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Zusammenfassung

 

Nagybörzsöny, auf deutsch Deutschpilsen liegt nördlich vom Donauknie, in einer der schönsten Gegenden Ungarns, im Herzen des Börzsöny-Gebirges. Die schöne, wildromantische Landschaft und die archaische Ansicht des von Bergen umrahmten Dorfes, machen es zu einer der schönsten Ortschaften des Landes, deren reiche und sonderbare historische Vergangenheit sich bis heute in allen Einzelheiten zeigt.

Den günstigen landschaftlichen Gegebenheiten des Börzsöny-Gebirges und des Tals des Flusses Ipoly zufolge ließ sich hier der Mensch von etwa 4000 vor Christi bis ins 9. Jahrhundert hinein nieder.

Die Ungarn erreichten dieses Gebiet des späteren Komitats Hont wahrscheinlich erst in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Das Dorf Börzsöny, das zum ersten Mal im Jahre 1138 urkundlich erwähnt wurde, und in dem auch ein Teil der königlichen Dienerschaft lebte, war im Besitz des Fürsten, dann des Königs.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts war die Siedlung im Eigentum des Erzbischofs von Gran (Esztergom), und der kirchliche Gutsherr siedelte nach dem Mongolensturm die ersten deutschen Bergleute, „Krieckhauer” (ungarisch irtókapások) aus dem Gebiet des einstigen Hauland ein, die mit ihrem Fachwissen und ihrem entwickelten Rechtswesen im Leben des Dorfes bald eine Blütezeit brachten. Das Dorf hatte dementsprechend zwei Kirchen, die St. Stephanskirche wurde von der ungarischen, die St. Nikolaus Bergmannskirche von der deutschen Bevölkerung errichtet. Beide stehen heute noch, und weisen auf die zwei Wurzeln der Geschichte von Nagybörzsöny hin.

Das mittelalterliche Dorf, das auch das Marktrecht erwarb, hatte als wichtigste Einnahmequelle die Gold- und Silbermine und seinen „goldenen Wein”. Den Wein trank vor allem die Bürgerschaft der Hauptstadt, Ofen (Buda) und Schemnitz (Selmecbánya). Die Entwicklung der Siedlung und der Einfluß ihrer Einwohner war trotzdem nicht so maßgebend, daß das Dorf einen höheren Rang wie z. B. königliche Freistadt oder Bergstadt mit Sonderrechten hätte erreichen können, der Ort blieb im Lehnbesitz des Bistums von Gran (Esztergom), seine Einwohner oder die Mehrheit der Einwohner blieben weiterhin Leibeigene.

Nach dem Fall von Ofen (Buda) im Jahre 1541 belagerten die Türken auch den südwestlichen Teil des Komitats Hont, das Dorf Börzsöny wurde zum Schauplatz häufiger Kämpfe und Streifzüge. Die Türken hatten hier keinen festen Sitz, deshalb konnte die seit 1549 als Marktflecken erwähnte Siedlung, wenn auch mit stark verminderter Einwohnerzahl, die türkische Belagerung überleben. Ungefähr in dieser Zeit verbreitete sich in Börzsöny der lutherische Zweig des Protestantismus, bis Ende der Türkenzeit übten die Lutheraner ihre Religion in den belagerten katholischen Kirchen ungestört aus. Die ganze Bevölkerung von Börzsöny trat zur neuen Religion über.

Nach der Vertreibung der Türken von 1686 spielte im Leben des Marktfleckens der Religionskrieg die größte Rolle. Der oft schonungslose Kampf der Gegenreformation hatte seinen Erfolg – allerdings konnte die vollständige Rekatholisation nicht erreicht werden –, so entstand ein Gleichgewicht der Konfessionen, das auch bis heute maßgebend ist. Die fleißigen Bewohner von Börzsöny brachten dem Dorf wieder eine Blütezeit. Neben dem für einige Zeiten wieder bedeutenden Bergbau bekam im Leben der Bevölkerung die Landwirtschaft, vor allem der Weinbau eine große Rolle. Nagybörzsöny zählte in dem 18–19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Ortschaften der Gegend. Den Rang einer Stadt bekam es jedoch nicht, dabei spielte auch der Abfall der Bergminen eine Rolle.

Die Leibeigenenbefreiung von 1848 hatte nur viel später, im Jahre 1875 ein Ergebnis, als der einstige Lehnsherr und die ehemalige Gemeinschaft der Leibeigenen das Urbarialabkommen unterzeichneten. Die von daran an ihren Feldern frei arbeitenden Bauer konnten die Freude der eigenen Bewirtschaftung nicht lange genießen, da ihre Weingärten von der Phylloxeraepidemie heimgesucht wurden. Obwohl sie die Rebstöcke neu gepflanzt hatten, war der Wein nicht mehr der alte, deshalb bevorzugte man immer mehr die Schnapsbrennerei.

Die Felder konnten die in den „glücklichen Friedenszeiten” schnell herangewachsene Bevölkerungszahl nicht mehr ernähren, denn die weitere Zerstückelung der Familienbesitze war nicht mehr möglich, deshalb gaben viele die Landwirtschaft als Beschäftigung auf, und verdienten ihren Lebensunterhalt in der Forstwirtschaft oder in der Industrie. Die immer schärfer werdenden gesellschaftlichen Gegensätze konnten nicht einmal durch die Revolutionen von 1918/19 beseitigt werden. Durch den Friedenspakt von Trianon nach dem ersten Weltkrieg geriet das ganze Land und besonders eine Vielzahl der in der Nähe der neuen Grenze liegenden Ortschaften in eine schwere Lage. Die einen kurzen Aufschwung mit sich bringende Epoche, die voller Gegensätze war, endete in einer zweiten Weltkatastrophe. Während des zweiten Weltkrieges geriet ein großer Teil der Bewohner des Ortes, aber auch des ganzen Landes unter den Einfluß der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie und wurde zum gehorsamen Diener der reichsdeutschen Interessen. Die durch den Krieg verursachten materiellen Schäden wurden schnell behoben, die menschlichen Verluste und die kollektive Verurteilung des „schuldigen” Dorfes führte jedoch zu persönlichen Tragödien. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, an ihre Stelle kamen neue Bewohner ungarischer Nationalität aus der Tschechoslowakei.

Die Wende von 1948 brachte den Systemwechsel mit sich. Im Zeichen des Aufbaus des Sozialismus trat auch Nagybörzsöny zur kollektiven Landwirtschaft über. Die Wälder wurden verstaatlicht, die Felder gerieten in den Besitz der Landesproduktionsgenossenschaften. Die langsame Entwicklung von Nagybörzsöny und ihre Abgeschlossenheit von der Welt veranlaßten viele Jugendliche, die im Ort keine entsprechende und genügende Arbeitsmöglichkeit finden konnten, in andere Orte zu ziehen, die bessere Lebensbedingungen bieten konnten.

In der abwechslungsreichen, oft sonderbaren Geschichte der Siedlung erscheinen die Bewohner der Schanzenburg, die deutschen Ritter, die Fuhrmänner, der Erzbischof als Lehnsherr, der Apotheker, der tyrannische Großbesitzer, die Bürger aus Ofen (Buda) und Schemnitz (Selmecbánya), der Richter, der türkische Belagerer, der protestantische und der katholische Priester, der Kuruze, der auf seinem Feld arbeitende und dafür kämpfende Leibeigene, der Gespann, der Winzer, der Bergwerkunternehmer und der Bergingenieur, der Müller in der Wassermühle, der Priester-Revolutionär, der Schüler, der Schuldirektor, der Märtyrer der Kriegsopfer, der Vertriebene und der Eingesiedelte, der Ratsvorsitzende, der Kapitän der Nationalgarde, der sich um sein Dorf sorgende Dorflehrer, der Bewohner mit deutscher oder ungarischer Muttersprache, der hier zur Welt kommende, heiratende und sterbende Mensch – also alle, die durch ihr gemeinsames Schicksal an Nagybörzsöny, an Deutschpilsen gebunden sind.

Nagybörzsöny gilt heute als beliebtes Ausflugsziel für Touristen und Wanderer. Hier erwartet sie die unberührte Natur, die Ruhe und Entspannung bietet, die St. Stephanskirche aus der Arpadenzeit und die Bergmannskirche, die römisch-katholische und die lutherische Kirche, das historische Gebäude des Pfarramts mit einer Ausstellung über die Diözese, das Heimatmuseum mit vielen Gebrauchsgegenständen, die die früheren Zeiten in Erinnerung rufen, die alte Wassermühle, das Erholungslager für Jugendliche und die wendigen kleinen Gassen. Es gibt immer mehr Leute, die im Dorf alte Wohn- und Preßhäuser kaufen und renovieren lassen, um ihre Wochenenden weit von dem Lärm der Stadt zu verbringen.

Der alte Glanz von Nagybörzsöny ist während der vielen Jahrhunderte verblaßt. Je kleiner die Gold- und Silberbestände unter der Erde wurden, und je weniger Leute durch die Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen konnten, und je geringer die Zahl der Arbeitsplätze wurde, desto rascher nahm die Einwohnerzahl der Siedlung ab. Aus dem im Mittelalter durch die Gold- und Silberminen und die Weingärten reich gewordenen, Marktrecht und Zollfreiheit erworbenen Dorf wurde für das 18. Jahrhundert ein „silberner” Marktflecken, im 19–20. Jahrhundert der Sitz des Kreisnotariats, eine Großgemeinde, am Ende des 20. Jahrhunderts aber nur ein kleines Dorf mit 800 Seelen. Während früher der Gold- und Silberabbau und der Wein die ständige Entwicklung der Ortschaft sicherten, bedeuten heute die schöne Landschaft um das Dorf herum und das im Mittelalter, bzw. im 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene und bis heute relativ unveränderte Straßenbild die Möglichkeit zum Überleben, sogar zum neuen Aufschwung. Hoffentlich können die Bewohner das alte Bergmannssprichwort, mit dem sie jahrhundertelang ihren Stolz ausdrückten, wieder verwenden: „Der Schwanz der goldenen Kuh ist in Schemnitz, aber ihr Kopf ist in Börzsöny!”

 

 

  
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