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 Beispiele zur Volkskunde: Hausformen, Trachten und Volkstheater

 

Die in ländlichen Räumen wie den donauschwäbischen Siedlungsgebieten in Sitten, Brauchtum, Wohnweise, Hausformen, Trachten und Volksspielen ausgeprägte Volkskunde kann im folgenden nur an wenigen Beispielen verdeutlicht werden. Während diese für die Trachten auf den donauschwäbischen Raum beschränkt bleiben, werden bei den Hausformen auch Bessarabien, die Dobrudscha und Südrußland miterfaßt.

 

37. Hausformen und Wohnweise

Tafel

Die Kolonisten waren ursprünglich selbst zum Hausbau verpflichtet. Erst als sich dies vermutlich durch die mangelnden Kenntnisse derselben im Bauwesen nicht bewährte, ging die Verwaltung in der Zeit der theresianischen Ansiedlung zunehmend dazu über, den Bau der Kolonistenhäuser durch Richtlinien zu vereinheitlichen und die Ausführung Handwerkern zu übertragen, obwohl noch unter Joseph II. die Kolonisten wiederholt beim Bau ihrer Häuser mithelfen mußten. Wie die vorliegenden Berichte über die in kurzen Zeiten errichten Häuser im Banat (5.22) beweisen, haben diese hohen Zahlen zu möglichst einfacher und prägnanter Ausgestaltung gezwungen. Nach den Plänen der verschiedenen Typen von Kolonistenhäusern (5.23; 5.24) ist ein Fachwerkbau mit Riegelwänden jeweils mit und ohne Schuppen von einem Kotziegelbau ebenfalls mit und ohne Schuppen zu unterscheiden. Bei diesem Haustyp handelt es sich um das sogenannte Ansiedlungshaus, das zum Urtyp für alle späteren Haustypen und -formen bei den Donauschwaben geworden ist. Im Ansiedlungshaus gab es ein Zimmer, eine Küche, eine Kammer und den Stall, der bei Handwerkern wegfiel.

Die Häuser standen in der Regel im Banat und in der Batschka mit dem Giebel zur Gasse, was bedingte, daß die Höfe ebenfalls mit der Schmalseite zur Gasse lagen. In der Batschka entstand aus dem Ansiedlungshaus einerseits das Kleinhaus, das in seiner räumlichen Anordnung diesem weitgehend ähnlich blieb, und andererseits das Langhaus, das noch mehr Räume für die vergrößerten Familien der Kolonisten angebaut hatte. Beide Haustypen haben sich im Laufe des 19. Jahrhunderts weiterentwickelt und zunehmend differenziert. Das seit der Zeit um 1800 gebaute Kleinhaus unterschied sich anfänglich nur in der baulichen Ausgestaltung vom Ansiedlungshaus. Erst im Laufe der Zeit wurde das Niveau des Hauses durch mehrere Stufen erhöht, die Zimmer mit mehr Fenstern versehen, das Haus insgesamt unterkellert und die Türen innerhalb des Hauses ebenso wie die Tür zur Gasse großzügiger gestaltet. Der im Laufe des 19. Jahrhunderts immer breiter werdende und zuletzt mit Stützen versehene Gang entlang des Hauses kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Notwendigkeit, zu sparen, wieder ab. Das Langhaus ist um 1800 aus einem verlängerten Ansiedlungshaus entstanden, an das rückwärts eine Kammer, ein Stall oder ein Schuppen angebaut wurden. In Einzelfällen wurde der Schuppen als Nebengebäude in den Hof gestellt.

Das anfänglich nicht unterkellerte Gebäude erhielt im Laufe des 19. Jahrhunderts den Keller, wobei dieser anfänglich separat angelegt wurde, und das Haus selbst nicht unterkellert blieb. Auch am Langhaus entwickelte sich der säulengestützte Gang, der mindestens drei Stufen über dem Hofplatz lag. Als sich in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts durch die Kommassierung  der Gemarkung die Wirtschaftsform mit den Sallaschen (Aussiedlerhöfen) entwickelte, und daher nicht mehr der gesamte Hof für die bäuerliche Wirtschaft benötigt wurde, entstand im rückwärtigen Teil desselben ein abgezäunter Garten. Bald darauf wurde die verbleibende Hofstelle am Ende des Bauernhauses noch einmal abgezäunt, und der Zaun mit einem Tor versehen. Damit entstand ein vorderer Wohnhof und ein rückwärtiger Wirtschaftshof, der nach dem früheren Platz, wo das Getreide ausgetreten wurde, als Tretplatz bezeichnet wurde. Durch diese Anlage begann die Trennung von Wohn- und Wirtschaftsteil des Hofes. Das Langhaus ist trotz der ansonsten zu findenden Bauformen des Halbquer- und Querhauses, des Winkelhauses und des Villenbaus, die alle eine weit größere Raumzahl besaßen als das Langhaus und entsprechend repräsentativer aussahen, und einen größeren Wohlstand ihres Eigentümers forderten, der beherrschende Bau der donauschwäbischen Siedlungsgebiete, vor allem in der Batschka und im Banat geblieben. Im Banat befanden sich Wohnung und Pferdestall unter einem Dach, während der Kuhstall meist unter einem eigenen Dach angebaut war. Dem Bauernhaus gegenüber lag im Hof ein kleineres Haus, das für den auf dem Altenteil lebenden Bauern bestimmt war.

Die Bauernhäuser lagen meist unmittelbar an der Gasse, nur ein kleiner Teil besaß vor der Giebelfront zur Gasse hin einen durch  einen  Lattenzaun  geschützten  Blumengarten. Die Häuser waren meist innen und außen mit Kalk getüncht, der Sockel jedoch dunkelblau oder grün gestrichen. Im Hausgrundriß (5.38) war das als Stube bezeichnete Zimmer nur dazu vorhanden, um Besuch zu empfangen. Die neben der Stube gelegene Küche besaß ursprünglich einen offenen Rauchfang über dem offenen Herd und in einer Ecke einen Backofen. Bei den späteren Hausbauten wurde die Decke geschlossen und der Herd in eine Ecke eingemauert. Die Küche lag zwischen der Stube für den Empfang der Gäste und dem zweiten als Kammer bezeichneten Zimmer. Die Lehm- oder Ziegelöfen beider Räume wurden von der Küche aus geheizt. Die Kammer war der Wohn-und Schlafraum der Hausbewohner. In den älteren Häusern konnte man, ohne den Hof zu betreten, in den Stall gelangen. Erst bei den in jüngerer Zeit gebauten Häusern war ein Zugang zum Stall vom Haus her nicht mehr möglich.

Die Häuser waren nicht nur äußerlich weitgehend ähnlich, sondern auch im Innern überwiegend gleich eingerichtet. In der als Schlaf-und Wohnzimmer genutzten Kammer standen ebenso wie in der Stube die Betten jeweils allein an den Wänden einander gegenüber. Sie waren mit Polstern und Bettzeug hoch aufgetürmt. In der Mitte des Zimmers stand ein viereckiger Tisch, um diesen mehrere einzelne Stühle oder Holzsessel, in der ursprünglichen Ausstattung nur zwei lange Bänke. Die an sich einfachen Holzmöbel erhielten durch die für alle Teile des jeweiligen Zimmers gleiche Bemalung einen nach Farbe und Malweise eleganten Eindruck. Die Formen- und Farbengebung der Bemalung zeigt im Unterschied zur Bemalung südwestdeutsch-süddeutscher Bauernmöbel Einflüsse aus der neuen Umgebung der Kolonisten. Die For-mengebung der Möbel selbst dagegen unterscheidet sich kaum von derjenigen südwestdeutscher Bauernmöbel. Die in den Kolonistenhäusern ursprünglich verwendete Truhe ist schon im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert durch den bequemer zu benützenden und für den Zustand der Kleidung besseren Schrank verdrängt worden. Im Raum stand noch zwischen den mit Spitzenvorhängen versehenen Fenstern oder, seltener, auch vor den Betten der mit einem weißen Tuch bedeckte Schubladkasten, über dem in katholischen Häusern der Hausaltar angebracht war. An der Wand darüber hing ein großes Christus- oder Marienbild, neben dem die Taufbilder und Photographien Verwandter und Bekannter angebracht waren.

Bei den Höfen in Bessarabien ist zwischen halben und ganzen zu unterscheiden. Die anfänglich ganzen Höfe waren ca. 40-50 bzw. 80 m breit und von 100 m an aufwärts tief. Diese nur in den ursprünglichen Einstraßen-dörfern vorhandenen Höfe, die im vorderen zur Straße hin liegenden Teil Wirtschaftshof und im hinteren Obst- und Weingarten waren, wurden später der Länge nach in halbe Höfe geteilt. Bei den mehrstraßigen jüngeren Dörfern waren die Höfe wesentlich kleiner und enger. Die Gebäude auf den Höfen in den alten Dörfern waren meist gleich angeordnet. Die Häuser standen mit der Giebelseite zur Straße, wobei der als Garten genutzte Abstand zwischen Straße und Haus je nach Kolonie schwankte. An diese Wohnhäuser schlössen sich in einer ununterbrochenen Bauzeile in den Hof hinein ein als Sommerküche dienender Geräteschuppen, der Pferde-, Vieh- und Schafstall mit jeweils 5-6 m Breite sowie das Spreuhaus an. Hinter dem Spreuhaus lag die Dreschtenne. Der Keller lag dem Haus meist gegenüber unter einem Schuppen, nur in Ausnahmefällen befand er sich unter dem Bauernhaus. Die bessarabischen Höfe kamen ohne Scheune aus. Die deutschen Kolonisten in Bessarabien hatten ihre ersten Wohnungen in Erdhütten gefunden. Als vorläufige Wohnhäuser entstanden dann die sogenannten Kronshäuschen, die entweder aus Lehmziegel oder aus mit Lehm beworfenem Flechtwerk errichtet und mit Rohr gedeckt waren. Sie waren meist für zwei Familien gedacht und quer über die Hofgrenze gestellt worden. Jeder Familie standen eine Stube und eine Küche zur Verfügung, letztere stießen an der Hofgrenze aneinander. Nach dem Bau der Wohnhäuser fanden die Kronshäuschen eine Verwendung als Schuppen und Ställe.

Die ersten Häuser der Kolonisten unterschieden sich nur wenig von den Kronshäuschen. Sie waren aber aus Stein und Ziegeln und auf einem niedrigen Fundament errichtet. Dadurch war die Schwelle der Haustür nicht wie bei den Kronshäuschen zu ebener Erde, sondern einige Stufen erhöht. Die Häuser hatten meist zwei Räume, eine Küche und einen Hausflur und waren mit Rohr gedeckt. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Fundament weiter erhöht, die Hausanlage verbreitert und das nach dem Hof hin gelegene Zimmer durch eine Mittelwand in Stube und Kammer geteilt. Dieser Vorgang ließ das eigentliche Kolonistenhaus Bessara-biens entstehen (8.40). Dasselbe ist 25 m lang und 7-9 m breit. Jeweils zur Straße und zum Hof besaß es eine Kammer und eine Stube. Dazwischen lagen die Küche und der Hausflur. Dieser Ausgestaltung des Bauernhauses auf dem ganzen Hof stand das des halben Hofes gegenüber, das neben den oft zu einem zweiten Wohnzimmer ausgestalteten Hausflur nur Küche, Stube und Kammer umfaßte. Die Kolonisten in der Dobrudscha griffen in ihrer Dorfanlage und ihren Hausformen auf die in den deutschen Siedlungen Bessarabiens üblichen Formen zurück. Diese wurden von ihnen abgewandelt, wobei sie vor allem auf eine größere Regelmäßigkeit der Anlage Wert legten. Das Wohnhaus des Bauern stand daher in den Höfen meist auf derselben Seite und im gleichen Abstand von der Mauer zur Straße. Das Wohnhaus bestand fast allgemein aus dem Vorraum, der Straße zur hingelegenen guten Stube, dem zur Hofseite liegenden Schlafzimmer und der dazwischen liegenden Küche (8.41). An das Wohnhaus schloß sich der Pferdestall, der Kuhstall, der Wagen- und Geräteschuppen, der Schafstall und die Spreuscheune an (8.42). Die Stallungen waren dabei häufig mit dem Wohnhaus unter einem gemeinsamen Dach, wie es bei der ähnlichen Bauform im donauschwäbischen Raum war. Von der Straße her kommend, gelangte der Besucher zuerst in den Wohnhof, der rückwärtig durch eine Mauer abschloß, die den Wirtschaftshof mit Dreschplatz, Strohschober und Spreuscheune abtrennte. Die zweite Mauer trennte den Wirtschaftshof auch vom Gemüse- und Obstgarten.

Die Höfe der deutschen Kolonisten in Südrußland waren in ihrer Gesamtanlage mit den Hofanlagen in Bessarabien eng verwandt. Die etwa 40 m breiten und 120 m langen Höfe gliederten sich in einen vorderen Hof mit Wohnung und Stallungen und einen hinteren mit dem Dreschplatz und dem zum Verbrauch aufgesetzten Strohhaufen. Im Wolgagebiet waren die Häuser meist einstöckig und aus Holz gebaut, was auch für die Kirchen galt. Die Häuser im Schwarzmeergebiet standen mit dem Giebel zur 30-100 m breiten Dorfstraße und vereinigten Wohnhaus, Ställe und Scheune unter einem Dach. Die einstöckigen Häuser waren aus Sand- bzw. Kalksteinen oder aus gebrannten Ziegeln gebaut und stets verputzt und geweißt. Im Südkaukasus bauten die Kolonisten, um Platz zu gewinnen, zweistöckig. Im zweiten Stockwerk lief eine offene Veranda um das halbe Haus. Die Häuser in Wolhynien waren ebenfalls aus Holz gebaut. In allen Dörfern der Rußlanddeutschen stand die Kirche immer im Mittelpunkt, oder, wenn eine solche fehlte, die Schule, die dann als Bethaus diente.

Literatur: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1-2, Breslau 1933-1936 (Banat, Batschka, Bessarabien, Dobrudscha); K. Stumpp, Die Rußlanddeutschen. Zweihundert Jahre unterwegs, Freilassing 1964; P. Wack, Torschau 1784-1934, hg. von der Gemeinde Torschau

1784-1934, Esslingen/Neckar21965; W. Kon-schitzky, Sonnenrad und Lebensbaum. Banaler Giebelhäuser und ihre Ornamentik, in: Neuer Weg 1981-1982(21 Folgen).

Immo Eberl

 

38. Guttenbrunn/Banat: Grundriß eines schwäbischen Bauernhofes

Photographie

aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.243.

 

8.38

 

39.  Bessarabien: Grundriß eines deutschen Bauernhofes

Photographie

aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 409.

 

8.39

1 Gemüse-, Blumen- und Obstgarten; 2 Wohnhaus: 3 Sommerküche; 4 Wagen- und Geräteschuppen: 5 Pferdestall; 6 Kuhstall; 7 Schafstall; 8 Maschinen- und Geräteschuppen; 9 Spreuhaus; 10 Dreschplatz: 11 Obstgarten; 12 Weingarten; 13a, b, c Stroh- und Heuschober; 14 Brunnen; 15 Hühnerstall; 16a Kuh- hürde; 16b dazugehör. Schutzdach; 17 Keller mit Kellerhaus davor und Schuppen darüber; 18 Brun nen; 19 Hoftor; 20 Hofpförtchen.

 

40. Bessarabien: Grundriß eines deutschen Bauernhauses

Photographie

aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S. 409.

 

8.40

 

41. Cogealac/Dobrudscha: Grundriß eines deutschen Bauernhofes

Photographie

aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 2, Breslau 1936, S.287.

 

8.41

1 Blumengarten; 2 Wohnhaus; 3 Pferdestall; 4 Kuhstall; 5 Wagen- und Geräteschuppen; 6 Schafstall; 7 Spreuscheune; 8 Heu- und Strohschober; 9 Gemüse- und Obstgarten; 10 Dreschplatz; 11 Brunnen; 12 Hühnerstall; 13 Sommerküche.

 

42. Cogealac/Dobrudscha: Grundriß eines deutschen Kolonistenhauses

Photographie

aus: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 2, Breslau 1936, S. 287.

 

8.42

 

 

43. Rußland. Hofanlage deutscher Kolonisten

Photographie

aus: K. Stumpp, Die Rußlanddeutschen. Zweihundert Jahre unterwegs, Freilassing 1964, S.23.

 

8.43

 

a. Jahrmarkt/Banat: Dorfstraße

1985

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

 

8.43a

 

 

44. Trachten der Donauschwaben

Tafel

Die Donauschwaben besaßen bis 1945 eine reiche Vielfalt an Trachten, bedingt durch die unterschiedliche Herkunft der Siedler und dem Neben- und Miteinander verschiedener Volksgruppen in Südosteuropa. Obwohl jedes Dorf seine eigene Tracht hatte, ist den Donauschwaben der Begriff »Tracht« nicht geläufig; sie nennen sie »schwowisches Gwand« oder »paurisches Gwand« im Gegensatz zur »herrischen« Kleidung der Stadtleute und später der Handwerker. In vielen Gemeinden des Banats, der Schwäbischen Türkei und dem Ofener Land ist die Tracht verschwunden; dort wo sie noch nicht abgelegt wurde, sind in erster Linie die Frauen Trachtenträgerinnen. Der Hauptgrund für den starken Rückgang der Männertracht ist die größere Mobilität der Männer; ihre Tracht ist stark von der militärischen und der städtischen Kleidung beeinflußt.

Stefan Jäger hat, nachdem er Trachtenforschung in Deutschland betrieben hatte, in seinem Tryptichon »Einwanderung der Deutschen im Südosten« die Tracht der Einwanderer festgehalten. Die Männer tragen als Kopfbedeckung den Dreispitz oder den breitkrempigen Hut, ein langärmeliges helles Hemd, eine Weste, eine knielange Stoff- oder Leinwandhose, einen blauen, rotbraunen oder grauen wadenlangen Stoff- oder Leinenrock bzw. eine kurze Joppe, helle Strümpfe und schwarze Schnallenschuhe. Die Frauen tragen zu dem gefältelten bunten Stoffkittel, der bis übers Knie reicht, ein kurzärmeliges helles Hemd, ein Miederleibchen oder eine Joppe, eine dunkle Schürze, dunkle Schnallenschuhe, eine Haube (»hohe Bänderhaube« aus Hessen), oder ein nach hinten gebundenes Kopftuch.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kannten die Donauschwaben die Kindertracht. Erst nach 1945 wurden die Kinder städtisch gekleidet. Hauptgrund war wohl die nun schwierig gewordene Beschaffung und der hohe Preis des benötigten Materials. Im Alter von 1 bis 4 Jahren tragen Mädchen und Buben im Sommer ein von der Mutter, Großmutter oder Schneiderin genähtes Kleid mit Kragen, im Winter die sogenannte »Leib-und-Seel-Hose«, die hinten geknöpft, jedoch mit einem Schlitz für die Notdurft versehen ist. Mit 5 Jahren tragen die Buben im Sommer eine Unterhose »gatya«, im Winter eine kurze bzw. knielange Hose, lange schwarze Strümpfe, ein Röckchen (»Mitzla«) und ein verziertes Häubchen. Die Fußbekleidung besteht im Sommer aus Sandalen oder Halbschuhen, im Winter aus schwarzen oder braunen Schnürschuhen. Sonntags sind die Buben mit einem zweiteiligen Stoffgewand und einem dunklen runden Hut gekleidet.

Im Winter kommen ein Stoffjankerl - in Guttenbrunn mit einem Samtkragen versehen -, ein hochgeschlossenes Leibchen mit einer Knopfreihe, ein bunter Doppelsei-denschlupp (im Banat) und Stiefeletten hinzu. Die Mädchen sind in diesem Alter mit einem Wasch- oder Stoffkleid, einer dunklen Schürze, im Sommer mit Sandalen oder Halbschuhen, im Winter mit schwarzen oder braunen Schnürschuhen und mit langen schwarzen, grauen oder dunkelbraunen Strümpfen bekleidet. Im Sommer gehen die Mädchen barhäuptig, im Winter bedecken sie ihren Kopf mit einer gestrickten Kapuze oder Mütze, genau wie die Buben, die an kalten Tagen auch die Pelzkappe aufsetzen. Die Sonntagstracht der Mädchen  besteht aus einem geblümten  Kleid (»Rock«) mit geschlungenem Spitzenkragen, dem dunklen »Scherzel« aus Taft, den geringelten Strümpfen und den Schnürschuhen aus Samt. Dazu gehört eine genetzte Haube mit Schlupp (Bändermasche), ein Wolltuch mit oder ohne Fransen, eine gefütterte Jacke und mancherorts schon das Visitl. Letzteres, in der Schwäbischen Türkei Pontschurl (aus dem Französischen bon jour = guten Tag, den Gruß, den man beim Nachmittagsempfang benutzte, wenn man dieses Kleidungsstück trug), im rumänischen Banat und im Ofener Bergland Röckl genannt, war bis zur Jahrhundertwende ein einteiliges Kleidungsstück, später bestand es aus zwei Teilen (z.B. in Elek). Das Unterteil, das bis zur Taille reicht, wird von einem   boleroähnlichen   Überjäckchen   bedeckt, dessen Ärmel in ersterem eingenäht sind. Im Sommer besteht es aus leichtem Stoff, an Festtagen aus Lameseide, einem mit Metallfäden gemusterten Stoff. Nach der Heirat wird es in eine Bluse umgearbeitet.

Später sind Mädchen und Buben wie ihre Eltern gekleidet.

Die verwendeten Materialien für die Werktagsund Arbeitstracht der Mädchen und Frauen sind Flanell, Barchent oder Blaufärberstoff; häufig werden auch die abgetragenen Sonntagskleider im Alltag angezogen. Unter dem bedruckten Rock (Kittel), bedeckt von der blauen oder schwarzen Schürze (»Fürter«), werden bei kühlem Wetter 1 bis 2 Unterröcke getragen. Zur Kleidung gehört außerdem ein farbiges lang- oder halblangärmeliges Hemd, ein Leibchen aus Stoff mit kleinen Knöpfen, ein Halstuch,   selbstgestrickte  Strümpfe  (grün, blau, grau oder hellbraun) aus Schafwolle oder Baumwolle, mit einem Strumpfband festgehalten,    gehäkelte   oder   gestrickte    Schuhe (»Pantschkerl«) mit Leder- bzw. Gummisohle oder Lederschlappen, ein Kopftuch aus Stoff im Sommer, aus dickem Schafwollstoff im Winter. Sonntags werden die bunten Unterrök-ke, der Rock aus Färberstoff und die Schürze aus schwarzem Lüster oder Seide aus dem Schrank genommen. Die Jacke hat verschiedene Formen; ihr Schnitt ist nicht nur in Nachbargemeinden unterschiedlich, sondern auch bei katholischen und evangelischen Trägerinnen.  So ist die Jacke der evangelischen Frauen in der Schwäbischen Türkei gradlinig geschnitten, die der katholischen hat hinten ein »Zipfel«. Ende des 19. Jahrhunderts wird das Tschurakl (serbokroatisch curaak, magyarisch csurak, eine Art Bluse/Jacke, hinten länger als vorne, oben nur mit einer »Haftl« zusammengehalten) getragen, später kommt eine Art Bluse, das Röckl in Mode. Es ist ein dunkelfarbenes Jäckchen, hinten und vorne abgerundet und mit kleinen Knöpfen versehen. 

Der  Kragen  kann  verziert sein.   Die Frauen in St. Martin bei Arad tragen im Sommer den enganliegenden Mitzla, eine weiße Überjacke mit blauen Tupfen. Im Winter ist das Röckl gefüttert und aus dickem Stoff. Waren Kittel und Röckl anfangs aus verschiedenen Stoffen hergestellt, sind sie später aus dem gleichen Stoff (»Anzüge«). Die älteren Frauen tragen die Joppe (»Jumper«). Sie ist aus Mattwolle, Tuch oder Samt, bis 1920 mit Puffärmeln und gefüttert. Über den aus Hanf oder Leinen, später aus Ciffon hergestellten und an den Ärmeln mit Spitzeneinsatz oder Handarbeit verzierten weißen Hemd trägt man ein festgeschnürtes Leibchen aus Stoff. Das »Sunndagsleiwl« ist einfarbig und bunt bestickt, in den meisten Dörfern aus Samt. Gelegentlich ist es mit Silberknöpfen versehen. Bei kaltem Wetter wird die Tracht durch ein Schultertuch ergänzt; es ist ein geblümtes Wolloder ein buntes bzw. einfarbiges Seidentuch, das über der Brust gekreuzt und im Rücken verknotet wird.

Anfang der 20er Jahre unseres Jahrhunderts trug man zu den Schnürschuhen, welche die Schnallenschuhe und später die Samthalbschuhe verdrängt haben, dicke weiße Seidenstrümpfe, im Sommer Sandalen oder Lederpantoffeln. Die Samtschlappen sind mit schönen Nähten verziert.

Um die Jahrhundertwende trugen die Frauen Hauben, danach Kopftücher. In der Schwäbischen Türkei ist es die »hohe Bänderhaube«, im Ofener Bergland ist sie spitzenbesetzt und mit Schmuckbändern versehen (bis 1860), die des rumänischen Banats ist am Rande mit Spitze verziert, die eine Kontrastfarbe zur Haubenfarbe ist. Hier tragen die verheirateten Frauen heute noch eine Art Haube unter dem Kopftuch. Der »Schopp« (Neu-Arad) besteht aus einem weißen, mit Blumenmuster versehenen gestärkten Tuch, das über eine Pappe gezogen wird. Während die Mädchen keine Kopfbedeckung haben, bedecken die Frauen sonntags ihr Haupt mit einem Samt- oder Seidentuch. Der Stirnbogen ist bei jüngeren und älteren Frauen unterschiedlich, genauso die Farbe des Tuches. Es wird unter dem Kinn gebunden; es gibt aber auch Ausnahmen, so wird es in Hatzfeld z. B. nach hinten gebunden. Die Haartracht ist von Dorf zu Dorf verschieden; eine straffe Frisur ist der Stolz einer jeden Mutter und Tochter. Beim Steckzopf wird das Haar in der Mitte geteilt, nach hinten gekämmt und zu einem Zopf geflochten. Dieser wird über den Scheitel nach vorne geschlagen und dann mit einem Kamm festgehalten. Das »Nest« entsteht mit Hilfe eines oder mehrerer geflochtener Zöpfe, die kreisförmig angelegt werden. Der Haarknoten der jungen Frau in Elek heißt Keuntsch (magyarisch konty). Eine einfache Haartracht ist der geflochtene Zopf der Mädchen, der mit einer Schleife gebunden wird.

Ein besonderes Merkmal der Mädchen- und Frauentracht an Festtagen sind die breiten faltenreichen Röcke - mehrere gestärkte Unterröcke und ein Überrock-, die ursprünglich knöchellang waren und erst nach dem Ersten Weltkrieg kürzer wurden. Über dem einfarbigen oder bunten Rock (Kittel) wird eine schwarze oder weiße Schürze getragen. Der Überrock und das Schultertuch sind aus Brokat oder Seide; letzteres wird von wenigen Könnerinnen mit Fransen versehen. Die nach der Verknotung verbliebenen »Zipfel« werden sorgfältig über den Rock ausgebreitet. Dazwischen wird ein »Hinnerbändel« mit handgearbeiteter Stickerei gebunden. Die Oberkleidung der Männer besteht an Werktagen aus einem weißen, später farbigem Leinenhemd, das seit 1910 mit einem Kragen und Knöpfen ausgestattet ist, einem »Leiwl« (Weste), erst mit zwirnumwickelten Holzstückchen, später mit Metallknöpfen, einem Rock, danach einem farbigen dickgefütterten Frack. Um 1850 wird die Pantalonhose an Stelle der Kniehose eingeführt; zehn Jahre später wird die enganliegende Stiefelhose (»Tschismenhose«, magyarisch csisma, rumänisch cizma) zu Stiefeln mit weicher Röhre getragen. Diese kann mit Schnüren verziert sein. Kurz vor der Jahrhundertwende wird statt der Gatyahose (magyarisch gatya = Unterhose) die dunkle Pantalonhose auch bei der Feldarbeit getragen. Um 1918 werden die Stiefel aus leichtem Boxleder hergestellt, die Röhre allerdings ist aus hartem Leder. Nun haben auch die Hosen einen weiteren Schnitt. Um 1930 werden Halbschuhe getragen, nachdem zuvor Zugschuhe und Bindschuhe (»Ba-kantschen«) die Stiefel ablösten. Nach Ablegen des Dreispitzes trugen die Männer den breitkrempeligen Hut mit breiter Schleife, dann den schmalkrempeligen Hut, aber auch die Schaffellmütze, die Pelzkappe oder eine leichte Schildkappe.

Sonntags ist das Hemd aus feiner Hanfleinwand; dazu wird ab 1910 ein Halstuch aus Seide getragen. Zu den Kniehosen gehören Kniestrümpfe, in der Schwäbischen Türkei lange Strümpfe. Das Tragen dieser »Strimpli« wurde durch die Generalversammlung des Tolnauer Komitats 1831 verboten. Der Frack ist an festlichen Tagen mit Pelzkragen versehen; um 1900 trugen die Männer ein Sakko aus Samt oder Seide. Verfolgt man die Entwicklung der Tracht bis zum Ersten Weltkrieg, kann man feststellen, daß die Frauentracht mehr Elemente der Einwanderungstracht bewahrt hat als die der Männer. Die Röhrenstiefel, die bis zum Hals geschlossene Weste und die in wenigen Orten noch übliche blaue Farbe des Männerrockes sind die wenigen Überreste der einst mitgebrachten Tracht. Die Frauentracht erinnert in ihrer Ganzheit an die Breisgauer oder hessische Tracht; die über die Schürze fallenden Seidenbänder sind Elemente der oberschwäbischen Tracht.

In der Zeit zwischen den Weltkriegen und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg tritt eine Verbürgerlichung der Tracht ein, denn die Imitation des Bürgertums ist »eine alte donauschwäbische Verhaltenstendenz«. (Schenk, Annemie, S.200f.). Die Magyarisie-rung der Intelligenzschicht und die politische Aufspaltung der Donauschwaben verhinderten die Bildung eines Zusammengehörigkeitsgefühls, eines ethnischen Bewußtseins, das man durch das Tragen einer Tracht bekräftigt, wie dies bei den Siebenbürger Sachsen der Fall ist.

Obwohl die Tracht ihre Physiognomie über einen langen Zeitraum hinweg behält und von Generation zu Generation so weitergegeben wird, enthält sie neben den traditionellen Elementen auch neue, die entweder Improvisationen der Gruppe selbst sind oder von anderen Gruppen übernommen werden. Von den »Grund-Elementen« ausgehend entwickelt sie sich, beeinflußt durch westliche Mode und den Beziehungen zu den Nachbarvölkern. Die Siedler passen sich ihrer neuen Umgebung an: sie berücksichtigen die vorhandenen Rohmaterialien und die vorgefundenen Möglichkeiten der Rohstoffverarbeitung. Das rauhe Klima zwingt sie, dicke Kleidungsstücke anzuziehen: die Bundakappe (halbhohe Schaffellmütze), den Bunda aus Schaffell, die Pelzweste u.a. Andererseits verlangt die sommerliche Hitze eine leichte und bequeme Arbeitskleidung, wie z.B. die Gatyahose. Die geschichtliche Entwicklung und die politischen Gegebenheiten spielen bei der Übernahme von Trachtenelementen und -stücken eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang muß man den einjährigen Militärdienst und die Beteiligung der Deutschen an der Revolution von 1848/49 nennen; Schnitt und Verzierungen (Schnürenverzierung) der Stiefelhose und des Männerrocks sind eindeutig militärischer Herkunft. Sie erinnern an die Uniform der Honveds und Husaren. Die Modeerscheinungen werden aber auch von den Frauen in das Dorf gebracht, sei es durch den Handel - die Rolle des Marktes und des Verkehrs sind hier von besonderer Bedeutung - oder durch die Schneiderinnen. Die wohlhabenden Frauen bringen von ihren Aufenthalten in Heilbädern und ihren Reisen Modeerscheinungen mit. Aber auch der Wohlstand des Dorfes wirkt sich auf die Tracht aus, so werden in schlecht situierten Dörfern schlichte Stoffe gebraucht, in den reichen Heidedörfern des Banats Seide. Ein Modestück ist das Visitl, das aus der Biedermeier-Zeit stammt und über das deutsche Bürgertum in die Dörfer gelangte. Ein städtischer Einfluß ist die sogenannte »Hüftwurst«, welche die Frau in den Hüften dicker erscheinen läßt. Aber auch Schnitte und Verzierungen sind modebedingt. Ebenso wichtig wie die Außenkontakte sind auch die Binnenkontakte. Die vielseitigen Wechselbeziehungen finden auch in der Tracht ihren Ausdruck.

Die Austauschformen sind vielseitig; sie erstrecken sich von der Übernahme verschiedener Herstellungstechniken, Motiven und Kleidungsstücke bis zu den Bezeichnungen: z.B. Tschurak, Pantalonhose, Tschismen, Bunda. Umgekehrt finden wir bei den Rumänen, Ungarn und Serben deutsche Kleidungsstücke und -namen: rum. surt = Schürze; ung. strimpfli = Strümpfe; serb. lajbli = Leibchen usw.

Die Tracht als non-verbales Kommunikationsmittel sagt etwas über den sozialen, wirtschaftlichen und konfessionellen Status ihres Trägers aus. Haartracht und Farbton der Kleidung (hell für Mädchen und junge Frauen, dunkel für ältere Frauen) zeigt den Familienstand des Trägers an. Manchmal dürfen bestimmte Kleidungsstücke nur von Unverheirateten oder Verheirateten getragen werden; seltener werden Kleider der Mädchen in abgewandelter Form von Frauen getragen. Die Tracht stellt ein optisches Prestigesymbol dar. Die großen Silberknöpfe, die teuren Brokatstoffe und nicht zuletzt die vielen gestärkten Unterröcke sollen den Reichtum der Familie in der Öffentlichkeit zeigen.

Literatur: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, C. P. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.20ff.; J.Graefe, Zur Trachtenkunde der Donauschwaben in Ungarn und den Nachfolgestaaten, phil. Diss. Leipzig 1935; N. Engelmann, Die Banater Schwaben, München 1978, S. 55-83; J. Weidlein, Die Deutschen in der Schwäbischen Türkei, (Der Göttinger Arbeitskreis, Heft 57) Würzburg o.J., S.22; Schwäbische Familie, hg. von H. Gehl, Timisoara 1981; A. Schenk, Familie und Wohnen in Stolzenburg, (Studia Transsil-vanica, Bd. 10) Köln-Wien 1984; A. P. Petri, Neu-Arad/Banat, hg. von der Heimatortsgemeinschaft Neu-Arad, 1985, S. 557-561; A. Cammann, Kleidung in den deutschen Nachbargemeinden Elek/Ungarn und St. Martin/Rumänien - Tracht und Mode - nach Johann Stöckl, in: Jahrbuch für deutsche Volkskunde 28 (1985) S. 220-268; A. Scherer, der Hatzi'eider Stefan Jäger, der Maler der Donauschwaben, in: Südostdeutsche Vierteljahresblätter 35 F. 2 (1986) S. 89-92.

Annemarie Röder

 

45. Hochzeitstracht bzw. Sonntagstracht aus Schambek (weiblich)

Um 1900

Museum der Deutschen aus Ungarn, Gerlingen

Das Wachskränzchen wird auch von den Brautjungfern und bei der Beerdigung Jugendlicher getragen. Die herabhängenden weißen und rosa Bändchen sind an dem Kranz befestigt. Das langärmelige Hemd, dessen Ärmel auch in gleichmäßigen Falten über den Ellbogen geschoben und durch ein Bändchen festgehalten werden können, ist aus feinem Leinen, mit Biesen und Spitzen besetzt. Das Brautgewand ist zweiteilig; es besteht - wie schon erwähnt - aus dem Röckl und dem Kittel. Das dreiteilige Stoffröckl (Reckl) mit lila Blumenmuster ist an Kragen und Ärmelende mit Spitze verziert. Unter den in Falten gelegten Rock (Kiedl) aus lila Seide trägt die Braut 5 bis 6 gestärkte Unterröcke und die soge-nannte »Wurst«. Die weiße Schürze (Fürter), die in Falten gelegt wird, ist mit gehäkelter oder industrieller Spitze besetzt. Zur Brauttracht gehören außerdem weiße Baumwollstrümpfe und schwarze Spangerlschuhe. Die Kette mit einem »Mutter-Gottes-Medaillon« und das be stickte Taschentuch (Schneuztüchl) ergänzen diese Tracht.                      

Annemarie Röder

 

8.45

 

46. Hochzeitstracht bzw. Sonntagstracht aus Schambek (männlich)

Um 1890

Museum der Deutschen aus Ungarn, Gerlingen

Der Mann trägt den für Schambek typischen breitkrempigen schwarzen Hut. Das kurze, weiße Leinenhemd (kloars Hemad = klares Hemd) mit umgelegtem Stehkragen weist auf der Brust Biesen, eine Reihe Spitzen und eine kleine Stickerei auf. Das Leiberl ist eine kurze Weste aus dunkelblauem Tuch. Die Jacke (Janker) ist nach magyarischer Art mit Schnüren verziert; sie hat einen Samtkragen und ist mit Posamenten (mit Zwirn umwickelte Knöpfe) verziert. Die Schnurverzierung der enganliegenden Stiefelhose nennt man »Polster!«. Das Bräutigamsgewand (Weste, Jacke, Hose) ist aus dunkelblauem Tuch genäht und heißt das »tücherne Gewand«. Die Fußbekleidung besteht aus schwarzen Röhrenstiefeln. (Vgl. dazu den Einführungstext).

Annemarie Röder

 

8.46

 

47.  Frauentracht für den zweiten Sonntag im Monat aus Miletitsch

Um 1920

Eva Franke, München

Die Haube (Kappe) wird aus schwarzer bestickter Seide hergestellt. Das weiße Leinenhemd, »Tschapotl-Hemd« genannt, wird mit Stickerei und Spitze verziert und ist am Hals gereiht (Froschenmäuler). Die langen Ärmel werden ähnlich wie in Schambek über den Ellbogen geschoben. Das Schultertuch (Halstiechl) aus schwarzer Seide ist mit einem roten Blumenkranz bestickt und mit rot-schwarzen Fransen versehen. Der letzte der 6 Unterröcke ist in kleine Falten gelegt, ebenso wie der Überrock (Allerweltsrock) aus Baumwollstoff.

Die schwarze Seidenschürze ist mit einem grün-blauen Steppmuster und mit einem lila Saum verziert. Getragen werden außerdem weiße Kniestrümpfe und schwarze Bänderl schuhe. Der Halsschmuck wird in Miletitsch Kralle genannt.                   

Annemarie Röder

 

48.  Männertracht/Sonntagstracht aus Miletitsch

Um 1920

Eva Franke, München

Der Mann trägt einen breitkrempigen schwarzen Hut. Auf dem weißen Leinenhemd mit Stehkragen wird das Monogramm des Trägers aufgestickt. Die schwarze Stoffweste mit Silberknöpfen wird »Leiwl mit Rawilisknepp« genannt. Zur schwarzen Latzhose aus Baumwollstoff, an der ein rotes Taschentuch angebracht ist, werden schwarze Halbschuhe getragen.                               

Annemarie Röder

 

8.47 und 8.48

 

49. Brauttracht aus Neu-Arad

1907

Georg Biringer, Augsburg

Über dem aus acht kleinen Zöpfen geflochtenen »Nest« wird der Brautkranz gelegt. Das weiße langärmelige Leinenhemd mit Spitzeneinsatz an Ärmeln, Brust und Kragen wird an der Schulter geknöpft. Das Halstuch (Hals-tiechl) aus blauem Atlasgewebe und silbernem Seidenfaden ist mit langen Fransen versehen. Das hinten und vorne abgerundete schwarzsamtene Tschurakl (Plusch) mit einer Samtzierde am Ärmelende wird mit nur einem Knopf geschlossen. (Vgl. dazu den einleitenden Text). Über mehreren gestärkten Unterröcken wird ein weißer Oberrock aus Schweizer Spitze angezogen, der in kleine Falten (1 cm) gelegt ist. Die weiße Schürze (Fiata) ist in senkrechten und waagerechten Falten gelegt. Zu den weißen Kniestrümpfen werden schwarze (Knöpfl)Schuhe getragen. Die Braut hält ein besticktes Taschentuch in der Hand.

Literatur: H. Gehl, Die schwäbische Tracht in der Arader Gegend, in: Heide und Hecke. Beiträge zur Volkskunde der Banaler Schwaben, hg. von H. Gehl, Temesvar 1973, S. 248-265.                        

Annemarie Röder

 

8.49

 

50. Mädchentracht/ Kirchweihtracht aus Neu-Arad

Nach 1900

Georg Biringer, Augsburg

Über dem langärmeligen weißen Leinenhemd mit Manschetten wird ein Schultertuch (Halstiechl) aus weißer Spitze getragen. Der »Zipf« auf dem Rücken ist mit Handarbeit versehen. Auf dem schwarzen Samtleibchen (Leiwl) mit Silberknöpfen sind kleine Sternchen aufgestickt. (Vgl. dazu den einleitenden Text). Die zahlreichen gestärkten Unterröcke verleihen der Tracht ihren barocken Charakter. Die weiße Schürze ist ebenso wie der Oberrock aus gemustertem Stoff in Falten gelegt. Das be stickte Taschentuch darf auch hier nicht fehlen. Weiße Strümpfe und schwarze Schuhe runden die Tracht ab.        

Annemarie Röder

 

 

8.50

 

51. Junges Ehepaar aus Neu-Arad

um 1920

Photographie

Annemarie Röder, Heilbronn-Kirchhausen

 

8.51

 

52. Familie aus Neu-Arad

vor 1914

Photographie

Annemarie Röder, Heilbronn-Kirchhausen

 

8.52

 

53. Familie aus Neu-Arad

um 1920

Photographie

Annemarie Röder, Heilbronn-Kirchhausen

 

8.53

54.  Hochzeitstracht aus Himeshára

1942

Photographie

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

8.54

 

55.  Kindertracht von Mórágy/Ungarn

II. Volksschulklasse 1929/1930

Photographie

Peter Glöckner, Backnang

 

8.55

 

56. Kirchweihtracht aus Jahrmarkt

1938

Photographie

Helmut Röder, Heilbronn-Kirchhausen

 

8.56

 

57. Das Volkstheater der Donauschwaben am Beispiel der Weihnachtsspiele

Tafel

Das Volksschauspiel war bis zum Zweiten Weltkrieg eine der wichtigsten Kommunikationsformen im gesellschaftlichen Leben der Donauschwaben. Außer dem sonntäglichen Kirchgang, den Klöppelabenden für die Mädchen und den sportlichen Betätigungen für die Burschen boten die Festtage einen willkommenen Anlaß, das Dorfleben zu aktivieren. Die

sogenannten Jahreslaufspiele lebten aus der Überlieferung, schriftliche Aufzeichnungen sind rar. Es handelt sich hauptsächlich um mittelalterliche, vom Barock geprägte und vom Rationalismus gekürzte Spiele, deren Text formelhaft vorgetragen wurde, so daß der schwäbische Dialekt nur bedingt Eingang fand. Während man zu Ostern die Passionsspiele (heute noch in Oberammergau zu sehen) einstudierte, führte man zu Weihnachten die Trilogie des Paradeis-, Christkindl- und Dreikönigsspiel auf. Der Zyklus lehnt sich sehr an die Oberuferer Weihnachtsspiele an, die außer für den donauschwäbischen Raum Vorbild für die Spiele in der Zips, den oberungarischen Bergstädten, in der Bukowina und Gali-zien sind. Er ist alpenländischer Herkunft und basiert auf mittelalterlicher Tradition. Das Spiel hat strenge Satzungen. Spieler waren Bergknappen und Köhler über zwanzig Jahre. Sie übernahmen auch die Frauenrollen. Im Herbst bereits begannen die Proben unter Führung eines Lehrmeisters, um am ersten Adventssonntag mit dem Paradeisspiel, das den Sündenfall demonstriert, beginnen zu können. Das Spiel wurde mit einem Kirchenlied oder Psalm eröffnet. In Oberufer lief der Teufel, von peitschenschwingenden Hirten verfolgt, durchs Dorf, um die Zuschauer in die Kirche zu locken, wo die Aufführung stattfand.

Besondere Bedeutung kommt der Aufstellung der Spieler und ihrer Orientierung im Raum zu. Es wird in der Diagonale des Raums gespielt, die auf das Kreuz hinweist. Die Spieler singen Verse im Sprechgesang vor, den sie durch regelmäßiges Abschreiten betonen und drehen sich nach jedem vierten Versfuß um. Am ersten Weihnachtstag folgte das Christgeburtsspiel, am 6. Januar schloß der Zyklus mit dem Dreikönigsspiel.

Im donauschwäbischen Gebiet wurde der Zyklus stark variiert. Spielordnung und Figuren waren nicht fest. Je nach Zusammensetzung der Dorfgemeinschaft und personeller Konstellation war z.B. etwa ein Engel repräsentiert oder nicht, sagte er einen Text oder erschien nur verkleidet. Vielfach trugen die Spiele insofern Revuecharakter. Die Darsteller wurden nur nacheinander hereingerufen, um ihren Rollencharakter zu demonstrieren. Eine Handlung im eigentlichen Sinn gab es kaum, das Auftreten allein wurde als Handlung aufgefaßt. Es entfielen auch die Formeln, die mehr oder minder lose gehandhabt wurden. Abgesehen von »professionellen« Gruppen, die von Stadt zu Stadt zogen, aber in der Minderheit waren, war das ganze Dorf wie sonst zu keiner anderen Jahreszeit an den Spielen beteiligt. Die Spielleitung kam entweder dem Lehrer bzw. Pfarrer oder einer sogenannten Einlernfrau zu, die die Stücke einstudierten und auch den Text aus der Erinnerung vermittelten. Das Leben der Spiele war somit von ihrem »Initiator« abhängig, wanderte er in ein anderes Dorf aus, zogen auch die Spiele mit ihm und gingen der Dorfgemeinschaft verloren, wenn nicht ein Ersatzspielleiter engagiertwerden konnte.

Die Einlernfrauen kamen meistens aus einer niedrigeren sozialen Schicht, die darauf angewiesen waren, von den Einnahmen, oft Naturalgaben, die die Aufführung einbrachte, einen Anteil zu bekommen. Die Spiele haben neben der kommunikativen auch eine wirtschaftliche Funktion: die "Spielgesellschaft« selbst war zugleich Sozial- und Altersgruppe. Meistens spielten junge Burschen im Alter von fünfzehn bis achtzehn Jahren, oft waren es Gruppen von Lehrlingen. Mancherorts verdrängten die Mädchen die Burschen, gemischte Gruppen gab es nicht. Man zog entweder von Haus zu Haus, spielte vor der Tür oder in den Stuben. Der Weihnachtskreis ist eine Mischung von Umzugs- und Stubenspiel. Während das Paradeisspiel, dadurch gedanklich mit dem Weihnachtsfest verbunden, daß der Sündenfall Ursache für das Erlösungswerk Jesu war, und das Sternsingen der heiligen Drei Könige als Umzug gestaltet wurde, spielte sich das Christkindiwiegen bei den Familien zu Hause ab.

Spiegelten die Volksspiele anfänglich das Leben der donauschwäbischen Dorfgemeinschaft wieder, erhielten sie nach dem »Ausgleich« 1867 und der fortschreitenden Magya-risierung eine differenziertere Funktion. Sie stärkten Zusammengehörigkeitsgefühl und Enklavebewußtsein der Deutschen. Kulturell wurden die Spiele endgültig ins dörflich-bäuerliche Milieu abgedrängt, als das Stadttheater in Temeschburg sich nur noch Klassikern widmete und feste Truppen engagierte. Fahrende Laienspieler hatten Auftrittsverbot. Heute ist diese Mischung von Boulevardtheater und religiöser Liturgie verschwunden. In ihrer neuen »alten« Heimat pflegten die donauschwäbischen Flüchtlinge ihr Brauchtum nicht weiter. Die Oberuferer Weihnachtsspiele kann man allerdings noch in Aufführungen der Anthropo-sophischen Christengemeinschaft erleben. Sie haben dort vor allem ihren belehrenden Charakter behalten.

Literatur: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hg. von C. Petersen, P. H. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1, Breslau 1933, S.207ff., S.291 ff; L.Schmidt, Zur Paradiesspielverbreitung im Osten, in: Deutsch-ungarische Heimatblätter 6 (1934) S. 150ff.; L. Schmidt, Der Oberuferer Spielkreis, in: Süddeutsche Zeitschrift für Volkskunde 7 (1934) S. 145ff.; L.Schmidt, Das deutsche Volksschauspiel. Ein Handbuch, Berlin 1962; A. Karasek/K. Horak, Das deutsche Volksschauspiel in der Batschka, in Syrmien und Slawonien, Marburg 1972.      

Ute Richter

 

58. Oberufer: Alte Darstellung der Weihnachtsspiele

Photographie aus: Tausend Jahre Nachbarschaft. Deutsche in Südosteuropa, hg. v. d. Stiftung Ostdeutscher

Kulturrat Bonn, München 1981, nach S.238

Das dreigeteilte Bild soll den Zyklus wiedergeben, wobei die Szenenabfolge nicht chronologisch verläuft. Der obere Abschnitt zeigt das heilige Paar mit Hirten (Christkindlwiegen, Aufführung Heiligabend), das zweite die heiligen drei Könige (Sternsingen am 6. Januar) und das dritte den Sündenfall: Adam kniet zu Füßen des Herrn und der Teufel schwingt die Peitsche (Paradeisspiel am ersten Advent).

Literatur: L Schmidt, der Oberuferer Spielkreis, in: Süddeutsche Zeitschrift für Volkskunde 7 (1934) S. 145 ff.                   

Ute Richter

 

8.58

 

59. Glogowatz: Christkindlspiel

1922

Zwei Photographien

Landsmannschaft der Banater Schwaben,

München

 

8.59

 

60. Kirchliche Situation

Tafel

Das religiöse Bekenntnis der deutschen Kolonisten des 17., 18. und 19. Jahrhunderts in Südosteuropa war von ihrer Ansiedlungszeit, ihrem Siedlungsgebiet und vor allem ihrer Herkunft bestimmt. Von den seit dem Mittelalter in Südosteuropa ansässigen Deutschen waren die Siebenbürger Sachsen und die Bewohner der Zips in der Reformationszeit evangelisch geworden, doch wurden letztere in der Gegenreformation teilweise wieder rekatholi-siert, so daß 1776 in der Zips neuerlich ein Bistum entstand. Die ebenfalls im Mittelalter angesiedelten Gottscheer wurden dagegen von der Reformation nicht erfaßt. Die österreichischen Zentralbehörden in Wien haben bei der donauschwäbischen Kolonisation auch eine konfessionelle Komponente verfolgt und deshalb darauf geachtet, daß die Kolonisten überwiegend katholisch waren. Damit sollte das katholische Element im teilweise evangelischen Ungarn gestärkt werden.

Auf diese Weise wurden die Kameralgüter und der überwiegende Teil des donauschwäbischen Siedlungsgebietes katholisch besiedelt. Dagegen hat der evangelische Adel, dessen evangelisches Bekenntnis seit dem Frieden von Wien (23.6. 1606) von den habsburgi-schen Königen toleriert werden mußte, auf seinen Gütern von Anfang an auch evangelische Kolonisten angesiedelt. Selbst der erste Gouverneur des Banats, Graf Mercy, hat ohne Rücksicht auf die Konfession zu nehmen, evangelische Kolonisten angeworben, was ihm heftige Kritik aus Wien einbrachte. Erst Joseph II. hat durch seine Toleranzpolitik dafür gesorgt, daß auch die staatlichen Behörden evangelische Kolonisten angenommen haben. Diese haben aber zahlenmäßig den Vorsprung der katholischen Kolonisten nicht mehr aufholen können. Zu konfessionellen Auseinandersetzungen ist es zwischen den beiden Kolonistengruppen nicht gekommen, weil die Ansiedlung jeweils in ausschließlich katholischen oder evangelischen Gemeinden erfolgte.

 

Religionsgemeinschaften in Ungarn (ohne Kroatien-Slawonien)

Religionsgemeinschaft 1900 1910
Römisch-katholisch 8197497(48,7%) 9010305 (49,3%)
Griechisch-katholisch 1841272(10,9%) 2007916(11%)
Evangelisch-reformiert 2427232 (14,4%) 2603381 (14,3%)
Evangelisch-lutherisch 1 258860 ( 7,5%) 1306384 ( 7,2%)
Griechisch-orthodox 2199195(13,1 %) 2333979 (12,8%)
Unitarier 68551 ( 0,4%) 74275 ( 0,4%)
Israeliten 831 162 ( 4,9%) 911227 ( 5%)
Sonstige 13486 ( 0,1 %) 17066 ( 0,1 %)

 

Die Konfessionen sind in ihrem zahlenmäßigen Verhältnis zwar erst durch die besser werdenden Statistiken der Volkszählungen am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert deutlich erkennbar, lassen sich aber dadurch für die Ansiedlungszeit erschließen. Beispiel-haft seien die Konfessionen nach den Volkszählungen von 1900 und 1910 vorgestellt:

Bewohner Ungarns nach den Nationalitäten (ohne Kroatien-Slawonien)

 

1900 1910
Magyaren Deutsche Slowaken Rumänen 8651520 1999060 2002165 2798559 9944627 1903357 1946357 2948186
Gesamt 16838255 18264533

 

Während von den Katholiken Ungarns etwa zwei Drittel und von den Lutheranern ein Drittel Magyaren waren, überwogen bei den Reformierten die Magyaren. Die Deutschen stellten rund ein Sechstel der Katholiken und ein Drittel der Lutheraner, bei den übrigen Konfessionen ging ihr Anteil nicht über 1 % hinaus. Innerhalb der deutschen Volksgruppe waren etwa drei Viertel katholisch und ein Viertel lutherisch, während die übrigen Konfessionen zahlenmäßig nicht ins Gewicht fielen. Unter Berücksichtigung des hohen Anteils der Siebenbürger Sachsen an den evangelischen Einwohnern Ungarns wird die Zahl der evangelischen Donauschwaben nochmals erheblich reduziert. Das Verhältnis sei am Beispiel der beiden donauschwäbischen Landschaften des Banats und der Batschka für die Jahre 1900 und 1910 vorgestellt. Während die deutsche Bevölkerung im Banat zu fast 95 % katholisch war, waren sie es in der Batschka zu nur 72,5 %. Die Lutheraner waren mit etwa 4 % im Banat fast bedeutungslos, während sie in der Batschka mit etwa 20 % der deutschen Bevölkerung doch ins Gewicht fielen. Die reformierten Kolonisten hatten im Banat keine zahlenmäßige   Bedeutung,   während   sie   in   der Batschka rund 6 % der deutschen Bevölkerung stellten.

 

Die Religionsgemeinschaften und die Nationalitäten Ungarns

(ohne Kroatien und Slawonien)

Religionsgemein-schaft Jahr der Zählung  

Nationalitäten
Reformiert Evangelisch-lutherisch
1900 1910 1900 1910
Ungarn 2384382 (98,24%) 2562362 (98,42%) 359475(28,56%) 417020 (31,42%)
Deutsche 24789 (1,02%) 22556 (0,87%) 410675 (32,62%) 410663 (31,44%)
Slowaken 11207 (0,46%) 10085(0,39%) 462381 (36,73%) 451 708 (34,58%)
Rumänen 1 854 (0,08 %) 1409(0,09%) 2260 (0,18%) 1558 (0,12%)
Ruthenen 56 (0,00 %) 55 (0,00%) 53 (0,00%) 52 (0,00%)
Kroaten 26 (0,00 %) 50 (0,00%) 136 (0,01%) 135 (0,01%)
Serben 45 (0,00 %) 49 (0,00 %) 102 (0,01%) 128 (0,01%)
Gesamt 2427232(100,00%) 2603381 (100,00%) 1258860(100,00%) 1306384(100,00%)

 

Religionsgemein-schaft Jahr der Zählung  Nationalitäten Römisch-katholisch Griechisch-katholisch Griechisch-orthodox
1900 1910 1900 1910 1900 1910
Ungarn 4960079 (69,5%) 5836728 (64,78%) 246628 (13,39%) 304318 (15,16%) 318833 (1,45%) 40584 (1,76%)
Deutsche 1350983(16,48%) 1 268092 (14,07%) 1411 (0,08%) 1734(0,09%) 1 974 (0,09%) 2204 (0,09 %)
Slowaken 1414621 (17,35%) 1397622(15,52%) 101578 (5,52%) 79152 (3,94%) 741 (0,03%) 680 (0,03 %)
Rumänen 8728 (0,11%) 8442 (0,09%) 1 064780 (57,83%) 1133512 (56,44%) 1 715075 (77,99%) 1 798669 (77,06%)
Ruthenen 3330 (0,04%) 4541 (0,05%) 410775 (22,31 %) 456027 (22,71%) 392 (0,02%) 868 (0,04 %)
Kroaten 189462(?,31%) 192728 (2,14%) 254 (0,01 %) 427 (0,02%) 1125 (0,05 %) 860 (0,04%)
Serben 5349 (0,07%) 3892 (0,04 %) 1638(0,1   %) 1908 (0,1%) 428725 (19,49%) 454431 (19,47%)
Gesamt 8198497(100,00%) 9010305(100,00%) 1841272(100,00%) 2007916(100,00%) 2199195(100,00%) 233479(100,00%)


Die Konfessionen der Deutschen bei den Volkszählungen 1900 und 1910

Landschaft Jahr Banat Batschka
1900 1910 1900 1910
Römisch-katholisch 380397 358028 138465 138318
Griechisch-katholisch 431 251 19 46
Griechisch-orthodox 1275 1420 100 125
Evangelisch-lutherisch 17612 19851 38871 39180
Reformiert 1399 928 11673 10882
Unitarier 14 34 2 3
Israeliten 9039 6877 2964 1977
Sonstige 272 146 173 166
Gesamte deutsche Bevölkerung 410359 387545 192267 190697
Gesamtbevölkerung 1528605 1582133 766779 812385

 

Die von den Türken befreiten Gebiete Ungarns waren baldmöglichst wieder der Jurisdiktion der zuständigen katholischen Bischöfe unter-stellt worden. Die deutsche Siedlung in der Batschka stieß auf eine bereits gefestigte ungarische Kirchenorganisation, während sie im Banat gemeinsam mit der deutschen Ansiedlung aufgebaut wurde. Die Kirchensprache in den überwiegend deutschen Gemeinden wurde Deutsch. Die Pfarreien wurden meist von den Gemeinden und der Kameralherrschaft errichtet und dotiert. Während die Herrschaft in der Regel das Baumaterial für den Kirchenbau stellte, übernahmen die deutschen Bauern die Fuhren und oft auch die Bauarbeiten. Die Kirchen wurden von den deutschen Kolonisten meist im ersten Jahr der Ansiedlung errichtet. Die vorgegebenen Pläne für die Dorfanlagen stellten ihnen mitten im Dorf einen herausragenden Platz zur Verfügung. Es war oft schwierig, geeignete deutsche Geistliche zu finden. Daher mußten häufig nichtdeutsche Geistliche mit deutschen Sprachkenntnissen zu Pfarrern bestellt werden. Wie der Kirchenbau war auch der Unterhalt der GeistlichenGemeindeangelegenheit.

Diese erhielten in der Regel Grundbesitz,  um sich landwirtschaftlich selbst versorgen zu können. Außerdem wurde ihnen das von Gemeinde und Herrschaft gemeinsam errichtete Pfarrhaus mit einem Zimmer, mit Küche, Speisekammer, Dienstbotenzimmer und Stall zur Verfügung gestellt. Sie bezogen ein Gehalt von 200 Gulden im Jahr und Stolgebühren für Amtshandlungen. Die Verwaltung übernahm die Gehaltszahlungen in den ersten drei Jahren, um die Kolonisten in der Ansiedlungszeit zu entlasten. Da einige Pfarrer jedoch schon vor Ablauf dieser Zeit die Bezahlung der Stolgebühren drängten, jährliche Abgaben von mindestens 1 Gulden pro Familie und die Bearbeitung ihrer Ländereien forderten, kam es in vielen Dörfern zu Zusammenstößen zwischen Pfarrern und Kolonisten, die durch die Schlichtungsversuche   der   Herrschaft   nur  wenig gemildert werden konnten. In der Ansiedlungszeit der deutschen Kolonisten rekrutierten sich die Mitglieder des Episkopats teilweise aus dem deutschen Altsie-delland. So der aus Österreich stammende und im Kloster Ettal erzogene Franz Anton Graf von und zu Engl und Wagrain (+1777), der zuerst in Belgrad und dann in der von Tschanad nach Temeschburg verlegten Diözese Bischof wurde. Er hat den Bau des Temeschburger Domes 1774 abgeschlossen.

Es kamen auch zahlreiche Geistliche aus dem Deutschen Reich nach Ungarn. Unter ihnen befand sich z.B. Franz Xaver Vögelin, der in Kleinlaufenburg im Schwarzwald 1755 geboren wurde und nach seinem Studium in Freiburg und der Priesterweihe durch den Bischof von Konstanz nach Ungarn auswanderte. Er wurde 1788 Pfarrer von Brestowatz und 1809 von Csátalja. Dort verstarb er 1827 im Amt. Nach dem Ausgleich von 1867 wurde das ungarische Unterrichtsministerium in Wahrnehmung der königlichen Patronatsrechte für die Bestellung der Bischöfe zuständig. Es gelang dem Ministerium in den folgenden Jahrzehnten meist, der Regierung ergebene Bischöfe ins Amt zu bringen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte sich mit der Ernennung der mehr auf das Geistliche ausgerichteten Bischöfe Otto Prohaszka (1905) und Johannes Csernoch (1908) ein Wandel im Episkopat durchsetzen. Die ungarischen Bischöfe besaßen ihren politischen Einfluß auch aufgrund des Kirchenvermögens.  Die liberale Haltung der Bischöfe in geistlichen Dingen setzte sich beim Klerus ebenfalls durch. Trotz der zunehmenden Magyarisierungspolitik der Regierung, die zahlreiche Deutsche ihre Familiennamen magyarisieren ließ, wie z.B. 1874 den Historiker und späteren Titularbischof Wilhelm Fraknoi bzw. Frankl (1843-1924), konnten dennoch im späten 19. Jahrhundert Söhne donauschwäbischer Familien hohe geistliche Würden erlangen. Ein Beispiel ist hier Kardinal Lorenz Schlauch (1824-1902), der als Sohn eines Maurermeisters in Neu-Arad geboren wurde und 1873 zum Bischof von Sathmar aufstieg. Er wurde 1887 als Bischof nach Großwardein transferiert und 1893 Kardinal. Er war der erste und bislang einzige Kardinal donauschwäbischer Abstammung, doch veröffentlichte er nur in ungarischer Sprache. Die Politik der ungarischen Regierungen in der liberalen Epoche, die 1894 ihren Höhepunkt in der Einführung der Zivilehe, des Standesamtes und der Ehescheidung fand, rief den Widerstand der katholischen Kreise Ungarns auch unter den Donauschwaben hervor.

Die ungarischen Katholikentage wurden ein besonderer Ausdruck derselben. Seit 1906 gab es auf diesen Katholikentagen eine besondere Versammlung der deutschen Katholiken. Sie waren nicht nur Beweis des Erneuerungswillens der ungarischen  Katholiken,  sondern auch ein deutliches Lebenszeichen des donauschwäbischen Katholiszismus. Die deutsche Sprache war im Gottesdienst der donauschwäbischen Gemeinden in der Zeit zwischen 1867 und 1914 im Rückgang begriffen. In Gegenden mit hohem Anteil deutscher Bewohner, wie etwa im ungarischen Mittelgebirge, konnte sie sich natürlich besser halten als in solchen mit wenigen deutschen Bewohnern. Erst nach 1895 wurde auch in diesen Gebieten die deutsche Sprache zurückgedrängt, so z. B. in der Diözese Waitzen von 30 auf 14 Pfarreien und in der Erzdiözese Gran von 38 auf 21 Pfarreien. In der Schwäbischen Türkei dagegen konnte sich die Zahl der Pfarreien    mit   deutschem    Gottesdienst   fast konstant erhalten (1875: 35; 1906: 33; 1943: 31   Pfarreien).  Dasselbe galt auch für die Batschka (1872: 20; 1889: 20; 1907: 17 Pfarreien) und Kroatien-Slawonien (1870:4; 1914: 3 Pfarreien). Trotz dieses Beharrens der Donauschwaben sowohl  auf ihrer deutschen Volkszugehörigkeit als auch auf dem Katholizismus hat die 1894 gegründete Katholische Volkspartei bei ihnen nur wenige Anhänger gewonnen. Die neun Zeitschriften oder Sonntagsblätter mit katholischer Ausrichtung haben dagegen eine weite Verbreitung in Ungarn gefunden. Sie verteilten sich mit ihren Erscheinungsorten auf das Kerngebiet Ungarns und auf Südungarn. Eine katholische Tageszeitung in deutscher Sprache erschien als Neues Kleines Journal ab 1917. Die Donauschwaben hielten in allen Gebieten an den alten, seit der Ansiedlungszeit vertrauten Gebräuchen fest, wozu auch die religiösen Vereinigungen und Bruderschaften gehörten. So nahm auch Wallfahrtswesen in ihrem Leben eine besondere Stellung ein. Im donauschwäbischen Siedlungsgebiet gab es zahlreiche Wallfahrtsorte, so z. B. Kaplau, Wahlei und Maria Potsch im Sathmarer Gebiet sowie Maria Radna im Banat mit jährlich 60-70000 Pilgern.   Im   19. Jahrhundert   kamen   auch Volksmissionen der Jesuiten auf, die sehr erfolgreich wirkten.

Für die katholische Kirche der Donauschwaben war die Aufteilung des donauschwäbischen Siedlungsraumes in Südungarn im Friedensvertrag von Trianon auf Ungarn, Jugoslawien  und  Rumänien  von entscheidendem Nachteil. Von der bis zum Friedensvertrag zweitgrößten Diözese Ungarns Tschanad-Te-meschburg, die das gesamte Banat umfaßte, verblieben 32 Pfarreien mit 222894 überwiegend magyarischen Katholiken um Szegedin bei Ungarn, an Jugoslawien fielen 64 Pfarreien mit 215443 Katholiken, von denen etwa die Hälfte Donauschwaben waren, an Rumänien gelangten 154 Pfarreien mit 475375 Katholiken, von denen die Donauschwaben die Mehrheit   besaßen.   Bischof   Julius   Glattfelder (1874-1943) war als Sohn eines deutschen Industriellen und einer magyarischen Mutter in Budapest geboren und von einer Amme aufgezogen wurden, die nur Deutsch verstand. Er hatte bis zuletzt gehofft, daß seiner Diözese die Teilung erspart bliebe. Da Bischof Glattfelder die Einreise nach Jugoslawien verweigert und der von ihm ernannte Generalvikar für den jugoslawischen Teil der Diözese von den dortigen Behörden nicht anerkannt wurde, mußte eine endgültige Aufteilung der Diözese erfolgen. Bischof Glattfelder verfeindete sich zudem wegen seiner Proteste gegen die Agrarreform mit den rumänischen Behörden in einem Maße, daß er sich 1923 von Temeschburg nach Szegedin in Ungarn zurückziehen mußte, wo er 1943 starb. Noch in Rumänien hatte er auf die Nationalitätenpolitik des Landes Einfluß zu nehmen versucht und dabei den Gebrauch der deutschen Sprache im Bereich der kirchlichen Institutionen unterstützt.

Die Diözesanbehörden haben ein rasch aufblühendes deutsches Kirchenleben gefördert, das aber zu einem gespannten Verhältnis zwischen den ungarischen und deutschen Diözesanangehörigen führte, weil erstere in der Aufbruchsbewegung der Deutschen gewissermaßen einen Verrat an Ungarn sahen. Der Umzug Bischof Glattfelders nach Szegedin führte zu einer umfassenden Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse im donauschwäbischen Gebiet. 1923 wurde die Apostolische Administratur in Temeschburg errichtet und der Domherr Dr. Augustin Pacha (1870-1954) zum Administrator ernannt. Mit ihm kam nicht nur nach langer Zeit wieder ein Banater Schwabe an die Spitze der Temeschburger Kirche, sondern auch ein Geistlicher, auf den das zur nationalen Selbstbehauptung drängende Schwabentum des Banats seine Hoffnung und Erwartungen setzte. Dr. Augustin Pacha bekannte auch als Bischof seine Zugehörigkeit zu den Deutschen rückhaltlos. Eindrucksvoll war dazu bereits 1923 seine volkstümliche Predigt vor mehr als 40000 Gläubigen anläßlich der 200-Jahrfeier der Ansied-lung der Donauschwaben, in der er ein Bekenntnis zu den Vorfahren ablegte und zur Treue zum ererbten Väterglauben, zum christlichen Lebenswandel und zum angestammten Volkstum aufrief. Augustin Pacha wuchs in den folgenden Jahren trotz räumlicher Beschränkung auf Rumänien nach seinen langwierigen, aber erfolgreichen Verhandlungen mit dem Staat und seiner Ernennung zum ersten Bischof der neuerrichteten Diözese Temeschburg 1930 und den Abschluß eines Konkordats zwischen dem Vatikan und Rumänien 1 929 zunehmend in die Rolle des eigentlichen Bischofs der Donauschwaben hinein. Daran hat seine Haltung in den politischen Entscheidungen der 30er und 40er Jahre ebenso ihren Anteil gehabt, wie seine feste Haltung sowohl gegenüber Hitler als auch unter der Verfolgung durch die rumänischen Kommunisten, die ihm jahrelange Haft brachte.

Sein Bild ist bis zum heutigen Tag bei den Donauschwaben nicht verblaßt. Neben Dr. Pacha stieg mit Stefan Fiedler (1871-1957) 1930 ein zweiter Sohn des Banats zur Bischofswürde auf. Stefan Fiedler wurde Bischof der beiden durch den Friedensvertrag von Trianon verkleinerten und daher vereinigten Diözesen Großwardein und Sathmar. Die Donauschwaben seiner Diözese haben in ihrem Bischof einen Förderer ihrer deutschen Sprache gefunden. Während sich sein Amtsvorgänger 1921 weigerte, der rumänischen Forderung zu folgen und die deutsche Sprache im Unterricht einzuführen, tat er dies sofort. Eine ähnliche Situation hatte schon im 19. Jahrhundert bestanden und Bischof Dr. Michael Haas (1859-1866) der ebenfalls die deutsche Sprache gefördert hat, wird deshalb als >Retterder Sathmarer Schwaben- bezeichnet. Bischof Fiedler gab einen deutschen Katechismus heraus, der 1936 eine zweite Auflage erlebte. Das 1927 verfaßte deutsche Gebetbuch wurde 1929 ebenfalls zum zweiten Mal aufgelegt. In den deutschen Gemeinden der Diözese Sathmar wurde bald wieder deutsch gepredigt. Bischof Fiedler mußte durch die aufgeputschten nationalen Leidenschaften 1939 zurücktreten. Er hat anschließend zurückgezogen in Großwardein gelebt (+1957).

Aus dem 1919/1920 an Jugoslawien gefallenen Teil der Diözese Tschanad wurde 1923 eine Apostolische Administratur gebildet, die ausdrücklich den Namen Banat fortführte. Obwohl die Deutschen 1935 55,8% und die Magyaren 39,1 % des Kirchenvolkes stellten, war in Jugoslawien - anders als in Rumänien - nur ein slawischer Bischof an der Spitze derselben vorstellbar. Obwohl diese Oberhirten in Wien ausgebildet worden waren, hat die deutsche Bevölkerung zu ihnen nie enge Beziehungen gefunden. Dasselbe galt auch für die Gebiete der Batschka und Branau. Trotz des kräftigen deutschen Glaubenlebens hat sich nach 1944 in den Wirren der Nachkriegszeit der jugoslawische Episkopat nicht zugunsten der leidenden deutschen Bevölkerung zu Wort gemeldet. Dafür war einerseits die ideologische Entfernung zwischen den katholischen Bischöfen und den zu einem großen Teil aus Serbien - also griechisch-orthodoxen Bereich - stammenden kommunistischen Partisanen Titos und andererseits die seit Bischof Josef Stroßmayer (1815-1905) von Diakovar nachwirkende Reserve gegenüber allem Deutschen verantwortlich. Wesentlich anders sah die Situation in dem seit 1945 wieder auf die Grenzen von 1920 zurückgeworfenen Ungarn aus. Der ungarische Episkopat erhob seine Stimme gegen die Vertreibung der deutschen Bevölkerung und konnte sich zumindest teilweise durchsetzen. Besonders das Schreiben des Episkopats vom August 1947 an den Ministerpräsidenten ist hier als sichtbares Zeichen für seine Bemühungen anzusehen, die Vertreibungen der ungarländischen Deutschen möglichst zu verhindern. Die adeligen Grundherrschaften siedelten auch evangelische Deutsche auf ihren Gütern an. Die Gründung von Kirchengemeinden war jedoch anfänglich unmöglich und die an ihrem Glauben festhaltenden Protestanten mußten bis weit nach Innerungarn wandern, um etwa am Abendmahl teilnehmen zu können. Die evangelischen Kolonisten erhielten durch das Toleranzedikt von 1781 das Recht, ein Bethaus zu bauen, doch durfte dieses weder einen Eingang von der Straßenseite her noch einen Glockenturm besitzen. Sie durften auch Schulen errichten und Pfarrer sowie Lehrer anstellen. Kirchbau und Pfarrausstattung wurde den evangelischen Kolonistendörfern in derselben Art wie den katholischen zugestanden. Die evangelischen Pfarrer erhielten daher nach der Ansiedlung von der Herrschaft ebenfalls das jährliche Gehalt von 200 Gulden. Dazu wurde ihnen Grund und Boden zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung gestellt.

In der Batschka wurden die evangelischen Kolonisten anfänglich in den katholischen Gemeinden zugesiedelt. Deutsche Pfarrer gab es für sie erst seit der Mitte der 80er Jahre. In diesen Jahren wurden in der Batschka kurz nacheinander neun evangelische Dörfer gegründet: Torschau (1784), Tscherwenka und Neuwerbaß (1785), Kisker, Sekitsch, Siwatz, Schowe und Bulkes (1786) sowie Jarek (1787). Lutherische Kirchengemeinden entstanden dabei in Torschau, Tscherwenka, Neuwerbaß, Kisker, Sekitsch, Bulkes und Ja-rek, reformierte in Torschau, Tscherwenka, Neuwerbaß, Siwatz und Schowe. Die Ansied-lungsbehörde stellte jeder Kirchengemeinde einen vergoldeten Abendmahlskelch, eine vergoldete Hostienschale, ein Kruzifix, eine Taufschüssel und Kanne aus Zinn, ein Gerät zur Zubereitung der Hostien, ferner je eine Altar- und Kanzeldecke sowie ein Mundtuch zur Verfügung.

Der in Alt-Pasua wirkende Gellertschüler Samuel Spannagel wurde 1785 als erster lutherischer Pfarrer der Batschka nach Torschau berufen. Die deutsch-lutherischen Kirchengemeinden wurden 1791 im Seniorat für die Batschka und Syrmien zusammengefaßt, das dem Montandistrikt der ungarländischen evangelischen Kirche unterstellt war. Da die Magyaren fast überhaupt keine Lutheraner stellten, war in der evangelischen Kirche das Bekenntnis volkstumserhaltend. Im Gegensatz dazu wirkten die überwiegend aus Magyaren bestehenden reformierten Gemeinden auf die deutschen Gemeindemitglieder ma-gyarisierend.

Im Banat wurden 1786 die evangelischen Gemeinden Liebling und das bald wieder eingegangene Ritberg gegründet. Nach der Errichtung der Gemeinde Franzfefd (1792) entstanden weitere Kirchengemeinden im Banat erst ab 1821. Die Kirchengemeinden des Banats gehörten ebenfalls zum Montandistrikt und wurden erst am Ende des Jahrhunderts im Banater Seniorat zusammengefaßt. Auch in der Schwäbischen Türkei entstanden unter Joseph II. evangelische Pfarreien. Die erste war Egyhäzaskozär (1783). Durch 1790 in Peterwardein eintreffende evangelische Kolonisten wurde 1791 bei Alt-Pasua die erste deutsch-evangelische Gemeinde Syrmiens in Neu-Pasua gegründet. Die Tätigkeit von Andreas Weber als Pfarrer in Neu-Pasua 1826-1882 war für die weitere Entwicklung des Protestantismus in Syrmien wichtig. Erst in seiner Zeit entstanden mit Siedlern aus der Batschka weitere evangelische Gemeinden. In Slawonien bildete sich nur in Agram eine größere Gemeinde. Im Siedlungsgebiet zwischen Save, Drau und Donau kam es nur zu evangelischer Zusiedlung in einzelnen Orten und zur Bildung kleiner Gemeinden am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die evangelische Kirche Ungarns gab sich 1893 eine synodal-presbyterale Verfassung, die Staatsgesetz wurde. Die Synodalordnung nahm eine grundsätzliche Neuordnung vor, da sie die Sprach- und Nationalitätsunterscheidung in der Kirchenorganisation untersagte. Damit wurde das bislang weithin in den Gemeinden vorherrschende Nationalitätenprinzip abgeschafft und der Magyarisierung Vorschub geleistet.

Der Friedensvertrag von Trianon teilte 1920 die evangelischen Gemeinden des donauschwäbischen Siedlungsgebietes. Die Gemeinden in der Schwäbischen Türkei und dem ungarischen Mittelgebirge verblieben bei der evangelischen Kirche Ungarns. Die im Banat gelegenen deutsch-evangelischen Gemeinden schlossen sich nach 1918 der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien an und bildeten den Kirchenbereich Temeschburg mit einem eigenen Bezirkskonsistorium. Die Banater Gemeinden haben damit dann das Schicksal der weitgehend von den Siebenbürger Sachsen bestimmten Landeskirche Rumäniens geteilt.

Von der halben Million Deutschen Jugoslawiens bekannten sich 1931 85369 (= 17,1 %) als Lutheraner und 15437 (= 3,1 %) als Reformierte. Die Lutheraner in Jugoslawien hatten einen Anteil von 48,7 % Deutschen, die Reformierten dagegen nur von 27,6%. Schon 1920 kam es in Jugoslawien auf dem Evangelischen Kirchentag in Neudorf zu Verhandlungen über einen Zusammenschluß aller evangelischen Gemeinden, der auch von staatlicher Seite gewünscht wurde. Es kam aus konfessionellen und nationalen Gründen zu keiner Einigung. Der Batscher Senior Pfarrer Gustav Adolf Wagner aus Neuwerbaß lud 1923 zu einer Kirchenversammlung nach Neusatz ein, die zur Gründungsversammlung der späteren deutschen evangelischen Kirche in Jugoslawien wurde. Auf dieser Versammlung waren aus dem donauschwäbischen Raum das Batscher Seniorat mit 23 Gemeinden, das Banater Seniorat mit 11 Gemeinden und das kroatisch-slawonische Seniorat mit 11 Gemeinden vertreten. Das Ergebnis der Versammlung war die Konstituierung eines lutherischen Kirchendistrikts in Jugoslawien. König Alexander genehmigte 1925 die Einberufung einer verfassungsgebenden Synode nach Neusatz. Die Arbeiten zogen sich bis 1928 hin, zumal Gustav Adolf Wagner 1926 unerwartet starb. Dr. Philipp Popp, der Senior von Kroatien und Stadtpfarrer von Agram, folgte ihm 1926 als Synodalpräsident. Er hatte von Kindheit an enge Verbindungen zum Serbentum.

Obwohl Deutscher stand er eher in der geistigen Tradition des Südslawentums, hatte keine engeren Bindungen an Ungarn sondern als geistliches Oberhaupt des deutschen Luthertums in Jugoslawien ein positives Verhältnis zum jugoslawischen Staat. Schon in wenigen Jahren wurde er Senator und Träger höchster Staatsauszeichnungen, was den Vorwurf eines von ihm vertretenen deutschen Nationalismus zurückweisen läßt. Nachdem die Regierung 1930 das Protestantengesetz erlassen und Alexander I. die Kirchenverfassung genehmigt hatte, war der Aufbau der deutschen evangelischen Kirche A.B. Jugoslawiens abgeschlossen. Der Erste Landeskirchentag in Neusatz 1931 wählte Dr. Popp zum Bischof der neuen Kirche. Die Kirchenpolitik Bischof Popps war in den folgenden Jahren auf eine weitgehende Annäherung   an   die   Evangelische   Kirche   in Deutschland ausgerichtet. Dies führte sogar 1934 zu  einem  Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Kirchen. Im Zuge der auch im politischen Bereich feststellbaren engeren Bindung Jugoslawiens an das Deutsche Reich wurden die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen in den folgenden Jahren enger. Eine Verbindung der jugoslawischen Landeskirche zu Württemberg zeigt die weite Verbreitung des Gesangbuchs für die evangelische Kirche in Württemberg von 1841 in den jugoslawischen Gemeinden. Unter der Leitung Popps hat sich die kirchliche Arbeit in allen Bereichen vertieft und im Jahrzehnt bis 1941 eine umfassende Ausgestaltung erhalten. Die Auflösung Jugoslawiens 1941 brachte auch die Auflösung der Landeskirche mit sich. Bischof Popp hat weiter in Agram amtiert. Dort wurde er 1945 von den Partisanen Titos erschossen. Die historische Bedeutung von Bischof Popp ist darin zu sehen, daß er seiner kleinen Kirche zu einem weit über ihre Größe hinausreichenden Ansehen verhalf.

Im Gegensatz zum donauschwäbischen Bereich war die evangelische Kirche in B e s s -arabien der katholischen zahlenmäßig weit überlegen. 1932 gehörten von den 80182 Deutschen 75359 (= 93,98 %o) der evangelisch-lutherischen Kirche an, die in 135 Gemeinden in 12 Kirchspielen von 14 Geistlichen betreut wurden. Beinahe 4000 Deutsche waren katholisch und hatten vier Gemeinden, die bis 1918 zur Diözese Tiraspol, ab 1918 zur Diözese Ja§i gehörten. Die restlichen Deutschen verteilten sich auf die Baptisten und Adventisten. Wenige Monate nach Gründung der beiden ersten evangelischen Gemeinden in Bessara-bien kam der Prediger Friedrich Schnabel Anfang 1815 aus Smolensk nach Tarutino, wo er bis 1820 als erster deutscher Pastor der evangelischen Gemeinden Bessarabiens wirkte. Die zunehmende Zahl deutscher Kolonisten führte zur Gründung der weiteren Kirchenspiele ab 1819. Die Gemeinden und Kirchspiele erbauten aus eigener Besteuerung Kirchen und Schulen. Sie wählten und besoldeten auch Pfarrer und Lehrer. Der Lehrer vertrat als gleichzeitiger Küster den Pfarrer, während diesem die Schulaufsicht oblag. Die bessarabischen Gemeinden gehörten mit den Gemeinden des Gouvernements Cherson zur Südrussischen Propstei, die dem Petersburger Konsistorium unterstand. Nach der russi-schen Revolution 1917 entstand ein Südrussischer Synodalbezirk mit einem Konsistorium in Odessa, wegen der Einverleibung Bessarabiens in Rumänien 1919 ein eigenes Konsistorium mit Sitz in Tarutino unter Annahme des Namens Evangelisch-lutherische Landeskirche Bessarabiens. Sie wurde 1926 zu einem Bezirk der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. An der Spitze des Bereichskonsistoriums in Tarutino stand ein weltlicher Präsident. Der Oberpastor war neben ihm das geistliche Haupt des Bezirks. Die Synode aus den Vertretern der Gemeinden war die höchste kirchliche Körperschaft des Bezirks. Die Deutschen in der Dobrudscha waren 1935 zu 55,3 % evangelisch, zu 32,5 % katholisch und zu 11 % Baptisten. Ein Rest von 1,1 % gehörte zu einzelnen Sekten.

 

Evangelisch 7189(55,3%)
Römisch-katholisch 4228(32,5%)
Baptisten 1422(11 %)
Adventisten und andereSekten 146(1,1 %)
Dobrudscha gesamt 13000

 

Die Gliederung der Konfessionen in der Bukowina nach der Umgangssprache 1900-1910

Bekenntnis Jahr Anwesende

Gesamtbe-völkerung
Staats-fremde Anwesende Bevölkerung österreichischer Staatsbürgerschaf nach der Umgangssprache
deutsch rumänisch ukrainisch  polnisch ungarisch sonstige
römisch-katholisch 1900 110483 1993 47113 2058 23489 26122 8939 769
1910 99135 886 50009 1 124 3703 32506 9956 951
griechisch-katholisch 1900 - - - - - - - -
1910 26178 183 954 1824 21508 1689 9 11
griechisch-orthodox 1900 500643 840 2334 226601 270279 492 69 28
1910 548056 966 2490 268992 274758 724 24 102
evangelisch 1900 19273 698 18000 69 82 68 342 14
1910 20517 260 19475 176 112 98 378 18
jüdisch 1900 96150 3135 91907 263 491 171 165 18
1910 102925 2854 95706 1024 2102 1 177 22 40
andere Bekenntnisse 1900 3646 25 132 27 3457 4 1 -
1910 3316 33 145 76 3039 23 - -

 

Die evangelischen deutschen Kolonisten begannen ihr Gemeindeleben in der Kolonie Jakobsonstal mit sonntäglichem Lesegottesdienst und Kirchenlehre, da ihnen ein Pfarrer fehlte. Die nördlichen Siedlungen der Dobrudscha in Atmagea, Ciucurova und Cataloi und die evangelischen Deutschen in Tuicea und Ismail an der Donau unterstellten sich dem Evangelischen Oberkirchenrat in Berlin, der von 1858-1918 Geistliche in diese Gemeinden sandte. Das Kirchspiel Konstanza entstand durch weitere deutsche Ansiedlung 1892, nachdem die Kirchengemeinde bereits 1883 gegründet worden war. Auch das Kirchspiel Konstanza unterstellte sich der Preußischen Landeskirche. Nach dem Ersten Weltkrieg schlössen sich alle Gemeinden der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien an und gehörten zum Kirchenbezirk Bukarest. Die Pfarrer besuchten abwechselnd die Dörfer ihres Kirchspiels und wurden in der Zwischenzeit vom Lehrer mit Lesegottesdienst vertreten. Dazu hielten die deutschen Kolonisten schwäbischer Herkunft jede Woche ihre »Stunden« nach pietistischem Brauch ab. Die Katholiken in der Dobrudscha wohnten in eigenen Dörfern und hatten auch in Tuicea (ab 1842) und Konstanza (ab 1861) eigene Ge-meinden. Die Gemeinden unterstanden ab 1883 dem Erzbistum Bukarest, das in die überwiegend deutsch geprägten Gemeinden Priester entweder deutscher Herkunft oder mit sehr guten Deutschkenntnissen entsandte. Die deutsche Bevölkerung der Bukowina war abgesehen vom jüdischen Anteil zu 5/7katholisch und zu 2/7 evangelisch. Die Bukowina wurde 1786 nach Aufhebung der Militärverwaltung der katholischen Erzdiözese Lemberg angeschlossen. Wegen des Priestermangels übernahmen 1823 Jesuiten die geistliche Versorgung einer Reihe von Pfarreien. Um 1900 traten die ersten deutschen Priester aus der Bukowina in den kirchlichen Dienst. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt die Bukowina 1920 ein Generalvikariat, das in Personalunion mit dem Pfarramt in Czernowitz verbunden war. Das Konkordat zwischen Rumänien und dem Heiligen Stuhl von 1930 teilte die Bukowina der Diözese Jassy zu, wobei aber das Generalvikariat bestehen blieb, ebenso auch drei Dekanate mit 31 Pfarreien. Von den 1934 amtierenden 46 Priestern waren 24 deutscher, 17 polnischer, 4 ungarischer und einer rumänischer Herkunft.

1786 wohnten in der Bukowina nur 149 Reformierte und 79 Lutheraner. Schon kurz darauf wurden in den Dörfern der östlichen und südlichen Bukowina durch die Besiedlungsaktionen Josephs II. evangelische Kolonisten angesiedelt. Der Aufbau von Gemeinden gelang erst im 19. Jahrhundert. Die evangelischen deutschen Gemeinden der Bukowina unterstanden mit den evangelischen Gemeinden Galiziens 1804-1919 dem Wiener Oberkirchenrat. Nach dem Anschluß der Bukowina an Rumänien schloß sich die evangelische Kirche unter dem Vorbehalt der materiellen Eigenverantwortung der evangelischen Kirche Siebenbürgens an und bildete ab 1927 den Kirchenbezirk Czernowitz der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien mit elf Pfarrgemeinden. Die Pfarrer kamen aus Österreich oder aus Siebenbürgen.   Die   Gottesdienstsprache   war deutsch.

 

Die kirchliche Zählung 1934

Bekenntnis Gesamt Deutsche Polen Ungarn Ukrainer Sonstige
röm.-kath.

evangelisch
98083 21395 56253 18503 29231 12549 50 -


2892

 

Die deutsche Bevölkerung in Galizien war - abgesehen vom deutschsprachigen Judentum - 1910 zu Vr römisch-katholisch und zu 3/7 evangelisch. Bei der Volkszählung 1921 waren dagegen von 39476 Deutschen 18003 katholisch und 20796 evangelisch. Der Rückgang der Katholiken dürfte mit dem Wegzug der österreichischen Beamten zusammenhängen, nachdem die Donaumonarchie auseinandergebrochen war. Die konfessionelle Zusammensetzung der Deutschen in Rußland war im Jahr 1897 folgende:

 

Lutheraner 1360943 76,0 %
Katholiken 242209 13,5%
Mennoniten 65917 2,7 %
Reformierte (vor allemim Wolgagebiet) 63981 3,6 %
Baptisten 19913 1,1%
Griechisch-Orthodoxe 13360 0,7 %
Andere Christen 1411 0,1 %
Israeliten und andere Nicht Christen 22855 1,3 %
1 790589 100    %

 

Während die Balten-, Wolhynien-, Krim- und Kaukasusdeutschen fast ohne Ausnahme evangelisch waren, waren die Wolgadeutschen mit 65 evangelischen und 38 katholischen Kolonien in der Mehrzahl evangelisch. Die Mennoniten lebten im Schwarzmeergebiet, in Sibirien und Mittelasien, wie die untenstehende Statistik der Gouvernements am Schwarzen Meer zeigt.

 

Gouvernement Evangelisch Katholisch Mennoniten zusammen
Bessarabien 57931 4914 - 62845
Cherson 66663 99072 3578 169313
Taurien 56581 27050 50293 133924
Jekaterinoslaw 26811 48109 48240 123160
Dongebiet 13927 13879 540 28346
Charkow 2367 2617 1719 6703
Südkaukasus 22000 - - 22000
insgesamt 246280 195641 104370 546291
(45,0 %) (35,8 %) (19,2%) (100%)

 

Die aufgrund der Ansiedlungsmanifeste Katharinas II. 1762/63 an beiden Wolgaufern siedelnden Kolonisten gründeten 1765-1767 insgesamt 104 Dorfgemeinden. Die katholischen Rußlanddeutschen waren bei der Einwanderung von deutschen Geistlichen - insbesondere Franziskanern und Kapuzinern - begleitet worden. Sie lebten in vier Kirchspielen im Wolgagebiet. 1803 übernahmen deutsche Jesuiten die Seelsorge in den 31 katholischen Kolonien. Der nach Ausweisung der Jesuiten aus Rußland 1820 spürbare Priestermangel in den katholischen Kolonien blieb bis zur Gründung der Diözese Cherson 1849 bestehen, die 1852 nach Tiraspol am Dnjestr verlegt wurde. Nachdem 1867 das Priesterseminar der Diözese in Saratow eingeweiht worden war, war dem Priestermangel abgeholfen, und da das neben dem Seminar errichtete Knabenseminar die Vorbildung für das Priesterseminar und die Ausbildung der Lehrer für die deutschen Volksschulen übernahm, standen bald auch genügend deutsche Lehrer zur Verfügung. Die Situation in Südrußland war damit bis 1917 gefestigt, als die Revolution die Verlegung des Bischofssitzes nach Odessa erzwang. In den Kämpfen 1917/1918 kamen neun Geistliche ums Leben, doch in den Wolgakolonien hatten 1926 noch 30 von 39 Pfarreien ihren Pfarrer trotz der Verfolgungen durch die kommunistischen Machthaber.

Seit den Schauprozessen gegen die Geistlichen wurde die katholische Kirche bis 1955 zur Katakombenkirche, die weitgehend durch die Eigeninitiative der Gläubigen weiterbestand. Die letzten katholischen Geistlichen haben ihre Gläubigen 1941 auf dem Leidensweg in die Verbannung nach Asien begleitet. Seit 1955 können die katholischen Gläubigen unter den Deutschen in einem engen Rahmen ihrem Glauben in der UdSSR nachgehen, doch besteht noch immer erheblicher Priestermangel. Von den 1765-1767 gegründeten Kolonien waren etwa 75 % evangelisch. Von den an die Wolga ziehenden Kolonisten hatten sich kleinere Gruppen getrennt und die Gemeinden Neu-Saratowka an der Newa und Riebendorf bei Woronez gegründet. Die Regierung forderte die von ihr vorgestreckten Kosten für die ersten Kirchen, Pfarrhäuser und Schulen nach Ablauf der Freijahre. Bis zum Jahre 1771 waren bereits 13 Kirchen gebaut. Die Zahl der Kirchspiele mit jeweils mehreren Dorfgemeinden wurde auf elf festgelegt. Als erster reformierter Pfarrer kam 1765 Pastor Janett aus Graubünden über Herrenhut an die Wolga, wo er sich in Sarepta niederließ. Wie bei den Katholiken war auch bei den evangelischen Gemeinden der Pfarrermangel bis weit ins 19. Jahrhundert hinein eines der größten Probleme.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Schwarzmeergebiet von deutschen Kolonisten besiedelt wurde, ernannte die Regierung 1803 einen lutherischen Pfarrer für Odessa und die Ansiedlungen in der Umgebung. Deutsche Mennoniten hatten sich 1789 am Dnjepr um Chortitza und 1804 nördlich der Krim im Flußgebiet der Molotschna angesiedelt. Die von württembergischen Pietisten 1816 gegründete Gemeinde Hoffnungstal unterstellte sich erst 1876 dem Petersburger Konsistorium. Eine weitere Gruppe württembergischer Pietisten gründete 1822 am Asowschen Meer die Gemeinden Neu-Hoffnung, Rosenfeld und Neu-Hoffnungstal. Sie beriefen 1843 den Tübinger Theologen Eduard Wüst, der in Neu-Hoffnung zu einem bekannten und erfolgreichen Erweckungsprediger wurde. Nachziehende Pietisten gelangten nach Georgien, wo sie sieben Kolonien gründeten. Als Prediger dieser Kolonien wurden Basler Missionare eingesetzt. Die Gemeinden blieben selbständig und unterstanden unmittelbar dem Innenministerium.

Nach langem Ringen um die Privilegien der baltischen Kirche erhielt die evangelisch-lutherische Kirche 1832 ein eigenes Gesetz. Dieses Gesetz blieb bis 1917 in Kraft. Die Zahl der evangelischen Gläubigen wuchs bis 1914 im Bezirk St. Petersburg mit 117 (1862: 83) Kirchspielen auf 641000 (1862: 244885) Gläubige und im Bezirk Moskau mit 77 (1862: 56) Kirchspielen auf 459000 (1862: 18894) Gläubige. Von den Gemeindemitgliedern waren im Petersburger Bereich 1914 390000 Deutsche und im Moskauer Bezirk 411 000 Deutsche. Neben diesen lutherischen Gemeinden bestanden die reformierten, die sich nach 1832 aus den lutherischen herausgelöst hatten. An der Wolga lebten 1864 38000 Reformierte. Die blühenden deutschen Gemeinden Südrußlands wurden durch die im Ersten Weltkrieg gegen alles Deutsche ergriffenen Maßnahmen in ihrem geistlichen Leben schwer getroffen. Die nach der Revolution von 1917 einsetzende kirchenfeindliche Gesetzgebung sollte sie dann endgültig zerstören. Als die evangelisch-lutherische Kirche 1924 ihre Generalsynode in Moskau abhielt, amtierten statt 198 Geistliche vor der Revolution nur noch 81 Geistliche. Im Sommer 1936 waren durch die Terrormaßnahmen des Staates nur noch zehn evangelisch-lutherische Pfarrer im Amt, von denen neun bis zum Herbst 1937 verhaftet worden waren und der zehnte als finnischer Staatsbürger des Landes verwiesen wurde. Damit lebte die evangelisch-lutherische Kirche nur durch ihre Mitglieder weiter. Erst nach 1955 konnte in Zelinograd/Ka-sachstan eine evangelisch-lutherische Gemeinde der dort lebenden Deutschen angemeldet und zugelassen werden.

Literatur: Handwörterbuch des Grenz- und Auslanddeutschtums, hrsg. C. Petersen, P. P. Ruth, O. Scheel und H. Schwalm, Bd. 1-3, Breslau 1933-1938; H. W. Röhrig, Die Geschichte der deutsch-evangelischen Gemeinden   des   Banats   (Beiträge  zur  Kenntnis des Deutschtums in Rumänien, Bd. 3), Leipzig 1940; N. Engelmann, Hirte seines Volkes. Aus dem Leben und Wirken des Temesvarer Bischofs Dr. theol. h.c. Augustin Pacha, München 1955; Geschichte der Ungarndeutschen in Dokumenten 1930-1950, hrsg. von J. Weidelein, Schorndorf 1958; M. Bucsay, Geschichte des Protestantismus in Ungarn, Stuttgart 1959; B. Geissler und G. Stökl, In Oriente crux. Versuch einer Geschichte der reformatorischen Kirchen im Raum zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer, hrsg. von H.Krimm, Stuttgart 1963; Die katholischen Donauschwaben in den Nachfolgestaaten 1918-1945, hrsg. von M.Lehmann, Freilassing 1972; J. Schnurr, Die Kirchen und das religiöse Leben der Rußlanddeutschen, in: Heimatbuch (Jahrbuch 1969-1972) der Deutschen aus Rußland, Stuttgart 1972, S. 1ff.; F. Flesch, Dr. Michael Haas, Bischof von Sathmar (1810-1866), in: Gerhardsbote 18 (1973) S. 87 und 19 (1974) S. 31; Die katholischen Donauschwaben in der Doppelmonarchie 1867-1918, hrsg. von M.Lehmann und J. Haltmayer, Stuttgart 1977; G. Wild, Die deutsche evangelische Kirche in Jugoslawien 1918-1941, (Veröffentlichungen des Südost deutschen Kulturwerks, Reihe B, Bd. 37), München 1980; Die Habsburgermonarchie 1848-1918, Bd. 4: Die Konfessionen, Wien 1985.                                              

Immo Eberl

 

61. Temeschburg: Dom

1736-1774

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

Der Temeschburger Dom wurde im Auftrag Kaisers Karl VI. erbaut. Die Pläne lieferte das Wiener Hofbauamt. Es verfaßte alle Entwürfe der im Banat neu zu errichtenden Kirchen. Die Ausführung des barocken Baus, dessen Stil sich an der Wiener Bautradition orientierte, erfolgte in zwei Etappen: zuerst von 1736-1750 unter der Bauleitung von Kaspar Dissel und dann 1750-1774 unter Johann Lechner.

Der Temeschburger Dom ist ursprünglich nicht als Dom, d.h. Bischofskirche erbaut worden. Der Anspruch auf einen Mittelpunkt der katholischen Kirche in Temeschburg, sei es von seiten des Kaisers oder des wegen der Türkengefahr im benachbarten Szegedin residierenden Bischofs von Tschanad, kam erst später. Während der Kaiser das Banat direkt der Hofkammer unterstellte und sich die kirchlichen Patronatsrechte vorbehielt, wollten der Tschanader Bischof und mit ihm die ungarischen Stände fiskalische Rechte als Grundherren geltend machen. Nachdem sich der Tschanader Bischof Nädasdy den Vorstellungen des zentralistisch denkenden Hofes nicht beugen wollte, wurde nach dessen Tod 1729 im Zusammenspiel mit den ungarischen Ständen und des Gouverneurs Graf Mercy Adal-bert Freiherr von Falkenstein zum neuen Bischof ernannt. 1733 kam Karl VI. Falkenstein entgegen und ernannte ihn zum Bischof von Temeschburg. Seither wurde die Tschanad-Temeschburger Diözese von Temeschburg aus verwaltet. Noch heute ist der Temeschbur-ger Dom Bischofskirche.

Literatur: H. Diplich, Die Domkirche in Temeschwar, München 1972.       

Ute Richter

 

8.61

 

62. Bischof Franz Anton Graf von und zu Engl und Wagrain (1702-1777)

18. Jhdt.

Portrait, Öl auf Leinwand

Kloster Ettal

Künstler: Angelicus Henfling

Photographie

Das Gemälde wurde von Henfling nach dem Original des Portaits in der bischöflichen Residenz in Temeschburg gemalt. Es zeigt den Bischof im Ornat. Rechts unten sind seine Wappen abgebildet, links unten auf einer Pergamentrolle die Domkirche, die er eingeweiht und deren Bau in seiner Amtszeit fertiggestellt wurde. Engl stammte aus einer alten österreichischen Adelsfamilie. In Kloster Ettal ausgebildet, ging er 1723 nach Rom, wo er 4 Jahre später die Priesterweihe empfing. Seine Amtszeit als Bischof von Belgrad (1733-1739) war von kurzer Dauer. Nach der Einnahme Belgrads durch die Türken zog er sich auf seine Güter bei Wien zurück. 1750 wurde er auf den Bischofsstuhl von Tschanad-Temeschburg gerufen. Bis zu seinem Ableben baute er das Bistum auf, indem er insgesamt 70 Pfarreien gründete.

Literatur: K. Juhäsz, Das Bistum Belgrad und Tschanad unter Bischof Franz Anton GrafEngl von Wagrain (1702-1777). Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Banats mit Ergänzungen von M. Weber, Ostbayrische Grenzmarken, Passauer Jahrbuch für Geschichte und Völkerkunde, Jg. 6-11, 1962-1969.

Ute Richter

 

8.62

 

63. Bácsalmás/Batschka: röm.-kath. Pfarrhaus

Photographie

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

 

8.63

64. Bácsalmás/Batschka: Innenansicht, Orgelempore der röm.-kath. Kirche

Photographie

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

 

8.64

 

65. St. Andreas/Banat: Kirchweih

1985

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

 

8.65

66. Wolfsberg/Banat: Nach dem Kirchgang

1985

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

 

8.66

67. Hatzfeld: Kirchweih

1985

Photographie

Walter Chef, Ludwigsburg

 

8.67

 


68. Dr. Augustin Pacha (1870-1954), Bischof von Temeschburg

Portraitphotographie

Jakob Bohn, Stuttgart

Geboren in Moritzfeld/Banat 1870 als Sohn eines Dorfschusters; gestorben in Temeschburg 1954. Nach seiner Schulzeit in Kecske-met und Szegedin Studium der Theologie in Temeschburg; 1893 Priesterweihe; anschließend Aktuar in der Diözesankanzlei und Kaplan im ländlichen Bereich; 1900 Konsistorial-rat und bald darauf Sekretär des Bischofs Dessewffy von Tschanad; 1902 Geheimer Kämmerer; 1906 Ehrendomherr in Temeschburg und Konsistorialrat; 1911 Wirklicher Domherr in Temeschburg; 1912 Diözesan-kanzler ebendort; 1923 Apostolischer Administrator in Temeschburg; 1930 erster Diöze-sanbischof der neuerrichteten Diözese Temeschburg; 1950 Verhaftung durch die kommunistische Regierung Rumäniens; 1951 Schauprozeß und Verurteilung zu langer Haftstrafe;  1954 Entlassung aus der Haft, doch ohne Erlaubnis, die bischöflichen Funktionen neuerlich wahrnehmen zu dürfen.

Literatur: N. Engelmann, Hirte seines Volkes. Aus dem Leben und Wirken des Temesvarer Bischofs Dr. theol. h. c. Augustin Pacha, München 1955.                                   

Immo Eberl

 

8.68

 

69. D. Dr. Philipp Popp (1893-1945), Bischof der Evang.-Iuth. Kirche in Jugoslawien

Portraitphotographie

Jakob Bohn, Stuttgart

Geboren in Bezanija bei Semlin 1893 als Sohn eines Landwirts. Nach dem Besuch der Schule in Semlin und des Gymnasiums in Agram Studium der Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaften an der Theologischen Fakultät in Preschau und den Universitäten Agram und Berlin; 1917 Gemeindevikar; 1918 Pfarrer in Agram; 1925 Vizepräsident der ver-fassungsgebenden Synode der evangelischen Gesamtkirche Südslawiens; 1926 Synodalpräsident ebendort; 1931 erster Bischof der deutschen evangelischen Kirche in Jugoslawien; Senator des Staates Jugoslawien; blieb 1945 trotz Fluchtmöglichkeiten in Agram, im Mai 1945 durch die Partisanen Titos verhaftet und nach fünfwöchiger Haft zum Tode durch Erschießen verurteilt.

Literatur: G. Wild, Die deutsche evangelische Kirche in Jugoslawien 1918-1941, (Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerks, Reihe B, Bd. 37), München 1980.  

Immo Eberl

70. Donauschwäisches Trachtenpaar

1980

Pappelholz; Höhe: ca. 65 cm; Umfang: ca.

20cm; siehe Abb. 8.36d, S.221

Künstler: Mathias Wurtz, Stuttgart

Haus der Donauschwaben, Sindelfingen

Das donauschwäbische Trachtenpaar stellt ein bäuerliches Ehepaar aus Jarek/Batschka dar. Sie tragen die Tracht aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Die Trachten sind aus der Erinnerung angefertigt.                 

Ute Richter

 

71. Totenarie

1792 Szábar

verfaßt von Kantor Johann Huber

Papier; 250 mm x 400 mm

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

Das von Kantor Johann Huber vertonte Lied, das als Canto bezeichnet wird, lautet:

Was ist doch der Menschen Leben,

hier in dieser schnöden Zeit

als in Ängsten schweben

und in Widerwärtigkeit,

ach wie wohl ist der daran,

der jetzt nur jung sterben kann.

 

O liebste Eltern laßt das Weinen

und betrübt euch nicht so sehr.

Gott eilt mit den Seinen

aus der Welt zur Himmelsfreud.

 

Gott hat mich schon weggenommen,

mich geführt in Himmelshall,

ich schon angekommen,

wo die Engel singen all.

 

Dort sieh ich nur lauter Freude,

dazu auch die Heilgen all,

dort von keinem Leiden

in dem schönen Freudenfall.

 

O Jesum du hast mir geschenket,

für mein Leid die Seligkeit,

mich mit Lust getränket,

welches bleibt in Ewigkeit.

 

Beim Singen des Canto wurden jeweils die einzelnen Verse sofort nochmals wiederholt, womit sich ein eindringlicher Gesang fast in Form eines Kanons ergab.           

Immo Eberl

 

72. Arie auf den Tod eines Kindes

1794, Szábar

Text und Komposition von Kantor Johann

Huber

Papier; 230 mm x 360 mm

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

Auf den Tod eines Kindes hat Kantor Huber folgendes Lied gedichtet und mit einer Komposition versehen:

1. Meine Eltern gute Nacht,

mein allzugeschwinder Tod

der hat es zwar gemacht;

viel schwarzen Angst und Not,

doch Ia3t das Trauern fahren

mein Gott hat mich gebracht

zur auserwählten Scharen

mein Eltern gute Nacht.

 

2.  Betrübt euch nicht zu sehr,

daß ich euch entrissen bin,

bedeutet nur vielmehr,

es sei so Gottes Sinn,

der mich für euch geliebet

und auch so wohl bedacht,

daß mich fast nichts betrübet,

mein Geschwister gute Nacht.

 

3. Ich war zwar eure Lust,

so ich noch war bei euch,

nun hab ich fort gemußt

in Gottes Freudenreich

und kann dafür dort oben,

in voller Zier und Pracht

stets meinen Jesum loben,

mein Befreunde gute Nacht.

 

4. Die Welt hat nichts als Pein,

es muß hier durch den Tod

doch einst geschieden sein

und hat auch gleich mich Gott

noch lassen jetzt genesen

und mich gesund gemacht,

was war' es mehr gewesen

darum nun gute Nacht.

 

5. Gesteht nur in Geduld,

dem Höchsten euer Leid,

so wird derselben Huld

einst euer Traurigkeit

mit lauter Lust bedecken,

wenn von des Todes Nacht

mich Jesus wird erwecken,

Indessen gute Nacht

Ihr liebste Schüler all.

 

8.72

 

73. Adventlied

1867

Papier; 90 mm x 160 mm

Liedersammlung Dr. H. Schwalm

Ungarndeutsches Heimatmuseum Backnang

Auf der Vorderseite des Blattes steht folgender Text des Liedes:

    1. Gegrüßet seist Maria, jungfräuliche Zier du

    bist voller Gnaden, der Herr ist mit dir ein

    ganz neue Botschaft, ein unerhörte Stimm,

    vom himmlischen Hofstaat, was Gabriel

    bringt.

     

    2. Was sind das für Reden was soll dieses

    sein, wer kommt zu mir in mein Schlafzim

    mer herein. Die Thür ist verschlossen, die

    Fenster sind zu. Wer ist dann der rufet bei

    nächtlicher Ruh.

     

    3. Erschreck nicht Maria, es geschieht dir kein

    Leid, denn ich bin ein Engel, verkündig dir

    Freud. Du sollest empfangen und tragen

    ein' Sohn, nach welchem verlanget, wird

    tausend Jahr schon.

     

    4.Wie soll das geschehen, ich kenn keinen

    Mann, will lieber vergeben als tragen ein

    Sohn, ich hab ja...  

     

    Immo Eberl

     

    8.73

     

    74. Banater Bauernhof aus Liebling

    Modell aus Holz

    gefertigt von Michael Wirtle

    280 cm x 150 cm x 80 cm

    Heimatstube Liebling im Rathaus

    Legelshurst bei Kehl

    Das Modell stellt einen um 1905 in Liebling/ Banat errichteten Bauernhof dar.  

    Immo Eberl

     

     

       
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