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Donauschwäbische Dialekte

 

von Hans Gehl

 

Die neuzeitlichen Siedler im ungarischen Donauraum wurden von ihren Nachbarn Schwaben genannt (ung. sváb, serbokroat. svába, rumän. svab), wenngleich sie nur teilweise Abstammungsschwaben sind. Vielmehr sind es Nennschwaben, wobei verschiedene Gründe diesen Schwabennamen prägten. Die Mehrheit der ersten nachtürkischen Siedler ist tatsächlich aus schwäbischen Landen, aus Württemberg und Schwaben in den »Ulmer Schachteln« auf der langen Donaustraße nach Ungarn gekommen. Doch dann wurden die Schwaben von den Pestseuchen des 18. Jahrhunderts dezimiert und zogen zum Teil entlang der Donau, über die Dobrudscha und die Ukraine, in die Krim und nach Transkaukasien weiter. An deren Stelle traten im Karpatenraum Baiern und Franken, auf die der Schwabenname übertragen wurde, ähnlich wie die mittelalterlichen Siedler im Karpatenraum mit dem Sammelnamen Sachsen zusammengefaßt wurden.

Die donauschwäbischen Mundarten stellen eine Sprachinsel dar. Ihre Erforschung setzt die Aufdeckung sämtlicher sozialer und kultureller Faktoren voraus, die zur Entstehung der Mundarten beigetragen haben. Es handelt sich dabei um sprachliche Mischung, Entwicklung und um Ausgleichserscheinungen. Das Studium der Sprachinseln ermöglicht Rückschlüsse auf ältere Sprachzustände und deckt Gesetzmäßigkeiten der Sprachentwicklung in größerem Rahmen auf. Gliederung der Dialekte. In den 6 donauschwäbischen Siedlungsgebieten bestanden bis zum Zweiten Weltkrieg fast 500 deutsche bzw. gemischtsprachige Siedlungen mit starkem deutschem Bevölkerungsanteil. Bis auf wenige Ausnahmen wurden in diesen Gebieten Mischmundarten gesprochen, zu denen sich die ursprünglichen Siedlungsmundarten durch einen langen Ausgleichs-, Mischungsund Überdachungsprozeß herausgebildet haben. In der ersten Ausgleichsstufe entstand innerhalb der Dorfgemeinschaft aus den verschiedenen Dialekten der Siedler eine homogene Ortsmundart mit kaum wahrnehmbaren Unterschieden. Im Ausgleich zweiter Stufe erfolgte die Entwicklung benachbarter Dorfmundarten zu großräumigen Verkehrsmundarten. So entstanden einigermaßen ausgeprägte Mundartlandschaften mit einem jeweils vorherrschenden Dialekt. Der Ausgleich zweiter Stufe konnte allerdings nicht zu Ende geführt werden, da die donauschwäbischen Dorfgemeinschaften durch Um- und Aussiedlung beeinträchtigt und teilweise aufgelöst wurden.

Die donauschwäbischen Dialekte entsprechen einem jeweils vorherrschenden schwäbischen, bairischen, fränkischen und hessischen Mundartentypus. Dieser Sprachzustand entspricht im wesentlichen den siedlungsgeschichtlichen Fakten. Der donauschwäbische Raum wurde in der Neuzeit kolonisiert, wobei sich der Prozeß von der Rückeroberung Ofens durch die Habsburger (1689) bis um 1800 vollzog. Während der drei Schwabenzüge (der karolinischen, theresianischen und josephinischen Kolonisationswelle) sammelten Werber für die Hofkammer, für kirchliche Feudalherren (Abteien, Bistümer) und für private Grundherren aus dem ganzen Reich, hauptsächlich aber aus mittel- und südwestdeutschen Gebieten, siedlungswillige Untertanen. Aus der Sprache so verschiedener Siedlergruppen konnten sich im Laufe der Generationen nur Mischmundarten mit einem vorherrschenden Gepräge herausbilden.

  1. Das Ungarische Mittelgebirge weist eine große Mundartenvielfalt auf und gliedert sich in einen Ost- und in einen Westabschnitt. In den meisten deutschen Siedlungen werden bai-risch-österreichische Dialekte gesprochen. Es ist demnach ein bairischer Sprachraum. Im Osten des Gebiets (Donauknie, Tschepeler Insel, Ofner Bergland, Schildgebirge) spricht man allgemein mittelbairische ua-Mundarten (Muatta), im Westen (Buchenwald, ein Teil des Schildgebirges) jedoch mittelbairische ui-Mundarten (Muida). Langes aa statt ei (z. B. in praat, Staan) zählt als Einfluß der Wiener Verkehrsmundart, während es an den Randzonen fränkische Mundarten gibt. Südlich von Budapest, in Hartau, gab es eine bairisch-schwäbisch-pfälzische Mischmundart.
  2. In der Schwäbischen Türkei ist trotz schwäbischer, bairischer und ostfränkischer Einstreuungen der rheinfränkische Sprachausgleich vorherrschend. Die meist kleinen Siedlungen von Hessen, Fuldaern, Pfälzern, Franken, Schwaben und Baiern waren voneinander getrennt, so daß sich in ihrer Sprache auch konfessionelle Unterschiede widerspiegeln. In der nördlich gelegenen Tolnau besteht ein hessischer Dialektraum. Man sagt hier: Äpplpeemcher stiie in unsem Goate (= Garten); gelegentlich auch rere (= reden, mit Rhotazismus). In der südlich gelegenen Branau gibt es »Stiffoler«(Stift-Fuldaer) Mundarten. Hier gibt es die Mäderje (= Mädchen) und den Satz: I kann getrenk (= Ich kann trinken). Schwäbische, pfälzische und bairische Mundarten sind hier selten anzutreffen.  Die bairischöterreichische Umgangssprache der Städte (besonders Fünfkirchen, Petschwar), die für die Handwerker im ganzen Raum als Norm galt, hemmte den mitteldeutschen Ausgleich der fränkischen Bauernmundarten.
  3. In der Batschka werden meist pfälzische und badische Mundarten gesprochen. Pfälzische Merkmale sind z.B. die Verbalformen: Ich han gfroot (= Ich habe gefragt), Ich sen komm (Ich bin gekommen). Zum Unterschied vom »Pennsilfaanisch«, in den Vereinigten Staaten, das ein Pfälzer Dialekt mit englischen Einflüssen ist, gibt es in der »Phälzer Sprooch« der Batschka ungarisch-südslawische Wörter. In der ältesten Batschkaer Siedlung, Neudorf an der Donau, wird eine süd-west-schwäbische Mundart, mit Beibehaltung der alten Diphthonge und des schwäbischen Diminutivsuffixes -le gesprochen: z. B. Muette, hoech, Määdle.
  4. Die deutschen Mundarten in Syrmien und Slawonien weisen viele schwäbische Elemente auf. So hat Neu-Pasua und India viele Diphthonge bewahrt: z.B. Du muescht hoemgeh, guet; obwohl auch einige rheinfränkische Elemente anzutreffen sind. In Soting und Ernestinenhof, bei Esseg, sind die Verschlußlaute intervokalisch immer vorhanden: saage, frooge. Man sagt hier schwäbisch: du bisch, du hosch (= du hast), er isch oder er is. Die Diminutivsilben sind le- und li, wie im Schwäbischen. Es gibt in diesem Gebiet viele Tochter siedlungen, deren Sprecher die Merkmale der Herkunftsmundarten übernehmen.
  5. Vom vortrianonischen Banat blieb nur ein Zipfel bei Ungarn. Zwei Drittel kamen zu Rumänien und ein Drittel zu Jugoslawien. Bei Ungarn  blieben  Elek und Almasch-Kamarasch. Hier spricht man, wie im nahen Sanktmartin, in Matscha und Schimand, im rumänischen Banat, eine ostfränkische Mundart, mit dem  Diminutivsuffix la-,  Vegala,  Pl.Vegali (= Vögelchen) und mit st im In- und Auslaut: Kaste, du mußt. Der geographische Begriff »Heide« für einen Teil der Tiefebene im rumänischen und jugoslawischen Banat stammt aus dem Jahre 1765, als Billed auf »bloßer Heide« angelegt wurde. Das Gebiet »Hecke« liegt östlicher, im beginnenden Hügelland. Für das jugoslawische und rumänische Banat gilt gleichermaßen, daß das Mitteldeutsch-Rheinpfälzische allmählich zur Verkehrssprache aller Siedler geworden ist. Vom Luxemburgischen, Hessischen, Schwäbischen, Alemannischen und Bairischen sind nur Reliktformen festzustellen, da es im Rheinpfälzischen aufgegangen ist. Trotz mancher lautlicher Vielfalt (z.B. heim, heem, hem, haam, hoom) weisen die Banater Mundarten heute eine große Einheitlichkeit auf. Der südwestpfälzische Mundarttypus ist der häufigste, mit Wörtern wie: du bischt, Worscht, Kopp, Äppl, Seef, Kerich, geloff (= gelaufen). Einige nordrheinfränkische Mundarten mit st (fest, hast) entstanden in der ersten Ansiedlungsperiode mit Einwanderern aus dem südhessischen Sprachraum. Die übrigen, etwa 100 »fescht«-Siedlungen sind in der 2. und 3. Siedlungsperiode entstanden. Der Sprachraum südlich von Werschetz gehörte zur österreichischen Militärgrenze. Das Kommando österreichischer Offiziere und Verwaltungsbeamter hat einen starken bai-risch-österreichischen Einschlag in der Sprache jener Siedler verursacht. Desgleichen waren alle ehemals deutschen Städte Südungarns einer Strahlung von Wien ausgesetzt. Deshalb gab es in Fünfkirchen, Werschetz, Neusatz, Temeschburg, Reschitza, Lugosch, Tirol, Franzdorf, Steierdorf usw. bairisch-österreische Stadtmundarten. Eine nordbairi-sche Mundart mit »gestürzten Vokalen« wird auch in den »Deutschböhmendörfern« der Nordbanater Berglanddeutschen gesprochen. Eine besondere bairisch-österreichische Mundart sprechen die Zipser aus Oberwi-schau, die wegen ihrer geographischen Lage zum Sathmarer Gebiet gezählt werden. Hier trafen sich Einwanderer aus der Zips (Slowakei) mit Ansiedlern aus dem oberösterreichischen Bad Ischl und Gmunden. Ein Sprichwort lautet hier: »Was kannst heint machn, das kannst machn auch moring.« Diese bairische Mundartform nahm gelegentlich Einflüsse aus der (mittelfränkischen) Mundart der Siebenbürger Sachsen auf, z.B. den Lautverschiebungsstand p zu f: Feifn (= Pfeife). Von dem pfälzischen Mundarttypus heben sich im Banat einige Mundarten mit moselfränkischer und südfränkischer Prägung ab. Vereinzelt steht die hochalemannische Mundart von Sa-derlach am Mieresch, bei der k durchwegs zu ch verschoben (Chind, Chueche) und die langen Monophthonge; und üerhalten sind (miin Huus = mein Haus). Bewahrt wurden die drei Genera des Numerales zwei: zwe, zwo, zwei und der Einheitsplural -et im Indikativ Präsens: mier, ier, sii maajet (= wir, ihr, sie mähen), ähnlich wie es zwischen Schwarzwald und Bodensee zu hören ist.
  6. Die sathmarschwäbischen Siedlungen um Großkarol und Sathmar sprechen ein einheitliches Schwäbisch, wie in Mitteloberschwaben, mit Merkmalen der südlichen allgäuischen Mundarten, z.B. ui, oi für altes ei vor Nasalen: ellui (= allein), hui (= heim), i woiß (= ich weiß). Die konjugierten Verben haben den Einheitsplural: mier, ier, sii schwätzet (= wir, ihr, sie reden). Der Dativ wird durch Einsetzen eines / gekennzeichnet: Se gait i Saue Beer (= Sie gibt den Schweinen Beeren, d. h. Maiskörner). Die Aussprache kchan, kchume erinnert an den Schweizer Dialekt, während Wortformen wie gaa statt gau (= gehen) die fränkische Aussprache übernehmen. Noch heute haben die Sathmarschwaben den Spruch: »Ga(u), sta(u) und bleibe la(u), Und wiear dieane drei Sprache it ka, Dr sieal dieaff it is Schwobaland ga(u).«

Die ungarndeutsche Mundartforschung wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Budapester Germanisten Gideon Petz eingeleitet. Weitergeführt haben sie: Heinrich Schmidt, Claus Jürgen Hutlerer, Johann Weidlein, Karl Man-herz, Hans Hagel, Johann Wolf, Hans Gehl, Anton Schwob und andere Wissenschaftler, die verschiedene donauschwäbische Mundartengruppen im heutigen Ungarn, Jugoslawien und Rumänien untersuchten. Um die Entwicklung aller donauschwäbischen Mundarten im Laufe ihrer 250jährigen Geschichte zu dokumentieren, muß zu der bisherigen Forschung noch viel sprachliches Material gesammelt werden. Wertvolle Tonaufnahmen wurden seit 1950 mit donauschwäbischen Aussiedlern durchgeführt und beim Mannheimer Spracharchiv, beim »Ludwig-Uh-land-lnstitut« in Tübingen und beim »Johan-nes-Künzig-lnstitut für ostdeutsche Volkskunde« in Freiburg archiviert. Im Rahmen des Projektes »Mundartforschung« beim Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen wurde ein donauschwäbisches Mundartarchiv angelegt, das laufend durch Tonaufnahmen, Mundarttexte und Wortsammlungen ergänzt wird. Die erste Aufgabe ist, dieses Mundartgut zu bearbeiten und zu kartieren. Einzelveröffentlichungen über die Handwerkersprachen der einzelnen Gewerbegruppen (Bekleidung, Bauwesen, Schmied, Wagner, Bäcker u.a. landwirtschaftliche Gewerbe) und über den Fachwortschatz der Landwirtschaft, in einer Publikationsreihe des Donauschwäbischen Instituts in Tübingen, sollen ein großangelegtes Wörterbuch der donauschwäbischen Dialekte und einen ergänzenden Sprachatlas zu ihrer Dokumentation und Bekanntmachung vorbereiten und stützen.

Literatur: K. Barba, Deutsche Dialekte in Rumänien. Die südfränkischen Mundarten der Banater deutschen Sprachinsel. Beiheft 35 der ZDL, Wiesbaden, Franz Steiner Verlag 1982; H. Fischer, Die Schwaben in der ungarischen Grafschaft Szatmär. In: Württembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde, 1911 (S. 32); H. Gehl, Merkmale der oberdeutschen >>fescht«-Mundarten des Banats. In: Forschungen zur Volks- und Landeskunde, Verlag der Akademie derSRR, Hermannstadt Bd. 19/2, S.91 ff.; H.Hagel, Die Banater Schwaben. Gesammelte Werke zur Volkskunde und Mundartforschung. Hrsg. von A.P. Petri, München 1967 (231 S.); C.J.Hutterer, Geschichte der ungarndeutschen Mundartforschung. Akademieverlag Berlin 1960 (96 S.); Das Ungarische Mittelgebirge als Sprachraum. Historische Lautgeographie der deutschen Mundarten in Mittelungarn. Halle/Saale 1963; K.Manherz, Sprachgeographie und Sprachsoziologie der deutschen Mundarten in Westungarn. Budapest 1977; H.Moser, Schwäbische Mundart und Sitte in Sathmar. München 1937; H.Schmidt, Die deutschen Mundarten in Südungarn. In: Ungarische Rundschau, III. Jg. 1914, S. 655ff.; Die deutschen Mundarten in Rumpfungarn. In: Das Deutschtum in Rumpfungarn, Budapest 1928, S.5ff.; A.Schwob, Wege und Formen des Sprachausgleichs in neuzeitlichen ost- und südostdeutschen Sprachinseln. Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission, Bd. 25, München 1971; J. Weidlein, Pannoni-ca. Ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze zur Sprach- und Geschichtsforschung der Donauschwaben und Madjaren. Selbstverlag d. Verf., Schorndorf 1979 (424 S.); Die Schwäbische Türkei II. Beiträge zur Geschichte, Sprach- und Volkskunde. Hrsg. Ungarndeutsches Sozial- und Kulturwerk, Druck in Schorndorf 1980 (227 S.); Hungaro-Suebica. Gesammelte Beiträge zur Geschichte der Ungarndeutschen und Madjaren. Schorndorf 1981 (374S.); J.Wolf, Banater deutsche Mundartenkunde. Kriterion Verlag Bukarest 21987(373S.)

 

 

   
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