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Gyöngyi Szabó

Das Wollspinnergewerbe in Petschwar/Pécsvárad

 

Petschwar befindet sich in Südungarn, im Komitat Branau, 15 km von Fünfkirchen/ Pécs entfernt. Die Siedlung, die 1993 ihr Stadtrecht zurückbekommen hat, war in den vergangenen zwei Jahrhunderten ein wichtiges ungarndeutsches Handwerkzentrum im südöstlichen Transdanubien. Bis 1834 sind in den Matrikeln der Pfarrei keine Eintragungen den Beruf betreffend zu finden. Im Jahre 1840 wurden in der Taufmatrikel als Berufe der Vater der Täuflinge folgende Handwerke angeführt: Zimmermann (8), Maurer (7), Muller (5), Schneider (5), Steinmetz (4), Töpfer (2), Schlosser (1), Lebzelter (1), Schmied (1) (Ohler 1990:14). Unmittelbar vor dem zweiten Weltkrieg gab es in Petschwar Schmiede, Müller, Tischler Wagner, Klempner, einen Lebzelter und einen Kerzengießer. Die beiden Letztgenannten stellten ihre Arbeit vor etwa 20 Jahren ein. 1990 waren in der Stadt Schuster, Maurer, Tischler, Klempner, Schlosser und ein Zimmermann tätig. Gegenwartig gibt es noch einige traditionelle Handwerke wie Holzdrechsler, Weber, Wollspinner und Stricker.

Im vorliegenden Beitrag soll ein heute noch von wenigen Meistern betriebenes Kleinhandwerk, die Wollspinnerei, dargestellt werden. Zur Zeit arbeiten in Petschwar zwei Wollspinner: die Familie Apaczeller und Füller. Aufgrund ihrer mündlichen Mitteilungen ist diese Arbeit entstanden.

DIE WOLLSPINNER

Josef Apaczeller wurde im Jahre 1928 in Metschge/Erdösmecske geboren. Nach der sechsklassigen Grundschule im Jahre 1942 kam er nach Petschwar, besuchte dort zwei Jahre lang die sog. Wiederholungsschule und begann auch das Wollspinnerhandwerk zu erlernen. Wöchentlich zweimal - Mittwoch und Donnerstag nachmittag - besuchte er die Fachschule. Die anderen Tage der Woche verbrachte er in Warkon/Zengővárkony in der Wollspinnerwerkstatt von Jakab Hering, wo er sich als Lehrling die praktischen Kenntnisse im Handwerk aneignete. Bereits mit l6 Jahren wurde er selbständig und richtete sich eine Werkstatt ein. Bald darauf konnte er selbst schon Lehrlinge anstellen; bei ihm erlernten Johann Füller und Wilhelm Merkl das Handwerk. Nachdem er 1949 die Nichte Johann Füllers, Juliane Merkl, geheiratet hatte, arbeitete er bis 1954 mit Johann Füller gemeinsam in der Werkstatt. Danach teilten die Familien Apaczeller und Füller die Maschinen, so daß sie seitdem als selbständige Handwerker arbeiten. Josef Apaczeller war immer als hauptberuflicher Wollspinner tätig, jetzt ist diese Arbeit für ihn und auch für seine Frau ein Zubrot zur Rente. Die Schwiegertochter setzt die Familientradition als Wollspinnerin fort.

Die Familie Füller stammt aus Warkon. Der Vater von Johann Füller war Müller, aber er arbeitete als Fuhrmann bei dem Wollspinner Jakab Hering. Sie verkauften die Produkte des Wollspinners auf dem Markt, wobei der zehnjährige Johann Füller mithalf und spater das Handwerk bei Johann Apaczeller erlernte. Als Jakab Hering im Oktober 1944 das Land verlassen mußte (er war Volksbundmitglied), verkaufte eiserne Maschinen an die Familie Füller und Merkl (Wilhelm Merkl ist der Schwiegervater von Josef Apaczeller) unter der Bedingung, daß er sie nach seiner Ruckkehr zurückbekommt. Diese mehr als 100 Jahre alten Maschinen sind viel kleiner (nur 80 cm breit) als die modernen Maschinen, deshalb sind sie auch weniger produktiv. Auf diesen Maschinen arbeitet Josef Apaczeller auch heute noch.

Obwohl Josef Füller schon Rentner ist, verbringt er täglich noch ein paar Stunden in der Werkstatt. Die Tradition des Familienbetriebs ist für die nächste Zeit ebenfalls gesichert, weil nicht nur sein Sohn, sondern auch sein Schwiegersohn als Wollspinner tätig sind, obwohl beide Elektriker von Beruf sind.

SCHAFZUCHT IN PETSCHWAR

Die Schafzuchthat in der Siedlung große Traditionen Vor den 60er Jahren gab es nur in den Privatwirtschaften Schafe. In den 60er Jahren ließ die LPG eine Schafsfarm mit zwei Pferchen (pferix) in der Nähe der Petschwarer Sandgrube errichten. Die Pferchen zählten je 300 Schafe. Die andere Farm befand sich in Warasch/Apátvarasd. Diese hatte zwei Pferchen mit je 450 Schafen. Damals zählte der Schafbestand 1500-2000 Mutterschafe. (Der Bestand wird immer nach der Zahl der Mutterschafe in Evidenz gehalten). Die LPG beschäftigte sich mit Milchlamm-, Bratlammzucht sowie mit Herstellung von Wolle. Die Art der Zucht wurde immer von der Nachfrage bestimmt, davon, ob die lybischen und italienischen Kunden Milchoder Bratlämmer brauchten. Den Bestand begann man Ende der 80er Jahre aufzugeben, weil die Weiden abgenommen haben und die Zucht nicht mehr rentabel war. Die LPG verkaufte fortlaufend die Herden, den Petschwarer Pferch trug man ab, die Warascher Pferchen werden heutzutage abgebaut. In der Stadt gibt es keinen Schäfermehr, in den Nachbardörfern sind nur noch zwei, einer in Martonfa und einer in Neuglashütte/Kisújbánya tätig.

DIE SCHAFHALTUNG

Die Arbeit des Schäfers beinhaltet das Weiden der Herde im Sommer und Herbst auf den Schafswiesen und die Versorgung der Tiere im Winter und im zeitigen Frühjahr in den Pferchen. Jährlich wurde von Mai bis Oktober an 200 Tagen geweidet. Die Schafe durften im Frühjahr erst nach der Schur hinausgetrieben werden, damit ihre Wolle vor dem Regen geschützt wird. Die Lämmer wurden bis zu dieser Zeit von den Mutterschafen gesäugt. Vor den 60er Jahren hatte Petschwar einen Schäfer, der im Sommer die Schafe der Privatwirtschaften hütete. Je nach finanzieller Lage hatten damals die Familien zwei bis drei, manchmal fünf Schafe und nur selten mehr. Jeden morgen sammelte der Schäfer die Tiere ein, trieb sie auf die Wiese hinaus und ließ sie dort den ganzen Tag weiden. Diese Tätigkeit wurde als „Miethüten" bezeichnet. Der Schäfer bekam für das Hüten der Schafe Weizen, Gerste, selten auch Geld. Die Menge war von der Anzahl der Tiere abhängig. Im Herbst und im Winter versorgten die Bauern das Vieh selbst. Später erhielten die Schäfer einen festgelegten Lohn. Die Schafswiesen der LPG lagen am Fuße des Zengő Gipfels, in den Fluren Ruzsoma, Szártető, Cseresznyés, am Balázs-Bainnen, in der Gegend des Schießplatzes und in Pahl/Nagypall am Fischteich. Vor der Erntezeit, wenn das Getreide noch auf dem Halm stand, trieben die Schäfer die Schafe auf der Landstraße nach Pahl und ließen sie auf der dortigen Wiese, nach der Erntezeit auf den Stoppelfeldern weiden. Beim Treiben der Schafe ging die Frau des Schäfers voran, er selbst hinterher, auch ein Hund hat ihm dabei geholfen. Im Sommer mußte man die Schafe zusätzlich mit Salz füttern. Wenn die Tiere schon den nackten Boden leckten und brüllten, wußte der Schafer, daß sie Salz brauchen. Das Salz bekamen die Tiere immer vor dem Vieheintrieb, und an demselben Tag wurden sie nicht mehr getrankt Im Sommer hat man die Schafe im Bach getränkt. Im Juli und im August, wenn die Wiesen durch die starke Sonne ausgebrannt sind, ließ man die Tiere auf den Stoppelfeldern mit dem Unterwuchs weiden. In der Zeit des Hütens blieben die Schäfer die ganze Nacht bei den Schafen auf der Weide, oder wenn die Pferche in der Nähe waren, trieben sie die Tiere in die Schafhürde. Die sog. Hürde ist der äußere, eingezäumte Teil eines Pferches, wo die Schafe im Sommer übernachten. Im Winter hielt man die Tiere in Pferchen. Ein Pferch ist ein größerer Stall mit Holzboden und Schilfdach, in dem ungefähr 300-400 Mutterschafe und ihre Lämmer untergebracht werden. Die Tiere verbrachten den ganzen Winter darin, aber sie wurden täglich für ein bis zwei Stunden hinausgetrieben, damit sie sich bewegen. Die Böcke hielt man immer getrennt von den Mutterschafen in einem besonderen Stall neben dem Pferch. Zu einer Herde von 300 Mutterschafen gehörten 20 bis 25 Böcke.

Für die Schafhaltung war die Tiefstreuviehhaltung charakteristisch- der Boden wurde jeden zweiten Tag mit Stroh bestreut und erst im Faihling, wenn die Herde hinausgetrieben wurde, säuberte man den Pferch. Im Winter bekam jedes Tier täglich 400 - 500 Gramm Futter, am Abend zusätzlich Heu. Das Futter erhielt 70% Mais, 20% Weizen und 10% Eiweiß. Die Tiere fraßen es vor dem Austrieb aus Holzmulden, zuerst die Mutterschafe, dann die Lämmer. Das Heu wurde in sog. „Heugitter" gefüllt, die an der Wand des Pferches oder in der Mitte befestigt waren. Letzteres war vorteilhaft, weil die Tiere von beiden Seiten fressen konnten, und somit war der Futterverlust gering Wasser bekamen die Schafe jeden zweiten Tag nachmittags gegen zwei Uhr.

DAS ABLAMMEN

Im Februar begann für den Schäfer eine besonders wichtige und schwere Arbeit: das Ablammen Die Mutterschafe bekamen ein oder zwei Lämmer. Das günstigste Abiammenergebnis erzielte man mit 130-150 %, das heißt, auf ein Mutterschaf sind anderthalb Lämmer gefallen. Nach dem Ablammen blieben Mutterschaf und Lamm einige Tage in einem abgetrennten Teil des Pferches (ung. kutrica), um sich aneinander zu gewöhnen Oft kam es vor, daß ein Lamm starb, während andere Schafe gleichzeitig zwei Lämmer aufzogen, wozu sie oft nicht fähig waren. In diesem Fall mußte der geschickte Schäfer zu einer List greifen. Er zog dem toten Lamm das Fell ab und bedeckte damit eines der Zwillingslämmer. An dem Genich des Felles „erkannte" das alleingebliebene Schaf „sein Lamm" und ließ es säugen. Nach fünf bis sechs Tagen konnte man das Fell von dem Lamm entfernen, wenn sich die Mutter an ihn gewöhnt und es angenommen hatte. Schrittweise begann man, die Lämmer von den Mutterschafen zu trennen, wenn sie nicht mehr gesäugt werden brauchten. Durch die Mitte des Pferches wurde ein Drahtzaun gezogen oder ein Holzgitter aufgestellt, um die Lämmer getrennt von den Müttern zu füttern und sie so langsam zu „entwöhnen" Drei bis vier Wochen vor dem Abtransport trennte man sie endgültig und fütterte sie separat. Die jüngsten Tiere, die sog. Milchlämmerwurden verkauft, wenn sie zwei Monate alt und etwa 14-18 kg schwer waren, die Bratlämmer

 mit 3 Monaten und bei einem Gewicht von 30 kg.

Der Schäfer kannte seine Schafe sehr gut und mit einem erfahrenen Blick konnte er leicht feststellen, welche Tiere und welche Lämmer zur Zucht geeignet sind.

Die Zahl der aufgezogenen Lämmer hing von den folgenden Faktoren ab:

DIE WOLLSCHUR

In der Gegend von Petschwar schor man die Schafe jährlich einmal, immer im Mai, weil dann die Qualität der Wolle am besten ist. Vor der Schur wurden die Tiere nur für eine kurze Zeit hinausgetrieben, damit das Fell nicht naß und schmutzig wurde. Die Schafe der Bauern wurden vom Schäfer und seiner Familie geschoren. Die LPG hat von der Tiefebene eine Schererbrigade mit 5-7 Personen kommen lassen. Bis Ende der 80er Jahre wurde diese Arbeit mit Handscheren verrichtet; eine Person konnte pro Tag 20-40 Schafe scheren. Mit der Schermaschine leistete man bedeutend mehr, 50-80 Schafe pro Tag. Das Scheren fand in einem Pferdestall mit Holzbelag statt, dessen Boden mit einer Folie bedeckt war. Die Scherer legten das Schaf auf seinen Rücken und begannen die Arbeit am Hals des Tieres. Die Brust und den Bauch schoren sie von rechts nach links, dann drehten sie das Tier um und schoren den Rücken und den hinteren Teil des Schafes. Man mußte vorsichtig arbeiten, weil die Haut der Schafe empfindlich und deshalb leicht verletzbar ist. Bei der Übernahme der Wolle bezahlte man für die schön geschorene Wolle mehr. Die geschorene Wolle wurde auf ein 4 m2 großes Drahtnetz gelegt und so sortiert. Die großen Wollstücke blieben auf dem Netz, die kleineren und der Schmutz fielen durch die Maschen auf den Boden. Die großen Wöllstücke faltete man zusammen, immer mit der sauberen Seite nach innen und legte sie in Säcke. Die wertwollste Wolle wächst am Hals, an der Brust und an den Flanken der Tiere. Die Wolle der Beine, des Kopfes und des Bauches wurde von der übrigen gesondert, da diese weniger wertvoll ist. In einen Sack kam 10-15 kg Wolle. Zum ersten Mal wurden die Schafe im Alter von einem Jahr geschoren. Diese Wolle wurde auch gesondert gesammelt, weil ihre Fadendicke zum Spinnen noch nicht ausreichte. Man mußte sie aber scheren, damit man im nächsten Jahr vollwertige Wolle bekommt.

DIE WOLLE

In Ungarn, so auch in der Gegend von Petschwar, wird das ungarische Kamm -Merinoschaf gezüchtet. Diese Rasse bevorzugt man deshalb, weil sie anspruchslos, zäh und wiederstandsfähig ist, ihre Wolle wiederum stark, gut ziehbar und fein. Der Wollertrag eines Mutterschafes liegt zwischen 3,5 und 6 kg, die eines Bockes um 9-12 kg. Die Länge der Fäden beträgt 6-8 cm, ihr Durchmesser 21-26u1 (Horn 1976: 253-254).

Im Fell unterscheidet man die Flaumhaare, die oberen Fasern sowie die falschen Wollfasern. Der Durchmesser der Flaumhaare ist 10-50 mm, ihre Länge 5-50 cm. Die oberen Fasern befinden sich auf dem ganzen Körper des Schafes, hauptsächlich werden diese zum Wollspinnen verwendet (Horn 1966: 261-262). Die sog. falschen Wollfasern wachsen um das Maul und an den Unterbeinen des Schafes. Je nachdem, welche Fasern das Fell der Schafe enthält, unterscheidet man nach ihrem Handelsund Industriewert die folgenden Wolltypen:

1) feine Wolle: sie wächst auf dem Merinoschaf, ist nicht grober als 26 mm und enthält keine oberen Fasern; 2) gemischte Wolle: sie besteht aus Flaumhaaren und oberen Fasern; 3) Wolle, die ausschließlich obere Fasern enthält.

Je nach Länge der Wollenbüsche teilt man die Merinowolle in vier Gruppen:

  1. lange Kammwolle (Die Fasern sind 8 cm lang oder länger),
  2. Kammwolle (Länge 6-8 cm),
  3. kurze Kammwolle (Länge 4,5-6 cm; sie wird auch kardiért I genannt),
  4. kardiért (Länge 1,5-4,5 cm; kardiért II) (Horn 1976: 247).

Die Wollfasern sind nicht glatt, sondern stachelig, deshalb sind sie elastisch, haftend und dehnen sich nicht. Man muß sie aber sehr vorsichtig behandeln; sie dürfen ausschließlich in lauwarmem Wasser gewaschen werden.

DAS WOLLSPINNEN

Arbeitsphasen

Um aus der Rohwolle fertig gesponnene Wolle zu erhalten, muß sie sechs ver schiedene Maschinen durchlaufen. Diese sind: die Reißmaschine (reisivolf), die Wal zenkrempel ^ die Vorspinnmaschine die Spinn maschinedas Spulrad und die Matringmaschine

Die von den Kunden gebrachte gewaschene Wolle wird auf der Reißmaschine (Abb. 1) vorbereitet. Die Aufgabe dieser Maschine ist die Auflockerung der Rohwolle und gleichzeitig die Entfernung des Staubes aus den Fasern. Die Reißmaschine besteht aus einer großen und mehreren kleineren Walzen. Die Zahl der kleineren Walzen hängt vom Typ der Maschine ab. Auf den Reißwalzen sind Nägeldie das Reißen vollenden, während sie die Rohwolle vermischen. Das synthetische Material bekommen die Wollspinner schon gefärbt, aber die Wolle müssen sie noch färben lassen. Sie wird nach Wemend/Véménd zu Josef Flódung geschickt, der der einzige Färber in dieser Gegend ist. Die Wollspinner bekommen die gefärbte Wolle zurück, sie mischen sie mit dem synthetischen Material im Verhältnis 1:1, und so kommt sie auf die Reißmaschine Nachdem die Reißmaschine das Reißen beendet hat, muß die Wolle beolt werden, damit sie leichter durch die anderen Maschinen lauft und nicht staubt.

Aus dem so vorbereiteten Stoff kann man mit Hilfe der Walzenkrempel (Abb 2) den qualitativen Faden herstellen. Diese Maschine lockert die Rohwolle auf und befreit sie von Knoten. Das Endprodukt dieser Arbeitsphase ist der sog Flor (pelts), den der Zitterkamm von der Walzenkrempel herunternimmt und walzenförmig zusammenrollt. In der nächsten Arbeitsphase zerteilt die Vorspinnmaschine (Abb 3) mit Hilfe der Riemen den Flor in dünne Faden. Von dieser Maschine kommt dann der Vorfaden herunter. Von ihm wird auf der Spinnmaschine (Abb. 4) das Endprodukt, der fertige Faden gesponnen Das Spinnen bestellt aus zwei Phasen, aus der Dehnung und der Drehung. Mit der Dehnung wird die Feinheit des Fadens erreicht, mit der Drehung wird die Festheit zwischen den zusammengelassenen Fäden erreicht. Bei den Spinnmaschinen unterscheidet man je nachdem, womit sie getrieben werden, zwei Arten: 1) Niederländer - sie wird handgetrieben, 2) Sellfaktor - sie wird mit einem Motor getrieben. Das Spinnen vollendet die Spinnmaschine in vier Gangen: 1) Speisung, 2) Dehnung, 3) Drehung, 4) Anspülen. Auf der Spinnmaschine wird auf einmal immer nur ein Faden bearbeitet. Demgegenüber werden aber auf dem Spulrad zwei oder drei Fäden zusammengelassen, damit sie zusammengespult werden. Die Wolle besteht aus zwei, drei oder mehreren, selten sogar auch sechs Faden. Man numeriert die Wolle dementsprechend, wieviel Meter 10 Gramm enthalten. So sind die folgenden Bezeichnungen üblich: (Die erste Ziffer gibt die Lange in Meter an, die zweite die Zahl der Fäden) 18/2, 32/1, 32/2, 32/3 Die Wolle 18/2 besteht zum Beipiel aus 2 Fäden, 10 Gramm enthält 18 Meter Wolle (Schmalz - Szabó 1954: 102-125).

Nach diesen Arbeitsphasen ist die gesponnene Wolle fertig, aber sie ist noch auf den Spulen. Um sie verkaufen zu können, muß man sie noch in Docken zwirnen. Dies geschieht auf der Motringmaschine (Abb 5) Von den Spulen wird die fertige Wolle auf die Docken gezwirnt, zu gleicher Zeit werden 30 Docken gemacht. Eine Docke enthält 1000-1500 Gramm Fäden. Am Wollspinnen beteiligt sich immer die ganze Familie. Die Arbeitsteilung beim Wollspinnen sieht bei der Familie Füller folgendermaßen aus: An der Reißmaschine arbeitet Josef Füller, das Kardieren und das Fädeln wird von seinem Sohn gemacht, an der Spinnmaschine arbeitet sein Schwiegersohn, seine Frau spult und zwirnt den Faden

DIE WERKSTATT DER FAMILIE FÜLLER

Die Werkstatt ist ein großer Raum neben dem Wohnhaus, ihre Länge beträgt 22 m, die Breite 10 m. Sie ist in einen größeren und kleineren Raum unterteilt: Im größeren Teil des Raumes stehen die Maschinen, die der Wollspinner zum Kardieren braucht die Reißmaschine, die Walzenkrempel und das Kontin. Da das Kardieren in mehreren Phasen durchgeführt wird, stehen diese Maschinen nebeneinander, damit man sie mit wenig Bewegung kontrollieren kann. Im kleineren Teil der Werkstatt befindet sich nur die Spinnmaschine. In der Mitte steht die Motringmaschine, in den Ecken findet man Säcke voll mit Rohwolle oder mit der fertigen Wolle Im Jahre 1984 musterte die Bajaer Tuchfabrik ihre Maschinen aus, diese wurden dann von der Familie Füller gekauft.

DIE VERARBEITUNG DER WOLLE

Die gesponnene Wolle kann mit der Hand oder mit der Maschine gestrickt werden. Die Methoden der beiden Strickaiten sind unterschiedlich.

STRICKEN MIT DER HAND

Bis in die 50er Jahre, solange die Familien selbst Schafe hatten, strickten die Frauen ihre eigene Wolle mit der Hand für die Familie. Mit den Wollspinnern ließen sie die Wolle kardieren, dann wurde sie von den Frauen gesponnen und verarbeitet. Das Spinnen geschah mit dem Spinnrad (spinrät). Die Spinnräder wurden von den Holzdrechslern in Ofall/Ófalu hergestellt. Auf dem Spinnrad (Abb. 6) wurde immer nur Schweißwolleverwendet.

Die auf dem Spinnrad gesponnene Faser wäre zum Stricken zu dünn gewesen, deshalb mußte man zwei Fasern zusammendrehen In ein 30 cm langes Brett hämmerte man zwei Winkeln von unten nach oben. Darauf stellten die Frauen zwei Spulen mit je einer Faser. Dieses Gerät wände auf den Boden gestellt, und die Fasern von den vollen Spulen führte man auf die leere Spule des Spinnrades. Die Fasern mußte man nicht wieder drehen, weil das selbständig mit der Drehung der leeren Spule geschah. Die fertige Wolle drehten die Frauen mit der Hand in den Motring auf (Abb. 7). Diese neben sie mit hausgemachte Seife ab und machten daraus eine Knäuel, die sie zum Stricken verwendeten. Gesponnen wurde in der Regel im Sommer, wenn es regnete, und die Frauen nicht auf den Feldern arbeiten konnten. Im Winter aber, wenn es draußen keine Arbeit mehr gab, strickten sie die gesponnene Wolle mit der Hand. Sie fertigten HandschuheHalstücherSocken Stilimpfe (.stumpf), Patschker (pats kor) und Schale

Die Farbe der Socken war immer weiß, die anderen Wollprodukte wurden schwarz gefärbt. Die gestrickten Halstücher, Strümpfe (Abb.8) und Patschker waren wenig gemustert. Die Frauen verzierten sie mit gehäkelten Mustern. Sie verarbeiteten verschiedene Farben, meist grün, rot und blau. Die bunten Wollprodukte wurden von den Frauen und Kindern getragen, die Männer hatten ausschließlich weiße Stricksachen. Heutzutage nimmt man zum Stricken meistens synthetisches Material, weil es pflegeleicht ist. Aus Wolle stricken eher die alten Frauen Socken, Handschuhe und Patschker

STRICKEN MIT DER MASCHINE (striko mit tor masi)

Zur Zeit gibt es in Petschwar nur eine einzige Familie, Familie Szabó, die mit Maschinen strickt. János Szabó erlernte dieses Handwerk in Sewing/Szebény Als er heiratete, zog er in dieses Dorf um. Seine Frau arbeitete damals als Näherin bei ihrer Tante, deren Mann Stricker war Bald nach der Eheschließung besuchte das Ehepaar Herrn Gáspár Kiss, da sah János Szabó zum ersten Mal Strickmaschinen, die ihn so sehr begeisterten, daß er sich gleich entschied, diesen Beruf zu erlernen. Drei Monate lang arbeitete er als Lehrling beim Meister Kiss. Dieser war ein begabter Mann, er hatte sich das Stricken autodidaktisch angeeignet. Gáspár Kiss erbte von seinem im Krieg gestorbenen Stiefsohn vier Maschinen, und auf diesen lernte er selbständig das Stricken. Zuerst strickte er sog. „knorrige" Strümpfe für die Kroatinnen, sowohl ausweißer als auch aus gefärbter Baumwolle, die er sich aus Budapest besorgte Spáter kaufte er noch sechs Strickmaschinen, und als er zehn besaß und dazu noch eine Werkstatt für die Wollkrempelmaschine, beschäftigte er außer János Szabó noch zwei Lehrlinge. Die gestrickten Stucke wurden von seiner Tochter und von Frau Szabó zusammengenäht. An einem Tag nahten sie je eine Weste oder eine Strickjacke und außerdem noch vier bis fünf Paar Socken zusammen. Gáspár Kiss kaufte die Rohwolle von den Einwohnern des Dorfes. Außer Strumpfe strickte er auch Frauenwesten, Socken und Strickjacken mit wenig Mustern. Die Produkte wurden nicht nur an die Einwohner des Dorfes, sondern auch auf dem Markt verkauft. Er fuhr mit dem Zug nach Mohatsch/Mohács, Badeseck/Bátaszék und Setschke/ Dunaszekcső. Seine Waren (Socken und Strümpfe) beförderte er in zwei Koffern und in einem Rucksack. In den 60er Jahren kosteten ein Paar Strümpfe 90 Ft, ein Paar Socken 50 Ft. János Szabó strickte anfangs nur Socken, weil im Frühling, als er bei Gáspár Kiss die Arbeit angefangen hat, es für den Stricker keine andere Arbeit außer dem Sockenstricken gab. Später lernte er auch kompliziertere Kleidungsstücke wie Westen, Pullover u. a. zu stricken Im Jahre 1964 kaufte sich János Szabó seine erste eigene Strickmaschine, seitdem arbeitet er als selbständiger Stricker. Auf der ersten Maschine Nr. 10 strickte er nur einfädige Wolle, die stärker gedreht werden mußte. Sie eignete sich nur für diese Maschine und zum Sockenstricken. Man numeriert die Strickmaschinen danach, welche Stärke man auf ihnen stricken kann. Auf der Maschine Nr. 10 kann nur sehr dünne Wolle gestrickt werden. Weil ihre Verwendung so begrenzt war, verkaufte er sie und besorgte eine neue Strickmaschine Nr. 4 (Abb. 9) Er hatte viel Arbeit, weil er der einzige Stricker in dieser Gegend war Aus den Nachbardörfern, wie Nadasch, Wemend/Véménd und Sier/Szür, Petschwar brachten die Kunden die gesponnene Schweißwolle. Zuerst arbeitete er nur mit weißer Wolle, später auch mit gefärbter.

DAS FÄRBEN

János Szabó hat seine Wolle in Budapest färben lassen. Wenn er 10-12 kg Wolle gesammelt hatte, schickte er sie mit der Post an die Färber in der Hauptstadt. Von den gewünschten Farben band er ein Stück auf die Schweißwolle, und eine Woche später bekam er die gefärbte Wolle zurück. Die Färber arbeiteten sehr genau, sie schickten immer den Farbton zurück, den man gewünscht hatte. Die Wolle wurde von den Färbern selbst gewaschen, weil diese nur so die gute Qualität garantieren konnten.

Damals hat János Szabó auch Wolljacken und Umhängetücher (Abb. 10) gestrickt, die letzteren waren 150x150 cm groß und man faserte sie mit der Hand. Die gestrickten Stücke nähte seine Frau mit der Maschine zusammen. Ihre Nichten halfen ihr dabei, sie säumten die Knopflöcher. 18 Jahre lang, von 1972 bis 1990, war János Szabó bei einem Pécser Unternehmen tätig. In dieser Zeit arbeitete er nur mit synthetischem Material. Seit 1990 ist er wieder selbständig.

DIE VORBEREITUNG DER WOLLE ZUM STRICKEN

Der Stricker bekommt den Rohstoff in Motring, von dem die Wolle mit Hilfe eines dem Spinnrad ähnlichen Geräts manuell folgenderweise aufgerollt wird. Das Rad wird mit der rechten Hand getrieben, dieses bewegt die Spule. Auf der linken Seite ist der Motring auf einem Gitter aufgespannt, das Gitter dreht sich und die Fasern spulen sich auf die Spule auf

DAS STRICKEN

Die Wolle wird nur mit der Maschine Nr. 4 (Abb. 9) gestrickt. An den vier Füßen dieser Strickmaschine sind zwei sog. „Nadelbetten" befestigt, die die Nadeln enthalten. Der Fadenführer bringt den Faden vor der Spule zwischen die Nadeln, die das Stricken vollenden. Vor Beginn des Strickens teilt man die Nadeln mit dem Musterkamm so ein, daß jede dritte hinuntergeschoben wird, die für die Arbeit nicht nötig ist. Auf diese Weise wird der sog. „Patentteil" gestrickt. Nach der ersten Reihe kommt das sog. „Kreisstricken", damit sich der fertige Pullover nicht dehnt. Danach werden alle Nadeln mit dem Musterkamm hochgeschoben und das gestrickte Material vom vorderen Nadelbett auf das hintere umgesetzt. Zuerst wird das Rückteil, dann das Vorderteil und schließlich werden die Ärmel gestrickt. Diese Maschine wird mit der Hand betrieben, weil die Wolle zu dick ist, und der Motor sie nicht antreiben könnte. Zu einer Wolljacke braucht man je 800-1000 g Wolle, die Menge hängt von der Stärke der Wolle ab. Wenn man ein kompliziertes Muster stricken will, dauert die Arbeit einen Tag lang. János Szabó strickt Hosen, Westen, Röcke, Kleider, Schals und Handschuhe, alles was der Kunde benötigt und verlangt. Die Besteller und Käufer kommen aus Pahl, Warkon, Bonnhard/Bonyhád, Mutschwar/Mucsfa, Warasch und Martonfa. Wenn sie über kein eigenes Material verfügen, bietet Herr Szabó ihnen welches an. Er hat fünf Strickmaschinen und drei Nähmaschinen, auf letzteren arbeitet seine Frau. Diese Maschinen werden mit Motor getrieben. Aus Wolle strickt er jetzt sehr wenig, etwa 10% seiner Produkte, der größte Teil wird aus synthetischen Fasern hergestellt. Die fertigen Stücke näht seine Frau mit der Maschine zusammen.

DER VERKAUF

Bis in die 50-er Jahre, als die meisten Familien eigene Schafhaltung hatten, erfolgte die Entlohnung der Wollspinner in Form von Wolle, z B. erhielten sie für lkg Rohwolle, aus der sie 750 g gesponnene Wolle herstellten, 250 g Wolle als Lohn. Die Leute brachten aus den umliegenden Dörfern (Sanderschewe/Erzsébet, Berkisch/ Berkesd, Hirt/Hird, Kikisch/Kékesd, Silad/Szilágy, Pereked, Féked, Wemend) ihre Wolle auf den Markt, um sie dort den Spinnern anzubieten. Diese wiederum fuhren z.B. von Kemend/Máriakéménd bis nach Hetting/Hosszúhetény, um dort an den Markttagen ihre gesponnene Wolle zu verkaufen, d.h. sie erhielten oft nur Naturalien als Gegenwert. Es gab aber auch Familien, die die Wolle von den Wollspinnern gegen Geld kauften, weil sie entweder keine Naturalien hatten oder in den Städten lebten. Naturlich waren die Wollspinner mehr daran interessiert, ihre Waren um Geld zu verkaufen, denn das Geld war für viele Dinge des täglichen Lebens notwendig. Eine Veränderung trat in den 60er Jahren ein, wo sich die Wollspinner auch mehr dem Verkauf widmeten.

Seit 1946 stiegen die Preise für ein Kilogramm Wolle ständig, wie es der nachstehenden Zusammenstellung zu entnehmen ist:

 

Spinnen der Wolle

gesponnene Wolle

1946

40 Ft

200 Ft

1950

60-80 Ft

200 Ft

1950

Es erscheint die gefärbte Wolle

und das synthetische Material

1983-84

100 Ft

400 Ft

1994

180-200 Ft

700 Ft

Heutzutage kommt die Kundschaft aus den kleineren Nachbarndorfein, aus Warkon, Nimmesch/Himesháza, Mohatsch, Wemend, Feked und Boschok/Palota-bozsok, um gesponnene Wolle zu kaufen. Das heißt, die Wollspinner spinnen ihre eigene Wolle, die sie von den Schäfern der Gegend kaufen. Die gesponnene Wolle verkaufen sie entweder zu Hause oder auf den Markten in Fünfkirchen und in Frankenstadt. Auf den Märkten bieten sie auch synthetisches Material und aus Wolle gefertigte Bettdecken an. Für die Bettdecken kardieren sie die Wolle, und in Hedjes/Hőgyész werden die Decken hergestellt. Die Wollspinner übernehmen heute nur einen Teil der Arbeiten: das Kardieren oder Spinnen. Die Strickwaren werden in Petschwar oder auf dem Markt in Frankenstadt, Bonnhard und Sásd verkauft.

ZUKUNFT DIESES BERUFS

Trotz der modernen Entwicklung hat sich die alte Handwerkstradition des Wollspinners in Petschwar bis heute gehalten und wird es auch in der nächsten Zukunft. Der Sohn von Johann Füller sowie sein Schwiegersohn traten in die Fußstapfen des Vaters/Schwiegervaters und arbeiten als Wollspinner. Auch in der Familie Apaczeller übernahm ein Familienmitglied, die Schwiegertochter, das Handwerk. Leider wird die Arbeit des Strickers nicht weitergeführt.

 

Literatur

HAMBUCH, IDA:

Volkstracht der Fuldaer Siedlung Mutsching/Mucsi. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen 1981. Budapest, S. 67-129.

Hentz, Ludwig:

Die deutsche Volkstracht in Mezőberény. In: Beiträge zur Volkskunde der Un-gamdeutschen 1975. Budapest, S. 121-163-

HORN, ARTÚR:

Állattenyésztési Enciklopédia. Budapest 1966.

HORN, ARTÚR:

Állattenyésztés 2. Budapest 1976.

Óhler, Anna:

A pécsváradi németek. Pécsvárad 1990.

Schmalz, József - Szabó, Imre:

Gyapjú és hulladékok kártoltipari fonása. Budapest 1954.

SZEITL, ÉVA:

Die Volkstracht der ungarländischen Deutschen. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen 1975. Budapest, S. 105-119.

ToBiscH - Deutsch - Szekér - Drégely - Nagy:

Gyapjúipari nyersanyagok kezelése és keverése. Budapest 1955.

Veress - Janikowski - Schwark:

Juhtenyésztők kézikönyve Budapest 1982

Die Reißmasthtne
 
Die Walzenkrempel
 
Das Kontin
 
Die Spinnmaschine
 
Die Motringmasthine
 
Das Spinnrad
 
Gefarhete Wolle
 
Strumpfe
 
Die Strickmaschine
 
Umhägetuch

  1. (=Millumkron ist in der Spinnindustrie gebrauchtes Maß, das die Wolldicke bezeichnet; es ist lOOOOmal dünner als ein Millimeter)

 

 

   
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