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Marietta Boross

Die Pester deutsche Gärtnerzunft*

 

Die Karten über die von der Türkenherrschaft befreiten Städte Ofen und Pest schilderten ausführlicher die Ofner Burg und ihre Umgebung, jedoch bloß nebenbei, weniger betont, die Festung am linken Ufer der Donau: Pest. Kaum befestigte Mauern und einige Wehrtürme hatten die geringe Zahl von Einwohnern zu beschützen. Die Eintönigkeit der öden sandigen Ebene außerhalb der Pester Festungsmauem, die Unfruchtbarkeit dieser Felder versuchten die Kartenzeichner - nach Lust und Talent - mit verschiedenen Szenen, z.B. Genrebildern oder Reiterszenen, beweglicher zu gestalten. Auf der Pester Ebene sind keine Spuren menschlicher Arbeit zu entdecken. Auf den Zeichnungen aus dem 17. Jahrhundert fehlen immer noch die Zeichen für Ackerfelder, Obst- und Weingärten.1

Der Wiederaufbau der Stadt Pest begann sehr langsam. Nach der Vertreibung der Türken wählten die aus Österreich und Deutschland zugewanderten Handwerker und Kaufleute eher Ofen zum Wohnsitz, da diese reichere Stadt bessere Verdienstmöglichkeiten versprach.

Die Stadt Pest beginnt sich erst unter dem ungarischen König und deutsch-römischen Kaiser Leopold I. zu entwickeln. Eine entscheidende Rolle spielte dabei, daß der Herrscher sie in ihrem Recht als königliche Freistadt bestätigte. Dieses städtische Privileg begünstigte die Lage der Ansiedler, so verdoppelte sich die Einwohnerzahl in wenigen Jahrzehnten.

Nach der Vertreibung der Türken konnten vorerst die Einwohner ihren Gemüsebedarf mit den Produkten aus den eigenen, auf dem Grund befindlichen Gütern, also innerhalb der Stadtmauern, decken. Als sich aber die Stadt auszudehnen begann, vermochten die neu zugewanderten Handwerker, Gewerbler und Kaufleute, die innerhalb der Mauern bloß einen schmalen Grund mit Haus besaßen, ihren Bedarf nicht mehr zu befriedigen, so stieg allmählich die Zahl jener, die mit Gemüsewaren — zum täglichen Bedarf - versorgt werden mußten. Die Stadt versuchte dieser Lage am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts so abzuhelfen, daß man die Felder außerhalb der Stadtmauern in der Reihe der städtischen Häuser verteilte und sie dadurch in den Gartenbau einbezog. Auch die Benennung der neu verteilten Felder weist auf Gartenbau hin. Ins Grundbuch wurden sie als "Hausgarten" eingetragen, eine noch ausführlichere Erklärung bietet uns der Anmerkungsteil des Grundbuches, laut dessen das Feld außerhalb der Mauern "... als ein appartinenz zum Haus gehörig wäre".2

Die obigen Behauptungen spiegelt auch die Karte des Mönches Lénárd Waczpauer von 1764 wider. (Abb. 1.: Waczpauer: Pest városának térképe a kertek feltüntetésével [= Die Karte der Stadt Pest mit Darstellung der Gärten] 1764. FTM. Ltsz 519.)

Die Karte zeigt getreu die sechzig Jahre vorher begonnene Ausdehnung der Stadt außerhalb der Mauern, die durch Verteilung der Felder entstandenen städtischen Gärten. Es ist deutlich zu sehen, daß sich die Gärten am Graben des Rákos-Baches entlang und innerhalb dessen in einem Halbkreis befanden, und einerseits an der Bajcsy-Zsilinszky-Strasse, der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Straße, andererseits an der Donau, vom Borárosplatz bis zur Freiheitsbrücke lagen. Die heutige Rákóczystraße teilte ich in die sog. 'unteren und oberen Gärten'. Die oberen Gärten teilten sich die wohlhabenden Bürger der Stadt auf, es gab in größerer Zahl Obst- und Weingärten, die sogar 20 Katasterjoch groß waren, in den unteren Gärten bauten sich die ärmeren Bürger, die Handwerker, das Gemüse zum täglichen Bedarf, für ihre eigene Küche, an. Ihre Größe betrug etwa 1200qm - 10 Katasterjoch. Aus den der Karte beigefügten Beschreibungen erfahren wir, daß die Gärten mit Hecken und Brettern umzäunt waren — gegen Wildschaden und Diebstahl. Auf den umzäunten Feldern pflegten sie die Weinstöcke, Obstbäume, es gab aber auch ausgesprochene Gemüsegärten, auch Krautgärten genannt.3

Der extensive Anbau in diesen Vorstadtgärten konnte jedoch den Bedarf der Stadt nicht decken, denn die wenigen Produkte befriedigten bloß den eigenen Haushalt. Deshalb erschienen auf den Pester Märkten auch die Fronbauern der Nachbardörfer mit ihren Waren, meist aus extensivem Anbau stammenden Ackerfeldgemüsen wie Kartoffeln, Wurzelwerk, Bohnen.

In der Stadt bestand also die Nachfrage an Gartengemüse, das in jeder Jahreszeit genießbar war, auf dem damaligen Stand der ungarischen Agrokultur war dies aber nicht zu erreichen. Deshalb nahmen Magistrat und Rat der Stadt Pest mit größter Freude die deutschen Gärtner aus Deutschland, Wien und Preßburg auf. Man kann sie getrost auch Gärt-ner-Gewerbler nennen, denn sie betrieben diesen speziellen, viele Fachkenntnisse erfordernden Zweig des Garten- bzw. Ackerbaus auf hohem Niveau.4

Laut Aufzeichnungen der Archive kamen von den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts an, angelockt von den guten Absatzmöglichkeiten, immer mehr Gärtnerfamilien deutscher Abstammung nach Pest, so lebten in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts bereits mehr als 20 Familien hier.

Die Mehrheit kam, wie schon erwähnt, aus Wien und Preßburg, wo diese Gartenkultur reiche Traditionen hatte. Ihren Zunftbrief genehmigte 1674 in Wien Leopold I., und im selben Jahr erhielten auch die Preßburger Gärtner ihre Privilegien.5

Der ungarische König Karl III. - als Karl VI. auch deutsch-römischer Kaiser - erlaubte den Pester Gärtnern, sich zum Schütze ihrer Interessen in Einigungen und Innungen zusammenzuschließen. Das ist das erste offizielle Verzeichnis über die Gärtner deutscher Abstammung, das neben Namen und Herkunftsort auch ihren Pester Standort beschreibt.6

Dreißig Jahre später, 1766, bekräftigte Maria Theresia den Privilegienbrief der deutschstämmigen Gärtner unter dem Titel "Privilegien die alhiesigen bürgerlichen Zier- und Ku-chel-Gärtner betreffend". Die herkömmlichen deutschsprachigen Paragraphen sind mit der bekannten lateinischen Einführung und Schlußformel versehen. Wie die meisten Zunftordnungen der Gewerbetreibenden ist auch die der Gärtner in 12 Punkten zusammengefaßt, die vor allem die Fachkenntnisse sowie das Verhalten regelt, aber auch die Religionsausübung hat strenge Vorschriften. Einen grundlegenden Punkt in ihrer Tätigkeit und Lebensweise bildeten die Absatzmöglichkeiten ihrer Produkte. Dies wird im 8. Punkt des Patentbriefes mit folgenden Worten umschrieben und geregelt:

Gleichwie in die in diese Laad einverleibte Gärtner-Meister einzig, und allein von diesen ihren Gewerb leben, als ist es auch billig, dass sie dabey geschützt werden, infolglich soll ausser Wochenmarkt Zeiten und an diesen nur Morgens bis 12 Uhr, denen so nicht einverleibt seynd, weder Küchel- noch Zierdt-Gartner-Waaren fil zu haben, und zu verkauffen erlaubet seyn doch dass die einverleibte Gärtner dadurch keine Theerung einführen, und das Publicum auch keine Noth leyden solle, wird der Magistrat die Obsicht hierauf haben. Im allen Fall aber die Freyheit eines Edlmannes unbeschädigt, und aufrecht verbleiben solle, wie auch denen samentlichen Burgern, welche eigene Obst- oder Kuchel-Gärten besitzen, jeder Zeit gebilliget wird die eigene Waare zu verkaufen und auf den Markt zu bringen.

Der Privilegienbrief von Maria Theresia wurde nach fast 80 Jahren von Ferdinand V. bekräftigt und die Gründung zur Zunft genehmigt. 1843 entstand das in gezierten roten Samt gebundene Buch der Pester Gärtnerzunft, in dem auf weißen Pergamentblättern in 49 Sätzen ihre Privilegien und Verpflichtungen zu lesen sind. Das geschmückte Buch wird von einer nationalfarbenen - rot-weiß-grünen - Schnur zusammengehalten, an deren Ende in einer runden, aus Messing ziselierten Schachtel die Reichssiegel aus rotem Wachs zu sehen ist.7

Der Stadtrat genehmigte die Gärtnerzunft nur mit der Schlußklausel, dass in der Stadt Grüngemüse und andere Gartenprodukte sowie Obst auch Gärtner, die der Zunft nicht angehören, und Bauern verkaufen dürfen.

Erwähnenswert ist der Beschluß auf dem letzten Blatt des Zunftbriefes, laut dessen die versammelten Stände den Gartenbau für einen Zweig des Ackerbaus halten, daher können einzelne Personen kein Anschließungsrecht ausüben, denn die Grundlage des Gartenbaus bildet das Feld, dessen freie Nutzung nicht eingeschränkt werden darf.

Bemerkenswert ist, daß der Zeitpunkt des Zunftbriefes bzw. des Beschlusses im Privilegienbuch das reformbeladene Jahr der Vorbereitung der bürgerlichen Revolution 1849 ist. Man wollte den Anbau von Gemüsesorten auch deshalb nicht einschränken, weil mehrere tausend Pester Bürger davon lebten und auch die Fronbauern der nahen und weiteren Umgebung eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen entbehren müßten. Ihr wichtigstes Argument ist: "Den Einwohnern der Stadt Pest wären infolge der Einzelverkäufe einiger Gärtner die Teuerung dieser Lebensmittel, also ein unermäßlich hoher Schaden zugefügt."8

Älter als das Buch mit den Zunftregeln von Ferdinand I. ist das der Meister noch aus dem Jahre 1767. Bemerkenswert ist sein Äußeres mit Papiereinband, braunem Lederband und Blinddruck. Die vordere Einbandtafel ziert ein Walzmuster. Unter der leeren Stelle für den Titel ist eine geometrische Zierform, mit einem Rechteck umrahmt. Der Einband ist mit gebrochenem Rücken, die Gravierung ist marmoriert. Es ist eine künstlerisch hervorragende Arbeit.9

Auf dem ersten Blatt ist in sehr schöner kalligraphischer deutscher Kanzleischrift zu lesen: "Verzeichniss deren bürgerlichen Gärtner Meistern in der Könilichen Freien Statt Pest", darunter die Siegel von Österreich-Ungarn. Das zweite Blatt, das die Namen und Standorte der Meister angibt, führt die folgenden frommen Worte an: "In Namen der Aller Heiligsten und unzertheilten Dreyfaltigkeit Gott des Sohnes, und des Heiligen Geistes ist die Erste Gärtner Handwerks Session in Pest den 18-ten Juni 1767." Die ersten Meister waren die Familien Gott, Kurtz, Müllbacher, Rottenbiller usw., meist dieselben, die bereits im Jahre 1835 das städtische Bürgerrecht erlangten. Zu den ersten Eintragungen gehört: "Herr Mathias Öckel gebürtig aus Österreich von alten Lehnbach ist Meister Worden den 22-ten Jully 1771." Aus dem Buch ist festzustellen, daß die meisten Meister aus Wien, Preßburg, der Oberen Pfalz, Köstenhut, Möntz, Markau, Lanzutt, Hittighut, Ensburg, Wülfendorf, Niederösterreich kamen.

Es stellt sich die Frage, was für eine Probe ein Gärtner zu bestehen, was für ein Meisterstück er zu verfertigen hatte? Erstens mußte er in der Gärtnerzunft sein Können zeigen, dann die technischen und theoretischen Fragen der Produktion beantworten.

Das Buch der Gesellen ist kleiner, hat braune Lederecken und einen ledernen Rückenbund, einen roten Einband, auf der Titelseite eine weiße, herzförmige Vignette. Die Aufschrift heißt: "Gesellen Buch de Anno 1767."10 Ohne Unterbrechung wird es von 1767 bis 1872, der Auflösung der Zunft, geführt, währenddessen "wurden insgesamt 362 Gesellen freigelassen". Auf den ersten Seiten des Buches werden in 12 Punkten die Verhaltensregeln der Gesellen zusammengefaßt. Im 11. Punkt steht, daß er sich nach 3 Jahren Lehrzeit, im Besitz der nötigen Kenntnisse - Zeichnen, Entwurf usw. -, zur Prüfung melden kann. In einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1799 steht, daß der Geselle auch die "Normal Schule" absolvieren mußte, ansonsten "wird ihm sein Lehrbrief nicht ausgefolgt werden".

Bei ihrer Freilassung erhielten sie ihr Wanderbuch oder ihren Freibrief. So einen Freibrief kennen wir aus dem Gebiet der Donaumonarchie von 1786 (Abb. 2.: Freibrief eines Gärtners. 1786. OL).11 Der freigelassene Gärtnergeselle war Zierpflanzen- und Blumengärtner.

Im ersten Buchstaben des Freibriefes wird ein Gärtner geschildert in deutscher Tracht, mit weißen Strümpfen, Schnallenschuhen, in schwarzer Kniehose und grünem Gehrock mit weißem Jabot, einen dreieckigen Hut auf dem Kopf, so schneidet er mit einem krummen Messer einen Baum, mit der linken Hand stützt er sich auf einen Spaten. Auf der rechten Seite des Blattes sieht man Zierpflanzen in drei Töpfen übereinander, am Stamme der obersten fliegt ein Vogel, mit einer Schleife im Schnabel.

In der Mitte des Freibriefes ist ein Wappen eines Aristokraten, wovon der Stephansorden herabhängt. Zu all den Zierden des Freibriefes gesellt sich noch der Umschlag, der die Unterschriften deckt und schützt, in seiner Mitte ein durchbrochenes Rokoko-Muster.

Der Freibrief befindet sich im Ungarischen Staatsarchiv und ist ein wertvolles Zeugnis unserer Gärtnereikultur. Im Jahre der Gründung, 1760, ließ die Gärtnerzunft eine Fahne machen.

Diese Fahne war Zeuge jedes wichtigen Ereignisses im Leben der Gärtnerzunft. Die vorgestellte Fahne wurde 1843 verfertigt. Auf grünem Boden aus Damastseide waren die beidseitigen Aufschriften unter den Ölbildern mit Golddruck angefertigt:."Pester Gärtner Innung". Eines der ovalen Bilder zeigte den Garten Eden mit dem Sündenfall des ersten Menschenpaars. Das zweite Bild zeigt den Schutzpatron der Gärtnerinnung, Maria Magdalena kniecnd vor dem sich auf den Spaten stützenden Jesus. Die Fahne ist mit Goldfransen versehen. (BTM. Museum in Kiscell. 59.52.1. Abb.: 4.)

Eine gleiche Größe und eine ähnliche Ausführung wie das der Gesellen hat auch das Buch der Lehrjungen, mit der Aufschrift auf der herzförmigen Vignette: "Lehr Jung Buch 1767".12 Es wurde die gleiche Zeit lang wie das Gesellenbuch geführt, auch die Rechte und Pflichten wurden in 12 Punkten festgelegt. Zur Aneignung der Fachkenntnisse waren die Verordnungen unter Maria Theresia richtungsweisend. Neben den zahlreichen Pflichten schreibt man, die Meister betreffend: "...es solle auch der Meister einen Lehrjungen nicht gar zu scharf halten oder selber mehr tun als zu Erlehrung der Gärtnerei anstellen". Darüber, wie man sich als Gärtnerjunge bewerben konnte, gibt das Buch der Lehrjungen Auskunft:

So ein Jung der Gärtnerei zu lehren verlangte, so solle derselbe, nach vorgezeigten autentischen Geburtsbrief bei einen einverleibten Meister auf bescheidenes Anmelden bei der Laade auf drei Jahr lang vor einen Jung um den Billigen Lohn, das Erste Jahr Acht Gulden, das andere Jahr Zehn Gulden, und das dritte Jahr zwölf Gulden aufgedungen werden, vor welches Aufdingen soll der Jung in die Laad Ein Gulden Dreissig Kreutzer, dann nach vollstrechten drei Jahren abermal Zwei Gulden für eine Freisagung mit ein-begriff der von den Lehrbrief anpassten kommenden Taxt zu Laad erlegen.

Die Kinder der Meister genossen bedeutende Vergünstigungen, ihre Lehr- und Wanderzeit war kürzer. Für den Gesellenbrief mußten sie auch nur die halbe Summe einzahlen: "Anno 1833 den 2 Juni. Franz Rottenbiller von Pest gebürtig Kath. Religion ein Meister Sohn ist bei seinem Vater Mich. Rottenbiller zu Lehre aufgenommen worden und erlagt die gebühr mit 2 f."

Das Leben der Gärtnerzunft ist anhand des seit 1778 geführten "Auflag Buches" zu rekonstruieren.13 In diesem Buch wurden alljährlich die Meister aufgezählt. Laut der Darstellungen war ihre Zahl im Jahre 1783 am höchsten, insgesamt 47 Meister waren registriert.

Ihre Produkte gelangten in überwiegender Mehrheit auf die Pester Märkte. Der hervorragende Statistiker des Zeitalters, Elek Fényes, schreibt, daß die Hauptstadt Ungarns von den deutschen Gärtnern mit Gemüse versorgt wird.14 Die Zusammengehörigkeit wurde durch die in jedem Vierteljahr stattfindenden Sitzungen gefestigt, zu denen der Zunftmeister mit der bekannten Zunfteinberufungstafel die Mitglieder einlud. Dann wurden die Mitgliedsbeiträge eingezahlt, wozu neben den Meistern auch die Gesellen verpflichtet waren. Das Buch "Auflags Protokoll der hiesig' bürgerlichen privilegiesierten Gärtner Meister"15 ist als Fortsetzung des obigen zu betrachten. Das Buch hat harte Einbände, ist von Papier mit biederen Mustern überzogen, hat Lederecken. Es wurde bis 1836 geführt, das nächste bereits bis 1876.16

Die Pester Gärtnerzunft wurde im Jahre der Auflösung der Zünfte - 1872 - in eine Gärtnergenossenschaft umwandelt. Ihr Kassenbuch, das als Fortsetzung der bisherigen Bücher betrachtet werden kann und im Jahre 1873 aufgelegt wurde, trägt auf seiner Vignette die Aufschrift "Pester Gärtner Genossenschaft".17 Der deutsche Titel, in deutscher Kanzleischrift geschrieben, wurde später durchgestrichen und darüber ungarisch hingeschrieben: Pénztári könyv. Das wurde bis 1943 geführt. Der Zweite Weltkrieg zerstörte dann dieses bewußte Zusammengehörigkeitsgefühl und ermöglichte nicht mehr die gemeinsame Verrichtung ihrer Angelegenheiten. Die das Zunftleben betreffenden schriftlichen Denkmäler entdeckte ich Anfang der fünfziger Jahre beim Nachkommen eines Zunftmeisters, bei Paul Kramerstätter, und es gelang mir, dieses Material für das Budapester Historische Museum (Fővárosi Történeti Múzeum) abzukaufen.

Ihre Lebensweise und Kultur betreffend, konnte ich mich auf die Interviews mit den noch erreichbaren ehemaligen Mitgliedern stützen. Von ihnen erfuhr ich, daß die deutschen Gärtner außerhalb der Stadtmauern kleinere Grundstücke besaßen, die sie mit größeren Pachtfeldern ergänzten. Ihre wichtigsten Standorte waren in der Theresienstadt - daran erinnert bis heute der Name Kertész utca (Gartenstraße) - und im Stadtteil Zugló. Von hier wurden sie durch die Verbreitung bulgarischer Gärtner verdrängt.

Die Nähe der Stadt war für sie aus zwei Gründen günstig: Einerseits konnten sie für ihre Produkte die besten Absatzmärkte sichern, andererseits erhielten sie aus den städtischen Kavalleriekasernen, Ställen der Fuhrleute und den Josefstädter Schweizern genügend Mist. Eine Neuerung in ihrer Tätigkeit waren die Frühkulturen. In jeder Jahreszeit konnten sie mit Primeurwaren auf den Märkten erscheinen. Wenn aus den Gärten der Pester Bürger und den Ackerfeldern der umliegenden Bauerndörfer gewisse Gemüsewaren auf dem Markt erschienen, gediehen in den Gärten der Pester Gärtner bereits andere Pflanzen. Den Anbau von Frühkulturen ermöglichte die Errichtung von Warmbeeten und Glashäusern. Mit gutem Grund kann man feststellen, daß die Verbreitung der Warmbeete und Treibhäuser in Pest den deutschen Gärtnern zu verdanken ist.

Bis vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Boden für die Gartenpflanzen äußerst gründlich bestellt, anschließend umgegraben, zu welcher Arbeit Leute aus den umliegenden Dörfern in organisierten Gruppen kamen. Der umgegrabene Boden wurde gerecht, dabei wurde darauf geachtet, daß der Garten eine geringe Neigung habe, dies erforderte ihre Bewässerungstechnik. In jedem Garten gab es - von seiner Größe abhängig - zwei-drei Ziehbrunnen, die auf einmal 60-80 Liter Wasser in die Bewässerungskanäle liefern konnten, das sie dann mit Wurfschaufeln auf die Beete gössen. Mit dieser Bewässerungstechnik wurde der Boden nicht abgekühlt.

Auf die Sortenreinheit der Samen achtete man besonders, sogar während des ersten Weltkrieges wurde das Saatgut aus Erfurt von der Firma Ottmar Ziegler besorgt. Im 19. Jahrhundert baute man nur Wirsingkohl, Kohlrabi, Grünkohl, Rotkohl, schwarzen Rettich, Sellerie, rote Rüben, Mohr- und weiße Rüben, Spinat, Sauerampfer, Zwiebeln, Lauch, Rosenkohl, Dill und Petersilie an. Paprika- und Tomatenanbau verbreiteten sich erst nach den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch den Einfluß der bulgarischen Gärtner. Ein wichtiges Produkt der größeren Gärtnereien waren Champions. Die Champions züchteten sie nicht wie andere Gärtner unter der Erde, sondern in Bretterhäusern über der Erde, die sie noch dicht mit Mist und Erde bedeckten.

Jede Woche war Marktgang, den versäumten sie nicht einmal im Winter, denn sie hatten ja wöchentlich feste Ausgaben. Der Verkauf war Frauenarbeit, den Wagen trieb aber immer einer der Gärtnergesellen. Den Großverkauf erledigte immer der Gärtner selber.

Vor dem ersten Weltkrieg verkaufte man auf den Märkten stück-, korb- und bündelweise. Sauerampfer wurde in kleinen Handkörben angeboten, die anderen Waren gebüschelt oder buttenweise verkauft.

Die Zusammengehörigkeit der Gärtner äußerte sich bis zum zweiten Weltkrieg in der Pflege der Traditionen des Zunftlebens, der Bräuche und Feierlichkeiten. In Zugló, in der Rónastraße, war jene Gaststätte, in deren Sonderraum die Zunftlade, die Zunftfahnen, jene Laternen, die bei Prozessionen und Begräbnissen gebraucht wurden und noch andere Zeugnisse aus dem Zunftleben aufbewahrt wurden.

Im 18. Jahrhundert, in der Ansiedlungszeit der Gärtner, hatte Zugló keine Kirche, aus öffentlichen Spenden errichtete man eine Kapelle zu Ehren des ersten ungarischen Königs, des Heiligen Stephan. Die Gärtner, meist römisch-katholischen Glaubens, zogen jährlich viermal zur Prozession aus, nämlich zum Tag des Heiligen Antonius, zur Auferstehung, zu Fronleichnam und am Heiligen-Stephan-Tag zum Namensgebungsfest ihrer Kapelle. Die Älteren erinnern sich immer noch an jene schönen Prozessionen, an deren Spitze eine in Weiß gekleidete Gärtnermagd auf rotem Samtkissen die Auszeichnungen trug, welche die der Zunft angehörigen Gärtner erlangten. Ihr folgte ein junger Gärtnermeister mit der Zunftfahne, deren reich bestickte Bänder zwei in Weiß gekleidete Gärtnermägde hielten, nach ihnen kamen im schwarzen Gewand und Pantalons die Gärtnermeister. Sie trugen keine Stiefel, das hielt man für bäuerlich, sondern Schuhe wie die Handwerker.

Vor dem Baldachin schritten viele kleine Gärtnerstöchter, die aus gezierten Körbchen Blüten vor das Heilige Sakrament streuten. Der Baldachin wurde von vier verdienstvollen Gärtnermeistern getragen. Die Klänge der Blaskapelle begleiteten die Prozession.

Die Zunftfahne nahm man außer zu den Prozessionen auch bei Beerdigungen der Zunftmitglieder hervor, wie auch die Laternen, die im Zunftverzeichnis erwähnt wurden.

Die Gärtnerstöchter konnten auf dem sog. 'Gärtnerball' Bekanntschaften schließen, den man immer in den Räumen des Katholischen Vereins zusammen mit den Blumengärtnern veranstaltete. Noch heute erinnert man sich an die Galanterie der Blumengärtner, die jedem Mädchen, das zum ersten Mal zum Ball kam, Blumen überreichten.

Die Gärtnerfamilien vermählten sich meist untereinander, in jeder Familie waren viele Kinder, denn die Gartenarbeit erforderte viele arbeitsame Hände. Viele hervorragende Persönlichkeiten kamen aus ihren Reihen. Hier soll nur eine der bedeutendsten, Leopold Rot-tenbiller, erwähnt werden, der in den Jahren 1844-48 Zweiter, dann Erster Bürgermeister der Stadt Pest war. Für seine Stadtplanungskonzeption ehrte ihn die dankbare Nachwelt mit einer Straße auf seinen Namen. Es gibt viele Gärtner, deren Namen bereits in Vergessenheit geraten sind, z. B. Johann Nonn, der in verschiedenen Gegenden des Landes neue Samen zum Ausprobieren verteilte und dadurch den Gemüseanbau im Lande popularisierte. Für seine Tätigkeit wurde er vom König anläßlich der Milleniumsfeierlichkeiten 1896 mit dem goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Nonn war von 1892 an Vorsitzender der Pester Gärtnergenossenschaft, er bezeugte seine Treue zur neuen Heimat auch dadurch, daß er die bisher in deutscher Sprache geführten Verhandlungen und Protokolle ins Ungarische übersetzte und Ungarisch als Amtsprache einführte. Wie der zeitgenössische Chronist darüber berichtet, trugen zu seiner Beerdigung vier ehemalige Zunftmitglieder hinter der Zunftfahne den riesigen Kranz der Gärtnergenossenschaft. Die Pester deutsche Gärtnerzunft war die am längsten währende Vereinigung eines Gewerbes, ihre Produktionstechnik ist als Spitzenleistung der zeitgenössischen Gartenkultur zu betrachten. Ihr Fleiß und ihre ehrliche Lebensführung kann auch dem heutigen Menschen zum Vorbild dienen.

Abb. 1. Ofen und Pest 1854. Die Stadt ist von Gärten umgeben
 
Abb. 2. Die Innenseite des Buches der Gärtnermeister 1767. Abb. 3. Teil eines Freibriefes eines Gärtnermeisters aus dem Jahre 1786: Gärtner in tvpisch deutscher Tracht.
 
Abb. 4. Die Fahne des Gannervereins. Auf einem seidenen Grund die Abbildung von Jesusund Maria Magdalena im Garten. Jesus stütztsich auf den Spaten. Abb. 5. Die Rückseite der Fahne: Adam und Eva im Paradies
 
Abb. 6. "Auflag Buch": Auflistung der Gärtner.
 
Abb. 7. Die erste, verzierte Seite der deutschen Gärtnerzunft aus 1749. (FTM.59.293.1.) Abb. 8. Die Klausel des Zunftbriefes aus 1843. (FTM. 59.293.1.)
 
Abb. 9. -Lehr Jung Buch A-767" (FTM.59.293.4.) Abb. 10. "Lehr Jung Buch" Erste Seite(FTM.59.293.4.)
 
Abb. 11. Gießbrunnen mit Eimer eines deutschen Gärtners. Zugló 1917. (Familienarchiv)
 
Abb. 12. "Verzeichnis deren bürgerlichen Gärtner Meistern in
der Königlichen Freien Statt Pest.Anno 1767. (FTM.59.293.2.)
 
Abb. 13. Deutsche Gärtnerei in Zugló I917. (Familienarchiv)
 
Abb. 14. "Auflags Protokoll der hiesig bürgerlichen
privileginen Gärtnermeister" 1838-1844, (FTM.59.293.5.)
 
Abb. 15. Eintragung in das Gesellenbuch. 1800. (FTM.59.293.3.)
 
Abb. 16. Eintragung in das Meisterbuch. 1829-1830. (FTM.59.293.2.)

 


* Text des Vortrages "Die Pester deutsche Gärtnerzunft". 1985, Backnang, 11. Studientagung des Ungarndeutschen Sozial- und Kulturwerks am 12. Oktober. Auszüge wurden in "Suevia Pannoni-ca" (Archiv der Deutschen aus Ungarn) veröffentlicht. (Jahrgang 4(14), 1986. 19-27.

  1. Károlyi, Árpád- Wellmann, Imre: Buda és Pest visszavívása 1686-ban. [Die Rückeroberung von Ofen und Pest im Jahre 1686], Bp. 1936, 136, 157, 371 und die Ansichten zwischen 144-145.
  2. Bodor, Antal: Budapest mezőgazdasága [Die Landwirtschaft von Budapest]. Stat. Közl. 65. Nr.2., Bp. 1932.
  3. Die Beschreibung in der Landkarte von Lenard Waczpauer. FTM. S. 19.
  4. Erdei, Ferenc: Futóhomok. Bp. 1957, S. 75.
  5. Eine zusammenfassende Studie schrieb Árpád Kardos über die deutsche Gärtnerei in Pest: A Pesti Kertész Társulat 150 éves története 1764-1914.1. und 1764-1873. Budapest 1917.
  6. Der ursprüngliche Privilegienbrief wurde mitgeteilt in Magyar Gazdaságtörténeti Szemle, im Jahre 1894, "Privilegien die alhiesigen bürg. Zier- und Küchel Gärtner betreffend."
  7. Zunftbrief. FTM. 59.293.1
  8. PML. Protokolle der Generalversammlungen. 1844. IX. 4.
  9. Mesterek könyve [Buch der Meister] 1767. FTM. 59.293.2
  10. Segédek könyve [Buch der Gesellen] 1767. FTM. 59.293.3
  11. OL. Freibrief eines Gärtners.
  12. Buch der Lehrjungen. 1767. FTM. 59.293.4
  13. Auflags Buch. 1836-1844. FTM. 59.293.5
  14. Elek Fényes. Magyarország Statisztikája [Die Statistik von Ungarn] Pest. 1841. 129.
  15. Auflagenbuch Gärtner Meistern." 1833-1844. FTM. 59.293.5
  16. Auflagenbuch 1844-1846. FTM. 59.293.8
  17. Pester Gärtner Genossenschaft 1873. FTM. 59.293.9

 

  
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