Előző fejezet Következő fejezet

Magdolna Sárosi

Untersuchungen zum Todes- und Bestattungsbrauchtum

der Ungarndeutschen und Bunjewatzen

in Waschkut/Vaskút

 

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen die Todes- und Bestattungsbräuche der seit dem 18. Jahrhundert in Waschkut lebenden deutschen und bunjewatzischen Volksgruppe beschrieben und miteinander verglichen werden. Die Untersuchung umfasst den Zeitraum von 1940 bis zur Gegenwart. In der Arbeit werden zuerst die lokalen traditionellen Brauchtumsformen der beiden ethnischen Gruppen von den Todesvorzeichen über den Tod bis zur Trauer dargestellt, anschließend erfolgt die Beschreibung des gegenwärtigen, relativ einfachen und einheitlichen Bestattungsbrauchtums der beiden Volksgruppen.

Das Ziel der Arbeit ist es, zu zeigen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten im behandelten Brauchtum zwischen den beiden Volksgruppen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorhanden waren und wie sich diese Bräuche vereinheitlichten, welche grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen zur Entstehung einer relativ einheitlichen Bestattungskultur führten.

Leben und Tod sind einander ausschließende Elemente, die jedoch untrennbar miteinander verbunden sind. Die Einstellung der Menschen zum Tod ändert sich im Laufe ihres Lebens permanent. Je älter man wird, desto intensiver beschäftigt man sich mit dem eigenen Tod. Die Angst wächst heutzutage, nach einem würdevollen Leben ein unwürdiges Sterben in Einsamkeit zu erleben. Den Tod und den damit verbundenen Schmerz erleben wir in Wirklichkeit dann, wenn eine uns nahe stehende Person stirbt. Jeder Todesfall, mit dem wir konfrontiert werden, macht uns bewusst, dass auch wir dem Rhythmus der Geburt und des Verfalls unterworfen sind.

Es ist unterschiedlich, wie die Menschen in den verschiedenen Kulturkreisen mit Tod, Bestattung und Trauer umgehen. Auch die in Waschkut untersuchten zwei ethnischen Gruppen verfügten über feste Verhaltensregeln im Umgang mit den Verstorbenen. Diese traditionellen Riten, die vom Sterbebett bis zum Ende der Trauerzeit praktiziert wurden, ermöglichten eine offene Kontaktpflege sowohl innerhalb des Familienkreises als auch innerhalb der Dorfgemeinschaft. Welche persönliche Haltung und Todesvorstellungen die Ungarndeutschen und die Bunjewatzen aufwiesen, wurde anhand von zahlreichen Interviews untersucht. Die Informationen und Berichte stammen von folgenden deutschen und bunjewatzischen Gewährspersonen: Maria Kindl (1920), Apollónia Haberbusch (1928), Gertrud Zick (1920); Maria Hartmann (1930), Theresia Hellenbarth (1934), Stefan Égi (1928), Elisabeth Kaiser (1934), Anna Reile (1912), Anna Sárosi (1923), István Szabovlyev (1926), Ágnes Gorjanácz (1932), Magdolna Daróczy (1932), Mária Kulisits (1937), Miklós Svraka (1936).

In der Arbeit werden die Todesbräuche der beiden Volksgruppen parallel zueinander untersucht und beschrieben, bei den Bunjewatzen wird auf jene Bräuche näher eingegangen, die relevante Unterschiede zum Brauchtum der Ungarndeutschen aufweisen.

1.1 Über die Gemeinde

Die Siedlung Waschkut befindet sich im Komitat Bács-Kiskun, 8 km südlich von der Stadt Baje/Baja und etwa 24 Kilometer von der serbischen Grenze entfernt.

Die Geschichte des Dorfes reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, der Ort wurde zum ersten Mal um diese Zeit als Bachkuta urkundlich erwähnt. Die kleine bäuerliche Siedlung gehörte zum Besitz der adligen Familie Töttös und war während des Bauernaufstandes 1514 fast völlig entvölkert (Reppmann 1971: 5). Nach der Türkenherrschaft lebten im Ort bis etwa 1730 ausschließlich Serben, die vorwiegend Viehzucht betrieben. Ab 1731 wurden die als Bunjewatzen bezeichneten Kroaten aus Dalmatien und Bosnien-Herzegowina angesiedelt. Die Bunjewatzen gehörten der römisch-katholischen Kirche an, im Gegensatz zu den Serben, die Prawoslawen waren. Im Jahre 1749 gab es im Dorf 45 slawische Steuerzahler (Flach 1983: 72, 76). Um die Gemeinde zu bevölkern, beschloss der damalige Grundherr, Graf Anton Grassalkovich, deutsche Kolonisten ins Dorf zu rufen. Ihre Ansiedlung begann im Jahre 1749 und erfolgte in mehreren Zügen. In der Folgezeit stieg die Bevölkerungszahl der Gemeinde rasant an. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl des Dorfes beinahe 5000, von denen etwa 4000 Deutsche, 500 Ungarn und 500 Bunjewatzen waren (Reppmann 1971: 7, 28).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beinahe 3800 Deutsche vertrieben und viele zur Zwangsarbeit in die ehemalige Sowjetunion gebracht. Damit löste sich die alte Dorfgemeinschaft vollkommen auf, und Waschkut existierte seit dieser Zeit nicht mehr als deutsche Gemeinde (Flach 1983: 316, 317).

Im November 1945 kamen die ersten Szekler-Familien aus der Bukowina und aus Nordsiebenbürgen, es wurden auch ungarische Familien aus der Slowakei, der Südbatschka, dem Banat und aus den umliegenden Ortschaften angesiedelt (Reppmann 1971: 16). Wie tief greifend sich die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung im Dorf nach dem Zweiten Weltkrieg verändert hat, zeigt die letzte Volkszählung aus dem Jahre 2001. Aufgrund dieser Angaben bekannten sich nur 9 % der Dorfbevölkerung zur deutschen Minderheit und 11% gaben Deutsch als Muttersprache an.1

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Deutsch die Verkehrssprache im Dorf, auch die Bunjewatzen und Ungarn beherrschten den deutschen Dialekt, woraus sich auch eine Art gegenseitige Anpassung der Volksgruppen in Kultur und Sitten ergab.

2. Die Vorzeichen des Todes

In Waschkut waren die meisten Einwohner - sowohl die Deutschen als auch die Bunjewatzen - Katholiken. Der gleichen konfessionellen Zugehörigkeit sind auch die relativ engen Kontakte zwischen den beiden ethnischen Gruppen zu verdanken. Infolge dieser Kontakte begannen sich auch ihre Bräuche einander anzugleichen und zu vereinheitlichen. In der Bestattungskultur der beiden Ethnien gab es auch früher zahlreiche Gemeinsamkeiten wie die Pflege des Schwerkranken am Sterbebett, das ununterbrochene Beten der Familienmitglieder an der Bahre, die Aufbahrung des Toten, aber auch Unterschiede wie die nur für die Bunjewatzen charakteristischen Bräuche des Totenmahls und des lauten Beweinens der Verstorbenen. Trotz des relativ intensiven Anglei-chungsprozesses bewahrte also jede Volksgruppe Elemente aus ihrem traditionellen Bestattungsbrauchtum. Diese spezifischen Eigenschaften wurzelten in der unterschiedlichen Lebenseinstellung, Gefühlswelt, Kultur usw. der zwei Volksgruppen.

In früheren Zeiten war der Glaube an überirdische Kräfte und Mächte unter der Bevölkerung der Dörfer sehr stark. Das Bauerntum zeigte eine tiefe Natur- und Heimatverbundenheit. Um diese Verbundenheit zu verstehen, müssen wir Einblicke ins Alltagsleben der damaligen Menschen gewinnen. Jedes Dorf bildete eine geschlossene Gemeinschaft, wo jeder Hof, der einer Bauernfamilie Leben und Existenz sicherte, eine Welt für sich war. In einem Haushalt lebten mehrere Generationen zusammen. Innerhalb der Familien herrschte eine strenge Arbeitsverteilung nach Alter und Geschlecht. Die Kinder wurden bereits von ihrer frühesten Kindheit an mit den landwirtschaftlichen Aufgaben vertraut gemacht. Die bäuerlichen Traditionen wurden von den Großeltern an die Eltern und von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Dieses Traditionsbewusstsein verband die Menschen stark miteinander und die von Generation zu Generation vererbten Weisheiten, der Aberglaube sowie der christliche Glaube begleiteten ihr Leben. Ereignisse wie Geburt, Heirat und Tod vollzogen sich innerhalb der Familie. Alle wurden hautnah mit dem Tod und den dazu gehörenden Aufgaben konfrontiert, denn die Menschen starben meistens zu Hause im Familienkreis. Das Miterleben dieser Vorgänge machte die damaligen jüngeren Generationen reifer, sie waren mit dem Tod vertrauter als heutzutage, wo das Sterben immer häufiger im Krankenhaus oder im Altersheim mit diskretem Abstand zur Familie stattfindet.

Bestimmte Ereignisse und Erscheinungen wurden früher als Zeichen des herannahenden Todes eines Schwerkranken gedeutet. Nach damaliger Auffassung hatten diese Vorzeichen einen symbolischen Charakter und dienten dazu, den kommenden Tod eines Angehörigen vorzubereiten, sie halfen, das bevorstehende Ereignis bewusst zu machen. Alle einen Todesfall ankündigenden Zeichen wurden als symbolischer Ausdruck von „memento mori" interpretiert (Kunt 1987: 108). Diese Phänomene basierten meist auf Beobachtungen und eigenen Erfahrungen der Menschen. Wenn sich diese bestätigten, achtete man noch mehr auf seine Umgebung. Einerseits glaubten die Menschen an diese Vorzeichen, andererseits fürchteten sie sich vor deren Bedeutung. Die nachfolgend beschriebenen abergläubischen Bräuche und Riten sind den heutigen jüngeren Generationen kaum mehr bekannt. Man legt in unserer Gesellschaft wenig Wert darauf, altes Wissen und Weisheiten zu erhalten. Der heutige Mensch verliert immer mehr seine Sensibilität für die Natur. Der Tod erscheint in unserer Zeit als etwas Unerwünschtes, als etwas nicht zum Leben Gehörendes, wovor sich die Menschen fürchten, obwohl es unvermeidlich ist.

Aufgrund der in Ungarn erschienenen Fachliteratur über die traditionellen Todesbräuche kann festgestellt werden, dass sich relativ viele Forscher mit den Vorzeichen des Todes beschäftigten, so u. a. Kunt (1987), Schreiner (1998), Szélig (2001) und Sarosácz (2003). Aus diesen Arbeiten geht eindeutig hervor, dass die Ankündigungsphänomene früher im Leben der Menschen eine große Rolle spielten und dass sie - von wenigen Ausnahmen abgesehen - bei den einzelnen ethnischen Gruppen im Großen und Ganzen identisch waren.

Sowohl im ungarndeutschen als auch bunjewatzischen Brauchtum findet man zahlreiche abergläubische Vorstellungen, die mit dem Tod zusammenhängen. Die Vorzeichen erschienen in Form von Träumen, Tieren und Aberglauben, die auf Unheil und den kommenden Tod hindeuteten.

Die eigenen Träume und die Träume der unmittelbaren Familienangehörigen spielten im Glaubenssystem der Menschen eine wichtige Rolle.

Beide untersuchten Volksgruppen achteten auf folgende Träume:

Wenn im Traum der gezogene Zahn schmerzte, so war ein Todesfall in der Verwandtschaft des Träumenden zu erwarten. Wer im Traum rote Weintrauben oder Pflaumen pflückte, konnte nach dem Volksglauben mit einem baldigen Todesfall in der Familie rechnen. Das Baden im schmutzigen Wasser sollte Krankheit, Unglück oder sogar einen Todesfall vorauskünden. Wenn jemand im Traum ein Grab aushob, konnte er mit dem Hinscheiden eines Familienmitgliedes rechnen. Träumte man von einem Toten, war regnerisches Wetter zu erwarten. Wurde im Traum eine weiße Wand angestrichen, so konnte man auf ein Unheil gefasst sein.

Folgende Traumdeutungen waren nur bei den Bunjewatzen bekannt:

Wenn jemand davon träumte, dass die Fassade eines Hauses herunterfiel oder ein Nebengebäude im Hof einstürzte, wurde vermutet, dass jemand in der nahen Verwandtschaft bald sterben würde. Sah man im Traum eine Wasserquelle oder einen Brunnen auf dem Hof entstehen, erblickte man ein Mädchen im Seidenkleid oder einen reichen Mann, so war ein Todesfall zu erwarten. Träumte man von einem Sarg oder von einer Kirche, in der der Pfarrer vor dem Altar eine Messe zelebrierte, glaubte man zu wissen, dass der nahe Tod nicht zu vermeiden war (Sarosácz 2003: 97, 98).

Auch Haus- und Feldtiere, die in der Fachliteratur als Orakeltiere des Todes genannt werden, sowie Pflanzen galten als Ankündiger des Sterbens. Das andauernde Hundegebell in der Nacht sollte auf bald eintretendes Unglück hindeuten. Man sagte auch, wenn der Hund in der Nacht ein besonders großes Loch gräbt, stirbt jemand in der Familie, weil er jemanden 'begräbt'.2 Der Kauz galt sowohl bei den Deutschen als auch bei den Bunjewatzen als Todesvogel. Wenn er in der Nacht auf dem Dach eines Hauses erschien und kuwik schrie, war ein Todesfall im Haus vorauszusehen. Eine deutsche Gewährsfrau erzählte, als ihre Nachbarin starb, mit der sie den Hof teilte, ging der Pflaumenbaum auf dem Hof plötzlich ein. Die alte Frau hing sehr an diesem Baum, solange sie lebte.3

Auch folgenden abergläubischen Vorstellungen wurde von beiden ethnischen Gruppen eine große Bedeutung beigemessen:

Wenn sich ein Bild an der Wand bewegte oder es von der Wand zu Boden fiel oder wenn die Uhr ohne besonderen Anlass stehen blieb, sollte sich in der Familie etwas Schlimmes ereignen. Meine Gewährsperson, Frau Gorjanácz, erzählte, an dem Tag, als bei ihr zu Hause ein Heiligenbild im Wohnzimmer plötzlich auf den Boden fiel, starb ihre Mutter im Krankenhaus.

Folgende abergläubische Vorstellungen waren nur bei den Deutschen bekannt: Krähte eine Henne, so starb jemand im Haus. Wenn die Henne ein besonders kleines Ei {Onglicksei 'Unglücksei') legte, musste man das Ei über das Nachbardach werfen, sonst verursachte es Unglück in der Familie.

Fand man beim Anschneiden eines Brotlaibes in dessen Innerem ein Loch, bedeutete das einen Todesfall in der Familie. Wenn zu Allerheiligen noch eine Rose im Garten blühte, so starb jemand in der Familie. Es wurde auch gesagt, wenn in der Karwoche jeden Tag ein starker Wind wehte, dann würde sich jemand im Dorf erhängen. Starb in der Familie ein Kind, so sollte man dem nächstgeborenen Kind nicht denselben Namen geben, sonst würde auch dieses sterben.

Die Bunjewatzen glaubten an folgende Vorstellungen: Träumte jemand von einem Feuer, so war ein Unheil zu erwarten. Wenn man eine Sternschnuppe am Himmel sah, bedeutete dies, dass gleichzeitig auch ein Leben erlosch.

3. Vom Tod bis zur Bestattung

Die Ungarndeutschen, die Bunjewatzen und auch die Ungarn in Waschkut waren davon überzeugt, dass der Tod und das Dahinscheiden zum Leben gehörten, obwohl diese Ereignisse sehr schmerzhaft waren. Ein Todesfall war damals nie eine reine Familienangelegenheit, er mobilisierte viele Menschen im Dorf. Ohne die Unterstützung der Verwandten, Nachbarn und Freunde wäre die Bewältigung der seelischen Schmerzen nicht möglich gewesen.

Der Tod war meist kein plötzliches Ereignis, sondern ein langsamer Prozess. Da das Sterben in häuslicher Umgebung stattfand, spürte der Sterbende die Zuwendung und den Schutz der eigenen Familie, denn die Angehörigen versuchten alles, um dem Kranken den Sterbeprozess zu erleichtern. Sie - meist die Frauen - überwachten Tag und Nacht den Kranken am Sterbebett (Sterwaschpett), damit er seine letzten Wünsche äußern konnte und nicht allein starb. Man kochte ihm auch seine Lieblingsspeise (Lieblingsessa). Aber nicht nur die Familienmitglieder kamen zum Sterbenden, um von ihm Abschied zu nehmen, sondern auch die Freunde und die Nachbarn. Früher war es üblich, dass der Schwerkranke (Starkkrank) seinen Feind zu sich bat, mit dem er zerstritten war, um sich mit ihm zu versöhnen. Man glaubte daran, dass das ununterbrochene Beten für die Seele des Kranken dazu beitragen würde, das Leiden des Sterbenden zu mildern, und ihm helfen würde, schneller ins Jenseits zu gelangen. Es wurde angenommen, je mehr Menschen für einen Schwerkranken zusammen beteten, desto wirksamer wäre das Gebet. In Waschkut wurden im Sterbezimmer der Schmerzhafte Rosenkranz und das Vaterunser gebetet. Der Sterbende betete auch selbst. Bei den Bunjewatzen sprach man ebenfalls den Rosenkranz (molu krunicu), dann die Gebete Vaterunser (Oce nas) und Gegrüßt seist du Maria (Zdrav Marija), zwischen den zwei Zehnteln des Rosekranzes sagte man: Slava Ocu! (Ehre sei Gott!)

Oft kam es vor, dass eine lange Sterbephase dem Tod vorausging und der Kranke die Vorbereitungen für die eigene Beerdigung traf. Eine meiner bun-jewatzischen Informantinnen erzählte, als ihr Vater im Sterben lag, regelte er alles und gab genaue Hinweise, wie er sein eigenes Begräbnis am liebsten hätte. Er bestimmte sogar, wer den Sarg zum Grab tragen sollte, welches Lamm zum Totenmahl geschlachtet und wer zum Festessen eingeladen werden sollte.4

Jedes Mal, wenn jemand im Dorf im Sterben lag, wurde der Pfarrer gerufen, um dem Sterbenden die heiligen Sterbesakramente zu spenden.

Die meisten Pfarrer, die ab 1772 im Amt waren, beherrschten die drei Sprachen der dort lebenden Volksgruppen: Deutsch, Kroatisch und Ungarisch (Flach 1983: 34). Die Kranken wollten nicht ohne den Empfang der letzten Ölung (let-sti Elong) sterben. Der Pfarrer wurde von zwei Ministranten zum Kranken begleitet, die je eine brennende Kerze trugen und ein kleines Glöckchen bei sich hatten. Die heilige Hostie trug der Pfarrer. Die Ministranten klingelten immer, wenn ihnen auf der Straße Leute begegneten, die Passanten knieten nieder und beteten. Starb der Kranke, so brannten die Kerzen auf dem Rückweg nicht mehr. Bevor der Pfarrer und die Ministranten im Haus des Kranken eintrafen, war das Zimmer des Sterbenden für den Empfang des Pfarrers vorbereitet worden. Bei beiden Volksgruppen befanden sich in diesem Zimmer ein kleiner Altar, geweihte Kerzen und Heiligenbilder (Heilichbild). Auf den mit einem weißen Tuch bedeckten Tisch legte man ein Kruzifix und einen Buchsbaumzweig, und stellte ein Gefäß mit Weihwasser sowie ein Glas Trinkwasser darauf. Im Zimmer brannten geweihte Kerzen (Kerza). Nachdem der Pfarrer das Zimmer betreten hatte, besprengte er die vier Ecken und den Kranken mit Weihwasser. Der Sterbende musste zuerst beichten, dann wurden seine Stirn und Hände mit Öl gesalbt. Bei den Deutschen verließen die Angehörigen vor der Beichte das Sterbezimmer und beteten in einem anderen Zimmer für den Kranken. Nach der Zeremonie kamen auch sie ins Zimmer zurück und sprachen noch ein Gebet zusammen mit dem Pfarrer. Bei den Bunjewatzen blieb während der letzten Ölung die ganze Familie am Sterbebett.

Bevor der Kranke starb, gab man ihm eine brennende Kerze in die Hand. Wenn er die Kerze nicht mehr halten konnte, übernahm sie ein Angehöriger. Zu diesem Zweck verwendete man Kerzen, die am 2. Februar (auf Maria Licht-mess) in der Kirche geweiht wurden. Einerseits dienten diese Kerzen zum Fernhalten der bösen Geister, andererseits symbolisierten sie die Reinheit und zeigten dem Kranken den Weg ins Jenseits (Kunt 1987: 111). Es kam vor, dass ältere Menschen versuchten, mit dem Sterbenden eine Botschaft an die verstorbenen Verwandten zu senden (Sarosácz 2003: 100). Wenn sich bei einem Schwerkranken der Sterbeprozess sehr lange hinzog und qualvoll war, wurde angenommen, dass er zu Lebzeiten große Sünden begangen hatte und die Seele deshalb so schwer den Körper verließ. Es wurde als Strafe Gottes aufgefasst (Sarosácz 2003: 101).

Nach dem Eintritt des Todes musste zuerst der Arzt den Tod feststellen, dann wurde der Todesfall im Gemeindeamt des Dorfes gemeldet und auch der Pfarrer benachrichtigt. Anschließend ließ man für den Verstorbenen die Glocken läuten, so wurde die ganze Dorfgemeinschaft über den Todesfall informiert. Jedes Mal, wenn die Männer dieses Glockenläuten hörten, nahmen sie ihren Hut ab, um dem Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Die Frauen sprachen folgendes Gebet: „O Herr, gib ihr/ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihr/ihm. Amen." bzw. „Pokoj vekovecni daruj im gospodine Boze, i svetlost vekovecna nek im svetli nek o pocivu u miru bozjem. Amen"..

Aus dem Glockengeläut konnte man auf das Geschlecht und das Alter des Verstorbenen schließen. Im Allgemeinen wurde zuerst mit der kleinen Glocke, der sog. Seelenglocke, und dann mit der großen Glocke (Klokd) geläutet. Bei Kindern läutete man sowohl mit der kleinen als auch mit der großen Glocke nur einmal. Bei verstorbenen Frauen wurde dies zweimal, bei Männern dreimal wiederholt. Das Ausläuten fand meist dreimal am Tag statt, wenn es aber die betroffene Familie wünschte, so konnte es auch öfter wiederholt werden. Für ungetaufte, kurz nach der Geburt gestorbene Säuglinge läutete man nicht, diese wurden sofort auf dem Nebenfriedhof schlicht beerdigt. Ebenso wurden auch Selbstmörder bestattet; der Pfarrer war dabei nicht anwesend und es gab auch kein Glockenläuten.

Die Aufbahrung {Ufpard) fand im Haus des Verstorbenen statt. Nach Eintritt des Todes wurden dem Verstorbenen Augen und Mund geschlossen und das Gesicht bedeckt, damit der Tote (Totsa) Ruhe finde und niemanden mitnehmen konnte. Es wurden alle Uhren im Haus angehalten und auch alle Spiegel mit einem schwarzen Tuch verhüllt. Man glaubte nämlich, wenn sich die Leiche im Spiegel erblickte, würde ein weiterer Todesfall folgen. Anschließend wurden die Fenster geöffnet, damit die Seele den Raum verlassen konnte. Man glaubte, dass die Seele des Verstorbenen nicht gleich ins Jenseits übergehe, sondern eine Weile noch auf der Erde verweile. Wenn die Familie in den Tagen nach dem Tod eines Familienmitgliedes ungewöhnliche Geräusche hörte, wurde gesagt: Er hat sich schon gemeldet.5

Bei den Bunjewatzen durfte der Verstorbene nach dem Tod zwei Stunden lang nicht berührt werden, weil man glaubte, dass er noch alles sehen und hören könne. Die Deutschen fingen gleich nach dem Todeseintritt an, den Leichnam zu reinigen. Diese Arbeit wurde meist von den älteren weiblichen Familienmitgliedern oder Frauen aus der Nachbarschaft verrichtet. Die zum Waschen benutzte irdene Schüssel wurde gleich nach dieser Tätigkeit zerbrochen, so wollte man einem eventuellen Unglück vorbeugen. Bei den Bunjewatzen wurde zum Waschen Seife, bei den Deutschen Essig verwendet. Es war auch üblich, in den Mund des Toten entweder Essig oder Schnaps zu gießen, um den bei der Verwesung des Körpers entstandenen Geruch zu lindern.

Nach dem Waschen wurde dem Toten ein festliches und geschontes Kleid angezogen. Ältere Leute bereiteten ihr Todeskleid noch zu Lebzeiten vor. Die Männer trugen ihren dunklen Sonntagsanzug und ein weißes Hemd, ältere Frauen wurden ebenfalls schwarz gekleidet, unverheiratete Mädchen und Burschen wurden als Braut bzw. Bräutigam begraben. Schulkinder trugen meist ihr Erstkommunionskleid und im Säuglingsalter gestorbene Kinder eine Strampelhose. Bei den Bunjewatzen lag der Tote nach dem Ankleiden so lange auf dem Boden, bis der Sarg vom Tischler gebracht wurde. Bei den Deutschen wurde der Leichnam für diese Zeit auf das Sterbebett gelegt. Währenddessen wurde in der sog. sauberen Stube die Totenbahre vorbereitet. In diesem Zimmer gab es einen kleinen Tisch, auf dem ein Gefäß mit Weihwasser stand, daneben lag ein Rosmarinzweig.

Auf den Sargboden wurde ein Tuch und unter den Kopf des Toten ein mit Gänsefedern gefülltes Kissen gelegt. Die Hände des Verstorbenen wurden auf der Brust gefaltet, darin lag ein Kruzifix oder ein Rosenkranz, man legte sein Gebetbuch und oft auch seinen Lieblingsgegenstand in den Sarg. Bei den Bunjewatzen lag das Kruzifix immer auf der Brust des Toten, die Männer hatten ihren Hut bei sich. Der Leichnam wurde im offenen Sarg (Totalad) in der Mitte des Zimmers mit den Füssen Richtung Tür aufgebahrt. Die Farbe des Sarges richtete sich nach dem Alter des Verstorbenen. Die älteren Leute wurden entweder im schwarzen oder braunen Sarg, Jugendliche, Kinder oder junge Ehefrauen im grauen oder weißen Sarg bestattet.

Bei den Bunjewatzen wurde der Tote im Sarg mit einem bunten, handgewebten Leintuch bedeckt. Eine ähnliche Decke befand sich auch auf dem als Bahre dienenden Tisch. Die Ungarndeutschen bedeckten die Toten mit einem weißen Leichentuch (Iwrto).

Das Sterbezimmer stand für die Abschiednehmenden offen. Die Verwandten und Bekannten trafen meist in den Abendstunden zur Andacht im Trauerhaus ein, um gemeinsam den Schmerzhaften Rosenkranz und andere Gebete zu sprechen, dies wurde Totenwache (Totawacha) genannt. Bei der Ankunft besprengten alle Besucher den Toten mit Weihwasser und bekreuzigten sich. Neben dem Leichnam brannten geweihte Kerzen, die nicht erlöschen durften, so lange der Hingeschiedene im Haus war, man durfte den Toten während dieser Zeit auch nicht allein lassen. In den meisten Fällen wurde der Verstorbene schon am nächsten Tag beerdigt. Man glaubte, dass man mit dem Toten nicht unter einem Dach schlafen dürfe, weil sonst bald jemand sterben könnte.

Die abendliche Gebetsstunde verlief bei den Deutschen wie folgt: Die Frauen standen betend um den aufgebahrten Toten herum, die Männer befanden sich in einem anderen Raum, wo sie Gespräche führten und Schnaps oder Wein tranken. Am gemeinsamen Beten beteiligte sich immer auch eine erfahrene Betfrau, die sog. Vorbeterin. Am Anfang der Gebetsstunde wandte man sich mit folgendem Gebet an Gott: Jesus Christus Gottes Sohn, der hat für ihn gelitten und ist auch für ihn gestorben, wir danken dir Herr Jesus Christus, dass du für ihn gestorben bist, .... Amen (Gebet 2). Darauf folgten die weiteren Gebete: ein Vaterunser, der Schmerzhafte Rosenkranz, der Englische Gruß, Erinnere dich (Gebet 5) und Gegrüßt seist du Maria.

In dieser Phase des Brauchtums gab es bedeutende Unterschiede zwischen den beiden Volksgruppen. Selbst bei einem Todesfall hatten bei den Deutschen die Arbeit auf dem Feld und die Versorgung der Tiere Vorrang. Die Totenwache verlief bei ihnen schlicht, nur die nahen Verwandten kamen zur Andacht. Bei den Bunjewatzen galt ein Todesfall als Fest, man durfte nicht arbeiten, nur die Tiere versorgen. Zur Totenwache versammelten sich viele Leute, denen Hefekuchen und Getränke angeboten wurden. Ein Familienmitglied empfing die Besucher und führte sie zum Toten. Ein jeder Besucher besprengte den Toten mit Weihwasser und sagte dabei: Laka ti bila zemlja! (Ruhe sanft!) (Sarosácz 2003: 107). Bei den Bunjewatzen wurde der Verstorbene während der Totenwache von den nächsten Verwandten laut beweint. Nicht jede Person war zum Vortragen dieser Wehklagen geeignet, Frauen aus der eigenen Familie oder eingeladene, erfahrene Klageweiber übten diese Tätigkeit aus. Es gab im Dorf besonders begabte Klageweiber, die improvisierend schöne Klagegedichte und Klagegesänge für einen Verstorbenen dichten konnten. Diese Gesänge dienten als Abschied vom Verstorbenen und enthielten ganz persönliche Gefühle der Familienmitglieder (Szélig 2001: 106). Manchmal wurden die Frauen beim Vortragen dieser Klagegesänge hysterisch, sie weinten und schrieen: „Joj, ...zacilo si nas ostavio! Kako smo te rado imali!..." (Oh,... du hast uns verlassen. Welch' eine Freude war mit dir zusammen zu sein!) (Sarosácz 2003: 115). Diese Art des Abschieds war den Deutschen völlig fremd und wurde von ihnen negativ beurteilt. In den Bräuchen der Bunjewatzen widerspiegeln sich ihre Lebensweise und ihr Lebensstil. Sie wurden von den Deutschen für zu temperamentvoll, zu emotionell, zu laut, ein wenig faul und verschwenderisch gehalten. Sie besaßen aber im Gegensatz zu den Deutschen mehr Lebensfreude und brachten ihre Gefühle öffentlich zum Ausdruck. Die Bunjewatzen meinten wiederum, dass die Deutschen zu sparsam, auch geizig und zurückhaltend gewesen seien. Die Deutschen nannten die Bunjewatzen Raza 'Raitzen', die Bunjewatzen sagten zu den Deutschen Schwava 'Schwaben'.

Der Tod eines Menschen wurde von beiden ethnischen Gruppen als Gottes Wille angesehen. Die bunjewatzischen Gewährspersonen erzählten, dass die Kindersterblichkeitsrate im Dorf sehr hoch war und dass man sich mit dem schmerzvollen Verlust eines Kleinkindes innerhalb kurzer Zeit zurechtfand. Die Alten sagten oft, man brauche nicht so lange um ein Kind zu trauern, denn es wurde vom Herrn zu sich gerufen und es komme bald der nächste Nachwuchs.6

4. Die Bestattung

Die Ruhestätte auf dem Friedhof wurde entweder gekauft oder gepachtet. Falls eine Familie schon über ein Familiengrab verfügte, wurde der Tote dort begraben, anderenfalls wurden die Gräber der Reihen nach auf dem Friedhof ausgehoben. Die wohlhabenden Bauern verfügten meist über eine eigene Gruft, in der mehrere Generationen beigesetzt wurden. Bei einem Ehepaar legte man den Mann auf die linke, die Frau auf die rechte Seite des Grabes.

Das Grab wurde meist schon einen Tag vor der Bestattung (Laicht) ausgehoben. Seine Vorbereitung war die Aufgabe des Bestatters (Totekrawe), der zugleich auch Friedhofswärter war; oft halfen dabei auch einige Männer aus der Familie des Verstorbenen.

Die Beisetzungen fanden im Dorf gewöhnlich von Montag bis Freitag statt, samstags und sonntags wurde niemand bestattet. Die Bestattungszeremonie fand im Hof des Trauerhauses statt und begann in der Regel am Nachmittag um zwei oder drei Uhr. Der Sarg wurde vor der Liturgie in der Mitte des Hofes auf Stühle gestellt, die Familienmitglieder und andere Verwandte standen auf der einen Seite des Sarges, der Pfarrer und der Kantor auf der anderen Seite. Da ein Todesfall keine reine Familienangelegenheit war, fanden sich nicht nur Verwandte, Freunde und Nachbarn ein, sondern meist die Hälfte der Dorfbewohner. Jeder Trauernde besprengte bei seiner Ankunft den Sarg mit Weihwasser. Im Hof wurde solange gemeinsam gebetet, bis der Pfarrer mit dem Kantor und den Ministranten eintraf. Der Pfarrer zelebrierte früher die Todesliturgie in lateinischer Sprache, die Abschiedsrede wurde in der Muttersprache des Verstorbenen gehalten. Das Abschiedslied trug der Kantor entweder auf Deutsch, Kroatisch oder Ungarisch vor, er sprach nämlich alle drei Sprachen. Im Abschiedslied nahm der Kantor im Namen des Verstorbenen Abschied von den Hinterbliebenen. Wenn bei den Bunjewatzen die Namen der einzelnen Familienmitglieder genannt wurden, hatten die Klageweiber die Aufgabe, darauf mit lautem Weinen zu antworten. Am Ende der Zeremonie wurde der Sarg von sechs kräftigen Männern, meist Familienangehörigen oder Freunden, auf die Straße zum Leichenwagen (Totawage) getragen, auch die Kränze legte man auf den Wagen. Früher wurden die Kränze aus Kiefer- und Buchsbaumzweigen geflochten und mit Schnittblumen geziert, ab den 50er Jahren verfertigte man sie aus Kunstblumen. Während des Hinaustragens des Sarges zum Totenwagen mussten bei den Bunjewatzen alle Tiere geweckt werden. So wurden alle Lebewesen im Haus benachrichtigt, dass der Tote sein Heim für immer verlässt. Man öffnete auch alle Fenster, und die Stühle, auf denen der Sarg stand, wurden umgestoßen.

Falls der Verstorbene jung war, wurde sein Sarg von seinen Altersgenossen zum Friedhof getragen, es kam auch oft vor, dass der Leichenzug von einer Musikkapelle begleitet wurde. Die Sargträger bekamen je ein weißes Taschentuch (Saktichl) mit schwarzem Besatz als Geschenk, das sie während der Beerdigung an ihrem Arm befestigt trugen. In Waschkut gab es mehrere Transportmittel, mit denen die Toten zum Friedhof gebracht wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg benutzte man zu diesem Zweck eine einfache, schiebbare Totenkarre. Später konnte man schon einen offenen Leichenwagen mit Pferden bestellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es auch eine verzierte geschlossene Pferdekutsche, die sich aber nur die reichen Dorfbewohner leisten konnten.

Die Reihenfolge des Trauerzuges war seit Jahrzehnten immer die gleiche. Bei den Deutschen wurden an der Spitze des Zuges von Jugendlichen zwei schwarze Totenfahnen getragen. Zwischen ihnen ging ein Junge oder ein Mann, der ein hölzernes Kreuz mit Namen und Alter des Verstorbenen trug. Ihnen folgte der Totenwagen, dann kamen der Pfarrer, der Kantor und die Ministranten. Hinter ihnen gingen die männlichen und dann die weiblichen Verwandten und anschließend die anderen Trauergäste.

Bei den Bunjewatzen führte der das Holzkreuz tragende Junge den Leichenzug an, am Kreuz hing immer ein handgewebtes Tuch Otarak genannt, das nach der Beerdigung dem Pfarrer geschenkt wurde. Falls der Verstorbene ein Kind war, ging eine junge Person vor dem Leichenzug und trug ein Kissen mit einem aus grünen Zweigen und Blumen geflochtenen Kranz. Dieser wurde auch Krone genannt und am Ende der Zeremonie auf das Grab gelegt7. Der Pfarrer ging vor dem Leichenwagen, hinter dem Wagen folgten zuerst die nahen Familienmitglieder und dann die anderen Trauergäste, Frauen und Männer gemeinsam.

Auf dem Weg zum Friedhof wurde gebetet und gesungen. Wo der Zug vorbeiging, wurden die Türen der Geschäfte und Wirtshäuser geschlossen. Wenn ein Fremder dem Trauerzug begegnete, hielt er an, nahm seinen Hut ab und wartete, bis der Trauerzug vorbei war. Auf den Straßen standen oft Menschen, die zum Toten keinen Bezug hatten, sie bildeten eine Kette, und so zog der vom Glockengeläut begleitete Leichenzug durch die Straßen bis zum Friedhof. Am Tor hielt die Trauergemeinschaft an, und der Pfarrer besprengte den Eingang des Friedhofs mit Weihwasser. Anschließend wurde der Sarg von Männern zum offenen Grab getragen, wo die Grablegungsliturgie stattfand.

Am Ende dieser Zeremonie besprengte der Pfarrer den Sarg noch einmal mit Weihwasser, dann wurde dieser mit Hilfe von zwei Seilen langsam ins Grab hinuntergelassen. Bei den Bunjewatzen fingen die Klageweiber während dieser Tätigkeit wieder an, den Toten laut zu beweinen. Wenn ein Toter nicht beweint wurde, bedeutete das eine Schande für die ganze Familie. Bei ihnen war es auch üblich, Münzen in das Grab zu werfen, damit sollte der Verstorbene beweisen können, dass er für den Ruheplatz bezahlt hatte, falls dort früher schon ein anderer Tote begraben worden war (Sarosácz 2003: 89). Das Trauerritual endete mit einem Schlussgebet (Gebet 3), während dessen das hölzerne Kreuz am Kopfende des Grabes in die Erde gesteckt und die Kränze auf das Grab gelegt wurden.

5. Die Trauer

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde noch jede Phase des Sterbens vom Sterbebett bis zur Beerdigung von den einzelnen Familienmitgliedern miterlebt. Die Familie setzte sich intensiv mit dem Sterben, den Tätigkeiten danach, der Aufbahrung, den Abschiedsritualen und letztlich der Beisetzung auseinander. All diese Erfahrungen beweisen, dass die Trennung vom Toten viel intensiver und schmerzhafter erlebt wurde, trotzdem konnte der Verstorbene leichter losgelassen werden.

Dem Volksglauben nach störte man die Toten, wenn man zuviel von ihnen sprach oder zuviel an sie dachte. Redete man Böses über sie, könnten sie sich rächen. Weit verbreitet war der Glaube, dass man den Toten nicht all zu sehr beweinen sollte. Denn dies wäre schädlich und man könne den Toten zurückrufen und festhalten.

Nach der Beerdigungszeremonie ging die Trauergemeinschaft der Deutschen nach Hause oder suchte die Gräber ihrer Verstorbenen auf, da es bei ihnen keine weitere Zusammenkunft gab. Bei den Bunjewatzen folgte der Beerdigung das traditionelle Totenmahl. Seine Funktion bestand darin, gemeinsam noch einmal Gott um die Vergebung der Sünden des Verstorbenen zu bitten (Sarosácz 2003: 89). Das Totenmahl (Poduse) wurde bereits am Vormittag der Bestattung gekocht, einige Frauen - meist die Nachbarinnen - nahmen an der Beerdigungszeremonie nicht teil, denn sie waren noch mit den Vorbereitungen für das Totenmahl beschäftigt. Auch der Pfarrer und der Kantor wurden zu diesem Fest eingeladen, aber sie gingen nicht dahin. Die Verwandten und Freunde waren aber immer anwesend. Zum Totenmahl kochte man Lammgulasch und reichte den Gästen auch Kuchen sowie Wein und Schnaps. Für den Verstorbenen wurden Salz, Paprikapulver und eine Scheibe Brot auf einen Teller gelegt und ins Zimmer gestellt, wo er aufgebahrt worden war. Man glaubte, dass der Tote in der ersten Nacht nach der Beisetzung seine Familie besuche und etwas Essen brauche. An diesem Abend und in der Nacht durfte sich niemand in diesem Zimmer aufhalten. Am nächsten Tag wurde der Teller aus dem Zimmer geholt und von den Familienangehörigen festgestellt, dass der Tote in der Nacht da gewesen sei und etwas davon gegessen habe. Man wollte nämlich im Salz und auch im Paprikapulver die Spuren seines Fingers erkannt haben.

Viele Eltern kochten zum Totenmahl ihrer ledig verstorbenen Kinder ein Hochzeitsmenü (Sarosácz 2003: 92). Dieser Brauch war auch damit verbunden, dass der Verlust eines Mädchens oder Jungen vor der Heirat besonders groß war, weil das Leben eines Menschen nur dann als erfüllt betrachtet wurden kann, wenn er für die Familiengründung und den Nachwuchs gesorgt hatte. Die Seele des Verstorbenen könne sich nur schwer beruhigen, da er seine Lebensaufgabe nicht vollbringen konnte. Um die Seele beruhigen zu können, veranstaltete man eine hochzeitsähnliche Feier mit der Trauergemeinschaft (Kunt 1983: 57). Diese Totenmahle waren nicht bescheiden, in manchen Fällen gab es Musik und auch Tanz.

Bei den Bunjewatzen fand die Totenmesse meist einen Tag nach der Beerdigung statt, wo die Trauernden noch einmal von dem Toten Abschied nahmen. In sechs Wochen wurde noch eine Seelenmesse gehalten. Am ersten Jahrestag des Todes erinnerten sich die Verwandten und Bekannten nochmals gemeinsam an den Verstorbenen, zu diesem Anlass wurden die Teilnehmer der Totenmesse wieder zum Essen eingeladen.

Bei den Deutschen fand die Totenmesse entweder am Tag der Beerdigung oder am darauffolgenden Tag statt. Im Gottesdienst stand vor dem Altar ein mit schwarzem Seidentuch abgedeckter Sarg, an dessen vier Ecken Kerzen brannten.

Bei beiden Volksgruppen trauerte man um den Ehemann, die Ehefrau und die Geschwister, Kinder ein Jahr lang, um die Eltern ein halbes Jahr lang, um die Großeltern und weitläufige Verwandte sechs Wochen lang. Während der Trauerzeit trugen die Frauen schwarze Kleidung und ein schwarzes Kopftuch (Kopftichl), die Kinder und Männer schmale schwarze Bänder an ihren Jacken- und Mantelkragen. Man durfte während der sechswöchigen oder längeren Trauerzeit keine lauten und fröhlichen Veranstaltungen wie Bälle und Hochzeiten besuchen.

Die Bunjewatzen glaubten, wenn der Tote nicht ehrenvoll begraben werde, besuche seine Seele regelmäßig die Hinterbliebenen im Haus. Wenn die ganze Bestattungszeremonie nicht so abgehalten wurde, wie es sich der Verstorbene zu Lebzeiten vorgestellt hatte, konnte seine Seele keine Ruhe finden (Mándics 2002: 105).

Beide Volksgruppen verfügten über eine ausgeprägte Gräberkultur. Die Familienangehörigen des Verstorbenen besuchten das Grab regelmäßig, um dort zu beten und sich an den Toten zu erinnern. Es wurde auch sehr auf die Grabpflege geachtet. Wer das Grab nicht pflegte, kam im Dorf ins Gerede.

6. Veränderungen in der Bestattungskultur

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war der Tod eines Menschen ein öffentliches, ritualisiertes Ereignis, wo die von Generation zu Generation vererbten Bräuche wiederholt wurden. Die Familienangehörigen betreuten den Toten vom Sterbebett bis zum Grab. Der Tod wurde als großfamiliäre und gemeinschaftliche Angelegenheit betrachtet; die Menschen nahmen sich Zeit für jede Phase zwischen Tod und Bestattung. Die kirchliche Tradition spielte eine bedeutende Rolle beim Umgang mit dem Toten, früher fanden im Dorf ausschließlich kirchliche Beisetzungen statt.

In den letzten 60-70 Jahren hat sich die Bestattungskultur grundlegend verändert, die Gründe dafür sind vielfältig. Die traditionellen Sterberituale verloren u. a. auch deshalb immer mehr an Gewicht, weil mit der Zeit der Einfluss der Kirche nachließ, den religiös begründeten Bestattungsriten wurde immer weniger Bedeutung beigemessen. Die heutigen Begräbniszeremonien werden entweder in kirchlicher oder in bürgerlicher Form organisiert. Die kirchliche Zeremonie ist mit einem Gottesdienst verbunden, der in der Friedhofskapelle zelebriert wird. Unter den traditionsbewussten und religiösen Menschen ist dies eine allgemein geschätzte Form der Abschiednahme von dem Verstorbenen.

Bei der bürgerlichen Zeremonie werden das Abschiedslied und die Grabrede von dem Angestellten der Bestattungsunternehmen vorgetragen. In Waschkut bevorzugt man auch heute noch die kirchliche Form der Bestattung.

Nach dem Bau der Leichenhalle auf dem Friedhof (1962) und der eingeführten strengen hygienischen Vorschriften wurde es verboten, den Leichnam im eigenen Heim aufzubahren. Da die Aufbahrung des Toten in der Leichenhalle stattfand, hielt man die traditionelle Totenwache eine Zeit lang im Sterbehaus ab. Heute wird vor Beginn der Bestattungszeremonie eine Stunde lang für den Verstorbenen gebetet, wenn der Tote und seine Hinterbliebenen gläubig sind. Der Sterbeprozess spielt sich nur noch in wenigen Fällen zu Hause ab. Die Menschen sterben heutzutage in der Regel im Krankenhaus, wo sie eine fachgerechte, aber unpersönliche Behandlung erhalten; sie fühlen sich in ihren letzten Stunden meist einsam und verlassen. Nach dem Eintritt des Todes fällt in einer solchen Umgebung der direkte Abschied der Angehörigen und der Bekannten von den Verstorbenen weg, denn das Bestattungsunternehmen kümmert sich um den Leichnam. Der Abbruch der traditionellen Umgangsformen hatte zur Folge, dass die Trauernden den letzten Abschied erst auf dem Friedhof in der Leichenhalle nehmen können, wo man oft Hemmungen hat, sich seinen Schmerzen hinzugeben. Dadurch, dass das Bestattungsunternehmen den Toten abtransportiert und auf die Beerdigung vorbereitet, geht der direkte Kontakt zum Verstorbenen, dem leblosen Körper, verloren. Meist werden den Kindern keine Erklärungen über den Tod eines Angehörigen gegeben, damit sie 'verschont' bleiben.

Heutzutage kann man in Waschkut keinen Leichenzügen mehr begegnen. Statt der damaligen Leichenwagen mit Pferden werden die Toten von dem Bestattungsunternehmen in Kleinbussen transportiert. Der Tod ist nicht einmal mehr in einem Dorf ein gemeinschaftliches Erlebnis, denn die Dörfer sind keine geschlossenen Gemeinschaften. Es gibt keine Zeit mehr, gemeinschaftlich von den Toten Abschied zu nehmen.

Die verächtliche Behandlung bei der Beisetzung von ungetauft verstorbenen Kindern und Selbstmördern gehört längst der Vergangenheit an. Es gibt heutzutage in der Bestattung keine Unterschiede danach, wie man gestorben ist.

Nicht nur die Bestattungskultur, sondern auch die Trauerkultur unterliegt der gesellschaftlichen Veränderung. Die Auflösung der christlichen Tradition spiegelt sich im Umgang mit der Trauer wider. Wie eine Bestattung kein öffentliches Ereignis mehr ist, so wird auch die Trauer immer mehr zur Privatsache. Es gibt keine festen Normen für Trauerformen mehr, individuelle Normen und Gefühle sind in jedem Einzellfall entscheidend. Die ältere Generation hält noch die traditionellen ungeschriebenen Regeln der Trauerform ein, aber die Angehörigen der jungen Generation entscheiden selbst, wie lange sie schwarze Trauerkleidung tragen und ob sie auf Unterhaltung verzichten oder nicht. Die Friedhofsbesuche gehören weiterhin zu den wichtigsten Ausdrucksformen der Trauer. Ein auffälliges Phänomen ist der neue Kult des häufigen Schmückens der Gräber mit Blumen und Kränzen. Die neu errichteten Grabsteine sind von unterschiedlicher Qualität und Preislage. Immer mehr verstärkt sich heute der Trend, die Grabdenkmäler aus wertvollem, kostspieligem Material anfertigen zu lassen. Oft dienen Grabsteine heutzutage als Statussymbol.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das gegenwärtige schnelle Lebenstempo, die Isolation der Menschen, die Auflösung der christlichen Tradition, der überall herrschende Zeitmangel und das Materialismus zur Sinnentleerung von Riten und Bräuchen im Bereich von Bestattung und Trauer führten und führen. Diesen und anderen Faktoren ist es auch zuzuschreiben, dass heutzutage zwischen einer deutschen und einer bunjewatzischen Bestattung keine erkennbaren Unterschiede mehr bestehen.

Bibliographie

Basch, Franz (1991): Deutscher Volksglaube in Ungarn. In: Manherz Károly - Wild

Katalin (Hrsg.): Texte zur Nationalitätenkunde I. Budapest, S. 159-176.

BuRANY, Bela (2001): Ünnepek, Szokások, babonák II. Újvidék.

Flach, Paul (1983): Zur Geschichte der Kirchen, der Kapellen und der Pfarrei der in nordwestlichen Batschka (Ungarn) befindlichen Gemeinde Vaskút. München.

Flach, Paul (1983): Waschkut. München.

Kunt, Erno (1987): Az utolsó átváltozás. Budapest.

Kunt, Erno (1983): Temetők népművészete. Budapest.

KuBLER-Ross, Elisabeth (2004): Das Rad des Lebens. München.

Dr. Mandics, Mihály (2002): Az emberélet fordulói. Csávoly.

Polcz, Alaine (2000): Gyászban lenni. Budapest.

Polcz, Alaine (2001): Ideje a meghalásnak. Budapest.

Reppmann, Anton (1971): Vaskút. Geschichte einer deutschen Gemeinde in der Nord-batschka/Ungarn. Freilassing.

Dr. Sarosac, Duro (1996-2003): Magyarországi horvát, szerb és szlovén temetők, temetkezési szokások és sírjelek. Budapest.

Székelyi-Orovicza, Elisabeth (2003): Vergleichende Untersuchung zum Todes- und Bestattungsbrauchtum in Pogan/Pogány. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungardeutschen, Bd. 20. Budapest: ELTE Germanistisches Institut - Ungarische Ethnographische Gesellschaft, S. 163-183.

Szélig, Ágnes (2001): Todes- und Bestattungsbräuche bei den Ungarndeutschen und bei den Szeklern in Wemend/Véménd. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungardeutschen, Bd. 18. Budapest: ELTE Germanistisches Institut - Ungarische Ethnographische Gesellschaft, S. 92-120.

Schreiner, Elisabeth (1998): Der Anfang und das Ende eines Menschenlebens bei den Deutschen in Sawer/Székelyszabár. In: Beiträge zur Volkskunde der Ungardeutschen, Bd. 15. Budapest: ELTE Germanistisches Institut - Ungarische Ethnographische Gesellschaft, S. 98-102.

ScHWALM, Paul (1979): Wörterbuch des Dialekts der Deutschen in Vaskút. Neuenstein.

TÜGEL, Hanne (2003): Abschied und Neubeginn; Wie wir mit dem Tod umgehen; Wege zu einer neuen Trauerkultur. In: GEO 12/Dezember 2003, Hamburg, S. 175-204.

ZDF, Sendung 37 Grad: Mein Traumberuf Bestatter, (gesehen am 02.11.2005).

Központi Statisztikai Hivatal: 2001. évi népszámlálás. Tükrében, http://www.neps zamlalas.hu/hun/kotetek/04/tabhun/tabll5/loadl5003.htm (gesehen am 09.12.2005).

Katholishe Kirche in Deutschland: http://www. katholisch.de/3787.htm (gesehen am 15. 01.2006).

Bendlin, Johannes (2004): Umgang mit Trauer. http://www.nikodemus.net/1446-Um-gang_mit_Trauer.htm (gesehen am 05.03.2006).

DiRSCHL, Josef: Die Feiertagsseiten http://www.feiertagsseiten.de/gedenktage/allerhei-ligen/home.html (gesehen am 03. 11.2005).

 

Anhang

Gebet 1

Der schmerzhafte Rosenkranz wurde immer während der Totenwache gebetet. Der Ablauf des Betens war folgendes: Beginn am Kreuz:         Glaubensbekenntnis Vaterunser Bei den nächsten drei Perlen:   

Vor dem Beginn der fünf Geheimnisse werden die folgenden Strophen gesprochen:

Herr gib ihm (ihr) die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte Ihm (ihr), lasse ihn (sie) in Ruhe, in Frieden. Amen.

Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war in Anfang so auch jetzt in Ewigkeit. Amen. O Jesus, verzeih uns unsere Sünden bewahre uns von Dem Feuer der Hölle und führe die Seele in den Himmel besonders diejenigen, welche deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. Amen. Dann folgt das Gebet Vaterunser. Die fünf Geheimnisse: Gegrüßt seist du Maria, am Ende jedes Gebets sagte man: Der für uns Blut geschwitzt hat Der für uns gegeißelt worden Die für uns mit Dornen ist gekrönt worden Der für uns das schwere Kreuz getragen hat Der für uns ist gekreuzigt worden Zwischen jedem Geheimnis werden die Gebete „Herr gib ihm ...", „Ehre sei Gott..." und „O Jesus, verzeih..." ständig wiederholt.

(Kindl Edéné, geb. Bermüller)

Gebet 2

Jesus Christus Gottes Sohn

Der hat für ihn gelitten

Und ist auch für ihn gestorben

Wir danken dir Herr Jesu Christ

Dass du für ihn gestorben bist

Lasst dein Blut und auch dein Pein und an ihn nicht verloren sein. Amen.

(Kindl Edéné, geb. Bermüller)

Gebet 3

Komm mein Jesus zum Beschluss,

Weil er zeitlich sterben muss,

Weil ihn die ganze Welt verlässt,

Und hilf ihm doch o Jesu fest.

O Jesus, o Jesus spann ihn aus,

Und führ ihn in dein Himmelshaus,

Schick ihm einen Engelwagen,

Dass er kann zu Jesus fahren.

Seinen Bräutigam hat er schon,

Und das ist Jesus Gottes Sohn,

Der wird ihn in den Himmel führen,

Und sein Grab mit Rosen zieren.

Ah wie schön wird es sein,

wenn er wird bei Jesus sein.

Am Heiligen Karfreitag da,

Haben wir das bittere Leiden,

Und Sterben unseres Herrn Jesus Christus,

Da kamen die Juden, gegangen und sie nahmen

Den Herrn im Garten gefangen,

Mit Striche gebunden,

Mit Geisel geschlagen,

Da bluteten ihm seine Allerheiligsten fünf Wunden,

Und so betet dieses Gebetlein,

Alle Tage zur Erlösung der armen Seelen im Fegefeuer. Amen.

(Haberbusch József né, geb. Hepp)

Gebet 4

Zu der schmerzhafter Mutter Gottes in ihrem sieben Schmerzen,

in ihrem Herzenleid, in ihrer großen Freude

wie sie in den Himmel kommen

wie sie ist gekrönt von der Heiligen Dreifaltigkeit

Mit einem Kranz umgeben bis zu ihrem ewigen Leben

Will ich täglich krönen dich bis in den Tod bekrönest mich

Mit dem Glanz der Seligkeit, das mich mein Herz in Gott erfreut. Amen

(Haberbusch Józsefné, geb. Hepp)

Gebet 5

Erinnere dich, gütigste Jungfrau Maria! Das es noch niemals erhört ward, dass du Jemand hilflos verlassen hättest,

der um deinen Schutz und Beistand zu dir flehte. Von diesem Vertrauen beseelt, nehme ich auch meine Zuflucht zu

dir, o Jungfrau aller Jungfrauen! Königin aller Engel! Mutter unseres Herrn Jesu Christi! Auf dich richte ich meine

Blicke, o Maria, du Gnadenstern! Mit Reue und Thränen werfe ich armer Sünder mich zu deinen Füßen. Verschmähe

mein Flehen nicht, o mächtige Königin der Welt, Mutter des ewigen Wortes! Sondern blicke mich gnädig an und

erhöre meine Bitte in diesem Thränenthal jetzt und besonders in meiner Sterbestunde. O barmherzige, o gütige, o

liebreiche Jungfrau Maria! Amen

(Christkatholisches Gebet und Gesangbuch 1908)

Gesang 1

Bewahre mich, O Herr! Vom ewigen Tode, - Und vor aller Gefahr, an dem jüngsten Tage - Wenn Himmel und die

Erd'- Wie Gott gesagt vergeh'n - Und kommen wirst die Welt - Durch Feuer zu richten.

2. Verleihe ihm (ihr) o Herr! Die ewige Ruhe - Und das ewige licht leuchte ihm (ihr) wie Sonne - Gönne ihm (ihr)

Deine Grad', - Dass er (sie) zu Dir komme, - Und vor Deinem Trone,- Allezeit Dich lobe.

(Rosengarten der ewigen Liebe 1937: 538)

Gesang 2

Näher mein Gott zu Dir, näher zu Dir

Wenn auch das Kreuzes Lasst, lieget auf mir

Soll doch trotz, Kreuz und Pein

Dies meine Lösung sein

Näher mein Gott zu Dir, nähe zu Dir

Bricht mir Jakob dort,  Nacht auch herein

Find ich zum Ruheort nur einen Stein

Ist auch im Traume hier

Wein Sehnen für und für

Näher mein Gott zu Dir, näher zu Dir

Bald wird Schlaf und Nacht, lieblich es sein

Und mit verfügtem Mut salb ich den Stein

So hilft auch Trübsei mir Näher mein Gott zu dir

Näher mein Gott zu Dir, näher zu Dir

(Kindl Edéné, geb. Bermüller)

Gesang 3

Wenn ich zum Herzen Jesu geh' -Und klag' Ihm jedes Leid und Weh'-

Dann wird's gleich leichter mir um's Herz-

Denn es versüsst der leiden Schmerz.-:

Wenn alles schon verloren scheint,-

Bei Ihm mein Auge traurig weint-

Dann wird's mit mir bald besser Geh'n, -

Denn Trost kommt mir aus Himmels Höh'n.

Wenn oft mich Sorge nieder drückt,-

Und mich kein treuer Freund beglückt, -

Wenn fast das Herz von Leiden bricht,-

Und mir erscheint kein Hoffnungslicht.-

Ach Menschenliebe schwindet bald,-

Im Unglückt bleibet sie sok alt-

Jedoch in meinem bitt'ren Harm-

Schlagt mir's Herz Jesu innig warm.

Wenn einst mein Leib zur Ruhe geht-

Und dann kein Freund am Grabe steht,-

Wenn ganz vergessen von der Welt,-

Ein Schaufel Erde auf mich fallt.

Dann ruft doch Jesu Herz mir zu.

Nun ruhe sanft in Graberruh'-

Aus dem ich bald mit Freundes Hand dich führ' zum ew'gen Vaterland.

(Rosengarten der ewigen Liebe 1937: 397)

Abb. 1. Aufbahrung im Sterbehaus
 
Abb. 2. Junges Madchen in Hochzeitskleidung
 
Abb. 3. Trauerzeremonie auf dem Hof
 
Abb. 4. Der Sarg wird von den Freunder getragen
 
Abb. 5. Der
 
Abb. 6. Das handgewebte Tuch   Otarak - hangt am Kreuz
 
Abb. 7. Familienfoto nach der Beerdigung
 
Abb. 8. Die drei Graber symbolisieren die im Dorf wohnenden drei ethnischen Gruppen

 

Sárosi Magdolna: Kutatások a magyarországi németek [és bunyevácok] halotti és temetési szokásairól Vaskúton

Sárosi Magdolna tanulmányában a XVIII. század óta Vaskúton élő népcsoportok - németek és bunyevácok - halotti és temetkezési hagyományait gyűjti egybe. A településen fellelhető jellegzetes szokások kutatása kiterjed a haláleset bekövetkeztére utaló jelek, hiedelmek, maga a halál és a gyász témakörének részletes, összehasonlító vizsgálatára.

A viszonylag intenzív asszimilációs folyamatok ellenére mindegyik etnikum szokásaiban fellelhetők olyan tradicionális elemek, amelyek a népcsoportok különböző életfelfogásban, érzésvilágában és kultúrájában gyökereznek. Ezek vonatkozhatnak mind a halál közeledtét sejtető látomásokra, a halál és a temetkezés körülötti előkészületek, mind pedig a gyászszertartás pontos rendjét előíró hagyományokra. A szerző különös hangsúlyt fektet a temetési és gyászkultúrában az elmúlt 60-70 év során fellépő változások bemutatására. Az egykoron egy egész település életét és mindennapjait érintő, szigorú előírásokat követő esemény napjainkban egyre inkább magányban megélt, rítusokat és hagyományokat mellőző momentummá válik.

 


  1. http //www népszámlálás hu/hun/kotetek/04/tabhun/tabl15/load15003.htm
  2. Mundliche Mitteilung von Gertrud Zick und Agnes Gorjanác.
  3. Mündliche Mitteilung von Maria Kindl.
  4. Mundliche Mitteilung von Ágnes Gorjanác
  5. Mündliche Mitteilung von Anna Reile.
  6. Mudliche Mitteilung von István Szabovlyev
  7. Mündliche Mitteilung von Miklós Svraka.

 

  
Előző fejezet Következő fejezet