garas im Karáder Kirchenregister. Johannes Grosch, der Mann von Elisabeth Gaspari, wird hier als Taufpate bezeichnet. Der Name ist in Hessen sehr verbreitet. Vermutlich sind sie aus dem Alsfelder Kreis.

45. Bei Szita werden zwei Linien der Familie Gutman angeführt. Eine ist die War schader, die andere die Groß-Säckler. Der Ursprung der Kötschinger Gutmans liegt in Warschad, sie wanderten aus Holpersheim ein.84 Der Kötschinger Gutman-Zweig war nie kalvinistischer Konfession, hingegen der in Groß-Säckel immer reformiert war. Bei Laky findet sich die Bezeichnung „Gutman öreg" (Gutman der Alte): es ist der um I690 geborene Warschader Johann Gaspar Gutman. Am 20. Mai 1760 stirbt er in Köt sching.

46. Die Familie Haas erhält bei Laky wieder eine Vergrößerung; nur Hieronymus Haas kann als um 1730 Eingewanderter angenommen werden, Johann nicht. Ihren ersten ungarischen Wohnsitz hatten sie in Maiesch bei Bonnhard. Hieronymus Haas diente nach der Verschleppung Michael Harmonias 1745 als illegaler Schulmeister bis in die ruhigeren josephinischen Zeiten.

47. Michael Harmónia, der erste Lizentiat-Schulmeister Kötschings gehörte nicht der ersten Kolonistengruppe an. Die Tragödie seines Lebens wird als das interessan teste Kapitel in der konfessionellen Geschichte des Dorfes dargestellt. Seine Herkunft ist unbekannt, einige Überlieferungen bezweifeln sogar seine deutsche Abstammung. Er stirbt als Katholik in Karád, wohin die Husaren ihn verschleppt hatten. Sein Sterbe datum ist der 27. März I860. Vor seinem Tode wurde ihm die letzte Ölung erteilt.85

54. Die Familie Hartmann verließ um 1740 Warschad 86 und kam nach einiger Zeit des Herumwanderns schließlich nach Kötsching. Johannes Hartmann treffen wir allerorts in den Registern; er war der Sohn eines Tischlermeisters in Warschad. 1749 schloß er eine Ehe in Kötsching.87 Ihre ursprüngliche Heimat soll Süd-Hessen gewesen sein, und zwar aus dem Raum des Groß-Bieberauer Kirchspiels.

57. Die Kötschinger Helfenbein-Familie ist die zweite Generation der Warschader Helfenbeins. Johannes Helfenbein geht 1726 nach Gallas, 1728 ist er hier Schulmeister, später bekleidet er dasselbe Amt in Mekenitsch. Der Kötschinger Zweig verschwand im vorigen Jahrhundert.

60. Die Familie Hermann gelangte in Person Joseph Hermanns nach Kötsching, dessen konfessionelle Zugehörigkeit kalvinistisch war, wie die meisten Kötschinger aus Groß-Säckel. Er stirbt auch als Reformierter am 26. April 1772 in Kötsching, im Alter von 68 Jahren.88 Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen der Söhne von Philipp Herman aus Semd, die schon vor den karolianischen Aussiedlungen, 1720, illegal nach Ungarn gekommen sind.89 Seine Witwe, oder Mutter (?) - wenn es kein Schreibfehler ist - starb 1779 im Alter von 100 (!) Jahren in Kötsching.90 Eine andere Gaippe der Familie übersiedelte von Groß-Säckel nach Ismin.

63. Laky schreibt, daß Fiedrich Hörner ein Dorfbegründer sei. Sie stammen aus dem Kreis von Groß-Bieberau, vielleicht aus Billings. In Groß-Säckel sind sie in derKonskription aus dem Jahre 1724 erwähnt worden, in der des Jahres 1730 aber nicht mehr.91

64. Die Familie Heffland (Iffland) trägt einen für Groß-Säckel typischen Namen. Mittels der Familie Felde dürften sie nach Kötsching weitergewandert sein. Am 20. Mai 1771 läßt Leonnard Heffland seine Tochter Elisabeth in Kötsching evangelisch taufen. Der Pate ist der reformierte Adam Felde.92 Der Name Heffland war Anfang des 19. Jahrhunderts noch bekannt.

65. Die Familie Heil ging nach 1762 nach Kötsching. In diesem Jahr wird Anna Barbara Heil die Frau von Nicolaus Gutman. In Warschad findet man 1724 Johann Heil, der im Juli 1723 aus Deutschland, und zwar aus der Umgebung von Rainrod, hier eingewandert ist.93 Sie waren demnach sowohl in Groß-Säckel als auch in Jink be kannt. Nicolaus Gutman, dessen Familie ebenfalls aus Warschad kommt, heiratete eigentlich eine Frau aus seinem ehemaligen Dorf. Die männliche Linie lebte nie in Kötsching.

73. Die Familie Jäckel wohnte unter dem Namen Jockei in Falschnannen.94 In Köt sching waren sie ausschließlich in der weiblichen Linie vertreten.

74. Der Name Just ist in der Schwäbischen Türkei äußerst verbreitet. 95 Die Linie in Kötsching kam aus Groß-Säckel, ihren deutschen Ursprung konnten sie von Grainfeld herleiten. Friedrich Jost, der hiesige Familienvater starb am 15. Dezember 1775 mit 70 Jahren in Kötsching. 96

75. Die Familie Juhe wird bei Laky als Gründerfamilie angeführt. Der eigentliche Gründer war aber nicht Heinrich, sondern Johann; Heinrich war nämlich sein Sohn. Ihre Herkunft von Groß-Säckel wird durch ihren reformierten Glauben glaubhaft ge macht. Valentin Jutre" ist noch im Jahre 1799 von kalvinistischer Konfession.97

77. Die Familie Karl (Karli) hat ihren Ursprung in Kleinmanok. Nach unseren heutigen Kenntnissen sind sie väterlicherseits erst um 1771 in der Gemeinde in großer Anzahl ansässig. In den 30er Jahren finden wir schon eingeheiratete Frauen als Mitglieder in der Kirchengemeinde. Im Juli 1741 wurde Johann Jakob, der kleine Sohn von Johann Heinrich Karli getauft.98 Am 20. Juli 1772 heiratet Jacob Karl (Er ist das getaufte Kind.) Cunigunde Richter und noch im selben Jahr, am 4. November, nimmt Dorothea „Karol" als die Frau von Johannes Storck an der Tauffeierlichkeit der Familie Storck als Patin teil.99

80. Die Familie Keller hat keinen klaren Ursprung. Sie heirateten in die Familie Werbach ein. Maria Elisabetha Keller wird als erste dieses Namens am 7. Oktober 1763 urkundlich erwähnt. Schnell hintereinander wird sie nämlich als Teilnehmerin an mehreren Taufen genannt.100 Die männliche Linie stirbt 1783 aus bzw. wanderte ab.

81. Die Familie Kerber gehört nach Laky dem Lager der Dorfgründer an. Bis 1783 kommt jedoch der Name von Johannes Kerber in den Urkunden nicht vor. Bis 1753 stoßen wir nicht einmal auf den Namen Kerber. Von da an findet man sie allerdings in weiblicher Linie. Zehn Jahre später lesen wir über eine Eheschließung am 7. Februar 1763, als die Braut, Theresia Kerber von Konrad Tefner geheiratet wurde.101

85. Weder in Ungarn noch in Deutschland verfügen die Körners über einen eindeutig geklärten Herkunftsort. Vielleicht sind sie der Warschader Familie Körner (Kerner) gleichzusetzen. In diesem Fall werden sie aus Süd-Hessen (Groß-Bieberauer Kirchspiel, Kreis Umstadt) abgewandert sein. Heinrich Körner heiratet Catharina Pot-zik im Jahre 1762.1021783 finden wir sie aber nicht mehr in Kötsching.

89- Szita schreibt, daß die Familie Knoch in Kötsching eine primäre Kolonistenfamilie gewesen sein sollte.103 Bei Laky lesen wir von einem Jacob Knoch, dieser Name kommt aber erst später in Kötsching vor, und zwar am 27. Januar 1771, in einem Steuerregister. 104 Dieses wurde 1730/31/32 in Groß-Säckel vorausssichtlich in Anwesenheit seiner Brüder, Michael und Nicolaus erstellt. Sein Sohn (evtl. Neffe), Andreas, vollzieht aber die Taufe an seinem Sohn Johannes Georgius am 8. Juli 1748 in Kötsching. Jacobus hatte also an der Dorfgründung im April 1730 als Pionier nicht teilnehmen können. Als alter Mann zog er zu seinen Kindern und Enkelkindern nach Kötsching.

91. Die Familie Krausz kam aus Gallas nach Kötsching, und zwar mittels der Galla ser Beziehungen der Familie Storck. Peter Storck, der Sohn von Konrad Storck heiratet 1763 Elisabeth Krausz. Jacob Krausz heiratete am 19. Februar 1777 in die Familie Bruder ein,105 und mit diesem Akt erscheint die Familie Krausz fortan in Kötsching auch in männlicher Linie.

92. Die Familie Kurcz trifft um 1760 in Kötsching ein: Dorothea Kurz wird die Frau von Andreas Berner. Zwei alte Frauen der Familie sterben in Kötsching: Catharina Kurcz am 30. Dezember 1771 mit 70 und Gertrud Kurcz am 20. Januar 1764 mit 60 Jahren. Ihre Herkunft ist unbekannt.

94. Die Familie Landek (Landeck) ist eine alteingesessene Groß-Säckler Familie. In der Konskription 1731/32 lesen wir über Andreas „Landeg",106 Bei Laky wird Stephan Landek als Gründer erwähnt und um 1750 stößt man überall auf seine drei Söhne: Andreas, Stephan und Georg. In ihren Familienbeziehungen kann es als etwas Interessantes aufgefaßt werden, daß Ursula Landek die Frau von Michael Harmónia gewesen war. Am 9. März 1749 starb sie in Kötsching, sie folgte also ihrem Mann nicht in die Karáder Verbannung.

95- Die Nachkommen von Stephan Lampman vermehrten die Zahl der vielen Kinder in dieser Familie in Kötsching. In Warschad tauchen sie schon im Juni 1721 auf."107 Laky führt sie nicht an, erst am 24. Mai 1748 können wir über Jacob Lantman lesen, der seine Tochter, Anna Cunigunda, an diesem Tag zur Taufe tragen läßt.108

101. Eine unmittelbare Ankunft aus Deutschland ging der Ansiedlung der Familie Lohr voraus. Sie kamen aus der Stadt Langen, nördlich von Darmstadt. Johannes Jacob Lohr wanderte mit der Familie in die Batschka aus. Zu seiner Familie gehörte Johannes Lohr, der nach 1730 unmittelbar aus Langen gekommen ist. Johannes Lohr war ein Reformierter. Im Alter von 56 Jahren starb er in Kötsching. In Langen gibt es auch heute noch mehr als fünf Linien der Familie Lohr.

102. Aus Leusel (Oberhessen, bei Alsfeld) kam Georg Heinrich Lux nach Gallas. Dabei ist in der Liste von Laky eine Unregelmäßigkeit zu beobachten, denn Georg Heinrich Lux findet man 1738 noch in Gallas109 an, und Johann Heinrich Lux begegnet man bis 1771 nicht in der Registratur. Georg Lux starb am 12. Mai 1775 in Kötsching. Er wurde 56 Jahre alt.

103 Der Name Markelt ist die Fehlschreibung des Namens Markolft. Die Familie siedelte sich in Tormasch an und kam aus dem Oberhessener Maulbach. 110Der Name ist in der Schwäbischen Türkei relativ selten. Man kann annehmen, daß aufgrund der Gewohnheit, Eheschließungen durch Bewohner der zwei Dörfer einzugehen, die Ehe von Anna Barbara Markelt und Henrik „Helftipán" (Helfenbein) am 6. März 1768 zustande kam.111

104. Die Familie May (Máj) hat ihren Ursprung entweder in Tormasch oder in Ma-josch, es ist aber durchaus möglich, daß sie in beiden beheimatet waren, falls zwischen den Majoscher und Tormascher Linien eine Verwandschaft nachgewiesen werden konnte. Bei Laky finden sie keine Erwähnung, und auch im Karáder Kirchenbuch sieht man den Namen Georg May erst am 1. Mai 1748. In Groß-Bieberau und Umgebung lebte einst auch eine Familie May. Auch Groß-Säckel, Jink und Warschad können diesbezüglich in Frage kommen, ebenso aber auch alle evangelischen Siedlungen des untersuchten Forschungsbereiches.

106. Die Ahnen der Familie Merkel sind in der Umgebung von Romrod in Ober hessen zu suchen.112 Spätere Forschungen werden noch erschließen, in welchen Or ten genau. In Gallas wird 1724 in der Konskription des Tolnauer Komitats der Name Johann „Merkli" angeführt.113 Einer ihrer Stämme ließ sich in Jink nieder. Die Merkels in Kotsching könnten eine Abzweigung dieses Stammes, wenn auch nicht des erste- ren, sein. 1771 findet man sie noch nicht. Am 2. Februar 1792 schließt Franz Merkel die Ehe mit Barbara Reichert, und zwei Jahre später Heinrich Merkel mit Dorothea Kurcz.114 Aus der Ehe der letzteren stammt die heutige Familie Merkel (Marosi).

107. Einer der häufigsten Namen in ganz Hessen ist der Name Märtz (März, Merz). Der Kötschinger Zweig kam aus Groß-Säckel. Johann Merz stirbt in Kotsching im Alter von 40 Jahren.115 Danach stirbt die Familie um 1820 vollkommen aus oder sie ist in einen anderen Ort umgezogen. Es ist auch nicht unvorstellbar, daß der Dörötschkeer Zuname Menz/Mencz eine Fehlschreibung des Namens Merz ist.

109. Aus dem Oberhessener Breidenbach sind die Ahnen der Familie Müller gekommen. Bei Laky erscheint zwar eine Familie Miller, es ist aber nicht sicher, daß dieser Miller mit dem Müller aus Groß-Säckel bzw. Breidenbach identisch ist. Die Müllers in Groß-Säckel gelangten durch ihre Familienverbindungen mit der Familie Tefner nach Kotsching. Es handelt sich hier höchstwahrscheinlich um zwei Müller-Familien. Alle Linien lebten bis unlängst, und in mehreren Familien scheinen sie in weiblicher Linie auf. Die Linie in Somogymeggyes steht mit der aus Breidenbach-Groß-Säckel in verwandschaftlicher Beziehung.

112. Die Familie Pabst/Papszt kamen aus Tormasch: in eine Konskription wurde der Name „Gotfrid Pabs" eingetragen.116 Der Umzug mußte ganz spät, um 1782 vollzogen worden sein. Der Anlaß dazu war die Hochzeit mit Susanna Gutman.

115 Wir konnten sehr wenig über die Familie Potzik erfahren. Sie sollen irgendwann um die Mitte des 18. Jahrhunderts unmittelbar aus Deutschland gekommen sein. Ihre Herkunft ist völlig unklar.

116 Ein sehr häufiger Zuname von heute ist der Name Prescher in Groß-Säckel. Seit 1724 trifft man sie im dortigen Register.117 Am 20. Dezember 1761 kam Helene Prescher in die Familie Simon in Kotsching, zwei Jare später ihr Bruder in die Familie Lohr.118 Sie waren beide reformiert. Ihre männliche Linie starb erst in den 1950er Jah ren in Kotsching aus.

117 Der Name Prutschegne(r) ist wegen seiner Kuriosität erwähnenswert. Seine Schreibweise ist unsicher, der Ursprung vollkommen unklar. Ursula Prutschegne stirbt mit 44 Jahren als Frau von Michael Lohr in Kotsching.

118 Jacob Pummer war an der Gründung der Kirchengemeide zweifellos beteiligt. In alle Konskriptionen sind sie eingetragen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten sie eine sehr große Familie, eine fast unübersichtliche Verflechtung der verwandt schaftlichen Beziehungen. Es ist überraschend, daß der Name am Ende des vorigen Jahrhunderts ausstarb. Die Familie war immer evangelisch. Sie sind aus Rüsselsheim gekommen.

119 In den Materialien von Laky ist die Familie Raab nicht aufgelistet. Sie erschei nen erst in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts. Kistormás und Warschad können als ihr erster Wohnort bezeichnet werden. Johann Gottlieb Raab aus Leystadt kommt erst einige Jahre nach der Gründung von Tormasch im Jahre 1724 nach Ungarn.119 Sie kamen von dort nach Kotsching, später gingen sie nach Etsching/Ecseny weiter. Von Etsching aus hat Friedrich Raab in den 1860er Jahren nach Kotsching „zurückgeheiratet". Die weibliche Linie starb 1985 aus.

121. Die Familie Rallion (Rall) war eine alte Familie in Warschad. Der Name ist französischer Herkunft.120 Zur Zeit der französischen Kriege bis 1697 belief sich die Anzahl der nach Hessen umgesiedelten Franzosen Elsässer Herkunft, die sich vor den Plünderungen der frazösischen Truppen zu schützen versuchten, und ein Asyl in der benachbarten Pfalz erhielten. Eine Menge von ihnen fiel auch auf Hessen. Lange lebten sie in Warschad, nach Kotsching kommen sie erst im XIX. Jahrhundert.

123- Die Familie Reichert wurde zuerst in Großmanock etwa um 1722, anläßlich der Gründung des Dorfes angesiedelt. Nach der Konskription des Komitats Tolnau kam Lorenz Reicher 1722 aus Hessen.121 Aus Großmanock sind sie nach Kotsching weitergegangen, und sie waren höchstwahrscheinlich 1730 schon da. Nach der Fachliteratur gibt es eine große Auswahl ihrer möglichen Herkunftsorte: Raibach, Calbach, Eckartshausen, Orleshausen, Niedersaulheim, Berchtoltsheim.122 In Lakys Aufzählung konnte nur Hermann der Familienvater sein, Adam Reichert wurde nämlich erst etwa um 1720 geboren. Schon im 18. Jahrhundert fing ihre unglaublich dynamische Expansion an. Bis 1799 waren von ihnen 8 (!) Stämme bekannt.123 Im heutigen Kötsching tragen ca. 45% der deutschstämmigen Bevölkerung diesen Namen.

126. In allen Materialien über Groß-Säckel, Warschad und Jink kommt der Name Reinhardt sehr oft vor. Doch weder bei Laky noch in den Kirchenbüchern finden wir ihn. 1799 sind sie noch nicht im Dorf. Laut Familientraditionen ist Heinrich Reinhardt um 1810 aus Warschad nach Kötsching gekommen.124 Nach 1810 kommen sie in den Kirchendokumenten regelmäßig vor. Ihre Verbindungen mit Groß-Säckel und Jink scheinen auch wohlbegründet zu sein. Alle sind evangelisch, dies schließt mehr oder weniger ihre Groß-Säckler Ansässigkeit aus. Der Name kommt in Hessen sehr oft vor, ihre Heimat jedoch zu finden, erwies sich bisher als unmöglich. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß es im Laufe des vorigen Jahrhunderts gleichzeitig mehrere Reinhardt-Familie gab.

124. Heinrich Adam Richter nimmt die Taufe seiner Tochter Anna Elisabeth am 30. April 1747 in Kötsching vor. Es ist die erste Erwähnung der Familie. Der Zweig, der bei Laky erwähnt wurde, ist der Dorfgründer, der andere Zweig reicht wegen der Familienbeziehungen mit den Familien Tefner und Gutmann bis Groß-Säckel. Diese Verwandtschaft bleibt bis zur Mitte des 19. Jahrhundrts sehr intensiv. Aus den kirchlichen Quellen in Groß-Säckel ist nicht ersichtlich, aus welchem Ort in Deutschland sie gekommen sind.

130. Szita nimmt die Heimat der Familie Roth in Südhessen an. Sie waren Mitglieder der sogenannten „odenwälder Kolonie" in Mutschwar. Sie sind sehr früh schon, ca. 1721, aus der Stadt Klein-Umstadt gekommen. Sie waren in Gallas und nach 1760 auch in Dörötschke wohnhaft. Fünf Zweige der Familie waren 1799 in Kötsching bekannt, wobei die männlichen Linien nach dem Ersten Weltkrieg ausstarben. Beinamen wie „Rothphilipp", „Rothphilipp-Fonyó", 'Rothphilipp-Keller" , „Onkel Rothphilipp-János" usw., sind aber ihnen zu verdanken.125

133. Die Familie Ruppert wanderte vor 1783 nach Dörötschke ab. Ihr ursprüngliches Nest war Gallas, wohin sie 1722 aus Ober-Gleenbach (Kreis Alsfeld) gekommen sind. Adam Ruppert, der Sohn des Gallaser Konrad Ruppert ging etwa um 1740 nach Kötsching. Dort starb er 1752 mit 34 Jahren.126

136. Die Familie Schmitt treffen wir erst in den 1760er Jahren in Kötsching über Vermittlung von Groß-Säckel bzw. Jink mittels ihrer Kontakte zu den Familien Gebel, Keller und Tefner.127 Am 28. August 1763 heiratet Petrus „Köböl"128 Barbara Schmitt in Kötsching. Es ist der Jinker Kontakt. Johann Peter Schmit kam aus Groß-Gerau in Hessen in Jink an.129 Eine Familie Schmitt lebte in gleicher Zeit auch in Groß-Säckel. Er ist Johann Heinrich Schmitt aus dem kurpfälzischen Appenheim (Oppenheim), der Anna Veronica Hock am 23. Januar 1730 in Groß-Säckel heiratet. Johann Heinrich Schmitt stirbt kurz darauf und die junge Witwe heiratet Johann Adam Täffner am 24. Juni 1733 in Groß-Säckel, den jungen Mann, der zur großen Familie Tefner (Teffner, Deffner, Tafferer usw.) gehört, die aus der Degenfeldischen Grafschaft (Jurisdiktion) in Oberhessen stammt. Alle zwei Familien leben in den 1770er Jahren in Kötsching. Die Urquelle der heutigen Familie Schmidt ist also die Kurpfalz.

139 Gleich nach 1730 lebt die Familie Schupp in Kötsching. Sie kamen unmittel bar aus Groß-Bieberau, ihr urprünglicher Name war Schuppkegel, der in der neuen Umgebung vereinfacht und abgekürzt wurde. (Ein ähnlicher Fall: Rallion - Rall) Ge gen Ende der 1770er Jahre sind sie bereits alle abgewandert. Noch 1771 wird der Name Friedrich Schopp in der Konskription des Komitats Schomodei angeführt. 1783 findet man sie nicht mehr in der Gemeinde.

140 Die Familie Seibert verbrachte nur wenige Zeit im Dorf. Bei Laky ist sie nicht erwähnt, keine Registrierungslisten lassen ihre Anwesenheit bis 1771 vermuten.130 Johann Heinrich Seibert aus Elbenrod wandert 1721 nach Ungarn aus, und siedelt sich in Gallas an. 1724 tauft Johann Saiber ein Kind in Gallas. Das Enkelkind, Heinrich Saibert, „sepultiert" seine 3jährige Tochter Barbara in Kötsching. Die männliche Linie stirbt 1788 aus.

145. Die Familie Storck wanderte aus Groß-Bieberau aus. Zunächst gingen sie nach Warschad-Gallas, nach 1730 nach Kötsching. Konrad Storck/Stark findet man 1733 noch in Gallas, dort läßt er seine Tochter Elisabeth taufen.131 Im öffentlichen wie konfessionellen Leben wurde er zu einer fuhrenden Persönlichkeit. 1740 ließ er die erste Glocke in Kötsching gießen. Als ein anderer Familienvater wird bei Laky Peter Stark bezeichnet. Peter Stark dürfte in Anbetracht seines Sterbedatums um 1720 gebo ren sein, er kann also um 1730 noch kein dorfgründender Familienvater gewesen sein. Die Namensschreibung bei ihnen hat sich im Laufe der Zeit verändert: aus der Form Storck/Stark. Die letztere Bedeutung dieses Adjektivs (viel Kraft besitzend) wird heutzutage von der Öffentlichkeit und von den im Dorf lebenden Stark-Familien angenommen.132 Die Familie Storck ist bis auf den heutigen Tag in der Hofreite in Groß-Bieberau wohnhaft geblieben, die Konrad Storck seinem Bruder Johann Jakob Storck 1723, vor seiner Auswanderung nach Ungarn übergeben hat.

146 Eine der ältesten Ansiedlerfamilien in der Schwäbischen Türkei ist die Familie Teckman. Sie sind 1719 in Kleinmanock registriert. 1730 gehören sie den in Kötsching Besiedelnden an. Unmittelbar aus Kleinmanock bzw. aus Maiesch soll sie gekommen sein. Joseph Teckmann (Deckmann) war 65 Jahre alt, als er am 28. Febaiar 1771 in Kötsching starb.133

147 Die Familie Tefner war in hoher Anzahl in Kötsching ansässig gewesen. Laky erwähnt Konrad Tefner als Dorfgründer. Dieser versuchte sich als erster von den Groß-Säckler Teffners/Täffners auf die harte Probe zu stellen. Im Kirchenbuch des reformierten Pfarramtes Groß-Säckels findet man mehrere Eintragungen, denenzufol- ge die anderen Mitglieder der Familie das Dorf bis 1733 nicht verlassen haben. Am 4. April 1733 heiratet der aus dem „Ambt Schwarzenfels" in Hessen stammende Kilián Teffner Sybilla Müller, die ebenfalls aus Breidenbach in Oberhessen stammt. Am 8. Mai desselben Jahres „copuliert" der Witwer Johannes Schmit die Tochter Johannes Teffners, genannt Eva, die aus dem „Ambt von Schwarzenfels" des Dorfes Weigers- bach 134 kam. Die dritte Eintragung berichtet uns von einem jungen Mann namens und heiratete Anna Veronica Schmitt, die Wittwe Heinrich Schmitts, am 24. Juni.136 Das jener Zeit schon in Kötsching aufhielt. Etwa um die Wende der 30- und 40er Jahre übersiedelt die ganze Familie nach Kötsching, wobei Adam allerdings nach ein paar Jahren nach Groß-Säckel zurückgeht. Nach 1774 stirbt der Kilian-Zweig in Kötsching aus, und Konrads Zweig erhält die ganze Tefner-Familie. Die auch heute für „unterschiedlich" gehaltenen drei Zweige Konrads trennen sich nach 1790 in die Zweige Andreas, Jakob und Konrad. Konrad Tefner starb am 23- März 1774 in Kötsching; er beharrte auf seiner Konfession, dem Calvinismus, bis zu seiner Sterbestunde. Seine Ehefrau, die ebenfalls reformierte Sibilla Müller, starb ein paar Jahre vor ihm, 1771 in Kötsching. Vermutlich aus der Adam-Linie in Groß-Säckel blieb auch der Groß-Säckler Zweig erhalten. Die Familie stellt hinsichtlich ihrer Konfession ein buntes Bild dar: anfangs waren sie alle Reformierte, später wurden sie wie die übrigen Kötschinger Reformierten evangelisch.

148. Georg Till wurde der von Johann Till in Gallas gegründeten Familie entrissen und er hat sich 1730 in Kötsching niedergelassen. Er ist am 12. Dezember 1767 in Kötsching verstorben. Mit mehreren Familien hatten sie sich im Laufe von anderthalb Jahrhunderten verschmolzen, bis sie in die Familie Rali (Raliion) eingeheiratet haben. In den 1950er Jahren starb auch die weibliche Linie aus. Aus dieser Familie ging der spätere Kötschinger evangelische Kantorlehrer Elias Till (Tamás Illés) (tätig 1917-1944) hervor, der starb, ohne zu wissen, daß er fast drei Jahrzehnte lang als der Schulmeister seiner entfernten Vetterschaft tätig gewesen war. 137

149- Die Familie Trimmel geriet auf die Liste von Laky als Dorfgründer. Matthias Trimmel, die betreffende Person ist aber viel zu jung, es ist gar nicht möglich, daß er 1730 ein Dorfgründer hätte gewesen sein können. Ihr konfessionelles Hinterland scheint noch problematischer zu sein. In Seiwicht wird er 1723/24 als Grundbauer registriert.138 Die Varianten Tremer/Tremel/Trimmel sind nur in der Beziehung mit Seewicht aktuell. Wenn er also wirklich aus Seiwicht gekommen ist, so hat er eine reelle Chance, ursprünglich ein Katholik gewesen zu sein. Seine Frau, Dorothea Mukti ist auch katholisch und seine gesellschaftliche Umgebung in Kötsching genauso. Am 29. Oktober 1772 nimmt er an der Taufe der Tochter von Caspar „Hákli" als Gevatter teil. Die Eintragungen beweisen, daß alle Teilnehmer an dieser Taufe Katholiken sind.139 1799, als die große Konskription gemacht wurde, ist nicht Dorothea Mukti, sondern die evangelische Kristina Werbach seine Frau. Matthias Trimmel trat mittlerweile in die evangelische Konfession über. Die Ankunft der Familie Trimmel könnte um 1750 gewesen sein.

150. Die Familie Ubrik mußte auch im Kreis Alsfeld, in der Umgebung von Rainrod und Romrod beheimatet gewesen sein. Heute leben hier noch mehrere evangelische Familien dieses Namens. 1766 wanderten einige Ubriks nach Rußland aus.140 Lakys Liste stellt Paul Ubrik als Dorfgründer vor, aber sein Name erscheint bis 1748 nirgends.

154. Wegen der überdurchschnittlichen Häufigkeit des Familiennamens Weis (Weisz) stoßen die Ermittlungen nach dem Ursprung auf beträchtliche Schwierigkeiten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Kötschinger Familie Weis eine gerade Abstammung der Groß-Säckler Linie. Peter Weis (Wájsz) wird 1724 in Groß-Säckel registriert, aber die Verbindung zwischen ihm und dem Kötschinger Joseph Weis konnte nicht nachgewiesen werden. Es gab im 18. Jahrhundert nur wenige, sodaß sie kaum in der Administration erwähnt wurden. Bis 1799 verbreiten sie sich weiter und es werden in der Folge sieben Familienoberhäupter registriert.141

158. Mehrere Zweige der Familie Viandt waren in Kötsching wohnhaft. Laky erwähnt drei, aber nur Johann Viandt kann als Dorfgründer eindeutig angenommen werden. Er starb am 27. Januar 1788 im Alter von 80 Jahren. 1730 wird er im Alter eines Familienvaters gewesen sein. Es kann sein, daß er ein primärer Kolonist gewesen war und aus dem Fuldischen Raum stammte. Die anderen Viandt-Abstammungen sind unbekannt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sind sie zu einer bedeutenden Familie herangewachsen, 1799 hatten sie schon 11(!) Haushalte. Die männliche Linie starb erst in den 1970er Jahren mit Johann Viandt aus, der deswegen berühmt geworden war, weil er am Kerbaitfest das „Amt" des ersten Kerbaitbuben 17-mal in Folge bekleidete.

DIE ANSIEDLUNG DER UNGARISCHEN BEVÖLKERUNG

Ausgehend von den Behauptungen der vorangegangenen Kapitel kann festgestellt werden, daß nach 1720 in einigen der erwähnten Siedlungen besonders bei den In-quilinen und Kleinhäuslern eine sichtbare Überbevölkeaig aufgetreten ist. Im späten Mittelalter verfolgte das Bauerntum nur ein Ziel, nämlich ein Grundstück zu erwerben. Dadurch, daß die leeren Heiden in Parzellen aufgeteilt worden waren, ergriffen zahlreiche Leibeigene, Bedienstete und andere mittellose Knechte die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg und wurden Gaindbesitzer.

Lakys Auflistung ungarischer Bauern ist wesentlich genauer als jene der deutschen. In der Aufzählung der deutschen Kolonisten finden wir mehr als ein Dutzend Namen, deren Träger zur Zeit der „Landeinnahme", am 11. April 1730, keine Familienvorsitzende sein konnten. Alle ungarischen Namen können demgegenüber in den bis zum Ende des Jahrhunderts untersuchten Quellen ausgewiesen werden. Mindestens ebenso kompliziert ist auch die Feststellung der genauen Abstammung, weil die Wege und Methoden bei ihrer Erforschung bei weitem nicht so ausgefeilt bzw. adäquat sind wie jene bei den Deutschen.

Auch hinsichtlich der Organisation selbst verfügen wir nur über wenige sachdienliche Angaben. Bei der Einführung der Deutschen laufen die Fäden eindeutig in die Gutsherrschaften Mercy, Magyary-Kossa und Styrum-Lymburg zusammen. Die Frage, in welcher Verbindung János und György Antal mit den erwähnten Herrschaften standen, bleibt ungeklärt. Gesellschaftlich stand Mercy höher als die anderen, jedoch konnten die Antals als Mitglieder einer namhaften Türkenkämpferfamilie mit dem General der türkischen Feldzüge in gutem Einvernehmen leben.

In den vorherigen Kapiteln wurde erörtert, wie sich im Herbst des Jahres 1723 69 Familien aus Hessen-Nassau zusammenschlössen, um die Auswanderung nach Ungarn vorzubereiten. Als die Details mit dem Fiskal Falk und dem Frankfurter Kaufmann Georg Müller ausgehandelt waren, brachen sie im Frühling 1724 als geschlossene Gruppe auf, mit dem Erlös ihres verkauften Vermögens in der Tasche und mit dem kühnen Ziel, sich ins Banat zu begeben.142 Die abenteurlichen Ereignisse der Donaureise und des Warschader Schlußaktes bei der Ankunft am 9. Mai 1724 kennen wir schon. Nur ein wichtiger Moment soll dabei hervorgehoben werden, jedenfalls die Tätigkeit und Rolle eines gewissen Hauptmanns Vátzy, der noch auf der Nußdorfer Anlegebrücke versuchte, die 69 Familien zu einer Änderung ihres Reiseziels in die Tolnau zu bewegen Genauere Angaben über die Identität Vátzys konnten wir leider nicht ausfindig machen, außer daß die Familie Vátzy spater auch in Kotsching manche Liegenschaften besaß Auch die Frau des einstigen Kotschingei evangelischen Pfarrers, Pál Mezibiodszky, hieß Zsuzsanna „Váczi" Die Fiau von István Mezibiodszky dem Bruder von Pál, war außerdem Rebeka Horváth, die in den beiden Komitaten zu vielen adeligen Familien — unter anderem auch zu den Vátzys - gute Veibindungen pflegte l43Die Vermutung hegt nahe, daß man mit Mercy nicht in engstei Verbindung hatte stehen müssen, um über das Schicksal von zwei-dret Dutzende Kolonisten Entscheidungen treffen zu können Die gesellschaftliche Ebene der Familie Magyary-Kossa entsprach der der Familie Antal, und die Kontakte zwischen ihnen gediehen so weit, daß sich intensive freundschaftliche und patrimoniale Faden zwischen link, Groß-Sackel und Kotsching entspannen Es scheint keine allzu kühne Bahauptung zu sein, wenn man Kotsching als eine Tochtersiedlung von link und besonders Groß-Sackel, Warschad-Gallas, bzw Tormasch auffaßt Groß-Sackel kann noch weitere TochteiSiedlungen aufweisen, die seine Migiation aufzufangen wußten Bonna, Po-lan/Polány, Wadkert, Balmazújvárosé), Hatsch, Bui)ad/Bonád und Illutsch/Illocska in der Branau 144

Bis 1802 sind alle spater in Kotsching befindlichen Grundbesitze familien in einer Gesellschaft in Groß-Sackel Am 23 August 1802 heiratet Péter Magyary Julianna Saáry aus jener Familie, die noch um 1870 im Haus145' wohnt und im Grundbuch registrierte Grundstucke in Kotsching hatte Der Trauzeuge Dávid Kenessey, der Groß-Sackler Dorfnotai, dessen Neffe um die Mitte des 19 Jahrhunderts im alten Haus der Antals in der Magyarstraße 46 wohnt- heiratete in die Familie Antal ein An diesen Kreis schlössen sich vor der Mitte des Jahrhunderts auch die Mitgliedei dei Familie Roboz, wie auch die Familie Pesti an, die in kurzer Zeit über einen Immobilienbesitz in Kotsching verfugten 1833 nimmt Mihály Hollósy an der Hochzeitsfeier der mit den Magyarys verwandten Familie Portelki als Pate teil Es geht hier um jenen Hollósy, dessen Namen dei Flurname „Hollósy-Pócza" in der Pocza-Pußta bei Kotsching heute noch tragt Viele ahnliche Verbindungen werden auch um 1720 noch bestanden haben 146

György Antal hatte - wie schon oben erwähnt - seine Wohnung um 1730 in Csepel 147 Der Komitatstag hatte seinen Sitz damals noch in der Gemeinde Tapsony, die im 18 Jahrhundert als Zentrum des Komitats galt Man weiß es nicht genau, aber es ist anzunehmen, daß György Antal aus praktischen Gründen Kozma-Pußta, diesen dem Komitatszentrum naheliegenden Ort, kauft 148Vielleicht wollte er dem Amt etwas naher sein, um vielleicht sein Geld besser einlegen zu können Sein früheres Gut, die Visz-Puszta, ließ er der Familie Bárány zukommen Diese Kaufgeschäfte wurden um 1730 realisiert, mit größerer Wahrscheinlichkeit aber noch vor 1730 Die Ansiedlung lhies Gutes - obwohl er wegen seiner Amtspflichten ins Komitasinner gezogen ist -blieb jedenfalls eine gemeinsame Sache mit seinem Bruder Vielleicht kam der Kontakt mit Mercy durch seine Vermittlung zustande Oder auch nicht Allerdings waren diese Kontakte mit den unmittelbai benachbarten Grundbesitzern - dies ist auch urkundlich bewiesen - die alleibesten Da es bei der Überführung deutscher Kolonistengruppen an persönlichen Komponenten nicht mangelte, waren diese auch bei der Überführung ungarischer Ansiedler sehr wichtig In Őszöd leben die Antals in einem Kondomimum-Verhaltnis mit der Familie Vázsonyi, wobei die Gioße des Vázsonyi-Dominiums die Große des Antal-Besitzes funfzehnmal ubeisteigt 149Abei das Gleichgewicht stellt sich hier duich eine entsprechende Heiratspolitik her Erzsébet Antal und Gergely Vazsonyi schließen den Ehebund

Lassen wir den Anfang von Lakys Berichts nicht außer Acht, wo er die Besiedlung Kotschings durch Ungarn beschreibt, dann bleibt zu entscheiden, ob sie diese Besiedlung auch tatsachlich als erste Kolonisten vollzogen haben und ob sie 1730 wirklich da waren Bei Mihály Igali, Ferentz Molnár, Pál Gulás und István Bertsik weiß man es nicht, bei György Borotz und dem Refomierten István Bognár jedoch genau, daß sie nicht dabei waren Sie gingen erst 1731 doithin, als sie infolge eines wirtschaftlichen Krachs ihre ursprungliche Gemeinde Szemes vei lassen hatten und sich in das neu entstehende Dorf, nach Kotcse-Pußta begaben 150 Die Verfassung ist hinsichtlich unseres Themas vielversprechend denn die Eintragung „neopopulandum" spricht von einer noch bestehenden Ansiedlung Aus diesem Dokument geht hervoi, daß 1731 noch die Qualifizierungsbezeichnung Kotschings als „piaedium", also .Pußta", und nicht „possessio", Dorf angegeben wurde Leider sind unsere Quellen danach für lange Jahre unterbrochen, es gibt deswegen keine exakten Jahresangaben, mit deren Hilfe man feststellen konnte, seit wann Kotsching in seiner neuzeitlichen Geschichte als Dorf weiter existierte Ende Mai 1731 sind von den kalvinistischen Familienvätern Kántás, Márton und Mihály an ihrem urspninglichen Wohnort in Őszöd zu finden, die von Laky erwähnten drei Namen János, Ferentz, György waien vielleicht in Kotsching 1725 wohnt János Fonyó nicht mehr in Csepel, sicher aber der spater in Kotsching auftauchende István Fonyo 151 Man kann dazu bemeiken, daß die erforschten Quellen uns über eine nicht naher bestimmte Seuche berichten, die in den Jahren um 1725 in den Gemeinden nahe dem Plattensee den ganzen Viehbestand ausgerottet haben sollten Die Familien Kántás und die Familie Borocz sind wahrscheinlich deswegen weggezogen

Es kann aber auch der Dorgicseer Teil des Antal-Kondominiums unteisucht werden Es werden dabei die Namen Ángyán, Molnár, Kováts und Juhász in der Zeitperi-ode von 1728-1740 einer Untersuchung unterzogen 152 Johann Schmidt zieht aus der Liste von Laky die Folgerung, daß die Kolonisten unganscher Herkunft „aus den oberen Komitaten Ungarns" gekommen sind Diese Bemerkung dient jedenfalls dazu, daß der Ursprung der ungarischen (und der deutschen) Bevölkerung nicht im Komitat Wesprim zu suchen ist Die Einschaltung des Komitats Wesprim in die Wiederbevolke-rung der öden Landschaften war naheliegend und logisch Im Appendix der Jinker reformierten ungarischen Kirchenbucher liest man „1722 kamen die Deutschen herunter, die sich in Jink angesiedelt, im Jahre 1723 das heutige Oratorium erbaut hatten, so, daß sie diesem auch die heutige Parochialis hinzubauten "153 Auch spater kam es vor, daß Kolonisten vom „Fősőfér" (nördliches Plattenseeufer) hinuntergekommen sind und sich auf den Gebieten der von den Türken hinterlassenen Besatzungsprovinzen niederließen. Was „die Ungarn aus dem Fősőfér" anbelangt, stößt man in Jink auf auffallende Übereinstimmungen der zeitgenössischen ungarischen Familiennamen von Jink, überraschenderweise auch mit dem Familiennamen Antal. An der Untersuchung der Kirchenbücher der Dörgicseer Evangelischen Kirchengemeinde war auffallend, wie die in den Adelstand erhobenen Antals mit dem Gemeinvolk umgehen, denn sie haben in ihrer Verwandtschaft Angehörige, die noch dem Gemeinvolk angehören. Zur Hochzeit der Tochter von Imre Antal sind zwei Taufpaten eingeladen, der „alte Schweinehirt János" und „der Schäfer György Nagy."154 Gergely Antal von Alsódörgicse nimmt die Taufe seiner Tochter am 12. April 1741 vor, und als Taufpaten werden drei bäuerliche Namen, sowie der Name eines Schäfers, Miklós Nagy, erwähnt.155 In Jink stößt man zu dieser Zeit, wie auch in den späteren, sehr oft auf den Namen Antal. Selbst in Kötsching wissen wir über eine Familie Antal, die von bäuerlichem Stand ist und evangelisch, die aber weder dem evangelischen noch dem katholischen Zweig der Antals angehörte. Es kann sein, daß es sich dabei nur um eine zufällige Namensgleichheit handelt. Weitere Forschungen können diesen Zweifelsfall vielleicht lösen.

Die Einsiedlung magyarischer Elemente hätte auch aus südlicher Richtung geschehen können. Man rechnet hier vor allem mit Mernye und Mocsolád, es ist aber eher unwahrscheinlich, daß diese Art der Migration mit unserem Thema zusammenhängt. Wollen wir aber genauer auf das Thema der ungarischen Kolonistengruppen aus dem Süden eingehen, müssen wir auf das Wirken von György Antal in Tapsony zurückgehen. Einige Taten von ihm sind nämlich im Protokoll der adeligen Kongregation verewigt. Am 13- Mai 1728 wurde eine Verordnung von Antal betreffs Bevölkerungsum-siedlung aus dem Csokonya in der Südschomodei nach Karád ins Protokoll eingetragen. Mangels Kenntnisse über den Vorhergehenden weiß man darüber nichts Bestimmtes, was eigentlich hätte passieren können. Im Protokoll handelt es sich um das arme Landvolk, das von der Drau bis nach Csokonya fliehen mußte, das aber infolge der Verordnungen von Antal nach Karád befördert wurde, wo sie Antal unterbringen ließ.156 Untersucht man die Kirchenbücher und verschiedene Schriften aus den beiden Gemeinden Mezőcsokonya und Csokonyavisonta, so wird ersichtlich, daß dort nur die am häufigsten vorkommenden ungarischen Zunamen vorzufinden sind (Pap, Kováts, Molnár György),157 deren Identifizierung aufgrund dieser spärlichen Daten fast unmöglich ist. Ob einige dieser Menschen bis nach Kötsching gelangten? - vielleicht ja, vielleicht auch nicht: keine der Antworten ist berechtigt. Zu diesem Dilemma könnte man noch folgendes hinzufügen: Laut einiger Erinnerungen soll eine kleine kroatische, katholische Minderheit im 18. Jahrhundert im Dorf gelebt haben. Bloß als Illustration zwei kroatische Namen aus dem Karader katholischen Kirchenbuch mit dem Appendix „Köcse": Eva Rusics 1760, Stephan Beksics 1764.158

Hätte sich diese konfessionelle wie kulturell gemischte Dorfgesellschaft aus den verschiedensten Orten auch zusammengefunden, schließlich kam es doch dazu, daß am Ende der 1750er Jahre auch die ersten gemischten Ehen zustande kamen. Die gegenreformatorische Intoleranz in der Herrscherzeit von Maria Theresia hatte zur Folge gehabt, daß viele hauptsächlich von den ungarischen Reformierten zur katholischen Religion übergetreten sind.159 Nach dem Erlaß des Toleranzedikts kamen auch die ersten Zeichen der konfessionellen Duldsamkeit zum Vorschein, und die Ereignisse nahmen nachher eine entgegengesetzte Richtung. Die Völker verschiedener Sprachen sind demzufolge unter den starken Einfluß der evangelischen Kirche geraten, dadurch erfolgten die Konversionen nunmehr zu Gunsten der lutherischen Konfession. Infolge der demographischen Explosion des Kötschinger Deutschtums in den letzten zwei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts hatte die Kötschinger evangelische Kirche einen schweren Weg von der unterdrückten bis zur diktierenden Kirche zu gehen. Die Familien Molnár, Juhász, Gulás, Beitsik usw. sind in dieser Zeit evangelisch geworden, samt der Gruppe einiger deutscher Reformierten: Felde, Tefner, Fer-ber, Lohr u.a., wodurch anfängliche Intoleranzen schließlich fast zur Gänze abgeschafft werden konnten. Dabei ist jedoch noch zu bemerken, daß es zwischen den ungarischen und deutschen Jugendlichen („Burschen") noch um 1890 zu nächtlichen Raufereien kam160diese Zusammenstöße sind aber nicht mit den Streitigkeiten der globalen Gesellschaftsschichten auf den gleichen Nenner zu bringen.

DAS GROß-BIEBERAUER BEWUßTSEIN

Die beigelegte Liste zeigt sehr deutlich, daß eine nordhessische Bevölkerung die Gemeinde in den ersten Zeiten besiedelte. Die wichtigste Schlußfolgeamg, die wir aus dieser Tatsache ziehen können, lautet folgendermaßen: die Theorie der thüringischen Herkunft ist hinfällig geworden.

Diese Auffassung wurde über Jahrhunderte hinweg vertreten, da viel von der thüringischen Herkunft anläßlich kirchlicher Feiertage die Rede war, ebenso wie in Schulaufsätzen und in den ortsgeschichtlichen Beiträgen. Den Dorfbewohnern der ältesten Zeiten ist von den Schulmeistern auch die Geschichte der thüringischen Herkunft beigebracht worden, und es muß jedenfalls als eine Tatsache angesehen werden, daß die aufwachsenden Generationen von den vorhergehenden Generationen in diesem Sinne erzogen worden sind. Das Bewußtsein der thüringischen Herkunft in verschiedenen Überlieferungen ist ihnen von den Vorfahren zugekommen.161 Die Idee der thüringischen Abstammung verknüpfte sich bei den meisten Befragten mit dem Namen Bieberau/Biberau. Der Biber, eine Nagetierart, war noch im vorigen Jahrhundert auf dem europäischen Kontinent massenhaft verbreitet. Biberau, Bieberau, Bibra, Bebra, Bieberach kommen als Ortsnamen im deutschen Sprach- und Kulturgebiet dementsprechend häufig vor: Adolf Bach, der Vater der deutschen Ortsnamenforschung, bemerkte dazu, daß es in Deutschland damals mehr nach Bibern benannte Ortschaften als Biber selbst gegeben hätte.162

Die Stadt Groß-Bieberau stellt dabei nur eine von mehreren Möglichkeiten dar; alle evangelischen Dorflehrer in Kötsching hatten stets damit Schwierigkeiten. Eines der vielen Bieberaus befindet sich nun auch in Thüringen, nicht weit von Eisfeld entfernt, im Kreis Hildburghausen. Seit den Anfängen der Reformation ist das Dorf evangelisch. Dieses Problem kann jedoch schnell beseitigt werden, denn dieses thüringische Dorf hieß noch nicht lange „Biberau". Etwa fünfzig Jahre zuvor schlössen sich drei selbständige Gemeinden (eine von ihnen hieß Biberschlag und nicht Biberau) zu einer neuen Gemeinde zusammen, die in der Taufe den Namen Biberau erhielt. 163 Der Name Biberau - nicht mit „ie", sondern mit „i" geschrieben - kann daher nur als Phantasiename betrachtet werden, der für unseren Gegenstand keine Bedeutung hat. Die Ahnen von Kötsching hätten nicht von einem thüringischen Ort gleichen Namens Anfang des 18. Jahrhunderts kommen können. Außerdem kann man hier keine Spuren der in Kötsching üblichen Familiennamen finden.164Es gibt in Thüringen, und zwar im Kreis Meiningen, noch eine Ortschaft mit dem Namen Bibra, und noch weitere kleinere Orte und Flurnamen, die mit dem Namen Bieberau verwechselt werden könnten. Wir vermuten aber, daß die „schreibkundigen" Kantorlehrer und Geistlichen das südhessische Bieberau mit anderen Bieberaus (Biberschlag, Bibra, Bebra) falsch identifizierten. Der Irrtum ihrer Vermutungen ist um so eher vorstellbar, als es damals, im vorigen Jahrhundert, noch kein Groß-Bieberau gab, sonden nur ein Bieberau. An Hand der ungarischen Beispiele kann diese Erscheinung erklärt werden, wenn man die alten und neuen Formen einiger Ortsnamen in der Nähe Kötschings einander gegenüberstellt: Csepell/Csöpöll/ Csepely-Nagycsepelv; Szemes-Pusztaszemes etc. Für die Dorfintelligenz, die Landkarten hatte und sie auch zu „entziffern" wußte, bedeuteten diese die erste Informationsquelle, eine zweite stellen jene der Ahnen dar, die über mehrere Geschlechter hindurch überliefert wurden. Mit dem Namen Bie-berau/Biberau sind beide Informationsquellen unglücklich aufeinandergetroffen, was sich in der Entstehung der thüringischen Legende äußerte.

Die „anti-thüringische" Auffassung hat jedoch einen strittigen Punkt, und zwar das eigentümliche Verwaltungssystem im mittelalterlichen Deutschland, welches gleichzeitig ein grundlegendes Problem der deutschen mittelalterlichen Verwaltungsgeschichte ist. Diese Verwaltungssysteme weisen ein heilloses Wirrwarr auf, und es würde zu weit führen, hier zeigen zu wollen, wie sich die Grenzen des Landes Hessen sowie die territorialen Abhängigkeitsverhältnisse im deutschen Besitzrecht in Relation zum Lehnwesen entwickelt hatten. Eine allgemeine Charakteristik des mittelalterlichen Lehnwesens bestand darin, daß bestimmte politische Formationen manchmal auch in einer Entfernung von mehreren hundert Kilometern über Besitztümer und somit über Souverärenitätsgebiete verfügten. Begriffe, wie Staatsgrenze und staatliche Souveränität hatten in jenen Zeiten eine vollkommen andere Bedeutung als heute. Das Wesentlichste liegt darin, daß zu Hessen-Darmstadt solche fernliegenden „Staatsgebiete außerhalb der Staatsgrenzen" gehörten. Diese Gebiete waren in Thüringen vorzufinden, und zwar genauer um Schmalkalden. Im Jahre 1260 geriet infolge eines Friedensvertrages dieser Kreis unter hessische Oberhoheit; diese Landstriche waren früher im Besitz des Meißner Pfalzgrafen Henrik.l65 Diese Insel um Schmalkalden liegt nicht sehr weit von Hildburghausen entfernt. Die Familiennamen um Schmalkalden müssen zwar erst in ihrer Gesamtheit erfaßt und erforscht werden, doch es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß diese Forschungen das in der Tabelle aufgelistete Abstammungssystem von besonders verändern würden. Diese Forschungen beträfen in erster Linie etwa 20-21 kleinere und größere Gemeinden im Werra-Tal, unweit der Hochburg des Lutherismus.166 Es wäre möglich, daß ohne oder aufgrund der Genehtragung von Ernst Ludwig, einige Siedler auch von hier gekommen sind, aber diese Personen konnten wir bisher weder in Kötsching, noch in den Tolnauer Gemeinden finden.

Die Frage nach der Herkunft der Groß-Bieberauer stellt ein nicht ganz leicht zu lösendes Problem dar, das einige Ratsei aufgibt, die bis in die 70er und 80er Jahre dieses Jahrhunderts bestehen blieben. Es ist erstaunlich, daß in einem Dorf, wo die meisten angesiedelten Menschen aus Oberhessen stammen, den Namen keiner einzigen Ober-Hessener, Fuldaer, Mainzer, Thüringer, Badener und Württembergischen Ortschaft im Gedächtnis behielten, sondern nur jenen des südhessischen Groß-Bieberau.167 Diese Ungereimtheit wird noch interessanter, wenn wir sie neben die Aussagen von Johann Schmidt, die von Szita zitiert wird und meint, daß die Familie. Stark, und „die anderen Kötschinger Familien" aus Groß-Bieberau gekommen sind.168 Somit konnte man denken - wenn wir auch den Schmidt-Tomka-Nachlaß in Gerungen nicht lesen konnten -daß Schmidt während seiner langjährigen Forschungen zu ähnlichen Ergebnissen gelangte; irgendwie hatte er das Gefühl, daß diese Gemeinde von größerer Bedeutung war als die anderen und zog daraus, gänzlich unabhängig von der Kötschinger Quelle, dieselben Schlußfolgerungen; und dies in Kenntnis der Abstammungslinien. Andere Ortschaften und Gebiete zählten nämlich proportional gesehen viel mehr in Anbetracht ihrer Einwohnerzahl und Bevölkerungsstruktur. Um also die Frage nach unserer Deutung zu lösen, muß man einen sonderbaren Weg wählen, der einen kurzen Streifzug in der Ortsgeschichte der beiden Ortschaften, Kötsching und Groß-Bieberau, verlangt.

An der Straße von Groß-Bieberau nach Fränkisch-Crumbach, am Wersauer Weg, an der Abzweigung nach Niedernhausen, steht ein etwa 2 Meter hoher „menhirartiger" Stein (archäologischer Name: menhir), tief und unbewegbar in der Erde eingebettet.169) Solche und ähnliche Steine heißen im Volksmund „Sauerkrautstein". Diese Steine werden allerdings in historischen Vorzeiten ganz anderen Zwecken gedient haben. Seine äußere Form zeigt nichts Besonderes, auf der Spitze des Steines sieht man nur eine kleine waagerechte Ebene, in die eine Rinne geschliffen wurde, um das abtropfende Blut abzuleiten. Laut Groß-Bieberauer Auslegungen (Eichner) könnte der angesprochene Stein bei Opferfeiern, Totenfeiern, Heldenehrungen und Rechtsprüchen eine Funktion gehabt haben. Diese Steine hätten seit dem späteren Bronzezeitalter (1200-800. v. Chr.) bis zur Aufnahme des Christentums (nach 700 n. Chr.) als Opfersteine benutzt werden können. Oben erwähnte Quellen - obwohl mangels konkreten archäologischen Beweismaterials - behaupten, daß hier Tier- und - es ist nicht ausgeschlossen - auch Menschenopfer dargebracht wurden. Wilhelm Eichner bedenkt den Stein mit manch interessanten Auslegungen und Zusammenhängen. Verwendet man die Aufzeichnungen der Groß-Bieberauer evangelischen Kirchspielchronik, so wird darin der Zustand auf diesem Gelände in den 1850er Jahren beschrieben, als in diesem Waldstrich noch die Reste einer kleinen Waldkapelle zu sehen waren, die jetzt zugeschüttet sind. Die Kirchenchronik berichtet uns noch über einen kreisförmigen Platz mit 50 Meter Durchmesser etwa 150 Meter von diesem abgerissenen Gebäude; dieser Zirkel wurde mit Sandsteinen umstellt, um ihn vom umliegenden Gelände abzugrenzen. Heute sind diese großen Sandsteine nicht mehr zu sehen; der Platz ist jetzt mit Fichten bewachsen. Die Anwohner nennen diesen - obwohl es hier weder eine Wiese noch eine Kapelle gibt - „Kaplaneiwiese". Die Kirchenchronik von 1850 hält fest: „Hier wurde vor Zeiten im Freien ein großer Jahrmarkt gehalten, der von den Ortschaften der ganzen Umgegend stark besucht und der Märtensmarkt genannt wurde."170

Wir haben also einen Stein aus prähistorischer Zeit, ein höchstwahrscheinlich für kultische Zwecke abgegrenztes, kreisförmiges Feld und eine durch das christliche Zeitalter hervorgerufene katholische Kirchenanstalt. Eichner hält das Feld tur einen magischen Zirkel und vermutet darunter einen Urnenfriedhof aus der Bronzezeit. Die Abgrenzung durch Steine signalisierte die Abgrenzung des Kultischen und Religiösen vom Profanen. Den kultischen Charakter erhielt dieses ca. 50 m breite Waldstück durch den Totenkult, der am Ende der Bronzéit in ganz Europa verbreitet war und der vorschrieb, daß die Ruhestätten, wo sich die Asche der Ahnen befand, irgendwie markiert werden mußte. Eichner nimmt an, daß diese Steine und Urnenfelder auch Versammlungsstätten gewesen sein könnten, wo die Stämme und Sippen von Zeit zu Zeit zu den Totenfeiern, zu Opferfeierlichkeiten vor den Kriegen, bzw. zu Heldenfeiern nach den Kriegen zusammenkamen. Nachdem die germanischen Stamme im II. Jahrhundert n. Chr. angekommen waren, gingen diese Versammlungen weiter. Die Germanen hatten ähnliche Stammes- und Sippenverbände und sie benutzten diese kultischen Anlagen für ihren eigenen Ahnenkult. Wenn unter der Kaplaneiwiese am Wersauer Weg sich wirklich ein Friedhof versteckt, so ist man berechtigt, von dieser historischen Kontinuität zu sprechen.

Wir müssen aber der Frage nachgehen: Wozu diente eine einsame christliche Kapelle nach 800 inmitten eines Waldes und dazu umgegeben von heidnischen Requisiten? Eichner beaift sich auf ein von Karl dem Großen geschaffenes, wohlbekanntes Gesetz, das lautete, daß „überall dort, wo an heidnischen Steinen gebetet und geopfert wurde, Kapellen oder zumindest Kruzifixe zu errichten"171 seien. Seitens des christlichen Herrschers war dies ein allgemein praktiziertes Mittel für die Liquidation der alten heidnischen Welt - nicht nur in der karolingischen Zeit: Auch die ersten Árpádén in Ungarn ergriffen diese Art der Bekehrung des heidnischen Ungarn. Das Wesentliche dieser Methode bestand darin, daß auf die heidnischen feierlichen Riten jene des Christentums hatten aufbauen müssen, wodurch die heidnischen Riten sozusagen kampflos verschwanden und so ihren Platz den neuen christlichen übergaben. Wenn man sich all diese Befunde anschaut, kann man nur daraus folgern, daß hier in der Blütezeit der Karolinger, zwischen 700 und 800.n. Chr. heidnische Zeremonien stattgefunden haben mußten.

Eichner setzt seine Abhandlung mit der Beschreibung der frühmittelalterlichen konfessionellen Verhältnisse fort. Groß-Bieberau war auch in der Karolinger Zeit bekannt, es wurde erstmals 782 urkundlich erwähnt. Die Gemeinde gehörte zwischen 780 und 782 der Kirchenprovinz Mainz an und war dem Archidiakonat Aschaffenburg unterstellt. Dieses Archidiakonat gliederte sich in weitere drei Einheiten (Landkapitel): Taubergau, Rodgau und Montat. Die Pfarrei Sankt-Michael in Groß-Bieberau und seine amtliche Umgegend (Kirchspiel) war dem Landkapitel Montat unterstellt, dessen Sitz sich in dem naheliegenden Groß-Umstadt befindet. Die kirchliche Hierarchie ist streng in ihren Details umrissen, weswegen wir sie ob ihrer soziodynamischen Aus-Wirkungen für außerordentlich wichtig erachten.

Die Zusammengehörigkeit innerhalb einer Diözese führte zu einer gewissen Zusammenarbeit unter den Menschen und Menschengruppen, so kam es bis zu Bekanntschaften, die gewissermaßen das gemeinschaftliche Bewußtsein hoben. Groß-Bieberau hatte solcherart mit den Gegenden um das pfälzische Mainz bis zum Mainknie bei Aschaffenburg in ständiger Beziehung stehen können, und die Geschehnisse des alltäglichen Lebens konnten so auch zusammenfließen und ausgetauscht werden. Außerdem übte Bieberau als Unteramt eine Funktion in der kirchlichen Organisation über Jahrhunderte hinweg aus: Es war das für unsere Abhandlung so wichtige Bie-berauer „Kirchspiel", worunter man einen kirchlichen Kreis versteht, der aus acht Filien besteht: Rodau, Lichtenberg, Obernhausen, Niedernhausen, Nonrod, Meßbach, Billings und Steinau.172

Die Sankt-Martins-Jahrmärkte wurden von den Bewohnern dieser Gemeinden besonders gerne und sehr zahlreich besucht, wobei anzunehmen ist, daß sicher auch Einwohner aus Groß-Umstadt, Reinfels und aus Gebieten oberhalb des Rheins aus der Pfalz kamen. Allenfalls konnten 30-40 Gemeinden bei diesen Feierlichkeiten zusammenkommen, die natürlich auch in einem kirchlich-zeremoniellen Kontext standen. Nach dem Anschluß an die lutherische Reformation nach 1520 hatte die Bieberauer Mutterkirche, die „Nachfolgeanstalt" der versunkenen katholischen Welt, diese schöne Sitte am Martinstag weitergeführt, selbstverständlich mit jenen Folkloreelementen, die inder Karolingerzeit gar keine Folkloreelemente gewesen waren, sondern heidnisches Zeremoniell blutigsten Ernstes darstellten.

Die kirchlichen Aufzeichnungen in Groß-Bieberau geben davon Kunde, daß der Martinstag und die mit ihm verbundene Volksversammlung noch zur Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlich war und sie könnte demzufolge 1723, zu Beginn der ersten Aussiedlungen, in ihre vollsten Blüte gestanden haben.

Um unseren Ausführungen eine neue Wendung zu geben, kehren wir nach Köt-sching zurück, und zwar zu dessen landesweit berühmten Brauch des Kirchweihfestes, dem sogenannten „kerbájt'VKerbait. Der ursprüngliche Termin des Festes fiel auf den 21. November, unabhängig davon, welchen Wochentag der Kalender zeigte. Dieser Tag bedeutete den Abschluß der herbstlichen Erntearbeiten; denn es war ein ungeschriebenes Gesetz, daß man nicht als vollwertiger Landwirt galt, wenn man bis zu diesem Tage nicht imstande war, die bäuerlichen Arbeiten abzuschließen. Diese Landwirte wurden auf die unterste Stufe der beruflichen, wie moralischen Hierarchie des Dorfes verwiesen. Sowohl in allen Agrarkulturen der Welt, als auch in der von Kötsching bestimmten die Vegetationsperioden und die mit diesen Perioden verknüpften astrologischen Situationen die zeitliche Fixierung eines solchen Festes im Kalender. Der Veranstaltungskreis der Kötschinger Kerbait stellte sich durch Fruchtbarkeitsriten zusammen - der ganze rituale Prozeß kann eigentlich als eine Fruchtbarkeitsmagie aufgefaßt werden. Aufgund dieser unserer Feststellungen untersuchen wir nun die einzelnen Elemente dieses Kerbait-Festes.

Eine Woche vor dem 21. November erfolgt die Zeremonie des „Betainken-machens" (beitatás). Darunter wird verstanden, daß die Jungen, die ihr zwölftes Lebensjahr vollendet haben, von den älteren Dorfburschen betranken gemacht werden. In einem Weinkeller, zu nächtlicher Stunde läuft dieser Akt ab, nachdem diese Jugendlichen im Frühling des betreffenden Jahres in der Konfirmation zu erwachsenen Mitgliedern der evangelischen Kirche geworden sind. Im Akt sind Fruchtbarkeitsmotive vorhanden: Nur Männer nehmen daran teil, denn das Ziel ist die Mannesweihe, wo sich weder die „Einweiher", noch die „Einzuweihenden" bewußt sind, was mit ihnen eigentlich passiert: die ganze Zeremonie halten sie nur für ein kleines Vorspiel zu den großen Kerbaitslustbarkeiten.

Das eigentliche Zeremoniell beginnt eine Woche spater, am Abend des 20. November, mit der „Weinflaschenaufnahme"/"Weinflaschenausgrabung" (borfelvétel). 173 Die Kerbaitbuben - mit Rosmarinhalmen geschmücktem Hut auf ihrem Haupt - gehen nach der Abenddämmerung in Begleitung der Blaskapelle zur Weinflaschenausgrabung. Die gefüllte Weinflasche wurde im vorigen Jahr in einer Stube mit gestampftem Fußboden (neulich in einer Abstellkammer) begraben, die verkorkte Flasche wartete dort in der Erde auf das Ankommen der nächsten Kerbait. Jetzt kommt der Kerbaitzug heran, um die Flasche auszugraben, dahinter bewegt sich meist auch eine Gruppe von zahlreichen Neugierigen. Die Weinflaschenaufnahme wird mit einer Strophe eingeleitet. Der erste Bursche174( sagt ein Gedicht auf, dann bindet er mit Hilfe eines Spagats eine Sech mit der Spitze nach unten an einen in die Balkendecke geschlagenen Nagel. (Dieser wurde bei der vorherigen Kerbait in den Balken geschlagen.) Der zweite Bursche schneidet den Spagat mit seinem Taschenmesser ab, und dort, wo das Pflugeisen fällt, fangen sie an zu graben. In der Hand mit der aufgefundenen Flasche zieht die Kerbaitgruppe mit der Blechmusik ins Kulturhaus, wo die „kezdő esti mulatság" (Vorabendunterhaltung) seinen Anfang nimmt.

Am nächsten Tag gehen nach dem Nachmittagsgottesdienst (etwa um 14 Uhr) dieselben Burschen und Mädchen mit Blechmusikbegleitung in einem geschlossenen Marsch auf den Kirchhof, wo sie von den die Kirche verlassenden Dorfbewohnern, dem Presbyterium, dem Pfarrer und eventuell einigen weltlichen Potentaten, Dorfhonoratioren und Amtsträgern empfangen werden. Der erste Bursche hält den ausgegrabenen Wein, der zweite Bursche aber eine Flasche Jungwein in der Hand. Nach dem Vortragen der Einleitungsstrophe des Kerbaitsgedichtes machen sie eine Runde im Hofe, während die Kapelle einen Marsch spielt 175 Vorne gehen die Burschen, ihnen folgen die Mädchen, die Burschen tragen einen Rosmarinhut, die Mädchen halten den Rosmarinhalm samt Nelke bzw. eine Geranie in der Hand. Der Zug halt gegenüber der Eingangstür des Pfarrhauses an, der erste Bursche sagt die Eröffnungsstrophe auf, in der er die Bedeutung des Festes würdigt. Dann zieht die Gruppe einen weiteren Kreis und hält erneut an derselben Stelle an. Der zweite Bursche kommt nun an die Reihe, er setzt die Rede seines Kameraden mit einem historischen Überblick fort, wobei die Geschichte der Kirchenerrichtung, der Aufbauarbeiten und ihrer historischen Umstände erzählt wird. Konkret redet er über das Toleranzpatent Josephs II. und über die Bedeutung des Religionsfriedens. Dann folgt eine nochmalige Runde, die von dem Abschlußgelöbnis des ersten Burschen abgeschlossen wird: Im Namen seiner Kameraden äußert er sich so: „... undankbar? undankbar werden wir nie, lugendliche, wir legen den Eid ab, bis wir leben, begehen wir das Fest!" Die Teilnehmer des Umzugs fangen an zu tanzen, während die zwei ersten Burschen den Wein den Dorfvorstehern einschenken. Auf dem Tisch, wo die Gläser stehen, liegen zwei Äpfel, in die man je einen Rosmarinhalm steckte. Der Zug zieht dann samt Publikum ins Kulturhaus weiter. Zwei Nachte lang dauert die Kerbaitunterhaltung, die Jugend amüsiert sich beim Tanz, die älteren Männer sitzen im „Weinhaus" (borosház), wo keine Musik gespielt wird; sie singen da nur Lieder bis zur Morgendämmerung. Die Kinder unterhalten sich im „Kerbaithaus" (kerbájtosház), wo sie bis Mitternacht tanzen dürfen.176

Die frühen Morgenstunden des zweiten Kerbaittages sind hinsichtlich der Fruchtbarkeitsmythen für uns am interessantesten: Es ist die Zeit für das Vergraben des Weins. Die Kerbaitbuben - die Mädchen sind nicht mehr dabei - bringen den Jungwein mit Blechmusikbegleitung zu einem anderen Haus. Die Rosmarinhalme brechen sie anläßlich dieses Schlußaktes ab, sie stecken gebrochen an ihren Hüten. Der erste Bursche schlägt wieder einen Nagel in die Balkendecke, bindet das Pflugeisen an, der zweite Bursche schneidet den Bindfaden, und wo die Spitze des Pflugeisens den Fußboden aufkratzt, graben sie ein Loch aus, und mit dem Vergraben der Weinflasche begraben sie die Kerbait. Im nächsten Jahr treffen sie sich unter dem Nagel wieder und alles nimmt seinen neuen Anfang.

Die Magie hat mehrere Arten und Erscheinungsformen. In allen ihren Arten kommt die feste Überzeugung zum Vorschein, daß die menschliche Handlung eine Macht über die blinden Kräfte der Natur ausübe. Die Magie muß mindestens so alt sein wie die menschliche Kultur selbst; es gibt keinen Winkel auf der Welt, der ohne magische Bräuche auskäme. Als Vergleich könnte man sich auf die vielen Elemente der ungarischen Folklore und Mythologie berufen, die durch die Komparativität den Charakter und Ursprung der einzelnen Bestandteile im Gebrauchsystem der Kötschinger Kerbait andeuten würden. Absichtlich haben wir jedoch ein ganz ungewöhnliches Beispiel gewählt, um darzustellen, wie universal dieser bekannte, als Spiel und Unterhaltung aufgefasste Volksbrauch ist, wie er sich an die ältesten Perioden der Menschheitsgeschichte knüpfen läßt.

Im Glaubenskreis der ozeanischen Völker nennt man die übernatürlichen, mystischen Kräfte „mana", mit deren Hilfe man alles erreichen kann: Wenn jemand eine „mana" besitzt, so kann man die eigene Krankheit oder die eines anderen damit heilen, man kann damit den Feind besiegen, das Wild erlegen oder der Fischfang wird reich. Im Alltag der ozeanischen Völker spielte die „mana" noch im 19. Jahrhundert die Rolle eines Zaubemiantels, der auch vor Gewehrkugeln schützen kann.177 Wie Plinius meinte: Die Magie ist gleichzeitig Heilkunde, Astrologie und Religion.178

Als eine häufige Form der Magie kann die „Handlungsmagie" angesehen werden. Darunter versteht man, daß die an der Magie Teilnehmenden die künftigen Handlungen im Interesse des erwarteten Erfolges im voraus abspielen; die Imitation sichert den Erfolg und das Ergebnis der eintreffenden Geschehnisse. Oder genauer: Ich tue alles im voraus, so wird mir eine Macht über die Naturkräfte erteilt, eine Macht besitze ich über die unberechenbare Zukunft, über das Leben und den Tod der wilden Tiere, über die Wolken, von denen ich den Hagelschlag kommen sehe. Ein altbekanntes Beispiel: die Darstellungen in der Berghöhle von Altamira. Die mehr als zehntausend Jahre alten Höhlengrafiken stellen Wisente und andere wilde Tiere dar; der Mensch, bevor er zur Jagd ging, tötete diese Tiere symbolisch, und glaubte, daß er eine unwiderstehliche Macht auf ihr Schicksal ausübe.

Die Fruchtbarkeitsmagie bildet eine mächtige Gruppe innerhalb aller Magien. Hier handelt es sich um die größte Aufgabe, um die Sicherung der Ernte im kommenden Jahr. Die Kerbait Kötschings ist mit diesen Fruchtbarkeitsmomenten voll und ganz durchwoben. Sie sind zum Beispiel Symbole, wie der Rosmarin, der rote Apfel, die Nelke, die Geranie, das Pflugeisen, der Wein und noch weitere Einzelheiten. Viele kleine Symbole seien vor 100-150 Jahren im Gang der Kerbait eingebaut gewesen, aber außer jenen oben Erwähnten kennen wir zu unserem großen Bedauern keine anderen mehr. Der Rosmarin - als Fruchtbarkeitssymbol doppelter Wirkungsfähigkeit - weil er immergrün ist, ist als magisches Mittel imstande, das Leben vom Herbst durch die tote Winterperiode bis in den Frühling zu überführen.

Nicht nur in Kötsching, sondern auch in mehreren Orten der Schwäbischen Türkei finden wir diese Symbole. Der Rosmarin scheint in allen Ortschaften auf. Katharina Wild untersuchte in ihrer Fallstudie 47 Dörfer, worin sie ein anderes wichtiges Symbol, nämlich den Kirmesbaum, in 14 Dörfern gefunden hat.179 Der Kirmesbaum, das heißt „Kerbaitbaum" ist ein dem Maibaum stark ähnelndes, reich geschmücktes Langholz, das in der Regel in einer zentral gelegenen Stelle der Gemeinde aufgestellt wird. Seine Ausstattung ist verschieden: Es gibt Ortschaften, in denen die Stange mit Schilfrohr umwunden wird, in anderen Gemeinden wiederun mit Girlanden, Papierrosen und Blumen.180 Der Kirmesbaum, mit seinen Girlanden, Papierrosen und Rohrgeflechten dient ebenso der Fruchtbarkeit, wie der Maibaum mit seinem grünen Laub.

Was in Kötsching im Vergleich zu anderen Gemeinden in der Schwäbischen Türkei ganz spezifisch und neu ist, ist der geschlossene Umzug. Es gibt überall Züge: in Großnarad/Nagynyarad tragen die Kirmesbuben den Baum in einem feierlichen Umzug zum Kulturhaus oder einer anderen Stelle; auch Trompetenklänge und Rosmarin fehlen dabei nicht,181 aber der Umzug entlang einer geschlossenen Kreislinie kann nur in Moratz und Hidasch/Hidas beobachtet werden. In Moratz führen die Burschen ihre Mädchen Hand in Hand dreimal um den Kirmesbaum am Wirtshaus herum, und der erste Bursche sagt auch hier einen langen Spruch auf. In Hidasch kann der gedeckte Tisch im Pfarrhof für ein Element angesehen werden, das dem in Kötsching entspricht. Auch in Hidasch umstellen ihn die Dorfvorsteher, die Kapelle spielt Märsche, auch hier tanzt und trinkt man, und genauso wie in Kötsching wird die Prozedur dreimal wiederholt. Es wird auch ein Spruch aufgesagt, das Gehen im Kreis aber wurde in Hidasch allerdings nicht erwähnt.182

Dieser Umzug in Kötsching stellt also eine ziemliche Rarität dar. Der Umzug, die Verkorkung und Vergrabung des Weins und im nächsten Jahr dessen Aufnahme sollen sich der ritualen Neuschaffung der sich erneuernden und untergehenden Natur bedienen. Eine ähnliche Funktion erfüllt der dreimalige Rundgang auf dem Kirchhof: Dieser Kreis symbolisiert das Jahr selbst. Dreimal muß der Ablauf des Jahres abgespielt werden, dreimal muß man die Zauberei wiederholen, damit wir es mit Gewißheit annehmen können: dem Winter folgt der Frühling, dann der Sommer und der Herbst, so daß wir dann wieder zum Winter gelangen können. Das regelmäßige Aufeinanderfolgen der Jahreszeiten erscheint in allen Agrarkulturen als die wichtigste Grudbedingung des sicheren Lebensunterhaltes. Die Angst davor, daß dieser uralte Rhythmus einmal unterbrochen wird, hat im Laufe der Jahrtausende die zahlreichen Formen der Fruchtbarkeitsmagie hervorgerufen. Der Kerbait kann man also alles mögliche antun: ihre scheinbar unwesentlichen Förmlichkeiten aufheben, sie von Mittwoch auf Sonntag verlegen, das Publikum aus dem Kirchhof verweisen und die Anzahl der Marschierenden von 40 auf 2 reduzieren, aber nur eines darf man ihr nicht antun- den Umzug nämlich mit dem dreimaligen Stehenbleiben nicht abzuhalten. Das scheint am wichtigsten zu sein; jede Requisite und jedes Symbol entwickelte sich daraus, außer ihm ist alles andere ohne Belang. Die Elemente der germanischen Stammesgesellschaft in den Kerbaitbräuchen können also die Magie nicht entbehren. Das Vergraben der Weinflasche betont das ewige Leben und den ewigen Tod. Die gebrochenen Rosma-rinstengel am „dritten" Tag der Kerbait in der Früh lassen die Äußerung des uralten, unschlüssigen und unbewußten Zwanges fallen, daß die Kerbait und die natürliche Vegetation getötet werden muß. Man muß sie töten, damit sie im Frühling wiedergeboren werde. Was würde geschehen, wenn zum Beispiel immer Frühling wäre? Es gibt alte Tonbandaufnahmen, aus denen klar hervorgeht, daß einige Menschen im Publikum während der Vergrabung der Kerbait im Hintergrund die Handlungen mit Schreien begleiten: „Da hast du's! Du hast du's, Kerbait!183 Selbst die Burschen und die anwesenden wenigen Gäste fassen diese Schreie nur als eine die Veranstaltung abschließende Witzelei auf, ihr Inhalt ist aber sehr ernst: Sie überbringen uns, der Gegenwart, das Tragische eines mehrtausendjahrigen Kampfes um den Lebensunterhalt.

An der Westküste Kanadas begehen die Kwaikutl-Indianer ihre den Winter begrüßenden Feste, die sogenannte „Winterzeremonie" ebenfalls im November.184 Im Kreis der Zeremonien verfügen sie über alle Elemente der Fruchtbarkeitsmagie von den Tänzen bei der Mannesweihe bis auf die Faktoren, die den Reichtum bedeuten. Die entschlossenste Absicht richtet sich dabei darauf, die Ankunft des Winters zu erzwingen, deshalb bringen sie auch Opfer dar, früher sogar Menschenopfer, wobei auch der Kannibalismus nicht ausgeschlossen war.185 (Man müßte in Zukunft die vergleichende Analyse des Kerbait-Kirmes-Komplexes mit den entsprechenden Elementen der germanischen Mythologie durchführen. Die mit den Fruchtbarkeitsmythologien verbundene nördliche Vanen-Göttergruppe - der Kult der Göttlichkeiten Njord, Freyr, Frejya und Balder— wäre vielleicht hier noch zu erwähnen, wenn man die Bräuche im Nord-Schomodei-Raum in Zusammenhang mit den Forschungen der Folklorewissenschaft über Hessen untersuchen wollte.)

Nach der Analyse auf dem Gebiet der Folklore müssen wir zu unserer ursprünglichen Fragestellung zunickkehren: Warum ist im Kötschinger Gedächtnis nur ein Herkunftselement - nämlich das Groß-Biebcrauer - in Erinnerung geblieben?

In diesem Zusammenhang müssen wir auf jeden Fall auf die Familie Storck/Stark eingehen, genauer noch auf Johann Konrad Storck, der die von seinem Schwiegervater Wendel Schuchmann geerbte Mühle dem jüngeren Bruder Jacob übergeben (verkauft?) hatte und der nach Wärschad/Gallas auswanderte. Niemand weiß, warum er sich in der Mercy-Gutsherrschaft nicht wohl gefühlt hatte; es ist möglich, daß es ihm hier wegen der früher erwähnten Mißbräuche materiell nicht gut genug ging. Tatsache ist aber, daß er sich in Kötsching samt Familienangehörigen niedergelassen hat, wo er auch - viele Nachkommen hinterlassend - starb.

Konrad Storck war ein bedeutender Mann. Laut Lakys Aufzeichnungen war er jener wohlhabende Bürger, der der Kirchengemeinde zu einer Glocke verhalf. Laky beschreibt die Geschichte folgendermaßen: „Diese kleine Glocke, wie man sagt, habe ein wohlhabender Bürger, namens Konrad Stark, gießen lassen, und auch bezahlt, mit der Bedingung, daß ein jeder seinen Teil ihm im Laufe der Zeit abbezahlen müsse. Nach der Meinung von einigen sei auf eine Seele eine Poltura186 entfallen, andere wissen aber über 4 Kreutzer."187 An der Glocke ist eine lateinische Inschrift zu lesen: „Gloria in excelsis Deo 1740."

Lakys Bemerkung, daß Konrad Storck sich für einen reichen Bürger hielt, der imstande war, dem Glockengießen ein Darlehen zu gewähren, läßt verschiedene Schlüsse zu. Seine ursprüngliche Heimat, Groß-Bieberau hätte er eigentlich gar nicht verlassen müssen, er arbeitete dort als Müller und als ältester Sohn war er außerdem der Begünstigste innerhalb des Erbfolgesystems der Familie Storck. Doch er ist aufgebrochen, weil er zu denjenigen Menschen gehörte, bei denen Unternehmungs- und Abenteuerlust stärker ist als das Genießen der Vorteile alltäglicher Mittelmäßigkeit. Er zählte sich zu jenen Männern, die - wie viele unter den ersten karolianischen Kolonisten auch - die Verhältnisse zu Hause als zu einfach empfunden hatten, und die ihr Talent und ihre Vorstellungen anderswo erproben und verwirklichen wollten. Bei ihm war die Auswanderung viel mehr eine Sache der Berufung als eine Existenzfrage. Nach manchen Quellen konnte er auch lesen und schreiben, aufgrunddessen er kaum seinesgleichen in der damaligen Welt der Leibeigenschaft fand, gleichzeitig wurde durch diese Fertigkeit seine geistige Überlegenheit hervorgehoben. Menschen dieses Schlages werden, wohin sie auch kommen, über kurz oder lang reich und nehmen meistens eine zentrale Rolle in der Gesellschaft ein, um die dann irgendwelche soziale Gruppierungen entstehen. Wir wissen, daß er mit dem von seinem Bruder erhaltenen Geld nach Ungarn gekommen ist und er übte auch in Kötsching den Beruf des Müllers aus. Diese Stellung gewährte zumindest, daß er materiell besser dastand als manche Grundbauern und Kleinhäusler. Das aus Bieberau mitgebrachte Vermögen vermehrte sich solcherart und es kann gesagt werden, daß jedes Vermögen immer wieder Menschen von reichen Familien abhängig macht, die anderen Geld verleihen können und dies auch tun. Diese soziale Gruppierung verharrt selten im Zustand des Wirtschaftlichen, sondern sie wandelt sich meistens in Bindungen kulturellen, konfessionellen, also geistigen Charakters. Die Gesellschaft von Kötsching bildete sich zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer stark geschichteten Agrargesellschaft um. In der Konskription der Wesprimer Diözese wird ersichtlich, daß die wirtschaftlich mächtigeren Familien nicht ausschließlich eine sogenannte „äußere" Dienerschaft angestellt hatten, worunter man das von den umliegenden Dörfern und Pußten „hereingelockte" Gesinde verstand, sondern auch die ärmeren Elemente des Dorfes, die schwäbischer Herkunft waren, und die als Tagelöhner oder Hausdiener im Dienste reicherer Häuser standen. Manchmal dienten bei einem Grundbauern zwei bis drei mittellose Familien.1188 Warum hätte sich also nicht ein Bieberauer Kern um die Familie Storck gruppieren können, welcher einen maßgeblichen Einfluß auf die Leitung der Kirchengemeinde auch in konfessionellen Angelegenheiten hätte nehmen können?

Bedauerlicherweise finden sich über die sozialen Machtverhältnisse, wie über die „Clanbildungen" kaum mehr Belege. Wir riskieren die folgenden Behauptungen, einerseits um die Belege zu bewahren, andererseits in der Hoffnung, daß in diesem wichtigen Bereich die Forschungen weiterbetrieben werden.

Laut Recherchen von Katharina Wild wird Kirmes in Süd-Transdanubien sehr häufig im November gefeiert. Die kirchlichen und weltlichen Autoritäten verlegten dieses Fest aus praktischen Gründen in eine Zeitperiode zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember, wenn in der Landwirtschaft nicht mehr gearbeitet wurde, also in Ruhe gefeiert werden konnte.189 In den untersuchten Gemeinden der drei Komitate wird Kirmes zwischen dem 28. Oktober und dem 19. November insgesamt 21mal gefeiert. So stellt sich die Frage, ob die Kolonisten Kötschings den Brauch der Novemberkirmessen von ihrem vorherigen (primären) Wohnort hätten herüberbringen können? Das Problem in Zusammenhang mit dieser Frage besteht darin, daß die Orte, aus denen die Kötschinger Kolonisten stammen, nämlich die Tolnau und die Branau, zu ganz anderen Zeitpunkten Kirmes feiern, und dort, wo diese Kirmestermine im November sind, sind die Gemeinden katholisch, deswegen können sie nicht die Abstammungsorte Kötschings sein.

Es ist vorauszusetzen, daß die Kerbait in Kötsching teilweise eine Übernahme und ein Weiterleben des Groß-Bieberauer Sankt-Martinstages sein soll. Die deutsche Fachliteratur bringt sehr viele Belege dafür, daß diese in Deutschland üblichen Veranstaltungen früher zahlreiche Fruchtbarkeitsmotive enthielten. Das Besondere in Kötsching ist der etwa 20 Meter große Kreis im evangelischen Kirchhof - der vom Volk immer noch „Platz" genannt wird - dieser, wie jener magische Kreis in Groß-Bieberau mit einem Durchmesser von 50 Meter können nach unserer Auffassung in Zusammenhang stehen. Der Marsch an einer Kreislinie - ähnlich wie in Moratz - läuft um einen nicht mehr vorhandenen Kirmesbaum, dessen prähistorisches Vorbild der Men-hir der Kaplaneiwiese in Groß-Bieberau oder eines anderen Menhirs (?) irgendwo in Deutschland sein könnte.

Wenn also Konrad Storck eine Glocke seiner Kirchengemeinde vorstrecken konnte, warum hätten dann seine ebenso vermögenden Nachkommen um 1797 an der Bestimmung des Kirchweihetages keine Rolle spielen sollen? Warum hätte sich diese Bieberauer Gruppe mit ihren Vorstellungen nicht durchsetzen können, und so die Tradition des Sankt-Märtenstages am Leben erhalten können. Die Zahl, der Ort der Feiertage und die mit diesen verbundene lithurgische Ordnung waren auch noch im vorigen Jahrhundert von entscheidender Bedeutung. Durch den Konflikt am Pfingstmontag 1829 190 ist klar ersichtlich, daß sich die Kirchengemeinde und die Dorrvorsitzenden - wenn auch zu einem späteren Zeitpunkt (100 Jahre nach der Dorfgrundung) - mit den Veränderungen im kirchlichen Feiertagssystem nicht abfinden wollten. Die alten und verkrusteten Traditionen loszuwerden wäre 30 Jahre früher, zur Zeit der Kirchenerrichtung, sicherlich noch problematischer gewesen. Wir sehen uns also zu der Frage veranlaßt, ob das Fest am 21. November gleichzeitig das Einweihefest der 1745 abgerissenen Holzkirche gewesen ist?

Wir müssen nun eine andere logische Frage beantworten, und zwar: Warum ist der denkwürdige Tag im Jahre 1798, im Jahr der Kirchweihe, nicht der 11. November, sondern der 21? Die Antwort findet sich in den meteorologischen und klimatologi-schen Gegebenheiten, da der „klimatische" Unterschied zwischen dem südlichen Teil Hessens und jenen Trans-Danubiens genau 10 Tage ausmacht. In der Umgebung Bie-beraus endet der Herbst dementsprechend früher, und auch der Winter stellt sich früher ein. In Hessen müssen die Ackerarbeiten deshalb 10 Tage früher abgeschlossen sein. Wenn wir diese 10 Tage zum 11. November hinzurechnen, kommen wir auf den 21. November 1798. Auch heutzutage kommt es manchmal vor, daß es am Katharinen-tag schneit, und so passierte es häufig, daß die Straßen am ersten Kerbaittag von Schnee bedeckt waren. Früher schneite es aber sehr selten. Die hessischen Kolonisten in Kötsching mußten demnach das landwirtschaftliche Jahr nicht mehr am 11. November beenden, dafür reichte nun der 21. November; und schlechtes Wetter zu Katharina störte die Feiernden keineswegs mehr.

Es gibt auch eine andere Erklärung, die dieser Theorie scheinbar mehr oder weniger widerspricht. Im Dorfe wird noch immer erzählt, daß „vor langer Zeit" - etwa gegen Ende des 19. Jahrhunderts - das Kerbaitfest nicht aus drei, sondern aus sieben Tagen plus einem Wochenende, also insgesamt aus 10 Tagen bestand.191 So ist es vielleicht möglich, daß sie eine Zeitlang auch den Martinstag gefeiert hatten? Die Forschungen von Katharina Wild beweisen eindeutig, daß in vielen Siedlungen der Schwäbischen Türkei - egal, ob es sich dabei um eine katholische oder evangelischreformierte Gemeinde handelt - jährlich zwei Kirmessen abgehalten wurden, und zwar eine „kleine" und eine „große". Die „kleine", meistens die erste, in den Frühlingsmonaten, die andere, die „große" wird aber ab August bis Dezember gefeiert. Die letztere hieß ursprünglich „Freßkirmes" (Herbstkirmes). In Baar/Bár in der Branau erfolgt die erste am 16. Mai, die zweite am 11. November.192 Es ist also eine ziemlich große zeitliche Entfernung zwischen den beiden zu bemerken. Selten kommt das Gegenteil vor — zum Beispiel in Seik/Szajk auch in der Branau - daß die zwei Veranstaltungen in einem zeitlichen Abstand von 10 Tagen im Monat November abgehalten werden.

Die zweiten Kirmessen, die im Herbst nämlich, wurden den Leuten von den kirchlichen und weltlichen Potentaten aus praktischen Überlegungen aufgezwungen, damit die Leute zur Zeit der meisten Arbeit nicht feiern, sondern lieber arbeiten. Diese Ordnung haben die Leute infolge des großen Daicks unwillig übernommen, aber es kam allerdings doch zum Begehen des alten Kirmestages. Wenn auch ohne viel zu schlemmen und trinken, nicht in der Form eines großen Feiertages, aber sie kamen immerhin den Bräuchen ihrer Ahnen nach. Später wird vielleicht einmal auch urkundlich bewiesen werden können, daß diese „Eine-Wöche-Kerbait" in Kötsching nur ein Zusammenrücken des Sankt-Martinstages und der neuen Kerbait am 21. November 193 gewesen sein konnte. Es kann sein, daß der 11. November noch ein wenig weiterlebte; es ist möglich, daß der obligatorische Schluß der Herbstarbeiten noch lange Zeit mit dem Martinstag befristet war, aber dann, weil die neuen Wetterverhältnisse diesen Brauch als überflüssig im Kirchenkalender erachteten; die sogenannte .große Kerbait" blieb am 21. November, und die vorherige „Verbindungskerbait" haben sie auf die Woche nach dem 21. November verlegt. Um die Jahre 1870-80 fand die Eine-Woche-Kerbait" nach dem 21. statt und nicht wie ursprünglich Mitte November.194

Die Zusammenhänge zwischen der Erinnerung an Bieberau und der Familiennamen können wir auch im Beweisprozeß verwenden. Johann Schmidt bringt die Rede darauf, daß nicht mehr als 3-4 Familien aus einem Dorf in Deutschland ankommen durften. Eine Groß-Bieberauer, Fuldaer oder Alsfelder Kolonie in Kötsching zu suchen, ist also ein eitler Versuch. Auf Grund der Liste können die Familiennamen Berner, Feick, Hörner, Schupp und Wehner aus Bieberau in Betracht kommen. In Kenntnis des Bieberauer Kirchspiels geht es aber gerade darum, daß hier nicht nur die Muttergemeinde, sondern ein geräumiges Ballungsgebiet in die Untersuchung einbezogen werden kann. So erweitert sich die Gruppe der Menschen, die hinsichtlich des Groß-Bieberauer Bewußtseins wichtig gewesen sein könnten: Auman, Bauman (Ober-Ramstadt), Hirsch (Groß-Gerau), May (Rodau), Pabst (Obernhausen), Roth (Klein-Umstadt), Schmidt (Groß-Gerau). Der Familienname Bruder kann auch in diesem Kreis gesucht werden: Worfeiden, ihre Heimat, liegt nicht weiter Entfernung von Bieberau. Viele Familien unbekannter Herkunft können aus diesem Bereich stammen, wie Lehr, Markolt, Ochs, Rapp, Ross, Seibert, Till, Vájbl/Weibel und Werbach. Diese Namen sind genauso häufig in Südhessen, wie in Hanau oder in Oberhessen. Nicht erschlossen ist zum Beispiel die Herkunft der Fuldaer Linie der Familie Viandt. Es war eine Familie in Lichtenberg, 5 Kilometer von Groß-Bieberau, wo sie im Dienst der Burgherren Burgkapitäne, Priester und Schulmeister waren.195

Es gibt wenig Hoffnung, daß wir diese Namen unsicherer Herkunft und unbekannter Quelle einmal identifizieren werden, doch solange können keine endgültigen Schlußfolgerungen aus der Bieberauer Sache gezogen werden. Konrad Storck konnte allerdings schreiben und war somit fähig, Bekannte und Verwandte aus Deutschland einzuladen. Eine ganz kurze Zeit erscheint der Name Schuchmann in Kötsching. So hat man den Schwiegervater Konrad Storcks geheißen.196' Im Gemeindearchiv Groß-Bieberaus sind solche Schriften nicht aufzufinden - wenn man hier an die Briefe von Konrad Storck denkt, die dieser an die Daheimgeliebenen geschickt hat,197 aber die Zeit selbst ist sehr reich an diesen sogenanten Lockbriefen. Laut Schmidt kamen und gingen die Briefe nach der Auswanderungswelle von 1723/24 selbst noch in den 30-40er Jahren, und ihnen folgten die Geschwister, Eltern, Ehefrauen, Kinder, Bräute und Nachbarn. Die transdanubische Region zeigt ein ähnliches Kommen und Gehen, gleichzeitig werden aber auch diejenigen Familien ansässig, die bleiben, und sie versuchen als unbewußt Mitwirkende eines sich spontan entfaltenden Volkskörpers, die Grundschicht der Kötschinger Dorfgesellschaft mit Erfolg zustande zu bringen.

UMSTÄNDE UND KONSEQUENZEN

Fassen wir das Gesagte zusammen, ergibt sich folgender Tatbestand: Das Besondere der Besiedlung Kötschings war nicht deren Einmaligkeit. Selbst die Besetzung des Dorfes verlief nicht so, wie es in früheren Beschreibungen dargestellt wurde: daß nämlich auf einmal, an einem Tag, und so, daß daran alle später in Kötsching auffindbaren Familien teilnahmen. Von wesentlich geringerer Bedeutung war der April des Jahres 1730, sowohl in seinen Dimensionen als auch in der Intensität.198 Es wurde sichtbar, daß sich die Zu- und Abwanderung auch nach der ersten großen Einwanderungswelle nicht einstellte, sie blieb nämlich in ständiger Bewegung in Gestalt einer langsamen Migration. In der Gutsherrschaft Antal war die Zusiedlung am stärksten, hinsichtlich dessen, daß die in weiblicher Linie der Familie Antal eingeheirateten, größtenteils evangelischen Familien199 die Religionsfreiheit der protestantischen Leibeigenen achteten. Die Verhältnisse im „globalen" waren hier besser als bei anderen Gutsherrschaften und die so in ihrer Person, wie in ihrer Religion Verfolgten fanden hier gewissermaßen eine „geschützte Zone" vor. Die offensichtlichen Beweise für einen bevorzugten Ort sind, daß die Bevölkerungszahl am Ende der theresianischen Zeit, in den 1770er Jahren, stark zunahm, außerdem, daß diese überwiegend evangelischen Gutsherren den erbitterten Kampf der KJrchengemeinde für den Pfarrer, die Schule und für die selbständige kirchliche Registratur gegen die von dem Wesprimer Bischof Márton Padányi Bíró geführten Religionsverfolgungen sowohl moralisch als auch materiell unterstüzten.

Die Urbarialtabelle der Gemeinde und die Urbarialverträge in den Urbarialdoku-menten zeigen den absoluten Durschschnitt, sie sehen im Vergleich mit anderen ähnlichen Verträgen und Tabellen in der Tolnau und der Schomodei so aus, als ob sie nur Formulare gewesen wären. Abweichungen gibt es nur in der Art und Weise der Realisierung. In der Geschichte des Deutschtums der Tolnau taucht manchmal ein klagender Brief an eine Instanz im Komitat auf oder an den Stadtrat, selten genug an den Kaiser; nicht aber in Kötsching, im Komitatsarchiv sind solche Schriften nicht zu finden. Der Klagebrief der Warschader aus dem Jahre 1725 über die Gutsherrschaft Mercy kann als eines der wenigen Beispiele herangezogen werden. In zehn Punkten zusammengefaßt, strömen die Klagen über die Ungerechtigkeiten, über einen korrupten Gutsverwalter, namens Fendrics, wegen der Überbelastungen im Frondienst und sie verlautbaren: Wenn jemand dagegen zu protestieren wagte, so wird ihm gleich der Hidjeßer Kirchenturm gezeigt, und sehr schnell wird der Protest mit Schlägen beant wortet.200 (Klar und deutlich: Wo wohnt der Gott, und dessen Statthalter auf Erden, Claudius Mercy.)

In den Darstellungen der Kirchenbücher und örtlicher Aufzeichnungen haben sich die schweren und dürftigen Verhältnisse, in die die Menschen seit ihrer Ansiedlung gerieten, nicht plastisch genug dargestellt. Es darf aber unserer Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß 65 % der erwachsenen Bevölkerung der Kolonistendörfer - wenigstens Kötschings - nicht älter als 40 Jahre alt wurden - wenn sie dieses Alter überhaupt erreichten. Diese Zahl ist in den umliegenden, schon besiedelten Nicht-Pioniergemeinden (Karád, Túr, Csepel) wesentlich niedriger. Ein weithin bekannter Kolonistenausspruch zieht scharfsinnig die Lehre aus dieser tragischen Lage: „Erste Generation Tod, zweite Generation Not, dritte Generation Brot." Das ungewohnte Klima, die kalten, kontinentalen Winter, die starken Temperaturschwankungen und Dürreperioden erschwerten das Leben der ersten Generationen. Auch die vielen Seuchen verschonten die Menschen nicht, denn Schutz gegen sie gab es kaum. Die Beamten des Ulmer Schwäbischen Kreises hatten oft Angst davor, daß die gelegentlichen Rücksiedler die Cholera einschleppen könnten; zuweilen kam man selbst auf den Gedanken, daß die Rücksiedelung provisorisch hätte eingestellt werden müssen.

Selbst die allgemeine Sicherheit in dem vor kurzem frei gewordenen Lande ähnelte nicht der im Imperium. Anfangs drohte die Gefahr einfallender serbischer Marodeure, später die von in den Wäldern versteckten Fahnenflüchtlingen und herumstreifenden Verbrechern. In den Dokumenten des Gerichtshofes liest man über Fälle, als Leibeigene der Hidjeßer Domäne auf die „lange Fuhre" 201 gingen und nie wieder nach Hidjeß zurückkehrten. Nicht selten bereiteten die wilden Tiere den Kolonisten ernstliche Schwierigkeiten. Bären und Wölfe waren Anfang des 18. Jahrhunderts noch freilebende wilde Tiere. Ausgehend von Angaben der heutigen Slowakei und aufgrund der dichten Bewaldung, schätzt man in diesem Raum Transdanubiens durchschnittlich einen Wolf auf drei Quadratkilometer.202 Der Brief der Warschader bringt im dritten Punkt, daß wilde Tiere verschiedener Art in den Saaten unerträgliche Schäden verursachen; freßgierige Wölfe brechen in die Dörfer und Höfe ein und verheeren den Geflügelbestand." 203 Die vielen Probleme der Hidjeßer Gutsherrschaft entstünden auch durch Verwaltungsschwierigkeiten aufgrund der gewaltigen Ausdehnung des Wirkungsgebietes. Die Produktion unmittelbar leitende Faktoren beherrschten die Lage, und wenn einige Punkte der Verträge nicht erfüllt worden waren, so ist dies größtenteils mit der Willkür der Verwalter zu erklären.

Das Herrschaftsgebiet der Antals dehnte sich im Gegensatz zu anderen nicht so weit aus, wodurch die Gutsherrschaft auch viel übersichtlicher war. Es ist daher kein Zufall, daß die Deutschen aus der Hidjeßer Gegend, die einen Ausweg aus ihrer schwierigen Lage suchten, sich eben hierher auf den Weg machten. Die Registrationen unterschiedlichster Art erbringen den Beweis, daß mehrheitlich die seit 1722/23 erwachsene „zweite" Generation den risikoreichen Umzug unternahm, diejenigen also, die noch in Deutschland geboren wurden und als Kinder in die neue Heimat kamen, um hier ihr Heil in Kötcse-Pußta zu versuchen.

Auch wegen seiner klimatischen Verhältnisse war Kötsching begehrt. Daß es vor den starken Nord- und Ostwinden geschützt war, hatte einen entschiedenen Vorteil gegenüber den Gemeinden auf dem Flachland. Die Bäche, wie der geschützte Charakter bestimmten die Richtung der Ausbreitung des Dorfes; nicht gegen die Hügelrük-ken, sondern entlang des sogenannten Mühlbaches im Tal ging die Bebauung des Gebietes weiter in nördliche Richtung. In den ersten Jahren haben die Kolonisten die von den Forschern, unter ihnen auch Heinrich Schmidt, in der Branau vielerorts beschriebenen sogenannten „fränkischen Häuser" gebaut, beziehungsweise hätten bauen müssen - es gibt keinen Beweis dafür und dagegen - späterhin stellten sie sich aber auf das bekannte Schomodeier „Langhaus"204 mit drei Wohnräumen um, dessen weiterentwickelte Varianten später auch in anderen Ortschaften der Schwäbischen Türkei verbreitet waren und es noch immer sind.

Die Literatur der Siedlungsgeschichte unterscheidet drei Typen der Dorfgrundrisse.205 Das sogenannte „Straßendorf, in dem aufgrund der vorläufig konstruierten Entwürfe die schnurgeraden Straßenlinien beinahe mit ingenieurmäßiger Exaktheit gestaltet worden waren, alles war geregelt und schien beinahe uniformiert zu sein. Viele Straßendörfer findet man im Banat, wo viele Dörfer gemäß exakter Pläne errichtet wurden. Die andere Variante war das „Taldorf", das in seiner Bebauung dem natürlichen Verlauf des Tals bzw. des Talbaches folgte. Den dritten Typ bilden die „Haufendörfer": in diesem Fall gibt es kein eindeutiges Regelprinzip, denn die Leute bauten ihre Häuser in der Reihenfolge, wie sie ankamen, mit krummen Gassen, wodurch ein unübersichtlicher Dorflageplan entsteht.

Alle drei Varianten können in Kötsching sehr gut beobachtet werden. Der Talbaucharakter dominiert, der sich aus der niederen Lage der Dorfmitte ergibt, doch lassen sich die anderen zwei Siedlungsformen gut ausnehmen. Am südlichen Dorfeingang können wir in der Magyar utca die Merkmale eines Haufendorfes gut erkennen, ebenso oder vielleicht noch besser allerdings in den alten Dorfplänen. Ein Abschnitt der Magyar utca und ein großer Teil des Dorfes können als typisches Taldorf bezeichnet werden, die Dorfmitte um die Kis utca206 und der Sósdomb tragen Merkmale eines Haufendorfes, das Große- und insbesondere das Kleine Eck207 jeweils einen Straßendorfcharakter, so daß die Geländeverhältnisse die reine Form mehr oder weiniger modifizierten. Vor allem das Straßensystem des Kleinen Ecks erweckt den Eindruck, daß hier ein „Straßenbaukonzept" vorlag. Auf einem alten Foto, das vom Buchplateau208 aufgenommen wurde, sieht man eindeutig, daß die drei (!) 209parallel laufenden Häuserreihen nicht nur wegen der günstigen topographischen Gegebenheiten in gerader Linie angelegt worden sind. Wenn wir die zugrundeliegende Gesetzmäßigkeit der Siedlungsgeschichte in Betracht ziehen, daß Straßendörfer zur Zeit der josephini-schen Ansiedlungen typisch waren, und die beiden anderen Varianten ältere sind, so liegt die Vermutung nahe, daß als der älteste Siedlungskem Kötschings der Somfolyó-Bereich in Betracht kommt. Von hier aus erfolgte dann der zweite Schritt der Ausdehnung, nämlich die Besiedlung der Magyar utca (Ungarngasse); wir wissen ja, daß die Ungarn ein wenig früher als die Deutschen gekommen sind. Danach folgte die Bevölkerung der Dorfmitte, dann die zwei „Ecken" am nördlichen Dorfrand irgendwann gegen Ende der 1770er und zu Beginn der 1780er Jahre. Demographische Untersuchungen zeigen auch, daß eben in diesen Jahren ein rasanter Zuwachs in der Bevöl-keerungszahl zu verzeichnen ist.

Auch der Straßenstrecke Nagysarok muß eine gewisse lokale Eigenständigkeit beigemessen werden. Es wird nämlich erzählt210, daß früher das heutige Haus Nr. l6 in der Arany János utca die Dorfmitte211 bildete - das Gebäude diente damals als Wirts-haus oder vielleicht auch als eine Art Gemeindehaus, an dem man die für Wirtshäuser charakteristischen Merkmale noch lange sehen konnte. Die Mauern des ursprünglichen Gebäudes waren auch noch Ende der 30er Jahre voll mit sogenannten Blenden212, in denen Weinflaschen gelagert wurden.213 Der bis heute erhalten gebliebene Keller ist der größte unter jenen, die in dieser Straße in alten Zeiten gebaut wurden: darüber hinaus soll bemerkt werden, daß er unter das Haus eingehöhlt wurde, was für die Architektur der Gegend nicht typisch ist.214

Um das Jahr 1780 konnten die neu angekommenen Kolonisten nur in diesen zwei Straßen Unterkunft finden. Es kann auch angenommen werden, daß sie gar nicht mehr zur alten fränkischen Gruppe aus Hessen gehörten, sondern Bayern waren oder zumindest ein Volk, das irgendeinen baierischen Dialekt sprach. Diese Erscheinung ist in der Geschichte der Ungarndeutschen häufig zu beobachten; es ist nämlich in den meisten altangesiedelten Dörfern sehr oft so, daß sich eine süddeutsche Schicht auf fränkischem Terrain Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts niederläßt. War das auch in Kötsching der Fall? Bedauerlicherweise hat Kötsching in Folge der übertiebe-nen Magyarisierung Ende der 1890er Jahre aufgehört deutschsprachig zu sein, sodaß eine exakte dialektologische Untersuchung dieser Frage und die damit verknüpfte Entscheidung nunmehr gänzlich unmöglich scheint. Laut Statistiken 215 lebten 1880 noch 99 Deutsche im Dorf, 1890 nur mehr 9 - diese Daten werden wegen der damaligen Magyarisierungstendenzen manipuliert gewesen sein. 1920 zählte das Dorf immerhin wieder 14 deutsche Einwohner.216

Wenngleich eine Lösung des Mundartproblems mehr oder weniger ausgeschlossen werden kann, wollen wir im folgenden versuchen, einige Splitter jener Ausdrücke festzuhalten, die sich aus der schwäbischen Vergangenheit Kötschings erhalten haben:

Im Wort Kraut hat sich das westgermanische au zu a monophtongisiert. Ähnlich verhält es sich mit dem Adjektiv braunes <pröna. Die zwei Ausdrücke weisen auf die

phonetischen Eigentümlichkeiten der beiden Seiten des Vogelsberges hin, das a kennzeichnet die West-, das ö hingegen die Ostseite.223

Das nachgestellte -kräutchen gehört auch zur östlichen Seite, wo zum Beispiel anstatt Laufer < 1aefa realisiert wird, und zwar besonders in der Umgebung der Orte Wallenrod, Allmenrod, Sichendorf und Heblos.224 Das Substantiv tsiw\ zeigt, daß die Kötschinger Mundart nicht pfälzisch gewesen sein konnte, weil anstatt b w gebräuchlich war, der s-Laut des Wortes pisno weist gleichzeitig daraufhin, daß dieses Wort aus Oberhessen kommt - nach der Klassifizierung von Weidlein225 - aus einem Gebiet oberhalb von Büdingen, aus der Gegend von Schotten, das heißt vom Vogelsberg. In der Substantivform pri hat sich das ei monophtongisiert, diese Erscheinung ist auch auf die mitteldeutsche Norm zurückzuführen, oder genauer, daß sich das Wort nördlich der alemannischen Zone findet.

Allein das Substantiv muider/muida deutet auf eine baierische Herkunft hin. Auch bezüglich der süddeutschen Abstammung haben wir einige Nachweise von Personen erhalten, deren Ahnen aus Österreich kommen226: „die Alten erzählten, daß „sie aus dem Burgenland (?) „herübergekommen" sind."- sagte einer der Befragten. Theoretisch könnte diese österreichische Abstammung zum Beispiel auch auf die westungarischen Hepauer-Gebiete hinweisen.

Eine genaue Einschätzung dieses Problems ist aufgrund einer unzureichenden Zahl mundartlicher Beispiele leider nicht möglich.227 Deshalb sind wir nicht in der Lage, diesen ganzen Vorgang, der in unserer Fallstudie vielleicht am interessantesten wäre, zu beschreiben; alle unsere Anstrengungen bleiben nur mißglückte Versuche. Es han-ielt sich hier vor allem um die Geschichte, wie die Dorfgemeinschaft sprachlich und sozial zusammengewachsen ist. Es haben sich entweder „deutsche Mischsprachen" herausgebildet - wie dies auch der Historiker Gyula Szekfű228 annimmt - oder die Kolonisten der einzelnen Straßen und Dorfteile haben ihre eigenen Mundarten mitgebracht und unabhängig voneinander gebraucht. Diese Frage kann aufgrund unserer heutigen Kenntnisse noch nicht beantwortet werden. Die Auffassung, nach der Kötsching als sekundäre Siedlung mehrerer Tolnauer primärer Siedlungen betrachtet werden kann, leistet nicht mehr als eine Annäherung vom siedlungshistorischen Standpunkt her. Die Forschung der dialektologischen Verhältnisse ist wesentlich komplizierter: Sogar die Möglichkeit einer vollständigen Probenentnahme kann nicht selten zu falschen Ergebnissen fuhren. Eines ist sicher- Kötsching war bis zu seiner gesetzmäßig eingetretenen Magyarisierung eine in das ungarische Sprachgebiet eingebettete deutsche Sprachinsel.

Da die überwiegende Zahl der Bevölkerung vor allem aus Hessen gekommen war - wofür die beiliegenden Herkunftstafeln sprechen - dürften diese Siedler zum Zeitpunkt ihrer Ankunft und auch noch einige Zeit danach einen hessischen Dialekt als „Basismundart" gesprochen haben., der zweifellos sehr bunt und vielfältig war; die sprachlichen Äußerungen mußten sehr unterschiedlich sein, wenn man die einzelnen Personen, Familien und Familiengruppen aus demselben Ort in der Tolnau bzw. in Deutschland betrachtet. Mit Mischung und Ausgleich1229 werden in der Sprachwissenschaft Begriffe umschrieben, mit deren Hilfe man die Entwicklungstendenzen darstellen kann, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts vollzogen haben, nach der oben genannten kurzen Periode oder vielleicht schon im Moment des Zusammenziehens am 11. April 1730. Vereinfacht sieht dieser Prozeß so aus, daß die Dorfgründer, die verschiedene hessische Mundarten sprachen, einiges von ihren Dialekten an andere iveiterga-ben und manches von anderen übernahmen Dieser Ausgleich wahrte so lange, bis sich schließlich ein spezifisches und unverwechselbares Kötschinger Deutsch entwikkelte Sicherlich konnte dieses .Kotschingei Deutsch beispielsweise um 1790 sowohl dem Dorotschkeei230als auch dem Jinker oder dem Groß-Sackler Deutsch geähnelt haben obgleich es mit keinem davon ganz identisch war Es entstand also eine Sprache, die sich ihr eigenes System schaffte, womit ein Prozeß umschiieben wird, der in der strukturalistischen Linguistik „eigenständiger Korpus'231 genannt wird Dieser Vorgang riß auch spater nicht ab, denn untersucht man die Namen, wild namhch einigermaßen deutlich, daß die am Ende des 18 und Anfang des 19 Jahrhunderts eintref fende neue Kolonistenwelle aus Suddeutschland das mundartliche Bild dei Gemeinde weiter diffeienzieite Es ist auch voistellbai, daß die Spiache des Kis- und Nagysaiok -da die dortigen Bewohner wesentlich spater angekommen sind und weil sie sich eine gewisse Zeit noch von den fmher angekommenen Kolonisten isoliert haben - einen bestimmten Selbstandigkeitscharakter bewahrte Oder anders formulieit Es hat sich dort ein eigenständiges sprachliches System herausgebildet Wir gelangen damit allerdings an einen Punkt, wo wii über nähere Sachveihalte nichts Genaueres sagen können und es bleibt zu befurchten, daß wii darüber auch in Zukunft nichts erfahren weiden

Die Besonderheit Kotschings macht denn auch nicht dessen dialektale Eigenart aus, sondern ist vielmehr geprägt von der natürlichen Aufgeschlossenheit der Bewohner und deren Bereitschaft, Neuerungen anzunehmen, die sie wegen dei schweren Umstände über Jahrhunderte erlernen mußten Die Tatsache, daß das Dorf sein eigenes Gesicht bewahrt hat, zeigt, daß dieser Lernprozeß beim Aufeinandertreffen verschiedener Kulturkieise viel lntensivei und iruchtbarei ist

1 Dorfmitte um 1900
 
2 Weinlese im Jahre 1922
 
4 Stephan Reichert m Hoined-Untform mit seiner Frau Elisabeth Felde kui7 \or dem ersten eltkrieg
 
3, Die Familie Min/Ma/ Kotsthinger Herkunft in Nalytsepely 1911
 
5 Die Familie Pot?ik um 1910 in traditioneller Kotschinger Tracht
 
6 Das Lhepaar Lohr (Johann Lohr und Katharina Landeck) um 1915
 
8 Blick vom Buchplateau Die erste bekannte Photographie \on Kotschwg um 1890
 
9 Blick vom Buchplateau Gemälde von Aurel Bernath
 
10 Die exangelische Kirche im Jahre I960
 
14 Braut und Biciutigain Dorotschkeer Herkunft (1920er Jan re) II Junges Madchen in Sonntagstracht (1910er Jahre)
 
12 Alle Frau vor der Tur der Abstellkammer (1940er Jahre) 7 Altes Ehepaar wahrscheinlich Dorolschkeer Herkunft in Kot schlug
 
13. Hochzeitsgesellschaft vordem evangelischen Crundschulgehaude im Sommer des Jahres 1910
 
15 Zwei Jahrgange in der evangelischen Giundschule im Jahie 19 10
 
16 Kerhaitbuben im Jahre 1947
 
77 Kerhaitbuben und -madel in den 50er Jahren
 
Ifi Kerbaitbuhen und-madel 1959
 
19 Gruppenbild des Ausschusses des „Kottsei Gazdakor" (Landwirtschaftlicher Verein) von 1946
 
20 „Koche nach dem Festessen - veranstaltet anläßlich des Gazdakor-Jahresahschlusses 1946
 
21 Eine Gruppe der Frauen serviert Pfannkuchen hei Hochzeitmittagessen
 
22 Paten der Braut und des Bräutigams als Trauzeugen
 
23 Alte Manner als Weinschenken im Keller des Gazdakor hei Hochzeit
 
24 Hochzeitsgaste vor dem Weinkeller
 
25 Laienschauspieler A csíkos (dei fschtkosch) 1947 (>)
 
26 Laienschauspieler Fani orvossága (hanny s Medikament) 1947
 
27 Lustige Gesellschaft mit Zigeunermusikguppe wahrend der Hochzeit (Um 1960)
 
28 Weinlesefestumzug im den 1930er Jahren Pferdewaf-en des Dorfschuhen'
 
29 Assicht vom Fancseberg Unten der Weinberg Boka\olg\ mit V/einkellern
 
30 Kissarok (Kleines Eck) vom Friedhofsberg
 
31 Schweineschlatht im Hofe der Familien Lohr und beide um 1940
 
32 Lunghaus ( hosszihaz ') von Heinrich Trimmet mit Arkadengang In den 1970er Jahren abgerissen
 
33 Langhaus (, hosszihaz ) von Emmerich Reichert mit Arkadengang In den 1970er Jahren abgerissen
 
34 Langhaus (, hosszihaz') von donauschwabischer Art \on Adam Reichert
 
35 Dresche („masinálás"') 1950er Jahre
 
36 Dresche ( masinalas ) 1950er Jahre
 
37 Altar der evangelischen Kirche 1b Geschnitzte Bank in der evangelischen Kirche
 
39 Stilleben mit Krug und Fässern 40 Ernst Ludwig Landgraf \on Hessen
 
41 Ulmer Schiedsleute steuern zwei Wiener Zillen die Donau abwärts
 
42 Alsfeld (Mattheus, topographia Archwpiscopatum Maguntiensis Treunensis et Coloniensis 1646)
 
43. RUsselsheim (Ebenda)
 
44 Hanau (Ebenda)

  1. Dorf in der Noidschomodei (ehemaliger Kreis Siófok), 9 Kin südlich von Balatonszárszó
  2. Die Bedeutung des Wortes Pußta/Puszta 1 Einode, Wüste, Steppe, eine meistens mit Gras bedeckte große Ebene 2 Meirhof, großes Landgut, Hausergruppe als Zentrum für die Be- wtrtschafiuiig etiles großen Landgutes In Transdanubien wird unter dem Wort Pußta die Bedeutung, wie unter Punkt 2 angeführt, verstanden Im weiteren verwenden wir das Wort in dieser Bedeutung
  3. Archiv des evangelischen Pfarramtes der Kirchengemeinde Kottse, Protokollum Visitationum Supenntendentialium in Eccl Evang Kottseiense publicae celebiant ab anno 1814 „1 Kezdetét vette 1730dik esztendőnek Ildik április napján, Akkor szállottak meg Kottsét, mint Pusztát a' Lutheránusok Impenumból, VIdik Károly Tsászártól nyomtatásban kiadott patens mellett"
  4. Ebenda
  5. SZITA, L 1993 A nemzetiségi lakosság betelepülése Somogyba A torok utam migráció a Dél-Dunántúlon In Somogy megyei nemzetiségek településtörténete a XVIII/XIX században [Die Emsiedlung der Nationahtatenbevolkeiung in die Schomodei Die Migration in Sud-Transdanubien nach der Turkenzeit In Die Ansiedlungsgeschichte der Nationalitäten im Komitat Somogy in den Jahrhunderten XVIII-XIX1 Kaposvár S 5
  6. Ebenda
  7. Hofkammerarchiv, Wien, Conscription des ganzen Kaposvarer Districts, Facs 2 76/79 ff
  8. Archiv des Komitats Somogy (AdKS), O 433/462 Zehntenkonskriptionen, Szólád, 1714/15 )33 f
  9. Ebenda, 35 f 111
  10. Ebenda, O 58 Karton 25 7 f
  11. Urahnen des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten József Antall (J990-1993) u
  12. AdKS , Protokollum 2 S 724
  13. H Ebenda, „ ohm Imperator ex Hunga Regis Ferdinandus Terty in Civitate Vienna Austriae, die 21 Mens Juny, anno 1645 ad instantem, Thomae et Johannes Altai ['], pei nianus uidem dommi Georgy Szelepcsenyi, Regni Hungae Cancellary lnanoruin armahum facta ad Emissos Imperatores sufhcienti Genealógiáé adventione, nobilitatem Suani Comprobando 1034 old
  14. Ebenda, S 472
  15. Ein Teil von Ktsbárapáti
  16. Heute Pusztaszemes, es ist nicht mit dem Plattenseekurort Balatonszemes zu verwechseln
  17. Ebenda, S 469
  18. Ebenda
  19. SCHMIDT, T 1939 Német telepesek kivandoilása Hesszenből Tolna-Baranya-Somogyba a XVIII század első felében [Die Aussiedlung deutscher Kolonisten ans Hessen in Tolnau-Branau-Scliomodei in der ersten Hälfte des 18 Jahrhunderts], Győr, S 14
  20. Heute Osijek
  21. Ebenda, S 15
  22. Sósdomb [Salzberg] und Lúdfészek [Gansenest] Flurnamen in Kotsching
  23. WEIDLEIN, J 1937 A Tolna megyei német telepítések [Die deutschen Ansiedlungen in Tolnau], Szekszárd, S 27
  24. AdKS, Urbarialtabelle 1767, Kottse
  25. SCHMIDT, H 1934 Haus und Hof der Donauschwaben In Deutsch-Ungarische Heimats-blatter, VI Tahigang, Heft 1-2, Budapest, Hrsg BLEYER, T Worauf die Dorfer grundenden Kolonisten vor allem achten lnussten, war das gesunde Trinkwasser Deshalb sehen wir einen Unterschied in dei Anlage der Siedlungen in hügeligem und flachem Gelände
  26. Teich am südlichen Rand Kotschings Bis zu einem gewissen Maße kann es als Theimalwas-ser aufgefasst werden es fror zur Winterzeit nur selten zu, in den alten Zeiten konnte man da sogar Tieie tranken
  27. Ableitungskanal in den Plattensee
  28. Über die Wiederbesiedlung des Landes, Erster Entwurf, Pressbuiger Landtag 1722/23 In TAFFERNER, A 1982 Quellenbuch zur donauschwabischen Geschichte, Stuttgart, Nr 719 S149
  29. Ebenda, Nr 723 S 155
  30. Ebenda
  31. Ebenda, Boni Publici latio exigere videtur, ut oppidorum possessiorum lncolae sine sub praenotatis motibus, sine alias in Boni Publici prae|udicium lecenter dispeisi per Domines Terrestres ad lncolatum admittantur, recipiantur, lnducantur et impopulentur Ni 724 S 157
  32. Die Rheinweine Hessens Rheinhessen und die Bergstraße, Mainz, 1972 S 131 und 147
  33. HELDMANN A 1987 Groß-Bieberaus Bevolkeiung seit dem Anfang des Mittelalters, In 1200 Tahre Gioß-Bieberau, Beitrage zu seiner Geschichte, Groß-Bieberau, S 52-53
  34. SCHMIDT, T S 8 Die Nachkommen von Peter Hirsch sind nach Ismin, von dort spater nach Kotsching ausgewandert Die Familie wird einmal mit dem Namen , Szarvas ein andernmal mit Hirsch {Hersch) in mehreien Konskriptionen registriert Bis zum Ende des 19 Jahrhunderts kann die Familie in Kotsching nachgewiesen werden
  35. Ebenda
  36. Dainistadt Staatsarchiv, Auswandererkarteien I
  37. Ebenda Infolge der Fieistellung der Aichive in Rußland eröffnen sich in diesem Thema neue Forschungsperspektiven Die Auswanderungsioute der sudiussischen Emigration verlief tradi tionellerweise ebenso entlang der Donau, wie die ins Banat woduich es vorstellbai ist, daß es in den Giuppen nach Rußland auch Hinterlassene gegeben haben konnte deren Nach kommen heute unter uns leben
  38. Ebenda Johann Jakob aus Obeihessen wollte sich der griechischen Beheiungsarmee anschließen und für die Freiheit kämpfen
  39. WEIDLEIN, I S 46
  40. SCHMIDT, T Deutsche Ansiedler S 21-22
  41. Ebenda S 20
  42. SCHMIDT, T Deutsche Ansiedler Schmidt hat ihre Quelle in den 30er Jahren im Darmstad-tei Gioßrurstlichen Archiv gefunden Das Darmstadter Staatsarchiv verwahrt auch noch heute einige Bruchteile dei Materialien bezüglich der Aussiedlung, die überwiegende Menge der Dokumente ist aber im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden Deshalb sind wir gezwungen, die Ereignisse in der Urheimat aufgrund monographischer Bearbeitungen darzustellen Schmidt beschäftigt sich mit der großen Besiedlungsaktion des Tahres 1723 Wir wissen, daß die Besiedlung Tiansdanubiens schon in den vorangehenden Jahrzehnten ihren Anfang nahm, es ist möglich, daß einige Kotschinger Familien im Rahmen dieser Besiedlung nach Ungarn gekommen sein konnten Für typisch halten wir aber in bezug auf Kotsching doch die politischen Ereignisse des lahres 1723 in Hessen Daß wir vor allem diese Vorgange dei weiteren Untersuchung unterziehen, ist dieser Überlegung zu verdanken
  43. Ebenda, S 23
  44. Ebenda, S 31
  45. WEIDLEIN, I S 46
  46. HELDMANN, A S 70
  47. Dainistadt Staatsarchiv, Auswandeierkaiteien I Abteilung, 11 Conv 1 Auszug, Ni 4 Attest des Uinstadter Schultheißen vom 15 März 1723
  48. SCHMIDT, T Deutsche Aussiedler S 22
  49. FATA, M , 1993 Auswanderung aus Württemberg nach Sud-Ost-Euiopa zwischen dem 17 und 19 Tahihundert (Piojektbeschieibung mit einei Fallstudie) In Mateiialien Hehl Institut tui donauschwabische Geschichte und Landeskunde Tubingen
  50. Dei von dei Kanzlei gebiauchte Name dieser Handlungen hieß Musterung Nach einer mündlichen Mitteilung von Siegfried Äe/geKHofkammeiaichiv Wien]
  51. WEIDLEIN, I S 51
  52. FATA, M , S 29
  53.  SCHMIDT, T, Deutsche Ansiedler S 29 Dasselbe hat Henrik Tiimmel in sein« Kotschinger Doifgeschichte (Kotcse toitenete [Geschichte Kotschings] Manuskiipt o I ) übernommen Durch die Arbeit von Tiimmel wurde dieser letzte Satz allgemein bekannt und er wurde spater bei teieilichen Gelegenheiten (besondeis bei Kirchweihen) diiekt fui die Ankunft der Kolonisten in Kotsching am 11 April 1730 olt vei wendet Die Veiwendung dieses Zitats entbehrt nicht jeder Giundlage, weil sich unter den Toimaschei Pionieien auch die Kotschingei Ahnen betanden, außeidem duilten die Umstände in Kofsching um 1730 auch nicht viel besser gewesen sein
  54. WEIDLEIN, J S 19-20
  55. Ebenda, S 21
  56. WEIDLEIN, I, Die Deutschen in Komitat Somogy/Schoniodei und ihre Mundart Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte der Schwabischen Türkei In Deutsch-Ungarische Heiniatsblatter, VI Tg , Heft 1-2 S 228-240
  57. Ebenda
  58. WEIDLEIN, 1, 1934 Elpusztult falvak Tolnában es Baranyában [Verwüstete Dorfer m der Branau und in der Tolnau] In Századok, 1934, Erganzungshett
  59. SCHMIDT, T, Deutsche Kolonisten S 45
  60. WEIDLEIN, I, S 45
  61. Am 15 Dezembei 1745 hatten die gegen die Kotschinger Lutheraner feindlich gesinnten Katholiken aus der unmittelbaren Umgebung ein Pogrom im Dorte durchgeführt Auf Befehl des Wesprimer Bischofs Marton Padanyi Biro haben der Pfarrer von Latrany, die Husaren der Komitatskongregation unter der Leitung von dem Stuhlrichter Marton Rosti und die aufgehetzten Karader Bauern die erste evangelische Kirche (eine Holzkirche im Dorfzentrum) abgerissen Den Lizentiat-Schulmeister Michael Haimonia hatten sie verschleppt und in Karad gezwungen in die katholische Religion überzutreten (Siehe Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Kottse ) Wahrscheinlich als eine der Repressalien hatte Padányi Bíró verordnen müssen, daß auch die Kirchenbuchfuhrung im weiteren in Karad stattfinden werde
  62. Handschnftenarchiv des Ungarischen Nationalmuseum, kirchliche Aichive usw kommen hier als Fundorte in Frag
  63. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  64. AdKS., Protocollum..., 21. Juni 1771, S. 287-291.
  65. Archiv des Evangelischen Pfarramtes der Kirchengemeinde Köttse, Index secundum ABCan ans 1783-1799 ... S.l.
  66. Ungarisches Staatsarchiv (UStA), Mikrofilmsainmlung, Catholische Kirchengenieinde Karád.
  67. SZITA, L , S 70 Die Daten rühren aus dem Nachlaß Schniidt-Toinkas Der wissenschaftliche Nachlaß von Johann Schmidt, ehemaliger evangelischer Pfarrer in Jorking, wird in Gedin gen, in der Stadtbibliothek verwahrt in Form eines Manuskripts von etwa 2000 Seiten Es er gab sich keine Gelegenheit dazu, daß man die Familiennamen aufgrund des Schmidt- Nachlasses vergleichend hatte untersuchen können
  68. UStA , Mikrofilmsammlung, Cathohsche Kirchengemeinde Karád
  69. Ebenda
  70. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I
  71. Archiv des Komitats Tolnau (AdKT), O 283 Konskription der Jahre 1723/24
  72. UStA , Mikrofilmsammlung, Evangelische Kirchengemeinde Kotcse
  73. Ebenda, Evangelische Kirchengemeinde Ráczkozar, Film Tófű
  74. SZITA, L S 113
  75. UStA , Mikiofilmsammlung, Evangelische Kirchengemeinde Majos
  76. Ebenda, Cathohsche Kirchengemeinde Karad
  77. SZITA, L S 70
  78. AdKT, O 283
  79. UStA , Mikiotilmsammlung, Cathohsche Kirchengemeinde Karad
  80. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  81. UStA., Mikrofilmsammlung, Reformierte Kirchengemeinde Nagyszékely.
  82. Hessische Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  83. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  84. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  85. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád. sacramentis accessoriis decissit Michael Harmónia nnnos circiter 60.
  86. AdKT., Ó. 283. 1723/24.
  87. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  88. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád............... conjugarus annos 68 plebejus calvi. in Köche"
  89. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  90. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  91. AdKT., Ö. 283. 1723/24; Ö. 284. 1730., 1731/32. Nagyszékely.
  92. UStA., Mikrofilmsainmlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  93. AdKT., Ö. 283. 1723/24., Varsád.
  94. SCHMIDT,]., Deutsche Kolonisten ... S. 71.
  95. Hessisches Staatsarchiv, Darinstadt, Auswandererkarteien I.
  96. UStA., Mikrofilmsanmilung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  97. Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Köttse. Index secunduiii ... 1783-1799.
  98. Ebenda. Laut Überlieferung Laky's war dieser Fall die erste eingetragene Taufe im Kirchenbuch von Michael Harmónia.
  99. UStA., Mikrofilmsainmlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  100. Ebenda
  101. Ebenda
  102. Ebenda
  103. SZITA, L, S. 69.
  104. AdKS., O., Köttse, 27. Januar 1771.
  105. USrA., Mikrofilmsamnilung, Catholische Kirchengeineinde Karád.
  106. AdKT., Ö.284., Nagyszékely, 1731/32.
  107. AdKS., Ö.283., Varsád, 1723/24.
  108. USrA., Mikrofilmsamnilung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  109. UStA., Mikrofilnsaininlung, Evangelische Kirchengemeinde, Varsád. 1
  110. SCHMIDT, J. Deutsche Kolonisten ... S. 68.
  111. UStA., Mikrofilmsnmnilung, Catholische Kirchengeineinde Karád.
  112. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  113. AdKT., Ö. 283-, Varsád, 1723/24.
  114. Archiv der Evangelischen Kirchengeineinde Köttse, Index secundum
  115. UStA., Mikrofilmsanimlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  116. AdKT., Ö. 283-, Kistormás, 1724.
  117. Ebenda, Nagyszékely, 1727.
  118. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  119. SCHMIDT, I., Deutsche Kolonisten ... S. 68.
  120. Ebenda, S. 6l.
  121. AdKT., Ö. 283. Nagymányok, 1723/24, „Svevi in Nagymanyok Anno 1722 ex Hassia"
  122. Hessisches staatsurch, darmstadt
  123. Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Köttse Index secundum...
  124. Mündliche Mitteilung von Nicolaus Reinhardt, 1995.
  125. In der Reihenfolge: „Vörösfülöp", „Vörósfülöp-Fonyó [Familienname], „Vörösfülöp-pince", „Vörösfülöp János bácsi"
  126. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  127. Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Köttse, Protocollum ...
  128. Ungarische Schrittweise von Gebel
  129. SCHMIDT, J., Deutsche Kolonisten ... S. 79.
  130. Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Köttse, Index secundum
  131. Hessische Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  132. Mündliche Mitteilungen von Johann Stark und Adam Stark. 1994.
  133. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  134. Heutige Schreibform: Weichersbach. 3-1
  135. „Aus dem degenfeldischen"
  136.  UStA., Mikrofilmsammlung, Reformierte Kirchengemeinde, Nagyszékely.
  137. Elias Till wurde in Gallas in bäuerlicher Familie geboren; nach einem kurzen Dienst als Vicekantorlehrer in Dötötschke verbrachte er sein Leben in Kötsching. In der Zeit der Mad-jarisierung nahm er den Namen Tamás auf.
  138. AdKT., Ö. 283-, Závod, 1723/24.
  139. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  140. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Auswandererkarteien I.
  141. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  142. SCHMIDT, J. Deutsche Kolonisten ... S. 29.
  143. Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Kottse, Index secundum
  144. ln Archiv dei Reformierten Kiichengemeinde Nagyszékely,
  145. Register der den Oit und die Kirchengemeinde Veilassenen
  146. Gegewditiges Grundstuck Kossuth-Laps-Stiaße 8
  147. Heute Nagycsepely
  148. AdKS , O 503 Consc Dec 1738 S 9
  149. Ebenda, O 55 Dica-Zusammenschreibungen
  150. Ebenda, O 21 S 17 ,manque tuit hospes sed lnquilinus cum
  151. omnibus facultatibus ad neopopulandum praedium Kecsé
  152. UStA , Mikrotilmsammlung, Evangelische Kirchengemeinde Dorgicse
  153. UStA, Mikiohlmsammlung, Refoimierte Kirchengemeinde Gyonk 1722-ben Le pttek a Németek is, kik Gyonkon letelepedvén 1723 esztendőben építettek a mostani oiatonumot úgy hogy a Parochiahst is hozzá ragaszták
  154. "Öreg János kanász", „Nagy György juhász".
  155. UStA., Mikrofilmsammlung, Evangelische Kirchengemeinde Dörgicse.
  156. AdKS., Protokollum, 13. Mai 1723. „Misera plebs quodmodo gravets considerando ulterio- rem ejud misera Plebis conservationem ex permonsionem idem quarterium ex posse Cso konija ad Possem Karad extranslatum..." S. 492. 1-57
  157. Hofkammerarchiv Wien, Conscription des ganzen Kaposvárer Districts. Facs. 2 Nr. 61. 1695, und UStA., Mikrofilmsammlung, Csokonyavisonta, Mezőcsokonya.
  158. UStA., Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  159. 1756-59 gab es in den Familien Dömös, Kovács und Kántás Frauen, die sich an die Katholiken anschlössen.
  160. Mündliche Mitteilungen von Adam Raab und Zoltán Tefner d.ä., 1960-70er Jahre.
  161. Mündliche Mitteilung von Johann Tefner, 1970er Jahre.
  162. BACH, A. 1978. Deutsche Namenkunde IL, Heidelberg, Carl Winter-Universitatsverlag.
  163. Mündliche Mitteilung von Dr. Erwin Westphal, des evangelischen Pfarrers von Biberau (Thüringen), 1994.
  164. Die gleiche Mitteilung
  165. Geschichte der deutschen Länder. „Territorien-Ploetz", 1. Band, Hrsg.: Georg Wilhelm Saute, A.G. Ploetz-Verlag, Würzburg, 1964. S.190.
  166. Verfasser machte zwischen 1970 und 1986 mehrere Reisen in diesen Raum, wo er bei der Untersuchung des Namensmaterials der hiesigen Friedhöfe keine wesentlichen Übereinstimmungen entdecken konnte. (Ausgenommen die völlig allgemeingebrauchten Namen: Schmidt, Reinhardt, Till, etc.)
  167. Mündliche Mitteilung von Johann Tefner, 1970er Jahre. Der Datenmitteiler hatte es von den „alten Dorfbewohnern" gehört, und er erfuhr diesen einzigen Dorfnamen aus keinen „offiziellen" Quellen. Er wußte es so, daß das ganze Dorf aus Bieberau/Biberau gekommen war: an einem einzigen Tag, in einer geschlossenen Gruppe. Laut dieser Art der Gesinnung sollte Kötsching als die Tochtersiedlung Groß-Bieberaus aufgefasst werden
  168. SZITA, J., S. 68.
  169. EICHNER, W. 1987. Aus der Geschichte und Vorgeschichte des Kirchspiels Groß-Bieberau. In: 1200 Jahre Groß-Bieberau. Beiträge zu seiner Geschichte. Groß-Bieberau. S. 110.
  170. Ebenda, S. 109.
  171. EICHNER, W., S. 111.
  172. Ebenda, S.124.
  173. In den 1960er Jahren wurder noch der traditionelle, komplette Kerbaitsablauf abgehalten, seither hat sich der zeitliche Rahmen der Eregnisse auf einen Tag beschränkt. 1969 wurde noch dazu das Begehen des Festes am 21. November aus praktischen Gründen eingestellt, daß heißt: Infolge der Entscheidung des Presbyteriums wurde der eigentliche Feiertag auf den Sonntag verlegt, der dem 21. November am nähesten war. (Vorliegender Aufsatz gibt im allgemeinen den Zustand bis 1969 wieder, also die Kerbait in ihrer ursprünglichen Form.)
  174. In der Somodei-Tolnau-Branau hóit diese Position auf verschiedene Namen - in Dörötschke Vortänzer, in Metschge/Erdösmekcse und Feked Zechbube/Zechbursche, manchenorts Kirchweihbube, Kirchweibursche. In: WILD, K. 1986. Kirmesbräuche der Deutschen in Südungarn. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen. MANHERZ, K. (Hrsg.) Budapest. S. 129-130.
  175. Bis zur Mitte der 70er Jahre spielte die Nagycsepelyer Blaskapelle aus diesem Anlaß in der Regel das donauschwäbische Musikstück „Blaue Hosen" vor. Nach der Auflösung dieser Gruppe zum obigen Zeitpunkt trat die elektronische Musik leider immer mehr in die Vordergrund.
  176. Bis etwa 1965 haben die Veranstalter (immer die Schulkinder in der achten Klasse) den populären Harmonikaspieler Johann Stickel verpflichtet, der seine Lieder, ohne ihren deutschen Text zu kennen, noch in dem alten schwäbischen Stil spielte. Sein Instrument war kein Akkordeon, sondern eine „gombosharmonika" („Herfli").
  177. HILL, D. R. 1987. Magia in Primitiv Societies. In: The Encyclopedia of Religion. Vol. 9. Collier Macmillan Publishers, London-New York. „Mana resides in the „ghost shirt", a special garment worn by some nineteenth-century Plains Indians to protect against bullets." S. 91.
  178. BETZ, H. D. Magic in Greco-Roman Antiquity. In: The Encyclopedia Britannien.
  179. WILD, K. S. 139.
  180. Ebenda, S. 141.
  181. Ebenda, S. 133.
  182. Ebenda, S. 147.
  183. "Ne, te, ne!; Ne, bucsu, ne!" In: Rundfunkaufnahme der Ungarischen Rundfunkanstalt („Kossuth Rádió") in den 1960er Jahren, im
  184. TYjBERG, T. 1988. Nordamerika: Kwaikutl. In: Skriftlose folks religioner. Traditioner og
  185. dokumenter. Redigret af Torgen Podemian, Sorensen. Kßbenhavn. S. 148. 18S Ebenda
  186. Poltura: Geldeinheit polnischer Herkunft (poltorak = anderthalb) im Wert von anderthalb Groschen.
  187. Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Köttse, Protocollum ... „Ezt a kis harangot, mint mondják, öntette és ki is fizette valamely Stark Konrád nevű, magát jól bíró polgár, azon feltétellel, hogy őneki idővel ki-ki, ami reá esett, fizesse 1e. Egy leiekre esett 1 Poltura, némelyek mondása szerént, mások pedig 4 krajtzárt mondanak."
  188. Archívum Episcopatus Veszpremiensis. A. 14. tom. 11. Köttse (Karád fíliája). Conscriptiones animorum 1771.
  189. WILD, K., S. 127.
  190. Vor Pfingsten des Jahres 1892 verkürzte eine bischöfliche Order die Zeit des Pfingstfestes von drei auf 2 Tage. Die Gemeinde leistete einen heftigen Widerstand, der zu Diskussionen zwischen dem Pfarrer Wilhelm Schleining und dem Presbyterium Anlaß gab und zu Unruhen führte. In: Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Köttse, História domus.
  191. In den Zeitdimensionen in Kötsching gab es noch um 1970 eine sehr wichtige Zäsur, nämlich den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Die Zeiten davor wurden mit dem Wort ,,ehemals"[azelőtt] gekennzeichnet, die nach 1914 mit ..heute" [márna].
  192. WILD, K.
  193. Um den Elisabethtag am 19- November. Früher feierte auch die sehr kleine katholische Kirchengemeinde ihre Kirmes am 21. November, dieses Fest war jedoch nicht an Elisabeth als Kalenderheilige geknüpft, sondern eine Anpassung an das Brauchtum der Mehrheitskonfession.
  194. Mündliche Mitteilung von Adam Raab und Elisabeth Reichert, geb. Lux in den 1960er Jahren.
  195. Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt, Kirchenbücher der Gemeinde Groß-Bieberau.
  196. UStA, Mikrofilmsammlung, Catholische Kirchengemeinde Karád.
  197. Mündliche Mitteilung des Stadtarchivars von Groß-Bieberau.
  198. Gegen den 11. April können wir auch Argumente vorbringen. In der congregatio generalis des Komitats Tolnau wurde am 6. Oktober 1725 „der Beschluß über die Regelung der Anstellung der Knäten" gefaßt. Laut der Verordnung „müssen die Hausdiener anläßlich des Neujahres, die Felddiener aber des Tages des Ritters und Märtyrers Sankt-Georg aufgenommen werden." In: Évszázadokon át. Tolna megye történetének olvasókönyve. [Jahrhunderte hindurch. Ein Lesebuch für die Geschichte des Komitats Tolnau] 1 Szekszárd. S. 255. Dieser Tag ist nicht der 11., sondern der 24. April. Es dünkt uns, der 24. April wäre logischer auch deswegen, weil die congregatio des Komirats Schomodei den Adelsstand der Antals am 18. April ins Protokoll hatte eintragen lassen, wodurch der rechtliche Hintergrund zu einer possession zu werden geschaffen wurde.
  199. Bóka, Soós, Berzsenyi, Kisfaludy, Fodor usw.
  200. Jahrhunderte hindurch ... S. 225.
  201. „Hosszú fuvar": Fracht der Produkte nach fernliegenden Orten (Pest, Raab, Stuhlweißen burg usw.)
  202. Die Berechnung wurde nach den Weisungen der Mitarbeiter der Zoologischen Abteilung des Ungarischen Nationalmuseuiiis angestellt.
  203. Jahrhunderte hindurch ... S. 255.
  204. Bekanntlich ungarischen Namens „somogyi hossziház".
  205. SCHMIDT, H., Haus und Hof der Donauschwaben. In: Deutsch-Ungarische Heimatsblätter, Jahrgang VI. Heft 1-2. S. 173.
  206. Deutsch ehemals: Kleingasse, bzw. Judengasse, Judensteig deswegen, weil die Synagoge in dieser kleinen Gasse stand.
  207. Ungarisch: „Nagysarok", „Kissarok"
  208. Ungarisch: „Büki tető"
  209. Nicht zwei, wie heute.
  210. Mündliche Mitteilung von Johann Tefner, um 1970.
  211. Ungarisch nach dem Wortgebrauch des Interviewten: „faluderék".
  212. Ungarisch in Schomodeier Mundart: „vaklik"
  213. Mündliche Mitteilung von Gisella Lohr, geb. Tefner, 1994.
  214. BLEYER, J. 1928. Das Deutschtum in Rumpfungarn. In: Deutsch-Ungarische Heimatsblätter. Statistische Studie von SCHNITZER, J.
  215. Nach Mitteilungen einiger Befragten sind die letzten, noch Schwäbisch sprechenden Menschen zu registrieren. Der letzte männliche Bewohner, der noch in den 40er Jahren Deutsch konnte, war Adam Schumann, die letzte Frau war Katharine Schlotthauer. Letztere sprach wahrscheinlich eine alte, vielleicht fränkisch-fuldische Mundart. Laut Aussagen eines Hochdeutsch sprechenden Interviewten habe sie ein „verwirrtes, fast unverstänliches Deutsch" gesprochen. [Mündliche Mitteilung von dr. Sándor Kesserű, aufgrund der Erzählung seines Großvaters dr. Ödön Kiss aus den 20er Jahren, 1994.1 Nach anderer Quelle waren noch alte Frauen im Kleinen Eck beim Deutschreden zu hören. Sie saßen auf den Straßenbänken und unterhielten sich in einer deutschen Sprache mit seltsamer Artikulation (Ungarisch: „váncogtak"). [Mündliche Mitteilung von Julianna Tefner, geb. Raab, 1970er Jahre.]
  216. Mündliche Mitteilung von Elisabeth Reichert, geb. Lux.
  217. Mündliche Mitteilung von Josef Tefner, 1970er Jahre.
  218. Mündliche Mitteilung von Margit Reichert, geb. Máj, 1980er Jahre.
  219. Mündliche Mitteilung von Ilona Richter, geb. Reichert, 1994.
  220. Ung.: „krumplishurka"
  221. Ung.: „szúróhús", (Stelle des Halses, wo ein Schwein beim Schlachten gestochen wird )
  222. HASSELBACH, K. 1971. Die Mundarten des zentralen Vogelsbergs In- Deutsche Dialektographie, Band 76. Marburg. S. 65.
  223. Ebenda, S. 64.
  224. WEIDLEIN, J. ... S. 56-59
  225. Mündliche Mitteilung von Alexander Lux, 1994.
  226. Der Verfasser - trotz seiner regen Aufmerksamkeit in diesem Thema - konnte bisher nur diese Fragmente ausfindig machen, und es besteht keine Möglichkeit mehr, daß man diesen Kreis wesentlich erweitern könnte.
  227. HÓMANN, B. - SZEKFŰ, Gy, Magyar történet, Band IV., geschrieben von SZEKFŰ, Gy, Budapest, 1935. S. 429.
  228. HUTTERER, Cl J.,Sprachinselforschung als Prufstand für dialektologische Arbeitsprinzipien, in- Ungarndeutsche Studien 6. Claus Jürgen Hutterer, Aufsatze zur deutschen Dialektologie, ( Hrsg.: MANHERZ, K, Tankönyvkiadó, Budapest, 1991, S. 103-105.
  229. Die Gemeinde wurde 1758 gegründet
  230.  HUTTERER, Cl I,Sieben Thesen zur Dmlektrotschung, in Ungarndeutsche Studien 6 , Claus Tuigen Hutterer, Aufsatze zur der deutschen Dialektologie, Hrsg MANHERZ, Karl, Tankönyvkiadó, Budapest, 1991, S 56
  231.  Ebenda

 

 

   
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