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Boly Bool Deutschbohl Németbóly

 

Vorwort

von Pfr. Dr. Franz Galambos-Göller

Es ist eine seltene Ausnahme, daß man die Vergangenheit für so wichtig hält, wie in diesem Dorf. Es beruht darauf, daß die Bewohner auch für geistige Werte aufgeschlossen waren. Der Beweis dafür ist, daß sie durch Béla von Németh im Jahre 1900 „Die Geschichte der Großgemeinde Német-Bóly" „populär" beschreiben ließen. An Hand dieser Ausführungen, ergänzt durch neuere Erkenntnisse, soll eine kurze Zusammenfas­sung der Geschichte Bohls dargeboten werden. Für interessierte Leser, die sich ausführlicher informieren möchten, ist im Text jeweils in Klammern die Seitenzahl im Buch von Németh angegeben.

 

Geschichte des Dorfes bis zur Besiedlung mit Deutschen

von Pfr. Dr. Franz Galambos-Göller

Adam Graf Batthyány hatte dem Kaiser in der Zeit der Befreiungskriege gegen die Türken 15 274 Gulden geliehen. So erhielt er z.T. als Gegenwert im Jahre 1700 um 48 260 Gulden die Bohler Herrschaft. Die etwa 40, z.T. leeren Dörfer liegen im Viereck: „Mislény - Kistótfalu - Töttös - Mislény".

Die Tochter des Grafen Johann Bapt. Batthyány, Juliana (geb. 1827), heiratete 1853 (?) Wilhelm Graf von Montenuovo. Dieser war ein Sohn des Grafen Adam Albert von Neipperg, aus der Ehe mit Maria Luise, der Tochter des Kaisers Franz II. (I.) und Witwe Napoleons I. Der Name Neipperg wurde ins Italienische übersetzt, Adam Albert in den Fürstenstand erhoben. So wurde künftig das Batthyányische Gut „Fürst Montenuovo-ische Herrschaft" genannt. Der letzte Fürst aus diesem Hause, Ferdinand Montenuovo, starb 1950 in Szob, wurde aber später in der Familiengruft (Mausoleum) in Bohl beigesetzt.

Bei der Schätzung der Batthyányschen Herrschaft, am 17. August 1700, war Bohl mit dem Namen „Bolya" ins Verzeichnis als unbewohnte Puszta aufgenommen2. Bei der Konskription im darauffolgenden Jahr, wurde es als „Bóly puszta" bezeichnet, mit der Bemerkung: „Man könnte hier 25 Bauern ansiedeln. Es wäre dazu genügend Boden vorhanden. Wiesen gibt es wenig, Weinberge gar keine... Wald für Brennholz auch wenig... Es.wäre geeignet für den Bau eines Meierhofes.. .3"

„In den Kuruzenkriegen 1703-1711 kämpfte Franz II. Rákóczi für ein unabhängiges Ungarn, ist aber gescheitert. 1709 konnte der Bevollmächtigte der Witwe Batthyány, Franz Somogyi, eine Bestandsaufnahme von den Gütern machen. Aus dem Text über Bohl sind die Pläne der Herrschaft schon sichtbar, die Bohl später zum Mittelpunkt der umliegenden Dörfer gemacht haben. Anm. Nr. 4. L. Szita in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1974/75, S. 111-112.

 

Die Besiedlung mit Deutschen

Im Jahre 1730 treffen wir in den eben erwähnten Akten die ersten zwei deutschen Siedler: Johann Bromingh und Johann Spoon. Ob Bromingh weiter gewandert oder sein Name in späteren Konskriptionen bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet worden ist, ist nicht feststellbar. Später kommt er in den Listen nicht mehr vor. Bei der Aufstellung der Hausleute des Jahres 1733, sind schon 10 deutsche Namen aufgenommen, die übrigen Bewohner sind aber Raizen. Im selben Jahr ließ das Komitat alle Pfarreien beschreiben. Bohl war damals eine Filiale von Nyárád und im Protokoll heißt es: „Dieses Dorf bevölkern jetzt einwandernde Deutsche. Sie fingen gerade an Häuser zu bauen, daher zahlen sie dem Pfarrer außer Stolgebühren nichts6."

Nach Németh, wohnten 1738 in Bohl 39 raizische und 23 deutsche Familien (S. 77). Aus dem Visitationsprotokoll in diesem Jahr geht hervor: Bohl ist auch jetzt eine Filiale und wird als „Bolya" bezeichnet. „Es sind hier 30 Ehepaare, sie zahlen auch Pfarrlohn. An der Zahl sind es 80 Erwachsene, 98 Kinder. Das übrige Volk ist raizisch. Weder die einen noch die anderen haben eine Kirche. Die Raizen werden von Töttös betreut7." Die 1738 erwähnten 80 Erwachsenen und 98 Kinder mußten demnach Mitglieder der 23 deutschen Familien aus der Konskription von 1737 sein.

Die erste Eintragung im Kirchenbuch von Nyárád über Bohl geschah am 24. Februar 1741: „Anna, Tochter des Johann Adam Krogans und Ehefrau Juliana. Paten waren: Valentin Schneider und Frau Anna Margaretha aus Boja." Genannter Krogans war 1747 Richter der deutschen Bevölkerung mit dem Namen Hans Adam Kohoncz (bei Németh S. 78)

Diese Bewohner werden wohl auch jene sein, von denen bei der Visitation 1829 gesagt wird: „... diese haben den überaus dichten Urwald gerodet und die erste geregelte, aber sehr schmale Gasse angelegt, die im Volksmund Hatgasse (= Heide) genannt wird. Eng ist diese Gasse, um sich gegen Räuber mit vereinten Kräften verteidigen zu können."

Über die weitere Entwicklung ist bei Németh (S. 83) zu lesen: „... Um so erstaunlicher ist es, daß man im folgenden Jahre (1748) in der Konskription schon 178 Häuser findet... und man findet nur noch Deutsche im Dorf." (S. 89) Die Raizen haben also das Dorf verlassen. Aber, daß dies in dem Jahre von 1747 auf 1747 blitzartig geschah, kann keinesfalls stimmen. Man müßte diesbezüglich die Konskriptionslisten noch einmal genauer studieren. Németh schreibt, die Raizen sind nach Rácz-Töttös übersiedelt worden. „Dabei muß bemerkt werden, daß diese Auswanderung nicht nur mit Einwilligung, sondern sogar auf besonderen Wunsch der Herrschaft geschehen sein dürfte, welche man durch die Zwistigkeiten, die damals unter den verschiedenen Nationalitäten vorzukommen pflegten, zu vermeiden suchte." (S. 89)

Von einem „Wunsch der Herrschaft" kann man hier eigentlich kaum reden. Die Entfernung der Raizen hat nämlich schon 1737 begonnen. Aus den Montenuovo'sehen Akten im Komitatsarchiv ist ein Dokument erhalten, in dem berichtet wird: ,,1737 wurden anstelle mehrerer entfernten Raizenfamilien, 3 verheiratete und 9 ledige Deutsche angesiedelt." Später (1767) aber schrieben sie über dieses Vorgehen: „Die Raizen wurden von der Witwe des A. Batthyány, der Gräfin Eleonore Strattman, wegen den von ihnen verübten vielfachen Raubüberfällen nach dem Recht des Grundherrn entfernt8."

„Daß die Raizen schon vor 1747 weggezogen oder entfernt wurden, geht auch aus ei nem Dokument aus dem Jahre 1745 hervor. Darin heißt es, raizische Räuber versuchten anfangs Februar 1745 die Bewohner von Bohl mit 1400 Gulden zu erpressen usw. bis.. hätten sie das Dorf 1745 an zwei Stellen angezündet, es wären auch die Häuser ihrer Stammesgenossen abgebrannt und dies hat noch mehr Geltung für das Jahr 1744, als sie das Dorf wirklich angezündet hatten8a.

Die Raizen in Bohl waren von Arbeiten bei der Herrschaft befreit, dafür mußten sie aber Wachdienst leisten und notfalls das Zentrum der Herrschaft verteidigen. Wenn sie zu wenig waren oder mit den Räubern zusammen spielten, berief die Herrschaft auch aus anderen Dörfern Leibeigene zu diesem Dienst. Unter ihnen waren auch solche, die 1743 von Bohl nach Lippó zur Herrschaft in Bellye weggezogen und 1749 zur Herrschaft in ein anderes Dorf zurückkehrten9.

Aus den Konskriptionsakten vom Jahre 1748 ist ersichtlich, daß sich die deutschen Siedler gewaltig vermehrt hatten und es standen schon 181 Häuser. Die Namen der Eigentümer sind bei Németh nachlesbar (S. 83/86). Auch die Liste des letzten Jahres, in dem Konskriptionen stattfanden, 1752 mit sämtlichen Namen, es waren 206 Familienober­häupter, sind auf S. 86-88 enthalten. Németh bringt auch ein Feldregister aus dem Jahre 1743, in dem sind 156 Namen aufgezählt und unter diesen ist kein einziger slawischer Name (bei Németh S. 104/106). Auch L. Nagy erwähnt in seiner Abhandlung ein Feldregister aus dem Jahre 1751 mit 148 deutschen Familien. Das einmal mehr, in einem anderen Jahre weniger festgestellt werden, ist nicht außergewöhnlich: In diesen Jahrzehnten der Ansiedlungszeit kamen und gingen die Leute und meinten anderswo bessere Verhältnisse zu finden10.

Woher kamen die Siedler nach Bohl? Es wäre falsch zu meinen, sie kämen aus einem Dorf irgend eines deutschen Landes, aber ein Teil konnte schon aus einem größeren oder kleineren Umkreis gekommen sein. Wie die Leute eben von den „Werbern" angeworben worden sind. Aus den Sprachmerkmalen konnten allerdings Wissenschaftler feststellen, daß Bohl wie auch Babarc, Kisnyárád, Liptód, Lánycsók, Kisbudmér, Kiskassa, Újpetre, Vókány, Majs, eine Bevölkerung mit hohem fuldischem Anteil hat 11.

Wie schon Papanek feststellte, haben herrschaftliche Ingenieure den Grundriß des Dorfes am Zeichentisch geplant und die Bauplätze den Neusiedlern angewiesen. Es war eine lange, breite Gasse und „auf beiden Seiten dieser Langgasse mündeten 5 kleinere zusammen." (b. Németh S. 108). Alle Gassen hatten früher vom Volk geprägte deutsche Namen. In der Zeit um 1890 gab man ihnen ungarische Namen: Fleischhackergasse, (Florian Utca), Oberdorf (Erzsébet U.), Neugasse (János U.), Friedhofsgasse (Temető U.), Brunnengasse (Szentháromság U.) Geisgipfel; hinter der Kirche: Templom Utca (= Kirchengasse), die links in die Strickergasse (im Volksmund sagte man aber Flederwisch­gasse), (Petőfi U.) rechts weiterführt nach den „Gipfel" = Kippel (Apponyi U.), Eselsgipfel (Kippel) führt, dann die Lochgasse (Malom U.). Die zuerst entstandene Gasse ist die Hatgasse. Diese bekam etwa 1850 den Namen Kossuth Lajos Utca, sie geht nach dem Gäßchen weiter als Eintragsgasse (Alsó vásártér U.). Die Gasse am oberen Marktplatz heißt auch Neugasse. Beim früheren Großen Wirtshaus liegt der Elisabethenplatz (Erzsébet tér). Wo die Dreifaltigkeitsstatue steht, ist der Dreifaltigkeitsplatz (Szenthárom­ság). Nach dem ersten Weltkrieg ist, von der Mühle ausgehend, in Richtung Eintragsgasse eine neue Gasse entstanden. (Die Gassen finden sich bei Németh auf S. 246/247)

In dieser Zeit wurde auch unter der Hatgasse der „Leventeplatz" ausgestaltet, wo Sportveranstaltungen abgehalten wurden. Heute ist bis zur „Sziebertpuszta" alles bebaut, geradeso wie die sogenannten Hatländer. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich das Dorf gewaltig weiterentwickelt.

 

Das Verhältnis der Bewohner zur Herrschaft bis 1767

Die Siedler genossen Freizügigkeit. Diejenigen die aber blieben und nicht weiter wanderten, waren Untertanen der Herrschaft. Sie bekamen von der Herrschaft ihre Sessionen, mußten dafür aber so manches leisten. Die Pflichten und Lasten wurden 1738 in einem deutschsprachigen „Contract" festgelegt. Leider steht mir nur eine ungarische Übersetzung des Textes zur Verfügung. Er hat ins Deutsche übersetzte folgenden Wortlaut: „Da wir uns entschlossen haben, die Zahl unserer deutschen Untertanen im Bólyer Kreis, besonders in Bóly zu erhöhen, haben wir den Contract genau durchgesehen und bekräftigen ihn provisorisch, damit er von unseren Beamten angenommen und eingehalten werde:

  1. Nach jedem ganzen Anwesen (Besitz), und zwar nach Äckern, Wiesen und der Hauswirtschaft, zahle jeder jährlich 5 Gulden Pacht. Darüber hinaus 2 Halben Schmalz, 2 Hühner, 8 Eier und er ist auch verpflichtet, auf unseren Feldern einen Tag zu ernten,das Abgeerntete zusammenzusetzen, auch einen Tag zu mähen. Der Kleinhäusler zahlt 2 Gulden 30 Kreuzer, außerdem 1 Tafel Speck, 1 Huhn, 4 Eier, ist verpflichtet 1 Tag zu ernten, 1 Tag zu mähen.
  2. Solange das Herrschaftswirtshaus das Jahr hindurch offen ist, sind sie verpflichtet, aus dem Herrschaftskeller Wein hinzuliefern. Demgegenüber sind sie von „weiten Fuhren"befreit.
  3. Reist die gnädige Grundherrin jährlich nach Rohonc / Rechnitz, hat die Gemeinde die Pflicht, ihr 1 Gulden zu zahlen.
  4. Das Neuntel von Winter- und Sommerfrüchten, wie auch das kleine Neuntel von Lämmern, Ferkeln, Bienenkörben, Kukuruz, Linsen, Bohnen, Horn, Fell, Tabak, Kraut,Laubabfalle, Zwiebeln, müssen sie gleich wie die anderen Leibeigenen abliefern. Im Übrigen sind sie von den Arbeiten auf dem Feld und Weinberg befreit.
  5. Hinsichtlich dessen, daß dieser Bólyer Bezirk als kaiserlich-königliche Totation zur Siklóscher Burg, d.h. zum Zentrum der Güter gehört, können sie auch außergewöhnlich Robot leisten und zwar in dem Maße, wie es die übrigen Leibeigenen der Burg tun. Sie sollen bei unseren Bautätigkeiten, wie auch an anderen, außergewöhnlichen Arbeiten teilnehmen.

Endlich, wenn die Reihe an sie kommt, sind sie verpflichtet, Lóvösszen (= Roßknechte) zu stellen. Gegeben in Rechnitz am 29. August 1738. Witwe Adam Batthyány, geb. Gräfin Strattmani13.

Die Herrschaftsbeamten hielten aber diesen Vertrag nicht ein. Sie legten ihn nach den Interessen der Herrschaft, willkürlich aus. In den vierziger Jahren wurde er überhaupt nicht mehr beachtet. Den Siedlerbauern nahm man langsam immer mehr Felder weg, und errichtete darauf neue Meierhöfe und verlangte das Fünffache an Robot. Die Bohler wurden diesbezüglich ein wenig besser behandelt als die leibeigenen anderer zur Herrschaft gehörenden Dörfer. Allerdings mußten auch sie Mäharbeiten und Heufahren an unzähligen Tagen verrichten. Die eingenommenen Zehnteln mußten auch sie nach Mohács/Mohatsch fahren und bekamen die früher üblichen 10 Denare nach 2 Metzen Frucht ebenso nicht ausbezahlt wie die Leibeigenen anderer Dörfer.

So wuchs die Unzufriedenheit und am 15. September 1765 reichten die Untertanen der Herrschaft beim Herrenstuhl (= úriszék) eine Klageschrift ein. In erster Instanz wurde festgestellt, daß überhaupt kein legales Urbárium vorhanden sei. Der Kontrakt von Rohonc/Rechnitz, im Jahre 1738, habe nur fúr die Bohler Geltung gehabt. Im April 1766 wurde in zweiter Instanz das Urteil beim Komitat verkündet: Fast in allen Punkten wurden die Kläger abgewiesen. Die Verkündigung des Entscheids haben die anwesenden Leibeigenen mehrmals mit Zornausbrüchen gestört. Was nachher im Sommer noch geschah, kann man bei der Beschreibung des Dorfes Kiskassa nachlesen14.

 

Das Urbárium im Jahre 1767

Kaiserin Maria Theresia versuchte schon vom Jahre 1746 an das Los der Leibeigenen zu erleichtern, aber der ungarische Reichstag in Preßburg leistete Widerstand. Im Jahre 1765 verfugte sie dann in ihrer eigenen Machtvollkommenheit, ein Gutachten zur Reform der Urbarial Verhältnisse ausarbeiten zu lassen. Die Unruhen unter den Untertanen drängte dazu. Hofrat Anton von Brunswik unterrichtete aufgrund seiner Untersuchungen die Kaiserin darüber, daß sich die Lage des einfachen Bauernvolkes wirklich wesentlich verschlechtert habe. So arbeitete dann die ungarische Hofkanzlei im Auftrag der Kaiserin die Allgemeine Urbarialregulierung über die Pflichten der Hörigen gegenüber ihrer Grundherrschaft aus. Dieses Urbarial patent der Kaiserin für Ungarn wurde am 23. Januar 1767 rechtskräftig. Das Patent war in neun Punkte gegliedert und wurde in der jeweiligen Sprache der Untertanen veröffentlicht. Bei den Montenuovo'schen Akten ist fast für jedes Dorf das Original noch erhalten.

Németh beschreibt das Urbárium für Bohl auf den Seiten 95/104. Die Kaiserin meinte es gut mit dem Volk, aber die schriftlich versicherten Gesetze schützten das Volk nicht sehr lange. Die Herrschaften umgingen die Vorschriften und die Lasten drückten weiter das Bauernvolk - wenn auch nicht so schwer wie vor dem Urbarium. Es ist jedoch nicht zu leugnen, daß die Regelung einen gewissen Aufschwung in der Wirtschaft brachte, weil sich der Bauer jetzt auf sein Besitzrecht stützen konnten und so sein Anwesen besser bewirtschaftete. Die gänzliche Befreiung von der Hörigkeit konnte selbst Kaiser Joseph II. gegen den Widerstand der Reichstände nicht durchsetzen. Erst nach 1848/1849 erfüllte sich, wonach sich das Volk so sehr sehnte.

 

Bohl 1809

Unter den Montenuovo'sehen Akten befindet sich eine Beschreibung aller Dörfer der Herrschaft. Auch Németh geht auf S. 119 darauf ein. Diese Beschreibung hat folgenden Wortlaut:

„Bolly ist der größte deutsche Ort im Gebiet der Herrschaft; hier steht die prächtige Residenz (sie ist um das Jahr 1806 erbaut), hier wurden auch alle dazugehörenden Gebäulichkeiten errichtet: in erster Linie das 39 Klafter lange, 9 Kl. breite Granarium mit dem vierfachen Boden (Speicher). Dieses hat in der weiten Umgebung nicht seinesgleichen. Das zweite Granarium ist ein wenig kleiner, darunter befindet sich ein sehr brauchbarer Keller, um darin Wein aufzubewahren.

In diesem Ort sind auch die Wohnungen der Wirtschaftsbeamten, ausgenommen 2 Schaffnern (ispán), die in ihrem Kreis wohnen, um dort die Wirtschaft zu leiten.

Der Ort hat eine Kirche, ein Pfarrhaus, ein Schulhaus. All diese hat die Herrschaft erbauen lassen. Eine Kapelle zu Ehren des hl. Wendelin, die Statuen des hl. Johann v. Nepomuk und des hl. Florian, sind Zeichen der Frömmigkeit und des Eifers des Volkes.

Hinsichtlich der Bewohnerschaft wird der Ort auch Markt Bolly genannt, da hier vier Jahrmärkte abgehalten werden: am 6. Januar, 16. Mai, 25. Juli und 4. September, am Fest der hl. Drei Könige, des Johann v. Nepomuk, des hl. Apostels Jakobus und Maria Geburt. Am jeweiligen Tag davor, ist der Viehmarkt.

Darum sind hier auch zwei Wirtshäuser, das große und das kleine. Es sind hier 73 6/8 erstklassige Sessionen (= ganze Ansässigkeiten = ganze, Bauereien'), 128 Kleinhäusler (= behauste Einwohner') und 23 Bewohner ohne Hausbesitz. Die Fläche der Häuser mit Hof und Hofstellen machen 203 7/8 Joch aus.

 

Die Wiesen 527 4/8 Joch
die Äcker 3301 2/8 Joch
der Jungwald 568 6/8 Joch
die Hutweiden 282 5/8 Joch
Sumpf und Haine 1 4/8 Joch
  4885 5/8 Joch

 

Der Herrschaft gehören davon Wiesen im Wurzelgarten 55 1/8 Joch
Beim Kalwarienberg und Friedhof   27 Joch
Garten und Hof beim Granarium (Magazin) 178 5/8 Joch
  293 5/8 Joch

 

Im Ort sind auch 2 Ziegelöfen15."

„Session" bedeutet „Fronhof', Besitz, Anwesen eines Leibeigenen, eines Siedlerbauern. Das Anwesen besteht aus zwei Teilen: fundus intravillanus = der innere Hausgrund, das Hofland", dazu gehörte der Hausplatz, Hof, und Garten (Hofstelle). Die Größe dieses Grundstückes war etwa 1 Joch zu 1100-1200 Quadratklaftern. Dies ist eine Fläche, worauf man damals 2 Preßburger Metzen Frucht aussäte, „fundus extravillanus"=Felder, Wiesen, Wälder, Hutweiden außerhalb des Dorfes, eben in der Gemarkung des Dorfes. In Ungarn nannte man die Markung „Hotter". Ein Preßburger Metzen beinhaltet 62,5 1.

Die Bewertung der Felder geschah nach der Qualität des Bodens. Der Ertrag der Felder war in verschiedenen Landesteilen ungleich. Der Boden in der Baranya/Branau war gut, daher waren hier nur 3 Klassen. Von erstklassigen Feldern bestand eine Session aus 22, von zweitklassigen aus 24, von drittklassigen aus 26 Joch. Erstklassig war eine Wiese, wenn sie jährlich einmal auch Krummet mähen, bei drittklassigen überhaupt nicht. In der Baranya gehörten zu erstklassigen Äckern acht, zu zweiklassigen zehn, zu drittklassigen 12 Tagewerke Wiesen. „Tagewerk" bedeutet die Fläche, die von einem Arbeiter an einem Tag abgemäht werden konnte.

Der Untertan, der einen 1/8 oder mehr Ansässigkeit (= Bauernstelle) besaß, hieß Bauer oder Landwirt. Wer weniger als 1/8 Grund hatte aber ein Haus sein eigen nennen konnte, war ein „Inquilinus" = Kleinhäuler. Wer weder Haus noch Grund hatte, war ein „Subinquilinus" = Inwohner (in Miete Wohnender).

In Bohl gehörte zu einer Session 22 Joch Grund und 10 Tagewerk Wiesen. Es gab 1/4-ler, 2/4-ler, 3/4-ler und 4/4-ler Bauern. Daher waren die obengenannten 73 6/8 Sessionen auf kleinere und größere Bauereien verteilt. In der „Beschreibung 1809" sind verhältnismä­ßig viel Kleinhäusler verzeichnet, mit den Unbehausten fast die Hälfte der Bewohner. Dies ist so zu erklären, daß im Dorf von jeher viele Handwerker lebten. Da sie keine Bauernstellen besaßen, hat man sie in die Kategorie der „Kleinhäusler" eingestuft16. Schon in der Zeit der Josephinichen Volkszählung, im Jahre 1786, werden 1 Fleischhauer, 1 Bäcker, 3 Schmiede, 1 Tischler, 4 Faßbinder, 2 Schneider, 3 Schuhmacher, 2 Stiefelmacher, 3 Kürschner, 1 Gerber, 3 Maurer, 1 Tuchmacher, 3 Weber, 1 Drechsler und 2 Hafner verzeichnet. Bei der Volkszählung während der serbischen Besetzung 1920 wurden auch 846 Handwerker ausgewiesen17.

Im Jahre 1767 hatte man die Felder ohne jede Ordnung, nach Wunsch der damaligen Untertanen eingeteilt. 1813 wurde aber doch eine gewisse Ordnung geschaffen. Bei dieser Gelegenheit wurden 109 Bauern, 138 Kleinhäusler, 29 Unbehauste verzeichnet (bei Németh S. 125/129). Da aber auch nachher ein Bauer seine Felder in Streubesitz hatte, ließ die Gemeinde 1858 die Felder kommissieren. Die Bauern besaßen damals 3585,11, die Kleinhäusler 144,99 Joch. 1878 wurde die letzte Regelung des Feldbesitzes vorgrnommen. In der Liste sind 105 Bauern, 158 Kleinhäusler erwähnt (b. Németh S. 168/171).

 

Weiterentwicklung des Dorfes und der Gemeinde

Man kann es als natürlich ansehen, daß jene Gemeinde, welche Mittelpunkt der aus 26 Dörfern bestehenden Grundherrschaft war, den übrigen Ortschaften voraus war. Dies war auch der Grund dafür, daß die Landes- und Poststraße von Pécs nach Mohács durch Bohl führte, obwohl die Poststation in Szederhény/Surgetin lag und dies einen Abstecher bedeutete18.

Hier war der Herrenstuhl (= úriszék), wo in zivilen wie strafrechtlichen Angelegenheiten gerichtet wurde. Hier suchten die Bauern aus dem ganzen Herrschaftsgebiet in verschiedensten Streitfragen, in erster Instanz, ihr Recht. Da die Herrschaft auch das , jus gladii = Recht über Leben und Tod" hatte, verbüßten die Verurteilten ihre Strafe auch hier im Kerker.

Die Rechnungen sämtlicher Gemeinden wurden hier vorgelegt und überprüft, und dies bedeutete ständigen Verkehr Auswärtiger im Dorf. Auch die Steuergelder wurden da eingezogen, Neuntel und Zehntel der Abgaben hier abgeliefert. Richter (= Bürgermeister) und Gemeindevorstand wählten die Bewohner unter Aufsicht der Herrschaftsbeamten. So war der spätere „Kleinrichter (Klarichter)" eigentlich Diener der Herrschaft, der die verschiedenen Verordnungen an die Untertanen weiterleitete, Robote- und Zehentpflichten u. a. mehr, den Betreffenden meldete.

Die Verwaltung der Angelegenheiten von Minderjährigen gehörte auch zur Grundherrschaft. Ihr Vermögen, ihre Verlassenschaften, und Erbschaften wurden ebenfalls in Evidenz gehalten. Dies geschah ehrlich und mit Umsicht. Beweis dafür ist z.B. die Erbschaft des 5jährigen Klemens Thanner. Der Vater des Kindes, Martin Thanner19, ist 1815 in Bohl, die Großeltern väterlicherseits aber in Sibratzhofen im Oberallgäu/Bayern, gestorben. Dem Jungen stand eine Erbschaft zu. Die Verhandlungen verzögerten sich wohl von 1819 bis 1829, aber die dem Kinde zustehende Summe von 787 Gulden 57 Kreuzer ist in drei Raten angekommen und der Witwe ausbezahlt worden20.

Wie oben schon erwähnt, waren die Untertanen den Herrschaftsbeamten ausgeliefert und konnten beim Komitat, als zweite Instanz, auch nicht viel Unterstützung erhoffen. Trotzdem wäre es Unrecht, den Beamten das Wohlwollen auch in dieser sogenannten „feudalen Zeit" abzusprechen. Auch für das Gesundheitswesen hatte man manches getan. Schon in der Namensliste vom Jahre 1752 ist ein Chirurg, namens Christoph Gebhart, verzeichnet. 1840 ist der Name des Arztes Posa bekannt. Es werden auch andere gewesen sein, wenn wir die Namen auch vorläufig nicht kennen. Zur Unterstützung dieser Ärzte sorgte die Herrschaft für eine Apotheke. Der Plan wurde 1838 vom Komitat gutgeheißen und die Sorgen für die Anstellung des Apothekers der Herrschaft überlassen. Michael Hardy war der erste Apotheker, dem sein Schwiegersohn, Vinzenz Schröder, dann Alois Simon, Laurenz Csernyanszky nachfolgte. Letzterer verkaufte die Apotheke 1862 an Ludwig Eöry. Im Besitz der Familie Eöry verblieb sie bis zur Verstaatlichung nach dem zweiten Weltkrieg, (bei Németh 151/152)

Während der Geschehnisse in den Jahren 1848/49 „war Németh-Bóly sowohl der Komitatsbehörde als auch der Herrschaft gegenüber eine der geordnetsten und ruhigsten Gemeinde..." Ohne Schwierigkeiten ging aber auch diese stürmische Zeit nicht vorüber. Der Schuhmacher Werli, gebürtig aus Bohl und in Fünfkirchen wohnhaft, kam am 14. Juni 1849 in sein Heimatsdorf und forderte seine Landsleute auf, am Landsturm teilzunehmen. Der Vorstand der Gemeinde verhielt sich in dieser Sache passiv. Er berief für den anderen Tag eine Großversammlung ein, sorgte aber gleichzeitig dafür, daß diese nicht stattfinden konnte. So nahm niemand am Landsturm teil. Da aber Werli ein Bohler war, wurde die Gemeinde nachher doch beschuldigt am Landsturm teilgenommen zu haben. Als Strafe mußte die Gemeinde 51 Pferde stellen und 124 Eimer Wein abliefern. Man strengte um eine Vergütung einen Prozeß an, der bis 1870 andauerte, aber erfolglos blieb, (b. Németh 152/158

Weil der Herrenstuhl seinen Sitz 150 Jahre hindurch in Bohl hatte und weil man nach der sogenannten Bachepoche (1850/1860) bestrebt war, in der Verwaltung gewissermaßen die früheren Verhältnisse herzustellen, kam es dazu, daß in Bohl 1861 ein Stuhlrichteramt eingerichtet wurde. Der Oberstuhlrichter saß in Baranyavár und einer der Stuhlrichter wohnte und hatte sein Amt in Bohl. Dieser Ausnahmezustand hatte 1871 ein Ende. Die Gemeinde machte vergeblich Versuche dieses Amt hier zu behalten, (bei Németh 171/173).

In der sogenannten Bachära herrschte ein strenges Regiment im Lande. Als „Hüter der Ordnung" erschien im Sommer 1850 in der Baranya/Branau die Gendarmerie. Bohl wurde auch zu einem Stützpunkt erklärt. Der Ortsvorstand mußte ein Haus für 3-4 Mann zur Verfügung stellen, und auch für Heizung und Licht sorgen. Die Gemeinde tat, was sie konnte, doch zeigte sich bei der Mannschaft anfangs Unzufriedenheit21.

Der wirtschaftliche Fortschritt nach 1848/49 zeigte sich auch in der Errichtung eines Postamtes am 27. Mai 1856. Erster Postmeister war Johann Schippert. Der Verkehr im ersten Monat machte kaum bescheidene 6 Gulden aus. Im Jahre 1900 aber schon 30-40 000. Ein Telegraphenamt wurde 1881 auf Anregung des stellvertretenden Ortsrichters, Alois Maul, eingerichtet. Die Telegraphenstangen schenkte die Herrschaft dazu (b. Németh 160/161). Obgleich die Herrschaft mit ihren verschiedenen Ortsverwaltern eine private Telefonverbindung besaß, bekam die Gemeinde erst 1912 diese notwendige Einrichtung22.

Über die Anwesenheit von Militär bekommen wir die erste Nachricht aus dem 18. Jahrhundert. Graf Bellrub kommandierte 1766 und Johann Rittmann, evangelischer Religion, trat im Beisein seiner Kameraden und dem Kommandanten in diesem Jahr feierlich in die katholische Kirche zurück. 1791 waren 15 Offiziere aus dem Regiment Leopold-Toscana bei der kirchlichen Einführung des Pfarrers Johann Klojber anwe­send23. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jhs., in der Zeit des Grundherrn Johann Baptist Batthyány, sind Anzeichen dafür da, aber regelmäßig hatten vom Jahre 1850 Ulanen im Ort Quartier, 1860 Kürassiere. Segensreich war diese Anwesenheit nicht und viele Klagen wurden laut. 1875 waren es Husaren des 7. Regimentes, die Mädchen aus dem Dorf auf den Gassen belästigten. Ortsansässige ließen sich dies nicht gefallen und es kam zur „Schlacht vom 20. Jänner 1875". In dieser Zeit - wie auch in anderen größeren Gemeinden - hatte Bohl einen „Schützen-Verein", der eigentlich die Funktion einer „Bürgerwache" erfüllte. Nach dem erwähnten Zusammenstoß zwischen Soldaten und Bewohnern, wurde der Schützenverein von der Obrigkeit aufgelöst, (b. Németh 177-182).

Vom Notar im 18. Jahrhundert ist nichts bekannt. 1812 wird vom Ableben des Kreisnotars, Franz Skalka, berichtet. Zum Kreisnotariat Bohl gehörten die Dörfer Borjád, Pócsa und seit 1874 auch Rácz-Töttös. Nachfolger von Skalka war Franz Wall. Nach diesem kam im Jahre 1829 Ignaz Szombathelyi, der bis 1874, 44 Jahre lang diese Stelle versah. Sein Sohn Joseph Szombathelyi bekleidete dieses Amt bis 1889. Ihm folgte Desider Teleki (Trixler). Unter Teleki wurde Bohl im Jahre 1900 Großgemeinde. Johann Schippert löste Teleki 1931 ab. Letzter Notar war Martin Hirmann, ein gebürtiger Bohler. Dazu wäre zu bemerken, echter Vertreter einer Gemeinde war eigentlich und rechtlich der (Orts-)Richter (= Bürgermeister), der Notar war die führende Persönlichkeit der Verwaltung.

Zum wirtschaftlichen Aufstieg der Gemeinde trug wesentlich auch die Weinwirtschaft bei. Obwohl die Gemeinde 1796 schon die zwei Hügel „Tokajer Weingärten" genannt, mit Reben anpflanzte, verweigerte die Herrschaft ihre Zustimmung. Erst 1809 erlaubte dies Johann Baptist Batthyány. Er verband aber damit eine Bedingung: Die Besitzer waren verpflichtet, jeden 6., nicht jeden 10. Eimer Wein der Herrschaft abzuliefern, d.h. nicht ein „Zehntel", sondern ein „Sechstel" zu zahlen, (b. Németh 118). Diese Last drückte die Eigentümer bis 1864. Dann wurden die Weinberge des Marienbergs und Tukars vom Sechstel durch Zahlung einer gewissen Summe abgelöst (b. Németh 173/174). Inzwischen kauften die Bohler Bauern, besonders in der Nachbargemeinde Versend, einen schönen Teil der Gemarkung auf und pflanzten Weingärten. Unweit von Bohl wurden dann die vielen schönen Preßhäuser, sozusagen ein zweites Dorf, erbaut. Wenn diese auch nicht unter Denkmalschutz stehen, wie jene in Palkonya/Balkan, sind sie vielsagende Zeugen eines gewissen Wohlstandes.

Der Fleiß auf den Äckern und in den Weinbergen, sowie in den vielen Werkstätten, gepaart mit der sprichwörtlichen (vielleicht auch übertriebenen) Sparsamkeit, führten 1873 zur Gründung des „Németh-Bólyer Aushilfsverein auf Gegenseitigkeit, als Genossen­schaft" (b. Németh 222/224), der bis Ende des 2. Weltkrieges bestand.

Die Vernichtung der Weinbergkulturen durch die Reblaus in den Jahren 1889-91 bedeutete eine sehr spürbare wirtschaftliche Einbuße für die Bauern. Bis man wieder neue Reben anpflanzte, mußte man sich um eine andere Einkommensquelle kümmern. Man verlegte sich auf die Milchproduktion; dies führte wieder 1896 zur Gründung einer Milchgenossenschaft, (b. Németh 240/43). In den zwanziger Jahren hatte Joseph Mennel die „Milchhalle". 1935 gründete Adam Keszler im sogen. „Gamos-Haus" seine Molkerei. Aus 35 Dörfern wurde hier bis zur Verstaatlichung im Jahre 1949 die Milch verarbeitet. Die Firma beschäftigte 70-75 Arbeiter. Zusätzlich war auch eine Schweinemästerei mit dem Betrieb verbunden24. In dieser Zeit war auch ein zweites, ähnliches Unternehmen, „die Käserei" der Herrschaft in Betrieb, die die Milch der Herrschaft verarbeitete und einen dem berühmten Roquefort ähnlichen Käse erzeugte.

Hier soll kurz von den schönen Erlebnissen in der Viehzucht und dem Handwerk Erwähnung gemacht werden. Mehrere Bauern, u.a. Franz Trischler, Franz Kresz, Valentin Fögler, Adam und Josef Göller, Gregor und Josef Kluch nahmen mehrmals an der Landwirtschafts-Ausstellung in Budapest teil. Dort erreichte z.B. die Milchkuh von Adam Göller den 3. Platz in der Bewertung „beste milchgebende Kuh Ungarns im Bereich der Kleinlandwirte zu sein". Der Faßbindermeister Anton Dlusztus bekam 1907 bei der Industrie- und Landwirtschafts-Ausstellung in Fünfkirchen, und bei der Erinnerungs-Ausstellung ,400 Jahre Schlacht bei Mohatsch'je eine Silbermedaille25.

Einen gewissen Anteil am Aufstieg der Wirtschaft hatten auch die ansässigen Juden, besonders im kaufmännischen Bereich. Die Bohler Juden bildeten den Kern des „Chevra Kadischa = heiligen Vereines". Dieser Verein legte den zweiten jüdischen Friedhof im Komitat an, in dem die Juden der ganzen Umgebung beerdigt wurden, (b. Németh 110/113). In der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatten sie sogar eine eigene Schule26.

 

Wichtige Gebäude

Nach Papanek hatte die Familie Batthyány schon 1701 ein „Landhaus". Es wird vielleicht jenes sein, das Franz Somogyi in seiner Beschreibung i.J. 1709 erwähnt. Es soll dort auch ein Jagdschloß gestanden haben26. Näheres ist darüber nicht bekannt. Für die Wirtschaftsbeamten müssen allerdings Wohnungen vorhanden gewesen sein und auch irgend ein größerer Raum, wo der erste Pfarrer den Gottesdienst gehalten hat. Ohne Zweifel werden diese Gebäude dort gestanden haben, wo später die heute noch stehenden Herrschaftshäuser sind.

Das „Schloß" ist um das Jahr 1806 errichtet worden. Diese Residenz ist von außen ziemlich einfach, im Innern ist es aber fürstlich gewesen. Etwa 36 verschiedene „Salons, Zimmer und andere Lokalitäten" mit Marmorkaminen, Gemälden und kostbaren Einrichtungen, waren eine Augenweide für den Besucher. Eine Besonderheit stellten jene Möbel dar, die einst Kaiser Napoleon gehörten, die seine Witwe Maria Luise durch ihre Ehe in die Familie Montenuovo gebracht hat. Durch ihren Sohn, Fürst Wilhelm Montenuovo, der Juliana Batthyány heiratete, kamen die Möbel in das Schloß von Bohl. Unser Landsmann Franz Heil hatte sie als „Herrschaftstischler" speziell zu pflegen. Nach dem 2. Weltkrieg kamen sie in das Museum der Stadt Szekszárd. Das Schloß ist nach dem Krieg in ein Spital für behinderte Kinder umgebaut worden. Westlich, bzw. hinter dem Schloß, wurde 1809 ein 27 Joch großer Park planmäßig angelegt. Heute steht er als „Volkspark" und „Arboretum" für alle offen. Der Schloßhof ist von der Promenade durch einen tiefen Graben und einer Brüstung abgegrenzt.

Sehr bemerkenswert ist auch das Mausoleum, die Grabstätte der fürstlichen Familie27. Es ist in neugotischem Stil gehalten und steht an der nördlichen Ecke des Friedhofes. Geplant und ausgeführt wurde es von dem Architekten G. C. Kaiser, in den Jahren 1879— 1894. Die schönste Zierde des Baues ist das auf vier Marmorsäulen ruhende, in das Innere führende Portal. Um seinem Zweck besser entsprechen zu können, ist es im Inneren nach romanischer Bauweise gestaltet. Im Portikum trägt eine einzige Granitsäule die ganze Last des riesigen Chores, der Galerie und des Kuppelgewölbes. „Es dürfte wohl eines der schönsten Bauwerke dieser Art in ganz Ungarn sein27!" Heute dient es der Gemeinde als Leichenhalle.

Das Pfarrhaus wurde (1756), die katholische Elementarschule (1870, 1901), das „Hotel Elisabeth" (als „Großes Wirtshaus" stand es schon 1803) mit dem Feuerwehrhaus (1903), das Haus des Gesellen- und des Jünglingsvereins die Dampfmühle (1912), (1915 abgebrannt und im selben Jahr neu aufgebaut), das Gemeindehaus (1907), das Eckhaus des Aushilfsvereins, das Heldendenkmal (1922), der Wasserturm in den 20er Jahren prägten das Bild des Dorfes. In den 30er Jahren wurde die Langgasse neu geordnet und Grünanlagen angelegt. Der Verkehr wurde soweit wie möglich auf die Straße verlegt. Gehsteige („Pflaster" genannt) bestanden schon vorher, aber die Fahrstraßen bekamen jetzt ein festes Fundament, und so ist das Erscheinungsbild des ganzen Dorfes schöner geworden.

In den Jahren 1923/24 baute die Herrschaft von der Békáspuszta bis zur Bahnstation eine „Pferdebahn283". Die Gemeinde hatte daraus keinen Nutzen, auch trug sie nicht besonders zur Verschönerung des Dorfes bei, aber rückblickend ist auch sie ein interessanter Farbfleck im Erinnerungsbild.

Nach dem 2. Weltkrieg ist das Dorf viel größer geworden, die sogenannten „Hatländer" wurden ganz zugebaut.

 

Die Pfarrei und die Kirche

Was die Pfarrei anbelangt, ist in Bohl vielleicht eine alleinstehende Merkwürdigkeit festzustellen. Als Filiale standen die Gläubigen unter Obhut des Pfarrers von Nagynyárád/Großnarad. Noch bevor im Ort eine Kirche stand, wurde 1744 die Pfarrei errichtet. Als Filialen wurden angeschlossen: Kisbudmér/Kleinbuttmer, Nagybudmér/ Großbuttmer, Borjád, Rácz-Töttös, Jakabfalva. Dies wird höchstwahrscheinlich auf Wunsch der Herrschaftsbeamten und mit den weiteren Plänen, die man mit Bohl als Mittelpunkt der Herrschaft vorhatte, geschehen sein. Die Kirchenbücher beginnen mit dem Gründungsjahr 1744, vorherige Eintragungen sind entweder in Nagynyárád, oder in Babarc zu finden.

Bezüglich des Ortes, wo der erste Pfarrer, Andreas Schronz, den Gottesdienst gehalten hat, sind wir auf Vermutungen angewiesen. Hätte die Herrschaft diesbezüglich vorher keine Zusicherung gemacht, hätte der Bischof der Gründung einer Pfarrei überhaupt nicht zugestimmt.

Es muß ein Ort gewesen sein, den man „Kapelle" nannte. Diese Kapelle muß im „Haus der Herrschaft" gewesen sein. Sie muß dort gewesen sein, wo (wie oben schon erwähnt) die Raizen Wache standen, wo einer der Räuber Wache hielt, der sich im Gespräch mit Pfarrer Schronz darauf beruft, ihn dort „getroffen zu haben". Wir irren nicht, wenn wir annehmen, das Haus der Herrschaft habe dort gestanden, wo später das Schloß erbaut wurde.

Die Kirche ist zwei Jahre später, 174629 unter den Grundherrn Karl Graf Batthyány „aus festem Material" errichtet, wozu die Untertanen mit ihren Fuhrwerken und Arbeitsleistun­gen beigetragen haben. Das Kirchenschiff ist 16 Klafter 3 Schuh lang, 7 Klafter breit, das Sanktuarium (= Altarraum) ist 5 Klafter lang, 4 Klafter breit. Das Kirchengebäude, wie man es heute sieht, ist wohl dasselbe wie im 18. Jh., aber im Inneren sind so manche Veränderungen vorgenommen worden.

Anfangs standen 5 Altäre in der Kirche: Der Hochaltar zu Ehren des hl. Johann von Nepomuk, die Seitenaltäre zu Ehren des hl. Königs Stephanus, des hl. Königs Ladislaus, Maria Schnee und des sterbenden hl. Josephs geweiht, (so ist es zu lesen bei Pfarrer Senger in seiner Chronik und auch in den Visitationsakten 1757). 1783 waren die Titel der Seitenaltäre: hl. Kreuz, Maria, der hl. Joseph und König Stephanus. 1810 waren nur noch 2 Seitenaltäre: dem hl. Kreuz und der Mutter Gottes Maria gewidmet. Bei dieser Gelegenheit wird auch das Kapellchen neben dem Haupteingang mit einem Altar der Schmerzhaften Mutter Gottes Maria erwähnt. Dieses Kapellchen diente auch dem Heiliggrab, das aber schon 1757 bei den Kirchengerätschaften aufgezählt wurde. Der Hochaltar war ursprünglich aus Holz und darüber das große Gemälde des hl. Johannes von Nepomu, als Altarbild. 1853 wurde der heute noch stehende Marmoraltar aufgestellt. Darauf ist ein sehr schöner Tabernakel, dessen Tür aus Messing eine Aufschrift trägt. Der Text ist mir aber verloren gegangen. Auf der Tür ist die Ölbergsszene dargestellt.

Über die Kirche schreibt Pfarrer Senger 1756: „Das Schiff und der Altarraum ist gewölbt wie auch die Sakristei. Die Kirche hat ein Ziegeldach. Der obere Teil des Turmes ist aus Holz gefertigt, mit roten Schindeln gedeckt, (darunter war auch bis in die 50er Jahre unseres Jahrhunderts, der Turm immer rot gestrichen!) daraufsteht ein spanisches Kreuz aus weißem Blech. Die Kirche hat bisher weder eine Orgel oder eine Turmuhr, noch eine Gruft... 1754 schenkte Graf Karl Batthyány der Kirche eine Reliquie des hl. Johann von Nepomuk, die in einem fein ausgearbeitetem silbernen Behälter enthalten ist und am Fest des Heiligen dem Volk zum Kuß gereicht wird30.

Pfarrer Senger zählt noch eine Menge Geräte, teure Paramente und Bücher auf, die der Patronatsherr der Kirche geschenkt hat, von denen bis heute noch manches vorhanden ist.

Im Turm hängen 5 Glocken: Eine wiegt 447 Pfund (1800 gegossen), eine andere 337 Pfund (1810 geg.), die dritte 210 Pfund (1780 geg.). Von der fünften, der kleinsten, spricht schon Pfarrer Senger 1756: „Im Turm hängt ein Glöcklein, das 50 Pfund wiegt. Deutsche, die vor den Türken aus Deliblatt im Banat geflüchtet sind, brachten es mit3I." Am 24. Juli 1889 war ein so heftiger Sturm, der den Turm einfach niederriß32. Die Kirche hatte im 18. Jh. eine bei Prozessionen tragbare Marienstatue und - was damals eine Seltenheit war -eine Weihnachtskrippe mit einigen Figuren, wie dies ebenfalls in der Chronik Sengers zu lesen ist.

Von Kirchenbänken aus hartem Holz wird wohl erst bei der Visitation 1829 gesprochen. Es ist aber sicher, daß diese schon nach Fertigstellung des Baues vorhanden waren. Von der Empore wird ebenfalls im Protokoll 1829 berichtet: „Die Kirche hat auch einen Chor, er ist ziemlich geräumig aber sehr hoch." Dies besagt wahrscheinlich, der „kleine Chor" war 1829 noch nicht errichtet. Weil die Kirche im selben Protokoll „gemessen an der Zahl der Gläubigen" als zu klein geschildert wird, ist dann die untere Empore - um Abhilfe zu schaffen - erst nachher entstanden. Bis 1810 standen in der Kirche keine Beichtstühle, die Beichten wurden in der Sakristei, bzw. bei großer Kälte, in einem Zimmer des Pfarrhauses abgenommen. Die Anordnung des Bischofs wurde wie 1829 ersichtlich ist, durchgeführt. 1770 ließen die Gläubigen zu Ehren des hl. Viehpatrones Wendelin, eine Kapelle bauen. Bischof Georg Klimo verordnete die Änderung des Titels, da nach seiner Auffassung des hl. Wendelin im römischen Martyreologium nicht verzeichnet sei. So hängt über dem Altar das Bild des hl. Valentin, aber bis zum heutigen Tag ist es eine „Wendelini-Kapelle" und in Bohl wird an diesem Tag die „Herbstkirmes" gefeiert. 1821 wurden die 14 Stationen am Kalvarienberg33 aufgestellt, und 1843 die Kapelle zur Ehre der Auferstehung Christi, erbaut. Auf der Békás-Puszta ließ der Fürst zu Ehren des hl. Joseph 1893 eine Kapelle erstellen, worin monatlich einmal für die Dienserschaft eine hl. Messe gehalten wurde. Im Dorf hat der hl. Johann von Nepomuk zwei Statuen: eine in der Nische an der südlichen Kirchenmauer (diese stammt aus dem Jahre 1762), eine zweite an der Straße gegen Szederkény/Surgetin. Die Statue des hl. Florian, aus dem Jahre 1781, steht neben dem Weg nach Borjád. Die hl. Thekla hatte am Weg nach Nagynyárád auch eine Statue, eine Stiftung des Landwirtes Adam Göller, die nicht mehr vorhanden ist. Als besonders wertvoll muß die Dreifaltigkeitsstatue bezeichnet werden. Die Statue selbst ruht auf drei hohen Marmorsäulen. Diese Statue und jene am Weg nach Szederkény, sind Werke des berühmten Professors Fischer in Wien35. Im Dorf selbst und in der Gemarkung sind mehrere Flurkreuze aus Stein zu sehen.

 

Verlauf des Gottesdienstes in früheren Jahren

In früheren Zeiten, bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts, wurde die Predigt vor dem Gottesdienst gehalten. Nach der Predigt - solange sich der Priester zur hl. Messe ankleidete - beteten die Gläubigen mit dem Kantor das lange „Glaube-Hoffnung-Liebe"-Gebet und noch einige Vater unser, nach besonderen Meinungen. Dann begann das Hochamt. An größeren Festtagen war dies sehr feierlich: Die Gesänge wurden mit der sogen. „Figuralmusik" begleitet. Figuralmusik bedeutet Instrumentalmusik. Auch in unserer Kirche war es so. 1804 wurden für die Musik in der Kirche zwei Blashörner, 4 Trompeten, 2 Trommeln, 2 Klarinetten für 135 Gulden angeschafft36. Diese Instrumente sind auch im Protokoll 1829 erwähnt: Auf der Empore stand ein Schrank, worin die Instrumente und die Noten aufbewahrt wurden. Nach 1850 wurde diese Art Musikbeglei­tung langsam abgeschafft. Der Kantor mußte auf andere Weise den Gesang feierlicher gestalten und so kam es 1881 zur Gründung eines Gesangsvereins (= Dalárda).

 

Die Besoldung des Pfarrers

Pfarrer Senger notiert auch die Einkünfte des Pfarrers und sagt: „Die Pfarrei hat weder Äcker, Wiesen oder Weingarten. Die Gemeinde überließ aber gleich im Gründungsjahr dem Seelsorger ein Stück Feld, worauf man zwei Metzen Herbstfrucht, einen anderen, worauf man ebensoviel Frühjahrsfrucht anbauen konnte. Aber diese Felder liegen am Rande der Gemarkung unmittelbar neben dem Wald, daher sind sie ständig von Wildschaden bedroht. Den Samen zum Anbau stellt der Pfarrer, die Arbeiten verrichtet die Gemeinde.

Von jedem Ehepaar mit einer Wirtschaft erhält er 1/2 Killa36 Weizen (aber sehr minderwertigen, den man nur zu einem Spottpreis verkaufen kann) und 5 Kreuzer Bargeld. Da im Ort kein Weinberg ist, wir der Wein mit 25 Denaren abgelöst. Von jedem Haus bekommt er auch ein Hähnchen.

Von den Alten, die die Wirtschaft den Kindern übergeben haben, die sich aber einen gewissen Teil als Lebensunterhalt zurückbehielten, bekommt er die Hälfte, aber kein Hähnchen. Von Witwen gar nichts. Die Stolgebühren sind wie in anderen Pfarreien: Begräbnis von Erwachsenen 50 Denare, von Kindern 25 Denare. Nach einem Requiem 15 Kreuzer. Bisher (1756) habe ich noch keine einzige feierliche (d.h. während eines Hochamtes) Trauung gehabt. Nach einer einfachen Trauung beträgt das Stipendium 30 Kreuzer. Die Gemeinde lierfert mit einigen Wagen 5 Fuhren Heu, die Menge von Brennholz ist nicht festgesetzt. Zum Kirchweihfest erhalte ich von der Gemeinde 4 Gulden, aber diese Summe reicht kaum für die Knechte der ankommenden Gäste aus...." Bei der Visitation 1757 wurden dann 40 Klafter Brennholz vorgeschrieben.

Bei der Regelung der Felder, im Jahre 1813, wurde für die Pfarrerpfründe 22 Joch Äcker, 8 Tagewerk Wiesen gesichert; im übrigen ist kaum eine Änderung geschehen. Bei der Visitation 1829 wurde der Pfarrlohn detailliert aufgezählt und diese Vorschrift hatte Gültigkeit bis etwa in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts. Da das Einbringen von Weizen und Wein mit manchen Schwierigkeiten verbunden war, haben sich die meisten Pfarrer mit der Gemeinde auf Barzahlung geeinigt. Die Summe wurde vom Steueramt ausgeschlagen, eingesammelt und dem Pfarrer ausgezahlt. Die Pfarrpfründe von Bohl gehörten zu den besseren. Daher hat sich Bischof Georg symbolisch so ausgedrückt: „Splendidam habet sponsam = er hat eine herrliche Braut38.

 

Charakterisierung der Gläubigen in den Visitationsakten

Im Jahre 1783 heißt es: „Die Haltung des Volkes zur Religion ist lobenswert. Es nimmt fleißig an den Gottesdiensten teil, alle Gläubigen verrichten die Ostern. Manche beichten jährlich auch mehrmal - Mißbräuche und Ausschweifungen kommen nicht vor. Im Winter treffen sich die Mädchen in der Spinnstube. Auch die Burschen sind dabei. Der Pfarrer ist bestrebt, diesen Brauch zu unterbinden. - Ein Bewohner, namens Michael Czener ist wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Bessert er sich nicht, soll man ihn bei den Herrschaftsbeamten oder beim Oberstuhlrichter anklagen. Die Gläubigen ehren ihren Seelsorger und leisten ihre Schuldigkeiten prompt."

1810: „Kein einziger ist vom Glauben abgefallen, es gibt auch keine Mischehe. Die Gläubigen kommen den Vorschriften der Religion gut nach. Der Glaubensgeist ist im großen und ganzen lobenswert. Daher der fleißige Besuch der Gottesdienste und die gewissenhafte Verrichtung der Osterpfüchten. Manche empfangen auch mehrmals jährlich die Sakramente. Gesellen, die nicht auswärts wohnen, kommen Sonntag nachmittags fleißig zur Katechese. Das Pfarrvolk ehrt seinen Seelsorger. In der Fastenzeit werden Fleischspeisen gemieden, dies auch bei den Herrschaftsbeamten. - Öffentliche Sünder, Flucher, gibt es nicht. Aber die übertriebene Tanzgewohnheit an Sonntagen bis 12-1, 2 Uhr ist anzuklagen. Es ist ja auch ein Verstoß gegen die königlichen Verordnungen. Der Pfarrer versucht umsonst dagegen anzugehen." Die Verordnung des Bischofs lautete: „Der Pfarrer soll es bei der Herrschaft melden, daß man es von dorther verhindert." Dieselbe Klage kann man auch im Protokoll vom Jahre 1829 wiederfinden. Auch später wird darüber Klage geführt: „Die Tanzunterhaltungen blühen mit Einverständnis der Erwachsenen und damit ist die Gefahr vorhanden, daß die Sittlichkeit untergraben werde" - bemerken die Missionare bei der Volksmission 189138.

 

Die Blütezeit in der Pfarrgemeinde

Wenn über Bóly/Bohl gesagt wurde: „die brave Gemeinde Németbóly39" und „ die Mustergemeinde Németboly41", dann gilt dieses Lob jener Epoche, die in den 80er Jahren des 19. Jh. ihren Anfang nahm. Parallel mit dem wirtschaftlichen Aufschwung trachtete man damals auch seelisch-geistig Schritt zu halten. 1882 kamen die Barmherzigen Schwestern, die die Bewohner schon von Kindheit an formten. 1887 bekam die Schule ihren katholischen Charakter zurück. 1889 wurde der Gesellenverein, 1890 der Jünglingsverein ins Leben gerufen. Im selben Jahr der katholische Leseverein für die Bauern errichtet, 1889 eine Volksküche eingerichtet. Pfarrer Joseph Streicher war die treibende Kraft. Er stellte ein Wallfahrtsbüchlein zusammen. 1896 gab er das Gebetbuch für „die liebe Schuljugend", den „Schutzengel", heraus. Dieses Gesang- und Gebetbuch erreichte bis 1937 elf Auflagen.

Sein Nachfolger, Kamill Plank, war ein sozial fühlender Geistlicher. Sein Wahlspruch lautete: „Ich heiße Plank und will auch plank bleiben." Er setzte die Arbeit seines Vorgängers fort. Es kam zur Gründung des Leichenvereines (1910). Das war auch eine soziale Einrichtung, da die Mitglieder nach Einzahlungen kleiner Beträge bei jeder Beerdigung eines verstorbenen Mitgliedes, eine ansehnliche Beihilfe für die Begräbnisko­sten erhielt. In seine Amtszeit fiel auch die serbische Besetzung nach dem 1. Weltkrieg und dies erschwerte so manche seelsorgliche Arbeit.

Ihm folgte Pfarrer Joseph Bok. Er versuchte es mit einem modernen Mittel in der Seelsorge und gab das „Németbólyer Kirchenblatt" heraus42. Darin waren volkstümliche Artikel in deutscher und ungarischer Sprache zu lesen. Das Blättchen lebte aber nur 1928/1929, zwei Jahre lang. In derselben Zeit sammelte er mit Hilfe der Klosterschwestern jene Kirchenlieder, die in den verschiedenen Landesteilen in deutscher Sprache gesungen wurden. Daraus entstand das Gebet- und Gesangbuch „Rosengarten der ewigen Liebe." Das Buch erreichte 3 Auflagen und hatte eine weite Verbreitung auch in anderen Bistümern. Zu den Melodien schrieb Eduard Jaksch, Domorganist zu Pécs, die Orgelbegleitung, die 1930 erschienen ist43.

In der Kirchengemeinde herrschte ein reges religiöses Leben, das in den 40er Jahren aus verschiedenen Gründen leider schwer gestört wurde.

 

Die Pfarrer

Andreas Schronz (1744-48); Karl Spitzer (1764-73); Franz Sturm (1773-82); Michael Taucher (1782-91); Johann Bapt. Klojber(1791-1834); Melchior Baumholzer( 1834-56); Alexius Kubinyi (1856-87); Josef Streicher (1887-98); Kamill Plank (1898-1924); Josef Bok (1924-47); Josef Eberhard (1947-68); István Pataki (1968-70); Josef Regért (1970-79); Gustav Funk (1979-).

 

Aus Bohl stammen folgende Priester:

Johann Glatz, geb. 1797, gest. als Pfarrer von Olasz 1861

Philipp Koch, geb. 1797, gest. 1863 in Fünfkirchen

Karl Ferdinand Székely(Szajkora), Zisterzienser 1849-1942

Franz Hoffmeister, geb. 1863, gest. 1921 als Pfarrer von Olasz

Karl Müller, geb. 1877, gest. 1918 als Pfarrer von Laschkafeld

Johann Tihányi(Tisztl), geb. 1881, gest. als Abtpfarrer von Mohács

Franz Naray, geb. 1903, gest. 1937

Dr. Franz Galambos-Göller, geb. 1917, z.Z. Pfarrer im Kloster Schönach bei Strütt

Johann Dlustusch, Salesianer. geb. 1919, lebt z.Z. in Koblenz

István Eöry, Jesuit, geb. 1929, lebt z.Z. in Frankreich

Julius Lajos ist 1877 in Villány geboren, hielt seine Primiz in Bohl, ist 1955 als Großpropst

in Fünfkirchen gestorben

Franz Hahot(Hemrich) ist in Mohács 1908 geboren, hielt sich während seines Studiums

bei seinem Onkel Josef Herresbacher in Bohl auf, hielt hier auch seine Primiz

Georg Sarlos(Schubert), geb. 1912 in Fünfkirchen, hält sich nach seiner in Bohl gebürtigen

Mutter für einen Bohler

Franz Josef Heil, geb. 1934 in Bohl, ist Oberstudienrat und dient nebenamtlich als Diakon

in der Pfarrei Bad Schwalbach.

 

Heimkehr

Heimatdorf, seit Jugendtagen

Bist du meiner Sehnsucht Ziel.

Nirgends fand ich meine Stätte,

Wo es besser mir gefiel.

 

Heimgekehrt, erkenn' ich wieder

Jedes Haus und jeden Baum,

Denn durch deine stillen Gassen

Ging ich Nacht für Nacht im Traum.

 

Eh ich dich, mein Dorf betrete,

Kehr' ich in den Friedhof ein.

Schon verwittert sind die Namen

Meiner Ahnen auf dem Stein.

 

Bei der Kreuzung vor der Kirche

Bleib' ich eine Weile steh 'n;

Fiel mir einst der Abschied schwerer

Oder jetzt das Wiederseh'n?

 

Endlich bin ich vor dem Hause,

Wo mir jeder Raum vertraut,

Das ich immerfort im Geiste,

Wenn auch fern von hier, geschaut.

Bebend steh' ich vor dem Eingang,

Zaghaft öffne ich das Tor.

Längst entschwund'ne Traumgestalten

Treten aus dem Haus hervor.

 

Wetterschief steht noch der Brunnen

Und das Flurhaus, weinumrankt.

Vaterhaus, du leidgeprüftes,

Wie hab' ich um dich gebangt!

 

Daß ich dich nochmal gesehen,

Ist meines Lebens höchstes Glück.

Was du mir einst mitgegeben,

Leg' ich dir mit Dank zurück.

 

Eh ich wieder von dir scheide,

Lebe wohl, mein Heimatland!

Ruh ich einst in fremder Erde,

Weil' ich doch in Gottes Hand.

 

Franz Josef Maesdorf29

 

Einige Persönlichkeiten aus Bohl

Flöten virtuose und Tonkünstler Prosper Amtmann, (1809) in Sellye geboren, aber mit acht Jahren mit den Eltern nach Bohl übersiedelt; er betrachtete sich immer als „Németh-Bólycr"; (bei Németh S. 143). Nach mehrjähriger Europaturnee lebte er in Graz, starb 1854 in Fünfkirchen. 1866 stellte man ihm und Emerich Weidinger eine Erinnerungssäule auf der Promenade beim Dom zu Fünfkirchen.

Ich konnte nur ziemlich wenige „Studierte" aus Bohl ermitteln: Dr. Josef Schneider (1887-1945) seit 1920 Kreisarzt in Bohl. Dr. Josef Guth (1887-1964) seit 1922 Kreisarzt für Szajk. István Eöry (1901—?) Apotheker in Bohl bis zur Verstaatlichung. Die drei Söhne von Lehrer Johann Kämmerer: László (Mittelschullehrer), Gábor (Tierarzt). János Kamarás (1915) Kinderarzt in Budapest. Dr. Julius Hartmann (1925) Herzspezialist in Budapest. Dr. Sebestyán Schneider, Arzt, Sohn von Dr. Josef Schneider. Johann Dlusztus, Willi und József Környei(Käszdorf) Gymnasiallehrer. Dr. Josef Dlusztus (1914-) Rentner.

Alois Dlusztus (1885-1944), Kaufmann. Er mußte wegen dem Todesfall seines Vaters sein Studium vor der Matura abbrechen. Seine Liebe zur Wissenschaft blieb; besonders Mathematik interessierte ihn: die Frucht dieser seiner Leidenschaft war das Buch im Jahre 1933: „Sätze über zwei Eulerische Multiplikationsformeln und ein Beweis des großen Fermatschen Satzes."

Julius Käszdorf (1914- ) Der Vater war Fahrdienstleiter an der Bahn Budapest-Agram-Fiume. Nach dem 1. Weltkrieg blieb die Familie in Jugoslawien. Er studierte Rechtswissenschaft, wechselte nachher den Beruf und ist z.Z. gesuchter Maler im Stuttgarter Raum.

Franz Josef Käszdorf (1916- ) Bruder des Julius, beide in Bohl geboren. Studierte auch Rechtswissenschaft, war Rechtsanwaltsanwärter in Hodschag/Batschka. Nach dem 2. Weltkrieg Flucht, 1958-78 Religionslehrer in Steyr. Er ist unser in Steyr/Österreich lebender Hausdichter.

Hans Menzinger (1936) wählte den Lehrerberuf und ist als solcher in Neuhof bei Fulda tätig.

Franz Rebenyi ist z.Z. Lehrer in Reitenbach.

Die Kinder von Sepp Trischler: Josef (1951; Dr.), Gerhard (1958), Erika (1943), Marianne (1949) studierten alle..

Ebenso die Söhne von Bauunternehmer Franz Trischler (1924) Walter (1952), Horst (1956), Michael (1968).

Auch zwei Künstler in der Heimat sollen angeführt werden:

János Meszlényi (Müller) (1939). Seit Beendigung der Hochschule für Bildende Künste ist er Bildhauer und Mittelschullehrer in Budapest. Er hat Skulpturen und Plastiken in Pesterzsébet, Székesfehérvár, Ercsi, Sárbogárd usw. In Bohl steht sein Werk „Alter Bauer mit Enkel" im Volkspark. Modell: ein Photo des Großvaters mütterlicherseits: Kasper Käszdorf.

Franz Trischler (1942). Sein Talent führte ihn vom Anstreicherhandwerk durch die Abendschule auf die Hochschule der Bildenden Künste. Er hat sein Atelier in Bohl. Plastiken von ihm sind in Sátorhely, Himesháza, Harkány zu sehen. Im Jünglingsverein (jetzt Kulturhaus) ist von ihm ein Wandrelief.

 

Die Schule

Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Kirche in der Dorfmitte vorgesehen war. Es ist ebenfalls sicher, daß das Dorf als Mittelpunkt einer Pfarrei ins Auge gefaßt war. Weil aber schon vor dem Kirchbau ein Pfarrer eingesetzt wurde und zum Gottesdienst auch der Kantor - in damaliger Zeit mit dem Lehreramt verbunden - notwendig war, mußte auch ein Haus für diese Person in Aussicht genommen worden sein. Da das Pfarrhaus unmittelbar neben der Kirche steht, wird auch das Schulhaus von Anfang an dort gestanden haben, wo die Schule heute noch steht.

Die erste Nachricht über den „Schulmeister" ist im Visitationsprotokoll vom Jahre 1757 enthalten. Über das Schulhaus wird nichts erwähnt, aber über Laurenz Hendinger, als Schulmeister: „Seine Hauptpflicht besteht in der Unterweisung der Kinder; dazu hat er genügend Kenntnisse, und er ist auch dem Pfarrer gegenüber dienstwillig." Bei seiner bescheidenen Besoldung ist nicht nur das Schulgeld nach Zahl der Schüler, sondern auch die Stolgebühren für seinen kirchlichen Dienst, ausgewiesen.

1783 heißt es: „Das Schulhaus ist von der Herrschaft errichtet, der Marktflecken hat aber die Unterhaltungspflicht. Für die Normalschule ist darin ein großes Zimmer. Die Wohnung des Lehrers aber besteht aus Zimmer und Küche. Das Haus ist in gutemZustand. Auch ein bequemer Stall für Vieh ist dabei." Als Lehrer amtiert der 33 Jahre alte Andreas Dell. Er spricht deutsch und kann ein wenig Latein. Er hat gute Sitten. Er hat ein entsprechendes Wissen für seine Aufgaben im Singen, Orgelspielen, bei den Zeremonien. Er unterrichtet die Kinder seit mehreren Jahren seines Hierseins." Bei seinen Bezügen wird u.a. aufgezählt: bisher bekam er von jedem Haus 1 Osmak Frucht, künftig soll er - wie dies auch in anderen Dörfern üblich ist - von jedem Ehepaar 1 Osmak erhalten. Von den Eltern bekommt er jedes Viertel 3 Denare43, von der Herrschaft für jedes Schulkind monatlich 8 2/3 Denare."

1810: „Das Schulhaus ist von der Herrschaft aus gutem Material erbaut. Bei Reparaturen stellt die Herrschaft Material zur Verfügung, die Gemeinde die Fuhren und die Arbeiten. Von außen scheint das Haus geräumig zu sein, innen bietet es aber nur wenig Bequemlichkeit. Das Schulzimmer ist für 200 Kinder zu klein und zu finster."

1829: „Für den Schulunterricht stehen im selben Hof zwei Gebäulichkeiten zur Verfügung. Ein Schulraum ist mit der Wohnung des Lehrers nicht zusammengebaut. Die Herrschaft hat diesen (eben weil der Raum von 1783 die Kinder nicht mehr fassen konnte) 1826 aus festem Material errichten lassen. In dieses Schulzimmer geht die 2. Klasse. Es ist mit einer Tafel und mit genügend Bänken versehen. Das Schulzimmer für die 1. Klasse liegt mit der Wohnung des Lehrers unter demselben Dach, aber getrennt davon. Es ist ebenfalls mit den notwendigen Dingen versehen."

Weder 1757 noch 1783 wird von der Zahl der Schulkinder gesprochen. 1810 besuchten von 268 Kindern im Schulalter im Winter 193, im Sommer 75, die Schule. 1829 enthält der Text ein stolzes Wort: „Kaum sind die Kinder über das 5. Jahr hinaus, werden sie von den Eltern schon in die Schule geschickt. Somit besuchen zur Winterszeit 368, zur Sommerszeit 284 den Unterricht." Da ja zwei Klassen bestehen, sind sie aufgegliedert: Im Winter 224 in der 1., 144 in der 2. Klasse. Im Sommer 175 in der 1., 109 Schüler in der 2. Klasse.

Von den damals üblichen Büchern wird im Protokoll 1810 berichtet und auch vermerkt: „Die Bücher beschaffen entweder die Eltern oder sie werden von Freunden finanziert.

1829: „Benutzt werden die für die Normalschule vorgeschriebenen Bücher in der 1. Klasse, in der 2. aber der ,Mittlere Katechismus, die Evangelien und Epistel, das Buch für Rechnen und jenes für die Rechtschreibung. In der 1. Klasse lernen die Kinderbeten, die Elemente der kath. Religion, die Buchstaben erkennen. Silben bilden und aussprechen (Lautieren), Lesen, Schreiben. In der 2. Klasse wird nicht nur deutsch, sondern auch ungarisch gelernt; im Lesen und Schreiben werden die Kinder vervollkommnet, lernen die Grundelemente des Rechnens, werden im Rechtschreiben geübt, lesen die Evangelien und Epistel." Es wird nicht erwähnt, aber wenn zwei Klassenzimmer und zwei Schülergruppen vorhanden waren, mußte auch noch ein Hilfslehrer zur Verfügung gestanden haben. Dieser existierte auch, denn bei der Aufzählung der Bezüge heißt es in Punkt 7: Für den Unterhalt des Präzeptors erhält der Lehrer von der Gemeinde 4 Metzen41 Weizen (und für Aufziehen der Kirchenuhr 8 Metzen Mischfrucht).

Németh erwähnt auch einen Vertrag, den die Gemeinde am 21. Oktober 1801 mit dem Lehrer Johann Sommer geschlossen hatte. Nach diesem Text wurde er „zum Schullehrer, Messner und zum Aufziehen der Turmuhr aufgenommen... Er ist verpflichtet, einen Gehilfen zu halten... endlich erhält er auch ein Stück Feld für das Läuten des ,Zügenglöckleins' (= Sterbeglöcklein)." (bei Németh S. 183)

Schulmeister beim Bischofsbesuch i.J. 1810 war Johann Sommer. Wie vorher gesagt, wurde er 1801 eingestellt. Aus den Akten von 1829 ist zu erfahren, daß er „1766 in Mannheim geboren wurde und 1781 mit seinen Eltern nach Ungarn kam. In mehreren Pfarreien war er Hilfslehrer, in der (damaligen) Lehrerpräparandie genoß er die entsprechende Ausbildung, bekam 1785 seine Lehrbefähigung, war Lehrer in Jánosi, Maróc und Liptód und nachher in Boly."

Der Sohn von Johann Sommer, Philipp Sommer, (geb. 1807 in Boly), absolvierte seine Ausbildung ebenfalls in der Fünfkirchner Lehrerbildungsanstalt 1728 und wurde im November 1830 Nachfolger seines Vaters. Er wirkte 51 Jahre hier und starb am 7. März 1878. Sein Grab und Grabstein mit deutschsprachiger Aufschrift ist gleich links neben dem Eingangstor des Friedhofes zu sehen.

Aus der Kinderzahl ist ersichtlich, daß auch das Schulhaus mit zwei Schulzimmern nicht reichte. Das hatte auch die Gemeinde erkannt und plante eine neue, der Zahl der Kinder entsprechende Schule zu bauen. Dies geht aus der Beschreibung des „Kampfes", den das Dorf um die Vergütung der 51 Pferde, die man nach dem Geschehen in den Jahren 1848/49 als Strafe für die angebliche „Teilnahme am Landsturm" der Gemeinde auferlegt hatte, (bei Németh S. 152-157). Der Prozeß dauerte zwei Jahrzehnte lang, der Fall kam vor die Stadthalterei und auch vor den Reichstag, blieb aber erfolglos. Das Geld, das die Gemeinde zu bekommen hoffte, sollte zur Finanzierung der neuen Schule verwendet werden.

In den 60er Jahren wurde die Erweiterung des Schulgebäudes akut. Der Kostenvoran­schlag wies 30 000 Gulden aus, wozu noch 6000 kommen sollten. Man wollte beim Bistum einen Kredit aufnehmen. Dieses stellte aber die Bedingung: Mitglieder der Gemeinde sollten die Summe auf ihr Privatgut intabulieren lassen. Dazu war niemand bereit.

In damaliger Zeit ging es der liberalen Regierung um die Umwandlung der konfessionellen Schulen in sogenannte Gemeindeschulen. (Siehe dasselbe bei der Schulgeschichte von Villány.) Nach Darstellung von Németh hat die Gemeinde - die Sache kurz zusammengefaßt - aus finanziellen Gründen, um vom Kultusministerium einen Zuschuß zu erhalten, den kath. Charakter der Schule geopfert. Am 28. November 1869 fand eine Gemeindeversammlung statt, die Anwesenden wurden gefragt, ob sie die Schule zur Gemeindeschule erklären wollten. Mit Ausnahme eines einzigen haben alle mit „Ja" gestimmt. (Bei Németh S. 184-191) Die neue Schule wurde dann erbaut; um einen größeren Bauplatz zu bekommen, hatte man das Anwesen in der Nachbarschaft dazugekauft.

Von 1871 bis 1888 blieb dieser Zustand bestehen. Man hatte sich aber getäuscht, die Auslagen waren nicht weniger, und in Schulangelegenheiten hatte die Kirche nichts mehr hineinzureden, daher entstand der Wunsch, die früheren Verhältnisse wieder herzustellen. Der neue Pfarrer, Josef Streicher, unterstützte dieses Begehren, und 1888 wurde die Schule wieder eine konfessionelle katholische Einrichtung. (Bei Németh S. 199-210) 1896 hatte die Schule 5 Unterrichtszimmer (das 5. wurde 1893 errichtet; 1901 wurde im Hof des Kantorhauses eine neue Schule mit 2 Räumen erbaut) mit vollständiger Ausstattung.

Die Lehrer waren: Philipp Sommer (1830-1878); 1867: Johann Donner; 1875: Philipp Sommer, Georg Hohmann, Mathias Faller, Johann Fent, - Johann Nep. Devai (1858-72); Im Jahre 1887 war: Georg Hohmann, Direktor; Franz Bellada (gest. 1891) Maria Csefko, Maria Hirling, Desider Klein, (Kantorlehrer), Luise Petz löste Maria Hirling ab; 1890: Martin Amberger, 1899 ging G. Hohmann in Pension, sein Nachfolger wurde Julius Devai, 1902 verstarb Desider Klein, nach ihm war bis 1906 Franz Bátori, Kantorlehrer; 1902 wurde eine zweite Ordensschwester als Lehrerin eingestellt: jetzt unterrichteten drei Lehrer und drei Lehrerinnen; 1906 wurde Nachfolger von Bátori, Franz Mayer; 1907 löste Johann Kämmerer den Lehrer Amberger ab; 1913 wurde Franz Mayer Direktor in der Bürgerschule von Mohatsch, Julius Devai übernahm die Kantorstelle, Klassenlehrer wurde ein Sohn des Dorfes: Karl Käszdorf; 1925 mußte Devai das Dorf verlassen47, die Kantorei übernahm Robert Szampl; 1932 starb der beliebte Lehrer Johann Kämmerer, sein Nachfolger wurde Andreas Hamor; von Szampl übernimmt 1929 die Kantorei Béla Szende. Der Lehrkörper besteht 1937 aus: Karl Käszdorf, Béla Szende, Andreas Hamor, für die Mädchen: Charitas Lehner, Paula Varga, Aloisia Kinczler, alle drei Ordensschwe­stern und Holdampf Ida nővér (mindestens seit 1942). Käszdorfs Nachfolger wurde Anton Getto, diesen löste 1941 Josef Schuller ab. Dazu kam als weibliche Lehrkraft Frau Tornyos ab 1943.

 

Die Lage der Schule

1922: Katholische Schule mit sechs Räumen (486 m2), 3 Lehrern, 3 Lehrerinnen, 6 Klassen, 299 Schüler (291 katholisch, 7 kalvinistisch, 1 j üdisch - 52 ungarisch, 247 deutsch). Unterrichtssprache: ungarisch und deutsch.

1943: Acht Klassen, 7 Räume (548 m2), 2 Lehrer, 5 Lehrerinnen, 285 Schüler (280 katholisch, 3 kalvinistisch, 1 evangelisch, 1 jüdisch, - 90 ungarisch, 189 deutsch, 1 slowakisch, 5 kroatisch48.

Schultyp: vom Schuljahr 1924/25 bis 1937/38 Typ „C"4?. Der Zustand der Elementar­schule in der Zeit von 1938-1944 wird von Interesse sein, wie Ferenc Balázs, Sachreferent für das Schulwesen der Nationalitäten die Lage in seinen Berichten an das Kultus- und Unterrichtsministerium beschreibt. Hier die Wiedergabe, wie die Lage an Hand des umfangreichen Materials für Bohl von Dr. L. Szita bearbeitet wurde50.

 

„60. Németbóly.

Eine teilweise geteilte katholische Volksschule mit 6 Schülergruppen. Es war einer der meist exponierten Orte, was den Nationalitäten-Unterricht in der Baranya anbelangt. Die deutschen Eltern und der örtliche kirchliche Schulstuhl, sowie dessen Laienmitglieder, wie auch ein bedeutender Teil der Bevölkerung, nahmen den Kampf bewußt gegen die deutschen Nationalitäten-Bewegungen in der Zeit, als der Volksbund erstarkte, auf. Ein Gebiet (dieses Kampfes) war die Schule. Das örtliche Deutschtum, das deutsche Volkskultur von hohem Niveau besaß, und diese Tradition auch pflegte, hatte aus dem vorigen Jahrhundert patriotische Traditionen.

Die Schule war schon seit einem Jahrzehnt nach dem ungarischen Lehrsystem eingerichtet. Die deutsche Sprache wurde nur als Hilfssprache angewandt. Lesen und Schreiben lernten die Kinder, außer dem Lehrplan, wöchentlich in 2 bis 4 Stunden.

1938 ließ das Unterrichtsministerium kontrollieren, ob der Unterricht nach dem einheitlichen Nationalitäten-Lehrplan eingeführt worden sei? Balázs forcierte es wieder, aber kaum wurde drei wochenlang in diesem Sinne gearbeitet, protestierten die Eltern dagegen. Als sie auch ihre Kinder vom Unterricht fernhielten und diesen dadurch blockierten, beschloß das Lehrpersonal und der Schulstuhl, daß 4 Lehrer in ungarischer, zwei in deutscher Sprache unterrichten sollten. Dies lief so bis zum Jahresschluß unter vielen Schwierigkeiten.

Am Anfang des Schuljahres 1939/40 protestierten viele Eltern gegen den deutschsprachigen Unterricht und forderten die Wiederherstellung des schon seit einem Jahrzehnt eingeführten ungarischen Unterrichtes. Der Vorstand der Kirchengemeinde schickte an das Kultusministerium, und an die Schulbehörde des Bistums, ein Gesuch mit 100 Unterschriften ein und bat anstatt des gemischtsprachigen, die Bewilligung des ungarischen Unterrichtes. Als aber keine Antwort kam, begannen sie den Unterricht in ungarischer Sprache. F. Balázs rief den Pfarrer von Boly, Josef Bok, zur Einführung der einheitlichen Methode, auf49. Er wies taktvoll darauf hin, daß „höhere nationale Interessen' die Durchführung der im Gesetz gesicherten Möglichkeiten forderten. Der Dechantpfarrer griff F. Balázs an und beschuldigte diesen der Ungarnfeindlichkeit und der Deutschfreund­lichkeit. ,Er benutzte in Anwesenheit amtlich verhandelnder Personen eine unzulässige Tonart; während der Verhandlung zog er meinen Patriotismus in Zweifel, und in dieser Richtung beleidigte er mich erst mit versteckter Anspielung, dann auch ganz offen...' -schrieb Balázs in seinem Bericht an das Kultusministerium.

Am 2. Dezember 1940 visitierte Balázs die Schule in Boly abermals. Er stellte fest, daß der Schulstuhl und das Lehrpersonal weder die Mahnung des kirchlichen Oberschulin­spektors, noch die des Kultusministeriums berücksichtigten. Sie unterrichteten weiterhin ungarisch, so wie es etwa im ,C'-Typ angegeben ist. Auf die Benachrichtigung von Balázs kam der Vorsitzende (Dechant Josef Bok) des Schulstuhles zur Visitation nicht in die Schule, er ließ sich auch nicht vertreten. Er erklärte, Balázs sei Landesverräter und die einheitliche Methode unterstütze die Interessen des Volksbundes. Balázs argumentierte so: Da der weit größere Teil der Bewohner deutscher Muttersprache sei, entspricht die angewandte Methode in der Schule von Boly keinem einzigen, der für die Minderheiten erlassenen Gesetze. Nach dem Besuch wurde der Diskussion mit einem Erlaß des Kultusministeriums ein Ende bereitet.

Am 3. Januar 1941 verständigte Ministerialrat Géza Paikert F. Balázs: ,... im jetzigen Zeitpunkt ist in der Sache des Unterrichtssystems, in der Schule von Németbóly, keine weitere Verfügung notwendig, da es voraussichtlich aufgrund des Wiener Vertrags zwischen der deutschen Reichsregierung und der königl.-ungarischen Regierung zur Einführung eines neuen Unterrichtssystems kommen wird...' Im Herbst 1941 gab es neben der ungarischen Sektion auch eine deutsche Abteilung, und von dieser stellte er fest: ,... die Arbeit ist noch primitiv, ihre Ausgestaltung fordert noch lange, planmäßige Beschäftigung.' Die Einschulung in die deutsche Sektion übernahmen die unter Einfluß des Volksbundes stehenden Eltern."

Aufgliederung der Schulpflichtigen nach Nationalität:

  1940 1942
Magyaren 82

89

Deutsche 187

201

Kroaten 5

4

  274

291

Ungarisch sprechen 140

201

 

Andere Schularten in Bohl

Pfarrer Baumholzer berief sich schon in der Pfarrchronik auf die von ihm eingerichtete „Sonntagsschule." Diese Schule war eigentlich eine Wiederholungsschule, und der Unterricht wurde bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts, am Donnerstag gehalten. Die Elementarschüler hatten an diesem Tag schulfrei.

Ein großer Teil der Bewohner bestand aus Handwerkern. Als die Zahl der Lehrjungen (Lehrbuben) in den verschiedensten Gewerbezweigen immer mehr anwuchs, bekam die Gemeindeleitung 1885 von der zuständigen Behörde den Auftrag, laut Gesetzartikel XVII. 1884, für die angehenden Handwerker einen besonderen Lehrkurs einzurichten. Am 12. Januar 1886 wurde so die Gewerbeschule ins Leben gerufen. Wöchentlich bekamen die Lehrjungen 7 Stunden Unterricht und 1 Stunde Unterweisung in Religion. Im Schuljahr 1899/1900 wurde diese Schule schon von 100 Lehrbuben besucht.

1868 wurde nach Gesetzartikel XXXVIII die Gemeinde verpflichtet, auch eine „Gazdasági ismétlő iskola = Landwirtschaftsschule" einzurichten. Hier wurden 6 Stunden, Wirtschaftslehre, 3 Stunden Allgemeinbildung und 1 Stunde Religionsunterricht erteilt52.

Über die Kleinkinder-Bewahr-Anstalt = Kindergarten = ovoda, wird in Verbindung mit den Klosterschwestern berichtet.

 

Bürgerschule

Beim Besuch der serbischen Bewohner von Villány i.J. 1925 berichtet József Margitai südslawischer Fachreferent u.a.: „... In Villány ist man daran, eine Privatbürgerschule zu gründen... In Verbindung damit möchte ich bemerken, daß der königliche Schulinspektor des Komitates beabsichtigt, sich an das Unterrichtsministerium zu wenden, um die notwendigen Schritte zur Eröffnung einer Bürgerschule in Németbóly für das nächste Schuljahr zu tun. Wie man hört, sind die deutschsprachigen Bewohner von Németbóly auch vom ,Sonntagsblatt' und von großdeutscher Propaganda infiziert. Daher ist dort die Gründung dieser geplanten Bürgerschule notwendig51..." Aus diesem Plan wurde aber nichts.

Hätte sich die konziliante Auffassung über die Minderheitenfrage der heutigen Zeit in Ungarn schon früher durchgesetzt, wie dies z.B. in den drei deutschsprachigen Gymnasien heute zum Ausdruck kommt, wäre es anfangs der 40er Jahre nicht zur Gründung zweier Bürgerschulen in Bohl gekommen. Die ungarische kam auf intensive Anstrengungen Dechantpfarrers J. Bok zustande. Man hatte sie im früheren sogenannten „Großen Wirtshaus" untergebracht.

Direktor dieser Schule war Denes Jakabos; zum Lehrkollegium gehörten seine Frau, Lajos Horváth, Benő Szűcs und dessen Frau. Deutschunterricht wurde als Fremdsprache erteilt. Über die menschliche Einstellung der Lehrer kann gesagt werden: bei der Ausweisung i.J. 1946 wurden die betroffenen Kinder zu einer außerordentlichen Prüfung zusammengerufen, um ihnen das Jahresabschlußzeugnis noch vor dem Abtransport aushändigen zu können. Dazu gehörte damals Mut.

Die deutsche Bürgerschule nahm ihre Tätigkeit noch vor der ungarischen, (1941) in einem neu aus Holz errichteten Gebäude, auf. Es stand am oberen Marktplatz. Ihre Tätigkeit endete im Herbst 1944. Direktor der Schule war Josef Burger. Zum Lehrpersonal gehörten: Anna Leiprecht, Margarethe Biczó, Franz Pruckner und seine Frau Maria, sowie Andreas Schmidt. Religionsunterricht erteilte der Kaplan Sebastian Elm54.

 

Die Elementarschule in Boly

Splitter der Erinnerung, von Oberstudienrat des Gymnasiums in der Kreisstadt Bad Schwalbach.

Wenn ich nach mehr als 40 Jahren an meine schulischen Anfange zurückdenke, so ist vieles verblaßt, aber manche Einzelheit steht plastisch vor meinen Augen, hat sich den Sinnen unverlierbar nah eingeprägt.

Da sind zunächst die alten Holzbänke, die Schnitzspuren trugen wie alle Schulbänke. Ihr Geruch aus Holz, Leim und Farbe vermischt sich mit dem des Petroleums, das zur Hygiene des Fußbodens beizutragen hatte. Dazu kam der leichtere Duft von Eisengal­lustinte, die noch in eigenen Fäßchen in den Bänken zur Verfügung stand und die aus einer großen Flasche nachgefüllt wurde. Geschrieben wurde damals meist noch mit dem „Federstiel", Kulis und Füllfederhalter besaßen nur wenige Schüler. Die Anfange der Schreibkunst wurden selbstverständlich auf der Schiefertafel geübt, die überhaupt etwas Praktisches war, denn man konnte nach Herzenslust schreiben und wischen, man brauchte sich nicht endgültig festzulegen, man konnte der Kreativität den freien Lauf lassen, und außerdem war die Tafel auch noch für das Kartenspiel der Erwachsenen gut zu gebrauchen. Ärgerlich waren nur die Griffel, weil sie häufig abbrechen und nie spitz genug waren. Auch kreischten sie gelegentlich über dem Schiefer, daß man es bis in die Zahnwurzeln hinein spürte.

Damit bin ich bei dem, was sich dem Gehörsinn eingesenkt hat. Freilich - Schulen sind immer laut, meist zu laut, und die kratzenden Griffel waren das Wenigste. Aber bei uns gab es etwas zu hören, was es so sicher nicht mehr gibt: Das Lernen im Chor. Insbesondere vor dem Unterricht in Erwartung des Lehrers skandierten wir laut das Einmaleins. Ich weiß nicht, ob hinter dieser Methode eine tiefere pädagosische Einsicht steckte. Jedenfalls erscheint sie mir heute geradezu als genial, denn einmal wurde dem Sprechbedürfnis der Kinder entsprochen, zum anderen mußte man auf seinem Platz bleiben - wer kann schon über die Bänke gehen und dabei den Sprechtakt einhalten? - und dabei lernte man etwas unumgänglich Notwendiges. Mir schliff sich das so ein, daß ich noch heute beim Rechnen das ungarische Einmaleins verwende. Denn selbstverständlich (oder?) wurde mit geringen Ausnahmen ungarisch gelernt. Selbst in der deutschsprachigen Klasse benutzten die Kinder zum Lesenlernen eine ungarische Fibel.

Für den Deutschunterricht in allen Klassen gab es ein eigenes deutsches Lesebuch mit einem im wesentlichen ungarisch-patriotischen Inhalt, im Stile der damaligen Zeit. Dieser Unterricht wurde übrigens von den meisten Schülern nicht besonders ernst genommen, denn sie glaubten als Bewohner einer deutschen Gemeinde Deutsch ohnehin zu können, was sich allerdings nach der Ausweisung als krasser Irrtum erweisen sollte. Immerhin lernten wir damals noch die Sütterlinschrift, die heute von manchen Nostalgikern wieder ausgegraben wird.

Ob an der alten Schule mehr hätte gelernt werden können, wage ich nicht zu entscheiden. Wer wollte, konnte sich aneigenen, was er für das Leben brauchte. Die Lehrer, die ich erlebte, Herr Schulle, Schwester Ida und Frau Tornyos, gaben sich viel Mühe mit uns und konnten mit uns auch umgehen. Jedenfalls haben sie bei mir erreicht, daß ich ganz gerne zur Schule ging, obwohl ich anfangs strikt gegen diese Zwangseinrichtung eingestellt gewesen war und nichts Gutes von ihr erwartete.

An dieser positiven Einstellung änderte auch nicht der Gebrauch des Rohrstockes, der nie ein Rohr, sondern meist ein Weiden- oder Fliederstock (Jurche) war. In der Regel mußten wir diesen unentbehrlichen „pädagogischen" Gebrauchsgegenstand selbst besorgen, was nicht ohne Reiz war, denn man konnte den einen oder anderen so präparieren, daß er nicht lange hielt. Zweifellos wurde der Stock zu oft gebraucht; nicht nur bei Bosheit und Faulheit, auch bei Unfähigkeit. Dabei wird er am meisten geschmerzt haben! Letztlich war er kein Wundermittel, denn hätte er erreicht was die Lehrer erwartet haben, so wären wir alle Engel oder Genies geworden, was nachweislich nicht der Fall ist. Protest gegen seinen Gebrauch gab es nicht, er gehörte zum Schulalltag.

Zum Alltag gehörte auch das Schulgebet am Anfang und Ende, aber auch der „Engel des Herrn" mitten im Unterricht, wenn die Mittagsglocke erklang. Alltag war auch der geschlossene Besuch der Messe an jedem Werktag des Sommerhalbjahres. Die nicht in Frage gestellte Verbindung zur Kirche zeigte sich auch darin, daß Ordensschwestern zum Lehrkörper gehörten, daß der Ortspfarrer als Direktor die Zeugnisse mitunterschrieb und daß im Vorwort zum Zeugnisbüchlein Ermahnungen an das fromme und brave Schulkind formuliert waren. Das ganze Schulleben war auf die Einheit von Glauben, Wissen, und Handeln aufgebaut, sozusagen ein aktualisiertes „ora et labora ! "Bete und arbeite!

 

Das Kloster der Barmherzigen Schwestern

Eine der wichtigsten und segensreichsten Institutionen im Dorf war das Kloster der Schwestern. Es war eigentlich das einzige Kloster in der ganzen unteren Baranya. Die Grundlage für seine Gründung hatte die Gräfin Julie Batthyány, Ehefrau des Fürsten Wilhelm Albrecht von Montenuovo geschaffen. In ihrem Testament verfugte sie, daß ihr Sohn Alfred Fürst von Montenuovo. sobald er großjährig wird, die Barmherzigen Schwestern ansiedeln sollte. Da sie aber über die Aufgabe der Schwestern keine Angaben machte, konnte der großjährig gewordene junge Fürst sich lange Zeit hindurch nicht entscheiden, für welches Arbeitsfeld er die Töchter des hl. Vinzens heranziehen sollte. Er dachte an ein Internat für Mädchen, an eine „Kleinkinder-Bewahr-Anstalt = Kindergar­ten", an eine Arbeitsschule, sogar die Errichtung eines Krankenhauses wurde in Betracht gezogen. Endlich entschloß er sich gemeinsam mit seiner Gemahlin, der Fürstin Franziska Gräfin von Kinsky, zur Gründung eines Kindergartens und einer Arbeitsschule. Beide sollten für die Kinder und die größeren Mädchen der Dienerschaft in Békáspuszta und für die bedürftigeren Bewohner von Bohl dienen. Darum zog sich auch die Sache ziemlich lange hin, bis der Fürst seinen Plan 1882 im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vortrug, das sich damals noch in Graz befand.

Als der Vertrag zwischen Mutterhaus und Fürst Montenuovo abgeschlossen war, begleitete die heiligmäßige Gründerin und erste Visitatorin der österreichisch-ungarischen Provinz, Maria Josefa Leopoldine Brandis(t 11. 1. 1900) die ersten Schwestern persönlich nach Deutschbohl. Die Schwestern wurden vom damaligen Pfarrer Alexius Kubinyi am 19. Aug. 1882 eingeführt, und der damalige Forstmeister József Tihay, übergab im Namen der Herrschaft, das Haus den Schwestern. Unter diesen war die 28jährige Bertranda Faustmann, die von 1882 bis 1925 43 Jahre hindurch Oberin des Klosters war. Ich selbst habe sie noch gekannt und erlebt, wie sie in den 30er Jahren, trotz ihres hohen Alters, geistig frisch, immer fröhlich, noch ständig geschäftig im Kloster umherging. Man nannte sie einfach „Oma". Mit ihr kamen Gisela Zaruba für die Arbeitsschule, Olivia Gaspar für den Kindergarten, und eine Küchenschwester. Das Kloster stand und steht in der Nähe des „Schlosses."

Am 1. September begannen die Schwestern in der Arbeitsschule und im Kindergarten(=-ovoda) ihre segenbringende Tätigkeit. Die dazu notwendigen Räume wurden innerhalb des Klostergebäudes eingerichtet. Als aber immer mehr Bohler ihre Kleinkinder in den Kindergarten brachten, wurde der Raum alsbald zu klein. Daher wurde 1886 im Klosterhof in Verbindung mit dem bisherigen Gebäude ein größerer Raum errichtet. 1889 hat man das Gebäude einer gründlichen Renovierung unterzogen und mehrere Veränderungen durchgeführt. Dabei wurde für die Schwestern eine Hauskapelle eingerichtet, die von Weihbischof Franz a Paula Troll am 2. Juli 1890 die Weihe erhielt.

Ein großartiger Gedanke war, daß man 1891, nach dem Tode des Lehrers Bellada, bei der Provinzleitung um eine Schulschwester ansuchte. Weil die Zahl der Mädchen in der Abeitsschule ziemlich zurückging, willigten die Vorgesetzten ein, daß diese Schwester den Unterricht der 1. und 2. Klasse in der Elementarschule übernehme. Bis 1899 wurde so im Klostergebäude „Schule gehalten". In dieser Zeit hatte die Gemeinde die jetzt noch stehende alte Schule (siehe die Außenansicht im Bild), errichtet. Sie war mit den Erfolgen der Schulschwester so zufrieden, daß sie mit einer neuen Bitte beim Mutterhaus vorstellig wurde und für den Unterricht um weitere zwei Schwestern einkam. Dieses Ansuchen traf auf Verständnis: von 1913 an besuchten die Mädchen und die Buben getrennt die Elementarschule: die Mädchen wurden von Schwestern, die Buben möglichst von männlichen Lehrern unterwiesen. Inzwischen organisierten die Schwestern auch Theatervorführungen, die sie in der ganzen Umgebung bekannt machten.

Der so ausgebaute Kindergarten entsprach den damaligen Vorschriften in jeder Beziehung und erfreute sich seit dem 13. April 1897 der öffentlichen Anerkennung. Das Dorf wurde größer, die Zahl der Kinder wuchs, der Teil für die Kleinkinder wurde zu eng. 1927 beschloß der Schulstuhl mit staatlicher Unterstützung ein neues Gebäude zu erstellen. Vom Frühjahr 1928 bis Herbst dauerten die Arbeiten; inzwischen beteten die Kinder: „Hl. Josef, baue uns eine neue ,ovoda'!" So geschah es auch: Das neue Haus im Hof, in Richtung Klostergarten, wurde geräumig, hell, gesund, den moderneren Erfordernissen entsprechend, gestaltet. Es ist 32 m lang und wird heute noch für den ursprünglichen Zweck benutzt.

Im Kloster waren aber nicht nur die Kleinsten aufgehoben. Die Schwestern verstanden es, ihre Fürsorge auch auf die größeren Mädchen auszudehnen und Verhältnisse zu schaffen, in deren diese sich echt heimisch fühlten. Sozusagen die ganze junge Mädchenwelt war im Kloster zu Hause. Die von der 1. und 2. Schulklasse waren Mitglieder in der Bruderschaft des Jesukindes von Prag, sie trugen ein rosarotes Band mit der „Wunderbaren Medaille", um den Hals. Die von der 3. Klasse standen unter der Obhut der Schutzengel, mit einem violetten Halsband ausgestattet; die im 4. Schuljahr mit einem roten Band; in der 5. und 6. wurden sie in die Bruderschaft vom Hochheiligen Altarsakrament aufgenommen und bekamen das gelbe Band. Die aus der 6. Schulklasse Entlassenen wurden bald „Marienmädchen" und trugen das zierliche blaue Band. Außerdem trugen sie bei festlicher Gelegenheit eine kleidsame Tracht nach einheitlichem Schnitt.

Letztere Vereinigung war die wichtigste: sie war darauf ausgerichtet, den Mädchen im schwersten Alter der Entwicklung vom Mädchen zur Frau Unterstützung, Aufklärung und Leitung zu sichern, da ja in diesen Frühlingsjahren des Lebens die Gefahren für Unerfahrene sehr groß waren und sind. Die Schwestern sorgten für die geistige Entwicklung und eine sinnvolle Freizeitgestaltung der Mädchen.

Ihre Zusammenkünfte hatten die Marienmädchen Sonntag nachmittags nach der „Betstund". Da eilten sie ins Kloster, verrichteten meistens noch das Vespergebet, und anschließend ging's geistig ernst, bzw. unterhaltsam fröhlich weiter. Das Ernste bedeutete Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten der Backfisch-Jahre, d.h. Aufklärung, Charakterbildung, aber auch Hinweisung auf Vorbilder. Sie wurden auch ausgerüstet für die Aufgaben der Frau, der Hausfrau und der Mutter. Mit einigen Ausnahmen waren alle Mädchen des Dorfes in diesem Verein.

Die Feiertage des Kirchenjahres, besonders die Marienfeste, wurden sehr innig begangen. In der Weihnachtszeit gab es Theatervorstellungen von Großen und Kleinen, zu Fasching Maskenball, aber während der letzten drei Tage ganztägige Anbetung des Hochheiligen Sakramentes. In der Fastenzeit, wenn möglich, dreitägige Exerzitien. Im Sommer war eine besondere Attraktion das Sportfest der Schulmädchen, wozu die Eltern und andere Gäste eingeladen wurden. Gesang, Spiel, Bücherlesen, Spaziergang ins Grüne, Ausflüge in die Umgebung brachten erholsame Abwechslung. Heiratete ein Manenmädchen, wurde es feierlich vom Verein verabschiedet. Marienmädchen umstanden im weißen Kleid den Traualtar mit der Vereinsfahne, andere umrahmten die hl. Handlung auf der Empore mit Gesang. Obwohl Leute die meisten ehemaligen Mitglieder die 55 überschritten haben, heißt es bei feierlichen Anlässen noch immer: „Heute singen die Marienmädchen."

Aus Bohl gingen folgende Schwesternberufe hervor:

Paula Julia Elm(geb. 1899+1958); Barbara Bona Gep( 1900+1963); Theresia Elisabeth Poszt (1901 - lebt in Budaörs); Katharina Aloisia Ulrich (1905 - lebt in Bohl); Eugénia Berta Dlusztus (1915+1983); Julia Serafina Kresz (1924- lebt in Bohl), alle Barmherzigen Schwestern; Maria Emerika Hirman (1922-) trat in den Ursulinenorden ein und lebt in Salzburg; Eva Silveria Schnell (1925—) trat bei den Kreuzschwestern ein und lebt in Dabas das zwischen Budapest und Kecskemét liegt.

Im August 1982 feierte die Gemeinde das 100jährige Jubiläum, der Gründung des Klosters, das 1950 aufgelöst wurde. Die in Bohl lebende Schwester Aloisia Ulrich bekam die Erlaubnis, die Ordenstracht bei dieser Gelegenheit anzulegen. Sie verteilte bei dieser festlichen Gelegenheit den Kindern farbige Bänder. Auf dem Friedhof gedachte man der verstorbenen Schwestern. An der Festlichkeit nahmen auch Theresia Bachesz, Ilona und Rosa Fögler aus Deutschland teil.

Zusammengestellt aus der Pfarrchronik, aus dem „Németbólyer Pfarrbote" Jg. 1928. Nr. 1. 2., aus „Geschichte der Großgemeinde Németh-Bóly" S. 204-205., „Leben und Wirken der M. J. Leopoldine Brandis" B. II, S. 129..., und aus Briefen einiger Marienmädchen).

 

Der Gesellenverein

In Bohl lebte immer schon eine große Anzahl von Handwerkern. Demzufolge gab es auch viele Lehrjungen (Lehrbuben, wie man sie genannt hat) und Gesellen. Für solche Leute gründete der Gesellenvater, Adolf Kolping, (1813-65) in Köln (1846), den Gesellenverein. Von Köln aus breitete sich der Verein in einem Siegeszug über die ganze Welt aus. In Ungarn hat Adolf Szaboky (Schneider), ein Piaristenpater, den ersten in Pest 1856, ins Leben gerufen. 1863 wurde er in Fünfkirchen eingeführt und 1864 eiferte Bischof Georg Girk von Fünfkirchen (1862-68) seine Priester an, auch diese Möglichkeit für die Seelsorge zu nützen. Beim Tode des Gesellenvaters blühten schon 400 Vereine. Josef Streicher leitete als Kaplan in der Bischofstadt diesen Verein und hatte Erfahrungen für das Machbare auf diesem Gebiet gesammelt. Als er 1887 Pfarrer in Deutschbohl wurde, entschloß er sich, diesen Verein auch hier einzuführen.

Er lud etwa 30 junge Leute aus dem Gesellenverein in Fünfkirchen nach Bohl ein. Ihr Präses, Dr. Rezbanyei, kam mit ihnen und hielt vor den hiesigen Meistern und Gesellen eine zündende Ansprache. Alle waren für die Idee begeistert, aber es waren auch viele und große Schwierigkeiten zu überwinden. B. Németh bemerkt dazu: „... nur ein solcher Priester, wie Pfarrer Streicher, konnte unter den damaligen Verhältnissen einen katholischen Gesellenverein ins Leben rufen..." (S. 231).

Streicher hatte in der Person von Kaplan Kamill Plank einen guten Mitarbeiter. Anstehende Probleme wurden gelöst, und im Oktober 1889 konnte in das Schulgebäude eine konstituierende Versammlung einberufen werden. Hier wurden Einzelheiten erörtert und die Gründung beschlossen. Nach den Satzungen wurde der Pfarrer zum 1. Präses, der Kaplan zum 2., Georg Schäffer zum weltlichen Vorsitzenden gewählt, Lehrer Bellada mit der Schriftführung betraut, Wilhelm Morschhauser bekam das Amt des Kassenwartes. Zum ersten Dekan hat sich die Jugend Andreas Reininger gewählt.

Das Vereinsleben wurde nach den Satzungen eingerichtet, wie diese von Adolf Kolping vorgesehen waren. Um mit dem Vereinsleben noch vertrauter zu werden, fuhr Pfarrer Streicher vorher nach Wien, München, Oberammergau, Köln. Einsideln und so - die Erfahrung anderer übernehmend - konnte er es hierzulande ähnlich gestalten. Mit 16 Jahren konnte sich ein Junge um die Mitgliedschaft bewerben. Die Zulassung geschah so, daß zwei schon aktive Jugendliche den sich Bewerbenden empfahlen, und dadurch für ihn eine Bürgschaft übernahmen, aber für ihn auch verantwortlich waren. Zum Freundeskreis des Vereines gehörten die sogenannten unterstützenden Mitglieder, d.h. praktisch die Meister und Väter der Gesellen oder zukünftige Gesellen.

Was war der Zweck des Vereins? Er wollte der Handwerkerjugend ein Zuhause schaffen; er wollte sie in religiösem und patriotischem Geist erziehen und erhalten; in ihnen die Liebe zum Handwerk erwecken, sie mit einer edlen Gesinnung erfüllen und mithelfen, aus den Gesellen gebildete, ehrliche, eifrige und rechtschaffene Arbeiter zu machen. Diese Institution war damals etwas ganz Modernes, Notwendiges und ist es auch heute noch. Daher versuchte man auch im Bohler Verein alles so einzurichten, daß man das Ziel erreichen könne.

Geistige und praktische Weiterbildung wurden ständig angeboten, daher die wöchent­lich 3-4 mal abends abgehaltene ,„Vereinsabende". Für Vorträge - besonders im Winter -stellten sich die Geistlichen und die Lehrer zur Verfügung. Man versuchte auch Notar und Arzt dazuzugewinnen. Auch bekannte namhafte Meister trachtete man zu bewegen, ihre Erfahrungen der jungen Generation weiterzugeben. An den Vereinsabenden teilzunehmen war daher strenge Pflicht; wer dreimal unentschuldigt abwesend war, war in Gefahr, die Mitgliedschaft zu verlieren. Darum wurde auch immer die Namensliste verlesen.

Über die Vorträge wurde Protokoll geführt. Da ich diese Protokolle in den Jahren 1939-40 studierte, kann ich z.B. ein Thema des Pfarrers angeben; „... Dann wird das Gewerbe - führte er aus - neuen Aufschwung bekommen, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum Christentum zurückkehren..." (5. 3. 1898). Im nächsten Vortrag stand im Mittelpunkt seiner Ausführungen: „... Wenn die Arbeiterklasse von Religiosität und Patriotismus geleitet wird, wird der Sozialismus überflüssig sein..." (18. 3. 1898 im Protokoll)

Im Vereinshaus (das heute noch steht) konnte man Zeitungen lesen (darunter z.B. den „Freimütigen", das „Kolpingsblatt" u.a.) und sich mit Zeitschriften beschäftigen. Es war auch eine Bücherei vorhanden. Man wußte auch, daß junge Menschen Unterhaltung brauchen und man sorgte dafür. Das Kartenspiel war verboten, aber Schach-, Domino-, Billiard und andere Gesellschaftsspiele waren unbegrenzt möglich. Die Bohler tanzten schon immer gern, wie dies in jedem Visitationsprotokoll betont wird. Darum wurden auch im Gesellenverein Tanzunterhaltungen organisiert. Der Wunsch ging von der Jugend aus und wurde vom 1. Dekan vor die Ausschußsitzung gebracht. Die beschloß das Wann und Wie. Wie ernst man die Frage nahm, geht auch aus einem Protokoll hervor: „... Herr W. M. äußerte seine Mißbilligung darüber, daß bei Tanzunterhaltungen im Vereinshaus auch Mädchen erscheinen, gegen die Vieles auszusetzen sei. Es wurde darum beschlossen, zu den Tanzunterhaltungen sollen künftig Einladungen ausgeschickt werden. Über die einzuladenden Mädchen soll vorher eine Liste aufgestellt werden..."

Man versuchte also Ausschweifungen zu unterbinden. Es kam vor, daß Gesellen strengstens verwarnt wurden; es wurde der Jugend klar gemacht: Wer die Statuten ärgerniserregend übertritt, muß evtl. mit der Ausschließung rechnen. Man versuchte die Mitglieder zur Höflichkeit, zu kultiviertem Benehmen zu erziehen. Mit diesem Ziel wurde ein deutschsprachiges Anstandsbüchlein angeschaft, und die Regeln daraus wurden auch an den Vereinsabenden erklärt.

Der Verein fühlte sich auch der ganzen Bewohnerschaft verpflichtet, dies auch aus finanziellen Gründen. In dieser Absicht wurden Theaterstücke einstudiert und vorgeführt. z.B. war 1898 das Lustspiel „Lügen haben kurze Beine" und der spaßige Vortrag „Zank zwischen Schuster und Schneider", 1901: „Alter schützt vor Torheit nicht", 1902: „Meister Gottfried", 1903: „Die Heldin von Transvaal" im Programm. Bei diesen Vorstellungen wurde auch ein ungarisches Stück dargeboten. In den Zeitungen konnte man oft über den Gesellenverein lesen.

Auch das Religiöse kam nicht zu kurz: gemeinsamer Kirchgang war selbstverständlich, ebenso gingen die Mitglieder gemeinsam zur Osterbeichte und Kommunion; am Anbetungstag wechselten sie sich hablstündlich bei der Gebetswache ab, in der Weihnachtszeit stellten sie auch im Vereinshaus einen Christbaum auf. 1894 fuhren einige mit dem 1. Präses zum Katholikentag, 1902 nahm eine Abordnung von Gesellen am 50jährigen Jubiläum des Wiener Gesellenvereins teil; sie nahmen auch die Vereinsfahne mit. Bis zum heutigen Tag wird der Pfarrer von vielen Alten und von solchen, die davon wissen, mit (wohl ungarisch) „Isten áldja = Gott segne" (das ehrbare Handwerk) gegrüßt.

Aus den Aufzeichnungen kann man erfahren, daß um die Jahrhundertwende manche Gesellen auf Wanderschaft gingen, so z.B. ist zu lesen „Der Tischler Klemens Trischler macht sich im Oktober 1898 auf die Wanderschaft." Auch das Wandergesellen nach Bohl kamen, ist vermerkt. Für solche bestand im Vereinshaus eine Übernachtungsmöglichkeit.

1939 feierte der Gesellenverein sein 50jähriges Jubiläum; man hatte eine kleine Schrift herausgegeben, die vom damaligen Kaplan Budavári verfaßt wurde, die mir aber nicht zur Verfügung steht.

Wenn man mit älteren Mitgliedern des Gesellenvereins spricht, leuchten die Augen auf: sie erzählen mit einer gewissen Wehmut über ihre Erinnerungen und Erlebnisse; man verspürt: sie fühlten sich im Gesellenverein zu Hause.

 

Deutschbohl als zentraler Handwerksort

von Hans Trischler (1905)

Das königliche Privileg von 1783, 4 Jahrmärkte abhalten zu dürfen, wurde nicht nur durch die Protektion des Grundherrn erreicht. Das Dorf selbst hatte eine große Anzahl von Handwerkern, diese wollten und sollten ihre Produkte anbieten umso die Bedürfnisse der vielen kleinen Dörfer in der Umgebung befriedigen können. Die Bedeutsamkeit des Ortes wuchs dadurch noch mehr und um die Jahreswende zum 19. Jh. kamen 2 weitere Märkte (am 25. März und am 20. Oktober) dazu. In unserem Jahrhundert hatten die Jahrmärkte zwei Teile: den Viehmarkt, wo auf großen Flächen separat Rindvieh, Pferde und Schweine aus weiten Entfernungen hergebracht und veräußert wurden. Ein zweiter Tei 1, an dem angefangen vom Kloster bis zur Statue des hl. Floriani von Kleidung, Geschirr und landwirtschaftlichen Geräten alles mögliche angeboten wurde. An solchen Tagen hatten die Kinder schulfrei, sie konnten herumtummeln und mit einigen Hellern Süßigkeiten kaufen, am Ringelspiel und Schiffschaukel einen schönen Tag erleben. Der Grundherr, Johann Bapt. Graf Batthyány, bewilligte 1820 die Gründung von Zünften, die auch Gilden und Innungen genannt wurden. 1823 wurde die Bau-, die Nadler- und die Müllerinnung ins Leben gerufen. Der Bauinnung gehörten 10 Gewerbe an, in der Nadlerzunft waren ebensoviel Gewerbschaften. Von der Müller- und Bäckergilde ist uns ein sehr schöner „Gesellenbrief mit einem Holzstich als Kopfleiste aus dem Jahre 1828 erhalten geblieben. „Der Ober- und Untervorsteher des Ehrsamen Handwerks deren Priviligirten Müller Meistern... bescheinigt....... Der Stich zeigt die Ansicht der Markt- Stadt Teutsch-Bóly" (s. das Bild). In Bohl lebten 1823 73 verschiedene Handwerker, das ist eine ansehnliche Zahl.

1872 hat der ungarische Reichstag die Gewerbefreiheit proklamiert und die Zunftord­nung aufgelöst. Aufgrund des neuen Gewerbegesetzes wurde in Bohl als Nachfolgeorgani­sation die gesetzlich vorgeschriebene Gewerbekorporation errichtet. Alle selbständigen Handwerker ließen sich pflichtgemäß in dieser Korporation registrieren. Die Bohler Korporation führte den Namen „ Németbóly és Vidékének Ipartestülete = Gewerbekorpo­ration von Németbóly und Umgebung" Alle Handwerker des Mohatscher Bezirkes gehörten dazu. In der Gründungszeit waren es 175 Meister.

Die Erzeugnisse der Handwerker von Bohl waren über das Komitat hinaus bekannt und gesucht. Die erste Weingartenspritze ist ein Werk des Meisters J. Dlusztus und wurde patentiert. Die Strickwaren waren auch sehr beliebt. Es gab eine Anzahl Wollspinner. In den dreißiger Jahren hatten die Firmen Müller, Weidinger, Schipper, und Reisz große Werkstätten und eine Anzahl Arbeiter. Bei Karl Müller wurden sogar Teppiche und Wollstoffe gefertigt. Die Möbeltischler hatten ihre Kundschaften auch in weit entfernt liegenden Ortschaften. Die Mühltischler aber waren im ganzen Land gefragt und gesucht. In den dreißiger Jahren hatten wir sogar einen „Herrgottsschnitzer", Martin Bach. Die Maler kamen in weitliegenden Gegenden herum. Es spricht für sich, daß bei der Restaurierung der Fünfkirchner Universitätskirche ein Bohler Maler, Joseph Käszdorf, den Auftrag erhielt. Die Kaufleute hatten einen besonders guten Namen. Wenn man irgendwo eine Ware nicht bekam, hier trieb man sie bestimmt auf.

Selbstverständlich gehörte in diese Gemeinde auch der Gesellen-, Koolpingsverein. Hier war vielfältige Möglichkeit der Weiterbildung gegeben. Vor dem 1. Weltkrieg kamen die „Wandergesellen" weit über Wien und Österreich hinaus, auch nach Deutschland und Frankreich. Auf der Wanderschaft sammelten sie fortschrittliche Erkenntnisse und Berufserfahrungen. Nach dem 1. Weltkrieg waren die Möglichkeiten auf Ungarn beschränkt und das Ziel, das die Handwerker lockte, war die Hauptstadt Budapest.

Die Bohler Gewerbekorporation hatte ihren Sitz im Gesellenverein. In den Jahren vor unserer Enteignung und Vertreibung hatte die Korporation aus den verschiedenen Fachgebieten 440 Mitglieder: Stricker, Wollspinner. Weber, Bau- und Möbeltischler, Mühlenbautischler, Drechsler, Faßbinder, Schlosser, Spengler, Installateure, Mechaniker, Schmiede, Wagner, Stuhlmacher, Bildhauer, Schuhmacher, Schneider, Hutmacher, Friseure, Glaser, Käsner, Riemer, Uhrmacher, Elektriker, Maler, Anstreicher, Tapezierer, Kachelofensetzer, Bürstenbinder, Gerber, Blaufärber, Fleischhauer, Gastwirte, Bäcker, Zuckerbäcker, Lebzelter, Kerzenzieher, Seifensieder, Siebmacher, Maurer, Zimmermei­ster und Dachdecker. Die Gewerbekorporation hatte den Auftrag, die Handwerker zu registrieren der Steuerbehörde, Sozialversicherung, Krankenkasse gegenüber auszuweisen, Lehrlingsverträge abzuschließen, den Besuch der Lehrlingsschule zu überwachen und die Gesellenzeit zu bescheinigen. Langjähriger Vorsitzender dieser Institution war der Faßbindcrmeistcr Anton Dlusztus (1880-1959). Als gute Handwerksgesellen waren die Bohler bekannt, und waren bis in die Türkei und im Ruhrgebiet zu finden.

Die Handwerkerschaft in Bohl bildete einen selbstbewußten Stand. So weit es keine politischen Differenzen gab, vertraten sie eine konservative, christliche Weltanschauung. Das Verhältnis zur Kirche war gut, das bezeugt die Mitgliedschaft aller Handwerker im Gcsellenverein, dessen Präses (Vorsitzender) immer einer der Geistlichen war.

Ungefähr die Hälfte der Bohler erwerbstätigen Bürger gehörten dem Handwerkerstand an. Das Verhältnis zu den übrigen Bürgern, d. h. zu den Bauern und Taglöhnern war gut, teils aus verwandtschaftlichen Bindungen, und andererseits war man darauf bedacht, möglichen Kunden nichts in den Weg zu legen d. h., es war vertrauensvoll.

In der Gemeindevertretung waren die Handwerker zur Hälfte vertreten. Handwerker und Bauern stellten abwechselnd den Richter. Kulturelle Veranstaltungen wurden von den beiden Berufsständen getrennt durchgeführt. Die Meister waren bestrebt, für Nachwuchs zu sorgen. Ein jeder hatte hinzu drei Gesellen und sie bildeten auch Lehrjungen aus. Gesellen und Lehrlinge, wenn sie nicht in Bohl beheimatet waren, waren in der Familie des Meisters aufgenommen. Sie bekamen dort Verköstigung und Wohnung. Der Lehrling hatte beides frei, der Geselle bezahlte dafür, es wurde mit seinem Lohn verrechnet.

Gott segne in aller Welt das ehrbare Handwerk!

 

Der Jünglingsverein

Im Jahre 1940 feierte diese segensreiche Einrichtung das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens. Ich hatte die Ehre, damals noch als Theologiestudent in einer Art Festschrift ihre Geschichte zu schreiben und zu würdigen. An Hand dieser Beschreibung übernahm Prälat Josef Haltmayer meine Meinung und formulierte: „So weit wir heute sehen und urteilen können, ist der katholische Jünglingsverein eine echt donauschwäbische Idee und Gründung."

Obwohl Handwerker und Bauern schon immer eine gesonderte Klasse bildeten, ist der gute Einfluß 1889 gegründeten Gesellenvereins auf die Jugend, den Bauernvätern nicht entgangen. Es wurde unter ihnen ein echtes Gesprächsthema, bis der Gedanke reif wurde: 6 Bauern, Heinrich Kreß, Franz Guth, Kasper März, Ignaz Kreß, Adam Trischler und Stefan Streb nahmen sich ein Herz und suchten im Namen der Bauerngesellschaft Pfarrer Josef Streicher auf. Sie baten ihn, er möge auch für die Bauernburschen einem, dem Gesellenverein ähnlichen, Verein ins Leben rufen.

Das Ansuchen dieser Männer war dem eifrigen Seelsorger sehr genehm. Nach gewissen Vorarbeiten berief er am 24. August 1890 zur Gründung des Jünglingsvereins die Bauernschaft zusammen. Er gab die Parole aus: Wir gründen einen Jünglingsverein! Nachdem die Satzung, am 6. Oktober 1890, vom Innenministerium und am 2. Dezember vom Fünfkirchner Bischof genehmigt waren, nahm der Verein seine Tätigkeit auf.

Die Statuten53 sind denen des Gesellenvereines ähnlich, aber der Bauernjugend angepaßt. Der kirchliche Präses ist jeweils der Ortspfarrer, der weltliche Vorsteher ein verheirateter Bauer, also ein Vater. Ihm stand ein Schriftführer, Kassierer und ein Ausschuß aus 4 Mitgliedern (ebenfalls lauter Väter) als Familienrat zur Seite. Der weltliche Präses wurde in geheimer Wahl auf drei Jahre gewählt. Der Familienrat war als die gewählte Repräsentation der unterstützenden Mitglieder gleichsam eine Art Schutzvor­stand des Vereines. Der Jahresbeitrag der unterstützenden Mitglieder betrug 5 Gulden, fünfmal so viel wie der Beitrag der noch nicht verheirateten Bauernsöhne.

Die ordentlichen Mitglieder, d. h. die Bauernburschen vom 15. Lebensjahr an bis zur Heirat, wählten aus ihrer Mitte einen Vereins-Senior und vier Ordner, die unter Aufsicht des Präses die inneren Vereinsangelegenheiten zu leiten hatten. Die ledigen Jungmänner versammelten sich viermal in der Woche (Samstag, Sonntag, Dienstag und Freitag) im Vereinshaus, um sich an gewissen Vorträgen zu beteiligen.

Ziel der Institution ist im 1. Paragraph der Satzung festgesetzt und lautet genau so wie beim Gesellenverein. Das Ziel und seine Verwirklichung zog immer mehr Mitglieder in den Verein.

Das Schulzimmer, wo sie sich in der ersten Zeit trafen, konnte sie nicht mehr fassen. 1893 wurde ein eigenes Haus angekauft und für den Verein entsprechend umgeändert. 1897, 1907, 1911 und 1926 mußten immer wieder Umbauten und Erweiterungen vorgenommen und das Gebäude vergrößert werden. Der Weihbischof von Fünfkirchen, Franz Troll, ließ es sich nicht nehmen, die feierliche Weihe der Vereinsfahne und des Vereinshauses persönlich vorzunehmen, wie er auch mehrfach ansehnliche Summen für Zwecke des Vereins spendete.

In der Umgebung von Deutschbohl konnte die Tätigkeit des Vereins nicht unbekannt bleiben. Besonders Nachrichten von Theatervorstellungen machten ihn bekannt. Auch der „Landbote" berichtete darüber z.B.: „Es wurde das Stück ,Der Ägyptische Joseph' von Beck gespielt. Was man von den Bauernsöhnen kaum erwartete, gelang in vollkommener Weise. Unsere Jugend entwickelt sich zusehends lebensfrisch... Die Fortschritte der Jugend finden Anerkennung auch in der Umgebung.. ,56"

Zum Bekanntwerden im ganzen Land trug besonders der Artikel eins Landwirtes aus Deutschbohl, Josef Schneider, bei. Der Artikel war überschrieben: „Gründet katholische Jünglingsvereine!" Darin hebt er hervor: „... Die im Verein erzogenen Jünglinge werden dem bösen Feind auf leichte Weise widerstehen können... sie versammeln sich wöchentlich viermal im Vereinslokal, von 7-10 Uhr abends, wo fröhlicher Diskurs, Unterricht (Schreiben, Lesen, Geographie, Religion) und Gesang auf dem Programm stehen. Die Stunde von 9-10 Uhr ist ausschließlich der Zerstreuung gewidmet, wobei mit Ausschluß des Kartenspiels allerlei Spiele möglich sind... Darum gründet Jünglingsvereine!57"

Aus demselben Blatt war zu erfahren, daß bis Februar 1895 eine Reihe weitere Jünglingsvereine gegründet waren, daher sah sich Pfarrer Streicher veranlaßt, die Vereinssatzungen drucken zu lassen. 1896 wurde den Schullehrern das Thema: „Man beschreibe den segensreichen Einfluß des Jünglingsvereins und des Leservereins, wenn diese im katholischen Geist geführt werden" zur Ausarbeitung gegeben. Mehrere Lehrer stellten die Vereine in Deutschbohl als Musterbeispiele vor. Der Preisrichterausschuß sah sich daraufhin veranlaßt, zur erklären: „Nicht nur in Németbóly arbeiten die Vereine segensreich, sondern auch anderswo58."

Der spätere Bischof von Fünfkirchen, Franz Virag (Blum), wurde 1897 zwecks Koordinierung der Vereine im Bereich des Bistums zum Diözesenpräses ernannt.

Der Minister für Kultus und Unterricht, Gyula Wlassich, gab 1895 die Verordnung heraus; „in allen Gemeinden des Landes, besonders in den deutschsprachigen, sind sogenannte Jünglings-Vereine ins Leben zu rufen. Sie sollen den Zweck haben, den aus der Schule austretenden Jünglingen Gelegenheit zu geben, ihre erworbenen Kenntnisse in der ungarischen Sprache zu erweitern. Sie sollen auch die Pflege des ungarischen Gesanges und der ungarischen Deklamation in die Hand nehmen. Mit der Gründung solcher Vereine werden die Lehrer und die Schulbehörden betraut59.

„Im Banat", so führt Prälat Haltmayer in seinem am Anfang erwähnten Artikel aus, „kam der südungarische Bauernverein und der katholische Jünglingsverein in ein bestimmtes Verhältnis zueiander. In manchen Gemeinden blühte der Jünglingsverein durch die rege Aktivität der Geistlichen auf...." In Südungarn waren Jünglingsvereine nach Haltmayer in Hodschag (1906), Parabudsch (1908), Apatin (1903), Vaskút (1906), Gaidobra (1908), Filipowa (1912), Palanka, Kernéi, Kula, Futok und Bukin.

Ich selbst hatte als Student nicht genug Zeit, um genau festzustellen, wo im Fünfkirchener Bistum-Jünglingsvereine gegründet wurden, auch seitdem hatte ich keine Gelegenheit dazu. Im Schematismus sind einige aufgezählt: Paks (1893), Szakadat (1906), Nagynyárád (1910), Szajk (1913), Deutschmarok (1920), Majs, Bátaszék, Nyomja, Himesháza/Nimersch - obzwar es sich lohnte, dieser Frage nachzugehen.

 

Weitere Vereinigungen

Aus eigener Initiative von Bürgern ist in der Mitte der 20er Jahre - wie damals in den meisten donauschwäbischen Dörfern - der Ungarländische Deutsche Volksbildungs­verein (UDV) gegründet worden. Langjähriger Vorsitzender war der allgemein geschätzte Kaufmann, Alois Dlusztus. Die Zentralstelle des Vereins war in Budapest, sein Organ „das Sonntagsblatt". Dr. Jakob Bleyer, Universitätsprofessor und Politiker, Gründer des UDV, faßte sein Ziel, das er mit dem Verein anstrebte, kurz zusammen: „Mein deutsches Volk - meine ungarische Nation."

Der UDV wurde später vom Volksbund der Deutschen in Ungarn (VDU) abgelöst. Letzter Vorsteher in Bohl war Josef Kretz. Die Ideologie, die durch Organisation und Presse verbreitet wurde, war im Grunde genommen unchristlich. Die meisten aus dem Landvolk erkannten dies nicht und meinten, es sei eine andere Form des UDV, welcher ja die sprachlichen und völkischen Forderungen vertrat. Es wurde dann zum Verhängnis, schadete den eigensten Interessen des Volkes und brachte nach 1945 unaussprechliches Leid.

Einen ganz anders gearteten Verein, eben einen Sportverein, gründeten 1935 die Studenten. In den Ferien veranstalteten sie auch leichtathletische Wettkämpfe: Hoch­sprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Diskuswerfen, und Speerwerfen. Die Anfange des Fußballspiels gehen in die Jahre der Jahrhundertwende zurück. Die Studenten machten Schule: bald gesellten sich auch Mitglieder aus dem Jünlings- und Gesellenverein dazu und es entwickelte sich im Dorf ein reges Sportleben in allen Disziplinen.

Bevölkerungzahl:

1757: 1157; 1783: 1493 (bei der josephinischen Volkszählung: 1515); 1810: 2067; 1829: 2075)60

 

Volkszählung: 1880 1890 1900 1910 1920
Magyaren 230 227 353 474 439
Deutsche 2211 2748 2698 2518 2518
Slawen 148 57 76 126 3559

 

Das Bauernleben in Bohl

von Julius Beck, kaufm. Angestellter

Gottlob Holder schreibt in seinem Buch „Untere Baranya: Deutschbohl hat sich zu einem Mittelpunkt deutscher Bauernkultur entwickelt61." Als ich dies las, kehrte ich in Gedanken in meine Kindheit zurück, befragte auch ältere Landsleute und meine 84 Jahre alte Mutter: „wie war es doch bei den Bauern, als wir noch daheim waren?"

Bauer und Bäuerin hielten in allen Dingen fest zusammen. Sie hatten ein Vertrauensver­hältnis zueinander. Sie teilten die Arbeit und die Sorgen, berieten gemeinsam über anfallende Probleme der Familie und der Wirtschaft. Weder er noch sie bestimmten alleine. Erziehung und Versorgung der Kinder, Arbeit in Haus, Stall und Feld betrachtete man als Pflicht, die man gewissenhaft erfüllte, um so zum Erfolg zu kommen. Die Frau und Bäuerin war Hüterin des Hauses. Sie schaffte in erster Linie im Haus und in der Hauswirtschaft. Sie betreute die Kinder, kochte für die meistens große Familie. Dazu gehörten auch die Dienstboten und die Taglöhner. Sie versorgte tagsüber das viele Groß-und Kleinvieh. Wenn wichtige Feldarbeiten anstanden, ging sie auch aufs Feld und in solchen Zeiten versorgte die Großmutter oder Schwiegermutter die Hauswirtschaft und die Kinder. Dies war nicht nur bei größeren, sondern auch bei kleineren Bauern der Brauch.

Der Bauer fütterte mit den Dienstboten ziemlich früh zuerst das Vieh. Nach ergiebigem Frühstück ging's mit dem Pferdewagen hinaus auf den Hotter oder in die Weingärten. Man fuhr sehr früh hinaus, besonders weil die Felder entfernt lagen und weil man mittags wegen der großen Hitze im Sommer eine kleine Mittagsruhe einlegen mußte. Mittags gab es nur kalte Kost: Brot, Schinken, Speck, Wurst, Käse, aber immer auch Wein dazu. Die Arbeit war hart, weil man damals noch wenige Maschinen in Anspruch nehmen konnte. Man blieb auf dem Feld bis Sonnenuntergang. Erst abends gab es warmes Essen.

Der Bauer war in seiner allgemeinen Auffassung und Haltung konservativ. Er stand fest in seinem Gottesglauben und war treu und fürsorglich für seine Familie. Sein Haus, sein Feld, sein Dorf und die Gemeinde waren seine Welt. Er war selbstbewußt und stolz auf seinen von den Ahnen geerbten und womöglich vergrößerten Besitz. Trotz seiner vielen Arbeit und Plage war er ein zufriedener Mensch. Der Sonntag war für ihn Tag des Herr. Der Kirchgang war aufgeteilt. Einige aus der Familie gingen zur Frühmesse, andere nahmen am Hochamt teil. Der Bauer ließ es sich etwas kosten, daß am Sonntag alle schön gekleidet seien. Soweit möglich, kochte man vor, daß alle am Gottesdienst teilnehmen konnten. Nach der Messe eilte die Bäuerin nach Hause, der Bauer aber ging in die Gemeinde („zur Gmaa") um die Bekanntmachungen vor dem Gemeindehaus zu erfahren. Anschließend war noch Zeit in den Jünglingsverein zu gehen.

Nach einer wochenlangen schweren Arbeit von morgens früh bis abends spät brauchte man auch Ruhe, Unterhaltung. Die Bauern von Bohl besuchten kaum ein Wirtshaus.

Sonntagnachmittags sah sich der Bauer oft da und dort die in der Nähe liegenden Felder an, wie die Saaten gedeihen. Dann ging er in den „Tukar". So nannte man die Preßhäuser. Der Reihe nach ging man in diese zu Kameraden, Freunden oder Verwandten. Es war nicht üblich, daß die Frauen „in die Keller" mitgingen. Die Frauen gingen nachmittags in die „Betstund" und anschließend zum Friedhof, die Gräber zu besuchen. Nachher wartete die Hausarbeit daheim auf sie. In dieser Beziehung hatte die Bäuerin am Sonntag mehr zu leisten als die Männer. In neuerer Zeit war der Jungbauer auch schon moderner und ging mit seiner Frau spazieren, etwa zum Fußball, ins Kino, ja auch in die „zukrázda" (= Konditorei). Kulturelle Bedürfnisse befriedigte man im Jünglings- und im Leseverein. Trotz seines Konservatismus, wußte der Bauer, daß die Zeit nicht stehen bleiben darf. Darum schickte er seine Söhne in die landwirtschaftliche Winterschule nach Mohatsch. Dort lernte der angehende Bauer modernere Methoden in der Landwirtschaft. Man blieb von November bis März ganztags im Internat. Zum Abschluß des zweijährigen Winterkurses fand ein Austellungswettbewerb statt. Daran beteiligten sich alle Schüler. Im Sommer kamen die Lehrer (man nannte sie in Ungarn Professoren) vor der Erntezeit nach Bohl, um die Schüler daheim zu besuchen. Stall und Vieh wurde dabei gemustert, nach einem Festessen fuhren sie auch aufs Feld, um die Ernte zu begutachten. Die Bauernburschen heirateten mit etwa 22-24, die Mädchen mit 18-20 Jahren. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, daß man nach der Hochzeit den jungen einen Teil der „Wirtschaft" überschreiben ließ. Dann wirtschaftete man gemeinsam. Meistens erbte der älteste Sohn die „Bauerei", die jüngeren Geschwister wurden „rausbezahlt". Wenn dann die Eltern später die ganze Wirtschaft übergaben, gingen sie „in Auszug". Dies bedeutet, sie bekamen vom Jungbauern Weizen, täglich Milch jährlich ein gemästetes Schwein, Eier u.a.m., um ruhig leben zu können: die Jungen versorgten die Alten. Sie lebten aber weiterhin im selben Haus, nur in einer eigenen Wohnung.

In Bohl war Dreifelderwirtschaft üblich: 1/3 der Äcker wurde mit Weizen, 1/3 mit Kukuruz (Mais), 1/3 mit Sonstigem (Rüben, Grundbeeren (= Kartoffeln, Klee u.a.m.) angebaut.

Im Mai ging die Schwerarbeit mit dem Wiesenmähen los: In der Früh um 3 Uhr wurde die Sense schon angelegt, weil der Tau das Mähen erleichterte. Wenn die Sonne schon hoch stand und das Gras trocken war, ging es viel schwerer. Eine Heufuhr laden forderte vom Bauer Geschick und Kraft. Ende Juni war der „Schnitt", die Ernte von Weizen, Gerste und Korn. Früher geschah dies alles mit der Sense, in neuerer Zeit auch mit Mähmaschinen, Größere Bauern übergaben diese Arbeit Taglöhnern, die dann als Lohn einen festgelegten Teil der Ernte erhielten. So sicherte sich der Taglöhner sein Jahresbrot. Es folgte das „Einführen" und das „Schobersetzen" was eine eigene Kunst erforderte. Früher half man sich gegenseitig beim Drusch (= „Trabben") aus, später stellten die Besitzer der Dreschmaschinen die Arbeiter zur Verfügung. In Bohl hatten Kasper Braun, Koloman Bago, Karl Ringlaub, Joseph Fuchs, Johann Müller, Joseph Krecht eine Dreschmaschine. Wenn es auch mit schwerer Mühe verbunden war, der Bauer freute sich, daß seine Arbeit von Gott gesegnet war. Manchmal mußte er aber auch mit bescheideneren Ergebnissen zufrieden sein.

Die „Lesezeit" bedeutete die Ernte im Weingarten. Das Jahr hindurch braucht der Weingarten keinen Herrn, sondern einen Knecht. Aber bei der Weinlese ging es dann auch fröhlich zu: Nachbarn, Verwandte, Freunde, Klein und Groß halfen da zusammen. Das Bücken, auf Knien rutschen war mühsam, wenn man sich aber aufrichtete, sah man von den hochliegenden Weinberger in Versend nach Süden weit in das Donau-Drau-Dreieck hinein. Die Bohler hatten viel Arbeit mit ihren Weingärten, sie hatten aber auch viel Wein. Seit dem Matthias König seine „Schnapsbrennerei" eingerichtet hatte, konnte man auch die „Treber" leichter verwerten.

Die letzte Ernte war das „Kukuruzbrechen" und an den Abenden - ich erinnere mich noch ganau - das Kukuruzschälen. Bei dieser Arbeit konnte man wieder die Solidarität der Nachbarn, Freunde, Verwandten bewundern. Es kamen 20-30 Personen zusammen. Einer half dem anderen, es war eine gewisse Nächstenliebe. Dabei unterhielt man sich mit fröhlichen Gesprächen und es wurden schöne Lieder gesungen. Der Weinkrug machte selbstverständlich öfters die Runde, denn der Bauer ließ sich nicht lumpen.

An Gottes Segen ist alles gelegen - wer sollte dies besser wissen wenn nicht der Bauer?! Das Bauernleben war eng mit dem Kirchenjahr verbunden: Am 24. April war die Fruchtwelke. An der Prozession in die Fluren nahm das ganze Dorf frühmorgens teil. Nach der Weihe nahm man einige Fruchthalme mit nach Haus, die Monate hindurch noch mit Gebetbuch lagen. Symbolisch warf man auch einige in die Futterkrippe. Während der Weihe flochten die Mädchen kleine Kränze für das Handkreuz des Pfarrers und für die Fahnenstangen. AmFest des hl. Florian, der Heiligsten Dreifaltigkeit,des hl. Johannes von Nepomuk und am 20. Oktober, wallten wir zu den entsprechenden Statuen zur Wendelini-Kapelle. In früheren Zeiten fand bei dieser Kapelle die Viehsegnung statt. Besonders feierlich war die Fronleichnams-Prozession. Tage hindurch sammelte man Blumenblüten für den Blumenteppich und brachte so die Verehrung gegenüber dem Hochheiligen Sakrament zum Ausdruck. Am Karfreitag besuchte die Familie in der Kirche, in der Wendelini-Kapelle und am Kalvarienberg das Hl. Grab (man nannte es „Herrgottbussel". Man legte auch eine Spende für das Hl. Grab in Jerusalem dazu. Am Karfreitagabend ging man im Finstern noch einmal auf den Kalvarienberg und betete privat den Kreuzweg. Diese Andacht im Scheine der vielen brennenden Kerzen war besonders ergreifend.

Nach dem Besuch des Hl. Grabes begann für die Hausfrau die Vorbereitung für „Emmaus", am Ostermontag. Feine Kuchen und verschiedenste Bäckereien wurden hergestellt. Ostermontag fiel sogar die Betstund aus, weil Groß und Klein, Alt und Jung in die Preßhäuser eilten. Den ganzen Nachmittag verbrachte sozusagen das ganze Dorf mit fröhlicher Unterhaltung, reichlicher Speise und Trank im Grünen.

Am Himmelfahrtstag wurde das „Würzbüschel" geweiht. Wenn im Stall ein Kälbchen oder ein Fohlen auf die Welt kam, tat man von diesem geweihten Blumenstrauß etwas in den Trank, um so seine Zuversicht auf den Segen Gottes zum Ausdruck zu bringen. Nach dem 1. Weltkrieg lastete die Wirtschaftsweltkrise schwer auf dem Bauer. So mancher Bauer konnte die Steuern kaum mehr zahlen und es dauerte lange, bis wieder ein Aufschwung kam.

Trotzdem war es schön in der Heimat Bauer zu sein!

 

Volksdeutsche 1945

von Franz Josef Käszdorf64

 

Verirrte Gestalten

In landfremder Tracht.

Sie büßen für Taten,

Die andre vollbracht.

 

Im Sturme des Schicksals

Entrissen dem Strand.

Ein Volk ohne Heimat

Auf Suche nach Land.

 

Die Wogen des Leidens

Verwehren die Sicht.

Sie suchen ein Ufer

Und finden es nicht.

 

Aussiedlung der Bohler Landsleute

Im Herbst 1944 flüchteten etwa 150 Personen, die meisten leben in Bayern und Württemberg. In der Zeit vom 22. bis 26. Juni 1946 fand die Ausweisung einer großen Gruppe ehemaliger Bohler statt; sie kamen nach Hessen. 1947 wurde eine weitere Zahl von Bohlern in die DDR gebracht; die meisten kehrten heimlich in die geliebte Heimat zurück. 1956 machten sich besonders manche Jugendliche auf den Weg in eine unbekannte Zukunft. So sind etwa 735 Personen ehemals Bewohner von Bóly/Bohl in der weiten Welt zerstreut. Auch sollen die Heldentoten nicht vergessen werden, die ihr junges Leben im sinnlosen Krieg lassen mußten!

Nach vierzig Jahren beurteilt man die Aussiedlung der Deutschen in Ungarn ganz anders - für jene aber die die Heimat verloren haben (leider) zu spät. Trotzdem gereicht es der ungarischen Wissenschaft zur Ehre. Vor kurzem fand eine öffentliche Diskussion über das Buch von István Fehér „Weg der Ungarndeutschen vom Volksbund bis zum Abschluß der Ausiedlung (1938-1950). Fehér ist Dozent an der Universität in Fünfkirchen und sein Buch ist eine Dissertation von 500 Seiten.

Namhafte Gelehrte der Geschichtswissenschaft wie Gyula Juhász, Mihály Korom und Lórant Tilkovszky haben die Aufgabe der offiziellen Opponenten versehen. Nach Meinung von Gy. Juhász ist „der Standpunkt von István Fehér unannehmbar", „das krampfhafte Bemühen" des Verfassers, „die Aussiedlung zu rechtfertigen" aber unver­ständlich. - Die Aussiedlung ist „keine prinzipielle Politik, sondern brutaler Nationalis­mus oder zumindest eine sehr kurzsichtige politische Taktik." - Mihály Korom vertrat den Standpunkt: „Die Aussiedlung von Nationalitäten aus ihrer Heimat ist eine antihumane Tat, das ist nicht Prinzip der Demokratie und auch nicht des Sozialismus." Tilkovszky sagte: „Es ist ein verbittertes Aufflammen des ungarischen Nationalismus, der wegen des verlorenen Krieges einen Sündenbock suchte!" Juhász führte weiter aus: „Es wäre ein schwerer Fehler, so die Vergangenheit heraufzubeschwören, indem man versucht gutzuheißen, was geschah. Eine Beruhigung kann nur die ehrliche, kritische und selbstkritische Erschließung der geschichtlichen Vergangenheit bringen..." Diese fundamentale Analyse erschien in der „Neuen Zeitung", Organ des Demokratischen Verbandes der Ungarndeutschen in Budapest, Nummer; 985/4, in acht Kolumnen auf der 3. und 4. Seite.

 

Bóly

Bildernachweis und Bilderverzeichnis von Pfarrer Dr. Franz Galambos-Göller Repro- und Gestaltung Mathias Volk

 

   
Röm.-kath. Kirche Grabstein des Michael Henckelmann aus dem Jahre 1760
   
   
Schloß und Dorf Bohl um 1820 (Holzschnitt auf einem Gescllcn-Wanderbrief) Kalvarienberg
   
   
Amtmann Prosper, Flötenkünstler
   
   
Ortseinfahrt aus Richtung Borjád Die erste Gasse von Bohl „Die Hatgasse"
   
   
Das Schloß Das Mausoleum
   
   
Vereinshaus des Jünglingsvereins Németbólyer Pfarrblatt vom Jahre 1928
   
   
Rest der Pferdebahn, die durch das Dorf führte Die katholische Elementarschule
   
   
Die Dorfmühle Links in die „Flederwischgasse, rechts auf dem Kippl"
   
   
Schwester Ulrich beim Jubiläum 1982 in Bohl Johann von Nepomuk an der Straße nach Szederkény/Surgetin
   
   
Dreifaltigkeitssäule

Quellennachweis:

  1. L. Nagy in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1982, S. 389. Anm. Nr. 76. - Die Siklós(ch)er Domäne hat die Gräfin 1728 von den Caprara-Erben gekauft. Keine Herrschaft war also eine Donation(= Schenkung).
  2. L. Nagy ebenda, Jg. 1978, S. 63
  3. L. Nagy ebenda, Jg. 1978, S. 83
  4. Die genannten Pferdeställe waren an der Stelle der späteren Käserei.
  5. L. Szita in Ortsgeschichtsschreibung. Jg. 1974/75, S. 111-112. In der stürmischen Zeit bei Kriegsendes gingen so manche Dokumente aus dem fürstlichen Archiv verloren; dieses aber gelangte in meinem Besitz und ich schenkte es dem Komitatsarchiv. Im Jahrbuch 1974/75 wurde es veröffentlicht.
  6. Auch diese Akten befinden sich im Komitatsarchiv
  7. Brüsztle, Recensio... B. II, S. 296
  8. L. Nagy in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1982, S. 376
  9. Das Dokument über das gefahrvolle Leben in der Ansiedlungszeit, das ursprünglich ungarisch verfaßt ist. habe ich in „Unser Kalender" im Jahrbuch der Ungardeutschen erläutert mit dem Titel „Pfarrer Schranz Anwalt der Deutschbohlcr Schwaben", S. 102-106
  10. Ebenda
  11. Ebenda, S. 381
  12. Dr. Norbert Herr, „Die Stiffoller in Ungarn", Artikel im Jahrbuch des Kreises Fulda. 1985
  13. L. Nagy, in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1982, S. 389. Anm. Nr. 77.: ............... Lóvösszen schuldig zu geben..." Bevor die Einstallung der Pferde sich verbreitet hat, arbeitete der Bauer mit den Pferden nur vormittags auf dem Feld. Nachher trieb er sie auf die Weide. Am Abend warteten die Burschen auf sie und weideten sie die ganze Nacht hindurch: die Wächter in der Nacht waren die „lóvösszen".
  14. Der ins Ungarische übersetzte befindet sich ebenda. S. 377. Rohonc/Rechnitz liegt seit dem 1. Weltkrieg im Burgenland
  15. Siehe ausführlich bei L. Nagy, in Ortsgeschichtsschreibung 1982. S. 381, 386-387
  16. L. Sándor, in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1978, S. 304-305. Das Marktrecht bekam die Gemeinde 1782
  17. L. Sándor, ebenda siehe die Anm. Nr. 23. und 24. auf S. 326
  18. R. Gorjanac, in Ortgeschichtsschreibung, Jg. 1981, S. 485
  19. K. Kardhordó, in ebenda, Jg. 1972, S. 230
  20. Der Name ist auch in der Liste von den Kleinhäuslern i. J. 1813 aufgeführt, siehe bei Németh S. 129 als „Martin Donner".
  21. Diesbezüglicher Briefwechsel in meinem Besitz
  22. János Szita, in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1980, S. 401
  23. Siehe Pfarrchronik von Németbóly in genanntem Jahr
  24. Ebenda S. 4 und 6. Aufzeichnung des Pfarrers Senger
  25. Die Angaben stammen aus Befragungen älterer Bauern, einige Dokumente über Adam Göller sind im Besitz der Familie Béla Rudolf
  26. Die Dokumente fúr die Auszeichnung von Adam Göller sind im Besitz der Familie Béla Rudolf. - Für Dlusztus in „Dlusztus-család krónikája" Nr. 4, Jg. 1980
  27. In der Mitte des vorigen Jhs. hatten sie sogar eine Schule, siehe die Pfarrchronik, Aufzeichnung des Pfarrers Baumholczer. Die Zahl der Juden: i. J. 1813: 26, 1875: 75, 1906: 67, 1943: 13 Personen. Die Angaben stammen aus dem entsprechenden Schematismus
  28. Papanik, S. 114
  29. Bei Németh S. 209-212; Die katholischen Donauschwaben, Band II, S. 183
  30. Aus „Zwischen Weiden und Akazien" redigiert von A. Tafferner, München. 1980, S. 306-307
  31. Ebenda
  32. Die Stimmung der Bohler ist im Spottvers und Lied vom witzigen Bürstenmacher Latzl Jani enthalten: In Deutschbohl ist's sehr lustig - da fährt die Pferdebahn - alle fünf Minuten fällt das Werkl um - Kontrollör ist schußlich - der Direktor ist nicht gescheit - mit einer solch bucklichen Gesellschaft - kommt man nicht sehr weit.
  33. Im Schematismus des Bistums Pécs/Fünfkirchen vom J. 1981 steht als Baujahr „1744"; dies kann nur ein Druckfehler sein
  34. Pfarrchronik von Németbóly, S. 4
  35. Ebenda. S. 4. - Deliblat (Kevehäza, Kovin. Kubin) ist eine Gemeinde in Jugoslawien: bei der Volks/.ählung 1919 hatte es 213 Katholiken, bei der Volkszählung 1921 125 Deutsche Bewohner
  36. Ebenda im genannten Jahr
  37. Schematismus 1906, S. 73
  38. Diese Angaben sind den Visitationsakten 1829 entnommen. Auch in der Pfarrchronik wird gesagt: den Grundstein legte am 23. Mai 1817 der Grundherr J. B. Battyány selbst. - Prof. Johann Martin Fischer ist zu Bebek bei Hophen im Allgäu am 2. 11. 1740 geboren; 1805 wurde er Professor. 1815 Direktor der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Statuen, Büsten und Brunnen von ihm stehen in Schönbrunn und Wien. Er starb am 27. 4. 1820 in Wien
  39. Pfarrehronik von Németbóly, S. 11. Die Instrumente sind auch im Protokoll der Visitation von 1829 verzeichnet
  40. 1 Killa = 2 Mctzen (vgl. Merényi. Domsics Mátyás. S. 29)
  41. Die Angaben von Senger siehe Pfarrehronik, S. 4. Bezeichnend ist.daß schon Senger von „Auszug" spricht: dies wird doch bedeuten, daß die Siedler diese Einrichtung von ihrer alten Heimat in die neue mitbrachten. - Das Volk wünschte die Anwesenheit mehrerer Geistlichen am Kirchweihfest. Diese kamen mit dem Wagen; nicht nur der Pfarrer, auch der Wagenlenker und Pferde mußten versorgt werden. Das Volk fühlte sich geehrt, wenn viele Pfarrer an diesem Fest teilnahmen.
  42. Pfarrehronik von Németból>, Aufzeichnung des Pfarrers J. Streicher.
  43. Vgl. Missionschronik der Lasaristen in Graz
  44. Der Landbote am 17. Mai 1896
  45. Das Christliche Volksblatt, Nr. 47, 1910
  46. Siehe das Bild
  47. Siehe M. Lehmann, Schrifttum, S. 62 und Nr. 3249. 3291
  48. Der Gulden = forint ist mit 60 Kreuzer oder 100 Denare gleich
  49. 1 österreichische Metze: 61,487 1; 1 Preßburger Metze = 62,53 Pester Metze =1 1/2 x Preßburger Metze, - Osmak = 1 1/2 kg
  50. Der Grund ist in der Pfarrehronik nicht angegeben. Die Liste des Lehrpersonals ist leider auch hier wie in den meisten anderen Dörfern unvollständig
  51. J. Laki, in Ortsgeschichtsschreibung, Jg. 1982. S. 242
  52. M. Füzes, in Ortsgeschichtsschreibung. Jg. 1979, S. 514
  53. L. Szita. Ebenda, Jg. 1982. S. 512-513
  54. Schultypen und Einheitsmethode siehe bei Babarc/Bawarz
  55. Bei Némth S. 202-204
  56. Tegzes, in Ortsgeschichtsschreibung. Jg. 1978, S. 503.
  57. Mitteilung von den ehemaligen Schülern CStR. Fr. Josef Heil und Julius Beck
  58. Die Statuten sind abgedruckt in „Die Kath. Donauschwaben, B. II, S. 567 - Bohl hatte 1864-1924 ein „Deutsches Casino.1895 wurden die Satzungen in ungarischer Sprache modifiziert." Auch ein „Leseverein" bestand vom J. 1869, 1876 hatte er 86 Mitglieder. - der Katholische Leseverein von 1890 bis 1948. Vgl. Maria Anna Moro in Ortsgeschichtsschreibung,Jg. 1977, S. 184.
  59. Zeitung „Der Landbote" Jg. 1892, Nr. 8, 27
  60. Ebenda, Nr. 47
  61. Amtsblatt des Bistums Fünfkirchen im genannten Jahr
  62. „Der Landbote", Jg. 1895, Nr. 3
  63. Aus den Visitationsprotokollen
  64. Bleyer, Das Deutschtum..., S. 104
  65. G. Holder, Untere Baranya, S. 18
  66. Tafferner, Zwischen Weiden und Akazien, S. 302

 

 

   
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