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Hans Degendorfer

Die Vertreibung der Donauschwaben, Flucht und Vernichtung
(Aus: Festschrift zur Einweihung des Hauses der Donauschwaben Mosbach am 19. April 1985, S. 60 ff.)

 

Das nach dem 2. Weltkrieg machtlos und wehrlos gewordene deutsche Volk war den fremden Nationalisten auch im Südosten auf Gnade und Barmherzigkeit ausgeliefert. Jeder Kleinstaat in diesem Raum löste die Deutschenfrage auf seine Weise. Diejenigen Deutschen, die sich durch Flucht vor den heranrückenden Fronten in Sicherheit brachten, wurden nach den Plänen der Volksdeutschen Mittelstelle in Berlin evakuiert und nach dem Westen geleitet.

Die Deutschen in der Gottschee wurden bereits im Jahre 1941, nach dem Zerfall Jugoslawiens, aufgrund eines Abkommens zwischen Italien und Deutschland in die Untersteiermark umgesiedelt, wo sie von Partisanen vernichtet oder vertrieben wurden. Von ihrer 600jährigen Geschichte, die ein heldenhafter Kampf um ihre völkisch-kulturelle Eigenart war und für die sie viele Opfer brachten, ist nichts geblieben. Eine Evakuierung machten auch die Batschkadeutschen und die Deutschen des jugoslawischen Banats durch. Sie wurde am 7.10.1944 eingeleitet und betraf etwa 50.000 Donauschwaben, deren Trecks über Ödenburg, Wien nach Glatz / Schlesien geleitet wurden. Aber schon nach knapp 2 Monaten muß-ten sie erneut aufbrechen und nach dem Westen flüchten. Die zurückgebliebene Mehrheit in der Heimat ereilte ein tragisches Schicksal in den Vernichtungslagern der jugoslawischen Partisanen, die die Ausrottung der Donauschwaben in ihrer 2. Avnoj-Tagung am 29.11.1943 beschlossen haben. Die Donauschwaben wurden als reaktionär, faschistisch und für den sozialistischen Wiederaufbau Jugoslawiens unbrauchbares Volkselement abgeschrieben. Dieser Beschluß stand zwar im Widerspruch zu den von Tito in seinem „Brief an Serbien" vom 2.11.1936 vertretenen Grundsätzen zur Minderheitenpolitik, was ihn jedoch nicht bewog, gegen diesen Genocid einzuschreiten. Seine donauschwäbischen Opfer liegen in den Vernichtungslagern Rudolfsgrad, Jarek, Kruschiwle und Ga-kowo. Die Überlebenden kamen 1948 frei und mußten sich die Ausreisegebühr nach Deutschland in Höhe von 12.000 Dinar in Jugoslawien abverdienen.

Die Donauschwaben im rumänischen Banat wurden nicht vertrieben. Aber gleich nach der Besetzung ihrer Heimatgebiete durch die russischen Truppen begann ihre Deportation nach Rußland. Die Aushebung betraf Männer zwischen dem 16. - 45. und Frauen zwischen dem 18. - 32. Lebensjahr. Sie kamen in die Arbeitslager der Ukraine, des südlichen Ural und in andere Gebiete Rußlands, wo sie oft in Bergwerken bei schlechter Ernährung harte Arbeit leisten mußten. Als die Überlebenden in die Heimat zurück durften, waren ihre Häuser von Fremden besetzt, so daß sie nur noch in den hinteren Wirtschaftsgebäuden ihrer Höfe Unterkunft fanden. Später wurden Bauernfamilien von Sicherheitskräften in die Baragansteppe als „Ausbeuter" verfrachtet, wo sie am Unterlauf der Donau bis zu Braile Dörfer errichten mußten. Viele sind in den als Unterkunft dienenden Erdhöhlen und primitiven sonstigen Behausungen erkrankt und gestorben. Die Deportationen betrafen hauptsächlich Kinder, Frauen und ältere Menschen, da die wehrhaften Männer in Kriegsgefangenschaft oder als Heimkehrer in Deutschland waren.

In Rumpfungarn wurde die Volkstums-politik seit 1940 durch das Wiener Abkommen bestimmt. Der alte „Volksbildungsverein der Deutschen in Ungarn" und seine publizistischen Organe wurden verboten und die Volkstumspolitik in die Hände des neuen „Volksbundes der Deutschen in Ungarn" gelegt. In der Stellungnahme der neuen Volksgruppenführung zum Wiener Abkommen wurde die Führerschaft Hitlers als „Schutz- und Schirmherr" auch der Deutschen in Ungarn anerkannt. Dies kann als Kompromiß dafür gewertet werden, daß die Volksgruppe Rechte erhielt, die weit über den Minderheitenschutz im ungarischen Nationalitätengesetz von 1868 hinausgingen. Vor diesem volkstumspolitischen Hintergrund muß die später erfolgte Vertreibung der Deutschen aus Ungarn gesehen werden. Zunächst aber hatten die in der Heimat verbliebenen die Drangsale der russischen Besatzungstruppen zu erleiden. Die ungarischen Kommunisten vertrieben die Deutschen von Haus und Hof, um ihre Agrarreform einzuleiten. Jugoslawische Partisanen durchstreiften die südungarischen Landschaften bis Budapest für Deportationen nach Rußland. Viele Deutsche mußten bei ungarischen Familien Zuflucht suchen. In den Jahren 1946 - 1948 hatte Ungarn seine Verordnungen zur „Umsiedlung" von Deutschen erlassen. Diese fußten auf Art. XIII des Potsdamer Abkommens der Siegermächte. In ihm war die „Überführung von Deutschen aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn" vorgesehen. Auffallend war, daß weder Rumänien, noch Jugoslawien genannt waren. Daraus kann geschlossen werden, daß die Regierungen der Vertreibungsländer, also auch Ungarn, auf die Beschlüsse Einfluß genommen haben, obwohl dies nicht geklärt werden konnte. Sicher scheint zu sein, daß in den Kriegsjahren nationalistische Kreise die Möglichkeit diskutiert haben, die Idee der einheitlichen ungarischen Nation nicht mehr allein mit den Mitteln der Madjarisierung zu betreiben, sondern durch die Ausweisung der widerspenstigen Minderheiten zu verwirklichen. In der Ausweisungsverordnung vom 22.12.1945 war die „Umsiedlung" von 500.000 Volksdeutschen (radikale Lösung) vorgesehen. Sie betraf denjenigen, „der sich bei der letzten Volkszählung (1941) zur deutschen Volkszugehörigkeit oder deutschen Muttersprache bekannt hat, diejenigen, die Mitglieder beim Volksbund waren oder einer bewaffneten deutschen Formation angehört haben und diejenigen, die ihren deutschen Namen zurückgenommen haben." Dieser Text unterscheidet nicht, ob jemand freiwillig oder aufgrund des Abkommens zwischen Deutschland und Ungarn vom 14.4.1944 zwangsweise zu einer bewaffneten deutschen Formation gekommen ist. Dies ist ein Beweis dafür, daß jene ungarischen Chauvinisten federführend waren, die vor dem Zusammenbruch die Madjarisierung der völkischen Minderheiten betrieben haben und jetzt eine Möglichkeit sahen, den Großteil ihrer Deutschen loszuwerden. Dies strebten auch die Kommunisten an, die damit ihre Agrarreform einleiten wollten.

Durch eine entschädigungslose Enteignung befürchtete die regierende Klein-landwirtepartei die generelle Erschütterung des Eigentumsbegriffs für das ganze Land. Auch in der Frage des Umfangs der Ausweisung waren sich die beiden Gruppen nicht einig. Ausgehend von der Kollektivschuld der Deutschen waren die Kommunisten für die „radikale" Lösung, während die Regierung bei dieser Lösung ein Argument gegen die Zwangsausweisung der Slowakei-Madjaren (700.000) verloren hätte, die von der Tschechoslowakei angestrebt wurde. Aus diesem Dilemma führte dann ein Protokoll des Alliierten Kontrollrats in Deutschland heraus, in welchem als Aufnahmegebiet der Deutschen aus Ungarn die amerikanische Besatzungszone bestimmt wurde für etwa 300.000 Menschen. Der eigentliche Modus der „Umsiedlung" wurde in der Durchführungsverordnung vom 4.1.1946 festgelegt. Dieser wurde in der Praxis in den einzelnen Teilen des Landes unterschiedlich und auch oft abweichend angewandt. Die Vertreibung (Umsiedlung) vollzog sich in zwei Phasen: Die erste war vom Januar 1946 bis Juni 1946, dann vom August 1946 bis zum Jahresende 1946. Zielgebiet war die amerikanische Besatzungszone Deutschlands. Die zweite Phase lief vom August 1947 ab in die russische Besatzungszone, wohin 1948 noch einige Transporte geleitet wurden.

Alle Donauschwaben, die geflüchtet, vertrieben, umgekommen oder in ihren „Vaterländern" zurückgeblieben sind, wurden entschädigungslos enteignet. Im Südosten ging ein jahrhundertealter, ja ein tausendjahralter deutscher Heimatboden verloren. Die Geschichte hat mit diesen Vorgängen bewiesen, daß es den Völkern im Osten um mehr ging, als nur um die Bestrafung von Schuldigen. Für sie war es die Befriedigung alter, nationalistischer Zielsetzungen.

50.000 Vertriebene aus Ungarn fanden in der früheren sowjetisch besetzten Zone eine neue Heimat. Auf dem Bild: Ankunft des ersten Transportes 1947 im Quarantänelager in Pirna an der Elbe
 
Heimattreffen der Nadwarer am Pfingstsamstag 1970 in der Festhalle Dietenheim
 
Die 50jährigen Nadwarer mit Ihren Ehefrauen beim Heimattreffen 1972

 

 

   
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